Ssmstsg den 10. Isnmr. «ZU H Ili! 1903. — Rr. 6. äTJfäTy iM m ili V (Nachdruck verboten.) Eine verhängnisvolle Fahrt. Rbman von B. M. Croker. Autorisierte Uebersetzung aus dem Englischen von Mwina Bischer. (Fortsetzung.) Endlich war der Wagen vollgeladen. Der junge Postillon schwang sich auf seinen Sitz, blies mit aller Macht in sein Horn, und in kurzem, munterem Galopp eilten die vier glänzenden Braunen die scharf ansteigende Straße hinauf. war Markttag in Carra, und Verkäufer sowohl als Käufer kamen aus den Läden und Buden herausge- als Käufer kamen aus den Läden und Buden heraus- gelaufen, um die Postkutsche vorbeifahren zu sehen — ein Ereignis, das stets ivährend einer ganzen Woche das Gesprächsthema für die Landleute bildete. Bald lag die sich lang hinziehende, schiefergraue Stadt mit ihren aus schmutzigen Hütten bestehenden Bororten hinter den Reisenden, und eine weite wellenförmige, auf der einen Seite vom wildbrausenden atlantischen Ozean, auf der andern von dem prächtigen Kerrygebirge begrenzten Ebene dehnte sich vor ihnen aus. Hier blies ihnen nun ungehindert eine kräftige, salzige, nach Torf und Stechginster duftende Lufr entgegen, die zwar Federn und Schleier unbarmherzig zerzauste, aber von Maureen mit wahrer Wollust eingesogen wurde. Durch ein weit ausgedehntes, sumpfiges Moorland, zwischen tiefen schwärzlichen Wasserbecken, führte die schmale, abwechselungsweise sich senkende und wieder ansteigende Straße hin, deren eine Seite von lose aufgehäuften Steinmauern begrenzt war. Lady Fanshawe, die sich in einer höchst ärgerlichen, erregten Stimmung befand, erschien die ganze Gegend so reizlos und häßlich, daß sie nicht einmal Worte dafür fand, während Maureen, bei der sich das irländische Blut geltend machte, von einer Begeisterung in die andere geriet. Das dunkle Torfmoor mit seinen langstieligen, im Winde sich heftig hin und her neigenden Sumpfpflanzen, die im Sonnenlicht vom leuchtendsten Purpur bis ins tiefste Violett spielenden Gipfel der Höhenzüge, die am Wegrande zwischen den aufgehäuften Steinen emporwachsenden prächtigen Stengel des roten Fingerhuts und das üppig wuchernde Heidekraut, ja selbst der hier und da aufsteigende bläuliche Rauch, der aus den Ställen der fetten Rinder und weißen Schweine kam, die neben der Strane weideten und manchmal sogar mit dem Wagen um die Wette liefen, entzückten Maureen. Der Kutscher begann nun ein Gespräch mit seinem Nachbar, machte ihn auf verschiedene interessante Punkte aufmerksam, erzählte von dem großen Fremdenverkehr in Ballybay, und oaß die Postkutsche jetzt dreimal am Tage fahren müsse. „Wir haben aber auch die besten Pferde von ganz Irland", fügte er stolz hinzu. „Ja, sie sind nicht übel", sagte der Gelbe mit herab, lassender Miene. „Besser können sie überhaupt nicht sein, denn Kutsche« Terence suchte sie selbst aus dem Roßmarkt in Cahirmee aus, uno einen erfahreneren Pferdekenner giebt es in ganz Irland nicht." !' „Wirklich ?" erwiderte der kleine Mann in gelangweu-i tem Tone. „Wir werden jenseits des Teufelellenbogens mit Terence zusammentreffen, der heute den um drei Uhr von Ballybay abfahrenden Postwagen führt, und ich Wettes daß Ihr Auge niemals vier schönere Braune gesehen hab Im Herbst bekommt er sicherlich mindestens 300 Pfunds dafür. Terence verdiente bei Gott in Gold ausgewogen! zu werden." „Warum denn?" „Weil er ein großartiger Pferdekenner ist; jedeD Pferd muß ihm gehorchen wie ein Lamm, sowohl beint Reiten wie beim Fahren. Dabei ist er jung und kräftig, und was er sich vornimmt, das führt er auch durch, es mag biegen oder brechen." „Beschäftigen Sie sich auch mit dem Einfahren vou Pferden?" „Du lieber Gott, nein, ich bin ein verheirateter ManU mit einer großen Familie, und einige von den jungen sind wie leibhaftige Teufel. Zuweilen muß ich zwar auch ein nur halbwegs eingefahrenes Roß einspannen, aber nur, wenn es etwas knapp mit den Pferden zugeht. Gestern z. B. verletzte sich mein Stangensattelpferd am Hinterfuß, und so ließ ich mir diesen jungen Schecken geben", sagte er, auf ein schönes, feuriges Pferd zeigend. „Sie sehen, es ist ganz fromm jetzt. Terence kaufte es vor kurzer Zeit auf einem Rennplatz; es ist erst drei Jahre alt, und war nur einmal eingespannt." „Nur einmal eingespannt!" wiederholte sein Zuhöre« voll ungläubigen Entsetzens. „Ja, aber das schadet nichts. Ehe wir indes zunt großen Abhang kommen, will ich ihm doch lieber den Schwanzriemen fester schnallen lassen, denn wenn er den Wagen auf den Hufen fühlt, ist er im stände durchzugehen — das ist seine einzige Untugend." Maureen, die der Unterhaltung mit dem lebhaftesten Interesse gefolgt war, bemerkte, daß der kleine Mann auf dem Bock aufgehört hatte, seinen großen Schnurrbart zu drehen, und daß sein Gesicht aschfahl geworden war. In diesem Augenblick wurde Miß D'Arcys Ausmerk- samkeit plötzlich durch einen komischen Zwischenfall abi- gelenkt. Die Katze, ihrer engen Hast müde, begann ein langgezogenes Wehegeheul auszustoßen, was Taffy, der diese Töne wohl als Kriegsrus auffaßte, bewog, aus den Armen seiner Herrin auf den Korb zu stürzen, um den Kainpf mit dessen Insassin aufzunehmen. Und nun folgt« ein tolles Ringen zwischen Taffy, der Katze und ihrer Eigentümerin, deren Schoß der Schauplatz einer förmlichen vwung.eeiWfiraillSWilLyHYlXllIi»! — 22 — Belagerung wurde. Taffy bettte wie wütend und zog mit aller Kraft am Korbe, die Katze fauchte, während deren Besitzerin ein ohrenzerreißendes Geschrei erhob. Dank Maureens Eingreifen wurde indessen schon nach kurzer Zeit ein Waffenstillstand bewerkstelligt. Sie versetzte Taffy einige schallende Ohrfeigen, packte ihn beim Genick und händigte ihn mit lebhaften Entschuldigungen bei der alten Dame an Nitas Kammerjungfer ein. Dem Klagegeheul der Katze aber konnte durch nichts Einhalt getan werden, reicht'^'^ ch^" I)atte bet die Höhe des Abhangs er- „Jolly, mein Junge, nun komm herunter", sagte der Kutscher und fügte dann, sich umwendend, hinzu: „Wo zuni Teufel ist denn der Kerl?" „Meinen Sie den Postillon?" fragte Sir Greville ruhig. „Teu tft soeben ausgestiegen und mit einem braunen Paket jenen Seitenweg dort hinuntergelaufen." „Ach, wahrscheinlich mit Mrs. Farrells Sonntagskleid. Am Fuß des Hügels wird er wieder mit uns zusammentreffen, aber, hol ihn der Kuckuck, jetzt gerade hätte ich Zotigsten gebraucht! Was um des Himmels willen soll ich nun machen?" „Kann ich Ihnen vielleicht behilflich sein?" fragte Sir Greville. „Ja, gnädiger Herr, ich wäre wohl dankbar, wenn Sie abstergen und den Schwanzriemen des linken Sattelpferdes um einige Löcher fester schnallen wollten." Sir Greville verließ sofort den Wagen, allein er war svft Angelruten weit vertrauter als mit Pferdegeschirr, und Tier wurde sehr unruhig. So pfuschte er eine Ewigkeit herum, bis d er Kutscher endlich rief: „Warten Sie einen Augenblick, gnädiger Herr, ich will es lieber selbst machen. Stellen Sie sich nur vor die Pferde. Hier, mein Herr", ftihr er zu dem kleinen Mann aus dem Bock fort, „halten Sie die Zügel recht fest, dann werden die Tiere mäuschen- ftill stehen." Ter kleine Mann aber geberdete sich, als ob man hm eine Dynamitbombe gereicht hätte. Tödliche Angst tand auf seinem todesblassen Gesicht, auf dem die Schweiß- ropfen perlten, geschrieben, und seine Hände zitterten vor Erregung. Der Kutscher aber war mit erstaunlicher Behendigkeit abgestiegen; schon hatte er die Riemen zu seiner vollständigen Zufriedenheit festgezogen und war im Degriff, sich wieder aus seinen Sitz zu schwingen, als plötzlich em unerwartet heftiger Windstoß dahergesaust kam. Ein lauter Aufschrei — der rote Sonnenschirm entflog Lady Fanshawes Händen, wirbelte über den Wagen hinweg und streifte die Ohren des höchst erstaunten vorderen Sattelpferdes, das sofort wie vom Teufel besessen vorwärts stürzte, und den leichtfüßigen, jugendlichen Schecken mit sich riß. Kaum gelang es Sir Greville, dem Ueberfahrenwerden durch einen Seitensprung zu entgehen. Ein entgegenkommender Torfwagen war weniger glücklich, denn die Postkutsche fuhr direkt auf ihn los, sodaß die Torfstücke nach allen vier Windrichtungen auseinanderstoben. Die Zügel entglitten den erstarrten Händen des kleinen Mannes, und in halsbrecherischem Galopp sauste das führerlose Gespann den langen Abhang hinunter. Welch entsetzlicher Anblick! Wie ein Schiff im brausenden Ozean wurde der Wagen hin und her geworfen. Lady Fanshawes Stimme erklang in den höchsten Fisteltönen, und Taffy- der wohl glaubte, diese herrliche Jagd sei allein nur zu seinem Vergnügen ins Werk gesetzt worden, bellte nach bestem Vermögen, während Maureens Nachbarin samt ihrer Katze sich Hilfesuchend. in Miß D'Mrcys Arme warf. Diese schüttelte aber beide mitleidslos von sich ab, kletterte rasch aus den Bock- und befahl dem Mann im gelben Anzug, die Zügel wieder an sich zu nehmen. Dieser aber schien in seiner Todesangst Gehör und Sprache verloren zu haben, und so blieb der jungen Dame nichts anderes übrig, als trotz der Gefahr, auf dem schwankenden Wagen das Gleichgewicht zu verlieren, die Zügel mit einem Sonnenschirmgriff zu erhaschen. Obwohl ihre schwache Kraft natürlich nicht ausreichte, die Tiere zum Stillstehen zu bringen, so war der geringe Halt doch besser, als wenn die Zügel frei und womöglich zerrissen herunter- gehängt wären, was die drohende Katastrophe beschleunigt hatte. „Bleiben Sie ja alle ganz ruhig sitzen", rief sie zurück, ,MNd Du Nita, schreie nicht so, sonoern beruhige lieber d^Hund, er macht ja die Tiere ganz wM nrtt seinem Gekläffe. Blitzschnell jagten sie bergab. Schneidend und pfeifend um sauste der Wind Gesicht und Ohren. Maureens r ™ 6cr^lt® mit fortgenommen und ihre Haare aufgelost. Dennoch saß sie ruhig auf dem hohen Sitz, einzig darauf bedacht, durch Einsetzen ihrer ganzen Kraft das Leben ihrer Reisegefährten zu retten, «ein der kleine Mann neben ihr, ein Bild unmännlichster Furcht, wartete nur auf, erne Pause in dem rasenden Laufe, um sich in Sicherheit zu bringen. Als sie dann endlich schwankend und rasselnd, aber doch mit heiler Haut das Ende des Abhangs, erreicht hatten, stieß Maureen einen tiefen Seufzer der Erleichterung aus, denn nun lag eine lange ebene Strecke vor ihr. Das Glück hatte Miß D'Arcy bis hieher über Erwarten begünstigt, und nun setzte sie ihre ganze Kraft ein, um öte Pferde soweit zusammenzuhalten, daß sie auf der sehr schmalen Straße wenigstens in gerader Richtung dahiiljagten. Da plötzlich bemerkte Maureen einen kleinen dunklen Punkt, der rasch den gegenüberliegenden Abhang herunterkam, und bei diesem Anblick stand sogar ihr tapferes Herz einen Augenblick in tödlichem Schrecken still, denn sie mußte sich sagen, daß dieser Punkt ohne Zweifel der andere, von Ballybay kommende Postwagen sei. Viertes Kapitel. Eine Jagd aufTod und Leb! en. Terence, der weitberühmte Kutscher und Besitzer war ein magerer, aber breitschultriger, kräftiger und lebhafter junger Mann von achtimdzwanzig bis dreißig Jahren. Da er keinen Bart trug, kamen fein energischer Mund und das feste Kinn voll zur Geltung. Er hatte schön geschnittene, regelmäßige Züge, graue Augen mit dunkeln Brauen und Wimpern, die kurzgeschnittenen lockigen Haare dagegen waren eine Schattierung heller als die tiefgebräunte Haut. Es war ein schönes, energisches Gesicht, das beinahe auf eine vornehme Abstammung schließen ließ. Was für einer Familie dieser junge Mann indes auch angehören mochte, jetzt war er nichts weiter, als ein bei der Post angestellter Kutscher, der mit vollendeter Leichtigkeit und Sicherheit den vielgepriesenen Viererzug lenkte. Im gegenwärtigen Augenblick rauchte er eine vor- tresfliche Zigarre, wobei er belustigt einer Geschichte zuhörte, die sein Nachbar auf dem Bock, ein sonnenverbrannter Offizier, der in Ballybay dem Sport huldigte, erzählte. „Ein famoses Fuhrwerk, Terence", bemerkte er. „Das nenne ich fahren. Aber wissen Sie, so Tag für Tag stundenlang auf dem Bock sitzen und einen Viererzug lenken zu müssen, das ist doch keine Kleinigkeit". „Gewiß, aber ich bin daran gewöhnt, und dann stärkt es auch die Armmuskeln." „Na, Ihre Muskeln ließen auch ftüher schon nichts zu wünschen übrig. Warum, zum Kuckuck, treiben Sie die Sache so geschäftsmäßig?" „In der Not ftißt der Teufel Fliegen", antwortete! Terence lachend, bog mit kunstgerechter Gewandtheit um eine Ecke und begann den langen Abhang hinunterzufahren, der zu dem schmalen Teil der Straße führte. Dabei bemerkte er sofort die ihm entgegenkommende Postkutsche. Ein Blick genügte, um ihm die Gefahr klar zu machen-, in der das Fuhrwerk schwebte. Rasch schleuderte er die nur halb zu Ende gerauchte Zigarre fort. Mit feiner gewohnten Besonnenheit hatte er sofort int Geiste die Vorbereitungen getroffen, um der tödlichen Gefahr zu begegnen. „Was ist los?" fragte fein Gefährte nachlässig. „War es nicht eine echte Havanna, die Sie da eben wegwarseu?" „Da drüben — die Zweitthrkutsche. Die Pferde sind durchgegangen. Ich will versuchen, bis au den Kreuzweg zu kommen, dort ist die einzige Stelle, wo sie an lins vorüber können. Menn sie in ihrem jetzigen Tempo auf uns losfahren, ist ein entsetzlicher Unglücksfall unvermeidlich." — „Na, Sie werden es schon fertig bringen." „Hoffentlich. Mas aber mag nur aus Tom Sweeny geworden sein? Er ist gar nicht auf dem Bock — beim heiligen Georg, eine Fran kutschiert ja!" So sprechend lenkte er seinen Wagen äußerst gewandt in einen Nebenweg. Wenige Augenblicke später sauste das Gespann mit dröhnenden Hufschlägen und rasselndem' Zaumzeug, in eine dichte Staubwolw gehüllt, mit seinen todesblassen Insassen und einem bellenden Hunde an ihnen 23 vorüber. Auf dem Bock faß ent Mann mit gekrümmtem Rücken und auf die Knie gestützten Ellenbogen, neben, aber hoch über ihm, ein barhäuptiges' Mädchen mit unerschrockenen Gesichtszügen, dessen schwarzes, zerzaustes Haar wie ein langer Schleier hinter ihr herflatterte., Die Zügel fest um ihr Handgelenk geschlungen, spannte sie jeden Nerv an, um die rasenden Tiere zu bändigen. „Halten Sie sie fest bis zum Hügel!" schrie Terence ihr zu. „Dann legen Sie den Hemmschuh an!" „Donnerwetter, die sieht aus wie Phaeton auf dem Sonnenwagen!" ries sein Gefährte. „Und Schneid hat sie. Das wäre ein Mädchen nach meinem Geschmack!" „Wenn Sie die Tiere nicht noch vor dem Teufelellenbogen in die Gewalt bekommt, so wird sie verunglücken", erwiderte der Kutscher. „Jene Ecke ist schon unter günstigen Umständen ein verflucht gefährlicher Punkt, mit durchgehenden Pferden aber ist dort eine Katastrophe unvermeidlich. Und es sind Frauen dabei — es muß irgend etwas geschehen", fuhr er, die Hände an die Stirn pressend fort. „Eine Möglichkeit ist übrigens noch vorhanden. Hier Jack, nehmen Sie die Zügel!" rief er, und zog in fliegender Hast seinen Kutschermantel aus. „Sie müssen weiterfahren, aber treiben Sie die Tiere nicht an, und berühren Sie um Gottes Willen das vordere Handpferd nicht mit der Peitsche. Ich will über den Berg laufen und versuchen, den Wagen vor dem Hohlweg einzuholen." Noch während des Sprechens war er davon geeilt, setzte über einen nahe liegenden, mit Wasser gefüllten Graben und begann nun mit den langen, gleichmäßigen Schritten eines erfahrenen Läufers den Abhang zu erklimmen. (Fortsetzung folgt.) Die Industrie der Perlmuttknöpfe. Won Fred Hood. Nachdruck verboten. Die Verwendung von KUöpfen ist ebenso der Mode unterworfen, wie jeder andere Artikel, der irgend mit der Bekleidungsindustrie in Beziehung steht. Es giebt Moden, welche aus die ganze Knopfindustrie ungünstig einwirken, und es giebt solche, welche Metallknöpse oder Hornknöpfe oder Perlmuttknöpfe bevorzugen. Ein Knopf dient eben nicht nur zum Schließen eines Kleidungsstückes, sondern sehr häufig auch zum Schmuck desselben, und wenn es den Schneidern und Modistinnen einfällt, einer Mode Geltung zu schaffen, bei welcher die Knöpfe eine untergeordnete Rolle spielen oder sehr sparsam verwendet werden, dann hat die ganze Knopfindustrie schwere Zeiten durchzumachen. Eines gewissen dauernden Wohlwollens haben sich die Perlmuttknöpfe zu erfreuen, ja, es scheint, daß sie namentlich der Mäntelkonfektion entbehrlich sind, welche Richtung dieselbe auch immer einschlägt. Das liegt zweifellos daran, daß ein Perlmuttknopf, auch weiin er ganz glatt behandelt Wird, immer gefällig aussieht, denn er zeigt scböne irisie- rende Farben und prächtigen Glanz. Auch sind die Perl- muttknopfe verhältnismäßig wohlfeil, da nicht nur die Schalen der eigentlichen Perlmuschel, sondern diejenigen der mannigfachsten. zum Teil in unerschöpflicher Menge vorhandenen Muscheln Verwendung finden. Mele Muscheln von ganz geringem Werte zeigen schon den der Perlauster eigentümlichen irisierenden Glanz, doch werden namentlich die sehr geschätzten Miesmuscheln, Seeohren, Kreisel sch necken und Jrismuscheln zu Perlmutt verarbeitet. Die Färbung ist übrigens eine sehr mannigfache, denn es giebt Perlmutt von weißer, gelber, grünlicher und schwarzer Färbung, sodaß Ech Wahl der Perlmuttknöpfe der Art und Färbung ^Kleidungsstückes angepaßt werden kann. Auch für Man- schettenknöpfe wird stettg Perlmutter verwendet, namentlich solche, weißer Färbung, die kaum der Mode unterworfen zu fern scheint. 1 Ivar.früher das Hauptzenttum der gesamten ^nKArAUs6tlf£.ier waren in den letzten Jahren Deutschland, England^ und Frankreich an der Fabrikation tö n P^lmuttknopfen lebhaft beteiligt. In jüngster Zett J Nordamerika als neuer und sehr mächtiger Kon- fifvrene auf dem Plane erschienen, und es- ist bemerkens- e!" Ötscher die Industrie der Perlmuttknöpse ^rika wachgerufen und in einem Zeitraum von nur zehn Zähren zur herrlichsten Blüte gebracht hat. Wenn man einmal genauer Untersuchei, würde, ans welchen Anfängen die großen Industrien der Vereinigten Staaten emporgewachsen sind, so würde man gewiß finden, daß man den besten Teil dieser Errungenschaften deuts^em Erfindungsgeist zuzuschreiben hat Es ist eine Tatsache, daß erfinderische Köpfe in keinem Lande so bereitwillige! Unterstützung von feiten der Kapitalisten ttnden, wie in Amerika, und darauf mag es wohl zurückzuführen sein, daß so viel Deutsche, die in der Heimat nur schwer empor- kommen konnten, in Amerika den rechten Boden für ihre Tätigkeit sanden. Im Jahre 1891 gründete Boepple, ein geborener Hamburger, der die Fabrikation von Perlnruttknöpfen in seiner Vaterstadt erlernt hatte, eine Gesellschaft zur Fabrikation von Perlmuttknöpfen aus den Unios (einer Art Malermuschel). In Amerika werden diese Muscheln vielfach als „Niggerheads" (Negerköpfe) bezeichnet. Boepple Hat in Muskattne (Iowa) feinen Wohnsitz genommen, und er fand längs des Mississippi bei Muskattne diese Muscheln in ungeheurer Fülle aufgeschichtet. Nachdem das Unternehmen einige Zeit bestanden hatte, fanden es die Teilhaber nicht gewinnbringend genug und gaben es auf. Boepple ließ sich dadurch nicht abschräken und setzte die KNoPffabrikation in kleinem Maßstabe in seinem Haufe fort. Schließlich organisierte er eine Gesellschaft, welche durch das in Deutschland und Oesterreich angewandte Fabrikationsverfahren und die dort gebräuchlichen Maschinen gute Erfolge erzielte. Tie zur Knopffabrikatton verwendeten Werkzeuge waren von der einfachsten Art und bestanden hauptsächlich in Drehbänken, welche mit dem Fuß oder durch Dampf bettieben wurden. Es dauerte nicht lange, bis die ganze Sttecke längs des Mississippi von Red Wing in Minnesota bis Louisiana (Missouri) mit Knopffabriken besetzt war. Mus- kattne wurde das Zentrum dieser neuen Industrie. Anfangs herrschte hier namentlich die Kleinindustrie, und eS gab vor wenigen Jahren mehr als' 40 Fabriken in dieser Stadt, welche sich mit Fabrikation der Knöpfe beschäftigten. Tann machte sich die in Amerika in allen Industrien auf- tretenbe Tendenz zur Konzentration der Unternehmungen fühlbar, wie auch das Verlangen nach verbesserten Maschinen und großem Kapital, um der riesigen Konkurrenz begegnen zu können. So mußttn die kleineren Unternehmungen längs des Flusses immer mehr verschwinden. Einen wichttgen Faktor für die Entwicklung der neuen KNopfindnsttie bildete der mäßige Preis der Muscheln. Bor einigen Jahren wurden die Schalen berartiger Flußmuscheln den Fabriken für 2,00 bis 2,40 Mark pro Zentner geliefert, während dieselbe Quantität Ozeanmuscheln, mit welchen früher fast ausschließlich Sud-Australien und die Südsec-Jnseln die Weltmärkte versorgten, einen Wert von 120 bis 240 Mark besaßen. Im Februar 1898 stiegen die Preise für die „Mggerheads" auf 70 bis 80 Mark pro Tonne, doch im Juli desselben! Jahres waren sie billiger als je zuvor, und für 100 Pfund wurden nur noch 1,20 Mark gezahlt. Tie bttligste Ozeanmuschel dagegen, die Panama-Muschel, kostet pro Pfund' immer noch 0,40 Mark. (Censusj, Bulletin 172.) Tie Verbesserungen an den Maschinen sind sich in den letzten Jahren so rapide gefolgt, daß manche Fabrikanten innerhalb dreier Jahre dreimal ihre Maschinen wechselten, wobei sie jedesmal die ganze Anlage tatsächlich neu ausstatte ten. Tas Fabrikationsverfahren ist etwa folgendes. Nachdem die Muscheln gekocht und das Fleisch entfernt worden ift, werden sie in Schuppen aufgespeichert und in drei verschiedenen Größen sorttert. Sie liegen drei bis sechs Tage in Wasserbehältern und werden in nassem Zustande verwendet, da sie sonst beim Zerschneiden der Muscheln zu bearbettungsfähigen Platten bereits zerbröckeln. Zum Ausschneiden der runden Knopfstücke dienen etwa zwei Zoll lange Abschnitte von Stahlrohren, deren Rand gezähnt ist und deren Durchmesser der Größe der herzustellenden Knöpfe entspricht. Diese gezähnten Stahlbohrer werden an Drehbänken angebracht und können also je nach der gerade herzustellendeu Knopfart ausgewechselt werden. Tie Drehbänke setzen den Bohrer in Rotation, und indem der Arbeiter die Muschel gegen den Bohrer führt, werden die Knöpfe mit großer Schnelligkeit ausgeschnitten und fallen durch den horizontal geführten Hohlbohrer hindurch in einen Behälter. In Deutschland sind auch verschiedene andere Vorrichtungen mit horizontalen Zenttumsbobrern in Gebrauch, 24 Neue Bücher. Der schöne Walentin. Novellen von Helene Böhla tu Zweite Auflage. Preis 4 Mk. Verlag von F. Fontane u. Go., Berlin W. — Während die anderen Bücher von Helene Böhlau in kurzer Zeit zahlreiche Auflagen erlebten, erscheint das vorliegende — eines der Erstlingswerke der Verfasserin — erst 110.6); geraumer Frist in zweiter Auflage. Ter Grund hierfür dürfte schwer zu finden sein. Tenn dieser Nvve'llenband ist wahrlich keine schlechtere Arbeit der Künstlerin und darf mit voller Berechtigung den anderen „altweimarischen Geschichten" der Verfasserin an die Seite gestellt werden. Die Stelle im Wege. Von Georg Wasner. Verlag von F. Fontane u. Eo., Berlin W. Preis 3 Mk. — „Und geht es noch so rüstig über Stein und Steg, es ist eine Stelle im Wege, du kommst darüber nicht weg." Tiefer Stvrmsche Vierzeiler ist es, über dem sich Georg Wasners neuester Roman „Tie Stelle im Wege" aufbaut. Und rüstig hin geht es denn auch mit dem armen Schulamtskandidaten, der noch; jahrelang auf seine Anstellung warten müßte, als er mit kurzem Entschluß umsattelt und in Berlin bei einer Versicherungsgesellschaft eintritt. Bis er dann seine Stelle im Wege findet und stürzt. Aber er stürzt nicht, weil die Großstadt ihm, dem Kantorssohne, doch dürften die hier kurz beschriebenen Maschinen wohl die vollkommensten sein. Tie nächsten Manipulationen bestehen in dem Schleifen, Drechseln, Mustern und Polieren der Knöpfe. Jede der erzielten runden Knvpfplättchen wird mit der Hand gegen ein rotierendes Schmiergelrad gehalten, sodaß sie eine glcHe, ebene Fläche erhält. Durch Wdrehen des Knopfes erhalt derselbe dann die gewünschte gewölbte oder vertiefte Form, sofern er nicht durch besonders geschickte Arbeiter gemmenartig geschnitten wird. Zum Bohren der Löcher, mit denen die Knöpfe zum Zwecke des Annähens versehen werden müssen, dienen kleine sinnreiche Maschinen, vermittelst derer der Knopf auf einmal gleich mit drei oder vier Löchern versehen wird. Soll die Durchbohrung und der Nähfaden nicht sichtbar werden, so erhalten die Knöpfe an der Unterseite eine Erhöhung, welche parallel zur Oberfläche des Knopfes durchbohrt wird. Jetzt ist der Knopf fertig bis auf den Polierprozeß, der den beim Schleifen vernichteten natürlichen Glanz wieder hervorbringen muß, Tie Knöpfe werden in große hölzerne Gefäße gethan, in welchen sie der Einwirkung einer beizenden Flüssigkeit ausgesetzt werden. Toch ist nicht nur eine ätzende, sondern auch eine reibende Wirkung erforderlich- um den Glanz der Knöpfe zu erneuern; deshalb werden die Gefäße in rotierende Bewegung gesetzt, sodaß die Knöpfe gegeneinander geschleudert werden und sich gleichsam durch die gegenseitige Reibung polieren; darauf werden die Knöpfe gewaschen, getrocknet, nach Größe und Qualität sortiert, auf Kartonblätter genäht und in Pappschachteln verpackt; so gelangen sie auf den Markt. Tie feineren Perlmuttknöpfe werden noch immer aus den schönen Ozeanmuscheln und nicht aus den billigen Flußf- muscheln gefertigt. Uebrigens ist auch dafür gesorgt, daß die Fabrikation von Perlmuttknöpfen in den Vereinigten Staaten nicht gar zu üppig wird, denn die wohlfeilen Unios werden wohl ball» etwas kostspielig werden. Man hat nämlich die Muschellager in einer fo unvernünftigen, leichtsinnigen Weise geplündert, daß nicht hinreichend für den Nachwuchs gesorgt ist. Tie Lager von Muskatine sind bereits erschöpft, und wenn man an anderen Orten ebenso unvernünftig haust, so wird man bald dazu übergehen müssen, die Muscheln regelrecht zu züchten, denn auch diese sehr fruchtbaren Geschöpfe waren auf eine so außerordentliche Plünderung nicht vorbereitet. Einstweilen haben die Amerikaner allerdings noch sehr fleißig in der Industrie zu thun. Es herrscht hier auch eine recht zweckmäßige Arbeitsteilung. Währeno die Fabriken des Westens nur die KUopfplatten ausschneiden, werden dieselben in den Fabriken des Ostens, welche mit allen verbesserten Maschinen zur Fertigstellung der Knöpfe versehen sind, für den Markt vollendet. Einige Fabriken verfertigen noch Knöpfe aus importierten Perlmuttschalen, die meisten bearbeiten aber das einheimische Produkt. ___________ schon alles genommen hat, wus er innerlich erkämpft mit-, brachte, er fällt dort, wo der Unberührte wie der Routinierte, beide mit gleicher Sicherheit, vorübergekommen wären. Mit diesem feinen Zuge leitet der Verfasser die Erhebung des Medergebrochenen ein, und es ist vielleicht der beste Beweis für seine poetische Kraft, daß es ihm gelingt, in einem einzigen, noch dazu nicht langen Kapitels und ganz bedingungslos zu der Ueberzeugung zu bringen,, diese Erhebung ist auch eine Auferstehung. „Hochzeitnacht." Geschichten in Moll und Dur von Max Hoffmann. 1. Bd. 27 Bg. Oktav. Preis geheftet 4 Mk.; geb. 5 ML. Breslau, Schlesische Berlagsanstalt v. S. Schottlaender. — Ter bekannte Autor bietet uns in seinem neuen Buch achtunidzwanzig teils kurze, teils längere reizend erzählte Geschichten, die den Vorzug haben, durchweg sehr interessant zu sein. Während der erste Tefl sehr melancholisch klingt, läßt Max Hoffmann in den auf Tur gestimmten Stücken seiner übermütigen Laune in ausgelassener Weise die Zügel schießen. Auf jeden Fall ein unterhaltendes und eigenartiges Buch, an dem auch der verwöhnteste Geschmack viel Freude haben wird und an dem sich so recht erkennen läßt, bis zu welcher Höhe es die Erzählungskunsf auch in Teutschland gebracht hat. Römische Luft. Roman von Emma Friedländer- Werther. 2 Teile in 1 Bde. 29 Bg. Oktav. Preis geh 5 Mk.; gebd. 6 ML Breslau, Schlesische Werlagsanstalt v. S. Schottlaender. — Tiefe Verfasserin ist dem Publikum bereits durch zwei Bände Novellen aufs vorteilhafteste bekannt. In diesem Roman lernen wir sie aber von einer neuen Seite kennen: Sie beschreibt das soziale Leben der italienischen Kapitale aufs anziehendste. Gleichzeitig ist diese Arbeit ein Beweis der scharfen Beobachtungsgabe und der Erzählungskunst der Verfasserin. Ter Roman ist fesselnd geschrieben, geistreich und lebhaft im Dialog und bietet bereits durch den Ort der Handlung — Rom —, der aufs genaueste und sachverständigste geschildert ist, eine Fülle des Interessanten. Grieth, die von der Kohls und andere bergische Geschichten von Walter Schulte vom Brühl; Verlag der Bädeckerschen Buchhandlung, Elberfeld. Preis geh. 2 ML, fein geb. 3 ML — Tas Buch bildet den ersten Band eines neu beginnenden poetischen Sammelwerks: „Ter bergische Erzähler" und bringt einige hübsche Erzählungen des bekannten Schriftstellers, die einen tiefen Einblick in das eigenartige Leben des bergischen Landes gelvähren. „Grieth" ist ein idyllisches Bild aus einer kleinen Stadt, in der ein einfacher aber charakterstarker Mann mutig kämpft mit den neinstädtischen Vorurteilen und ihnen zum Trotz schließlich mit einem rechtschaffenen Mädchen den Bund fürs Leben eingeht, trotzdem es in seiner Jugend sich eines Fehltritts schuldig gemacht hat. „Tie von der Kohls" ist- eine entzückende Wilddiebsgeschichte und zeugt mit ihren lebhaften Naturschilderungen ebenso wie die folgenden SkiMN von der Liebe des Verfassers zu seiner märkischen Heimat. „Tie Katzenmusik" liefert den Belveis, daß auch in dem Fabrikgetriebe des eisenreckenden bergischen Landes der Sinn für die alte derbe Volkspoesie noch nicht erstorben ist. Zeitschriften. Die! medizinische Woche, Jährg. 1903, Heft 1.: (Jahresabonnement 6 ML, einzelne Nummer 20 Pfg.) Moderne Kunst, Heft 9, Verlag von Rich. Bong, Berlin. Zur Guten Stunde, Neujahrsnummer (10), ebda.. Für Alle Welt, Heft 10, ebda. u . Logogriph. (Nachdruck verboten.) ES hat in mancher stillen Nacht Dem kranken Herzen Trost gebracht. Mit A fügt sich's zu buntem Kranz, Mit O erfcheint's im Frühlingsglanz. (Auflösung in nächster Nummer.) Auflösung des Silbenrätsels in vor. Nr.r Hnimacher, Ebro, Doab, Weintraube, Indianer, Gartenfest. Die Ansangsbuchstaben: Hedwig. Die Endbuchstaben: Robert. Redaktion: Curt Plato. — Rotationsdruck und Verlag der Brübl'schen UniversitötS-Buch« und Steindruckerei (Pietsch Erben) in Gießen,