Nr. 19. Mittwoch den 4. Februar. 1903 ÜB' ■arrtiirnii (Nachdruck verboten.) Eine verhängnisvolle Fahrt. Roman von B. M. Croker. Autorisierte Uebersetzung aus dem Englischen von Alwina Vischer. (Fortsetzung.) Terence begab sich nun wieder ins obere Stockiverk und klopfte ein zweitesmal au die Wohnzimmertüre. Mau- teeit öffnete ihm, hielt aber, ihn zur Stille ermahnend, den Finger an den Mund und flüsterte: „Sie ist eingeschlafen." „Tas ist gut", antwortete er ebenso leise. „Er reist ab und wird jedenfalls reinen Mund halten. Auch die Briefe habe ich", fügte er, ihr das Päckchen einhändigend, hinzu. „Sie sind wahrhaftig ein bewunderungswürdiger Mann. Frau O'Hara hat ganz recht, wenn sie sagt, daß jedermann sich Ihrem Willen unterordnen müsse. Tausend, tausend Tank!" „Ach, sprechen Sie doch davon nicht", erwiderte er mit einer leichten Bewegung der Ungeduld. „Sie schulden mir nichts, und ich hasse allen Tank. Legen Sie sich nun auch nieder, es wartet morgen noch viel Arbeit auf Sie. Frau O'Hara wird Ihnen das Frühstück heraufbringen, und die Pferde sind die besten in der ganzen Gemeinde — des Bischofs höchsteigenes Gespann", fügte er hinzu, und ein Lächeln huschte um seinen Mund. „Und was wollen Sie tun?" „Ich reite über das Gebirge zurück und werde noch vor Ihnen in Ballybay ankommen, um nach wie vor der Kutscher Terence zu sein." Mit tiefem Ernst sah sie ihn an, und in ihren schönen Augen glänzte es feucht, als sie ihm schweigend die Hand entgegenhielt. Er nahm sie in die seinige, drückte sie einen Augenblick, ließ sie dann aber ebenso rasch wieder los und war verschwunden. Pünktlich um sechs Uhr traten die beiden Tamen am nächsten Morgen ihre fünfundvierzig Meilen weite Fahrt an. Nur einmal wurde eine Pause gemacht, um die sich vortrefflich bewährenden Pferde zu füttern. Voll gespannter Erwartung, die Uhr in der Hand, saß Maureen da, während ihre Schwester sanft schlummerte. (Es war wunderbar, mit welcher Leichtigkeit Nita ihre Sorgen stets auf anderer Leute Schullern zu wälzen verstand!) Nachdem die Reisenden den Gipfel des letzten Hügels erreicht und nun den Blick auf Ballybah vor sich hatten, bemerkte Maureen ein eilig heransegelndes Schiff. Tas konnte nur Gre- ville sein, der etwas früher ankam, als er gedacht hatte. Voll Sorge folgten Maureens Augen dem Segel. Ach, wie schnell — einem Vogel gleich — es über die Wellen dahin- flog! In ihrer Angst öffnete sie schließlich das Fenster neben sich und sagte zu dem Kutscher: „Sehen Sie dort das Boot mit dem braunen Segel, das auf Ballybay zusteuert?" „Natürlich, Fräulein." „Ich möchte so gerne vor ihm ankommen, und wären es auch nur zwei Minuten." „Tas wird wohl nicht gut möglich sein, denn sie sind höchstens noch zwei Meilen entfernt und wir vier, und dann haben wir doch auch schon eine lange Fahrt hinter uns." „Ich möchte natürlich nicht, daß die Pferde gequält würden, allein wir sollten durchaus das Schiff überholen, es handelt sich fast um Leben und Tod. Zehn Pfund sollen Sie haben, wenn wir als Ecste ankommen. Bedenken Sie doch nur, es geht ja bergab." Tas war allerdings der Fall, auch konnte die Straße nicht schlecht genannt werden, obwohl sie eine Menge Biegungen machte. Ter Kutscher tat sein Möglichstes im An-, feuern der ermüdeten Pferde, sodaß sie in wahrhaft hals-, brecherischem Tempo den sanften Abhang hinuntersausten. Heftig schwankte das Geführt von einer Seite zur andern. Nita aber schlief friedlich weiter wie ein Kind, während Maureen mit angestrengten Augen und hochklopfendem Herzen das Schiff beobachtete. Als sie jedoch noch etwa! zwei Meilen von Ballybay entfernt waren, sah sie, daß das braune Segel immer mehr Vorsprung gewann, sich mit beängstigender Schnelligkeit dem Ufer näherte und schließlich landete. — Tas Schiff hatte also gewonnen. 23. Kapitel. Am falschen Ende angefaßt. Nachdem das Schiff nun doch einmal den Sieg davon- aetragen hatte, fuhr der Wagen auf Maureens Befehl langsamer und langte in ruhigem Trabe vor dem Hotel an. Sir Greville und Mrs. Duckitt waren inzwischen gelandet und aufs stürmischste begrüßt worden, wobei die kleine Frau mit großer Lebhaftigkeit erzählte, daß sie bei einer der sechshundertundzwanzig Stufen, die in die Felsen der großen Skelligs gehauen sind, den Knöchel verrenkt und sich nicht habe von der Stelle rühren können, und wie Sir Greville ihr so freundlich beigestanden und sie glücklich zurückgebracht habe. Während sie, auf ihren Stock gestützt, weiter plaudernd davonhinkte, schaute sich ihr Gefährte vergebens nach seinen Angehörigen um, und begab sich dann in das allgemeine Wohnzimmer. Es war leer. Erstaunt lief er die Treppe hinauf, fand aber die Türe zum Zimmer seiner Frau verschlossen. Er rief — keine Antwort. Nun eilte er in Maureens Zimmer —i auch das war teer, das Bett unberührt. Was bedeutete das nur? Auf dem Gang traf er mit Mr. Foulcher zusammen, der ihn mit einer wahren Leichenbittermiene begrüßte und mit sich in sein eigenes Zimmer zog. „Es thut mir wirklich leid, mein armer Freund", begann er, „ich dachte, es sei am besten, ich teile Ihnen die Sache auf gelinde Weise und als Erster mit." 74 „Was denn mit teilen ?"" fragte Sir Greville heftig. „Ich glaube nicht, daß die Leute schon etwas davon wissen. — Sie sind ja eine solch beliebte Persönlichkeit. Tie Sache wurde ganz im Stillen ausgeführt." „Im Stillen? So sprechen Sie doch endlich!" brüllte ihn Sir Greville an, dessen Selbstbeherrschung von der ihn erfüllenden Angst vollständig überwältigt wurde. „Heraus mit der Sprache, anstatt wie die Katze um den heißen Brei herumzugehen." „Es hieß, Ihre Frau liege seit gestern an heftigem Kopfweh zu Bett." „Wo ist sie?" schrie er so laut, daß Lizzie, die gerade vorüberging, lauschend stehen blieb. „Fortgegaugeu nach Shule, um ihre Schwester einzu- fangeu, die mit dem schönen Kutscher davongelaufen ist." — „Großer Gott, da kommen sie ja eben zurück", rief er, indem er seine ganze Aufmerksamkeit aus zwei dampfende Pferde und einen geschlossenen Wagen richtete, aus dem zuerst Maureen int Reitkleid und dann seine auffallend verstört und elend aussehende Frau herausstiegen. Dumpfe Wut erfüllte ihn; sein Gesicht war todesblaß. Maureen, die noch ein paar Worte nut dem Kutscher wechselte, machte ihm ein flüchtiges Begrüßungszeichen, Sir Greville aber beantwortete es nur mit einem wild drohenden Blick, während er seine Gattin mit dem Ausdruck liebevollster Sorgfalt empfing, sanft ihr Hand nahm und die Wankende in ihr Zimmer hinaufführte, wo sie sich sogleich in einen Lehnstuhl fallen ließ und in ein krampfhaftes Weinen ausbrach. Noch hatte Maureen ihrerseits kaum das Zimmer betreten, so donnerte er sie mit vor Leidenschaft bebender Stimme an: „Nun 6in ich, weiß Gott, neugierig, was Du zu Deiner Entschuldigung vorzubringen hast. Du schamloses Mädchen! Da sieh nur, in was für einen Zustand Deine arme Schwester durch Dein infames Davonlaufen gebracht hast!" „Berühige Dich, mein süßer Schatz"", sagte er liebevoll zu Nita, „nun ist alles gut, ich bin ja hier. Weine nicht so sehr, hier hast Du Dein Riechfläschchen. Ich will gleich etwas Champagner kommen lassen."" — Daun wandte er sich wieder in verändertem Ton zu Maureen: „Wie kannst Du es überhaupt wagen. Dich noch vor mir blicken zu lassen, ohne vor Scham zu vergehen! Wenn ich je einem Mädchen traute, so war es Maureen D'Wrcy. Du aber hast mehr als gemein gehandelt, indem Du meine Abwesenheit — meine unfreiwillige Abwesenheit dazu benütztest. Deine arme, vertrauensselige Schwester zu überlisten und mit jenem Schurken davonzulaufen."" „Was für einen Schurken?" „Dem Kutscher, natürlich, der sich aus den großen Herrn zu spielen erfrecht. Leugne nur nicht, Mr. Foulcher fufy alles und gab mir einen Wink — für den ich ihn zum Dank auch noch gröblich beleidigte. Er versicherte mir, daß Du dem Kerl Brieschen schriebst, unb Zusammenkünfte mit ihm hattest. Und Du scheinst gar nicht einmal zu begreifen, was Du tatest. Bei Gott, nun werde ich aber auch ganz gewiß nie, niemals mehr einem Mädchen trauen!"" Todesblaß und zitternd, aber ohne einen Laut von sich zu geben, hatte Maureen während dieser ganzen Zeit dagestanden; nur Lady Fanshaw es langgezogeue Seufzer und Sir Grevilles zornerregte Stimme waren zu hören. Plötzlich wandte sich Maureen um und griff hastig nach dem hinter ihr liegenden Briefe. Allein auch Greville hatte das Schreiben und dessen Ueberschrift bemerkt und wollte es ebenfalls an sich reißen, aber sie war flinker als er, und ehe er es hindern konnte, hatte sie es in vier Stücke zerrissen und fest in ihrer Hand zerknüllt. „Der Bries war an mich gerichtet, das ist ein Diebstahl." „Er war trotzdem nicht für Dich bestimmt." „Wahrscheinlich Dein Abschiedsbrief, der nun, da man Dich eingefangen und zurückgebracht hat, null und nichtig geworden ist. Wie viel hast Du meiner armen, tapferen kleinen Frau, die an solche Muftegungen und anstrengende Fahrten so gar nicht gewöhnt ist, zu verdanken! Wenn Du übrigens durchaus mit jemand durchgehen wolltest, so hättest Du Dir wenigstens einen Mann Deines Standes dazu aussuchen können. Daß „Er" schmerzlich enttäuscht sein wird, kann ich mir denken, denn um die reiche Erbin ist er jetzt, gekommen."" „Nicht weiter, Greville!" tief das bis zum äußersten gereizte Mädchen, „Du weißt nicht, wgs Du tust; Du schwatzest wie ein altes Weib und sagst mir Dinge, die Du noch bereuen wirst. Du tätest wahrhaftig besser daran. Dich um Nita zu kümmern, die sehr müde und ruhebedürftig ist."" Damit verließ sie das Zimmer, ein Viertel des Briefes, das ihr aus der Hand geglitten war, aus dem Teppich zurücklassend. Mm Treppenabsatz begegnete ihr Mrs." Duckitt, die, sonnenverbrannter denn je, auf einen Stock gestützt, daherhumpelte und ihre Freundin mit Fragen und mit Erzählungen Über ihren unfreiwilligen Aufenthalt auf den Skelligs und die Schmerzen, die sie dort an ihrem Fuße ausgestanden habe, überschüttete. „Ich werde morgen mit der Frühpost abreisen"", schloß sie ihren Bericht, „vorher aber müssen wir wirklich noch ein behagliches Plauderstündchen zusammen haben. Ter alte Foulcher lauft mit einer solch wichtigen Miene herum und tut als wijse er Wunder was für geheimnisvolle Dinge über Sie."" „Ich rate Ihnen, nur die Hälfte von dem zu glauben, was Sie sehen, und gar nichts von dem, was Sie hören"", erwiderte Maureen, sich in ihr Zimmer flüchtend. Ach, welche Erlösung, sich endlich einschließen, die Kleider abwerfen, ein kaltes Bad nehmen, die Fenster schließen und sich niederlegen zu können! Vierundzwanzig Stunden, welche kurze Spanne Zeit! Und doch war es Maureen, als habe sie inzwischen um ebenso viele Jahre gealtert. Und wie würde noch alles enden? Natürlich mutz sie auch ferner alle Schuld auf sich nehmen, denn wenn Greville behauptete, datz sie, ein Mädchen, durch eine solche Flucht für immer entehrt sei, was würde er erst tun, wenn er erführe, daß seine vergötterte Nita die Schuldige war? lieber all das nachdenkend, verfiel sie endlich in festen Schlaf. Ms Maureen gegen fünf Uhr endlich wieder erwachte, erfuhr sie, daß Lady Fanshawe mit entsetzlichen Kopfschmerzen zu Bett liege, und Sir Greville an den Straiid gegangen sei. Sie zog ein hübsches Sommerkleid an, trank eine Tasse Tee und ging bann in den Garten hinunter, um die frische Seeluft zu genießen. Ms sie längs der Tennisplätze hinschlenderte, gewahrte sie Lost. Ach, wenn sie doch seinen Herrn sehen unb sprechen könnte! Richtig, da war er ja ganz in der Mhe. Sie faßte den Hund am Halsband, der sich nun so heftig wehrte und bellte und wand, daß sich fein Herr umdrehte, auf Maureen zukam unb auf der anoern Seite des Gitters neben ihr stehen blieb. Es fiel ihm auf, wie blaß sie war, und wie düster unb ängstlich ihre Augen blickten. „Kamen Sie zur rechten Zeit an?" fragte er ohne weitere Einleitung. „Ja unb nein. Wir erreichten Ballybah zwar zwanzig Minuten später als das Schiff, obwohl wir die letzte Zeit fast immer in gestrecktem Galopp zurücklegten. Den Brief aber konnte ich an mich nehmen unb zerreißen."" „Das ist ja sehr gut. Sir Greville ahnt also nichts?" „Nichts, so weit es Nita angeht, aber auf mich ist er wütend. Ach, ich kann Ihnen ja das alles kaum sagen, und doch muß es fein — und zwar sogleich"", fuhr sie, sich ängstlich umschauend fort. „Ich muß die günftige Gelegenheit benützen — halbe Maßregeln haben keinen Mert. — Sie müssen mir Helsen."" Röte und Blässe wechselten auf ihrem Gesicht, ein flüchtiger Blick flog zu ihm hinüber, sie konnte sich jedoch nicht gleich zum Weiterreden entschließen. „Natürlich werde ich Ihnen helfen. Was soll ich tüTt „Gestatten —Sie hielt inne, „gestatten"", wiederholte sie, ,chaß Greville auch fernerhin auf dem Glauben bleibt, datz — daß —" —- „Gewiß, gewiß, so weck es mich betrifft, mag er denken, was er will. Auf was für einem Glauben soll er denn bleiben?"" „Daß ich diejenige fei, die durchgegangen ist."" „Wie, mit Lovell?" „Nein"", stammelte sie leise und mühsam mit krampfhaft an den Hals gepreßten Fingern, „mit — mit Ihnen." (Fortsetzung folgt.) 16 Tag und Nacht auf der Bühne. Von Fred Hood. (Nachdruck verboten.) Tie naturgetreue Darstellung der verschiedenen Tagesstimmungen gehört zu den schwierigsten Ausgaben der Bühnentechnik. Tann es handelt sich natürlich nicht nur darum, die Vorgänge des Tages in helles Licht, diejenigen der Nacht in tiefes Dunkel zu tauchen, sondern die feinen Abstufungen schaffen, welche jeder Tageszeit, also dem Stand der Gestrrne, entsprechen. Namentlich die feinen Uebergänge in der Beleuchtung der Szene bei Sonnenaus- und Sonnenuntergang, beim Hervortreten des Bundes aus den Wolken usw. bieten dem Beleuchtungstechniker eine ejwierige, aber auch äußerst interessante Ausgabe. Tie bend- und Tagesbeleuchtung im Freien ist natürlich auch wesentlich verschieden von derjenigen im geschlossenen Raum; und ein herausziehender Sturm oder am Himmel aufleuchtende Blitze werden natürlich Intensität und Färbung des Lichtes wesentlich beeinflussen. Tie Beleuchtung zur Frühlingszeit unterscheidet sich wesentlich von derjenigen des Herbstes, die Tagesstimmung während des Commers verlangt eine ganz andere Beleuchtung, als diejenige der Winterzeit. Alle diese Tinge muß der Beleuchtungstechniker der Bühne berücksichtigen, wenn er der Natur nahe kommen, wenn er die Illusion nicht vollkommen vernichten will. Tie Beleuchtung muß aber auch in vollkommener Uebereinstimmung zu den Tekorationen und in engster Beziehung zur Darstellung stehen. Wenn ein Sänger jubelnd das Tagesgestirn begrüßt, so darf die Szene nicht in ein Halbdunkel gehüllt bleiben, und wenn der Darsteller sich an den guten Mond wendeft so muß dieser auch dem Publikum sichtbar sein. Verschwindet der Mond hinter den Wolken, so muß die Bühne sich in demselben Moment verdunkeln, nicht etwa einige Minuten später, wenn der Mond bereits wieder aus den Wolken hervortritt. Derartige Versehen, welche zum Lachen reizen und unter Umständen einen ganzen Theaterabend gefährden können, kommen bisweilen selbst an den größten Bühnen vor. Won einer natürlichen Darstellung der Tageszeiten auf der Bühne kann überhaupt erst seit Einführung des elektrischen Lichtes die Rede sein, welches sich als außerordentlich modulationsfähig erwiesen hat. Tenn um ihren mannigfachen Aufgaben gerecht zu werden, muß die Beleuchtungsanlage einer Bühne einen beständigen Wechsel in der Stärke und Färbung des Lichtes wie auch eine beliebige Verteilung und Anordnung der Beleuchtungskörper gestatten. Tie elektrischen Glühlampen besitzen nun den .Vorzug großer Feuersicherheit, sodaß man sie ohne Gefahr selbst an leicht entzündlichen Dekorationsstücken anzubringen vermag. Auch lassen sich diese leicht transportablen Lampen, je nach Erfordern, zu größeren oder kleineren Gruppen vereinigen. Endlich gestattet die Elektrizität, die Intensität des Lichtes durch Einschalten von Widerständen gradweise zu verringern, und zwar bei Anschluß jeder Lampengruppe an einen besonderen Stromkreis ohne Beeinflussung der anderen Beleuchtungskörper. Man bezeichnet die Lampen der Bühnenbeleuchtung, je nach ihrer Anordnung, als Rampen-, Soffiten-, Kulissen-, Versatz- und Effekkbeleuchtung. Man unterscheidet bei der elektrischen Bühnenbeleuchtung, heute ein Einlampen- und ein Bierlampensystem. Beim Einlampenshstem, welches durch Lautenschläger eingeführt wurde, kommen für alle Beleuchtungskörper nur Lampen mit weißen Glasbirnen zur Verwendung, und das Licht wird jedesmal in geeigneter Weise durch Anwendung farbiger Glasschirme gefärbt. Beim Vierlampensystem, dessen geistiger Urheber Inspektor Brandt vom Königlichen Opernhause in Berlin ist, und welches heute fast an den meisten größeren deutschen und österreichischen Bühnen Anwendung findet, enthält jeder Beleuchtungskörper Glühbirnen in weißer, roter, grüner und gelber Farbe, welche in regelrechter Anordnung wiederkehren. Besteht also z. B. ein Beleuchtungskörper aus 16 Lampen, so sind vier Lampen von jeder Farbenklasse vorhanden, während der kleinste BeleuchtungÄörper je eine Glühbirne der vier Farbenklassen enthalten muß. Manche Bühnen verfügen allerdings nur über ein Treilampensystem; es fehlt dann die minder wichtige gelbe Farbe. Es käme nun natürlich die absonderlichste Beleuchtung der Szene zustande, wenn dieselbe nicht von einer Zentralstelle aus bewirkt würde. Ein einziger, mit der Aufgabe besonders vertrauter Mann muß die ganze Regulierung des Bühnenlichtes in der Hand haben. Derselbe sitzt vor einem sogenannten Bühnenlichtregulator, mit dessen Hilfe er sämtliche Lampengruppen beliebig ein- oder ausschalten bezw. regulieren kann. Bei Stimmungsübergängen läßt er die Lampen zweier Farbenklassen gleichzeitig erglühen, und während die Intensität einer Farbe mehr und mehr abnimmt, wird die Intensität der anderen Farbenklasse mehr und mehr gesteigert. Einige Beispiele mögen nun zeigen, wie man mit diesen Mitteln alle erdenklichen Tagesstimmungen erzeugen kann. Der Tag bricht an; bei Beginn der Morgendämmerung durchzucken grüne Strahlen die Dunkelheit der Nacht. Die Strahlen verschwinden und es tritt an ihre Stelle zunächst rotes Licht, dann, mit zunehmender Lichtfülle, in natürlicher Folge gelbes und weißes Licht. Ter Zuschauer, dem die technischen Mittel nicht bekannt sind, und der infolge seines Interesses für den Fortgang der Handlung die Szenerie nur mit halbem Auge betrachtet, empfindet gleichsam nur das Steigen des Tagesgestirns, bis es in seiner ganzen glühenden Pracht am Firmament erschienen ist. Tie Entwicklung geht natürlich weit schneller vor sich als in der Natur; aber das bemerkt das Theaterpublrkum nicht, weil auch die Handlungen weit schneller als in Wahrheit fortschreiten. Wissen wir doch, daß die Vorgänge eines ganzen Tages auf der Bühne oft auf eine knappe Stunde, die Ereignisse vieler Jahre auf einen einzigen Theaterabend zusammengedrängt werden. — Beim Sonnenuntergang geht der Stimmungswechsel etwas langsamer von statten, und zwar unter Anwendung derselben Farben, jedoch in umgekehrter Reihenfolge. Man sieht also, daß die Lichterscheinungen, welche wir gegen morgen und abend wahrnehmen, mit verhältnismäßig bescheidenen Mitteln dargestellt werden, und künstlerisch empfindende Naturen werden auch mit Recht einwenden können, daß man in dem Bestreben nach wahrheitsgetreuer Darstellung weitergehen könnte. In der Tat fehlt es- dem Beleuchtungstechniker auch nicht an geeigneten Mitteln, der Natur näher zu kommenn. So wird z.B. das Blau der atmosphärischen Luft, welches im Grunde im Bühnenbilde eine ebenso große Rolle spielt wie auf den Gemälden, durch Tampfw-olken erzeugt, aus welche man blaues Licht reflektiert. In derselben Weise vermag man den aufsteigenden Nebel zu erzeugen, nur wird man dann entsprechend mit der Färbung des Lichtes wechseln müssen. Tie Szenerie muß, wie ich schon betont habe, mit den Beleuchtungsmitteln im Einklang stehen, um eine gewisse Stimmung zu erzeugen. In dieser Hinsicht ist es bemerkenswert, daß die früheren Hauptdekorationsmittel, Prospekte und Kulissen, bei allen größeren Theatern jetzt hauptsächlich nur noch zur Darstellung geschlossener Räume dienen, während für alle „im Freien" spielende Szenen ein sogenannt-, r „Horizont" verwendet wird, der die Bühne hufeisenförmig umspannt. Diese Leinwand reicht aber nur soweit herab, daß der Verkehr des Bühnenpersonals in keiner Weise eingeschränkt wird. In eütiger Entfernung von dieser Leinwand werden zur Deckung der freien Oeffnung einige „Versatzstücke^", wie Felsen, Bäume, Häuserfronten und dergleichen angeordnet. Während Kulissen und Prospekte die Szene eng umgrenzen und nur die Darstellung eines verhältnismäßig beschränkten Raumes ermöglichen, gestattet ein gut gemalter Horizont, ähnlich wie in einem Panorama, dem Publikum den Ausblick nach allen Seiten. So ist z. B. eine ca. 60 Meter lange Leinwand im Stadttheater zu Halle mit den verschiedensten Luftströmungen bemalt und als „Rolle ohne Ende"" hergestellt, sodaß bei offener Szene durch Verschieb, n der Leinwand ganz naturgetreu ein Witterungs- oder Stimmungswechsel erzeugt werden kann. Tie Handlung verlangt es sehr häufig, daß nicht nur die Lichtwirkung des Tagesgestirns erzeugt, sondern auch die auf- und uutergehende Sonne direkt zur Erscheinung gebracht werde. Zu diesem Zwecke bedient man sich wandelnder Dekorationen, 'aus denen das Gestirn alft rote Scheibe erscheint. Diese künstliche Sonne mutz nun scheinbar bas' Licht der Bühne erzeugen, obwohl sie tatsächlich in vielen Fällen überhaupt kein Licht spendet, sondern vielmehr noch selbst belichtet wird. Ties ist stets der Fall, wenn die Sonne nur auf die Dekoration gemalt ist. Tenn da die gemalte Sonne überhaupt nicht leuchtend wirkt, so wird sie, wie in den Panoramen, durch eine elektrische Reflektorlampe beleuchtet, welche ihr Licht auf die rote Sonnenscheibe 76 recht zu werden. Literarisches. Das soeben erschienene Februarheft von Velhagen & Klasings Monatsheften steht zum Teil unter dein Zeichen der heiteren Karnevalszeit: Josef Lauff, der Wiesbadener Dichter, selbst ein Kölner Kind, trug einen brillanten Artikel über den Kölner Karneval bei; ein zweiter Artikel handelt von der Tanzkunst am Hofe Kaiser Wilhelms II. Beide Artikel sind ebenso originell wie reizvoll illustriert. Das vielseitige Heft bringt Blitz am Horizont selbst sichtbar werden, so bedrent man sich des „Skioptikons", eines nach Art der Laterna magica konstruierten Apparates, vermittelst dessen die Zeichnung verschiedenartig gestalteter Blitzstreifen abwechselnd au einen Prospekt aus dünnem Gewebe geworfen wird. Eine möglichst naturgetreue Darstellung der Tages- und Nachtstimmungen ist aber natürlich von weit größerem Einflüsse auf die Bühnenwirkung als schnell vorübergehende Witterungserscheinungen. Tenn da die Tages- und Nachtstimmung ganze Szenen oder Akte überdauert, so wird der Zuschauer Mängel derselben leichter erkennen und seine Illusion dadurch beeinträchtigt werden. So wird der Beleuchtungstechniker der Lösung dieser Aufgabe, welche jeden Abend an ihn herantritt, eine ganz besondere Sorgfalt zuwenden müssen, um den gesteigerten Ansprüchen des Publikums an naturwahre Darstellung mehr und mehr ge- wicft. Wiele Bühnentechniker glauben, der Natur näher zu kommen, indem sie in die Wandeldekoration eine elektrische Bogenlampe mit entsprechend gefärbter Scheibe einfügen. Die Sonne erfreut sich aber bei den Bühnenleitern ttn allgemeinen nur geringer Beliebtheit, da man sich in der Regel mit einer gemalten Sonne begnügt, wahrend Mond und Sterne möglichst naturgetreu dargestellt werden. Tre Worliebe für Mond und Sterne, den guten Hirten, der auf grüner Aue die Schäfchen weidet, ist dichterische Tradrtwn. Ter Mond wird zum Zeugen unzähliger Liebesschwüre, zum Zeugen ernster oder tragischer Handlungen angerufen; er spielt gleichsam eine der dankbarsten Rollen und besitzt den schätzenswerten Vorzug, weder Gage noch Spielhonorar zu fordern. Jeder junge Dramatiker, der in irgend erner Szene den Mond aufgehen läßt, hat sicher bei dem Theaterdirektor schon einen guten Stein im Brett. Ter Bühnenmond ist ein kreisrunder Blechkasten von etwa 30 Centimeterm Durchmesser, der an der Srchtfläche mit einer gewölbten Glasscheibe versehen ist und etmge strahlenförmig um den Mittelpunkt angeordnete Glühlampen enthält. Wird eine Bewegung des Mondkastens erforderlich, so kann man sich zu diesem Zwecke der auf jeder Bühne vorhandenen Flugvorrichtung oder auch der Wandeldekorationen bedienen. Sterne erzeugt man durch einige hinter durchlöcherten Kulissen und Prospekten an- geordnete Lampen, doch können auch Appparate ähnlich denen des Mvndkastens Verwendung finden; nur besteht dann die Sichtfläche nicht aus einer Glasscheibe, sondern aus einer mehrfach durchbohrten Papp- oder Blechwand. Diese Vorrichtungen dienen aber selbstverständlich nur zur Darstellung der betreffenden Himmelskörper, zur Belichtung der Szene genügen sie nicht; diese mutz vorzüglich durch dtü unsichtbaren Lampen der Soffitten-, Kulissen- und Versatzbeleuchtung erfolgen. _ , , .. Sobald der Mond aufgegangen, erschemt bte Bühne in grünes Licht getaucht, das erst mit Beginn des Morgen^ grauens anderen Farbentönen weicht. Dieses grün schim- mernde Licht entspricht aber nur den heiteren Nächten; ziehen Stürme herauf, so wird die Szene mit mattweißem Licht und bisweilen von zuckenden Blitzen grell beleuchtet, sofern es die dramatischen Vorgänge verlangen. Blitzlicht vermag man durch das plötzliche Aufleuchten einzelner Lampengruppen zu bewirken. Tre Darstellung des Gewitters auf der Buhne gehört im Grunde nicht in den Rahmen meines Aufsatzes; ich möchte nur noch bemerken, daß man sich zur Erzeugung einer sehr lebhaften Blitzerscheinung eines einfachen Metallstabes und einer großen Feile bedient, welche die beiden Pole einer elektrischen Leitung bilden. Streicht man mit dem Metattstab über die rauhe Fläche der Feile, so wird in schnellem Wechsel der Strom geschlossen und wieder geöffnet, wodurch die Lichterscheinung zuckender Blitze hervorgerufen wird. Soll der zackige Blitz am Horizont selbst, sichtbar werden, so bedient man ferner einen Aufsatz über Wild rin der nach der großen, einzigartigen Kollektion des Berliner Zoologischen Gartens, die auch die Vorlagen der trefflich im Farbendruck wiedergegebenen Abbildungen lieferte. Professor Ludwig Pietsch, der Altmeister der Berliner Kunstkritik, erzählt eine Erinnerungen an das literarische und !ünstlerische Berlin vor 60 Jahren; Max Grube ilaudert vergnüglich von der Tücke der Bühnen- Iteauisiten. Das Heft enthält ferner die Fortsetzung des Münchener Romans „Das offene Fenster" von Otto Frhr. v. d. Pfordten, den Beginn eines neuen Romans „Stumme Musikanten" von L. Gl eß und eine abgeschlossene feine Erzählung „Ein Wredersehen von K a r l B u s s e. Wie stets schließen B ü ch e r b e s p r e ch - ungett von Heinrich Hart und eine rerch illustrierte Rundschau auf kunstgewerblichem Gebiete das schöne Heft ab, das mit zahlreichen Kunstdrucken nach Gemälden von Max Liebermann, L. Balestrieri, Alb. Flamm, Ottilie Roderstein, E. Rosenstand rc. geschmückt ist. Worpsweder Stimmungen.*) Ueber rotes Heideglüh'n Durch das Dunkel hoher Föhren Streif ich in ein grünes Land: Unter abendgrauen Flören Ruht es dämmernd ausgespannt. Lausche nun, du Flurengrün, — Meine Sehnsucht sollst du hören! Lausche nun, weltabgewandt! Träumen will ich nun den Mai! Brausend durch die braune Weite Küßt er alle Bäche blau. Birken auf des Users Seite Spiegeln ihre grüne Schau. Und ich wand're froh vorbei, Wunderfarben im Geleite, Und das Herz trinkt ihren Tau. Einsam aus dem Jriedensland Wellt ein laubumgrünter Hügel Und ein stilles Kirchlein winkt. Weißgestreckte Wolkenzüge! Lenkt der Lenzwind blauumblinkt. Auf den Hügel hingebannt, Wachsen meiner Sehnsucht Flügel, Flügel, wie der Lenz sie schwingt. Schwingend durch die blauen Höhn Müssen nun die Träume siegen, Die nach Schönheit niederglüh'n. Bauernhöfe, schmuck verschwiegen. Lugen rot aus dichtem Grün. Glockenfromm klingt ein Getön: Meine Kirche seh' ich liegen. Wo umbuschte Gärten blüh'». Himmelsseide, maienmild, Birkenlichtes Laubgequille, Das auf kleine Jütten sieht, — Maienfrische fühlt der Wille, —• Welt, hier bist du lote ein Lied! Meiner Freude Klingen schwillt; Meine Sehnsucht ist die Sülle, Die auf weißen Pfaden zieht. *) Aus: Worpsweder Stimmungen von Franz Diederich. (Leipzig, Meyer & Wunder.) Sinnrätsel. (Nachdruck verboten.) Mit einem Witze bleib' mir ferne; Mir einem Schuß Helf' ich dir gerne; Mit einer Wand suchst du zu trügen, Mit etnem Tritte dich zu fügen;-. Mit Schlägen willst du was erreichen, Mit einem Satz der Reue Zeichen. Auflösung in nächster Nummer.) Auflösung des Bilderrätsels in vor. Nr.r Kentaurenkampf. Redaktron: Curt Plato. - Notatioukdruck und «.-erlag der Briihl'schen Universitäts-Luch, und Steiudruckerei lPietsch Erbeut in ®te6cn.