1903. Mittwoch den 4. Hlovemöer. v elo AW << I W I r*»i Wk (Nachdruck verboten.) I« UschemüHeii m der BretsWe. .Bon B. W. Howard. (Fortsetzung.) „Gnade Dtr Gott, wenn Du mich belügst! — wenn Du ihm gesagt hast, heute nicht diesen Weg zurückzukommen!" „Nein, und abermals nein!" rief Guenn heftig. „Ich, tnache mich nicht zur Angeberin von Plouvenecer Männern, wenn nicht gerade ein Menschenleben auf dem Spiele steht. Soll ich, Guenn Rodellec, einem fremden Manne sagen, daß drei bretagnische Seeleute gemeine, schmutzige Feiglinge sind? Lieber bisse ich mir die Zunge ab. Seht Ihr denn nicht, wie ich mich schäme, mich zu Tode schäme, Eurer und meiner selbst, weil ich zu Euch gehöre? Ich möchte lieber sterben, als ihm so etwas sagen, als ihn mit etwas so Gemeinem, Elendem in seinen reinen, edlen Gedanken stören! — Ach, wozu sage ich Euch das alles?" fuhr sie verächtlich, fort, „Ihr kriecht im Staube, und er hebt sein Haupt HU den Wölken. Er ist weiter von Euch entfernt, als der Himmel von der Erde. Ich weiß es ja, ich habe es ja Tag für Tag mit angesehen. Zuerst, da habe ich's freilich nicht so recht verstanden. Ich war wie Ihr 1— nur daß ich niemals so erbärmlich, so feige war. Ihr haßt ihn, weil er gut und freundliche zu allen ist, weil ihn ganz Plouvenec lieb hat, weil er kein Trunkenbold ist, der von Sinnen gerät und in viehischem Zorn drauf los geht! Weil er fleißiger arbeitet als Ihr alle von früh bis spät/ und wenn er müde und mutlos ist, !— was er manchmal sein kann, das habe ich ihm angesehen geduldig bleibt, und nicht flucht und schwört wie Ihr! Weil sein Leben so rein ist, wie seine Hände — darum haßt Ihr ihn, Ihr Feiglinge! O, ich war so stolz aus mein Plouvenec, — und jetzt — jetzt schäme rch mich seiner!" Tie trockenen Matter rauschten fort und fort wie unzufrieden, aber Guenn gab nicht acht darauf, auch ihres Vaters drohende Miene schüchterte sie nicht ein. Ich will jetzt sprechen, keiner kann mir's wehren. Ich hätte es nie für möglich gehalten, so etwas zu sagen, aber Ihr könntet einen Stein zum Reden bringen. Ich kam hierher, um herauszubekommen, wie weit Ihr Eure Schlechtigkeit zu treiben gedenkt; Euch Hoel kann ich nur soviel sagen —" sie lachte verächtlich auf — „daß, wenn Ihr gegen Monsieur Hamvr so dumm angerannt wäret wie gegen mich, er Euch mit Leichtigkeit über die Mauer geworfen hätte. Wollt Ihr aber wissen, was ich ferner zu tun gedenke, so sage ich's Euch Dreien hier in's Gesicht: bisher habe rcy über Eure Bosheit stets geschwiegen. Sie, die nicht mehr ist, weiß das —" ihr Mick ruhte fest und durchdringend auf ihrem Vater — „sie weiß, daß ich's noch niemals über's Herz gebracht habe. Euch anzuklagen." Ein halb ersticktes Schluchzen entrang sich ihrer Brust. „Ich will es auch ferner nicht tun, wenn sich's vermeiden läßt; aber ich werde nicht zugeben, daß Ihr auch nur ein Haar seines Hauptes krümmt. Ich werde immer zwischen Euch und ihm stehen. Bei keinem ehrlichen Kampfe würde ich mich auf die Seite eines Fremden stellen, gegen meine Landsleute, aber Feiglinge und Mörder sollen einem Manne, wie er ist, nicht nach dem Leben trachten, wenigstens so lange nicht, als ich da bin, um ihre gottlosen Anschläge zu durchkreuzen. Wenn Ihr mich dazu zwingt, werde ich vor ihn treten und ihm Eure Namen nennen, so wahr mir die heilige Jungfrau helfe! Wenn Ihr handelt, handle ich auch. Bleibt Ihr ruhig, so werde ich schweigen. Kann ich ihn schützen ohne Euch preiszugeben, so soll es gewiß geschehen, wenn nicht, so rede ich. Das sage ich Euch r—. ich Guenn Rodellec^ so wahr ich hier stehe!" „Und rch, Herve Rodellec, —" brauste ihr Vater aus, durch ihren offenen Widerstand gereizt, und ballte drohend die gewaltige Faust, als ihn ein lauter, unheimlicher Schrer erstarren ließ. Die drei Männer bekreuzten sich, und Rodellec hob zitternd die Laterne empor, bei deren fahlem Schein. Nannics Gesicht oben aus der Mauer in gersterhafter Beleuchtung sichtbar ward. Er lag auf den dicken Epheustämmen ausgestreckt, doch war seine Gestalt ganz verborgen, der Kops und die stützenden Arme im Schatten. „Seht!" rief er, und deutete nach der gegenüberliegenden Mauer, „wie es winkt, winkt, winkt, mit der arnien, blassen Hand!" Ein dürrer Zweig, der sich leise im Abendwinde bewegte, schlug auf den Granit. In dem ungewissen Dämmerschein und bei der tiefen Stille der Nacht konnten Augen, die der Aberglaube verdunkelte, leicht sehen, was von ihnen verlangt wurde. — „Ich sehe einen spanischen Matrosen mit blutiger Brust —i ein weißes, blasses Gesicht taucht aus den Wogen auf — und eine bleiche Frauenhand hebt sich drohend empor", rief das Kind aus der Mauer mit singender Stimme. Wie betäubt starrten sie hinüber, bekreuzten sich angstvoll und begannen abgerissene Gebete zu murmeln. Guenn nickte Nannte dankbar zu. Rodellec stieß ein erzwungenes Lachen aus. „Das ist seine gewöhnliche Narretei", versuchte er sich und den anderen einzureden. „Es winkt Dir mit einer knochigen Hand!" warnte die Stimme von der Mauer. „Der spanische Matrose sieht nach Loic, das Gesicht in den Wogen nach Dir — nach Dir." Abermals entstand eine lange, peinliche Pause. „Da Du alles weißt", begann Rodellec endlich mit geheucheltem Gleichmut, „so sag' uns doch- wo Hamvr, der Maler steckt?" „Der segelt mit Meurice draußen in der Bucht", er* — 654 Widerte Nannic mit seiner gewöhnlichen Stimme. Dieses Uebergehen in den natürlichen Sprachton war ein Kunst- grtff, der seines Eindrucks auf die Hörer niemals verfehlte. Sie zusammenschrecken zu sehen, machte Nannic stets die größte Freude. „Menn das wahr ist, könnten wir eigentlich ruhig nach Hause gehen", knurrte Nives verdrießliche „Mrr ist jetzt überhaupt alle Lust an dem Handel vergangen", meinte Hoel niedergeschlagen. „Ihr schämt Euch jetzt selber, Hoel", bemerkte Gnenn kaltblütig. „Da hast Du recht, Gnenn, ich habe auch von Anfang an für einen ehrlichen Kampf gestimmt. In so trübem Fahrwasser segelt mein Boot nicht ivieder. Das hübsche kleine Mädel, sie hat ihre Sache tapfer geführt und uns ehrlich die Meinung gesagt. Nein, nein, Rodellec, ich habe jetzt ganz genug. Laßt den Maler in Frieden, und laßt Gnenn ihren Willen." „Nur ruhig, Mann, das wird sich finden", versetzte Rodellec besänftigend. Als die Männer fort waren, kletterte Nannte langsam und vorsichtig von der Mauer herunter und stand neben seiner Schwester, die er mit einer Art mitleidiger Teilnahme betrachtete. „Die Mädchen sind alle Närrinnen", sagte er mit Nachdruck; das sollte soviel heißen als, „Du hast Dich vom Eifer fortreißen lassen." „Ja, ich weiß wohl," antwortete sie denrütig; „aber es schadet nichts, Nannic. Ich konnte nicht länger an mich halten, ich glaube, ich wäre erstickt, hätte ich ihnen nicht endlich die Wahrheit sagen können." „Du fingst ganz vernünftig an, hast aber alles verdorben, weil Du nicht bei Dir behalten konntest, was Du wußtest. Die Mädchen plaudern immer alles aus." „Wirklich, tun sie das?" fragte sie leise. „Es fehlte nur noch daß Du ihnen sagtest, daß ich immer ihrer Spur folge ch Gott selbst weiß kaum besser, was sie tun und lassen, als ich — und daß der Herrgott ihren Plänen nicht Einhalt tut und ich sie jedesmal zu Schanden mache. Warum hast Du ihnen denn verschwiegen, daß ich sie neulich nachts am Strande belauscht habe, und daß Tu Meurice geschickt hast, um Monsieur heute abzuholen, daß Tu Meurice überhaupt um den Finger wickeln kannst? Warum hast Du ihnen nicht gesagt, daß Du Dich — nun das hast Du ihnen ja deutlich gesagt — und wenn sie nicht gar so dumme, harte Köpfe hätten, müßten sie —" „Laß nur gut sein, Nannic", bat sie mit müdem Ton, -.kannst Du ihn heute nackt fern von mir halten? Glaubst Du, daß das möglich ist?" „Ich weiß nicht. Er war noch nie so wütend; er wird in einem guten Feuerbrand heimkommcn. Vielleicht wäre es besser, wenn Du bei Jeanne schliefest; ganz „zufällig" natürlich, wie Hoel sagt", er stieß ein verächtliches Lachen aus. — Schweigend schritten sie durch den dunklen Heckenweg. Gnenn ließ leise ihre Hand in die seine gleiten. „Es wäre wirklich traurig, wenn ich jetzt entstellt würde", murmelte sie, „ehe das große Bild noch vollendet ist — es wäre fe^r traurig". Sie seufzte leise — Nannic kicherte verstohlen im Weiterhinken. „Es gibt noch mancherlei, was traurig ist", murmelte er. „Es ist traurig, daß man geboren ist, traurig, daß inan leben und traurig, daß man sterben muß. Nur eins ist nicht traurig, nämlich, daß es immer Narren genüf, gibt, über die man lachen kann! Heute abend will ich auch noch einen auslachen, verlaß Dich darauf. Du aber, schlafe hei Jeanne. Komm ihm nicht vor die Augen!" 22. Kapitel. Reiche, landschaftliche Schönheiten entfaltend, vom herrlichsten Wetter begünstigt, ging der bretagnische Winter dahin. Obwohl nicht allzuweit von Paris entfernt, kannte der milde Himmelsstrich, in dem Plouvenec liegt, doch nie jenen Grad von Hitze und Kälte, unter dem die Hauptstadt oft zu leiden hat. Tie Maler konnten beinahe täglich acht Stunden im Freien arbeiten, ihnen erschien das gemäßigte Klima wie ausdrücklich für ihre Bedürfnisse geschaffen. Gegen dicke Joppen, Sabots, Gesundheit und Jugendkraft vermochte die Feuchtigkeit wenig auszurichten, und die Anmosphäre war von wahrhaft bezaubernder Wirkung. . Wenn an den frühen Winterabenden Meer und Land, alle nahen und fernen Gegenstände, in den leuchtendsten Opalfarben schimmerten, wenn selbst die düstere Festung auf der Insel drüben, von holdem, rosigem Schein umflossen, kund tat, daß auch sie dem Zauber des Sonnenuntergangs nicht zu widerstehen vermochte, dann brach die Begeisterung des Malers in Helle Flammen aus, und er fand kaum Worte für sein Entzücken. — Staunton heiratete um Weihnachten die kleine dänische Künstlerin und Douglas verließ einen Monat später Plouvenec, da sich ihm die Gelegenheit bot, einen Freund nach Spanien zu begleiten. Hamor sah diesen Veränderungen mit philosophischem Gleichmut zu und fühlte sich kaum weniger behaglich in seiner Einsamkeit, als da die Abende noch durch Whist und Kunstgesprüche ausgesüllt waren. Er vergrub sich mehr und mehr in sein einsames Studio und faß ganze Nächte lang, wenn der Wind draußen heulte, am wärmenden Kamiuseuer, in irgend ein gutes Buch vertieft. Seiu Feuer war sein Stolz und seine Freude, er häufte knisterndes Holzwerk darauf, und in den prasselnden Flammen meinte er die wechselndsten Bilder zu sehen, Erinnerungen aus der Vergangenheit und leuchtende Zu- kunftstrüume. So saß er auch eines Abends in Shakespeares Sonette versunken. „Müd alles dessen wünsch' ich Todesruhe", — las er laut deklamierend mit innigem Vergnügen, als die Tür hastig aufgerissen ward und Guenn Rodellec hereinstürmte. Hamor mußte unwillkürlich an jenen Morgen denken, als sic zum erstenmale zu ihm kam. Atemlos vom schnellen Lauf warf sich Guenn am Kamin auf die Knie und wand sich stöhnend hin und her: „O Monsieur, o Monsieur!" Unangenehm berührt fuhr Hamor empor. Solch aufgeregtes Wesen war ihm zuwider und hatte ihn bei Guenn schon öfters verdrossen. Jetzt, mitten in seinem idealen Ge- dankenflug schien es ihm lästiger denn je. Er blickte mißbilligend auf die kleinen Hände, die trotz der Seife von Quimper noch immer braun und rauh waren. Das rote Brusttuch, das er täglich zu sehen bekam, die groben Röcke und Holzfchuhe — das paßte ganz und gar nicht zu dieser» hochtragischen Benehmen. Es ärgerte ihn, sie in der knieen- den Stellung am Kamin zu sehen, warum stand sie nicht auf.und war vernünftig? „Nun?" fragte er in kühler Verwunderung. „Monsieur!" rief das Mädchen schmerzlich und rang nach Atem; verwirrt blickte sie in dem wohlbekannten Raum umher, „sie konimen", stieß sie zitternd hervor. „Wer denn?" fragte er ungeduldig. „Sie — Hoel und Nives und — er." Hamor runzelte die Stirn. Diese rohen Bretagner gehörten durchaus nicht in seine poetische Stimmung und friedliche Wendträumerei, in die auch Guenn schon einen Mißklang gebracht hatte durch ihr stürmisches Gebühren. „Sie kommen? Wohin denn? Hierher? Wann werde ich denn die Ehre haben, die Herren zu empfangen, und was zum Henker wollen sie von mir?" „O glauben Sie, es ist ernst — um alles in der Welt, seien Sie nicht so sorglos! Wie soll ich's Ihnen nur sagen? Holen Sie Monsieur Staunton herbei, es ist dann immer noch schlimm genug." „Monsieur Staunton?" — „Ja, er würde nichts verraten. Er wird Ihnen bei- stehen und dann über alles schweigen. Ach, fragen Sie mich nichts mehr — gehen Sie — gehen Sie!" Sie zitterte an allen Gliedern. „Jst's möglich!, Guenn, ich glaube gar, Du fürchtest Dich", sagte Hamor freundlich Sie brach in ein heftiges Schluchzen aus. „O Monsieur- Sie kennen sie ja nicht- Diesmal handelt es sich! um Leben und Tod! Holen Sie Ihren Freund, und selbst das —" unten im Hose ließ sich ein leises Geräusch vernehmen, sitz fuhr heftig zusammen und lauschte gespannt. „Wer Guenn, Kind, sei doch vernünftig! Ich dachte immer. Du wärest stolz aus Deinen Mut und wolltest für das tapferste Mädchen in ganz Plouv!enec gelten!" Sie starrte ihm sprachlos ins Gesicht und hielt noch immer den Atem an, um zu horchen, ob sich draußen nichts rege. Die lehrhafte, gemessene Art und Weife, mit der er sprach, brachte sie dem Wahnsinn nahe. „Drei gegen einen, ist für gewöhnlich nicht gerade, was man unter Männern einen ehrlichen Kamps zu nennen pflegt. Vielleicht ist diese Ansicht nur ein angelsächsisches Vorurteil, indessen —" er hielt inne — der Gedanke, daß 655 solche spöttische Bemerkungen dem Mädchen gegenüber, dos ihn aus reiner, uneigennütziger Freundschaft vor ihren eigenen Stammesgenossen zu warnen kam, nicht gerade zartfühlend seien, fuhr ihm durch! den Sinn. „Sieh, Guenn", hob er wieder, an, „die Männer mögen Wohl stärker sein als ich, aber ich weiß meine Kraft besser zu gebrauchen und will mich schon meiner Haut wehren. Also geh nur ruhig nach Hause und leg' Dich schlafen, es ist sehr lieb von Dir, daß Du gekommen bist, mich zu warnen, da Du es für nötig hieltest. Ich. bin anderer Meinung, auch verlasse ich mich auf meine guten Fäuste." Ein sicheres, überlegenes Lächeln umspielte seine Lippen, recht väterlich klopfte er ihr auf die Schulter. „Noch einmal, Guenn, ich danke Dir herzlich aber Monsieur Staunton werde ich nicht hei> beirufen." „Monsieur", rief Guenn in Heller Verzweiflung neben seinem Stuhl niedersinkend, ihre Hände krampften sich zusammen, ihr Gesicht war totenbleich, die blauen Augen groß und starr; sie spracy schnell und mit flehendem Don, obschon ihr vor Angst und Aufregung die Stimme zu versagen drohte; „Sie sind mit mir zufrieden, weil ich gelernt habe, so gut Modell zu stehen, nicht wahr? Sie haben oft gesagt, ich stehe besser, als die andern Mädchen, ich sei Ihnen eine Hilfe bei dem großen Bilde gewesen und Sie möchten mir gern eine Frerrde machen. Ich habe mir nie etwas gewünscht, denn ich brauche nichts. War es nicht so, Monsieur? Wer jetzt, jetzt sollen Sie mir etwas zu liebe tun, noch in diesem Augenblick! Holen Sie Monsieur Staunton! Schauen Sie mich nicht so ruhig an, ich kann es nicht ertragen! Nur nicht dieses Lächeln! Es bringt mich um, Sie so lächeln zu sehen! Mein Gott, muß ich Ihnen denn alles sagen, muß ich Ihnen ihre ganze Schlechtigkeit offenbaren? Loic hat sein Messer, Hoel eme eichene Keule und er — er hat eine Pistole ; ich habe alles gehört, was sie sagten, und ich weiß, was sie in rhren schwarzen, bösen Herzen, sinnen!" Fortsetzung folgt. Ale Ksrstessung des Aepfetweins. (Nachdruck verboten.) Zu den alkoholischen Getränken, also zu denjenigen geistigen Getränken, welche den Charakter eines Genuß- nnttels tragen, die also nicyt direkt zum Ersatz der K'vrper- bestandteile beitragen, sondern nur indirekt die Ernährung unterstützen, indem sie die Nerven erregen und gewisse Funktionen des Körpers in erhöhtem Maße steigern, «e- hort vor allem ein Getränk, dessen Konsuln von Jahr zu ^ahr zunimmt und das sich immer mehr auf andere Gegenden ausbreitet, nämlich der bei uns besonders hoch geschätzte Aepfelwein. Und nicht mit Unrecht, wirkt doch der mäßige Genug desselben auf die Magen- und Darmschleimhaut äußerst günstig, reizt sie zur größeren Absonderung der Verdauuugssäfte und uilterstützt auf diese Meise die ganze Verdauung. Besonders der Apfelmost ofr sogenannte „süße" Aepfelwein wirkt nicht nur! kühlend und durststillend, sondern regt die Tätigkeit der Nerven an, erhöht den Appetit und wird durch feine leicht abführende Wirkung sogar ost ärztlicherseits verordnet. " lieber die Bekanntschaft des Menschen mit demAepfel- weu» sind nähere Angaben nicht zu ermitteln; es ist daher auch schwer Heimat und Alter des Geträukes, das besonders tu der Normandie, in dem schweizerischen Kanton Thurgau, rn Franken, doch! vor allem im Taunus, bei uns in " au. und in F r a u k f u r t bezw. Sachsenhausen getrunken wird, festzustellen. Zwar behaupten die Frank- furter Anhänger des Aepfelweins, die sogenannten „Aeppel- worgeschworene scherzweise steif und fest, der alte ehr- .Parser Karolus Magnus sei der „Erfinder" des =nsr We man ihm vor 60 Jahren Anauf der Mainbrücke errichtet, zumal er einen A P f e l in der Hand halte. derHerstellung des Aepfelweines ist ähnlich her des Traubenwetnes, üur findet häufia ie nack Beschaffenheit des Obstes ein Zusatz, von Wasser und Zucke? Ein Zusatz von Zucker ist manchmal schon Grunde notwendig, um einen haltbaren Wein zu erzielen. Denn rn vielen Jahren und je nach dem Klima enthalten die Aepsel zu wenig Zucker, um eins genügende Menge Wkohol für die Haltbarkeit zu liefern: auch sind diese häufig nicht saftig genug, um ohne Zusatz von Wasser, also durch einfaches Keltern und Pressen, genügend Most zu liefern. Es empfiehlt sich dann, auf je 1 Hektoliter Wasser 10 bis 12 Kgr. Zucker vor oder während der Gährung zuzusetzen. Den besten und w ein g eistr eichst en Aepfel- most liefern so lgend e Aepfelsort en : Winter- borsdorfer, Reinetten, Goldprepping- Madapfel, Weinapfeh Tellerapsel, Edelkönig, Herbststettiner, Gravensteiner rc. Das Obst wird am besten tunlichst gleich! nach der Ernte gepreßt. Hartes Obst läßt man wohl auch einige Zeit liegen, wodurch die unlöslichen Stoffe und die Säure abnehmen, sodaß mehr Saft gewonnen wird. Man schichtet die Aepfel wohl auch zwischen Stroh auf, um sie schwitzen zu lassen; hierbei beim Lagern des Obstes ist aber zu beachten, daß zugleich faulige Exemplare vorher entfernt werden müssen. Das Obst wird dann in geeigneten Trögen oder Obstmühlen zu einer Maische zermalmt und diese auf der Kelter ausgepreßt. Für Herstellung von Aepfelwein in kleinen Mengen zum Haustrunk genügt das Verreiben des Obstes und Pressen durch ein Tuch Auffallend ist der hohe Gehalt an Rohrzucker beim Aepfelmost; derselbe beträgt zwischen 7 und 16 Proz., die Säure (Aepfelsäure) von 0.13 bis 1.15 Proz., doch sind diese Zahlen je nach! Klima, Sorten und Jahrgängen des Obstes großen Schwankungen unterworfen. Da der Zuckergehalt tm letzten Stadium der Reife des Obstes wesentlich zunimmt, so empfiehlt es sich, die Aepfel so reif wie möglich zu nehmen; nur faule Früchte sollen keinesfalls verwendet werden. Der gewonnene Saft wird nun in reine Fässer getan und wie der Traubenmost der Selbst-Gährung unterworfen. Zur Beschleunigung der Gährung, die schon 24 Stunden nach dem Ansetzen eintreten soll, setzt man mitunter etwas gute Hefe — aber keine Bierhefe, die unbrauchlbar ist —■ M. Auch der Zusatz von reinem Wein wirkt veredelnd. Ter günstigste Wärmegrad für die Gährung ist 15 bis 20 Grad C. Bei höheren Graden verläuft die Gährung zwar rascher, es ist aber auch die Gefahr der Bildung von Essigsäure rc. eine größere: Wenn die Hauptgährung nachläßt und der größte Teil der Hefe sich abgesetzt hat, wird der Wem ähnlich wie Traubenwein auf gut geschwefelte Fässer abgelassen, damit dort noch eine kleine Nachgährung eine reichliche Bildung von Kohlensäure stattfindet, welche den Mein frischschmeckender und haltbarer macht. Tie Bereitung des Aepselschaumweins- sogenannten Aep felw einch ampagn ers erfolgt tm allgemeinen wie die des Traubenchampagners, d. h. man üllt den Most erst in Champagner-Flaschen, wenn er ganz lar ist, löst im Liter 16 bis 20 Gramm reinen Zucker auf, etzt einen klaren, nötigenfalls filtrierten Auszug von 30 Gramm Rosinen mit ein Achtel Liter Wasser zu und überläßt diese Mischung der Nachgärung in den Flaschen. Der Aepfelwein pflegt bei guter Beschaffenheit des verwendeten Obstes und bei richtiger Behandlung des Mostes von selbst klar zu werden und klar zu bleiben. Wird derselbe aber unklar, so kann man ihn mit abgerahmter süßer Milch. (1 Liter pro 1 Hektoliter Wein) oder mit 1/4 Liter Hausenblasenschöne pro 1 Hektoliter schönen. Die Bestandteile des Aepfelweines sind: Alkohol, Zucker, Aepfel- und Kohlensäure, Glycerin, Gerbstoff, Stickstoff, Mineralstoff, Kali, Kalk, Magnesia, Phosphorsäure rc. Im großen Ganzen darf man daher Aepfelwein als rein und ohne Zusätze hergestellt ansehen. Von einer Verfälschung kann nur insofern die Rede sein, als schädliche Materialien (wie unreiner Stärkezucker) sowie Konservierungsmittel angewendet sind, oder Aepfelwein als reines Produkt verkauft wird, der durch zu großen Zusatz von Wasser und Zucker eine ungewöhnliche Verinehrung erfahren hat. Am besten schmeckt bekanntlich der Aepfelwein, so lange er noch Kohlensäure entwickelt, später vermehrt sich sem Weingeistgehalt; er kann aber auch zurückschreiten, sodaß er mitunter bitter, herb und schließlich gar sauer wird. Ms gesundes und tägliches Hausgetränk ist Aepfelwein dem Branntwein und vor allem fchlecht gebrauten Biere entschieden vorzuziehen und so mögen denn alle Liebhaber des „Hohenastheimers" und solche, die es zu werden wünschen, gerade jetzt in der Zeit des „Süßen" und „Rauschen" eingedenk sein des Verses aus einem Aepfeh- 656 toeinliebe, — denn auch dies Getränk ist schon ton der Poesie viel besungen — und ihn beherzigen: „Trinkt fleißig Aepfelwein, Der macht gesund allein. Er ist so gut — und geht ins Mut!" Dr. N. Vermischtes. * Die Erforschung des Vogelflugs. Die Vogelwarte Rosttten auf der kurtschen Nehrung wird demnächst mit einer Reihe von praktischen Versuchen beginnen, um sichere Aufschlüsse über einige noch dunkle Probleme des Vogelzuges herbeizuführen. Zu diesem Zwecke sollen in der Zugzeit (Herbst und Frühling) eine Anzahl von Vögeln auf der Nehrung gefangen, durch einen um einen Fuß gelegten Metallring, der Nummer und Jahreszahl trägt, gezeichnet und dann sofort wieder in Freiheit gesetzt werden. Dieses Experiment soll mehrere Jahre in zunehmenden Maße fortgesetzt werden, und zwar hauptsächlich mit Krähen, die auf der Nehrung scharenweise von den Bewohnern in Netzen gefangen werden. Der Leiter der Vogelwarte, I. Thienemann, bemerkt: „Wenn wir erst Hunderte, ja Tausende von gezeichneten Krähen in Deutschland und den angrenzenden Ländern haben, dürften sich daraus ganz neue Gesichtspunkte über die Verbreitung einer Vogelart eröffnen und auch über die viel besprochene Frage nach dem Alter der Vögel Aufschlüsse gewonnen werden." Ohne Unterstützung der weitesten Kreise ist der Versuch aber aussichtslos. Deshalb richtet der Vorsteher der Vogelwarte an alle Jäger, Forstbeamte, Landwirte, Vogel- liebhaber und Gärtner, überhaupt an jedermann die Bitte, beim Erbeuten von Krähen auf die Füße der Tiere zu achten, den etwa mit einem Ringe versehenen Fuß im Fersengelenk abzutrennen und in einem geschlossenen Briefumschlag an die Vogelwarte Rosttten, Kurische Nehrung, Ostpreußen, einzuschicken. Auf einem beiliegenden Zettel wäre genau der Tag und wenn möglich auch die Stunde der Erbeutung zu bemerken. Alle Auslagen werden zurückerstattet. Die gezeichneten Vögel werden namentlich Nebelkrähen, aber auch Saatkrähen sein. Die erstgenannte kommt zahlreich in Nord- und Ostdeutschland vor, verirrt sich aber nur selten nach Süddeutschland. Die Saatkrähe ist über ganz Mitteleuropa verbreitet und in nördlichen Gegenden Zugvogel; im Oktober und November zieht sie fort, meist nach Westeuropa, und kehrt im März zurück. Zur Sommerszeit sieht man fie oft in Scharen, gleich dunkeln Wolken sich auf die Felder niederlassen. Sie ist aber keineswegs, wie viele glauben, ein schädlicher Vogel, nur ihre große Anzahl macht sie bisweilen lästig. * Die Ermittlung von Untiefen im Meere. Der französische Marine-Ingenieur Renaud macht darauf aufmerksam, daß ein bis zu gewisser Höhe emporgehender Fesselballon dazu verwandt werden kann, um das Ausfinden unter Wasser liegender Klippen zu ermöglichen. Jeder Seemann weiß, daß in gewissen Meeresteilen Untiefen an der Färbung des Wassers so zeitig erkannt werden können, daß der Schiffer sie zu vermeiden in der Lage ist. Von gewissen Höhen aus verraten sich die Untiefen noch viel deutlicher, so z. B. von den Hügeln, welche die Einfahrt nach Brest einfassen. Daraus ergrabt sich unmittelbar, daß man in einer gewissen Höhe über dem Wasserspiegel von einem befestigten Ballon aus besonders in klippenreichen Gewässern mit vielfach gewundenen Kanälen mit dem Auge und besser noch. durch photographische Aufnahmen ein Bild des Verlaufs des «benutzbaren Fahrwassers erhält. In manchen Gegenden wird es sogar nur möglich sein, mit Hilfe des Ballons die Kanäle und Untiefen wirklich genau aufzunehmen. Ein solches Gebiet ist das Plateau von Te- vennec mit den umgebenden Klippen an der Westküste der Bretagne, das wegen der Flutströmungen nicht zu geeigneter Zeit zugänglich ist. Hier würden Aufnahmen aus einem, Fesselballon nicht nur die richtigen Anweisungen für die Vermessungsarbeiten geben können, sondern auch eine zuverlässige Kontrolle derselben. Renaud spricht die feste Ueberzeugung aus, daß der Ballon ein wichtiges Ausrüstungsstück der Vermessungsfahrzeuge bilden wird. Kesundyeitspfleüe. M a g e n fr a g e n. Wie tragen wir zu einer guten Verdauung der genossenen Speisen bei? Das ist eine Magenfrage, welche in den nachstehenden Zeilen ihre Beantwortung finden soll. Vor allen Dingen möchte man aus diese, Frage antworten: durch das regelmäßige Essen! Nichts ist wichtiger für die Gesunderhaltung unseres Magens als das strenge Festhalten an den Mahlzeiten, nichts schädlicher für denselben, als das fortwährende Essen. Schwache Eltern, die ihren Kindern so oft zwischen den Mahlzeiten! Backwerk, Süßigkeiten, ja selbst Butterbrote reichen, ahnen; nicht, welchen Schaden sie den Kleinen dadurch zufügen.. Zu einer guten Verdauung ist es notwendig, daß nach einer genossenen Mahlzeit dem Magen Zeit gelassen wird, seine Werdauungsarbeit zu vollenden, wozu er vier Stunden braucht. Vor dieser Zeit sollte man ihm daher neue Nahrung nicht zuführen. Auch ist es ein unfehlbares Mittel,, den Magen zu verderben, wenn man ihm an verschiedenen; Tagen heute zu dieser, morgen zu jener Stunde Nahrung zuführt. Es ist von sicher üblen Folgen, wenn man durch seiner: Beruf zu solch unregelmäßigem Essen gezwungen wird. Appetitlosigkeit, Magendruck, Magenschwäche, Abmagerung usw. werden sich bald einstellen.Kindern ist jede Schularbeit unmittelbar nach, dem Essen strerlg zu untersagen, wie int allgemeinen jede anstrengende geistige oder körperliche Arbeit für diefe Zeit schädlich ist, Vorteilhaft tragt zu einer guten Verdauung auch eine gewisse Abwechslung des Küchen zette ls bei. Eine einförmig,, noch so nahrhafte Kost erweckt schließlich Wneigung und Ekel, während etn steter Wechsel der Speisen den Magen irr anregender Tätigkeit erhält. Die Jahreszeiten, das Alter der Personen bedingen eine bestimmte Kost. Für den Magen eines Kindes sind alle gewürzreichen, pikanten Speisen zu vermeiden. F r e m d k ö r p e r i n d e r N a s e. Gar häufig kommt es vor, daß Kinder während des Spielens Gegenstände in die Nase stecken: Bohnen, Knöpfe, Perlen usw. Die ängstliche Mutter sucht nun in der falschen Annahme, daß das Leben des Kindes bedroht sei, den Eindringling möglichst sofort zu entfernen, stellt dies aber meist ganz verkehrt an, und treibt den Fremdkörper, statt ihn zu beseitigen, nur noch weiter in die Nase hinein. Tie Vorstellung von der großen Gefährlichkeit derartiger Gegenstände in der Nase ist irrig; weder droht dem Kinde die Gefahr des Erstickens, noch diejenige einer Gehirnentzündung. Man soll also kaltes! Blut bewahren und die Entfernung des Störenfrieds dem Arzt überlassen. Denn die Beschwerden durch eingedrungene Fremdkörper sind oft sehr unbedeutend; jahrelang können sie manchmal in der Nase verbleiben; es bildet sich dann um sie ein Entzündungsherd und durch Ablagerung von Salzen und Schleim ein Nasenstein, in dem der Körper oft eingehüllt ist. Daß derartige Fremdkörper sehr lange in der Nase verbleiben können, davon erlebte Dr. Hirschl- nrann-Berlin ein Beispiel. Er fand bei einem 52jährigen Herrn zufällig bei Untersuchung der Nase einen Nasenstem,, der außer Nasenverstopfung nur geringe Beschwerde^ machte. Nun berichtete der Patient, daß er als sechsjähriger Knabe einen Knopf in die Nase gesteckt habe. Dieser fand sich bei der Untersuchung fest angedrückt an die Hintere Muschel; er wurde entfernt, nachdem er sechsund vierzig Jahre in der Nasenhöhle verweilt hatte. Anagramm. (Nachdruck verboten.) Amsel, Ebro, Emil, Genie, Helm, Leib, Lese, Murat, Reich, Stab, Streich. Die vorstehenden Wörter sind durch Umstellung der Buchstaben in andere Hauptwörter umzuwandeln (rote „Geter m „Rrege oder Regie"). Werden die neuen Hauptwörter ihrer Bedeutung nach wie folgt geordnet:1. Kopfbedeckung, 2. männlicher Vorname, 3. Gewand, 4. Pflanzenstoff, 5. weiblicher Vorname, 6. Spiel der Phantasie, 7. Rest, 8. Haustier, 9. Metall, 10. Fußboden, 1U Kleb- stoss, — so bezeichnen die Anfangsbuchstaben eme herbstliche Erscheinung. „ . (Auflösung m nächster Nummer.) Auflösung des Gleichklangrätsels in vor. Nr.: Buchen — buchen. Redaktion: August Götz. — Nvtationsdrnck und Nerlaa der Brtibl'schen Universitäts-Tuch- und Cteindruckerei. R. Lanac. Gießen.