Freitag den 6. Februar. [H W HK 1903. — Nr. 20 i Pho»ogr. aute H NO1I- £Tg's~S'a'n' uWW ÄWi B gestatten, daß sich andere hinter Ihren guten Namen verschanzen. Haben Sie sich auch die Folgen Ihres Vorhabens klar gemacht?" fragte er, sie scharf ansehend. „Ja, und ich bin entschlossen, sie auf mich zu nehmen." „Haben Sie bedacht, wie die kleine unbedeutend« Lüge wachsen, sich ausbreiten und Ihr Leben vergifte^ und zerstören kann?" Langsam richtete sie sich in die Höhe, und ein stolzer Blick traf ihn, dann antwortete sie: „Mein Gewissen ist- rein. Eine Lüge bleibt immer eine Lüge; ich fürchte mich nicht." „Wer ich tue es", gestand er ruhig. „Dann bedarf es keiner weiteren Worte", sagte sie, einen Schritt zurücktretend. „Ich habe Sie umsonst um diesen großen Dienst gebeten; Sie wollen uns nicht helfen. Was geht Sie auch schließlich das Glück meiner Schwester an? Ich werde Nita Ihre Antwort bringen: Sie fürchten sich." „Fürchten?" wiederholte er unwillig. „Ich? Um Sie, ja, da ist mir bange. Glauben Sie, ich denke an mich? Bleiben Sie doch", rief er, als sie Miene machte, sortzu-- gehen. „Wie es auch kommen mag, ich werde Ihnen, zur Seite stehen. Niemals sollen Sie vergeblich meine Hilfe anrufen, alles was Sie verlangen, werde ich tun." Welche Macht hat doch eine Frau über den Mann, der sie liebt! Da stand er nun, dieser Terence Desmond, dem nichts so verhaßt war, als Lüge und Falschheit, und war bereit, um ein paar schöner, vorwurfsvoller Augen seine eigene unbefleckte Ehre und den guten Ruf dieses Mäd- chens aufs Spiel zu setzen! „Ich soll also diese abscheuliche Unwahrheit unterstützen und gestatten, daß man sie glaubt?" „Nur zwei Tage lang", stammelte sie. „In zwei Tagen werden wir für immer aus dieser Gegend verschwunden sein." Sie war tief erblaßt und bedeckte die Augen mit der Hand, als sie hinzufügte: „Es ist entsetzlich, aber das einzige Mittel, um — um" — „Ha, mein Herr", rief plötzlich eine laute, schneidende Stimme, „da komme icq ja gerade recht, um Sie auf fri cher Tat zu ertappen! Wie können Sie sich erfrechen, nach Ihrem erwiesenen Fluchtversuch noch mrt dieser Dame zu reden?" stammelte Sir Greville, bebend vor Wut. „Sie haben meine Familie entehrt, und meine arme Frau ist von all den Aufregungen und Anstrengungen der letzten Stunden ernstlich krank. Mit der Peitsche verdienten Sre gezüchtigt zu werden!" Ein kurzes, höhnisches Lachen war die ganze Antwort des Kutschers, denn der Gedanke an einen Versuch des kleinen Baronet, jenen großen, kraftvollen ju n gen B ursch en zu züchtigen, hatte in der Tat etwas unendlich Lächerliches. Maureen aber ergriff in diesem verhängnisvollen Augen- ^^^„Jch^war abwesend", fuhr Sir Greville fort, „und (Nachdruck verboten.) Eine verhängnisvolle Fahrt. Roman von B. M. Ero ke r. Autorisierte Uebersetzung aus dem Englischen von Alwina Vischer. (Fortsetzung.) Eine lange, peinliche Pause folgte. Nur das Blöken eines jenseits des Gartenzauns grasenden Schafes unterbrach die Stille. Starr und unbeweglich, als sei er in Stein verwandelt, stand Terence da, aber der eiserne Griff, mit dem seine Hand das hölzerne Gitter umklam- tnerte, wurde immer fester und fester, bis die Latte endlich, laut krachend, zerbrach. Mit vorgeneigtem Kopfe, zitternden Lippen und glühenden Wangen wartete Maureen, bis das geräuschvolle Oeffnen eines Fensters sre endlich aus ihrer angstvollen Spannung riß. Mühsam überwand sie ihre Scheu und fuhr hastig fort: „Die Beweise dafür sind den Leuten gegenüber vollständig vorhanden. Man weiß, daß wir in der Dämmerung den Hof verließen, um über den Slievberg nach Shule zu reiten. Dem Gerücht zufolge reiste meine Schwester mir nach und brachte mich zurück. Greville kam gerade noch zur rechten Zeit an, um Zeuge unseres Wiedereintreffens zu sein und schloß sofort, ich sei die Schuldige. Noch nie in meinem ganzen Leben sah ich einen Menschen in solchem Zorn. Mn gemeines, betrügerisches, schamloses Geschöpf nannte er mich", fuhr sie mit zitternder Stimme fort, „eine Heuchlerin und Diebin — letzteres, weil ich seinen Brief nahm und vor seinen Augen zerriß." , , „ . „Und Ihre Schwester stand dabei und erhob feinen Einspruch?" fragte Terence in strengem, eisigem Ton. „Nein, sie ist so entsetzlich feig, und dann weiß sie, daß sie verloren wäre, wenn Greville die Wahrheit erführe, denn sie liebt ihn trotz allem sehr." „Ich muß gestehen, daß sie eine sonderbare Art hat, ihre Liebe zu zeigen", murmelte Terence „Mir kann Greville weiter nichts anhaben, denn ich bin mündig und mein eigener Herr. Mit der Zeit wird er mir vielleicht auch wieder vergeben, bei ihr aber wäre es für immer ausgeschlossen. Ich bin aus festerem Stoff gemacht als Nita — ich kann auf manches verzichten und manches ertragen." „Selbst den Verlust Ihres guten Rufs?" Heftig bis zu den Haarwurzeln errötend, fuhr Maureen ° zurück. „O, Mr. Desmond!" rief sie traurig, „tote können Sie meinen Kummer noch vergrößern! Ich hatte Cie immer tote — tote einen Bruder angesehen, und nun ist mir, als hätte ich einen Peitschenschlag ins Gesicht bekommen." „ , . , . „Verzeihen Sie, Miß D'Mcy", bat er eindringlich „Wäre ich aber wirklich Ihr Bruder, so wurde ich niemals 78 stehen. 24. Kapitel. Das Wagnis des alten Invaliden. Zwei ganze Tage verbrachte Lady Fanshawe in klösterlicher Zurückgezogenheit, während welcher Zett sich Sir Greville um so unglücklicher und verlassener fühlte, als Mrs. Duckitt ab gereist und an einen Verkehr mit seiner Schwägerin selbstverständlich nicht zu denken war. Ms er am dritten Nachmittag in der Nähe der Brücke aus seinem Schiff stieg, trat ihn: plötzlich der alte Pat in den Weg und fragte ihn mit einem seltsam grimmigen Gesicht: „Kann ich ein Wort mit Euer Gnaden reden?" „Ja, natürlich, was giebts?" „Es handelt sich um die ungerechten Vorwürfe und Beschimpfungen, mit denen Sie die unrichtigen Personen überhäufen." „Wie kommen Sie dazu, sich eine solche Sprache mi:: mir zu erlauben", rief Sir Greville, indem er stehen blieb und den alten Mann erzürnt ansah. „Ich aber sage Ihnen, daß ich recht habe, und wenn Sie nicht auf die Worte eines alten Mannes hören wollen, o werden Sie es Ihr Lebtag bereuen. Die Beiden wollen es nämlich vor Ihnen geheimhalten", fügte er mit wichtiger Miene hinzu. „Sie war es, die ihn dazu veranlaßte; zuerst wollte er durchaus nicht einwilligen, jetzt aber wird er seinen Mund halten. Er und sie nahmen alle; Schuld auf fich — Terence und Miß D'Arcy nämlich". Er trat einige Schritte zurück, als wolle er seiner Ansage dadurch mehr Nachdruck verleihen, und sagte mit zorn- ünkelnden Angen: „Ihre eigene Frau und Mr. Lovell, die sind mit einander dnrchgegangen, und memand anders." „Verfluchter alter Spitzbube! Ich hätte nicht übel Lust, Sie übers Brückengeländer zu schmeißen. Wte können Sie die Frechheit haben, mir solche Tinge ins Gesicht zu sagend . „Ich habe der Bestürmung Delhis mutig die ettrn geboten, wie sollte ich mich da vor einem zormgen. kleinen Herrn fürchten, deffen Frau . feig genug rst, sich unter dem Vorwand, krank zu sein, in ihrem Zemmer zu verstecken, und es zuläßt, daß andere Leute rhre Schande auf sich nehmen." Diese kühne Rede beraubte Sir Greville gänzlich der Sprache. Seine Lippen zuckten krampfhaft, ohne einen Laut von sich zu geben. Allein der unerschrockene alte Soldat lieh sich dadurch nicht einschüchtern, sondern fuhr unnachsichtlich fort: „Ich schwöre Ihnen ^m herlrgen Meßgewand, daß das, was ich sage, wahr tst. Ich habe große Hochachtung vor Terence und Miß D'Arcy, urtdwenn auch andere es zulasfen, daß die jungen Leute alle Schuld auf sich nehmen, während sie doch nur Lob verdienen — i ch werde das nicht tun. Es ist ein mutiges, edles Paar, das wie für einander geschaffen scheint, obwohl weder ein Liebeswort noch ein Liebesblick zwischen ihnen gewechselt wurde. Jedermann weiß, daß Terence em ehrenwerter Mann mit anständigen Grundsätzen ist." „Was versteht ein kindischer, halbblinder alter Kerl von Ehre? Ich werde Sie wegen Verbreitung falscher Gerüchte anklagen." „Ach was, Gerüchte! Bleiben Die mir doch damit vom Leibe! Man hat die ganze Zeit über mehr als genug davon gehört. Was denken Sie wohl, daß die Leute alles schwatzten und zischelten, als Die und Mrs. Duckitt nach den Dkelligs fuhren und, wie behauptet wurde, absichtlich drei Tage dort zusammen zurückblieben, während die. Gnädigste fast aus der Haut fuhr? Andere Gerüchte bezogen sich auf Ihre Frau und deren Verehrer die beide Arm in Arm im Dunkeln herumschlenderten und schwatzend und faullenzend mit eiiiander schisffuhren, anstatt zu angeln, wie andere ehrenwerte Leute, ^a, ja, an Gerüchten hat's nicht gefehlt. Und nun soll die arme Miß D'Arcy, die Einzige von der Familie, die sich bescheiden und ehrbar benommen hat, anderer Leute Schuld tragen? O, heilige Mutter Gottes, was ist das für eme Gerechtigkeit?" rief er, die alten, schwachen Augen gen Himmel erhebend. Sir Greville antwortete nichts. Die feindselige Haltung seiner Frau Mrs. Duckitt gegenüber und Maureens schüchterne Winke tarnen ihm wie mit einem Schlage ms Gedächtnis zurück. „Meine Nichte Julia, die für Miß D'Arcy schwärmt, ist mit schuld, daß ich mich zum Sprechen entschloß. Sw erzählte mir, daß die gnädige Frau schrecklich unglücklich gewesen sei über Ihr langes Ausbleiben mit Mrs. Duckttt und entweder ihrer Schwester in ihrem Zimmer vorgewemt und vorgejammert oder aber unten int großen Saal «tu dem jungen Herrn schön getan habe. Da plötzlich fuhr der junge Herr mit der Sechsuhrkutsche ab, nachdem er vorher den Handkoffer her gnädigen Frau an sich genommen hatte. Neben ihm im Wagen saß eine dichtverschleierte Dame von der Größe und Gestalt der gnädigen Frau. Endlich um sieben Uhr kommt Miß D'Arcy nach Hause und geht mit einem Telegramm ins Zimmer ihrer Schwester. Todes- blaß kommt sie wieder herauf eilt zum Wirt htnunter und verlangt sofort ein Fuhrwerk mit raschen Pferden. ■ „Und was dann?" „Sie hätte ebenso gut verlangen können, ihr den Mond herunterzuholen, denn alle Wagen und Pferde waren von der Postverwaltung mit Beschlag belegt. Nutt lief sw zu wie ein erbärmlicher Hund machten Sie sich diese Gelegenheit zu nutzen, um mit der reichen Erbin davonzulaufen." „Was für einer Erbin?" „Na, verstellen Sie fich nur nicht. Die Irländer haben gar feine Spürnasen für reiche Frauen. Sie wußten natürlich sehr gut, daß Miß D'Arcy nahezu eine halbe Million Pfund besitzt." „Eine halbe Million?" Ein krampfhaftes Zucken lief über des Kutschers Züge, seine Lippen wurden aschfahl. Einen Augenblick lang schwieg er, endlich antwortete er mit heiserer Stimme: „Ich schwöre, daß ich glaubte, sie sei so arm wie ich selbst." „Und ich schwöre, daß Die ein infamer Lügner sind!" schrie der andere außer sich. Fest sah Terence ihn an. Sein Gesicht war todesblaß, drohend funkelten seine Augen, allein er schwieg. „Sie haben Ballybay auf der Stelle zu verlassen", fuhr Sir Greville in gebieterischenr Tone fort. „Ich will nicht, daß der Skandal unter die Leute kommt." „Sie brauchen nur den Mund zu halten, so haben Cie in dieser Hinsicht nichtß zu befürchten. Ballybay verlassen werde ich nicht, denn mein Beruf bindet mich." „Dann versprechen Sie mir wenigstens, weder ein Wort mit Miß D'Arcy zu wechseln, noch ihr zu schreiben, so lange wir noch hier sind." „Ja, dazu bin ich bereit; allein was für einen Wert hat ein Versprechen einem Manne gegenüber, der mich einen Lügner schilt?" „Nichts in meinem ganzen Leben hat mich so empört", sagte Sir Greville, bei dem sich die Muftegung ein wenig zu legen begann. „Ich hätte mich mit meinem Leben für meine Schwägerin verbürgt. Wie kam sie nur dazu, Serade Die zu wählen — ein Mädchen, das zwei Grasen- coneu ausgeschlagen hat?" Die Frage blieb unbeantwortet; der Kutscher bewahrte tin verächtliches Schweigen. „Wo und wann haben Sie ihr denn Ihre Liebe erklärt?" „Ich habe ihr niemals meine Liebe erklärt." „Soll das so viel heißen, als daß sie Ihnen die Liebe erklärte? Und ich sage, daß auch das eine in» fauee —" „Halten Sie ein! Sprechen Sie das Wort Lüge nicht ein zweitesmal aus", schrie Terence mut' auch seinerseits in blinder Wut. „Ich kann viel ertragen, aber kein Mann soll mich zweimal ins Gesicht einen Lügner nennen. Ich bin, wie Sie vielleicht nicht wissen, ein Mann Ihres Standes, demtoch mache ich mir nichts aus einer derben Behandlung, ja selbst nichts aus derben Worten, aber auch meine Geduld hat ihre Grenzen." „Was, ein Kutscher sind Sie, ein ganz gewöhnlicher Kutscher", erwiderte Sir Greville in neu ausbrechender Heftigkeit. „Ein gemeiner, großtuerischer Schurke!" „Auch ein gewöhnlicher Kutscher hat seine Ehre und seine Selbstachtung", fiel ihm Terence zornig ins Wort. „Und wenn Sie mit einem gewöhnlichen Kutscher in die niedrige Kampfessphäre gemeiner Beschimpfungen herabsteigen und diesen gemeinen Kutscher herausfordern, so werden Sie erfahren müssen —" Er hielt inne. Das war nicht die richtige Art, sein Versprechen einzulösen, und so wandte er sich plötzlich um, pfiff seinen Hund und ließ den ebenso erstaunten als enttäuschten Sir Greville — 79 Terence hinüber, mit dem fie sich vor dessen Haustüre sehr ernsthaft unterhielt." „Weiter, weiter!" rief fein Zuhörer mit heiserer Stimme. „Eine Viertelstunde später kam er, ein prächtiges Pferd mit einem Tamensattel am Zügel führend, in den Hof geritten. Im Nu saß Miß D'Arcy oben, und fort jagten sie so schnell, als ob der Teufel hinter ihnen her wäre. Sie ritten über den Slievberg und kamen fast ebenso bald nach Shule als die Postkutsche. Am nächsten Morgen kehrte Terence halb tot mit zwei Pferden zurück. Miß D'Arcy aber packte die gnädige Frau weich und warm zu sich in einen Wagen, und nahm sie mit sich nach Ballybay zurück. Unterwegs entdeckte Miß D'Arcy Ihr Schiff und bot dem Kutscher zehn Pfund, wenn er vor Ihnen ankäme, aber Sie gewannen die Wette. Trotzdem gab sie ihm ein schönes Geldgeschenk, das er mir persönlich zeigte. Sie fuhren mit des Bischofs höchst eigenem Wagen — die Heilligen allein wissen, wie sie dazu kamen, aber Terence hat eben überall einen merkwürdigen Einfluß. Was sagen Sie nun zu dem allem?" „Daß ich nicht ein Wort davon glaube, Sie alter Spitzbube!" „Wollen Sie mir dann gefälligst sagen, wie Lady Fanshawe über den Sliev-na-Goilberg kam? Sie konnte doch sicherlich den gefährlichen Weg nicht geritten sein. Und überdies, fanden Sie bei Ihrer Rückkehr nicht ernen Bries auf dem Kaminsims?" „Mlerdings, aber Miß D'Arcy zerriß ihn." „Ich habe hier ein Stück davon, das Julia im Zimmer fand. Da es ja doch für Sie bestimmt war, so können Eie's lesen." (Fortsetzung folgt.) C h a l c e d o n. Bon Berthold Roy. (Nachdruck verboten.) Ms ich mich noch im Konsulatsdienste befand, lud mich vor einigen Jahren ein im „Kaiserhof" zu Berlin abgestiegener Amerikaner ein, aus versteinerten Bäumen des versteinerten „Chalcedony-Park" im Staate Arizona her- gestellte Kunstgegenstände zu besichtigen. Ich nahm mit Dank diese Einladung an, und begab mich an einem Vormittag nach dem genannten Hotel. Nach furger Begrüßung begann er alsbald aus großen, schweren massiven Koffern allerlei kleine achatartige Gegenstände hervorzuholen: Busennadeln, Broschen, Manschettenknöpfe, Hemden- und Rockknövfe, Uhrkettengehänge u. et., alles schön geformte, ganz ober teilweise prächtig polierte Stücke. Er erklärte mir, daß alle solche Gegenstände nur aus Msällen her- gestellt würden, welche bei Bearbeitung großer Baumstücke sich nicht anderweitige verwenden ließen. Bald glichen sie dem Feuerstein, bald Halbedelsteinen, z. B. Karneol (rot), Heliotrop (lauchgrün), bald hatten sie das Aussehen von Chrysopras (apfelgrün) usw. — Noch immer aber konnte ich nicht einsehen, daß diese edelsteinartigen Fabrikate von versteinerten Bäumen herrühren sollten. Verschmitzt lächelnd holte er größere Stücke herbei: Reibschalen für .chemische Laboratorien, Tafeln für Nipptische, Gestelle, Bücherbretter u. dgl. Sie zeigten in wunderbar wechselnden Farben gemusterte Kreise, ivelche sich konzentrisch wie die Jahresringe eines Bauntes umeinander legten. Mein Erstaunen wuchs, als er noch immer größere Tafeln, Querschnitte von Zylindern bis zu einem Meter im Durchschnitt herbeischleppte — denn sie waren nicht leicht. Doch während die bisher gezeigten Arten fast gar keinen Zellenbau des Holzes erkennen ließen, mich im Gegenteil die oft onyxartigen, in braun und weiß wechselnden Farben an alles eher als an Bäume erinnerten, brachte er schließlich Querschnitte, welche nach der Mitte zu zwar das fast gleiche Aussehen wie jene Scheiben zeigten, aber in den, nach dem Kreisumfang zu verlaufenden Ringen ganz deutlich ihre Abkunft von großen alten Bäumen bekundeten. „Dies alles, was ich Ihnen hier gezeigt habe", erklärte er, „sind nur schwache Proben aus einem versteinerten Walde, in welchem wir eine Fabrik zur Herstellung derartiger Gegenstände im Betriebe haben. Es ist dies der sogenannte „Chalcedony-Park", welcher im Gebiet Apache des Staates Arizona eine Gesamtfläche von etwa zweitausend Morgen einnimmt." Ueber die Entstehung des merkwürdigen Waldes mir etwas näheres zu sagen, war er indessen nicht unterrichtet genug. Ich habe erst später näheres erfahren. Um der vandalischen Verwüstung des Chalcedony- Parkes, eines der größten Merkwürdigkeiten der Welt, durch rücksichtslose „Dollar-Jäger" vorzubeugen, sind in neuester Zeit seitens der Amerikanischen Regierung gesetzliche Maßregeln getroffen worden. Mit welcher Rücksichtslosigkeit man das riesige Gebilde einer selten schönen Verkieselung zu vernichten drohte, mag z. B. daraus ersehen werden, daß zu Denver ein Hotel gebaut worden ist, dessen sämtliche Wände mit Platten belegt sind, die aus verkieseltem Holz jenes Waldes hergestellt waren, ebenso sind die Tischtafeln für das Hotel daraus hergestellt worden. In jenem Walde nun findet nian hart wie Achat versteinerte Stämme von 150 Fuß Länge, welche oft in viele Stücke quer durchbrochen sind, als ob sie zersägt worden wären. Ganze Baumstämme mit Wurzeln daran sind bis zur Härte des Feuersteins versteinert, so daß man noch jede Zelle und jede Faser des früheren Baumes erkennt. Ein Wald von Bäumen scheint aus Felsen erwachsen zu sein. Tonnen auf Tonnen Proben versteinerten Holzes sind bereits fortgeholt worden. Ms der letzten Pariser Ausstellung erregten ausgestellte Rohstücke und Fabrikate berechtigtes Aufsehen. Das mannigfache Farbenspiel in dem Steinholze wird verschiedenen Oxyden zugeschrieben. Bekanntlich gießt es au et) in anderen Teilen der Welt versteinerte Wälder, z. B. östlich von Kairo am Djebel Ahmer (Aegypten), bei Chemnitz, bei Radoweutz in Böhmen, in den Aleuten, bei Ekaterinburg in Rußland, in Kalifornien und im berühmten Yellowstone-Park; allein keine dieser Versteinerungen soll so herrliches Rohmaterial liefern können, wie der Chalcedony-Park im Staate Arizona, wo man einen ganz versteinerten Stamm bis zu 26 Fuß im Durchmesser gefunden hat. Mancher der verehrten Leser möchte nun mit Recht fragen: Ja, wie konnten sich solche Wunder ereignen? Nun, die Gelehrten haben sich selbst lange über die Ursachen solcher Versteinerungen herumgestritten. Kurz sei hier das Wesentliche ihrer Forschungen erwähnt. Im Haushalte aller drei Naturreiche spielt bekanntlich die Kieselerde eine große Rolle. Sie kommt, rein krystallisiert, unter dem Namen Bergkrystall vor; wenn durch Mangan violett gefärbt, führt sie den Namen Amethyst; der Rauchtopas ist eine grau bis schwarz gefärbte Form derselben. Milchquarz und Roseuquarz sind verschieden gefärbte Formen krystallinischer Massen der Kieselsäure, welche man unter der bekannten Bezeichnung „Quarz" zusammenfaßt. Gemenge von krystallisierter und amorpher (fester, keinen krhstallmischen Dau besitzender) Kieselsäure sind als Chalcedou und Feuerstein sehr verbreitet und führen, je nach ihrer Färbung- verschiedene Namen: Carneol, Chrysopras, Heliotrop usw. Namen, wie wir sie oben schon kennen gelernt haben. Wie koinmen aber solche Gemenge in das Holz? Aus der Löslichkeit des Kieselsäurehydrats in Wasser erklärt sich zunächst das Vorkommen von Kieselsäure in Quell- und Mineralwässern. Besonders reich daran sind die Wasser der heißen Quellen Islands. , Die Ausflußöffnungen des Reikum und des Geysir sind deshalb mit dicken Schichten von Kieselsäure, von „Kieselsinter" bedeckt. (Vergl. Gorup-Beranez, Anorganische Chemie.) An diesen heißen, zum Teil periodisch noch heutzutage springenden Quellen, welche vulkanischer Natur sind, stellt man noch jetzt Baumversteiuerungen fest. Ein Gelehrter (Dr. O. Kuntz«) hat durch Versuche nachgewiesen, daß, wenn der Prozeß am lebenden nodj frischen Holz eingeleitet wird — wie es tatsächlich bei jenen Geysirs der Fall ist, wo der Prozeß nur bei Baumgruppen stattfindet, zu denen das Geysirwasser fließt — das capillare Aufsteigeti in Baumstämmen bis zur Spitze erfolgt, sodaß also bei anhaltendem, bezw. nur kurz unterbrochenem Zufluß kieselhaltigen Wassers der Prozeß nicht mehr unterbrochen wird, selbst wenn der dadurch getötete Baum Rinde und Aeste verloren hat. Das kieselhaltige Geysirwasser steigt dort capillarisch bis zum Gipfel der Bäume empor und verändert, sie verkieselnd- das Holz in genau derselben Weise, wie frische Zweige, welche man in das Geysirwasser legt; und zwar geschieht diese Veränderung der 80 E. B. , zarre uu» Seidenmousselin, Gaze oder Tül irische I mit Blumen, Federn oder schrllernden Cabochons, Em zier. Redaktion: Curt Plato. — Rotationsdruck und Berloci der Brübl'sck-en Universitäts-Buck, und Eteindruckerei (Pietsch Erben) in Gießen. Silbenrätsel. (Nachdruck verboten.) Der Tertianer Emil ist Ein Bürschlein keck und munter. Er sammelt Münzen, radelt gern, Preßt Pflanzen auch mitunter. Für seine Sammlung hat Eins-EinS Ihm heut Eins-Zwei gegeben, Zwei-Drei preßt selbst er, um es ,n S Herbarium zu kleben. Mit seinem Zwei-Drei ging er dann Hinaus bis zur Kaserne; Dort sah er Eins-Zwei-Drei sich an, Denn so was sieht er gerne. (Auflösung in nächster Nummer.) Auflösung des Sinnrätsels in vor. Nr.: Vorwitz, Vorschuß, Vorwand, Vortritt, Vorschläge, Vorsatz. deux ersetzt. Ern beliebtes Ornament für die eleganten Cvrsages schöner Abendtoiletten bildet das Märiw-Antoinette-Ftchu Bcmmmafse oft -m Stottm, *. tot,. G-»sitwass°>. . •** ”® *"• ,mtm Wasalsohier noch in der Gegenwart direkt beob- Tas Material für elegante Besuchstoiletten bildet üok nrfitpt hiirh mno in Uriitvua vor Jahrtausenden geschehen 1 zugswetfe Sammet oder Tuch, sotvie eine Kombination dieser Kr t ta w«! beiden Ltoffe. Bon diskreter Eleganz war ein Kostüm aus Nollenduna ibrer Künste versiecch ftim Im letzten Grund stahlgrauem,Wlastuch. Der Rock besaß ein schmales Tablter, ist die Errichtung des Parkes aus Chalcedon der Baukunst I während die glatten, tunikaähnlrchen Hrnterbahnen ttt L Bulkans M dan^n runde, mit schwarzem Samuiet unterlegte Zacken ausge. " ' $U D :----------- I schnitten waren, welche auf einem hohen Formvolant ruhten. Die vorn und rückwärts in breite Quetschfalten gelegte Taille Pariser VJlOÖCvtlCt» war mit einem breiten, rundgezackten und Mit schwarzem Bon Madeleine. I Sammet unterlegten Shawlkragen versehen, der em spitz (Nachdruck verboten.) zulaufendes Plastron aus besticktem Tuch umschloß, Tre. Ein unverkennbares Streben nach Originalität kenn- I selbe Zackenverzierung zeigten dre hohen Stulpen verwerten zeichnet die diesjährigen eleganten Abendtoiletten, in wel- Aermel. m cheu wir bald einen Anklang an vergangene Epochen, bald Erne prächtige Be,uchst0ilette war aus schwarzem den Ausdruck einer neuen, immer mehr zu festeren Formen | Sammet gefertigt. Das schmale Dablier des Rockes war sich entwickelnden Geschmacksrichtung wahrnehmen können. I ebenso wie jedes der drei schmalen Formvolant' von weißen Wenn die Pariser Damenwelt auch der eigentlichen Reform- I Pannestreifen begrenzt, über die im Zickzack eine feine kleidung abhold ist, so gibt sich doch überall das' Bemühen schwarze Seidenschnur gelegt war. Dre Taille besaß zwei kiind, alles Beengende und Steife nach Möglichkeit aus leicht gewellte Pelerinenkragen, die Mvora über einem der Kleidung zu verbannen und dem Körper volle, iln- I geraden schwärzen Sammetplastron öffnete, "M " i5 o r r gehinderte Bewegungsfreiheit zu geben. Tie Wespentaille setzung das Tablter des Rockes zu Eine ist ein überwundener Standpunkt, ja sie gilt vielmehr als Pagodenärmel legten sich über einen Puff weißer Panne unschön, und der früher so steife Stehkragen wird nur mit enger Manschette. Ter hohe, K^ade Umlegkragen, die noch mit weichem Seidensutter ausgelegt, da doch nur I Pelerinenkragen, die Aermel, das Plastronundd er schmale wenige Tameu sich entschließen können, auf den Kragen I Gürtel zeigten dieselbe Umrandung Mit Pannestreifen wie ganz zu verzichten und den Hals frei zu tragen. 1 vw Volants des Rockes. Die Vorliebe für Pelz mackit sich auch an den lichtesten | Tie Modistin wendet augenblicklich ihre ganze Ptzaii- Ball- uiid Gesellschaftstoiletten bemerkbar, namentlich sucht I tasie der Herstellung eleganter Theaterhute M, die in Mits man elegante Wirkungen durch die Bereinigung von Petz eine außerordentlich wichtige Rolle spielen. Es Md meifr ■ und Spitze zu erzielen. Man umrandet Guipure-Plastrons I zarte Gebilde aus Spitze, «eidenmousselin, Gaze oder Tuil. oder -Zwischensätze mit feinen Petzstreifen, schmückt irische I mit Blumen, Federn oder schillernden Cabochons. Em zier. Spitze mit feinen, reliefartigen Petzinkrustierungen, gibt I liches Theatertoque aus rosa Tüll und irischer Spitze wav luftigen Kravatten aus Seidenmousselin einen Abschluß I mit einem reizenden kleinen Zobel garniert, dessen Köpfchen durch einen schmalen Pelzstreifen oder verdeckt durch einen ein wenig über die linke Krempe geneigt war, als ov es solchen beit Kopf der Bolants an zarten Balltoiletten. Eine I den Tust dreier prächtiger Sammetrosen^ematmete, welche Bluse aus kirschrot gestreifter Libertyseide zeigte an den I von einem weißen, seidigen Flaum bedeckt waren. Aermeln und den plastronähnlichen Vorderteilen schmale, 1 Einige etwas extravagante Modedamen versuchen, querlaufende Besatzstreifen aus grauem Biber. Oft sieht | orangefarbige Fitzhüte emzufuhren. Mit schwarzemt tzim. man auch ganze Plastrons aus schönem Petzwerk. ntet, schwarzen Federn und Jet.garmert, Huben diele Hure Bon eigenartiger Eleganz tvar eine ganz in Schwarz wenigstens das Verdienst, originell zu sem- doch dursten gehaltene Balltoilette aus Crepe de Chine. Tas vorn blusig I «e wohl nur auf eine sehr beschrankte Aufnahme rechnen überfallende, viereckig dekollierte Corsage war mit einer und vorzugsweise von mutigen Bertretermnen der Tarn enden Ausschnitt umrandenden Chennillestickerei geschmückt. | weit getragen werden, welche feder Kvttik zu trotzen wagen- Eine ebensolche Stickerei diente als Verzierung des Aermels, I —-------- welcher mit einem Volant aus schwarzem, gesticktem Tüll I Die beide« Dulder. abschloß. Ter int oberen Teil glatt anliegende Rock zeigte I (Nachdruck verboten.) drei hohe Bolants aus gesticktem, mit Chenillemotiven ver- I «ft«, still und stumm zierten Tüll; der en forme geschnittene Gürtel war gleich. Zwei Manner tttzen W11 und stumm falls mit Chenillestickerei geschmückt. Eine schöne, dreireihige I Am ^.Zen Eichetitisch, Korallenkette und eine weiße Aigrette vervollständigten bte I ? 'f JIrEXikf ebenso kleibsame, als effektvolle Toilette. So matt, so träumerisch. Schwarzer, griechischer Tüll mit reicher Chenillestickeret I Der eine seufzt entsetzensfahl bilbete bas Material einer anberen Balltoilette, welche tote I Aus tiefster Brust empor, die soeben beschriebene lebhafte Betounderung fand. Das I Der andre zieht zum ztoolsten Mar miederartige Tüll-Corsage bildete tiefe, scharfe Zacken auf I Stöhnend die Uhr hervor. einem Unterzug aus kostbarer alter, schwach gelblich getönter I @in herber Schmerz ist's, der sie quält, Spitze und war aus den Schultern durch breite Achsel. I und keine Lindrung naht, bänder aus schwarzem Tüll gehalten. Der Tunika-Rock fiel I Demi, ach, den ebetn Duldern fehlt in tief ausgeschnittenen Zacken über ein Unterkleid aus | Der dritte Mann zum Skat! weißer Faille, welches im unteren Teil mit sechs bis sieben schmalen, aber sehr vollen Bolants garniert war. Blaßrote Rosen am Corsage, sowie im Haar erhöhten die aparte Wirkung der eleganten Robe. Mit Vorliebe wendet man sich für die Balltoilette auch immer wieder der Prinzeßfornt zu, welche für eine schöne Figur von unübertrefflicher Kleidsamkeit ist. So zählte zu den bemerkenswertesten Schöpfungen eines bekannten Modenateliers vor kurzem eine Prinzeßvobe aus leichter, rosafarbener Seide. Ein kurzer, golbpatlletierter Bolevo aus weißer Guipüre schmückte bas rund dekollierte Corsage und schloß vorn und rückwärts mit einem Volant aus Seiden- moufseliii geschmückt. Ten Ansatz des breiten, leicht gezogenen rosafarbenen Formvolants der Robe verdeckten prächtige, mit Gold paillierte Gurpüreornamente, und die beiden vorderen Seidennähte waren durch Guipüre-Entre-