Mittwoch den 7. Januar. Str) 4* 1903. TTHitTil aJsS&kjTti kMZ!! i'dM MM 5.w^& ß-MD OKü ÄM y (Nachdruck verboten.) Eine verhängnisvolle Fahrt. Roman von B. M. Crv ker. Rutorifiertei Übersetzung aus dem Englischen von Moina L. .. l J ixJ... i ' Bi sch ter. ' *" •" - >• * Erstes Kapitel. Ern Pariser Moderrrrettt g)rt der Handlung: Madame TasttSes Ausstellungsräume der Nähe der Bond-Street in London. Schöner Julinachmittag.) „Und wie ist der Preis?" fragte einte elegante ältere Dame, indem sie mit ihrer langstieligen Lorgnette auf das Ballkleid zeigte, worin sich, eine Probiermamsell vor ihr hin und her drehte. „Fünfundvierzig Pfund", erwiderte die in schwarzen Attas gekleidete Verkäuferin, und fügte dann, ihre Stimme zu vertraulichem Flüstertöne senkend) tvährend sie einen geheimnisvollen Blick im Saale umherwarf, hinzu: „W kam erst diesen Morgen von Paris an — kein Mensch hat es noch gesehen. Ich legte es sofort zur Sette, denn ich erwartete die gnädige Frau heute nachmittag, und da ich deren guten Geschmack Temte —" Mit bedeutungsvoller Miene hielt sie inne und überließ es der Eitelkeit der Tame, sich das Uebrige hinzuzu- denken. Tiefe neigte gnädig zustimmlend den KVpf mit den rötlichen Locken, auf denen ein kokettes Pariser Kapote- Hütchen saß. Tie gnädige Frau oder vielmehr Mrs. Malpas, Seine reiche, kinderlose Witwe, tvar sowohl wegen ihrer kostbaren Toiletten uno ihrer vorzüglichen Tiners, als wegen ihres unverwüstlich jugendlichen Aussehens berühmt. Ihrer noch immer anmutigen Gestalt und der KUnst ihrer ge- Ken Kammerjungser verdankte sie es, daß man sie in t leichten Sommerkleid und weißen Schleier keineswegs für älter als dreißig gehalten hätte. — Eine Frau ist ja bekanntlich stets so alt, als sie aussieht. „Ter gestreifte Rock", fuhr die Modehändlerin fort, indem sie ihren Anpreisungen durch ein liebevolles Streicheln des gerühmten Gegenstandes noch mehr Ausdruck verlieh, „und die Taille — jede einzelne der Perlpailetten ist nämlich mit der Hand aufgenäht — sind das Neueste, was überhaupt existiert. Tie gnädige Frau dürfen überzeugt sein, daß für eine solche Toilette — die einzige in der ganzen Stadt — der Preis äußerst mäßig ist. Ich weiß, daß die gnädige Frau es lieben, das erste Erwachen einer neuen Mode zu erfahren, und wenn diese Mode dann von der gnädigen Frau anerkannt wird, so ist sie sofort tonangebend für ganz London." ■ „Sie wird sich niemals zu diesen Aermeln — oder besser gesagt, zu diesem Fehlen der Aermel verstehen", unterbrach Po die Tame tn etwas kläglichem Tone. „Ah so, es soll also für die Nichte der gnädigen Frau sein, wohl für die schöne Australierin?" rief die Ker- käuferin zurückiretend, mit gut gespielter Ueberraschung. „Wie vorteilhaft wird es die große, schlanke Gestalt und die blendend weiße Haut heben l Sie ist eine sehr vornehm aussehende junge Tame." „Gewiß, aber sie ist eben auch eine junge Tame, die ganz genau weiß, was fie will, Miß Cvfte, und die, trotz ihrer wundervollen Haut, nicht dazu überredet werden kann, mit ihr zu prunken." . , „vtoch iuuuci Xjtvt r- iivj( yiiig-ttcg eiTic nette Tame in einer etwas gewagten, aus Mull, Spitzen und Streifen von Zobelpelz zusammengestellten Toilette indem sie MrS. Malpas Mei weih behandschuhte kleine Hände entgegenhielt. „Natürlich", erwiderte diese gedehnt. „Ich sitze Vst stundenlang hier." Tabei griff sie wieder zu ihrer goldenen Lorgnette und sah sich in dem elegant ausgestatteten Raume um, wo mehrere hübsche Käuferinnen berumgingen oder saßen, hier kostbare Spitzen ausfuchHen, dort sich Schmuck- gegenstände ansahen und die vor ihnen in den Modell- lleidern sich hin und her drehenden Probiermamsells be- trachteten, oder sich mit einem Ernst über Modeblatter! beugten, als seien sie im Begriff, eine blutige.Verschwörung anszuhecken. „Ich mache es gerade so", gestand Lady Flashe, einte in der großen Welt sehr bekannte Dame, die wie fünfund- gmnzigjährig aussah obwohl sie im unbarmherzigen Adelslender mit dreiundvierzig verzeichnet stand. Sie war eine lebenslustige Frau, deren fröhliche Augen förmlich strahlten, als sie, zu ihrer Freundin gewandt, hinzufügte: „Ter Umtrieb hier macht mir einen Riesenspaß, ich sehe zu gern, was sich die Leute aussuchen, geht es Ihnen nicht auch so?" „Und was haben Sie heute für sich bestellt?" fragte Mrs. Malpas mit etwas gelangweilter Miene. „Nur meine Toiletten zu den Goodwoodrennen; aber kürzlich habe ich mir noch ein weiß und lila Kleid bestellt/ genau wie das Ihrige." Tas" weiche, hübsch gepuderte, his dahin so sanft und ruhig lächelnde Gesicht der andern Tame nahm plötzlich einen harten Ausdruck an. „Ich weiß ja, daß Sie mir das nicht Übelnehmen", plauderte Lady Flache weiter, ohne sich die geringsten Gewissensbisse darüber zu machen, daß sie ihrer Freundin eine ihrer kostbarsten Ideen gestohlen hatte. „Sie sind ja nicht so neidisch und mißgünstig mit ihren Kleidern, wie die unausstehliche Gwendoline Clare, die stets in den wunderbarsten Toiletten erscheint, und die einem, wenn man sie nach dem Namen ihres Schneiders fragt, antwortet, sie habe ihre Toilette bei einer Keinen Näherin auf dem Lande oder bei ihrer Jungfer machen lassen. Als ob man nicht schon von weitem sehen würde, daß ihren Toiletten in großen Buch-, staben der Name Paris ausgedrückt ist." „Natürlich", jttmmte Mrs. Malpas bei, „denn es giebl — 14 — Frauen, die noch lieber ihr richtiges Alter, als Lien Namen Mer Schneiderin verraten." „Allerdings; und die eitle Frau ist doch kaum erst von )eti Masern, oder Wasserpocken, oder was weiß ich, was ür einer gefährlichen ansteckenden Krankheit genesen. Ich 'ann wirklich nicht begreifen, wie Gwendolins, die doch o fromm sein will und keinen Frühgottesdienst versäumt, olch unglaubwürdige Lügen aussprechen mag." „Sie wünscht eben das Gute für sich zu behalten", antwortete Mrs. Malpas in wenig teilnahmevollem Done. „Mir gefällt übrigens die Art, wie sie sich kleidet, durchaus nicht — sie ist mir viel zu auffallend. Nebenbei gesagt, liebe Dulcie, wäre es auch mir lieber, Sie suchten nicht gerade meine Toiletten zur Nachahmung aus, obgleich ich ja wohl weiß", fuhr sie mit sauersüßem Lächeln fort, „daß Nachahmung die aufrichtigste Art von Schmeichelei ist. „Aber teuerste Freundin, Sie haben eben eilten ganz besonders hervorragenden Geschmack. Gewiß opfern Sie ganze Stunden Ihres nächtlichen Schlafes, um sich neue Toilettett ausMdenken. Ta wäre es ja geradezu eine Sünde, wenn Sie derartige Ideen für sich allein behielten. Und sollte man's glauben? Manche Leute behaupten sogar tatsächlich: Sie kopieren meine Toiletten. Ist das' nicht unerhört?" fügte sie mit etwas spöttischem Lächeln hinzu. Nun aber erinnerte sich Mrs. Malpas plötzlich wieder der Verkäuferin und des geduldig in dem prachtvollen Gewände wartenden Mädchens, und so sagte sie: „Bitte, Miß Softe, ich möchte das weiße, silberdurchtoirkte Kleid gerne noch einmal sehen, und auch das weiße und rote; mit dem hellgrauen hat es noch Zeit." „Das weiße paßt aber nur für ein ganz, junges Mädchen, meine Liebe", bemerkte Lady Flashe, während sie sich vertraulich neben ihrer Freundin niederließ. „Hatten Sie die Absicht, es für sich Au kaufen?" „Nein", antwortete Mrs. Malpas mit einer unwilligen 'Geberde, „so geistesschwach bin ich denn doch noch nicht- Mir kann mau nicht nachsagen, daß ich mich unpajs'-no tvrous luhnen' Hut Syrer Gefährtin Mt vielsagendem Bück fixierend, hinzu. „ hier sind sie ja endlich !" rief sie beim Anblick von zwei soeben emtretenoen jungen Damen. Die erste, die mit langsamen, graziösen Bewegungen, umrauscht von seidenen Röcken, naher kam, war Lady Fanshawe, eine selbst in diesem von hübschen Damen wimmelnden Saale auffallend schöne Erscheinung Tie grauen Augen und runden rosigen Wangen, der Keine Mund und das tadellos geformte Näschen wurden von prachtvollen, üppigen, rötlich-blonden Haaren umrahmt. Ein Weißes Kleid und ein mit weißen Taubenflügeln geschmückter Hut ließen ihre blendend schöne Hautfarbe noch mehr hervortreten. In der einen Hand trug sie einen türkisblauen Sonnenschirm, in der andern einen großen Strauß von rosa Rosen. Es war wirklich ein reizendes Bild, das Nita Fanshawe darbot, als sie mit ihrer leichten, freien Haltung auf die beiden älteren Damen zugeschritten kam. Ihr folgte eine hochgewachsene junge Dame mit lose aufgesteckten dunklen Locken und großen blauen, etwas tiefliegenden, lebhaften Augen — ein schönes, junonisches Geschöpf, obwohl Miß D'Arcys Mund und Kinn in ihrer Energie und Festtgkeit nicht übel in das Gesicht eines! hübschen jungen Mannes gepaßt hätten. Sie trug einen einfachen, weiß leinenen Rock mit der gleichen Jacke, und einen nichts weniger als auffallenden Hut, auf ihrem Gesicht aber lag ein Abdruck, als unterziehe sie sich aus Höflichkeit einer lästigen Aufgabe. Das war Lady Fan- shawes Halbschwester, die große Erbin und das Schmerzens- ttnb ihrer Tante. -Hier bist Tu ja, Tantchen!" rief Lady Fanshcuves fröhliche Stimme, „und auch Sie, Tulcie, jetzt glaube auch ich wahrhaftig nächstens, daß Sie hier wohnen. Böse Zungen behaupten nämlich, Me hätten ein geheimes Zimmer hier. Ach, ich fürchtete schon, es würde nichts mehr aus unserem Kommen!" nfalls finde ich es recht hübsch", sagte die hattet Ihr davon? M ist ganz neu und Mit." «Zch auch", sagte Mrs. Malpas. „Es ist vier Uhr."- . --Wir mußten eine Ewigkett im Blumenladen warten, nnd wurden dann noch durch, einen entsetzlichen UnglückK- fall aufgehalten, der sich in Picadilly mtt einem Wagen ereignete. Ich kann Dir sagen, daß ich Maureen nur mit oller Gewalt davon abhielt, aus unserem Wagen herausüd- spEgen, svnst hätte sie sicherlich auf irgend eine exMt- trrsche Weise ihre Hilfe angeboten." ,Hst das Maureens BaUKeid?" fuhr sie fort, das neue xmnzöftsche Modell mit krittschen Blicken bettachtend. „Mer liebe Tante Rosa, das soll doch nicht für mich sein?" fragte Miß TkArcy voll aufrichtigen Entsetzens. Mrs. Malpas nickte freundlich bejahend. „Wozu denn ein solches Kleid, ich gebrauche doch keine Luftkur?" „Was für Unsinn schwatzest Du da wieder^ liebes Kindl Was willst Tu damtt sagen?" „Tu hast doch sicherlich 'von der neuen Heilmethode ge-i hört, bei der, die Leute fast ganz ohne Kleider in Tannenwäldern spazieren gehen? Wenn sie jemand kommen hören, so läuten sie, um die sich Nähernden von sich abzuwehren. Wenn ich nun dieses Kleid trüge", sagte sie, auf das Modell zeigend, „so wäre ich dazu verdammt, mit einem Gong herumzulaufen." „Welch eine Idee! Tu spricht doch wirklich zu tolles und unschickliches Zeug." „Wer von Taille ist ja hier kaum eine Spur und Aermel gießt es gar nicht. Ich wollte mirs noch gefallen lassen, wenn ich, wie dieses' Fräulein hier, ein anderes Kleid darunter anziehen dürste, so aber mutet man mir mit einem solchen Anzug wirklich zu viel — oder besser gesagt, zu wenig zu." (Fortsetzung folgt.) Literarisches. Tie amerikanische Presse gefällt sich augenblicklich, anläßlich der .Venezuela-Affäre, in den schnödesten Angriffen auf Deutschland. Ta ist ein umfangreicher Artikel doppelt interessant, in dem, im neuesten Heft von Vel - Hagen & Klasings Monatsheften, O. v. Gott-, berg aus eigenster Anschauung heraus diese Presse in ihren intimsten Schattierungen schildert; das Verständnis ihrer Eigenart, im guten und bösen Sinn, wird durch diese Darstellung wesentlich gefördert. Velhagen & Klasings Monatshefte lieben es, in ihren Artikeln möglichst an die Gegenwart anzuknüpfen. So veröffentlicht in demselben Heft Tr. W. Meyer — der bekannte Urania-Meyer — einen von zahlreichen Abbildungen begletteten hochinteressanten Beittag über die „Aufgabe der Vulkane in der Entwickelungsgeschichte der Erde", der von dem fürchterlichen Ausbruch des Mont Pelöe auf Marttnique ausgeht; Prof. Tr. Ed? Heyck gibt, anknüpfend an das hundertjährige Jubiläum des Reichsdeputa? tions-Hauptschlusses, der das Ende des „HeilgeN Römischen Reichs deutscher Nation" bedeutete, eine Würdigung dieses seltsamen Staatengebildes' in den letzten Jahren seines' Bestehens; Hans v. Zobeltitz berichtet über die, neuesten Erscheinungen auf den Bühnen der Reichshaupb- stadt. Endlich schildert Tr. G e n z e l das! Werk und das Leben Konstantin Meuniers, des großen belgischen Bildhauers; auch dieser Auffatz ist reich und vielseitig illustriert. „Taaebnchblättett , feinsinnige Aphorismen von Marr.e V. Ebner-Eschenbach bilden einen besonderen Reiz des? Heftes, in dem wir, neben dem Schluß des! Romans „Allein ich will" von Frieda v. Bülow, den stimmungsvollen Anfang eines Rvmanes „Das offene Fenster von Otto v. d? Pfordten sanden. Soviel uns! bekannt, tritt damit der als Dramatiker vielgenannte süddeutsche Dichter zum erstenmale in die Reihen der Romanciers!. i Rätsel. Der Vater spricht in ernstem Tone Zu seinem gar zu wilden Sohne: „Ich hab' cS Dir schon oft erteilt, — Auch jetzt bekommst Du'S unverweilt; Doch weil Du kannst und willst nicht hören, So soll es diesmal Dich belehren, Mit einem Kopf und Fuß verseh'«!" Das that das Söhnlein gleich versteh'«; Hat fürder sich gar brav benommen. Und hat es niemals mehr bekommen. (Auflösung in nächster Nummer.) Auflösung des BüderrätselS in vor. Nr.: Franziskaner. Modenvericht üöer Worgenkkeider «nd Malinees Bearbeitet und mit Abbildungen versehen von der Internationalen Schnittmanufaktur Dresden-N. Reichhaltiges Modenalbum und Schnittmusterbuch zu 60 Pfg, daselbst erhältlich. _ ©streute berühren sich". Je mehr uns! die gesellschast- licheu Freuden, für die jetzt die Hochsaison gekommen ist, an9 auferlegcu, um so mehr wissen toir für die Stmrden der Ruhe und Erholung die Annehmlich- ttlt einer bequemen, und legeren Kleidung zu schätzen. Es ™. deshalb unseren geschätzten Leserinnen nicht Nn- Evunschtsem, wenn wir, nachdem wtt unlängst über Gesell- S . S berichteten, heute der bequemen Hauskleidung gedenken. Wie wohl tut doch zwischen rauschenden Festen ein fraulicher .Abend mtt aller häuslichen Bequemlichkeit. Man schlüpft in den molligen Schlafrock und gönnt einmal aus kurz« Zeit den überreizten Nerven dte nötige Ruhe. Tas hohe' Stehbündchen, die engen Futterärmel, die anliegende Taille, alles! das' verschwindet mit dem modernen Schlafrock; denn in unserer jetzigen, denkenden Zeit, wo jedes' Ting in erster Linie zweckmäßig sein muß, wird auch die Mode gezwungen, ihre Formen den jeweiligen Zwecken anMpassen. So konnnt es, daß die jetzigen Schlafröcke bei 16 — aller Kleidsamkeit und Eleganz, doch nichts an Bequemlichkeit zu wünschet. übrig lassen. Es mag Wohl sein, daß die allgemeine Modeeinrichtung hierbei nicht ohne Einfluß ist, venn sie bringt anstelle des steifen Stehbündchens den kleinen Halsausschnitt, anstelle der engen Aermel die weiten Lündchenärmel, welche sehr gut ein anliegendes Fritter entbehren können, und- anstelle der geschnürten Dame ist (auch für die korrekteste Modedame) die, wenn auch schlanke, so doch nur geschweifte und nicht eingeschnürte Form getreten. Alles dies macht es leicht, die modernen Morgenkleider auch so bequem tote möglich zu gestalten. Tie idealste Morgenkleidform bleibt ja ohne Zweifel der Kimono, jenes bequeme und kleidsame mantelartige Kleidungsstück, welches nns von Japan überbracht wurde. Obgleich man nun heutzutage sehr dasür inkliniert, alles möglichst echt zu haben, so würde doch gerade hierfür die ganz echte Form wenig zu empfehlen sein, denn dieselbe ist unten rind vor allem auch hinten zu eng, um bei unserer Art zu gehen und sich zu bewegen, schön zu sein. Tie, den Hals freilassende, aber doch nicht als Ausschrritt wirkende Fornk des Kragenumschlags, der einfache mantelartige Schnitt, die lebhafte Buntheit des Stoffes machen ihn jedoch zu einem äußerst kleidsamen Kleidungsstück, welches in der Tat auch mehr und mehr Anhänger gewinnt; denn nebenbei bemerkt, sind Ls nicht nur Morgenkleider und Malinees, die diese Schnittform aufweisen, sondern auch Mäntel, Paletots und Blusen werden im Frühjahr so erscheinen, Auch auf Modell Nr. 1303. Modell die übrigen Mvrgenkleiderformett ist der, in der Konfekttonsi. spräche schlechtweg mit Geisha-Schnitt benannte Kimono nicht ohne Einfluß gewesen, wie sich deutlich am beigegebenen Modell Nr. 1309 erkennen läßt. Dasselbe stellt zwar ein einfaches!, halb anliegendes' Prinzeßkleid mit breitem Kragen dar, aber unter dem Kragen zeigt sich der rund geschnittene Randbesatz, welcher das' charakteristische des Geisha-Schnittes ist. Die Aermel erweitern sich vor der Hand tulpenförmig und bedingen daher ein dekoratives! Futter. Sehr nett ist auch die übr ige Anordnung der Bord erteile, welche oben in strahlenförmige, kleine Fältchen genäht sind, die einen schönen Fall der Vorderteile vor den Füßen zur Folge haben. Tie Ausstattung der Mvrgenkleider mit breitem Kragen ist gleichfalls auf eine jetzt allgemeine Mode zurückzuführen; denn bekanntlich ist der breite Kragen gegenwärtig eine der verbreitetsten Garniturformen — und mit Recht, denn er ergibt stets einen harmonischen, abgerundeten Abschluß des ganzen Kleidungsstückes nach oben hin. Auch eignet! er sich besonders gut für Dekorationen jeden Genres, welche! hier sehr gut zur Geltung kommen. Wie hübsch die Wirkung dieser breiten Kragen an einem im übrigen ganz einfachem Morgenkleide ist, veranschaulicht deutlich Modell 1303. An demselben ist er am äußeren Rande in einige breite Bogen ausgeschnitten und mit einem schmalen Plissee umrandete Born schließt er unter einer vollen Schleife mit langen Enden. .. . । " V, ■. 1306. Modell Nr. 1309. Unsere 3. Abbildung, Modell 1306, ein Matinee, km Kimonoschnitt, welches mit seiner faltigen Weite besonders gut W ider krausen japanischen Stoffmnsterung paßt. Dieselbe wird noch besonders durch den einfarbig glatten, ringsum laufenden Besatz, gehoben. Es' dürste dies ein be- sonders für junge Mädchen und Frauen paffendes Kleidungsstück sein, für deren Geschmack der Schlafrock zu legere ist. In manchen Familien ist ja bekanntlich das Morgen kleid überhaupt ganz verpönt und wird nur der Hausfrau in Form eines höchst einfachen Prinzeßkleides gestattet, über welches die Wirtschaftsfchürze getragen werden kann. Ändere wieder bevorzugen als Hausanzug nur Rock und Bluse und erkennen das Morgenkleid höchstens bei Rekonvaleszenz an. Tie elegante Dame aber, deren wirtschaftliche Pflichten kein eigenhändiges Eingreifen erfordere verwendet aus ihr Morgenktetd genau die gleiche Sorgfalt, wie auf ihre übrigen Toiletten, und da waltet dann die höchste Eleganz. Alle zarten und kostbaren Stoffe, lute Seide, Chiffon, Seiden- crepp rc., alle teuren Garnituren-, wie Spitze, Bänder, Pelz rc. kommen hier in Anwendung. Tie zartesten Farben- die raffiniertesten Zusammenstellimgen, kurz die höchste Eleganz kann ment an diesen Gewändern bewundern, welche natürlich nicht nur dazu geschaffen werden, in der Stille des Boudoirs getragen zu werden. Die glückliche Besitzerin eines derartigen Morgenkteides empfängt im Gegenteil sehr gern ihre intimen Bekannten in diesem Anzuge. Sogar bei offiziellen Enipsängen (ftve o clock theas) tragen manche Hausfrauen morgenktetdähnliche Gewänder in besonders eleganter Ausführung, welche dann den Namen TheagownH wagen. Bei uns in Deutschland ist allerdings diese Sitte nicht sehr verbreitet, aber im Ausland, auch in Frankreich! ist sie sehr beliebt. Aus' diesem Grunde hat man auch bei uns weniger Gelegenheit derartig elegante Morgenkleidejr W bewundern; denn hier di errett sie, wie wir anfangs' erwähnten, lediglich Bequemlichkeitszwecken, Und daW genügen die einfachen Formen und Ausführungen, wie wir sie eingehend beschrieben haben. Biele Damen lieben es sogar, ihr«! Haus- 'oder Mvrgenkleider selbst herWstellen, was ja bekanntlich mit Hilfe eines guten Schnitts nicht schwer ist. Praktische Frauen lieben die Garderobe für sich und ihre kleinen Lieblinge selbst zu verfertigen, beim das Schneidern im Haus bietet wesentliche Ersparnisse und macht viel Freude, wenn das!, was der Hänoe Fleiß erzeugte, auch chik und! kleidsam ist. — Um wirklich günstige Erfolge W erzielen, mutz man sich der rechten Hilfsmittel bedienen und als solches! darf iam erster Stelle „Die perfekte Schneiderin" aus dem Berlage „Europäische Modenzeitung, Dresden", empfolen werden, nicht nur weil sie die praktischste! Und Umfassendste, sondern auch weil sie die billigste Anleitung für Tamenschneid'erei ist. — Sie erscheint in 15 Lieferungen ä 50 Pfg. oder in Mappe Wm Preise von 7,50 Mk. Probehefte sind durch alle Buchhandlungen, solche durch de» Berlag erhältlich. . ; i i । i i Redaktion: Curt Plato. — Rotationkdruck und Verlag der Brühl'schenUniversitStk.Buch« und Steindruckerei tPietsch Erden) »ließen«