tir. 84 1903 Mittwoch den 10. Juni. . M . - (Nachdruck verboten.) Die Annonce. Novelle von Thomas Glahn. (Schluß.) „Wie Du willst! Dann beleben wir also unsere alte Weinstube, was?" Der Arzt schüttelte beit Kopf. „Nein, Kurt, das wäre stilwidrig. Wein ist ein Trunk der Freude, der gehobenen Stimmung. Hierzu gehört Mer, recht dunkles! Also zum Kulmbacher." Eine Stunde später hatten sie folgende Bedingungen sestgestellt: Ein Spiel Karten wird durchgemischt; Jeder nennt eine Zahl zwischen eins und zweiunddreißig. Es wird abgezählt und die höhere Karte gewinnt. Gegen diese Entscheidung gibt es keine Berufung. Eo ipso ist jede Revanche ausgeschlossen. Der Sieger erhält das Kartenspiel zum. Andenken. Der Unterlegene verpflichtet sich, von jedem Schritte abzustehen, der dem Sieger Schwierigkeiten bereiten könnte. Sofort nach der Entscheidung wird dieselbe, mit beiden Unterschriften versehen, an Resi Bergmann gesandt. „All right", sagte Fred Richter, als Kurt Unruh, der den Schriftführer gespielt, diese Paragraphen verlesen. „Heda, Kellner, ein neues Spiel Karten!" Schweigsam und trübe saßen sie, bis es kam, auf ihren Plätzen. Der Assessor wog es in der Hand. „Da liegt nun eine Entscheidung drin. Reiß es auf, Fred, und beginn zu mischen!" „Noch eins. Hör mal, Kurt: stoßen wir jetzt kräftig au. Der Himmel weiß, ob wir's noch einmal als die alten guten Freunde tun. Ein Stachel Mtterkeit bleibt schließlich doch zurück. Jedenfalls wollen wir ehrlich versuchen, uns durch diese schauderhafte Geschichte nicht zu verlieren. Prosit, alter Junge!" Kurt Unruh war gerührt. „Sollst leben, Fred! Ach Gott ja, man hat doch jahrelang zusammen gelebt und Freud' und Leid geteilt. Da muß man sich in dasselbe Mädel verlieben." „Die Karten sind gemischt. Deine Zahl?" „Sechs!" „Nehm' ich vierzehn. Darf ich abzählen?" „Bitte!" „Eins, zwei, drei, vier, fünf, sechs — Er warf das Watt um: „Pikett-Dame!" „Heiliges Kreuz!" fluchte Kurt Unruh finster. „Keine Angst. Ueber ein Dutzend Karten gehen darunter." Er zählte weiter. „Dreizehn — vierzehn!" „Auch eine Dame!" jubelte der Assessor Gottlob, verloren hab' ich nicht." „Ich auch nicht!" „Also ein neues Spiel i" Aber Fred Richter warf die Blätter auf den Tisch. „Nach unseren Bedingungen geht das kaum. Und wenn es zehnmal geht — ich tu' nicht mit! Ich setz' mein Schicksal nicht auf meine Karte. G'rade genug, daß es jetzt geschah! Humbug ist alles! Entweder hat Resi wirklich einen von uns lieb, dann wird sie's ihm auch so zeigen. Oder sie macht sich einen Spaß mit uns —< dazu geb' ich mich nicht her. Kellner!" „Sie lvünschen?" „Feder und Tinte, Briefpapier dazu!" „Was willst Du tun?" „Einen Moment." Nach kurzer Zeit reichte Fred Richter seinem Vetter einen Brief hin. Der Brief war an Resi Bergmann und lautete: „Liebe Resi! Das ,Gottesurteil' hat versagt. Zum zweitenmal zu versuchen, weigere ich mich, weil mein Empfinden für Dich mir zu ernst und zu heilig ist, als daß ich's zu Kartenkunststücken hergebe. Wenn Du Dich nicht entscheiden kannst, so sagt das mir wenigstens genug. Fred." Der Assessor zwirbelte. Die Mittellanze ward immer drohender und zugespitzter. „Hör mal, der Bries ist grob. Du gestattest, daß ich anschreibe." Er griff zur Feder und fügte hinzu: „Da Fred lerder in solcher Stimmung ist, daß sich nichts mit ihm anfangen läßt, so muß ich gleichfalls herzlich um eine direkte persönliche Entschließung bitten. Ich hätte gerne das Schicksal zum zweiten Mal herausgefordert, da ich nicht zweifle, daß es mir gnädig wäre. Ich verstehe ganz Dein Zartgefühl, daß es Dir peinlich erscheinen ließ, vor dem andern den einen zu bevorzugen. Jetzt hast Du die Möglichkeit zu schreiben. Der Himmel helfe mir! Kurt." Als der junge Arzt die Zeilen las, zuckte es in seinem Gesicht. OL „Der Satz mit dem Zartgefühl ist großartrg, Sanft- ling. Darauf fallen die Weiber alle rein. Na, immer nur zu! Wir schicken den Brief gleich per Dienstmann hm." Das Kulmbacher Bier schmeckte vorzüglich. Sie saßen noch dabei, als der Bote eine Antwort zurückbrachte. Sie war an keinen der beiden adressiert. Auf einem schmalen weißen Bogen aber standen dre Worte: „Was mit einer Annonce begann, soll mit einer Annonce enden. Morgen früh publizieren die Blätter meine Verlobung. Resi." Die beiden Vettern starrten sich einen Moment an. „Jetzt beginnt mir die Sache Spaß zu machen", lachte Fred Richter. „Hat die Welt so eine Komödie gesehen! Prosit noch einmal, Sänftling, da kommen wir jedenfalls bis morgen früh nicht auseinander. Schlafen kann doch. keiner! Als» bleib bei mir und trösten wir uns gegenseitig. In aller Frühe laß ich dann die Matter holen." „Es wird das beste sein", stimmte Kurt Unruh zu. „Seltsam, nnr wird jetzt kläglich, und Dir lustig zu Mut. Vorhut war's umgekehrt." „Trink schneller, Sänftling. Und wenn's Dir schlecht Seht, sing ein gutes Lied: Da draußen viele Mädchen sind, So viele blond' und braune. Wie Rosen blüh'il im Maienwind Am Zaune.... Hast Du Vorahnungen?" aber das lange Warten macht schauerlich nervös. Weißt Du, Fred, wir wollen alles kommen lassen, tote es kommt. Selbst im ärgsten Falle bleibt die Rest doch gleichsam in der Familie. (Siner von uns beiden kriegt ste sicher." „Und wer sie heiratet", fügte Fred lachend hinzu, „das ist unter Kameraden ja ganz egal. Kellner, noch zwei Dunkle!" 10. Kapitel. Am nächsten Morgen in aller Frühe erschienen vordem Zeitungskiosk an der Potsdamer Brücke zwei Herren Und ließen sich die Morgenblätter geben. Jeder steckte die Halste davon in die Paletottaschen. Dann gingen sie nach der Kursurstenstraße 115. Als sie in der Wohnung des Wessors standen, sagte der Arzt: „In Gottesnamen. Die Entscheidung fallt jetzt wirklich. Gieb mir einen Cognac vorher, nur wird ganz komisch." . Als er nach Gläsern klingelte, brachte die Wirtin innen dicken Brief. "Bon Rest!" sagte der Assessor zitternd. „Fred =r ich glaube - ich biu's! Fred, Mensch, Junge —" verstnstert energisch. Sein Gesicht hatte sich „Willst Du die Zeitungen nachsehen?" E «Gieb her. Aber wenn — ich's bin, schrei ich Hurra, daß die Bude wackelt!" „Schön, dann hör' ich's jedenfalls deutlich. Laß mich (erst setzen. So. Nun kann's losgehen." Die erste Zeitung raschelte, die Hände zitterten. Fred Richter entfaltete das Blatt sehr langsam, schlug sehr langsam Seite für Seite um. Man hörte dazwischen fast die Herzen klopfen. Kurt Unruh hatte sich umgewandt. Er wvNte nicht Hinsehen. Wenn das Hurra kam, war's früh genug. Es blieb still. Das Hurra kam nicht. Dem Assessor wurde es heiß. ' 1 „Fred!" rief er und sprang auf. Sein Vetter hielt noch immer die Zeitung in der Hand. Es schüttelte ihn. lind plötzlich warf er das Blatt hin, reckte die Arme .hoch: „Gott sei Dank!" Kein Hurra, kein wilder Jubel — nur die stillen Worte, die ihn frei machten. Surt war blaß geworden. Mit einem Satze war er ont Tisch. Der Kneifer saß schief, es flimmerte'ihm alles $en ®u0en- Da — das große Schwarze muß es R e s i B e r g m an n Fred Richter, Dr. med. Verlobte. „..„Nichts mehr! Der alte Konsul liebt nichts Neber- slussiges. Langsam ging der Assessor zum Stuhl zurück. Fred Richter setzte sich nicht weit davon auf einen andern. Die Uhr tickte int Zimmer. Man hörte die schweren Atemzüge der beiden. Nach einer Weile erhob sich Kurt Unruh wieder und begann die übrigen Blätter durchzusehen, als hätte er die Keife Hoffnung, irgendwo seinen Namen neben dem Rests zu finden. Cs ivar dumm, aber er ließ nicht ab, bis er auch w der letzten Zeitung das eine Inserat gefunden. Dann sprach er: „Man kann Dir also gratulieren." „Ich danke Dir, Kurt." „Hab' gehofft, es freudiger tun zu können. Na, ist vorbei. Da brauch' ich kaum noch zu sehn war die Resi — Deine Braut — schreibt." Er riß den dicken Mief auf. . sagte er, „ein Schreiben an Dich liegt bei. Sie wird sich gedacht haben, daß wir zusammen sind." Ms er die Ueberschrift des an ihn gerichteten Miefes las, zuckte er zusammen. 1 „Mein lieber Kurt! Menn Du kannst, sei mir nicht böse. Ich habe Fred lange schon heb- gehabt. Vielleicht kommst Du leichter über alles fort, wenn ich Dir ganz ehrlich sage, daß ich zum ,Taugenichts' besser passe als zur ,Viola'. Freds Ansicht von mir ist wohl richtiger als Deine. Ich würde Dich als Deme Frau doch enttäuschen. Aber ich möchte, selbst auf die Gefahr hin, von Dir mißverstanden zu werden, Dir eins noch sagen. Alles was Du von mir glaubst, und was ich nicht bin, ist jemand anderer, den Du auch kennst. Ich will hier den Namen nicht nennen. Aber plaudre einmal öfter mit dem lieben, zarten Geschöpschett, das ich meine, und Du wirst es so heb gewiiinen, wie - es Dich längst hat. Ja, Kurt, sie hatte anders gewählt als ich. Mcht etwa als ,Trost' schreibe ich das, sondern aus der heiligen Ueberzeuguiig, daß Du Arrklich -Richtige' ganz iiahe findest, die es berbient, glücklich zu werden, und nicht mehr will, als Dich glücklich zu machen. Es wäre die Krönung meines Glückes, wenn ihr beide in der Zeitung stündet wie wir. Ich hoffe draus und drücke Dir herzlich die Hand. Rest." $ Assessor sagte. kopfschüttelnd: „Merkwürdiger V r ^chF^ Richter hatte iitzwischeti den feinigeit gelesen. „Ehe Du morgen zu uns kommst, Fred, soll alles zwischen uns rein, und klar sein", schrieb Rest darin — „so klar, wie von nun an immer. Du sollst nichts mehr zu fragen brauchen. Deshalb will ich hier beichten." Und dann beichtete sie. Wie sie ihn stets geliebt, ohne sich doch ganz darüber klar zu fein. Wie ihre Liebe mächtig erst dann sich geregt, als sie gehört, daß er einer andern zugetan sei. Wie sie geahnt, daß er von ihrer Liebe wisse, und tote ite aus Stolz ihm dann erzählt, daß auch sie einett andern liebe. Weil er der Stärkere von beiden sei, und weil ihr die Entscheidung von Kurt schwer gefallen: Ware, hatte sie die Dummheit gemacht, ihnen zu sagen, sie sollten, sich untereinander einigen. Nachher sei ihr das Herz so schwer geworden, daß sie sich ihrem Vater entdeckt habe, der dann die Annonce besorgt habe." Es war ein langer Mief, und Fred Richter las ihn stets von neuem. Er zeigte ihn seinem Vetter nicht. Er sagte nur: „Hier ist ein Passus in meinem Mief, den ich Dir vorlesett möchte, Kurt. Kannst Du zuhören?" „Jetzt kann ich alles!" erwiderte der Assessor und trank einen Cognac. „Nun noch ein Wort über Kurt", las der Arzt. Rede ihm nur die Idee aus, als ob ich mit der unglückseligen ,Viola" Aehnlichkeif habe. Er täuscht sich in mir und über sich selbst. Eine Frau stir ihn, die beste und einzigste wäre .Hedwig von Versen. Sie liebt ihn lange. Sie ist gattz das, !vas zu ihm paßt. Nach ihr hab' ich die ,Viola'-Miefe geschrieben. Es sind, obwohl ich sic schmachvollerwetse verfaßte, viel mehr ihre als meine Miefe. Die beiden Menschen würden so herzlich glücklich werden. Da verennt er sich und gerät an die falsche Adresse." Ein Schweigen entstand. Tann schritt Fred Richter auf Kurt Unruh zu und legte ihm die Hand auf die Schulter. „Sänftling!" sagte er leise. Ter Assessor grunzte. „Bleiben wir die alten?" „Ter verdammte Kneifer", brummte Kurt Unruh und putzte eifrig. „Immer verlier' ich ihn. Ten Kneifer verlier' ich, die Rest verlier' ich, meinen besten Freund verlier' ich —" „Aber so behalt' ihn doch, Mensch!" schrie Fred Richter und reichte ihm die Hände. „Tas will ich ja -auch!" sagte der Sänftling und fchluchzte vor Rührung. „Bravo! Jetzt schrei' ich wirklich Hurra! Junge, Tu wachst erst, daß ich mich über mein Glück vollständig freue! Aber wie steht es denn nun mit Fräulein von Versen?" Ter Assessor schüttelte den Kopf. „Eben erst verlobt und will schott kuppeln! Ach, Fred!" „Tas Gräßliche ist, wenn ich so denk', daß ich nun allein Junggeselle bleiben soll. Bei Euch bin ich bann boch nur bas fünfte Rad vorn Wagen und herzlich überflüssig- Und dann — wo zu Mittag essen, allein 'rumbummeln, 335 Unser Garten im Juni. (Nachdruck verboten.) Gewöhnlich gilt Herbst und Winter als beste Zeit rum Tungen. Im Herbst und Winter arbeiten wir vor, wer ™ Sommer düngt, der arbeitet nicht vor, sondern der Mlank-n denn die Stoffe, die im Sommer den l8« Form zugeführt werden, sie wirken «rfiHpftin “l'LFatt fuPb ^ucht. Aber diese Düngung soll »“ spat emtreten. Rechtzeitig trrt sie ein rrrts.«T l b p^llercht noch im Juli, nachher schadet sie. Sifina Lall^nS ^tzt für die Arbeiten des Juni rüsten, Lr mit flüssigen Düngern in erster Linie Mil- ?"ngen mit flüssigem Dünger müssen nf bie Obstbaume, den Wein, die Kohlpflanzen, die To- SeJ';r b'e Gurken, den Rhabarber und vor allein den J$eim Spargel beginnt die Düngung acht oder vierzehn Tage vor dem Aushören des Stechens (24. Juni), Em um diese Zeit werden die ersten hochschießenden ™ V sspau von dem gegebenen Dünger profitieren. Arbeiten an unseren Obstbäumen sind ferner: Lösen der Veredelungen, Anbinden der Veredelungen, Auslichten womöglich allein in unserer alten Weinkneipe sitzen, wo wir gemeinsam so viel durchgemacht habeir — puh, schon deshalb möcht' ich heiraten! Tann weiß man doch, wo man hingehört." Fred Richter nickte. „Sie hat Dich sehr lieb, schreibt Rest, und soweit ich sie kenne, ist die Hete Versen doch ein liebes, feines Mädel. Kräftig starten, Sänftling — den Preis holst Tu Dir." „Das nennt man sportlich ein Trostrennen für nicht Plazierte", erwiderte er. „Aber der Mensch ist ein sonderbares Geschöpf. Es ist mir jetzt wirklich ein schwacher Trost, daß mich ein Mädchen von Herzen lieb hat. Ich bin diesem Fräulein von Versen heute aus ganzer Seele dankbar. Es richtet ein bißchen auf. Er atmete tief. „Ich will Dir noch einmal gratulieren, — Fred — diesmal schon freier. Auch ein Verlobungsgeschenk will ich Dir machen." Er kramte in der Schublade. „Ta", sagte er, „hier hast Du „Violas" Briefe. Was sollen sie mir? Wenn's der Himmel will, find' ich doch noch die richtige „Viola". Ich glaube, ich war überhaupt mehr in ine „Viola" verliebt als in die Rest". Ter junge Arzt dankte ihm herzlich. „Nimm mir's nicht übel, Kurt — jetzt möcht' ich doch nach Hause und mich umziehen. Ich möcht' die Rest nicht zu lange warten lassen. Wie ist es, kommst nach?" „Nein, nein, nein", protestierte der Assessor — „alles will seine Zeit, auch das Vergessen. Ich möchte vorläufig doch lieber schriftlich gratulieren und ein paar Tage aus Berün verschwinden. Unaufschiebbare Reise — Tu verstehst schon! Und wenn ich dann wieder hinkomm', dann sorg' dafür, daß — das Fräulein von Versen auch da ist. Uno nun lauf, mein Sohn!" r'ßier Wochen später saßen Resi Bergmann und Fred Richter alltäglich beisammen und schmiedeten Zukunsts- vlane. Tas Glück sah beiden aus den Augen. Er hielt ihre Hand in seiner und drehte den goldenen Verlobungsring an ihrem Finger. „Morgen ist Papas Geburtstag", sagte Resi leise. „Es kommen nur wenige." ,Furt hat schon zugesagt. Natürlich führt er Hedwig voii Versen. Findest Tu nicht, daß er schon wieder seelen- vergnugt ist?" Sie gab ihm einen Klaps. Es kränkt mich beinah', daß ich so schnell vergessen werde, Fred. Aber eine ist glücklich darüber." „Hallo, was ist los?" „Ihr Männer", sagte sie zärtlich, „wie blind Ihr seid." Und dann neigte sie sich gegen sein Ohr, drückte einen Knß darauf uni, flüsterte hinein: „Es entwickelt sich. Diesmal 1« bt-te, nichtige „Viola". Und wenn wir ein bißchen Geduld haben, Fred, dann gibt es —" P Sie küßte ihn rasch auf den Mund. „Emen Kuß?" fragte er lachend. „Mehrere, Tu Ungetüm, und eine Doppelhochzeit noch vbenhrem. Was eine Braut wünscht, geschieht auch. Und ich — ich Wunsche es!" des zu dichten Fruchtbehanges, Entspitzen der Seitentriebe bei Formobstbäumen, Ritzen schlecht treibender Säume, Spritzen aller Bäume mit Kupferkalkbrühe, bei denen sich Fusicladium zeigt. Die Schosse des Weinstoßes sind an- zubinden. Es ist zu geizen; es ist gegen den echten Mehltau mit Schwefelblüte, gegen den falschen Mehltau mit Kupfer- kalkbrühe vorzugehen. Es lind die Rosen ebenfalls gegen Mehltau zu schwefeln; Rostblätter sind abzupslücken und zu verbrennen. Beim Spargel beginnt der Kampf gegen den Spargelkäfer durch Spritzen mit Wasser, dem pro 100 Liter 80—SO Gramm Schweinfurter Grün und 100—150 Gramm Kalk beigesetzt sind. Tort, wo au Zierbäumen ungewöhnlicher Käferfraß herrscht, ist dieselbe Mischung zu verwenden. Es sind die Erdbeeren zu entranken, es sind für Topferdbeeren Ranken in Töpfe zu leiten. Man macht Aussaaten von Winterrettig, von Endivien, Folgeaussaaten von Radies, Salat und Kohlrabi. Man pflanzt aus: Winterkohl, Weißkohl, Wirsing, Rotkohl. Man sät bis Ende des Monats Buschbohnen; man verzieht die späten Möhren, wo sie zu dicht stehen. Man schneidet die Tomaten, um frühe und reiche Ernten zu bekommen, verzieht die Futterrunkeln. Man verstopft die ausgegangenen Staudensaaten von Malven, Aequilegien rc. Tie Blumennbeete werden reichlich begossen; Canna und Musa außerordentlich stark gedüngt. Wo die Pflanzen nicht vorwärts kommen wollen, ist häufiges Lockern des Bodens dringend notwendig. Man gibt warmen Fuß krank geworbenen Kübelpflanzen, spritzt ine im Garten stehenden Zimmerpflanzen täglich zweimal, sieht jeden Abend mit dem Gießen nach. Tie Balkonpflanzen müssen reichlich gedüngt werden. I. C. Schmidt, -Erfurt. Vermischte». * Einen Igel für den deutschen Reichstag anzuschafsen, erscheint als ein dringendes Bedürfnis. Seit einigen Jahren haben sich nämlich, wie die „Nationalztg." schreibt, im Reichstatzsgebäude in den Räumen oberhalb des Lesesaals der Bibliothek eine Unmenge von „Schwaben" eingefunden. Es sind das die großen Mfer, die sich im Dunkeln dadurch bemerkbar machen, daß sie einen lauten Knall von sich geben, wenn man auf sie tritt. Am Tägei halten sie sich versteckt an warmen Stellen auf. Im Reichstag sind sie geradezu eine zoologische Merkwürdigkeit, da es durchaus rätselhaft ist, wovon sie sich dort eigentlich nähren. Im Reichstagsgebäude hat man bereits mehrere! Male versucht, sie durch einen Kammerjäger auszurotten, aber der Erfolg war immer nur vorübergehend. Es kam» da nur ein Igel helfen. Ter Igel führt gleichfalls nur ein Nachtleben, er läuft flink und gewandt herum, fängt, Mäuse und frißt namentlich gern Schwaben in sehr großen/ Mengen. Er würde zweifellos in kurzer Zeit den Reichstag von den gräulichen Käfern säubern. Tie Anschaffmigs- kosten sür einen solchen Reichsigel können nicht hc sein. Außerdem handelt es sich nur um eilte einmalig Ausgabe, da Unterhaltungskosten nicht entstehen, weil sich, eben der Igel von den Schwaben nähren soll. (Man könnte vielleicht besser einen Oberreichsiger und mehrere Nnter- reichsigel im Reichshause anstellen und nach der Ancien- nität avancieren lassen. T. Red. d. GieA. Anz.) * Der Panamahut. Der diesjährige Sommer steht namentlich in Großstädten völlig im Zeichen des Panamahutes. Niemals hat man so viele Panamahüte zusammen gesehen. Nicht alles, was den Namen Panamahut trägt, kommt von Panama. Der Name bezeichnet eine Gattung und darf nicht wörtlich genommen werden; Panamahüte kommen sogar selten oder fast nie aus Panama. Meistens werden sie in südamerikanischen Städten angefertigt. Zur Anfertigung eines solchen Hutes braucht ein geschickter Arbeiter ein halbes Jahr; man kennt auch Hüte, deren Anfertigung zweimal so lange gedauert hat. Daraus eerklärt sich leicht, warum echte Panamas teurer sind. Newyorker Kaufleute haben in diesem Jahre als Engrospreis für ein Dutzend ea. 1700 Kronen angekündigt und die Händler haben sie weit teurer weiterverkauft.. In London sind in diesem Jahre viele Hüte für je 350 Kronen verkauft worden. Dieser Preis ist noch niedrig; denn König Eduard Zoll im vorigen Sommer für den besten Panamahut ca. 2000 Kronen bezahlt haben. Diese Hüte halten aber auch ewig, und einige Leute in Westindien besitzen Hüte, bei ihren Vätern gehörten, wenn sie niM 336 noch weiter znrückgehen. Wenn ein schöner Panamahut zu Beginn jedes Sommers gereinigt ivird, ist er wieder Ivie neu Ursprünglich hatten alle Panamas einen ziemlich flachen Kopf mit einer schmalen oder mäßig breiten Krempe, die sich ein wenig am Rande umbog, jetzt aber kann tiictit die verschiedensten Formen erhalten. Am häufigsten findet man eine Form, deren Krempe so ist, daß sie gebogen werden kann und jeden gewünschten Teil des Gesichtes beschattet. Diese Form wird auch viel von Damen zum Tragen aus dem Wasser gewählt. Die elegantesten Formen in diesem Jahre ist „Homburg" und „Alpin", eine Form, die König Eduard bevorzugt und im vorigen Jahr trug. Wo seine Hüte angefertigt wurden, weiß wahrschein- lich' nur die Firma, bei der sie gekauft wurden. (Die Panamahüte haben zumeist eine Form, die geradezu abstoßend häßlich ist. Die Herren Hutmacher haben es für geschmackvoll gefunden, diesen Hüten Eindrücke zu geben, wie sie bei weichen Filzhüten si'.ch ganz von selbst ergeben. Dem harten und spröden Stroh jedoch diese Filz- hutformen amszuprägen, ist widersinnig und darum unschön. D. Red. des Gieß. Anz.) * Wettrennende Fraue n. Eine noch neuere Art als die Londoner Kellnerinnen, die vor wenigen Tagen ein Wettrennen veranstalteten, haben etliche Damen in Newyork gefunden, um die Ausdauer ihrer Lungen und Beine ins gehörige Licht zu setzen. Sie veranstalteten ein Wettrennen, die Treppen eines dreiundzwanzigstöckigen Hotels hinanf. Der Besitzer des Hotels hatte ein freies Dampferbillet nach Europa für die Siegerin ausgesetzt. Zwei Schauspielerinnen geivannen die ersten Preise. Die eilte von ihnen legte die ersten neunzehn Stockwerke in sechs Minuten zurück, machte dann eine kurze Pause und erklomm die noch übrigbleibenden vier Etagen in weiteren vier Minuten. Die Kräfte hatten sie nahezu verlassen. Ihre Kollegin ioar ihr direkt aus dem Fuße. Der gutmütige Hotelbesitzer, dem die Sache eine glänzende Reklame gemacht hatte, war galant genug, der Konkurrentin ebenfalls ein freies Billet nach Europa zu spenden. Wir werden also diese Heldinnen des neuesten Sports demnächst aus dem alten Kontinent begrüßen dürfen. * Frauen in Männertracht sind in Paris auch außer der Karnevalszeit durchaus nicht selten, gehen aber im Alltagsleben gewöhnlich unbemerkt vorüber, weil der Grund zu der Vermummung meistens in einer sonst nur dem stärkeren Geschlecht zukommenden Beschäftigung, nicht etwa in Abenteuerlust liegt, und stehen in dieser Beziehung ans gleicher Stufe mit den in der Kleidung von ihren männlichen Berufsgenossen nicht zu unterscheidenden Fischerinnen an den Küsten des atlantischen Ozeans und den Schnitterinnen des Val d'Jlliez (Wallis). Uebrigens finden sich Beispiele solcher Frauen auch in gebildeten Ständen. Tie Gattin des Forschungsreisenden Dreulafoy, die diesen in Männerkleidung usw. bekleidete, erschien auch nachher bei amtlichen Festlichkeiten im Kreise der Akademiker im Zylinder nnd mit dem Bande der Ehrenlegion im Knopfloch ihres Frackes. Bekannt ist ferner die Tracht der vor zwei Jahren verstorbenen Malerin Rosa Bonheur, deren Werke nicht allein einen hervorragend männlichen Charakter besitzen, sondern die sich auch bis zu ihrem Lebensende männlich kleidete, bei ihrem Aufenthalt in Paris häufig als Reiter ein munteres Pferd tummelte und im blauen Malerkittel und Schlapphut im Freien Skizzen aufznnehmen pflegte. Auch eine Pariser Schriftstellerin, eine Faktorin in einer Buchdruckerei und verschiedene ähnliche besser gestellte Frauen treten stets unter männlicher Maske auf. Man meint, wenn derartige Bräuche sich verallgemeinerten, wurde eine große gesellschaftliche Verwirrung entstehen, die ein polizeiliches Einschreiten erfordern könnte. Ter „Petit Parisien" hat daher, tote der „Köln. Ztg." aus Paris berichtet wird, Erkundigungen eingezogen, intoietoeit die gedachte Vermummung gestattet sei. Ein höherer Präfekturbeamter erklärte in dieser Beziehung nur die jährlich zu Karneval erneuerte Polizeiverordnung über die Stunden für maßgebend, während deren die Verkleidung auf offener Straße erlaubt sei. Wenn aber eine Person versichere, daß sie einen Anzug alltäglich trage, und wenn dieser der land- laufigen Tracht entspreche, sei nicht einzusehen, weshalb man sie verhindern könne, sich nach ihrer Art und nach den Be- durfmssen ihres Standes zu kleiden. Andernfalls müßte man auch das geistliche Gewano verbieten, weil sich darin ivomöglich eilte Aehnlichkeit mit einem weiblichen finden lasse. Es gäbe Fälle, wo Frauen in der Tracht von Maurern, Fuhrleuten usw. arbeiteten, und in solchen Fällen drücke die Polizei ein Auge zu. . Im Kabinett. des Präfekten gab man die Antwort, daß die vorliegende Frage streng genommen noch durch eine Polizei Verordnung vom 16. Bru- maire des Jahres IX (7. November 1800) entschieden werden könne, welche die Genehmigung zu den damals sehr häufigen Vermummungen von einem ärztlichen Zeugnis abhängig macht, daß der Bewerber oder die Bewerberin der besonderen Tracht aus Gesundheitsrücksichten bedürfe. Mit der Zeit habe man aber Ausnahmen hiervon gemacht, so bei Aurore Tupin (George Sand), Rosa Bonheur und Marguerite Bellanger, der Margot Napoleons III., die die Eifersucht der Kaiserin erregt habe. Früher seien die Gesuche um die Erlaubns zum Tragen von Männerkleidern überhaupt häufiger gewesen; seit Einführung der an das stärkere Geschlecht erinnernden Kleidung für Radfahrerinnen aber scheine die Sucht der Frauen nach sonstigen männlichen Trachten immer mehr abgenommen zu haben. * Heirat b e i den Buschmännern. Tie Mossaro- Buschmänner in der Kalahariwüste besitzen trotz ihrer mangelhaften Nahrung eine bewunderungswerte Ausdauer im Laufen; diese Eigenschaft und ihr wunderbarer Spürsinn setzt sie in den Stand, jedes verwundete Stück Wildi zu verfolgen und einzuholen. Keiner dieser Buschmänner darf eine Frau nehmen, bis er gezeigt hat, daß er eine unverwundete Antilope int Tauerlauf einzuholen nnd zu erlegen vermag, was bekanntlich sehr schwierig ist bei der Schnelligkeit dieses Tieres nnd oft einen mehrstündigen Tauerlauf nötig macht. Hartherzige Väter begnügen sich aber damit noch nicht, sondern verlangen sogar mitunter die Erlegnug einer Giraffe, und der Heiratslustige muß daun oft tagelang hinter diesem Wilde herlaufen wie ein Bluthund, bis er sie endlich erreicht. Hat er sie erlegt, so schneidet er ihr den Schwanz ab, bedeckt das Wild mit Buschwerk zum Schutze gegen Raubvögel und kehrt zum Lager zurück; sofort brechen dann alle Stammesgeuossen auf und folgen seiner Spur, bis sie das erlegte Wild erreichen, das sie ins Lager schleppen. Ohne sonstige Feierlichkeiten wird das Tier verzehrt, und nachdem dies geschehen, nimmt der Freier seine Erwählte an der Hand und führt sie nach seinem Lager. * Ter größte Diamant. In den Kreisen der Amsterdamer Diamant-Industriellen wird vielfach behauptet, daß der berühmten Firma Josef Asscher u. Co. der Auftrag zuteil geworden sei, den Exeelsior, den größten Edelstein, der im Jahre 1893 bereits in der Jagerfontein- Mine in Südafrika gefunden wurde, nunmehr zu bearbeiten. Bisher wurde diese Kostbarkeit in London bewahrt. Er ist größer als ein Hühnerei und wiegt 970 Karat. Ter Koh-J-Nor wog vor der Schleifung 500 Karat, ebenso soll das Gewicht des Imperial, der ans der Pariser Weltaus- stellung zu sehen, weit an Gewicht zurückstehen. Literarisches. — Das A-B-C des guten Tones. Ein Ratgeber für jedermann von E. von Hagen. Verlag von Levh & Müller in Stuttgart. 114 Seiten Oktav. Eleg. gebunden Preis Mk. 1.—. Tas Büchlein gibt in prägnanter Kürze sämtliche Elementarregeln für ein gesellschaftlich gutes Benehmen, die jeder, auch der einfachste Mensch kennen und befolgen muh, wenn er int Verkehr mit gebildeten Kreisen nicht Anstoß erregen will. Ein großer Vorzug des Werk- chens besteht darin, daß es nichts als selbstverständlich voraussetzt, sondern für jeden einzelnen Fall das richtige Verhalten bis in die kleinsten Tetails ganz genau angibt. Namentlich jungen Leuten beiderlei Geschlechts, die bett ersten Schritt ins Leben tun und noch nicht genau wissen, wie sie sich in den verschiedenen Situationen zu bmehmen haben, wird dieser zuverlässige Ratgeber ganz unschätzbare Tienste leisten. Der niedrige Preis von Mk. 1.— für das elegant gebundene Merkchen ermöglicht die Anschaffung des nützlichen Büchleins auch dem minder Bemittelten. Redaktion: August Götz. — Rotationsdruck und E erlog der Driibl'schen Universitäts-Puch- und S teiudruckerei (Pietsch Erken) in Gießen.