AreiLag den 6 Mvmöer ^0^0^- aufg. H-Moll. jjjjl ,fMST M ;v u 7ää£. WNÄWN ijSJsiRdi iglli -H e'<; f'es Studios und starrten einander an. Rodellec gebrauchte die Vorsicht, sich mit dem Rucken gegen die Ein- rx°l. »Ich versichere Euch, ich habe die Geschichte fetzt satt. „Es wird uns nichts tun", erwiderte Rodellec, dessen Qnßne hörbar aneinander schlugen. m "O 9 Darauf ist durchaus kein Verlaß", meinte Nives. "Ich habe eigentlich nie mittun wollen, Ihr habr mich dazu" überred et", klagte Hoel. „Ich habe gar nichts gegen den Maler, es ist alles nur Eure Schuld. Laßt mich hinaus, Rodellec, mit Geistern ist nicht gut kämpfen, ich will „Sie beschützen den Maler", begann Nives wieder, „das liegt auf der Hand, sie haben immer jemanden, den sie Zu jeder anderen Zeit hätte ihr Herz vor Freuden höher geschlagen über so viel Güte. Jetzt aber kam sie nur hastig auf ihn zu, ergriff ihn bei der Hand und zog ihn nach der Tür — sie, die sonst halb spröde, halb verschämt vor jeder Berührung zurückbebte! Ihre kleinen, rauhen Hände, die so krampfhaft die seine umschlossen hielten, waren eiskalt. Hamor folgte ohne Widerstand. „Sie wird sicherlich krank werden", dachte er bei sich. Noch an der Tür, als sie ihn hastig über die Schwelle drängte, sagte er ernsthaft: „Nicht wahr, Guenn, Du trinkst den Tee? Sage Madame in den Voyageurs, daß ich sie bitten lasse, Dir welchen zu kochen. Versprich mir, es zu tun!" fügte er eindringlicher hinzu, Guenns natürliche Abneigung gegen jede Art von Arznei gar wohl kennend. „Gewiß, gewiß, ich werde welchen trinken, ich will ja alles tun", stieß sie mit heiserer Stimme hervor. „Dann bist Du ein liebes, gutes Kind", er legte den Arm um sie, beugte sich nieder und berührte flüchtig ihre Wange. Regungslos, mit unsäglich trostloser Miene stand sie neben ihm; sie versuchte nicht, sich seiner Umarmung zu entziehen. Pfeifend stieg er die Treppe hinab und sie hörte ihn mit starken Schritten durch den Hof marschieren. „Heilige Mutter Gottes, welchen Lärm er macht!" Jetzt schlug der schwere Torflügel zu, für den Augenblick war er gerettet und sie konnte wieder aufatmen. Mit geh iossenen Augen und auf die Brust gepreßten Händen lehnte sie an der Tür. Es lag ihr wie Blei in allen Gliedern, aber sie durfte jetzt nicht zögern. „Ich werde das Bild hinunter nach dem Holzschuppen tragen, dort sieht es niemand, bis ich morgen früh beizeiten wieder komme, es zu holen. Sobald ich es rn Sicherheit habe, gehe ich zum Polizeichef. Ich dachte, es würde nicht nötig sein, aber ich muß ihn benachrichtigen, ich muß! Welch' eine Schande, daß Guenn Rodellec gegen Plouvenecer Männer aussagen muß!" Sie wandte sich dem kleinen Tisch zu, der neben dem Kamin stand. Ein offenes Buch lag darauf. Sehnsüchtig weilte ihr Auge auf den fremden Worten, die er so gern las, und ihre Hand glitt zärtliche über die Seite, welche er zuletzt umgewandt. Dann schloß sie sorgsam den kleinen Band Sonette, wie er selbst es zu tun pflegte. Er liebte ja seine Bücher. Sie fühlte sich so müde und erschöpft; niederknieend legte sie ihre Wange gegen das kleine Buch — die Wange, die er geküßt, gegen das Buch, das seine Hand berührt hatte. „Aber ich habe keine Zeit mehr, keine Zeit", murmelte sie mit matter Stimme. Jetzt vernahm ihr scharfes Ohr ein Geräusch. Das waren Fußtritte! So waren sie also schon da, und es war zu spät, das Bild zu retten! Mit einem Sprung stand sie davor, mit ausgebreiteten Armen suchte sie die große Leinwand zu schützen, ihre Augen sprühten Feuer, sie war bereit, für sein Werk zu sterbeu, wie sie für ihn selbst in den Tod gegangen wäre. Noch einmal schweifte ihr Blick wild umher: „O heilige Mutter Gottes, gibt es denn keinen Ausweg?" Tas Licht auszulöschen nützte nichts mehr, sie mußten es schon gesehen haben. Ta blickte sie auf die niedrige Tür, die nach dem leeren Dachboden führte; rasch, wie der Gedanke, war auch die Tat — sie ergriff das schwere Bild und trug es sorgsam bis zur Tür, noch jetzt Hamors Ermahnung zur Vorsicht eingedenk. Ob es wohl hindurchgeht, ob es zu hoch sein wird? Auf der Treppe ließen sich leise, schleichende Fußtritte vernehmen. Es war kein Augenblick mehr zu verlieren. Sie drehte den Schlüssel um uud öffnete die Tür. Der Blendrahmen ließ fich eben S'i hindurchzwängen und stützte sich drinnen auf den drei vom Eingang entfernten Balken. Guenn hielt das (chwere Bild in der Schwebe, einen Fuß auf der Tür- chwelle, den andern auf dem Balkeu, und es gelang ihr eben noch, die Tür leise zu schließen, als sich am gegenüberliegenden Ende das Studio öffnete, die drei Männer den Raum betraten und in laute Verwünschungen ausbrachen, als sie ihn leer fanden. „Wenn sie mich entdecken, werden sie das Mld zerschlagen und ihn töten, wenn er zurückkommt", dachte Guenn in Todesangst, während sie strebte, sich und ihre Last über der dunkeln Tiefe tat Gleichgewicht zu erhalten. „Halt, dort unten liegt Stroh, erst gestern habe ich ihm welches für Jeannes Bild von da geholt. Wo war es nur?" Die Gedanken verwirrten sich ihr in der Dunkelheit. „Es war in Schutz nehmen; wenn das nicht wäre, hätten wir ihm schon vor Monaten eins ausgewischt. Aber kein ehrlicher Bretagner sollte gegen jene die Hand erheben; es führt zu nichts, auch verbietet's die Kirche. Laßt uns heimgehen, Rodellec!" Rodellecs breiter Rücken versperrte noch immer den Ausgang. Er empfand die erbärmlichste Furcht, aber sein Haß gegen Hamor war noch stärker. Mit großtuerischer Miene schritt er durch das Zimmer. „Nimm wenigstens das!" rief er boshaft und stieß ein Loch in Hamors größte Kohlenzeichstrung, „und das!" die blaue Base flog zu Boden und der Band Sonette ins Feuer. „Ermannt Euch wieder, das war nur ein kleiner Schreckschuß, wir wollen dem Maler doch noch eins versetzen. Ihr könnt mir's glauben, der alte Morot hat nichts dagegen einzuwenden." Drei laute, vernehmliche Schläge ertönten drüben an der Tür. IM nächsten Moment schon flohen die Männer in sinnloser Hast und Bestürzung die Treppe hinab, durch den Hof, und hielten nicvt eher still, bis sie im Bereich des gelben Lichtes angelangt waren. Guenn hatte sich, sobald die Tür geschlossen war, wieder auf den Balken geschwungen. Dre Arme waren ihr wie aus den Gelenken gerissen, ihre Kehle war ausgedörrt, alles Mut strömte ihr zu Kopfe. Sie fürchtete jeden Augenblick vor Schwäche herabzufallen, und lehnte das Haupt gegen die Dachsparren, um sich zu stützen. „Wenn er nur wenigstens wegbleibt! Wenn nur Monsieur Staunton ihn zurückhält! Wie lange ist's wohl her, daß er fortging ? wie lange bin ich schon hier?" Sie wußte nutzt, waren es Stunden, Wochen, Jahre. Der Schmerz und die ausgestandene Angst ließen ihr die Zeit, die sie so verbracht, als eine Ewigkeit erscheinen. Sie konnte nicht hören, was die drei unter einander besprachen, aber das Murmeln ihrer Stimmen schlug fortwährend an ihr Ohr. „Ich muß sie von hier fortbringen, und wenn es mir das Leben kostet, es muß geschehen. Vergebt mir, Monsieur Morots Geist, aber ich muß sie glauben machen, daß Ihr es seid, zürnt mir nicht, Ihr sehet ja selbst, mir bleibt keine andere Wahl." Sie kroch auf dem gefährlichen Balken zurück, trat mit einem Fuß auf die Schwelle, und alle ihre Stärke zusammenraffend, schlug sie dreimal kräftig mit dem Holzpantoffel gegen die Tür, worauf die Männer schmählich die Flucht ergriffen hatten. Tastend berührte Guenn den Drücker und mit einer letzten Anstrengung, schwindelnd, halb ohnmächtig und zitternd vor gänzlicher Erschöpfung, aber doch triumphierend, ließ sie sich auf den Boden des verlassenen Ateliers niederfallen. Als Hamor mit Staunton zurückkeyrte, fanden sie niemand mehr vor. Sie saßen an dem verglimmenden Feuer nieder und plauderten eine Stunde lang auf die behaglichste Weise. „Es tut mir leid", entschuldigte sich Hamor. „Mir kam's aber wirklich vor, als spräche sie im Ernst, und jetzt scheint es doch wieder einmal viel Lärm um nichts gewesen zu sein. Da habe ich Dich nun so grausam mitgeschleppt, und Madame Staunton obendrein in Angst gesetzt, denn sie sah, wie Du Deinen Revolver mitnahmst." „Die Vandalen scheinen aber dennoch hier gewesen zu fein", rief Staunton lebhaft und deutete auf den Riß in der Kohlenskizze, „sieh nur her", — er hob die Scherben der zerbrochenen Vase auf, und zog schließlich noch die halbverkohlten Ueberreste der Sonette aus dem Kamin hervor, die er dem Eigentümer mit der Feuerzange hinhielt. „Des langen Wartens müde oder aus Durst nach Grog sie sich zurückgezogen, nachdem sie dergestalt ihr Mütchen gekühlt hatten", sagte Hamor verächtlich. „Dem- sie überhaupt nichts gar so Schlimmes im Schilde. Guenn muß unglaublich übertrieben haben, sie hat mich ordentlich gruseln gemacht. Ich schäme mich beinahe, Dir keine bessere Unterhaltung bieten zu können." - ich bin sehr froh darüber. Auch halte ich e^,Vtr setzt mit mir fortgehst; ich glaube üicht, daß Rodellec Dir wohlgesinnt ist, Hamor!" „Ich weiß, er bewahrt einen alten Groll gegen mich • £, v.erften Begegnung, das hat aber durchaus Nichts auf sich , versetzte Hamor sorglos. Guenn hatte nicht gewagt, länger als einige Minuten auf dem Boden liegen zu bleiben. Sie wußte nur zu genau, daß sie daheim sein müsse, ehe ihr Vater ankäme, um tückisch und argwöhnisch mit der brennenden Kerze vor ihren Augen herumzufahren und sich zu überzeugen, ob sie fest schlafe. Fortsetzung folgt. Unser» Kerrgotts K-Ler. Von Peter Rosegger.*) „Josef! Um zwei Uhr werden die Herrschaften von der Rennbahn da sein. Bereite ein zweites Gabelfrühstück mit Kaviar und Austerii. Auch ein paar Flaschen Sekt einkühlen!" „$u dienen, Exzellenz!" Hierauf machte der alte Exzellenzherr seinen Spaziergang, um das erste Gabelfrühstück noch knapp vor dem zweiten zu verdauen. Man muß auch seiner Gesundheit etwas zuliebe tun. Es war ein heißer Julitag, der Herr schritt langsam und behäbig die Straße entlang, trug in der einen Hand den Hut, in der anderen den seidenen Sonnenschirm, dachte an seine Pferde, au seine Tugenden und an seine Jagdhunde, womit er morgen eine Probe anstellen will. Ein fahrender Geselle begegnete ihm, zog vor dem Herrn seine Mütze und grüßte höflich. „Gn'n Tag, gu'n Tag!" rtef der Exzellenzherr leutselig; denn er war immer sehr wohlwollend, besonders wenn er gut verdaute. „Warm heut, Euer Gnaden, sehr warm heut!" näselte der fahrende Geselle, wischte sich mit einem zusammengeballten roten Sacktuch den staubigen Schweiß vom braunen Gesicht und dachte: „Vielleicht gibt er mir doch ein Zwanzig- hellerstück auf ein Glas Mer." Da die Exzellenz aber in andere Gedanken versunken zu sein schien, so rief der Geselle überlaut: „Wenn bei so 'ner Hitze nur dreser verdammte Durst nicht wär'!" „Durst haben Sie?" schnarrte der Herr. „Ra, dann gehen Sie gerade aus, nachher links um die Scheune, dort steht unseres Herrgotts Keller, der Brunnen. Just einmal den Eimer Heraufziehen. Na, gehaben Sie sich!" „Vergelt's Gott!" antwortete der Handwerksbursch und bei sich: „Alter Filz, Wasser finde ich auch selber, wenn ich mag." Und ging dem Brunnen zu. Die Exzellenz schritt fürbaß und war zufrieden mit dem erziehlichen Rate, den sie gegeben. Alles hat Durst heutzutage. Alles will Bier, Wein und weiß der Himmel was! Nrcht übel, wenn sie manchmal an des lieben Herrgotts Keller erinnert werden. Wer Durst hat, für den rst frisches Wasser das allerbeste. Ein bißchen mehr Fruga- lrtät, meine Herren Landstreicher! Ta der Geselle dahin war, blieb er stehen, klemmte den Schirm zwischen die Beine und brannte sich eine feine Regalitas an. Um zwei Uhr saß er wieder bei den jungen Herrschaften im Gartensalon. Nachdem der erste Durst mit einigen Flaschen Tafelbier gelöscht war und man wohlgemut den Pasteten und Krebsen zusprach, winkte der Exzellenzherr dem Joses, daß er den Sekt bringe. Da der Diener aber ein zweites Mal in Sicht kam, ohne eine Silberköpfige mitzuhaben, wurde der Herr ungeduldig. „Sofort, Euer Gnaden, sofort", versprach der Josef. „Sapperlot, ist es denn so weit in den Keller?" „Ich habe die Flaschen ein gekühlt. Exzellenzherr, im Birunneneimer. Und wie ich sie jetzt hervorholen will, sind sie weg. Putz weg!" „. . . . So! . . . So! -- Na, dann werden sie einen Liebhaber gefunden haben." — Daß dich der Satan! —> Aber zum schlechten Spiel gute Miene. — „Josef, spute Dich! Hole andere Flaschen!" Der fahrende Gesell war nicht schlecht zu sprechen auf unseren Herrgott, der in seinem Weinkeller Neuzeit auch Sekt hält. Leider nur ausnahmsweise. *) Aus seinem soeben bei L. Staakinann in Leipzig erschienenen Buche „Das Sünd erglöckel." vermischte»« * Historisches vom — Niesen. Zu einer „zeitgemäßen", sehr unterhaltenden Plauderei wird der „Scien- tific American" durch die Frage eines Lesers nach der Bedeutung des Niesens angeregt. Er glaubt, sie am besten 660 — durch folgenden historischen Exkurs beantworten zu können: Tatsache ist, daß die Mehrzahl der alten und neuen Völker das Niesen gewöhnlich als Unheil verkündend angesehen haben. In vielen Ländern und bei vielen Völkern ist es noch üblich, beim Niesen einen Gruß oder Segen auszusprechen, was ein Ueberbleibsel der Furcht vor Krankheit ist, die durch das Niesen vorher angezeigt werden soll. Der fast allgemeine deutsche Brauch, beim Niesen zu sagen „Zum Wohl", oder „Gott segne Dich", oder „Gesundheit" soll seinen Ursprung von der großen Pest im 14. Jahrhundert herleiten. Eins der ersten Anzeichen einer Ansteckung war ein einmaliges Niesen, auf das sich bald ein häufiges Niesen in schneller Folge einstellte. Wenn daher jemand nieste, nahm man an, daß er von der Pest angesteckt war, und alle, die ihm nahe waren, empfahlen ihn der Sorge des Himmels und machten sich in aller Eile aus dem Staube. All- gemein glaubte man, daß dies der Ursprung des Brauches sei; aber ähnliche Bräuche finden sich auch bei den wil- oesten Stämmen in Asien, Afrika und Australien. Ueber- dies ist die Literatur der Griechen, Römer, Aegypter, Juden und anderer alter Völker voll von Anspielungen auf einen ähnlichen Aberglauben über das Niesen. Aristoteles sucht ihn wie folgt zu erklären: „Wenn jemand niest, und seine Umgebung ihn grüßt, so geschieht das zur Ehrung des Gehirns, das der Sitz des Verstandes und Geistes ist." Die jüdischen Rabbiner behaupten, daß Adam genau dann zum ersten Male nieste, als Eva ihm den Apfel zum Essen hinhielt. In Erinnerung daran sah Adam es als böses Omen und Anzeichen nahenden Todes an. So verhielt es sich bis zu Jakob. Dieser nieste eines Tages, und da er einer solchen Kleinigkeit wegen nicht sterben wollte, bat er Gott, diese Ordnung der Dinge zu ändern, und mit Rücksicht auf den Patriarchen wurde das Gebet erhört. Von jener Zeit wünschten, immer nach den Schriftgelehrten, die Umstehenden, den Niesenden Glück und Gesundheit. Leser der Bibel werden sich daran erinnern, daß Elisa sich über die Leiche des Sohnes der Sunamitin warf und „das Fleisch des Körpers wurde warm. . . das Kind nieste siebenmal und öffnete die Augen." Die Griechen, die alle alten und ererbten Gebräuche verfeinerten, und nach ihnen die Römer, hatten einen kunstvollen Kodex, nach dem sie unterschieden, ob ein Niesen als günstige oder ungünstige Vorbedeutuug angesehen wurde; der Unterschied wurde je nach Zeit, Ort und Umständen des Niesens gemacht. Pater Famien Strada, der die gelehrtesten Studien zur Geschichte und 'Literatur des Niesens gemacht hat, erklärt, daß Prometheus daH Niesen bei den Sterblichen eingeführt habe. Er wollte eine Statue, die er gemacht hatte, beleben, und stahl deshalb einen Strahl Sonnenlicht, den er von Apollo in seiner Schnupftabaksdose verbarg. Kurz darauf wollte er eine Prise nehmen, und brachte in Gedanken den Strahl in die Nase, worauf er heftig nieste. * Der Sauerstoff als Maler in der Natur. Ein großer Teil der Farbenwechsel, die wir in der Natur beobachten, kommt durch eine Mitwirkung des Sauerstoffs der Luft zu stände. Wenn ein Gegenstand aus reinem Kupfer an der Luft stehen bleibt, so macht das Rot seiner ursprünglichen Färbung eine allmähliche Veränderung durch und verwandelt sich, nachdem es ein ganzes Farbenspiel durchlaufen, schließlich in Schwarz. Die Ursache dafür ist die sich steigernde Aufnahme von Sauerstoffverbindungen. Die schillernden Uebergangsfarben werden allerdings ähnlich den Farben einer Seifenblase noch besonders durch eine Lichtbrechung an den beiden Flächen der dünnen Oxydschicht veranlaßt. Eisen überkleidet sich in feuchter Luft zunächst mit einem schwärzlich-grünen Ueberzug und wird dann hellrot, die Farbe des gemeinen Rosts. Zinkrost ist weiß, Quecksilberrost rot, Silberrost bräunlich-schwarz, und sie sind sämtlich einfache Beispiele der Oxydation. Je höher der Grad der Sauerstoffaufnahme ist, desto stärker pflegt auch die Färbung zu sein. Die einfachen Sauerstoffverbindungen von Kalium und Mangan sind leicht braun bezw. weiß. Bei stärkerer Oxydierung werden die Stoffe glänzend^ grün, bei noch stärkerer purpurrot. Der Farbenwechsel, den gewisse Schaltiere beim Kochen durchmachen, ist vermutlich auch ein Ergebnis der Sauerstoffwirkuug. Die Frage, warum Hummern und Krebse beim Kochen rot werden, ist oft untersucht worden, ohne ganz befriedigend beantwortet zu sein. Ein Grund ist wahrscheinlich, daß die Schale der Krebstiere eine Verbindung von Eisen und Sauerstoff enthält, die beim Kochen durch weitere Aufnahme von Sauerstoff ihre Farbe ändert. Auch rotes Menschenhaar verdankt seinen Glanz wahrscheinlich der Anwesenheit von Eisen im Zustand hoher Oxydation und kann daher durch Chemikalien, die den Sauerstoff an sich ziehen, wie die Pyrogallussäure entfärbt werden. Der Sauerstoff ist somit vielleicht der größte Maler in der Natur, und auch die herbstlichen Farbenwechsel der Pflanzen sind vermutlich zum großen Teil seinem Einfluß zu verdanken^ Literarisches. Der Gustav-Adolf-Kalender, bereits in seinem 51. Jahrgang, ist ein in evangelischem Sinne ausgebauter Kalender, der zugleich alljährlich über das Werk des Gustav- Adolf-Vereins berichtet. Zeitgemäße evangelische Gedenktage finden in gleicher Weise Berücksichtigung, so diesmal die Entstehung der Britischen und Ausländischen Bibelgesellschaft vor 100 Jahren und der 400. Geburtstag Philipp des Großmütigen. Ein doppeltes Marktverzeichnis ist beigegeben. Der Hessische Hausfreund, zum 82. Male erscheinend, ist trotz seines Alters ein mit voller Frische in der Gegenwart stehender Kalender. Lehrreich ist das Tagebuch eines vor mehreren Jahren nach Südamerika ausgewanderten Hessen, zum erstenmal veröffentlicht. Das Leben Philipps des Großmütigen wird zu feinem Erinnerungstage dargestellt. Mustk. — Bunte Bühne, Fröhliche Tonkunst, gesammelt von Richard Batka, herausgegeben vom Kunstwart. 7. Folge, 1 Mk. (München, Georg D. M. Callwey.) Die Sammlung „Bunte Bühne" (Fröhliche Tonkunst) erfreut sich dank der Findigkeit, Geschicklichkeit und Sachkenntnis des Herausgebers Rrchard Batka allgemeiner Anerkennung und wird zweifellos noch zu ähnlichen praktischen Erprobungen Anlaß geben, wie sie dem Herausgeber in Prag mit großem Erfolg gelungen sind. Jetzt liegt bereits die 7. Folge (wieder zu dem lächerlich niedrigen Preise von einer Mark) vor, und man ist erstaunt, welche kostbaren Humoristika unsere größten Meister geschrieben haben, von denen man bisher kaum etwas gewußt hat. So bildet sich die Bunte Bühne, deren Herausgeber alle Nummern mit kurzen treffenden Charakteristiken begleitet, allmählich zu einer Encyklopädie des musikalischen Humors im besten Sinne aus, und man redet nur im Interesse der Sänger und Vereine, wenn man sie auffordert, aus dem Reichtum an Heiterkeit ohne Banalität fleißig und reichlich auszuwählen. Die 7. Folge enthält nebst den Begleitworten zu jedem einzelnen Notenwerke folgende 14 Stücke: 1. Görner, Trinkspruch. 2. Ko eg eh Marion. 3. Süßmayer, Lob des Ofner Weins. 4. Zepter, Hannchen beim Pfarrer. 5. Marschner, Bauernregel. 6. Schulz, Serenata, im Walde zu singen. 7. Loewe, Mädchenwünsche. 8. Phyllis und die Mutter. 9. Hurska, Phyllis. 10. Spohr, Vanitas vanitatum. 11. Horn, Trinklied. 12. Mozart, Bandlterzett. 13. Altenglischer Kanon. 14. Loewe, Der Stabstrompeter. Pyramide. (Nachdruck verboten.) @ Konsonant. G D Fürwort. O D altnordischer Gott. @ © @ © Lebensstoff. © © © © © weiblicher Vorname. © @ © ® @ © männlicher Vorname. Von der Spitze beginnend ist jede weitere Reihe durch Hinzu- sügung eines Buchstabens unter beliebiger Stellung der übrigen Buchstaben zu bilden. (Auflösung in nächster Nummer.) Auflösung des Anagramm in vor: Nr. Helm, Erich, Robe, Bast, Selma, Traum, Neige, Esel, Blei, Estrich, Leim. Herbstnebel. Redaktion: August Götz.— Rotationsdruck und rerloa der Erüdl'IÄen llniversttätS-Luch» und Steindruckerei. R. Lanae, Gießen.