Montag de« 9. Hlovemöer. 1908. fflgf ■« (Nachdruck verboten.) M WkmiihH« m der MM. .Bon B. W. Howard. । ; (Fortsetzung.) Zur selben Zeit, als der Postwagen Qnincher verließ, fuhr Morots Boot leicht und geräuschlos am Quai von Plouvenec an. Hamor begab ftch, wie jemand, der nach längerer Abwesenheit zurückkehrt, sofort nach den Boya- geurs, um zu fragen, ob Briefe für ihn eingegangen seien. „Es ist eine Depesche da", sagte Madame, „sie kam erst heute früh, leider konnte ich sie nicht nachschicken, da ich nicht wußte, ob Monsieur am Lande oder auf dem Wasser war." „Sie haben ganz recht getan", versicherte Humor im höflichsten Französisch Nachdem er jedoch den Inhalt hastig durchflogen hatte, verfiel er sofort in eine kernigere Sprache. „Zum Henker!" rief er, unwillig die Stirn runzelnd aus. „Ich hoffe doch daß Monsieur keine schlimmen Nachrichten erhalten hat?" Hamor überlegte einen Augenblick: „Wer weiß", sagte er, „vielleicht ist noch Zeit. Sie, Madame, sind die Frau dazu, einem aus dringender Berlegenheit zu helfen, das bin ich überzeugt. Ich befinde mich in großer Not." „Was wünschen Sie, Monsieur?" fragte Madame ruhig. Hamor blickte auf die Uhr. „Ich brauche vor allem ein Pferd, das eine vierstündige Fahrt in zwei Stunden zurücklegen kann, einen Kutscher, der gescheit ist und mich noch zum Nachtzug nach Rennes befördert; das Notwendigste muß in meinen Handkoffer gepackt werden und Mr. Staunton binnen fünf Minuten hier sein, auch möchte ich etwas zu essen vorfinden, wenn ich von der Poft zurückkomme, wo ich nicht übel Last habe, Ihre Posthalterin umzubringen, ob sie mir nun den fehlenden Brief herausgibt oder nicht." „Sehr wohl, Monsieur, es soll alles zu Ihrer Zufriedenheit ausgerichtet werden", versicherte Madame mit unerschütterlicher Ruhe., Hamor stürmte hinaus, noch im Gehen die Worte der Depesche vor sich hinmurmelnd: „Warum keine Antwort auf Sonntag Brief? R. ungeduldig. Komme heute, sonst alles verloren." „ „Meinen Brief, Madame", rief er gebieterisch, und drang stürmisch in das innerste Heiligtum der Posthalterin ein. „Monsieur hat keinen Brief, Monsieur irrt sich und sollte draußen vor dem Schalter bleiben." „Doch, ich muß einen Bries haben, der schon letzten Drenstag abgegeben sein sollte. Ich bitte mir ihn aus — am Schalter bleibe ich das nächste Mal. Mein Name ist Hamor, — H^a—m—o—r." „Ich weiß, ich weiß, Monsieur", entgegnete sie ver- weuend. machte, sich duck? Km:ztn. uWAiehowp w;»?» stoße durchzusehen, die friedlich in ihren Löchern unter! W; S. und T. lagen — überall, nur nicht unter H. Endlich zog sie ein Douvert hervor, das sie mit kritischen Blicken musterte. „Geben Sie's her", rief der junge Mann hastig. „Es ist die ausländische Handschrift, die Sie irre führt." „Monsieur hat recht", versetzte sie kläglich, „es ist ein Kunststück, diese englische Handschrift zu lesen —" Doch Hamor war schon über alle Berge. Hastig überflog er den Brief: „Dein Bild ist ein riesiger Treffer. R. will Dich Unbedingt sprechen. Hätte es schon ein Dutzendmal verkaufen können, wenn Du einwilligst. Er ist nur ein paar Tage hier intb läßt Dich auffordern, unverzüglich zu kommen; er scheint einen Plan wegen Rom zu haben. Wenn dem so ist, bist Du ein gemachter Mann. Meine besten Glückwünsche im voraus. Antworte sofort telegraphisch, Du weißt, R. kann's nicht ertragen, wenn man, ihn warten läßt." „Du siehst selbst, daß mir keine Wahl bleibt", sagte Hamor ein paar Minuten später zu Staunton, der sich cingefunden hatte, „ich muß unter allen Umständen forst. Du bist wohl so gut, etwa für mich einlaufende Rechnungen zu begleichen und dafür zu sorgen, daß Meine beiden Bilder unter meiner Adresse nach Paris gelangen. Und dann, lieber Junge, sage ihnen allen ein herzliches Lebewohl; ist mir sehr leid, aus diese Weise so plötzlich fort zu müssen. So viele sind hier, von denen ich gern persönlich Abschied genommen hätte! Dhymert z. Bi Und bitte, Staunton, nimm Dich Guenns an. Es wird ihren Stolz schwer kränken, wenn ich gehe, ohne ihr besonders Adieu zu sagen. Wer was kann ich machen — ich habe nicht Zeit, lange nach ihr zu suchen, wenn sie augenblicklich aufzutreiben wäre —" „Sprechen Monsieur von Guenn Rodellec?" ertönte hier Madames klare Stimme. „Sie ist noch nicht von Quimper zurückgekehrt. Wollen Monsieur vielleicht irgend welche Botschaft für sie znrücklassen?" „Gewiß, ich wäre Ihnen sehr dankbar, Madame! Sagen Sie ihr, bitte, daß ich ihrer gedacht habe und daß es mir sehr leid sei, nicht mehr Abschied von ihr nehmen zu können. Bon Paris atzis würde ich ihr etwas Schönes schicken und! eines Tages würde ich selbst wieder hier sein. Ach sagen Sie ihr, was Sie wollen, Madame, nur etwas recht Freundliches, Sie wissen schon, wie ich's meine." „Ich werde es besorgen", erwiderte Madame mit derselben unerschütterlichen Ruhe, als ob es sich um die Bestellung einer Schüssel Backhühner handelte. „Monsieurs Wagen steht vor der Tür, das beste Pferd in ganz Plou- vcnec ist eingespannt, Andres Bruder wird kutschieren. Monsieur wird zufrieden sein." „Madame, Sie verdienen mit Gold ausgewogen zu werden." „Das gäbe ein nettes Vermögen ab", entgegnete Ma- Die Nachricht von Hamors bevorstehender plötzlicher Abreise hatte sich wie ein Lauffeuer durch das ganze Dorf verbreitet. Als der Maler nach kurzer Zeit aus der wohlbekannten Tür trat, stand so ziemlich die gesamte Bevölkerr- ung vor dem Gasthaus versammelt. Sogar die Stammgäste verließen ihre Absinth- und Wermutgläser, um ihm „bon voyage" zu wünschen. Der Dorfrichter nahm schon eine feierliche Miene an, doch ehe er noch seine Rede beginnen konnte, schüttelte ihm Hamor gutmütig die Hand. Der Zimmermann, der Tränen in den Augen hatte, rief St. Hervss reichsten Segen auf Hamor herab, um Meurices harten Mund zuckte es verdächtig. Mutter Nives und Mutter Quaper riefen dem schmucken Burschen um die Wette ihre Segenswünsche zu und die kleine Jeanne schluchzte laut auf, als er ihr Lebewohl sagte. „Du mußt Guenn erzählen, wie alles gekommen ist, und daß ich an sie gedacht habe." „Es ist tvirklich rührend, wie die guten Leute ihre Anhänglichkeit so offen und frei zur Schau tragen", bemerkte Hamor zu Mrs. Staunton gewandt, die neben dem Wagenschlag stand. „Ich war noch nirgends so gern, kbie in diesem Plouvenec, ich komme aber auch sicherlich wieder hierher, ganz gewiß." „Wie der gute König Arthur", sagte die kleine dänische Künstlerin lächelnd. „Hier zu Lande sagt man ja: „Der gute König Arthur kommt sicherlich wieder." Alles Gute muß ja nach der Bretagne zurückkehren, es ist gar so schön hier!" „Tas klingt ja beinahe wie Nannic Rodellec. Wenn der nur wenigstens noch auftauchen wollte, wo steckt er nur?" Ter Knabe lag an einer dunklen Stelle des Dorfplatzes mit dem Gesicht auf den Boden, hielt sich die Ohren zu und schluchzte zum Herzbrechen. Er wollte Hamor nicht abfahren sehen, wollte nicht Lebewohl sagen. Er preßte das Gesicht gegen die kalte Erde und weinte bitterlich. Noch einmal reichte Hamor Staunton und seiner Frau die Hand zum Abschied: „Ich bin so froh, dajß ich Euch zwei wenigstens auf der Ausstellung Wiedersehen werde, das erleichtert mir den Abschied bedeutend. Und Sie-Ma- dame, nehmen Sie meinen herzlichsten Dank für alle Ihre Mühe. Ich komme sicherlich wieder hierher." „Monsieur werden uns in den Voyageurs jederzeit willkommen sein und im besten Andenken bei uns stehen." Mit der Ruhe einer edlen Karyatide stand Madame unter ihrer Tlir, genau so wie er sie vor sechs Monaten zum erstenmal gesehen. „Und Madame, Sie vergessen ia nie etwas, ich bitte Sie noch ganz besonders, meine wärmsten Grüße an Thy- mert und an Guenn Rodellec zu bestellen. Es ist wirklich zu schade, daß das Kind gerade fort ist." „Gewiß, sehr schade, Monsieur", bestätigte Madame. Hinter der ruhigen Stirn aber war ihr Geist geschäftig, fru bedenken, wie sie es Guenn Wohl am besten persönlich beibringen und Jeanne und die übrigen Frauen von ihr fernhalten könne. „Es wird spät, Monsieur", drängte der Kutscher. „Es ist wirklich schändlich, so unbarmherzig vom Schicksal sortgeschleppt zu werden", rief Hamor lachend. „Der Posthalterrn und ihren schurkischen Streichen meinen Fluch!" „Du darfst nicht klagen", gab Staunton zurück, „Du gehst dahin, wo der Ruhm Dir winkt!" „Wenn es eine Entschädigung gießt", begann Hamor f— der Kutscher knallte mit der Pertsche — die Pferde zogen an. „Grüßt nur Guenn Rodellec!" rief Hamor noch zu guterletzt. „Adieu, Monsieur!" klang es von bett wohlbekannten Stimmen. Unter einem Strom von Segenswünschen aus dem Munde der ganzen großen Versammlung und heftig verflucht von zwei Männern, die abseits aus dem Gemeindeplatz standen, verließ Everett Hamor das Dorf Plouvenec. Während sein Wagen durch die dunkelnden Wege zwischen den Granitmauern und Erddämmen dahinrollte, fuhr der alte Postwagen langsam auf das Dorf zu, und als Hamor sich behaglich in denr Coups ausstreckte, dessen alleinige Benutzung er sich gesichert hatte, sprang Guenn, chren Brautstaat unterm Arme, leichtfüßig von dem hohen Kutsch,bock herab,- dankte dem alten Andree herzlich mit heller, fröhlicher Stimme und schaute sich um, sehnlichst erwartend, Hamors liebes Lachen zu hören, den Rauch seiner Zigarette einzuatmen, oder gar ihn selbst über den Platz schlendern zu sehen. Ein paar Weiber standen in einiger Entfernung. Sie eilte auf sie zu, es waren Mutter Nives und Mutter Quaper, in freundlichster Eintracht beieinander., Schweigend starrten sie nach ihr hin. „Ei der Tausend", ries Guenn lustig. „Ist denn der Himmel eingefallen, daß Ihr wie zwei Turteltäubchen beisammen seid! Du lieber Gott! Was geschehen doch für Wunder, wenn man eine Reise nach Quimper unternimmt!" Ihr helles Lachen schallte über den Platz und Nannic, der es hörte, wand sich vor Schmerz auf dem Boden. Guenns Spott traf heute auf keine spitzige Gegenrede. „Gute Nacht, Guenn", murmelte Mutter Nives und schlürfte nach der einen Seite ab, „gute Nacht, Guenn", brummte auch Mutter Quaper und wandte sich zum Gehen. „Ja, was soll denn das heißen?" ries das Mädchen ganz erstaunt. Unmutig wandte sie sich dem hellerleuchteten Gasthaus zu. Unter der großen Eiche, nicht weit vom Eingang zu deu Voyageurs, stieß sie plötzlich auf zwei Männer, die ihr den Weg vertraten. „Nun!" höhnte die Stimme ihres Vaters; „hat Dich Dein Pinsel von Maler doch glücklich im Stich gelassen?^ Guenn blickte ihm furchtlos in die Augen und lachte; „Warum sollte er nicht gehen, wohin er will?" entgegnete sie schnippisch und wollte vorüber. Doch Rodellec hielt sie zurück. „Sechs Monate war er hier und ich habe ihm sein verdammtes Grinsen nicht legen können. Das ist Deine Schjuld, Tu Dirne Du!" „Seine Schutzengel behüten ihn", sagte Guenn zuversichtlich. Sie hatte ihr Sonntagskleid an, ihr bestes Brusttuch!, die Coiffe mit den schönen Spitzen, den ganzen Putz von» Neviner Gnadenfest. Hatte sie doch einen Auftrag für Mr. Hamor zu besorgen gehabt, da mußte sie sich sehen lassen können. Ahnungslos, sorglos lächelnd stand sie da, daA helle Licht aus den Fenstern fiel auf sie und zeigte, welch' frische, lebhafte Farben der Märzwind ihr auf Lippen und Wangen gemalt hatte. Noch niemals war Guenn so schön und lebensvoll erschienen. Der junge Nives seufzte läut aus und verschlang sie förmlich mit den Blicken. „Wie ein Prinz zog er ab", brummte er unwirsch „Die Leute um ihn herum katzbuckelten uird machten Kratzfüße, und der gnädige Herr Maler lehnte zum Wagen hinaus und winkte huldreich mit der Hand. Mit einem einzigen Satz war Guenn än seiner Seite und packte ihn ungestüm beim Arm: „Was sagt Ihr da?" rief sie atemlos. „Daß er fort ist, Du Närrin!" höhnte Rodellec. „Gewiß, ich weiß, M der Regatta — nach Lorrient", stieß sie mit heiserer Stimme hervor. „Nach Paris — zum Teufel, rn den tiefsten Höllenpfuhl — wenn's nach mir ginge. Nun, jedenfalls ist er fort, fort für immer, Tein langbeiniger, milchbärtiger Maler." Guenn taumelte, als wollte sie zu Boden sinken, faßte sich jedoch noch einmal und trat ihrem Vater in stolzer Haltung gegenüber, ihr Gesicht war totenbleich. „Ihr lügt", rief sie verächtlich. „Ihr haßt ihn ja, Ihr seid ein Feigling, ein Mörder. Ihr habt Euer ganzes! Leben lang gelogen, Ihr lügt auch jetzt, bis in Euer schwarzes Herz hinein." Unbemerkt war Madame aus den Voyageurs leise herangetreten. „Möge Euch Gott verzeihen, was Ihr getan habt, Hervs Rodellec", sprach sie, „ich werde es Euch nie vergeben, in alle Ewigkeit nicht- — Komm, Guenn!" Ihre Stimme war so weich wie nie zuvor. „Ist es wahr?" fragte Guenn, und faßte sie bei den Händen. „Sprechen Sie, ich weiß, Sie können nicht lügen." „Komm mit mir, Guenn, die Männer sind grausam gegen Dich Komm, mein Kind, ich habe mit Dir zu reden." „Ist es wahr?" Ihre Augen forschten mit Todesangst, in Madames Antlitz und lasen die unselige Antwort. Ohne auch nur einen Blick auf die andern zu werfen, flog sie durch das Dunkel wie ein Pfeil davon. Madame, die ihr in tieffter Seelenangst folgte, sah, wie sie ihren Weg! mach! Hamors Studium nahm. Als sie wenige Minuten nach dem Mädchen dort anlangte, bemerkte sie, daß Guenn die Lampe angezündet hatte. Der Schatten des Mädchens, — SS? das hastig den weiten Raum durchschritt, ward' an den Vorhängen der drei tiefen Fenster sichtbar. „So ist's am besten", dachte Madame, „hier wird sie ihren wilden Schmerz austoben. Sie wird sich abmatten und ihre Kräfte verzehren. Wenn erst die Tränen kommen, ist sie gerettet. Ihr Stolz wird ihr tragen helfen. Aber besser, sie ficht ihren Kampf allein aus. Herzen, wie das ihre, müssen allein mit dem Schmerz ringen, um ihn zu überwinden. Arme Guenn, arme kleine Guenn!" Es war stockdunkel und niemand zugegen als nur sie selbst, die einzige Person, zu der Madame Vertrauen hatte. Sie zog ihr Tuch heraus und trocknete sich wiederholt die Augen. Noch- mehrmals schlich sich Madame in dieser Nacht nach dem Atelier, und jedesmal sah sie das Licht durch die Dunkelheit scheinen. „Es ist gut so", dachte sie. „Zuletzt wird sie müde werden, die Erstarrung wird sich losen, die vielen Erinnerungen an den schmucken Burschen werden ihre Tränen fließen machen." Guenn war jedoch nur wenige Minuten im Atelier geblieben. Sie war dahin gestürzt in der wahnsinnigen Hoffnung, ihn dort zu finden. Noch standen seine Staffelei, seine Palette und sein Feldstuhl, wie er sie zuletzt verlassen. Der Wind rüttelte an den Fenstern, die Lampe flackerte hoch auf bei dem plötzlichen Luftzug. Aus dem Herd lag noch! Asche. Mechanisch schraubte sie den Docht herunter, kehrte die Asch!« zusammen und stellte Humors Stuhl wieder an seinen Platz. Dann schreckte sie empor, ungläubiges Entsetzen im Mick und schritt wieder ruhelos auf und nieder. Es litt sie nicht in dem verödeten Raum, lieber hinaus rn die wilde Nacht, nur fort von hier. Aber die Tür mußte sie erst noch schließen. Monsieur hatte ihr ja aufgetragen, auf dre Bilder acht zu haben — Monsieur mit seinen lachenden Augen und seiner weicyen zärtlichen Stimme, mit dem schonen, stolz zurückgeworfenen Kopfe, den sie immer und überall vor sich sah. Auch jetzt glaubte sie ihn zu sehen, wie er lächelnd auf sie herabblickte. „Guenn", sagte er leise, „Guenn". Er war fort? Wohin denn? warum war er fort? sie hatte es nur halb verstanden. Wer hatte denn gesagt, daß er niemals wiederkehren würde? Wer konnte das wissen? Sagte er nicht ihr immer zuerst alles, ihr, die ihm während der langen Monate bei seinem großen Bilde geholfen hatte. Nur er und sie liebten dieses Bild. Und jetzt sollte er fort sein, hatten sie gesagt, der häßliche, spöttische Mund hatte es ausgesprochen, sie sah wieder, wie die Lippen sich öffneten und horte die Worte: „er ist fort — fort, für immer", und dciber suchten die erbarmungslosen Augen höhnend die Aren. Nur fort von hier, daß ich wieder atmen kann", stöhnte sie, „nur daß ich diese Augen nicht mehr zu sehen brauche, mein Kopf brennt! Ach, ich habe etwas vergessen. Rfchtrm es war die Tür — so - wenn jetzt Monsieur morgen früh lustig pfeifend die Treppe heraufsteigt, wird er sich Abuen, alles so gut besorgt zu finden." Sie steckte seine Schlussel wieder ui die Tasche. Wie oft hatte sie heute wahrend der langen Fahrt nach Quimper zärtlich danach gegriffen, wre stolz war sie auf sein Vertrauen zu ihr ge- wesen und wie dankbar, daß ihre Hand d-a ruhen durfte, wo seine liebe Hand täglich ruhte. Sie hatte seine Schätze in Verwahrung, und wenn er morgen die Schlüssel zurück- verlangte - aber nein - er war ja fort - für iniiner. Es gab kein Morgen mehr für sie — nur noch ein langes, langes Gestern. Fortsetzung folgt. Keröstwinde. Eine hygienische Betrachtung. Von Dr. Karl Weißer. (Nachdruck verboten.) höchste Zeit, für den Wind mal eine Lanze ?eil S “nr kettte öffentliche Ehrenerklärung zu dar ö°nn er ist ein wirklicher Wohltäter, der leider verkannt und sogar gefürchtet wird. 9n„i‘ÄLbie Agende Tätigkeit der Winde würde unsere Nebel ^Ruk ..^m Sumpfpfuhl gleichen, angesiillt mit Jteoei, Juti; und Raucy, mit fauligen verpestenden Aus- cJ1!11 Krankheitskeimen aller Art. Namentlich L leA19^' chahreszeit, wo nicht nur der sichtbaren Pilze Wachstum semen Höhepunkt erreicht, sondern auch der unsichtbaren Krankheitserreger, würden ohne kräftige Lustbewegung furchtbar verheerende Epidemien entstehen. Besonders bei der gefürchteten Malaria hat man dies viel- Ö beobachtet; je ruhiger die Luft ist, um so mehr gewinnt Malariagift an Dich!tigkeit, während es durch Winde in Wälder und Felder zerstreut, verdünnt und in seiner Wirksamkeit bedeutend geschwächt wird. Wie schön ist's im Herbst, wenn der trübe, auf Gemüt und Körper schwer lastende Nebel durch eine kräftige Brise verjagt wird und lieblich die Sonne uns wieder anlacht! Wie eine Befreiung von drückendem Alp empfinden dies namentlich, alle Asthmatiker und Lungenleidenden. Allerdings wird bewegte Luft von unserem Körper kälter empfunden als ruhige. Der Wind beseitigt die auf unserer Haut in den Kleidern befindliche warme Luftschicht und ersetzt sie durch kältere, die nun erst wieder auf Kosten der Körpertemperatur erwärmt werden muß; dadurch wird dem Körper fortgesetzt immer wieder Wärme entzogen. Es ist bekannt, haß man selbst außerordentliche Kälte verhältnismäßig leicht erträgt, wenn die Lust ruhig ist. Beispiele hierfür finden wir im großen Maßstäbe z. B. bi Ost- sibirien, wo die in den Mintermonaten fast vollkommene Luftruhe die Bewohner befähigt, selbst Temperaturen von —50 bis —60 Grad ohne besondere Belästigung auszuhalten. Die Wärmeentziehung des Körpers hängt auch von der Richtung der Winde ab, indem die Westwmde feucht und warm, die Ostwinde trocken und kalt sind. Wie übertrieben aber die allgemeine Furcht vor den Winden ist, zeigt sich auch in Goethes Faust, wo Wagner vor der „wohlbekannten, dem Menschen tausendfältige Gefahr von allen Enden her bereitenden Schar" also warnt.' „Von Morgen ziehn vertrocknend sie heran Und nähren sich von deinen Lungen. Es bringt der West den Schwarm, der erst erquickt, Um dich und Feld und Aue zu ersäufen." Für nicht kranke Personen bildet der Wind ein erfrischendes, kräftigendes Luftbad, welches ebenso günstig wirkt wie ein kaltes Wasserbad. Da auch keiner dem Wind und Wetter sich!ganz entziehen kann, muß eben jeder seine Haut an kühle Luft gewöhnen, am erfolgreichsten durch häufige Luftbrausen und Luftbäder. Stärkende Luftbrausen nimmt man morgens und abends beim An- und Ausziehen, indem man nicht nur die Oberkleider, sondern auch alle Wäsche recht schnell wechselt: das erfrischt köstlich und gewöhnt die Haut an Temperaturunterschiede. Hat man sich am Tage zu irgend einer Gelegenheit nochmals umzuziehen, so verfährt man wieder so radikal. Noch wirksamer wird die Abhärtungskur, wenn man bei dieser Gelegenheit die Haut tüchtig reibt, frottiert oder bürstet, wodurch sie blutreich und unempfindlich wird wie die Hauw an Händen und Gesicht. Diese tägliche Behandlung möge man immer mal unterstützen durch warme Wannenbäder mit nachfolgender kalter Brause. Führt man diese einfachen Maßregeln gewissenhaft ohne Unterbrechung durch, so wird man sich selbst im Sturm nicht erkälten. Uebrigens brauchen Spaziergänger bei rauhem Wind ja nicht auf offener Landstraße zu gehen, sondern mögen sich in Parkanlagen oder einen Wald begeben, wo der Bäume dichter Bestand gegen jeden Wind schützt. Stets nehme man auch einen festen Regenschirm mit, da dieser gegen den Wind gehalten den vorzüglichsten Windschirm bildet. Aengstliche Gemüter können noch in anderer Weift Vorsicht üben. Hierher gehört vor allem: Im rauhen Winde möglichst wenig zu sprechen, damit die kalte, trockene Luft nicht direkt in Hals und Lunge kommt. Eine andere Vorschrift hat schon im Jahre 1631 der berühmte Amos Comenius in seiner „Sprachentüre" gemacht: „Des Atems halber ist die Nas -gegeben." Beim Atmen durch die Nase wird die Luft erwärmt, gereinigt und angefeuchtet; die Nase bildet den natürlichen, einzig richtigen Respirator. Das wichtigste aber ist und bleibt immer Gewöhnung der Haut durch obige Abhärtung an Wind und Wetter. Abhärten muß zur Lebensaufgabe jedes denkenden Men- fchen gehören, dem es darum zu tun ist, sein Leben nicht fahrlässiger Weise abzukürzen. Solchen Personen wird dann nicht jeder Luftzug, jeder Windstoß Erkältungsfurcht und Rheumatismusangst einjagen, sondern sie werden eine ftische Windbrise labend und stärkend empfinden wie die gewohnte tägliche Luftbrause beim Umziehen oder wie eine kalte Douche nach warmem Bade. Dann ruft gerade der kräs- 668 3 das der (Auflösung in nächster Nummer.) Auflösung des Bilderrätsels in vor. Nr.r Kleines Einmaleins. LH lUtSLLUt-lll v i-v- --r -----e r- c - r tätiqfeit herabsetzen kann. Er hat gefunden, daß diese Herab- setzuna viel beträchtlicher war, als man es ahnen konnte, hm Verlauf der ersten Stunde, die dem Einnehmen einer Mahlzeit folgt, erreicht die ohne Ermüdung ausgefuhrte Arbeit kaum die Hälfte der in nüchternem Zustande vollbrachten Arbeit; aber die Verminderung wird vom Beginn bis zum Ende dieser ersten Stunde ständig größer. Von etwa 75 Proz. in den ersten zehn Minuten fällt die Arbeitsleistung von der 45. bis zur 60. Minute bis auf 10 Proz. Ter Einfluß der Würze der Reizmittel, tote Tabak und Alkohol, macht sich in einer sehr deutlichen Art bemerkbar, indem er die Ermüdung beseitigt, aber nur für eine seyr kurze Zeit, die niemals 10 Minuten überschreitet; dann erscheint die Müdigkeit wieder, und zwar stärker, als sie es ohne diese vorübergehende Erregung gewesen wäre. , Eine wertvolle kleine Schrift trifft eben em: „Die häusliche Pflege bei an ft ed eit b eit Krank- heiten,insbesondereLeianfteckendenKinder- Krankheiten. Drei Vorträge von Dr. K. Doll, Karlsruhe. Heft 5 der „Veröffentlichungen" des „Deutschen Vereins für Volkshhgiene", herausgegeben von Dr. Beerwald, Berlin. München und Berlin, R. Oldenbourg, 40 Pfg. Die Dollsche Arbeit ist sehr geeignet, ihren Zweck zu erfüllen und in den weitesten Kreisen der Bevölkerung über die Krankenpflege und besonders auch über, die schwierige Krankenpflege bei ansteckenden Krankheiten Belehrung und Verständnis zu verbreiten. Der Verfasser erläutert zu- Kreuzrätsel. Nachdruck verboten. » 1—2 flattert im Wind ** 8—4 Amstracht . --- 1—4 hohe Körperschaft 4 3—2 Musikinstrument treffend geschildert in Voß Gedicht Der siebzrgs die Krankenpflege die höchsten Anforderungen.stellt, sowie burtstag", wo die Schlot eg er t o chier sag . geständia aus demselben Grunde an der Tuberkulose eine Schilderung SS® 2.S; ä « WMM wn “ "u* Redaktion: August Götz. — Rotationsdruck und L-erlag der Trüll'schm Uuiversttöts-Tuä- und Cteindrnckery, R. La --------- I LrLevarisches. Kesundyeitspflege. _ Festnummer zu den Leiden großen gegenwärtig Kalte Füße. „Kopf kalt, Füße warm" ist nach Hüfe- in Köln und Hamburg stattfindendeu Frauentagen ist bad lands Ausspruch die erste Bedingung zum allgemeinen neueste Heft der illustrierten..WmouatsMist ^Frauen Wohlbefinden des Menschen; sind die Füße kalt, so kann | Rundscha u" besonders stattlich ausgefallen, man nach ärztlicher Ansicht sicher Voraussagen, daß der eröffnet den Reigen der Beitrage urrt Egen vorzüglichen betreffende Mensch krank ist. Die meisten kalten Fuße sind I Betrachtungen über das Thema von „Mann und> Weib und auf Blutarmut zurückzuführen. Man wird zwar häufig „Nietzsche und die Frauen". Efseys zur Frauenbewegung genug hören, daß der Betreffende sich ganz wohl befindet, betttetn sich! „Beruf und Hauswirtschaft ^n Hulda Mauren^ dock ist dies nur scheinbar der Fall, denn die kalten Fuße I Brecher, „Die Organisation der land Wirtsschafl sind ein sicheres Zeichen, daß der Körper nicht die nötige ^chen Frauen" von Marie Lrschuewska^ „Arbeiterinnm Blutmenge oder die richtige Blutmischung besitzt, um den und Arbeitszeit" von Henriette Furth. Die von Dr gan m Körper gleichmäßig zu erwämuein Derartige kalte j^r. Marie Raschle geleiteteSech sbetlagc- behände» das Füße sind nur durch vollständige Aenderung der Lebens- Thema „Von der Pflrckt, sich operieren z weise zu beseitigen; das wichtigste hierzu ist gute Atmung, lassen." Ricarda Huch und Isolde Kurz werden m von die größere Zufuhr von Sauerstoff in die Blutbahn. . Die Porträts geschmückten Charakteristiken, voDgefu^/.' « sitzenden Kulturmenschen atmen viel zu langsam und nicht Berufsleben der Frau geividmete Tetl behandelt „Die B cf genug, um dm Oxydationsprozeh in den Lungen rufsarten der Mode ndusttte". Carmen Tem plaudert^übe- dauernd dürchzuführen. Durch die Trägheit des Atmens bie uiustergiltigen be§ erschlaffen naturgemäß auch alle eblett Organe, unb das h^ims". Dem Schönheitsbedurfnis der Lesernmenist e Nervensystem besonders wird durch Mangel an verbrennen- lteue Rubrik gewidmet: „Räubereien e|r“U dem Nervenöl o krankhaft beeinflußt, daß keine kräftige tiber Schönheitspflege" von J^u ffl n Walter Breslau, Blutwelle mehr die äußersten Spitzen der Arme und Beine b{e einem Aufsatz über Nagel- und Handpflege ve erreicht/ Aber auch der anregende Gebrauch kalten Wassers, gönnen. Noch! prakterischen Interessendient der eb^al bei täglichem Abreiben der Füße bringt nur daun Hilfe diesem Heft zum erftenmal emfc&enbe gegen kalte Füße, wenn zuvor längere Zeit eine energische fünft und Haushaltung, der eine Reihe neuer Rezepte aus Atmungsgymnastik geübt worden ist. Trifft aber die Bor- der dänisch-schwedischen Küche bnu^. Estrattv ft aus etzung zu, so dürfte letzteres Mittel am besten geeignet das neue Heft der Frauen-Rnndschau reichhaltig Max & D^ von ä äh— starke körverliche Tätigkeit kurz nach einer Mahlzeit die Kmderpoesie. ~ ^,nsmnsstell- Vekdautmg stört und aufheben kann. Unter dieser Beding- - Die Kunst de s^J ah re s. Deutschs^nstaus^ ung werden in der Tat die Magenabsonberungen mehr oder I ungen 1903. Elegant kartonmert 1 ' weniger vermindert. Die geistige Arbeit kann dieselbe lagsanstalt F. Bruckmaun.) Zum zw ei Male tott me Wirkung hervorbringen. Umgekehrt vermindert aber auch Verlagshandlung mit dieser Jahrespubltkakon vor “ M Arbeit der V?rdauung die seelische Tätigkeit in allen »übenden Kreise; das Werk 8^ wiederum m üb«sM- Formen. Der französische Forscher Förö hat nach der „Med. »cher Form das Hervorragendste aus den dresiaymg n Woche" interessante Experimente angestellt, um zu ermitteln, | Kunstausstellungen ttt borzuglichen Repr f t{d itenben S’SW ÄdS fefi LW als viele Seiten Text. So ist denn fern HauModg der, daß nur Bilder selbst zu dem Beschauer sprechen. Die Auswahl derselben ist mit großer Sorgfalt getroffen worden, es durchs kaum eine der wichtigeren künstlerischen Erschentuti0en auI den diesjährigen Ausstellungen fehlen. Dies und dte- reiche illustrative Ausstattung im Bere it mit dem s>ttsta»n Breis — 275 Abbildungen für Mk. 5--- empieyien dort gewonnenen Eindrücke.