Arcrtag den 4. Aezrmver. «SU LMM iKjra •»•slsffiy v^2fPW Hra® ®i£ä!ÄÄÄiy i I (Nachdruck verboten.) Gin Wädrßenschicksal. Frei nach dem Englischen von A. Wendt. i i (Schluß.) Es war spät in der Nacht geworden, «als Janes Bewußtsein zurückkehrte. Mehrere Stunden hindurch litt sie große Schmerzen, später ließen diese nach, ein Gefühl von Ruhe und Frieden kam über sie, und sie begann über das Borgefallene nachzudenken. Langsam, nach und nach erst erinnerte sie sich an alles, an ihren Entschluß, die Nähe Srr Harrys zu fliehen und niemals wieder Alices Pfad zu kreuzen. Sie erinnerte sich, wie sie an dem trüben Wintermorgen leise und verstohlen die Treppe hinabstieg, wie sie beim Verlassen der Halle gegen den scharf wehenden Wind- gegen das dichte Schneegestöber ankämpfte, wie sie versucht hatte, die Station zu erreichen, aber gestrauchelt, hingefallen war und den Weg verloren hatte. Sie war aufgestanden, in der Irre umhergegangen und vor Kälte und Mattigkeit ohn- machtrg geworden. Als sie nach einigen Augenblicken wieder zu srch kam, irrte sie von neuem umher. Endlich aber übermannte sie die Müdigkeit; sie sank in den Schnee und das Bewußtsein verließ sie. Und nun hatte man sie gefunden! Träne auf Träne rollte lang;am über ihre Wangen. Jetzt wäre alles vorüber, es wäre ein leichter Tod gewesen! Nun mußte sie alles noch einmal durchleben; denn hier bleiben konnte sie nicht. Und sie war doch so müde, müde! — (Sine leise Luftbeweguug, welche durchs Zimmer ging, ließ sie vermuten, daß jemand eingetreten war. In demselben Augenblick ertönten draußen Stimmen, und Glockengeläut erreichte Janes Ohr. g f u$ri"be Erden und den Menschen ein Wohl- Ein leiser Ausruf des Erstaunens brach sich Bahn über Janes Lippen. „Weihnachten!" Tiefer Ausruf brachte eine schlanke Gestalt im weißen Kleide an ihr Lager, und ein Paar sanfte, blaue Augen Begegneten den ihren. . , es ist Ihnen besser! Nein, Sie dürfen noch Nicht sprechen, Sre müssen sich ganz ruhig verhalten. Hier, trrnken Sre dies, sagte Alice Durham, und Jane tat gehorsam, wie ihr geheißen. e „Ist es Weihnachten?" fragte sie leise, als Alice ihren Kops auf die Kissen zurücklehnte. „Ja, Weihnachts-Heiligabend, bald erster Feiertag. Meu Eienden Ehoral singen? Fröhliche Weihnachten,. M-! hoffe, es soll für uns beide ein glückliches Fest Jane streckte ihr beide Hände entgegen, umschlang Alice, jog deren Gesicht herab, küßte sie fieberhaft und flüsterte stammelnd, daß sie sich über Alices Glück freue, fing aber bald dabei zu weinen an und schlief darüber ein wie ein müdes Kind. Als sie erwachte, war es heller Tag; die Sonne schien freundlich in die Fenster, im Kamin brannte ein lustiges Feuer. Jane fühlte sich ruhig, schmerzlos, beinahe glücklich — und als nach einiger Zeit Alice an ihr Bett trat, konnte sie dieselbe herzlich anlächeln. Mrs. Dalton brachte Frühstück; von Alice unterstützt, saß Jane auf und versuchte etwas zu genießen, trank aber nur etwas Tee. Sie entschuldigte ihre Appetitlosigkeit — da schlug eine Uhr zwölfmal, sie zuckte heftig zusammen. „Zwölf Uhr!" rief sie aus. „Habe ich, die ganze Zeit über geschlafen? O, Miß Durham, warum sind Sie hier bei mir! Es ist ja Weihnachtstag." „Ja, Jane, es ist Weihnachtstag!" lachte Alice; „und wir beide nicht in der Kirche, Jane! Aber wir find nicht die einzigen Sünder, meine Liebe. Da ist noch ein sehr ungeduldiger junger Mann im Schulzimmer, welcher unruhig auf und abgeht und mit Sehnsucht auf Nachricht von Ihnen wartet." Bei diesen Worten erbebte Jane in dem sie umschlingenden Arm, sah aber tapfer die Sprecherin an und erwiderte: „Gehen Sie zu ihm, Miß Durham, er will Sie sehen, ich darf Sie nicht zurückhalten." „Nein", sagte Alice, die Kranke auf ihr Lager zurücklegend. „Ich gehe nicht zu ihm, ich will ihn nicht sehen. Fühlen Sie sich besser, wirklich, Jane?" fuhr sie herzlich fort; ,.tonnen Sie mir ruhig zuhören?" Alice legte ihren Kopf bei diesen Worten neben den Janes aufs Kissen. „Leise flüsterte diese ein „Ja" und sah mit wehmütigem Blick ans das lieblich errötende Antlitz; Alice fuhr mit ernster Stimme fort: „Wi;sen Sie, Jane, daß Sie mir einst viel Schmerzen bereitet haben? Nein, Sie dürfen mich nicht unterbrechen, müssen mich anhören. Ja, es ist die Wahrheit, Sie verursachten' mir die größten Eifersuchtsqualen! Ich war auf Sie eifersüchtig; denn ich liebe jemand innig, und dieser Jemand hatte Sie einst sehr geliebt; er liebt Sie sogar noch jetzt; aber nicht — nein, nicht so, wie er mich liebt." Es entstand eine kleine Pause, währeud welcher Jane ihr Gesicht fest in die Kissen drückte, um ihre Blässe und ihre zitternden Lippen zu verbergen. „Sir Harry ist sehr unglücklich. Kleine", fuhr Alice fort. „Er war sehr hart zu Ihnen, aber er hat so viel gelitten! Seine Qualen in der vergangenen Nacht waren groß,, sie gleichen all seine Härte aus. Wollen Sie ihm verzeihen, Jane? Es kann Ihnen doch nicht zu schwer werden, da Sie ihn so lieb haben, denn das können Sie nicht ableugnen, Jane, Sie lieben ihn." Eine tiefe Stille herrschte einige Minuten im Zimmer: dann sagte Jane leise und unsicher: „Ja, Alice, ich 718 kann mir nicht helfen, ich werde ihn lieb haben, so lange ich lebe! Aber Sie dürfen nicht böse mit mir sein —" „Böse?" sagte Alice, sie umarmend, „nein, ich würde böse sein, wenn es anders wäre, da er selbst Sie so sehr liebt, und nie einer andern seine Liebe schenken würde. O, Jane, denken Sie nach, war er der einzige Mann, welchen Sie geliebt haben? Erinnern Sie sich an keinen andern?" Jane konnte keine Antwort geben, zitternd lag sie da, und starrte Alice mit großen, unruhigen Augen an. „Haben Sie jemals etwas von Willy Smith gehört?" fragte Alice errötend. „Gut, ich lernte ihn damals im Seebade kennen; er erzählte mir von einer gewissen, unartigen, kleinen Dame, welche seine Braut gewesen war. Er war sehr traurig und sehr unglücklich zuerst; Mer nach einiger Zeit--er fragte mich dann nicht, und ich glaubte, er mache sich nichts aus mir. Aber jetzt vor dem Fest sahen wir uns wieder, und — und — wir sind jetzt sehr glücklich, Jane! Er gab mir den Diamantring. Sir Harry wußte, daß ich mit Willy verlobt bin, aber er hat mein Geheimnis bewahrt, Hanna habe ich es gestern gesagt. Er und ich schlossen einen geheimen Bund, bevor wir zum Fest herkamen; einem gewissen, dummen, kleinen Mädchen gegenüber sollte ich mich als seine Braut stellen, es sollte eine letzte Prüfung für Dich sein und--Nun, Tu verstehst mich! Willst Du uns verzeihen? Wir waren hart genug bestraft gestern, als wir sähen, wozu wir Dich, unfern Liebling, getrieben hatten. Du Treue! Du edelmütige, dumme, kleine Närrin!" fügte sie lachend hinzu, um ihre Tränen zu verbergen. „Als ob er, da er einmal Dich liebte, noch für mich Liebe haben könnte! Und nun, Jane, um mich glücklich zu machen, mußt Tu erst glücklich sein. — Willst Du mich erwürgen, kleine Freundin, und mit Deinen Küssen ersticken? Nein, nein, ich habe nichts getan, dieselben zu verdienen. Sei nicht so freigebig damit. Du behältst sonst keine für Sir Harry übrig. O, das werden glückliche Weihnachtsfeiertage für uns werden, Jane!" Jane konnte kein Wort erwidern, aber der stumme Truck ihrer Hände, der leuchtende Glanz ihrer glückstrahlenden Augen waren beredt genug. Harry Nates war während der Zeit wie ein gefangener Löwe im Zimmer auf und niedergegangen. Alice hatte ihm zwar versichert, daß es besser gehe, aber er war ängstlich und unruhig. Es war ein herrlicher Morgen, so ein richtiger, schöner, klarer Weihnachtstag, Ter Himmel war blau und wolkenlos, die Sonne schien hell und blendend auf beit weißen Schnee, auf die bereiften Bäume, es war ein köstlicher Anblick. Doch der junge Mann wendete sich schauernd vom Fenster ab, fast haßte er den kalten Schnee, welcher beinahe sein ganzes Glück begraben hätte. Als er sich herumdrehte, öffnete sich die gegenüberliegende Tür. Noch ein wenig geblendet von deni blitzenden Schnee, schritt er hastig vorwärts, in der Meinung, es sei Alice, welche eintrat. Aber nicht Miß Durham erschien, sondern ein anderes, kleines, schlankes Mädchen, mit einem eleganten Hauskleide aus dem Vorrat der zukünftigen Mrs. Smith bekleidet, stützte sich gegen den Türpfosten und kam dann langsam mit niedergeschlagenen Augen näher. Laut aufjauchzend zog Sir Harry die bebende, kleine Gestalt in seine Arme, au sein Herz. Jane schmiegte sich fest und vertrauensvoll an ihn, beide waren stumm vor übergroßem Glück. — Und nicht lange darauf brachte Sir Harry eine junge, schöne Gattin nach Aates-Hall, wo beide ein glückliches, segensreiches Leben führen. Sie sehen häufig Gäste von den benachbarten Besitzungen bei sich, unter denen Mr. und Mrs. Smith ihnen die teuersten sind. Tiefe sind nach Jane's Meinung ebenso glücklich wie sie selbst, so glücklich wie niemand sonst in der Welt. Eine Studienreise nach Nordostdeulschland. Von Tr. K. in H. (Nachdruck verboten.) (Schluß.) In der Frühe des 5. September führte ein durch die Güte eines Königsberger Großkaufmanns zur Verfügung {gestellter eigener Schleppdampfer die Mitglieder der Exkur- ion durch den Königsberger Seekanal nach Königsberg. Der Kanal, der vor wenigen Jahren mit einem Kostenaufwand von 13 Millionen Mark zwischen Pillau und Königsberg auf eine Tiefe von 7 Meter ausgebaggert worden ist, soll Königsberg zum Seehafen machen. Doch war an diesem Morgen von Verkehr nichts zu sehen. Da für den Aufenthalt in Königsberg von zwei Familien an Herrn Professor Sievers und seine Begleiter für den Mittag resp. Abend Einladungen ergangen waren, mußten die wenigen Stunden des Tages, die für die Besichtigung der Stadt noch übrig blieben, recht ausgenutzt werden. Während in den Vormittagsstunden die innere Stadt mit Börse, Schloß, Universität, Dom, Palaestra Albertina ufw. besichtigt wurden, führte der Nachmittag die meisten Herren in die neueren Anlagen Königsbergs, den Hufen und den Tiergarten. Am 6. September ging es mit einem Frühzug der Ostbahn (Königsberg-Justerburg) nach dem 5600 Morgen großen Rittergut Kap keim. Wagen des Gutes brachten am Vormittag die Exkursion nach dem Zehlau-Bruch, einem gewaltigen Moor, der in ungeheurer Ausdehnung sich südlich vom Pregel über die Frischling-Niederung hinzieht. Auf Einladung des Gutsherrn verbrachten die Teilnehmer den heißen Sonntagnachmittag auch auf dem Gut. Die Hoffnung, gegen Abend Elche, die in denGutswaldungen stehen, sehen zu können, wurde leider nicht erfüllt. Nach herzlicher Verabschiedung von der überaus gastfreien Gutsherrschaft wurde am 7. September schou um 5.50 Uhr der Zug nach Königsberg bestiegen, von wo es nach Braunsberg und Frauenberg weiter ging. Nachd^^^ hier in den glühendheißen Mittagsstunden der Dom, eii^ schöner, gotischer Backsteiubau, in dem das Grab des Koperni- kus sich befindet, besichtigt worden war, wurde die Hafsufer- bahn entlang dem Frischen Haff bis Sabinen, dem neuen Landsitz des Kaisers, benutzt. Ter Weg führt dann von der Station an der kaiserlichen Ziegelei, den schmucken Wirtschaftsgebäuden und dem einfachen Herrn- haus vorüber durch die Parkanlagen aus der Strandebene heraus auf die Uferberge, von denen sich schöne Ausblicke auf. die kaiserliche Besitzung, das Haff und Nehrung boten. Jenseits der kaiserlichen Ziegelei führte ein Fußweg wieder die Uferberge hinauf durch prächtige, an den Hängen einer tief eingeschnitteneu Erosionsschlucht hinzieheu.de Buchenbestände, die „heiligen Hallen", hindurch nach dem Forsthaus Pauklau. Nach kurzer Rast begann von hier aus eine schöne Wanderung in der Abendkühle über die Höhe bei Linz en, von wo man weithin das Mündungsgebiet der Nogat, das fruchtbare „Werder", übersehen konnte, nach Reimannsfelde, der nächsten Station der Haffuferbahn. Erst fpät am Abend wurde Elbing er- Tcid)t. Nur flüchtig konnte in der Frühe des 8. S e p t e m b e v diese Stadt selbst besichtigt werden. Eine Fahrt mit der elektrischen Bahn durch die sehr belebten und schönen Straßen mit den stattlichen Läden und großen Fabrik- . gebäuden ließ Elbing als eine lebhafte Handels- und Industriestadt erkennen. Schon um VsÖ Uhr wurde Marie u- burg, die einstige Residenz der Hochmeister des deutschen Ordens, erreicht. Tas ungünstige Bild, das diese Stadt beim Betreten vom Bahnhof aus zeigte, wurde bald verwischt durch den gewaltigen Eindruck, den das Schloß, das „edelste Denkmal weltlicher Baukunst des deutschen Mittelalters", auf die Besucher machte. Unmöglich war es, bei der IV2 stündigen Besichtigung des Innern die einzelnen Sehenswürdigkeiten in ihrer ganzen Schönheit festzuhalten. _ , Nach einem Gang durch die alte Marktstraße nut den für Marienburg charakteristischen „Lauben" bestieg die Exkursion den Zug in der Richtung nach Riesenburg und fuhr nach dem westpreutzischen Gut „Grüufelde" beiSchroop, um einer Einladung des Gutsherrn und des Gutspächters. Folge zu leisten. Unter ihrer Führung wurde das Gut, das kleiner als das ostpreußische Rittergut „Kapkeim" war und deshalb andere, aber ebenso interessante Verhältnisse zeigte, besichtigt. Ter Nachmittag und ein Teil des Abends wurden in der gastlichen Familie des Gutspächters verlebt. Nach einem kleinen Kommers brachen die Teilnehmer gegen 9 Uhr auf und fuhren über Marienburg und Tirjchau nach Danzig. Am 9. September wurde vormittags die elektrische Bahn bestiegen, die durch die Vorstadt Langfuhr an der neuen technischen Hochschule und den großen Kasernen- — 719 bauten der Totenkopf-Husaren vorbei nach Oliva führte. Nach kurzem Gang durch den prächtigen Schloßgarten erfolgte ein Aufstieg auf den Karlsberg (107 Meter über dem Meere), einem der Randhügel der Seenplatte, von wo sich eine prächtige Aussicht über das umgebende Küstengebiet, über Oliva, Zoppot, Danzig und das Putziger Wiek darbot. Einen gleich schönen Ausblick gewährte Adlershorst, , eine 60 Meter hohe, in die See vorspringende Kuppe, die am Nachmittag von der Station Klein-Katz aus bestiegen wurde. Beide Bilder erinnerten lebhaft an die samländische Küste zwischen Rauschen und Warnicken. Nach einstündigem Gang direkt am Strand entlang nach Süden wurde das schön gelegene Bad Zoppot erreicht. Gegen Abend kehrten die Teilnehmer dann mit einem Vorortzug wieder nach Danzig zurück. Ter 10. September war für einen Besuch der Halbinsel H e l a von Danzig aus vorgesehen. Die dreistündige Dampferfahrt, die in ihrem ersten Teil die Weichsel- Mündung mit den großen Werften (kaiserliche und Schichauwerst) und den starken Befestigungen zeigte, gestaltete sich auf der offenen See zu einer recht bewegten. Tas Fischerdorf Hel a, das an der Spitze der gleichnamigen Halbinsel, eines großen Tünenstreifens, liegt, machte mit seinen sauberen Hütten, die zum Teil von Badegästen bewohnt touren, einen recht guten Eindruck. Am äußersten Ende des Ortes befinden sich der Leuchtturm, und ein großes Hotel. Ter Aufenthalt währte kaum eine Stunde, da die See immer stürmischer wurde und man nicht wissen konnte, ob der Abenddampfer noch zurückging. Durchnäßt von den Sturzwellen, die fortwährend über Deck gingen, wurde schon in Zoppot ans Land gestiegen und nnt einem der Vorortzüge die Rückfahrt nach Danzig angetreten. Den Rest des Tages benutzte man zur Be- frchtigung der Stadt Danzig selbst. Von den außerordent- nch zahlreichen Baudenkmälern aus dem 16. und 17. Jahrhundert konnten besonders die Marienkirche, der Artusyof und das Rathaus, die in ihrem Innern eine ungeheure Menge der interessantesten Schnitzereien und Malereien auftoresen, besichtigt werden. Eine Anzahl alter, schöner Tore (Krantor nsw.) nnd ganze Straßen (Frauengafse usw.) gaben den Besuchern mit ihren reichgeschmückten Giebeln und den sog. „Beischlägen" (erhöhte mit der Straße durch erue Freitreppe verbundene Vorplätze) ein Bild des alten Danzig. Am 11. September wurde der schöne Ostseestrand verlassen und an den beiden letzten Exkursionstagen noch das Weichseltal mit den ältesten Denkmälern'aus der Ordenszeit besucht. Die Fahrt führte von Danzig aus rm mächtig breiten Flußtal aufwärts zunächst an dem Ostabhang der pommerschen Seenplatte entlang bis nach Dir schau, mit feilten beiden berühmten Brücken, einer alten Pfeilerbrücke für den Fußgänger-, und Wagenverkehr und einer neuen Bogendrücke für den Eisenbahnverkehr, dre das ganze Ueberschwemmungsgebiet überspannen. Aus der Lauge dieser Brücken, die 784 Meter beträgt, läßt sich ein Schluß ziehen auf die Mächtigkeit des Stromes zur Zeit der Schneeschmelze. Von Dirschau nach Marienburg wurde ein Teil des „Werder", des Mündungsgebietes d°r Weichsel mit seinen fruchtbaren Wiesen und Foldern durchfahren und in Marienburg, dessen alte Ordensfeste noch emmal^rasch vor den Augen vorüberzog, der Schnellzug nach Thorn bestiegen. Vorbei ging es bann an kleineren ostpreußischen Städten (Stuhm, Marienwerder) nach der Festung Graudeuz usw. Sie liegen alle in Fner' getotjjeit Entfernung vom Strom d. h. außerhalb ff ?^chflutgebiets. Von Kornatowo aus wurde in den Mittagsstunden Culm besucht, das wie G-randonz auf dem Weichseluser schön gelegen ist. Von den n alten Festungswerken bot sich ein präch- lFüer Ausblick über das Weichseltal, das hier eine Breite Sn« hatV Wassermarken zeigten auf dem Weg na Ä Hochwasser das Tal in seiner ganzen zierte, überflutet wird. Daher erklärt es sich audi daß S eigentlichen Hochflutbett teilte Wohnungen Bü^h9p89c?rÄe r^? en «üb Erlen. Tie normale KusM betragt hier gegen 400 Meter. Das Städtchen selbst hat eine Reihe interefsanter Backsteinbauten aus der Ordenszeit. Ist es doch nach Thorn die älteste STboXfir? beutschen OrdenT Von Kornatowo aus §sug oie Fahrt an Cnlmsee vorbei durch ödes Flachland hindurch nach T b o r n. Außerordentlich reges Leben zeigte sich hier in den Abetldstunden auf den Straßen, in denen sich Laden an Laden reiht. Am 12. S e p t e nl b e r wurde schon um 6 Uhr ein Personenzug bestiegen, der die Exkursion die Weichsel abtoärtb nach Br ahn au brachte, an den toestlichsteit Punkt des großen Meichselkiiies. Hier an der Mündung der Brahe wendet sich die Weichsel, die bis dahin westlich stießt, schars nach Norden und verläßt damit die Zone der großen Täler. Von einer Anhöhe aus konnte man weithin das von der Brahe in ihrem Unterlauf durchflossene, ursprüngliche Weichseltal sehen, das sich zur Netze und unteren Oder fortsetzte. Denn erst nach dem Durchbruch durch die vorgelagerten Höhenrücken konnte die Weichsel von dieser westlichen Stelle aus ihren jetzigen Weg nehmen, woraus dami die Brahe das ursprüngliche Weichseltal teilweise benutzte. Im Westen sah man in der Ferne die Türme von Bromberg; die Weichsel abwärts lag For- don mit seiner 1325 Meter langen Brücke, der längsten des ganzen Tales. Einige Stunden des Mittags wurden noch zur Besichtigung von Thorn, der ältesten Gründung der Deutschherren, benutzt. Das alte Ordensschloß an der Weichsel mit dem mächtigen Dansker, die Marien- und Jakobskirche, das Rathaus, der schiefe Turm usw. ivurden noch schnell ausgesucht. Um 12i/2 Uhr erfolgte dann die Weiterreise nach G n e'fwnunitdein D-Zug. Diese alte polnische Krönuttgsstadt ihren einförmigen Häusern, den wenig beleb^^Mlecht gepflasterten Straßen den Eindruck einer in deWMtwicklung stehengebliebeneu, toeuii nicht zurückgegangeneli Stadt. Das einzige inter- efsante Gebäude, der Dorn, birgt in feinem Innern neben hervorragenden Goldschmiedearbeiten eine Menge kostbarer Altäre und Grabdenkmäler. Bon Gnesen aus wurde noch ein kurzer Gang nach Arkusdorf (Arkuszewo), einem der nahen deutschen Ansiedlnngsdörfer, unternommen. Die roten Ziegeldächer der zerstreut, mitten im zugehörigeil Gelände liegenden Gehöfte sah man schon von weitem leuchten. Das ganze Dorf zog sich fast 1/2 Stunde lang zu beiden Seiten der großen Landstraße hin und machte. einen sauberen Eindruck. Gegen 6 Uhr erfolgte die Weiterreise nach Posen. Ein großer Zentralbahuhof, breite, belebte Straßen und eine gut besetzte elektrische Bahn ließen die deutschen, westlich der Warthe gelegenen Stadtteile in einem günstigen Licht erscheinen. Am späten Abend wurden noch mit der elektrischen Bahn das alte Posen, die Wallischei, Dominsel und Schrodka besucht, die von der ärmeren polnischen Bevölkerung bewohnt werden und den Eindruck eines großen Dorfes machten. Ter 13. September, der letzte Exkursioiistag, war ein Reisetag. Um 7 Uhr wurde die Rückfahrt über Lissa, Glogan (durch das Ueberschwemmungsgebiet), Görlitz nach Dresden angetreten, wo der Zug um 4 Uhr eintraf. Nach kurzem Zusammensein im Zentralbahnhos wurde hier die Exkursion aufgelöst. Schon am vorhergehenden Abend war in Posen dem Leiter der Exkursion, Herrn Professor Sievers, der Tank der Teilnehmer ausgesprochen worden für die außerordentlich große Mühe und Arbeit, mit der er das Reiseprogramm entworfen und zusammcngestellt hätte, und für die schöne Führung während der Exkursion. VevtitHcbte». * V 0 in Schenke n. Allmählich rückt sie nun heran die ft ehe Festzeit, in welcher mehr denn das Jahr hindurch das Schenken mit seiner Freude, mit seinen Licht- und Cchattenfeiten sich in den Vordergrund unseres Lebens drängt, in welcher wir besonders daraus hingetoiesen werden, dem Grundgedanken dieser schönen und anmutigen Sitte näher zu treten. Nicht mehr so rein und ideal hat sich der sinnreiche Gebrauch, anderen und dadurch sich selbst durch das Geben eine herzliche Freude zu machen, in der Gesellschaft erhalten. Es wird zwar viel in unseren Tagen gegeben; es werden immer neue Gelegenheiten zum Schenken und zum Beschenktwcrden ersannen, aber das beste, das Herz, fehlt recht häufig bei diesen Gaben; daher kommt es wohl auch, daß dem Geber und dem Empfänger das Schenken so oft, statt eine wirkliche Freude, eine rechte Last ist „Wenn ich nur wüßte, was ich dem geben soll; ich muß doch seine Gabe wettmachen", das ist so ein beliebter Stoßseufzer, in welchem sich die gemütliche Schenk- art unserer Tage deutlich genug aussvricbt. Das Be- 720 alücken beim Schenken ist meist ganz Nebensache, man genügt einer lästigen Pflicht, oder man läßt sich gerne oder ungerne in einen Tauschhandel ein, bei dem man sich vrel- leicht freut, ein gutes Geschäft machen zu können, oder bei denr inan pedantisch die Gleichwertigkeit der Gegenstände zu wahren sich bestrebt, um sich ja uicht durch ein Zuviel zu schädigen oder ein Zuwenig eine unangenehme Blöße zu geben. Das ist keine schöne Art des Schenkens, und es wäre geradezu ein Unrecht, wenn die junge Generation auch schon zu solchen Berechnungen beim Schenken erzogen würde. Takt und warmes Gefühl für den anderen gehört in allen Fällen zu dem Schenken, welches Geber und Empfänger glücklich macht und bei welchem der Sinn, in welchem die Gabe gereicht wird, über ihre Aufnahme entscheidet. Wer aus dem Herzen schenkt, der wird mit ferner Gabe gewiß auch zum anderen Herzen dringen, und damit einen fausten Gruß von Seele zu Seele leiten, der Gegen- sätze und Mißverständnisse zu verwischen weiß und frohe Harmonie erzeugt. Welcher Zeitpunkt könnte zur Ausübung solch löblichen Tuns w-ohl geeigneter sein als die vom Geheimnis der höchsten Liebe durchdrungene herannahende Weihnachtszeit! * N e u e F a m i l i e n n a m e n. Man schreibt der „Boss. Ztg." ans Kopenhagen: Ein kleiner Gesetzentwurf, den der dänische Justizminister im Lairdsthing einbrachte, betrifft eine für die meisten Kulturländer, auch für die Gebiete der Meyer, Müller und Schulze interessante Sache: dre An- nahnie neuer Familiennamen durch solche Staatsbürger, die mit allzu gewöhnlichen Namen bedacht sind. Ungewöhnlich viele dänische Familiennamen endigen auf die Silbe „sen" (von Sohn). So gibt es in Dänemark tote überhaupt im -ganzen skandinavischen Norden unzählige Hansen, Petersen, Jensen, Nielsen, Sörensen, Jürgensen, Rasmussen, Larsen, Klausen, Knudsen, Brodersen, Madsen, Siversen usto. Man kann sich denken, daß das häufige Auftreten dieser Namen zu vielen Verwechselungen und Kollisionen führt. Einige wenige Zahlen mögen einen Einblick gewähren in den Umfang dieses „nationalen Unglücks." Die dänische Hauptstadt zählt jetzt rund 500 000 Einwohner und von diesen schreiben nicht wenrger als 42 v H, also 210000 Menschen ihren Familiennamen mit sen". ~ Am häufigsten kommt der Name Hansen vor. Auf Grund statistischer Angaben kann man die Zahl der Hansen in Kopenhagen auf mindestens 50000 oder den zehnten Teil aller Einwohner schätzen. Außerhalb der Hauptstadt aber kommt dieser Name wie auch andere mehr gebräuchliche, z. B. Petersen, Sörensen und Jensen, entschieden noch häufiger vor. Bon 72 000 Einwohnern der Hauptstadt tragen 26000 Personen nur 20 verschiedene Namen; hier scharen sich also in 20 Fällen 1300 Menschen um einen und denselben Namen; für einzelne dieser Familiennamen stellt sich das Verhältnis natürlich noch bedeutend „günstiger". Es ist einleuchtend, daß sich aus dieser allzusehr beschränkten Auswahl an Familiennamen zahlreiche Mißstände ergeben, da auch selbst die umfassendste .Verwendung der Vornamen zur Unterscheidung der Hansen uttd Petersen nicht ausreicht. Seit längerem war man deswegen darauf bedacht, neue Familiennamen einzuführen. Auf Veranlassung be§ Justizministers erschien ein sogenanntes „Namenbuch" mit einer Auswahl von über 1000 verschiedenen dänischen Familiennamen, die von Zeitgenossen nicht getragen werden. Die Findigkeit der Verfasser dieses interessanten Merkchens muß man bewundern; die Namen sind nicht nur sprachlich dänisch und neu, sondern in den meisten Fällen auch wohllautend. Dieses Buch hat nun manche Hansen, Petersen und Störensen angeregt, ihre alten Nameit gegen unbekannte neue umzutauschen. Natürlich bedarf es dazu der Genehmigung der Regierung, die aber nie ausbleibt, wenn es sich um eine nur einigermaßen vernünftige Wahl handelt. Bisher verursachte die Prozedur des Namentauschcs eine Ausgabe von etwa 30 Mark, seit einigen Monaten aber hat der Justizminister den Preis auf etwa 5 Mark erniedrigt. Allmählich aber hat es sich notwendig gezeigt, das Recht der Namenveränderung doch etwas einzuschränken, und darauf bezieht sich der neue Gesetzentwurf der Regierung. Es soll verhindert werden, daß solche Namen gewählt werden, die ausgestorbenen alten Geschlechtern „von Namen" gehörten. Auch soll'man im stände sein, sich dagegen zu wehren, daß jemand sich den Namen eines Gutes oder Besitztums eilte» andern beilege. Gleichzeitig will der Minister unbemittelten Personen die Namenveränderung gratis besorgen. Das Angebot der Regierung ist wirklich verlockend — ein regelrechter Ausverkauf! Weihnachts-Litteratur. Die Frauen des Orients in der Geschichte, in. der Dichtung und im Leben. Bon A. Freih. von Schweiger-Lerchenfeld. Mit ca. 350 Textabbildungen, elf farbigen und 15 schwarzen Vollbildern. In 25 Lieferungen je 1 Mk. A. Hartlebens Verlag, Wien und Leipzig. — Tie weiteren fünf Lieferungen (11—15), welche von diesem eigenartigen Prachtwerke erschienen sind, behandeln ausschließlich die Perser, der Natur der Sache nach eigentlich die Perserin, und zwar nicht etwa nur allein jenes farblose, nicht sonderlich interessante Wesen der Jetztzeit, das sich hinter Schleier und Maske verbirgt, im Harem! vegetiert. Wohl geht der fachkundige Verfasser der Gegenwart nicht aus dem Wege, sein Stoffgebiet ist aber ein schier unbegrenztes: es reicht weit in die verschleierte Vergangenheit zurück und klingt in den lyrischen Tönen aus, welche die einheimischen Dichter angeschlagen haben. Aber auch Frauen, welche der Geschichte angehören, zeichnet der Verfasser interessant und mit Verve. Man wird fast verblüfft von der Fülle dessen, was das altiranische Frauenleben bietet. Von den zahlreichen schönen Abbildungen sind besonders die Reproduktionen seltener und äußerst lehrreicher orientalischer Miniaturen hervorzuheben. Es ist nur gerecht, wenn dem Verfasser, der aus Originalquellen solche Schätze zu heben wußte, verdientes Lob zuteil wird. Im Verlag der „Dtsch. Hausfrauenztg.", Berlin, tst „Ullas Kindheit", eine Erzählung für acht bis vierzehnjährige Knaben und Mädchen, erschienen. Die Verfasserin, Olga Arendt, die Tochter von Lina Morgenstern, hat in dieser Erzählung bewiesen, wie hübsch sie Kindern zu erzählen verstanden hat, was anregend und unterhaltend auf die jungen Gemüter wirkt. Ein Nachwort, das Lina Morgenstern zu dem Buche geschrieben hat, enthält die Mitteilung, daß die Verfasserin in „Ullas Kindheit" aus der Erinnerung an die eigenen Kinder geschöpft und zunächst für ihr Töchterchen niedergeschrieben hat. Das Buch wird auch in weiteren Kreisen Anklang finden. ,_ Kauswirllchaft. - — Heute wird von ein er H aus fr au g ar viel gefordert! Sie soll nicht nur eine gute Mutter, eine tüchtige Haushälterin sein, soll sich Grazie und Schönheit bis ins hohe Alter bewahren, — man verlangt auch von ihr, daß sie eine „neue" Frati sei mit aufgeschlossenem! Sinn für den Fortschritt auf allen Gebieten. Namentlich in der Ausbildung nach der ästhetischen Seite hm hat sie den Bedarf des Hauses zu bestreiten; denn dem im Daseinskämpfe schwer ringenden Manne bleibt keine Zett, selbst tu sein Leben hineinzutragen, was es schmücken und ihm geistige Schönheit verleihen kann. Der Frau liegt diese Aufgabe ob. Unterstützt hierbei kann sie werden von der Äochenfchrift „Fü r s H a u s". Ursprünglich nur wirtschaftlichen Dingen dienend, hat fich diese Zeitschrift mit dem Beginn des neuen Jahrganges auf eine höhere Stufe geschwungen, indem sie von jetzt ab als „Salon-Ausgabe (Preis vierteljährlich 2 Mk.) erscheint. Diese Ausgabe erfuhr im Text und in der Illustration eine Bereicherung, die insbesondere den künstlerischen, sportlichen und geselligen Interessen der Frauen nützen soll. Abbildungen von Bildirn, Statuen, kunstgewerblichen Gegenständen usw. werden den schönsten Schmuck von „Fürs Haus' Zw Salongewande b - den Man erhält Probenummern in jeder Buchhandlung oder direkt bei der Geschäftsstelle „Fürs Haus", Berlin SM. Zahlenschrift. (Nachdruck verboten.) 12321245267—687 — 2642 — 9 10 12 — 11 2 10 12 13 5 10 2 10 6 4 Schlüssel: 12 3 13 1 2 3 beim Vogel; 11 9 8 2 Gesäß; 5 6 10 7 2 4 alter Stand. (Auflösung in nächster Nummer.) Redaktion- August Götz. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen UniversttätS-Buch- und Strindruckerer. R. Lange, Gießen.