1903. — Nr. 98 Samstag den 4. Juli. ®g (Nachdruck verboten.) Die Namensschwestern. Frei nach dem Englischen von Cla r a Rh ein au. (Fortsetzung.) Ta ertönte das Angelusgeläute von St. Gudulas' Türmen. Es klang wie ein dhif an das arme Kind, in den heiligen Hallen des Gotteshauses seine Zuflucht zu suchen; Aimee folgte dem Rufe, kniete in einem der wohlbekannten Kapellchen nieder, vergrub ihr Gesicht in beide Hände und sandte ein stummes Gebet zum Himmel empor, ein Gebet um Kraft und Stärke, diese Bürde zu tragen — sich selbst zu vergessen, wenn cs so sein mußte — ihm, den sie liebte, den Weg zum Glücke frei zu geben. Sunt Glücke — ohne sie? O, war es so? konnte sie mit diesem Bewußtsein weiter leben? Hatte sie vielleicht in ihren Träumen von irdischem Glück, in ihrem Sehnen danach das höhere Ziel aus dem Auge verloren, den Geber alles Guten durch Undank beleidigt und war dies ihre ihre Strafe dafür? Aimee stellte eine ernste Selbstprüfung an. Aber sie durfte sich sagen, daß seit ihrer Verlobung mit Richard Morgan kaum ein Tag verging, an dem nicht ein warmes Dankempfinden aus ihrem Herzen emporgestiegen war. Doch nun war alles vorüber — alle Freude der Vergangenheit, alle Hoffnung für die Zukunft. Sie er- rnnerte sich mit bitterem Schmerze, wie oft Richard davon gesprochen hatte, daß er die Armut fürchte — um ihretwillen ; wie sein letzter Brief so kurz, so zurückhaltend und von den Worten seiner Schwester beleuchtet, so kalt - gewesen,- wie znm erstenmal seit seiner Abreise eine volle Woche vergangen war, ohne ein Lebenszeichen von ihm zu bringen. In trauriger Reihenfolge drängten sich diese Erinner-- uitgen auf. Aber was allem die Krone aufsetzte, war der Gedanke cm jene andere, die ihren Platz in Richard's Herzen eingenommen hatte, und nur auf ihre Einwilligung wartete, um feine Frau zu werden. . . ^>hre Schläfen hämmerten, ihre Augen brannten: aber buchte ihrem übervollen Herzen Erleichter- feÄlÄÄtoWS? 'ZHE 6,t 6"Wftm mit lci”' .. . In der letzten Stunde hatte sich alles so sehr ver- worden schien ihr so unwirklich ge- 5^ .förmlich zusammcuschrak, als sie auf den Stufen der Kirche ihren Namen nennen hörte. Ein Entrtnncu war unmöglich, und so erwiderte sie deitn brtC ^bhafte Begrüßung der Amerikaner, die ste am vorhergehenden Abend kennen gelernt hatte. „Erkannte Sie auf der Stelle", sagte Herr Henderson herzlich, „und wünschte, Sie wären vorhin bei uns gewesen. Hier könnte man immer einen Dolmetscher brauchen, schon der Trinkgelder wegen, die einem ausgepreßt werden. Jsa- bella's Französisch ist noch sehr wackelig und —" „Ralph", unterbrach ihn seine bessere Hälfte, „ich glaube, Fräulein Forest ist nicht ganz Wohl, wir wollen sie hier nicht länger aufhalten." „Keine Sekunde länger", entschuldigte sich Herr Henderson. „Ich hätte es schon selbst bemerkt, wenn ich nicht so im Aerger über die Prellerei dieses Portiers gewesen wäre. Ah, Fräulein Forest, es ist klar, Brüssel bekommt Ihnen nicht gut. Mir scheint, Sie bedürfen einer Luftveränderung, damit Ihre Wangen wieder rosig werden. Ueberlegeu Sie meinen gestrigen Vorschlag noch einmal und schließen Sie sich uns an." Aimee wußte selbst nicht, !vas sie antrieb, aber ihre Antwort kam augenblicklich: Wenn Sie mich haben wollen u>td ich Ihnen nützlich sein kann, so will ich kommen . . ,,Unb mit dem Zimmermädchen französisch sprechen und' dre Lädetr und Straße,: für uns ausfindig machen!" jubelte Isabella, „v das ist herrlich!" „Aber können Sie aucq wirklich mit uns reisen, Fräu- lem Forest?" fragte ihre Mutter besorgt. „Sind Sie kräftig genug? Wir gehen nach —" „Paris, Neapel, Berlin, London", zählte ihr Gatte eifrig auf. „Und dazwischen noch an jeden andern Ort, wo es uns gefällt. Sie reden für die Gesellschaft, und ich zahle für sie, so ist's richtig, nicht wahr? Und wenn wir uns die alte Welt genug angeseheu haben, dann kominen Sre über den Ozean mit uns und briirgen meinen kleinen Krabben gute Manieren bei und lehren sie singen, wie Sie es können, für fünfundzwanzig Dollar den Monat — hm? Frau Rvchford erzählte uns gestern abend Ihre Geschichte, also bedarf es keiner weiteren Erklärung. Sind Sie einverstanden?" Von tiefstem Weh gefoltert, ohne Heim, ohne Freunde, ohne irgend welche Aussicht, würde Aimee weit unangenehmeren. Vorschlägen zugestimmt haben. Ihr ganzes Sehnen ging dahin, dieser entsetzlichen Gegenwart entrinnen zu können, und so versetzte sie leise: „Ich bin mit allem einverstanden. Aber, Litte, wollen Sie mir sagen lassen, wann Sie meiner bedürfen? Gerade jetzt habe ich entsetzliche Kopfschnterzcn." „Morgen um diese Zeit werde,: Sie von uns hören", schloß Herr Henderson die Unterredung. „Legen Sie sich zu Hause gleich ein wenig nieder und schlafen Sie sich aus. Das wird Sie wieder in die Höhe bringen, hoffe ich. Und sollte dies nicht der Falt sein" — fügte er zu seiuer Frau bei, als Aimee sich entfernt hatte — „so wird das Reisen nut uns ihr gut tun. Sie hat sich:::it ihren: Liebhaber gezankt, ihm vielleicht den Laufpaß gegeben." „Oder er ihr", schaltete Frau Henderson ein. „Dann wäre er der größte Narr", entgegnete ihr Gatte mit großer Bestiinmtheit. Frau Rochford ärgerte sich gewaltig, als Armee ihr des Abends in aller Kürze ihren Entschluß mitteilte. „tlnd Ihre Heirat?" rief sie aus. „Ist aufgegeben", versetzte Aimee mit kaum vernehmbarer Stimme. „Und so gedenken Sie bei den Kindern dieser Leute Gouvernannte zu sein? Das ist etwas ganz anderes, als eines derselben hier zn haben. Ich glaube kaum, daß Fräulein Osborne Ihr Borhaben billigen würde. Die Hendersons sind nichts anderes, als reiche Geschäftsleute, ohne jede feinere Bildung." „Sie sind gut", antwortete Aimee, „darum nehme ich dankbar ihr Anerbieten an. Fräulein Osborne wird mich nicht tadeln, wenn sie hört, warum ich es getan habe. Der letzte Brief ihrer guten alten Freundin lag noch immer unbeantwortet da — Aimee hatte stets gehofft, ihr gute Nachrichten mitteilen zu können. Sie fühlte, daß sie mit ihrer Antwort jetzt nicht länger zögern dürfte. Und doch konnte sie es nicht über sich gewinnen, von dem Treubruche zu schreiben, der ihr fast das Herz gebrochen hatte. Dazu würde ja später immer noch Zeit sein. Sie raffte all ihre Kräfte zusammen, um die verlangte Antwort, um Richard seine Freiheit zu geben. Aber an ihn selbst schrieb sie, nicht an seine Schwester, und ihr Briefchen enthielt nur zwei kurze Zeilen. Allein Bände hätten den Schmerz nicht ausdriicken können, den diese einschlvssen. Müde von der durchwachten Nacht, in trostloser Stimmung, erhob sie sich am nächsten Morgen und hörte, daß in vieruudzwanzig Stunden die Reise beginnen sollte. Ihre wenigen Habseligkeiten waren bald zu Frau Merle gebracht, die diese in gute Obhut zu nehmen versprach. Als Aimee zuletzt noch mit eigener Hand die beiden kleinen Bilder, die letzten Werke ihres Vaters dahintrug, fuhr ein Wagen an ihr vorüber, dessen Insassen ihr aus dem Fenster fröhliche Grüße zuwinkten. Es waren die Elliots, die in bester Stimmung von ihrer Schweizer Reise zurückkehrten. „Besuchen Sie uns bald!" rief Herr Elliot, aber Aimee verneigte sich mit verstörter Miene, daß er sofort erriet, es müsse etwas nicht tn Ordnung sein. „Fräulein Forest sieht ganz verändert aus", sagte er zu seiner Frau. „Du mußt Dir morgen Zeit nehmen und sie auffuchen." Aber als Frau Elliot am Abend des nächsten Tages im Marienhause vorsprach, hörte sie nur, daß Frau Roch- ford nicht zu Hause und Fräulein Forest für immer weggegangen sei. 10. Kapitel. Unsere Freunde in Bridgeham befanden sich unterdessen alle in recht' unbehaglicher Stimmung. Nach Absendung ihres verhängnisvollen Briefes fühlte Frau Wilson doch einige Gewissensbisse, sich so ohne Weiteres in die intimsten Angelegenheiten ihres Bruders eingemischt zu haben, und in der Tiefe ihres Herzens zitterte sie vor den Folgen ihrer raschen Tat. Ohne daß sie dieselbe gerade ungeschehen wünschte, erhoffte sie inbrünstig eine Antwort von jener jungen Person, die ihren Schritt hinreichend rechtfertigen würde. Der gute Doktor beunruhigte sich über die auffallend langsame Besserung seines Patienten und über störende Fieberanfälle, die nach seiner Ansicht bei einem so kräftigen und mäßigen Manne, wie Richard, nicht hätten Vorkommen dürfen. Aber das Fieber war einmal da und hatte zur unmittelbaren Folge, daß von dem Kranken noch strenger jeder Besuch fern gehalten werden mußte; selbst der ehrliche Harris hatte keinen Zutritt mehr. Auch Ellinor siihlte sich mit jeder Stunde mehr bedrückt. Ihrer aufrichtigen Natur widerstrebte es, das Geheimnis von ihrer Mutter Herkunft zu verschweigen; und doch war sie Abgeschlossen von jenem, den sie am liebsten zuerst in ihr Vertrauen gezogen hätte. Ein wiederholter Besuch in der Hütte ihrer alten Großmutter steigerte ihre Erregung und die Qual ihrer Unentschlossenheit zu solchem Grade, daß sie klar empfand, sie müßte frei heraussprechen, um endlich ihre Gemütsruhe wieder zu finben. In dieser Verfassung nahm sie au einem heißen Augusttage ihr Frühmahl sehr zeitig ein, tadelte alles, was ihr vorgesetzt wurde, und schalt die Dienstboten der Reihe nach aus, als Sicherheitsventil für ihre aufbrausende Laune. Dann schlenderte sie langsam den Garten entlang bis -um Wasser, sprang mit einem plötzlichen Entschluss« in ein Boot, durchschritt die breite Fläche der Wasserlilien, und ruderte rasch nach der Villa hinüber. „Da kommt Fräulein Graham", sagte der Doktor, der auf dem Nasenplatze stand und sich vergeblich bemühte, seine Frau für die Einzelnheiten eines Zeisignestes zu interessieren. — „Ich fürchte, sie wird Deinen Bruder zu sprechen wünschen; aber dies tarnt ich absolut nicht zugeben. Ich gehe jetzt gleich mit Jarris hinaus, um den Verband zu erneuern; ich wünschte, wir könnten den Arm kühler halten. Wenn Fräulein Elliuor etwas Geschäftliches zu besorgen hat, so bitte sie, zu warten, bis ich herunter komme. Wir wollen sehen, ob ich ihr nicht gerade so lieb bin, wie Richard." ” Bei dieser wunderbar naiven Rede konnte Frau Wilson ein überlegenes Lächeln nicht unterdrücken-. Die wichtige Angelegenheit war ja ohnehin so weit gediehen, daß man den Doktor nicht länger im Dtmkeln zu halten brauchte. „Du ihr gerade so lieb wie Richard?" wiederholte sie lächelnd. „O Du liebes, altes, kurzsichtiges Geschöpf, wirst Du denn nie aussindig machen, warum Fräulein Graham so sehr besorgt um den „armen Herrn Morgan" ist? O töte schrecklich, schrecklich einfältig Ihr gescheidten Männer doch seid!" „Pu—uh!" Offenen Mundes stand der Doktor bei dem neuen Lichte, das ihm jetzt ausging. „Dir willst doch nicht sagen", rief er aus, „daß jene Beiden sich in einander verliebt haben? Und ich hatte ja nie eine entfernte Ahnung davon. Wie kam es nur, daß ich garnichts bemerkte ?" „Weil Dein Geist sich stets mit dem Studium von Vögeln und Reptilien beschäftigt, mein Lieber", entgegnete feine Gattin in gönnerhaftem Don. „Nur wir armen, unwissenden, ungelehrten Leute haben unsere Augen offen, um zu sehen, was um uns her vorgeht." ' „Und bist Du Deiner Sache auch ganz sicher, Jessie?" „Habe ich mich in solchen Dingen jemals geirrt ?" fragte Frau Wilson etwas streng — und ihr Gatte beeilte sich, sie in diesem Punkte für unfehlbar zu erklären. „Mer dies ändert ja alles", bemerkte Dr. Wilson mit vergnügtem Schmunzeln. „Ich habe mich förmlich wie ein Tyrann gegen das arme Paar benommen, und mnß meine Behandlung jetzt gründlich ändern. Mir scheint nun, daß ein Plauderstündchen mit Fräulein Ellinor eine beruhigende Wirkung auf meinen Patienten ausüben wird. Gratulieren darf ich ihm wohl noch nicht, aber doch ein wenig auf den Zahn fühlen, nicht wahr?" „Ganz entschieden nicht", versetzte Frau Wilson, denn sie wußte, wie äußerordentlich deutlich diese Prozedur vermutlich ausfallen würde. „Schweige noch eine kleine Weile; ich glaube nicht, dctß Du lange zu warten haben wirst." Mit folgsamem Nicken entfernte sich der Doktor in vortrefflichster Laune und überließ es seiner Fran, ihre junge Nachbarin von Westfields zu begrüßen. Minor's Miene war so umwölkt, daß Frau Dr. Wilson schlimme Nachrichten darin zu lesen glaubte. „Ist Fräulein Bassett kränker geworden?" fragte sie besorgt, und fühlte sich erleichtert bei ihrer raschen, wenn auch etwas gleichgiltigen Antwort: '„O nein, danke. Es geht ihr besser, sagt man mir. Frau Dhbell berichtete gestern abend, sie habe ganz vernünftig gesprochen — etwas über den Unfall gefragt, glaube ich." — „Die Aermste!" sprach Frau Wilson bedauernd. „Robert sagte, sie werde ihr ganzes Leben schrecklich entstellt bleiben. Sie haben die Kranke noch nicht gesehen?" „Nein", antwortete Ellinor mit einem energischen Köpfschütteln. „Und halten Sre mich nicht für ganz verab- scheuungswürdig, wenn ich sage, ich möchte es überhaupt nicht! Sie hat drei Wärterinnen und drei Aerzte gehabt, und sie hätte die doppelte Zahl haben können, wenn es nötig gewesen wäre, und natürlich bitt ich in einer Art auch ganz froh, daß es ihr besser geht. Aber ich habe nicht das geringfte Verlangen, sie jemals wieder zu sehen oder zu sprechen." „Wer liebes Fräulein!" — rief Frau Wtlfon ganz entsetzt über diese lieblose Rede. „Nein, es ist wirklich so, denn —" platzte Elltnov heraus, ergriff ihre Freundin am Arme und zog sie auf eine Gartenbank neben sich nieder — „ich konnte sie me leiden! Ich weiß auch jetzt, ich weiß es fett dem Tage, an dem der Unfall vorkam, warum sie mich so behandelte. 391 mir einen Augenblick schmeichelte und mich den nächsten wieder tadelte, und mtr stets mit solcher Freude in ihrer widerwärtigen glatten Art zu zeigen suchte, daß ich viel zu ungebildet sei für die englische Gesellschaft. Ihr war alles bekannt Über mich, was ich leider nicht wußte, und sie dachte ein gutes Geschäft mit mir zu machen, was ihr aber nie, nie gelingen soll!" (Fortsetzung folgt.) Der „Goethe-Tempel" im Darmstädter Herrengarten. Das kleine Denkmal, dessen Enthüllung in diesen Tagen unter den ehrwürdigen Wipfeln des Darmstädter Herrengartens mit einer ernsten Feier begangen wurde, unterscheidet sich in mehr als einer Beziehung von den mannigfachen großen und kleinen monumentalen Anlagen, welche in Deutschland seit dessen ruhmreicher Einigung in fast übergroßer Anzahl errichtet worden sind. Der Ort, an welchem es steht, sein architektonischer Aufbau und seine plastische Gestaltung, die Art, wie es sich schüchtern zu verbergen scheint in dem grünen Gerank des alten Parkes: das alles ist etwas anderes, als man es sonst gewöhnt ist und man kann in deutschen Gauen an.öffentlicher Stätte kaum ein Bildwerk finden, das sich mit diesem in allen wesentlichen Punkten in Uebereinstimmung befände. — Wem gilt es? — Welches Ereignis soll es im Gedächtnisse der nachfahrenden Geschlechter festhalten? — Ist es eine Huldigung, ein Weihgeschenk des Dankes, ein Sinnbild der Trauer, ein Wahrzeichen gerechten Stolzes? — Nichts von alledem! — Wir dürfen an diesen geheimnisvoll blickenden, hold verschwiegenen Knaben keine der Fragen richten, die uns sonst von der sinnfälligen Redseligkeit neuzeitlicher Denkmäler nur allzu schnell beantwortet werden, oft ehe ■ wir sie noch gestellt. Wir stehen in seinem Bannkreise mit -»Ehrfurcht, und noch bevor wir uns aus der Geschichte gewisse erhabene Gestalten und Zustände zurückrufen, ist es uns doch bewußt, daß wir an Großes erinnert werden sollen; denn es geht etwas wie eine Weihe aus von der schuldlosen Jugend dieses schönen Knaben. „Seid stille!" So mahnt uns seine sanft erhobene Hand: „seid stille!" -Der Volksmund wird, so steht zu vermuten, von einem „Goethe-Tempel" sprechen; und doch ist es kein „Goeche- Denkmal". Es ist ebenso wenig ein „Merck-Denkmal" noch auch eine Monument für Karoline Flachsland, die liebenswürdige Gattin Herders, obzwar die Bildnisse aller drei den Marmor-Sockel zieren, auf welchem sich die Bronze- Figur erhebt. Es ist kein Ehren-Mal für Menschen, Dinge ung Geschehnisse, sondern es ist ein Erinnerungs-Mal an eine wundersame Zeit, an eine Epoche in unserem nationalen Geistesleben, an eine kurze Reihe schwärmerischer Jahre, die uns immer mit eigener herber Süße und Wehmut erfüllen werden: an bte Jugendzeit der modernen Seele, an die Tage, da der Deutsche, noch nicht mit ehener Notwendigkeit auf Ziele der Macht gerichtet, dem Jüngling gleich den Lenz seiner erwachenden, üpptg reifenden Frucht genoß. Daran muß man denken, wenn man verstehen will, was die Urheber dieses kleinen Werkes zum Ausdruck bringen wollten. Nicht ein Standbild Goethes, noch ein solches Mercks sollte hier errichtet werden, sondern an der Stätte der Erinnerung selbst wollte man mit einfachem Schmucke dokumentieren, daß man derer gedenke, die einst hier wandelten, und daß wir Deutsche, nun Männer geworden und aus männliche Machtkämpfe gerichtet, uns zuweilen, wie vom Heimweh erfaßt, uns zurückträumen in die Jünglings- Tage unserer Seele, so wie Goethe, der Mann gewordene, Gererste, Gefestigte, Gewaltige selbst es tat, als er das Vorspiel zu seinem „Faust" schrieb, der eben damals, als ‘3eu Darmstädter Freunden verkehrte, in sein erstes, zügellos emportreibendes Wacbstum eingetreten war. Wer hat sie je ohne Rührung gelesen jene Worte des Dichters: So gib auch mir die Zeiten wieder. Da ich noch selbst im Werden war. Da sich ein Quell gedrängter Lieder ! Ununterbrochen neu gebar, , Da Nebel mir die Welt verhüllten, Die Knospe Wunder noch versprach. Da ich die tausend Blumen brach, Die alle Täler reichlich füllten. Ich hatte nichts und doch genug. Den Drang nach Wahrheit und die Lust am Trug. Gib ungebändigt feste Triebe, Das tiefe schmerzenvolle Glück, Des Hassens Kraft, die Macht der Liebe, Gib meine Jugend mir zurück! Hier hat man alles, tvas das kleine Bildwerk uns sagen möchte, das uns Ludwig Habich in der von Adolf Zeller errichteten pergola-artigen Laube aufgestellt hat. Die Schöpfer des Werkes drängten sich daher auch nicht damit auf den Markt. Viel eher noch zeigen sie den Ehrgeiz solcher, die ein kleines Geheimnis sorgsambewahren unter rauschenden Bäumen am Kreuzweg, wo zuweilen Einer mit geruhigem ©innen verweilt und zurückdenkt au die Tage, da er jung war und alle, die er liebte, da sein Volk jung war — so wie der Knabe dort. — Sie scheinen zu hoffen, daß der üppig wuchernde Park feine grünen Wellen darüber hin wälzen werde und daß es bcnut nur ber erblicken werde, der es sucht. — Der Architekt wählte eine sehr einfache, antikisierende Form: ein paar Stufen, eilt paar Säulen; nach rückwärts, um der Figur Halt und Hintergrund zu geben, eine Pfeiler artige Mauer, in welche der Weihespruch eingelassen ist, darüber ein paar geschweifte, leicht ornamentierte Ruhebänke aus Sandstein: das ist alles. Der Architekt war sichtlich bemüht, klassizistische Formen in der Art anzuwenden, wie man es am ■ Ende des 18. Jahrhunderts liebte und sich zugleich mit der Gartenlandschaft und dem formalen Charakter der lebensgroßen Bildsäule in Einklang zu setzen. Die volle Wirkung wird aber erst eintreten, wenn das Ganze über und über von Schlinggewächsen überwuchert und die Helle Färbung des Sandsteines von den nachdunkelnden Ein- flüsseu der Witterung, von den grünen und grauen Tönen der Algen belebt sein wird. Nicht ohne „frommen Schauder" wird man dann in grüner Dämmerung vor den Genius treten, den dieses symbolische Gehäuse umschließt. Wurde es uns noch möglich sein, die Sprache der „Empfindsamkeit" zu sprechen mit der Pose jener Zeit, da Goethe und Merck in Darmstadt „mit einander jung waren", so würden wir vielleicht sagen, es sei eine „Ode an die Jugend", die da gesungen wird, die in dem Herzen des Künstlers leise erklang, als er diese Gestalt zuerst schaute und als er sie, das Geschaute vor Augen, schuf. Es ist etwas Hymnisches in dem Ganzen; wir begreifen wohl, warum diese Figur auf einen Unterbau aus edelstem Marmor gestellt wurde, der einem Altäre nicht unähnlich ist, und wir begreifen auch, warum mau die Bildnisse Goethes, Johann Heinrich Mercks und der Karoline Flachsland der Hauptfigur gewissermaßen nur als Zierate in Form bekränzter Medaillons unterordnete. Dem „Genius" ertönt der Lobgesaug, dem schöpferischen Geiste, der noch träumt, und seiner heiligen Kraft noch unbewußt, prangt in der Anmut seiner Jugend: nicht aber einzelnen Menschen! — und darum, weil er das erkannte und wollte, darum lächelte dem Künstler das Glück bei der Schöpfung dieses seines schönsten Werkes. Er ward dadurch frei von allen konventionellen Fesseln welche den Bildhauer sonst so oft zwingen, banal zu denken und banal zu gestalteu. Er sah sich weder gebunden an die pedantischen Forderungen „exakter" Goethe-Gelehrsamkeit, noch an die spießbürgerliche Porträt-Aehulichkeit, noch auch au allerlei kleine Spezialitäten des Lokalstolzes. Er war nicht gezwungen zu tausend überlebensgroßen Figuren in Schößen-Röcken und Schnallen-Schuhen bte tausendunderste hinzuzufugen zur „Befriedigung eines längst gefühlten Bedürfnisses" und es war ihm erlassen, die Musen und Grazien samt ihrem Tongeräte wiederum vom Parnaß zu holen, um mit ihnen an den Stufen und Sockel-Flanken in süßlichem Marmor die üblichen lebenden Bilder zu stellen. Kurz: so ist es gekommen, daß Darmstadt nicht ein „Goethe-Denkmal" hat wie jede beliebige andere Stadt — der erfahrene Frentde schenkt diesen Dutzend-Monumenten ja kaum noch einen flüchtigen Blick — "sondern einen kleinen Bezirk weihevoller Erinnerungen, gefaßt und geziert durch ein Werk eigener, heimatlicher Kunst. Das ist doch etwas, was man nicht überall und nicht alle Tage findet, und es hätte seinen besonderen Wert, auch wenn es künstlerisch nicht so geglückt wäre, wie es in der Tat der Fall ist. Wir haben in Deutschland nur ganz vereinzelte Bildwerke in Bronze, die neben oder gar über diesem Genius Habichs einen Rang behaupten können. Von der Reife, Sicherheit und prachü- 392 Sie dann gewinnt der Blick der aus a. Gebäck. 4. 's Redaktion: August Götz. - Notation«.ruck und 1! ctlcß der B r st b! 'schon llniversttätS-Buck.« und Ctciudruckerci tPietsch Erben) in Gießen, 5. 6. Vorname. Planet. b. Vorname. Kriechtier. Nahrungsmittel. Getreide. Nutztier. Gedankcnausdruck. lAustösung in nächster Nnmmer.l Auflösung des Logogriphs in vor. Nr. Krebs, Kreis, Krems. 3. Kopfbedeckung. Land in Asten. 1. Singvogel. 2.----- voll gefühlten „Fleischlichkeit" der Modellierung abgesehen, entzückt uns schon die köstliche Materialwirkung der Bronze Diese Figur, wie sie da steht, ist gar nicht anders zu denken, als in Erzguß; das gibt ihr eine Selbstverständlichkeit und Echthert, die nnan bei niodernen Skulpturen nur selben trifft. Die farbige Behandlung der Patina (künst- lrcher Edelrost) ist von erlesenein Geschmack. Sie ist so dunkel, daß sie bei düsterer Beleuchtung geradezu schwarz erscheillt, und dann gewinrit der Blick der ans Halb-Edelsteinen eingesetzten Augen etlvas Leiden- schastllches, etwas wie den glühendeit Ausdruck einer qe- fesselteir Ueberkraft, die bebt nach Betätigung, eines heißen Schmachtens nach Lust und Weh und jedem Ueberschwanq de» Lebens., Em Sonnenstrahl, ein wechselndes Licht, und Vorbei: der Jüngling steht wieder und träumt und erhebt mit anmutig-müder Geberde die Hand: seid stille! Hätte man, in konventionellem Vorurteil befangen, die Augen nicht mit Steinen, sondern nur durch die Modellier- unggegeben, so wäre die Wirkung ungleich geringer, wenn Nicht überhaupt der Kopf blind erschiene — wie bei so inan eher Bronze. Und auch darin ist man vom landes- Nblichen Denkmals-Schema stark abgewichen, daß man nicht einen hübschen, glatten „ewigen Jüngling" aufpflanzte, sondern daß man der Figur Kraft, Herbigkeit, ja Strenge aufpragte, durch welche sich ein Wachstum an ihr kund tut:, der zukünftige, vollerblühte, machtbewußte Mann, der Gömus, der fern Volk führen wird den fernen, großen Zielen zu, die ihm, dem Auserkorenen, in Gesichten offen- geworden smd. Wie bedeutungsvoll ist daher auch/die matt-goldene -otnbe tnt Haar des Knaben, die uns im Marmor wahrscheinlich nur als belanglose Verzierung er- sthemen würde, hier aber durch den Kontrast von dunklem Gelock und dämmerndem Glanz des Goldes — zu einem Zechen der göttlichen Kraft wird, welche über diesem Haupte schwebt gleich dem Adler des Zeus, bereit, sich ^^ubzulassen und dem Erwählten schöpferische Stärke ein» q lUjuiiujiCn! . Auch den Medaillons kommt diese kräftige, edle Wirkung der, Bronze sehr zu statten. Das des jungen Goethe an der Vorderseite ist nach einem wenig bekannten Schatten- s Entworfen, welcher sich noch im Besitze der Familie . Uneben hat für die Einzelheiten der Schadelbildung die berühmte, majestätische Totenmaske E,^'ches stilistische Anhaltspunkte geliefert. Hier ist ganz der Goethe des „Werther", des „Götz", des gewaltigen r'drometheus": leidenschaftlich, trotzig, überschwänglich und boch.,^udlich-zart und arglos und mit jenem Zuge zur Lelbstquälerei, der vielen bei Goethe so merkwürdig er» E'ut, und der doch der ergiebigste Quell seiner großen Lhrik geworden ist. — Mercks Profil (rechte Sockel-Wange) ist nut großer Bravour heransgeholt. Es gibt in einfachster Flächenabstufung die Physiognomik des rastlosen autzerordentlichen Mann durch alle Bezirke menschlichen Tuns und menschlicher Schicksale hindurch b der grillenkrauke" Zug fehlt nicht, von feinein Eckermann noch in späten Tagen so sr3 to/e sehr er zuweilen darunter n ^attev .den wir, die gerechtere Nachivelt, aber wohl begreifen bei einem Manne, der seinerzeit in vielem so sehr weit voraus war und dessen kühne Ideen nur SeÄra6" Verständnis fanden. - Karoline Flachsland ist, ßrv f einem guten, alten Porträt, heiter, qut- herzig, frisch und launig aufgefaßt. Man kann sich recht boitrSffltf' m.a! lS mit ihren beiden genialen Freunden voitiesslich auszukommen ivußte. drei, von den schmucken Rosen-Gewinden des Spät- Medaillons, sind in kluger Berechnung auf das Metall im ganzen breit behandelt, in einfacher Gesichtszüge, die weniger ein kleinlich ans- Mufteltes Portrat als eine von lebhaften Lichtern und Schatten umspielte, dem Metallcharakter gemäße gdjmu^ wa/'V"9 fs"strebt. Denn noch einmal: es ist ja kein Denk- ist ein?' Merck oder für Karoline, sondern es topffif uK ?cc Erinnerung, durch die Kunst geweiht und gewidmet den Maien-Tagen der zu einem neuen Leben erwachenden deutschen Seele 5 G f * Gemerntttttziges. ... . d^lcht zu kalt trinken! Zu kalte Geträuke in eryitzmm Zustande zu sich zu nehmen, namentlich an warmen ^ageu, das erzeugt außer Magenbeschwerden, wie Magenkatarrh, auch leicht tzalskatarrh und kann den Lungen gefährlich iverden. Kalte Getränke sind die Ursache daß es zur warmen Jahreszeit oft ebensoviel Husten und Ka- tarrhe gibt wie zur kalten. Nur bei sofortiger Erwärmung' nach dem Genuß smd die kalten Geträuke unschädlicher E» ist bei uns Manier geworden, das Bier so kalt wie möglich und stets vom Eis zu trinken. Es erfrischt zwar augenblicklich, die plötzliche Blutabkühlung geht aber auf Kosten der Gesundheit, des Magens und des .Halses, und das Warmeextrem ist ein umso größeres, je plötzlicher uud ie mehr man vorher eiskalt getrunken hat — daher das starke Schwitzen gerade nach reichlichem Genuß von kaltem Bier oder Wasser !Doch wann schmeckt das Bier nicht und Master noch viel weniger! Darum trinke man das Bier oder Wasser gaiiz langsam ilnd in kleinen Schlucken, man lasse auch Men Schluck vor dem Verschlucken einige Zeit im Mund. So bringt Der Stoff durch die Berührung der Geschmacksnerven die erwünschte Abkühlung, und er kommt nicht zu kalt in den Magen. Vermeidung der stets schädlichen plötzlichen Extreme gilt auch in dieser Beziehung! * Das Ausklopfen der Teppiche ist, so schreiben die Blätter für Gesundheitspflege, in den meisten Häusern Wiens verboten und wird dort von einer Gesellschaft b e so r g t, die sich nur W diesem Zwecke gebildet hat uud spätestens am Wend die des Morgens abgeholten Teppiche wieder abliefert. Die geringen Ausgaben, die dadurch entstehen, werden nach übereinstimmendem Urteil durch die rationelle Behandlung der Teppiche reichlich wieder eingebracht. Besonders in der wärmeren Jahreszeit dürfte dieser Wiener Geflogenheit manchem Bewohner anderer deutscher Städte als eine ä u ß e r st na ch a h m e n s- werte Einrichtung erscheinen. Doppelt ist es zu beklagen, daß in den Hof mit den Teppichen der Staub und verschiedenartiger Schmutz aus den Wohnungen des Hauses getragen wird. Das dröhnende Geräusch tönt bis zur obersten Etage und zwingt den, welcher der Ruhe bedarf, zum Schließen der Fenster und damit zum Ausharren in mehr oder weniger stickigem Raum. Außerdem ist aber der Hof auch sehr häufig der Spielplatz der Kinder, und da ich nach dem Klopfen der Schmutz der Teppiche auf den Boden senkt, auf welchem unmittelbar die Kinder ihre Spiele ausführen, so hat es zum mindesten eine große Wahrscheinlichkeit, daß ansteckende Krankheiten über den Weg des Hofes weiter verschleppt werden, da ja die Krankheitskeime mit den Teppichen auf den Hof gebracht werden und sich hier bei dem nur mangelhaft einfallenden direkten Sonnenlicht recht lange lebensfähig erhalten können. Es ist daher, eine dringende Forderung sowohl der Nächstenliebe als des Selbstschutzes, solche mißlichen Verhältnisse abzustellen und entweder überall das Wiener System anzunehmen, oder, was noch besser wäre, die Stelle zum Aus- klopfeu der Teppiche zu verlegen, und zwar vom Hofe auf das Dach. Die Arbeit für das Dienstpersonal bleibt dadurch die gleiche, nur daß die Bewohner der höheren Etagen dann die Erleichterung hätten, welcher sich heute die der unteren erfreuen; die starke Belichtung auf dem Dach würde außerdem aber am schnellsten und sichersten die etwa vorhandenen Krankheitserreger töten; das Klopfgeräusch würde verfliegen und nicht von den hohen Hofmauern widerhallen. Akroftichon. (Nachdruck verboten.) Es sind sechs Wörter zu suchen von der Bedeutung unter a; au$ jedem dieser Wörter ist durch Umstellung der Buchstciben ein anderes Wort zu bilden von der Bedentnng unter b. Sind die richtigen Wörter gefunden, so bezeichnen die Anfangsbuchstaben der Wörter unter b im Zusammenhang gelesen einen Zeitabschnitt.