Donnerstag den 9. Aprü T^o^r-autg- 6>USCn 1903. — Nr. 53. SfWiiffötWÄÄ älfflKMS i «lUSwO-it (Nachdruck verboten.) Das Gasthaus am Strande. Roman in zwei Bänden von Florence Warden. Autorisierte Uebersetzung aus dem Englischen, L i ' (Fortsetzung.) „Ich Will Sie nicht dazu drängen, mich übereilt zu heiraten", sagte er. „Stellen Sie mich auf die Probe, heiraten", sagte er. „Stellen Sie mich aus, die Probe. Lassen Sie es zur Kenntnis gelangen, daß ich um Sie angehalten habe, geben Sie soweit nach, daß sie sich mir verloben, und wenn, bevor ich nächsten Monat in die Stadt gehe, ich Ihnen so lästig geworden bin, daß Sie dieses Verhältnis vor Verdruß wieder abzubrechen wünschen, so können Sie mich meiner Wege gehen heißen und den Empfang meiner Briefe verweigern. Jedenfalls wird man nicht im stände sein, Uebles von Ihnen zu^reden, wenn man weiß, daß ich Sie zur Frau begehrt Noch immer widerstand aber Nell. „Ich mag nicht einmal mit Ihnen verlobt sein." „Warum nicht? Haben Sie mich nicht gern?" Obschon ihr Wesen verraten hatte, daß sie ihn gern hätte, so leugnete sie es doch hartnäckig. Sie wünschte an ihre Arbeit zu gehen, sagte sie, und er täte besser, nach Stroan zu seinen Freunden zurückzukehren. Und er möchte es gütigst so ansehen, wie sie es selbst auch zu tun gedächte, daß er nichts von den törichten Dingen gesagt, auf die sie nicht zu hören versucht hätte. Sie würde sie ohne weiteres vergessen, und sie hoffte, er würde dasselbe tun. Und es belustigte sie, sich vorzustellen, wie aufgebracht seine Verwandten und Freunde gewesen sein würden, wenn sie wirklich so albern gewesen wären, aus sein dummes Geschwätz zu hören, und wenn er mit der Nichte eines Gastwirts verlobt in die Stadt zurückgekehrt wäre. . „Und meine eigenen Freunde", fügte das Mädchen mit Lebhaftigkeit hinzu, „würden ebenso aufgebracht gegen mich gewesen sein, wenn ich von der flüchtigen Laune eines Mannes von Ihrer Lebensstellung Vorteil gezogen hätte, um über meine eigenen Verhältnisse hinaus zu heiraten." Hierauf antwortete Clifford aber sehr gefaßt: „Sie werden stets über Ihre eigenen Verhältnisse hinaus hei- raten ob Sie mich heiraten oder nicht. Zunächst hat Schönheit, wie die Ihre, ihren besonderen Rang. Und was die wilden Horden von Verwandten betrifft, die ich haben soll, so leben sie nur in Ihrer Einbildung. Es Siebt mcht einen, der mich zu hindern das Recht hätte, nach Gefallen zu handeln; und selbst wenn es deren gäbe, so möchten sie's nur versuchen, doch würde es lhney gxwiß nicht geftugen." Nell gab keine Antwort hierauf. Nach einer kurzes Stille ergriff Clifford wieder das Wort: „Gut denn, ich gehe. Ich werde aber morgen wieder kommen, wenn nicht diesen Wend, meine Rechnung zu bezahlen und —« Nell erhob mit zornigem Erröten das Gesicht. „Das werden Sie nicht", unterbrach sie ihn rasch. „Glauben Sie, daß, nachdem Sie so viel Geld tttt Hause verloren haben, wir Ihnen das gestatten würden?" „Das war aber nickt Ihre Schuld, noch die Ihres Onkels." Wieder erschien in den Augen des Mädchens die seltsame Unruhe, die wenigstens eine schuldige Mitwissen- schast verriet. Clifford wendete das Gesicht ab, um* es nicht zu sehen. „Ich glaube, wir sollten die Verantwortlichkeit tragen"- sagte sie ernst. „Ick aber nicht. Warum sollten Leute, die unbedingt gut sind, für die Vergehen der unbedingt Schlechten zu leiden haben?" Nell seufzte. „Unbedingt gut! Das sind wir nicht. Wenigstens kann ich das für mich selbst sagen." Wer könnte die Güte eines Mädchens bezweifeln, das seine Gesundheit, vielleicht selbst sein Leben wagt, um einer armen Frau hilfreich zu sein?" Nell schleuderte ihm einen Blick größter Verachtung zu. „Ich tue das nicht, weil ich gut, sondern weil ich aufgebracht und bedrückt bin", sagte sie mit einem Blick auf den Besen. „Ich hätte jemand hcrschicken können, Mrs. Corbetts Hütte zu reinigen, es giebt hier herum Leute, die arm genug sind, es gern für ein paar Pence zu tun. Ich tue es> weil ich mich unglücklich fühle und aus mir einen Märtyrer machen möchte." Nun lieble sie Clifford fast noch mehr um dieser Bloßstellung ihrer Gereiztheit willen, als er es ihres Mutes wegen getan hatte. Es enthob sie, wie er fühlte, den Reihen jener strengen Frauen mit grämlichen Gesichtern, die in ihren Bezirken mit Besuchen die Runde machen, die ihnen eine drückende Pflicht und für die unglücklichen Menschen, die sie besuchen, noch drücken-, der sind. „So!" beendete Nell mit einem letzten trotzigen schwunghaften Besenstreich ihre Arbeit. „Und jetzt kennen Sie mich wirllich besser, als Sie gedacht haben", womit sie die Tür erreichte. „Und liebe Sie nur noch mehr!" rief Clifford mit erhobener Stimme, als sie in die Hütte verschwand 6. Kapitel. Ein anderes nächtliches Abenteuer. Auf dem Wege nach Stroan hielt die köstliche Glut, in die ihn die anregende Unterredung versetzt hatte, noch eine Zeitlang an und machte Clifford so glücklich jvte einen Vogels — 210 wrmute„ f te fie u Clifford, als er herankam" ;,ba§ Sie gekommen sind. Sie und ^hre Freunde, mir Lebewohl zu sagen, ehe Sie zuruck nach London 0d)e©ie hatte sich des Tages erinnert, den er ihr für diesen Fall angegeben hatte. Dies war ern Strahl des Trostes, doch gab sie ihm keinen andern. Sie war kalt, verschlossen, säst hart. Er war dieser Mißachtung ferner Gefühle wegen so böse auf sie, daß er für den Augenblick glaubte, seine Leidenschaft Ware hierdurch vernichtet worden. Indessen gab sie doch so wert nach- sre alle zuwerfen^nal fie glücklicher. Ms sie am Gasthof vorübergegangen waren, wurden sre der Srerlrchen Gestalt die sie alle in Gedanken trugen, ansichtig und alle taten, als ob es ihnen gleichgrltrg Ware, sre zu sehen. Willie war der erste, der seine Verstellung fallen^lleß. , er Lebender Stimme; „es ist vergeblich, zu tun, als ob wir sie nicht sähen. Glaubt ihr, daß sie fortlaufen wird, wenn wrr über den. Zaun ^^Clissord hatte den Versuch schon gemacht Zur großen Beruhigung der ganzen Gesell;cgaft wendete sich Nell langsam um, und wartete ihrer Annäherung ohne ein Lächeln, sondern wirklich nrrt einer Art ruhigen herein zum Tee zu bitten und die drei jungen Leute zerbrachen sich den Kopf, welchem von ihnen ste diese Gunst zu verdanken hätten. Conybeare schien im ganzen der zu sein, mit dem sie am meisten sprach; Clifford war ohne Zweifel derjenige, den sie am wemgsten beachtete. Das Mahl war übrigens recht angenehm, obschon Claris selbst schweigsamer war, als an dem unglücklichen Tage, an dem er und Nell und Clifford eine so fröhliche Stunde in dem kleinen Wohnzimmer zusammen verbracht ^Inzwischen hatte sich das Wetter verändE, der Herbstwind pfiff um den Keinen Gasthof und das blaue Meer war eine dunkle graue, mit weißen Kämmen durchbrochene Linie geworden. Auf dem kleinen Roste drannte ein Feuer und gerade als Conybeare rasch aufstand, um es für Nell zu schüren, ereignete sich der Umstand, der einen Sckiatten auf das Zusammensein werfen sollte. Zudem er an dem Seitentisch vorbeiging, aus dem I ein geflochtener Weidenkorb stand, riß Otto die Decke mit sich herab, so daß der Korb und alle die anderen Dinge, Ke mit auf dem Tisch standen, prasselnd zu Boden fielen. Willie, der ihm zunächst stand, bat, indem er sich danach, bückte, wegen Ottos Ungeschicktheit umVerzeihung. Er glaubt, daß es männlich ist, eine geringschätzige Gleichgiltigkeit für solchen weiblichen Tand an den <.ag I ru leaen ein sicherer Beweis von Gerne, wie Sie wissen, I Miß Claris, und Sie müssen es schon entschuldigen, well es der einzige Beweis, den er davon geben kann, ist. O, und sehen Sie da, was für hübsche Sachen er unter I seine großen intellektuellen Füße getreten hat. Und Willie hielt vor die erstaunten Micke der übrigen einen glänzenden Edelstein empor, der im Lichte des Kamin- Ms aber die unregelmäßigen Umrisse der altmodischen ■ /Kfrthf bestimmter unter dem Septemberhimmel hervor- I Sei und die Begegnung mit Jordan und Conybeare näher rückte, hatte er sich zu überlegen, auf welche Art er'sich aus den Schwierigkeiten befreien könnte, in die ! --ihn sein Aufenthalt unter dem Dache des „Blauen Löwen i hatten sie gehört? Und was würden sie glauben? Er hatte nicht lange Zeit, diese Fragen sich vorznleaen, denn ehe er noch die Stadt erreichte, stieß er aus Jordan und Conybeare, jenen mit einer Staffelei, einem Skizzen- buch und einer Pfeife und diesen mit einem Riemen | voll Bücher und einem weißen Sonnenschirm. llbr Betragen gegen den wandernden Clifford war I vicht eben freundlich. Eine entstellte Darstellung der I Räubergeschichte hatte sie in der Tat schon erreicht, und | sie waren beide zu dem Schlüsse gelangt, daß Nell der Dieb wäre. Willie Jordan war natürlich die er Ansicht noch geneigter, aus Verdruß über die Tatsache, von Clifford ausgestochen worden zu fein, der seinerseits | schweigsam war und die plötzliche Betörung, die ihn | verleitet hatte, dem Mädchen einen Heiratsantrag zu ** — „BlE und semen Bewohnern stillschweigend unter den Freunden ganz von der Unterhaltung ausgeschlossen worden und I nicht eher als zehn Tage später sand einer von ihnen I Nieder den Weg zu dem Keinen Gasthof am Strande. | Als es geschah, waren sie jedoch hinsichtlich des Gegenstands ihres Besuchs in ihrer Erwartung getauscht; Nell S nirgends zu sehen und keiner der drei Mngen Leute wagte auch nur nach ihr zu.fragen, da George Claris, der sie wahrscheinlich als Verschworene gegen den Ruf seines Hauses ansah, bis an die Grenze der Grobheit | kurz angebunden gegen sie alle war. irnrfrtrha Diese Unsichtbarkeit Nells, well entfernt, Cliffords rasch ausgeschlossene Leidenschaft abzukuhlen, diente nur nocki dam, sie neu zu entflammen. Vergeblich aber schrieb er an sie, vergeblich trieb er sich spurend herum in der Nachbarschaft, und obschon er ihrer bei zwei oder drei Gelegenheiten ansichtig wurde, war ste immer, noch ehe er ihr nahe kommen konnte, wieder verschwunden. Der letzte Tag des Aufenthalts der drei Freunde erschien, und sie machten einen verzweifelten Versuch, von ihr Abschied zu nehmen. Clifford hatte seine Schweigsamkeit übe? das Mädchen bewahrt die beiden anderen mißtrauten ihm aber höchlichst. Willie hatte seme Ansicht von der geheimnisvollen Geschichte gemildert, und es war jetzt nur Conybeare, der auf dem harten Urteil über des Gastwirts Nichte beharrt^ Sie wäre gerade von der Sorte Mädchen, um junge Toren anzuziehen und sie Kops und Geld verlieren zu machen. Gleichwohl war er ebenso wie seine Gefährten darauf verfesfen, der geheimnisvollen Schönheit, einen Abschiedsblick zu- Einen Augenblick lang herrschte eine beklommene Stille, dann wurde der Schmuck ihm von Nell, bleich und aufgeregt, mit so unsicheren Fingern entrissen, daß er wieder zu Boden fiel Es war Clifford, der ihn diesmal aufhob und ihn ohne ein Wort dem Mädchen gab Nell wurde ihn rurück in den Korb gelegt haben, doch George Claris, dem Ne ausfällige Stille der jungen Leute nicht entgangen war gebot Kne? Nichte mit barscher Stimme, ihn ihm zu geben. Ding vor?" fragte er scharf. "'s ist' einer von einem Paar altmodischen Ohrringe, Onkel", antwortete Nell mit einer Erregung, die sre Wo erhielst Du sie denn? Und von wem? Einen Augenblick wich sie ihm aus und versuchte die Sache leicht zu nehmen; sie stieg auf einen Stuhl und wollte den Arbeitskorb ganz oben aus den Geschirr- sckirank neben dem Kamin stellen. Doch George Claris war nicht der Mann, der mit sich spaßen ließ. Er faßte I hns Mädchen so derb bei der Schulter, daß er sie fast zu Boden geworfen hätte, riß ihr denAvbellskorb aus der Hand, schob den Deckel zurück und schüttete ten Inhalt aiis den Tisch aus und suchte darin herum, bis er beide fte ” S gegen das Ach« «Nb [«» «k mit finsterem Blick forschend an. Wer gab sie Dir?" fragte er scharf. I Tie jungen Leute suchten ihr .Filtere sch an ihrer Mit- 1 wort zu verbergen, indem sie miteinander fpvachen, d ) I duschten sie eifrig Sie errötete, stammelte, wurde dann Tagte:”;®« Oberst gab fie mir. Oberst B-st-l. I Zum wenigsten er und Miß Theodora. , I George Claris rieb einen der Ohrringe an seinem I Aermel und brachte sie dann beide ziemlich rasch aus den Augen, indem er sie unter einen, Keinen Stoß alter Papiere und Zeitschriften schob, die wieder auf den Tisch gelegt worden waren. crt..nlte J Nun, ich weiß nicht, warum die Leute so daraus aus "sind, Geld für Schmucksachen auszugeb en ^n nmii nach dem Aussehen etwas ebenso Schones fast fur nicyls der Auslegung wegen, die er bei seinen beiden F jedenfalls finden würde, beeilte sich- dem Gespräch re andere Wendung zu geben. Er wußte, daß er n ch . 9- 211 tavon hören würde und war nicht erstaunt, als er etwas Pater am Wend, während die anderen im Garten waren, ah, wie Otto die Ohrringe aus dem Verstecke, in das ie gebracht worden waren, hervorzog, um sie sorgfältig jeint Licht der Lampe zu untersuchen. Während Clifford zurückblieb, um noch ein paar Worte mit Nell zu sprechen, gingen die beiden anderen, die sich schon verabschiedet hatten, zusammen voraus. (Fortsetzung folgt.) Wismar und der Malmöer Vertrag. Won Ottomar Enking (Wismar). An einer herrlich geschützten Bucht liegt im gesegneten Obotritenlande eine von drei mächtigen gotischen Kirchen überragte Stadt, die mit ihrer Umgebung in staatsrechtlicher Hinsicht heute noch ein Unikum darstellt: die alte See-- und Hansestadt Wismar, die in gewisser Weise seit hundert Jahren zween Herren gehört, dem Großherzog von Mecklenburg-Schwerin und dem König von Schweden. Und wenn man sich nun fragt, wie ein solches Verhältnis noch nach Begründung des Deutschen Reiches möglich ist, so findet sich wohl keine andere Antwort, als daß Wismar eben in dem Lande liegt, wo in rebus politicis als erster und letzter Grundsatz das Lapidarwort gilt: „Allens bliwwt 6t’n Ollen". Aber neuerdings regt sich doch etwas, um an den Westen dieses Grundsatzes zu bohren und das Zweiherrensystem zu beseitigen. Won Mecklenburg freilich geht diese Bestrebung nicht aus, kann sie auch — das muß man sagen, um gerecht zu sein, — nach Lage der Dinge nicht ausgehen, sondern von jenseits des blatten Meeres kommt die Kunde, daß die schwedische Regierung bei ihrem Reichstage den Antrag gestellt hat, von den durch den Malmöer Vertrag vom 26. Juni 1803 stipulierten Rechten der Krone Schwedens auf Rückerwerbung der Stadt und Herrschaft Wismar und der Domanialämter Neukloster und Poel bedingungslos abzustehen. Ehe ich darauf eingehe, was es mit diesem Wertrage auf sich hat, möchte ich zur besseren Orientierung einen kurzen Rückblick auf die Geschichte Wismars werfen. Es ist eine nach mehr als einer Richtung hin interessante Stadt, die wohl verdiente, daß sie weiter bekannt und Lesser gewürdigt würde; sie ist eine der charakteristischsten im Städtekranz an der Ostsee. Was ihr Name besagen will, weiß man nicht. Einige mernen, ein sagenhafter Herr Wisimarus habe an chrer Stätte die erste Niederlassung gebaut, andere behaupten, die Obotriten hätten die weite Fläche der hier tief ins Festland einschneidenden Bucht „Wysse more", d. h. kost- Uches Meer, genannt. Aber das sind sehr zweifelhafte „ ist die Stadt höchstwahrscheinlich im Jähre 1226 unter der Herrschaft Burwys I. Schon 1256 wurde der aufblühende Ort Residenz, indem Fürst Johann sein Hoflager hierher verlegte. Mer die Verhältnisse zwischen Fürsten und Bürgern blieben nur kurze Zeit ungetrübt. Es war damals noch nicht Sitte, daß die Oberbürgermeister in ehrfurchtdurchschauerten Redetrance verfielen, sobald sich eine Fürstenequipage den Toren der Stadt näherte, im Gegenteil: die Bürgerschaft empfand es als eine Gunst, die sie den Herren gewährte, wenn sie diese in ihre Mauern ausnahm. — Es kam also zu Reibereien, die einstweilen dadurch beigelegt wurden, daß die Stadt dem greisen Hetnrich dem Pilger bei seiner Rückkehr aus dem Mvrgen- lande einen Platz zur Erbauung eines „Fürstenhofes" ein- raumte, der aber nicht befestigt werden durste. Zu Anfang des, 14. Jahrhunderts gab es wieder Streit, yni) „“1 mußte sich die trotzige Stadt vor Heinrich II. dem Löwen beugen. Sein Sohn Albrecht verließ WisUrar, als Herzog und Reichsfürst in Schwerin zu wohnen, und settdem hat Wismar gekrönte Häupter nur vorüber- A.bv,eud bet stch gesehen. Das hat aber das Aufblühen der Iric^, geschädigt. Sie trieb lebhaften Handel und wuchs an Einwohnerzahl. So kam es, daß sie in der Hanse erne gewichtige Rolle spielen konnte; ihre Macht hob sich gewalttg. Am 31. Oktober 1875 stattete Kaiser Karl IV. F Besuch ab, und man empfing und bewirtete ihn l'? gut, daß er dem Wtsmarschen Rat „mehr Dank sagte, als den Herren Ratznannen von Lübeck, wo er vorher ge- Won der rasch gewonnenen Höhe aber sank Wismar im 15. Jahrhundert mit dem allmählichen Verfall der Hanse wieder herab. Innere Kämpfe erschütterten die Stadt schwer. Tie Aemter stritten wider die Kaufherren und Geschlechter, und das demokratische Element gewann die Oberhand. Im Jahre 1427 setzte es der Führer der Aufständischen, ein Wollenweber Namens Klaus Jesuy, sogar durch, daß der Ratsherr v. Haren und der Bürgermeister Banzkow, angeblich wegen Werrats) auf dem Marktplatze hin gerichtet wurden. Noch jetzt zeigt ein flacher runder Stein im Pflaster die Stätte, wo das Schreckliche geschah. Die Aufrührer sind ohne Strafe davongekommen, wenn auch die Herzogin Katharine drei Jahre später den damals beseitigten Rat wieder einsetzte. Auch im weiteren Verlaufe des Jahrhunderts brachen Revolutionen aus. Der Reformation schloß sich das Gemeinwesen bereits 1524 an, indessen wurde dadurch der wirtschaftliche Tiefstand nicht gehoben. Kriege und Zwistigkeiten schwächten die Stadt fortwährend, und auch die Versuche, ihr dttrch Anlegung einer Kanalverbindung mit dem Schweriner See ein Hinterland zu schaffen, führten zu nichts Dauerndem. Mit diesem Kanalprojekt hat sich übrigens auch Wallenstein beschäftigt, und noch heute heißt der Graben, der einen Abfluß für den genannten See bildet, der Wallensteingraben. Der 30jährige Krieg ruinierte auch Wismar, die Stadt wurde fast ganz lahmgelegt, bis sie im westfälischen Frieden ihre Zugehörigkeit zu Mecklenburg verlor und schwedisch wurde, samt den beiden Domanialämtern Neukloster und Poel. Aus der Schwedenzeit ist eigentlich nichts als Kriegsnot, Belagerung, Elend und Verarmung zu berichten. Von 1675 bis 1680 waren die Dänen Herren der Stadt, und nach ihrem Abzug ließ Schweden den Platz in eine Festung ersten Ranges umwandeln, aber das hinderte nicht, daß 1716 Dänen, Preußen und Hannoveraner sich abermals in den Besitz Wismars setzten. Vier Jahre später fiel es an den bisherigen Herrn zurück, doch mußte die Festung geschleift werden. Sie ist nie wieder aufgebaut worden. Das 18. Jahrhundert mit dem siebenjährigen Kriege brachte immer größere Not und Armut über die Stadt. Von 1758 bis 1762 wurden ihr 735 300 Reichstaler Kontributionen ab gepreßt, und noch war man mit der Tilgung dieser Schulden lange nicht fertig, da kamen die napoleonischen Kriege... . Wismar war fast nur noch ein Schutt- und Trümmerhaufen mit 6000 Einwohnern, als mit dem Jahre 1803 der Anfang zu besseren Werhältuissen hereinbrach Schweden war zu einer Macht zweiten Ranges herabgesunken, ihm lag daher nicht mehr viel an Wismar, und es erbot sich gern, die Herrschaft wieder an Mecklenburg abzutreten, pfandweise, wie man damals sagte, kaufweise, wie man in Wirklichkeit meinte. Und am 26. Juni genannten Jahres ward dann zwischen dem Schwedenkönig und dem Herzog Friedrich Franz zu Malmö der aus 25 Artikeln besteheitde Vertrag unterzeichnet, wonach Mecklenburg die vor 155 Jahren an Schweden gefallenen Besitzteile zunächst auf 100 Jahre für die „Pacht"--Summe von 1250000 Talern Hamb. Bgnko zurückerhielt. Ueber die Verzinsung wurde in Art. 4, Abs. 2 bestimmt: „Der Zinsenfuß des Pfand-Schillings wird, von dem Tage der Auswechselung der Ratifikation an gerechnet, auf Fünf Prozent angenommen. Bon diesen Fünf Prozent werden Zwey Prozent als Aequivalent für die Nutznießung der hypothekarischen Besitzungen abgezogen, und die übriger Dreh Prozent sollen bis zum Ablauf der Werfallzeit jährlich zum Kapitale geschlagen werden, und einen zinstragenden Theil desselben ausmachen. Es wird demnach die aus diesen angehäuften zum Haupt-Fonds geschlagenen Zinsen erwachs Jene, Total-Summe diejenige seyn, die Seine Majestät der König von Schweden in dem Wiedereinlösungs-iFalle zu entrichten haben würden." Das gäbe, wenn Schweden in diesem Sommer gekommen wäre, um Wismar einzulösen, die stattliche Summe von 107 740 000 Mark. Wer Schweden war gar nicht verpflichtet, sich jetzt schott zu entscheiden, ob es die Herrschaft von neuem übernehmen wollte, denn in Art. 3 heißt es: „. . . Dagegen aber, wenn es Seiner Königlich-Schwedischen Majestät Eonvenienz nicht sein sollte, diese Bedingungen zu der vorbestimmten Zeit zit erfüllen, dann das Wiedereinlösungsrecht nicht reklamiert, sondern gegenwärtige Vereinbarung de facto so angesehen werden soll, alK. 212 - RetetiwtoÄ« V«lkM d« BrLLt'lSw WljvsMV-PM». M Mi-MstM« Mcksch Erben)ZL.K'e8w.- Rrdaktwn: August Götz. - Kapselrätsel. (Nachdruck verboten.) wen nui einet «tuyuuyiixy.tv*. a-v - u, , I freundlich, zuverlässig und gehorsam der melden Obrrgkert. | Bon den schönen Künsten liebt man hier hauptsächlich die ; Musik, und darin wird Gutes geleistet, im übrigen ist von i I einem Kunstleben nicht viel zu spüren. — Trotz der konser« . | nativen kommunalen und sonstigen Unschauungen ist der echte Wismarer in politischer und religiöser Hinsicht liberal bis auf die Knochen, und daher mag es auch wohl kommen, *««fie «ch Ml «*» N.N« a*e wa** I W und am 29. August hielt Friedrich Franz seinen Einzug. We gesagt: es kam nun eine bessere Zeit für Wismar. Aber es war a',uch vieles zu heilen. Die Stadt galt als sm wahres Sodom, als eine Spielhölle und al» Sitz von Ausschweifungen und allerlei Lastern und Verbrechen i eine Folge der ewigen Not, des sozialen Elends. rechtigkeit auf dem Markte gesucht. Dieser Zustand führte I ymusnbr 50 043 738 Kar Von Bedeutung ist die Zucker- 1830 zu einer Miniatur-Revolution, die gute Fruchte zeitigte, die Ausuhr50«943,738 Kgn Von ^e^urung m o « denn man begann mit dem alten Schlendrian auszuraumen. fabrik und auch f MEWWDZMM-7LLMS hinein von der Regierung vn dem mittelalterlichen Land- ! s g - Eisterrienier-Gründunq aus dem Anfänge dess tage Hintansetzung über Hintansetzung. Weder ine seinem bürg, eine Gisterziens mit Land bedacht. 1555 wurde S'SÄrÄÄSÄ l&rfeal«Ä’Ä“ Stobt s“äbea!’btefi\e^n65t“8ra M»alm üns-r-^Ost,--. Sie Insel Poel hnt einst s-s «Äemr Sonnenschein auf das Wismarer Gemeinwesen herabsttahlen Dre^Poeler Burg versE indenen r y nund Ställe der •<_ i— J ’ I braven^Jnsulaner' sind^ zum großen Teil aus dem Material soa? 9S6 EyärMsssrsÄ.™ Staates gänzlich verschwindet. Ich sage „Freundschaftsakt", noch von verschwundener Pracht. tziessährigen denn was Schweden tut, ist in der Tat nichts anderes. Also werden denn voraussichtlich mit dem diesjährigen Eine Wismarsche Frage, die Frage nämlich: Ist Wismar 26. Juni der Stadt Wismar und ihrem Gebiet die vollen schwedisch oder deutsch? hat trotz allem, was darüber ge- deutschen Ehrenrechte zuteil werden, jene ^mponderabili , schrieben worden ist, wenigstens seit der Gründung des deren Mangel ste trotz aller bisher vom Stammlande e , Deutschen Reiches nicht mehr existiert. Die staatsrechtlichen fahrenen Zurücksetzung doch ^^ngenehm empfmd^. Dam t Verhältnisse in Deutschland haben sich eben völlig geändert, wird b ann zugleich für die alte Hansestadt die Bitte una Wismar ist deutsches Bundesgebiet geworden, und also hatte der Wunsch erfüllt werden,. den noch Ob°rstleutn t Mecklenburg allein gar nicht die Macht und die Befugnis, Fvobenius tu ferner Schrift: Wismar ^"e ^ennenM die Stadt wieder auszuliefern. Nun, und daß der Bundes- Frage", so dringend an die maßgebenden Faktoren richtete^ rat seine Zustimmung zu einer erneuten Abtrennung Wis- „Macht uns ganz frei von Schweden! Laßt uns Deutsch mars von Deutschland nie gegeben haben wurde, versteht I wieder fein neben Deutschen! und wir werden es ch sich wohl von selbst. Es handelt sich daher in diesem Jahre §u danken wissen durch das, was unsere Stadt' unser Ha en um nichts weiter, als daß auch formell das Blatt Papier, Euch sein werden!" ät9J der Malmöer Vertrag, aus der Welt geschafft wird, nächst- • dem er tatsächlich schon lange keine Bedeutung mehr gehabt hat. Dazu hat ja, wie wir sahen, die schwedische Regierung denn auch den ersten Schritt getan, den man in Mecklenburg mit Genugtuung begrüßt. Daß sich mt schwe- I Gastein, Oranjeflnß, Aderlaß, bischen Reichstage gegen die Regierungsvorlage Widerspruch I Meisterschaft, Hanfseil, Johannes, erbebt, ist nicht anzunehmen. Der alte brave Thingmann I Unglück, Zw-ckefsm, Schmudeberg. Heoing kam zwar im Jahre 1900 mit dem originellen An- | ES ist ein Sprichwort zu suchen, besten einzelne Silben dec trage zum Vorschein, Schweden solle auf Wismar ver- nach in vorstehenden Wörtern versteckt sind, °^n- Rücksicht ° t Lichten, wenn Deutschland Rvrdschleswig an Dänemark I Silbenteilung. (Auflösung m nächster Numna^