1903 MU mwFö er - »W5d '""f, Kl tiSäwre Montag den 3. Novemöe^ oAo ^ßenevWnAev^ 5 Irl^cÜ^blaltM MeßeMk-Altzelger (fcmt-^t^r). j J (Nachdnrck verboten.) | M UHmShcheii m her BrckMt. -Von B- W- Ko w ard. (Fortsetzung.) Man konnte aber auch nichts Bezauberndes sehen als das Köpfchen, das sich jetzt in großer Verwirrung vor ihm senkte. Noch warm und Zeucht von der Kappe lagen die kurzen Haare, in weichen glänzenden Ringeln wie die eines kleinen Kindes, fest an den Kopf gedrückt. „Nun, das muß ich gestehen!" rief Hamor laut auflachend; in Guenns Augen stahlen sich ein paar heiße Tränen der Scham. „Nein, nein, id) will nicht lachen", tröstete der Maler gutmütig, „es sieht ja auch so ganz hübsch aus, Guenn. Mas ist Dir aber nur eingefallen, solch einen dummen Streich zu begehen?" Er sprach so gütig zu ihr, daß Guenn die Fassung wieder gewann und zu antworten vermochte. „Ich brauchte Geld", brachte sie stockend hervor. 1 „Aber wozu denn?" „Für das Neviner Gnadenfest", erwiderte sie inechanisch mit seltsam umschleierter Stimme. „Gerechter Himmel, deshalb?" rief der junge Mann überrascht. „Nun Guenn, ich will Dir keine Vorwürfe machen." Er kam sich sehr großmütig vor, da er ihr Haar gerade jetzt hätte brauchen können. „Es geht natürlich niemand etwas an. Jetzt geh' nur und schaffe mir so schnell wie möglich ein Mädchen herbei, mit recht langem glänzend braunem Haar, so wie Deines war; lang aufgeschossen muß sie sein, wie es zu dem Haar paßt. Du bist zwar nicht lang, aber Deine Umrisse machen den Eindruck 'c= weißt Du jemand?" „Ich glaube wohl", entgegnete sie hastig, ihr Häubchen wieder aufstülpend und wandte sich- zum Gehen. „Guenn!" rief ihr Hamor nach, in einer seiner Anwandlungen von Liebenswürdigkeit, „Du nimmst mir doch nicht übel, daß ich vorhin gelacht habe? Du sahst wirklich wie ein Wickelkind aus, es war zu komisch, Du bist mir deshalb nicht böse, nicht wahr?" „Oh nein, Monsieur", sie machte einen schwachen Versuch zu lächeln. „Uebrigens, wenn Du mir jemand auf etwa eine Stunde schickst, brauche ich Dich heute nicht mehr. Ich arbeite bis zum Dunkelwerden unten an der Landspitze. Komm also erst morgen, zur gewöhnlichen Zeit." „Ja", flüsterte Guenn, dann ging sie, um ein Mädchen zu suchen mit ebenso langem Haar, wie ihres früher gewesen war. Es schien ihr, als ob Monsieur Hamors Lachen vorhin ihr nicht so weh getan haben würde, wenn er nicht damals beim Tanzen den Kopf ab gewendet hätte. >,Lenas. Haar ist lang und braun; sie hatte immer das längstes außer mir. <Äe wird nicht kommen wollen, aber ich toerbe^ sie schon überreden. Es ist ja ganz natürlich- daß ev- eine andere verlangt, wenn ich nicht mehr habe, was eü; braucht", setzte sie mit einer für ein Weib großartiger^ Freiheit des Urteils hinzu, „aber ach; mein Haar, meitN; schönes, langes Haar! Hätte ich nur wissen können, daK er es brauchen würde!" Seufzend suchte sie Lena auf. / „Tie Weiber sind doch alle gleiche", bemerkte Hamor/ als sie weggegangen war, „ist's. nicht die eine Eitelkeit, so ist,'s eine andere!" „Hm", meinte Douglas nachdenklich, „ich maße mir kein Urteil an über die Weiber." „Ich will mich zwar nicht besonders rühmen, aber ich glaube sie zu kennen", sagte Hamor. Den Nachmittag über arbeitete er an der Landspitze und beabsichtigte in der Dämmerung den weiten Heimweg durchs die chemins ereux zu machen; es traf sich aber günstig; für ihn, daß gerade, als er zusammenpacken wollte, eich) Boot in Sicht kam, aus welchem ihm Meurice ganz gegen seine Gewohnheit einen herzlichen Seemannsgruß zurief.! Hamor folgte seiner Aufforderung, zu ihm einzusteigen;-- mit Freuden; die frische Seefahrt war ihm eine angenehme Erholung nach der Tagesarbeit. In bester Laune und mitt; kräftigem Appetit kam er zum Essen nach Hause. Es war' ihm wohl aufgefallen, daß Meuriee ganz gegen seine Ge< wohnheit noch so spät draußen gewesen war, doch dachte er: nicht weiter darüber nach; da ihm der Umstand so gut zu' statten kam. Zwischen fünf und sechs Uhr herrschte bereits dichte Finsternis in den Heckenwegen, durch die Hamor stets von der Landspitze heimkehrte. Hinter einer hohen Mauer, ani der vorbei ein kleiner Pfad in den Hauptweg führte,; standen drei Männer im Gespräch: „Ihr vertretet ihm den Weg, und wenn er aufbegehrt/' stellt Ihr ihm ein Bein und werft ihn nieder." „Ja, ganz zufällig", murmelte Hoel. „Das haltet wie Ihr wollt, nur daß es geschieht",-: entgegnete Rodellec, der es überdrüssig war, Hoels Einwände noch länger anzuhören. „Ihr fangt an, wir bringen'^ zu Ende." . / „Er kommt spät", brummte Loie Nives. Ta ertönten Fußtritte vom Wege her. „Der Burscht schleicht so leise wie eine Katze", dachte Hoel, der Schritt kam näher — es war sehr dunkel, aber unmöglich konnte der Maler so klein sein, wie diese Gestalt. Doch da gab Rodellec hinter ihm schon ein ungeduldiges Zeichen; „es mußj der Grog sein, der mir die Augen umnebelt", suchte sich Hoel zu überreden, und rasch entschlossen warf er sich der herankommenden Person entgegen, die ihn mit einem wohl- gezielten Schlag vor die Brust empfing. „Bleibt auf Eurer Seite des Wegs, hört Ihr wohl?'« rief eine zornige Mädchenstimme. „Was soll das heißes — 650 tzhr NnfaltMnsel, einen hier Vernähe über den Haufen Mt rennen?" „Zum Teufel auch!" rief Herbe Rodellec ergrimmt und erhob seine Blendlaterne. „Wo ist Dein Milchgesicht von Malers fragte Loic zornig. Rodellecs Versuch, diese unvorsichtige Rede zu hindern, kam zu spät. Guenn maß die Männer mit unsäglicher Verachtung. „Mlfo Ihr wartet auf Monsieur Hamor?" begann sie endlich langsam. „Nur drei an der Zahl? Wußtet Ihr wirklich niemand weiter, um mit Euch hier in: Dunkeln einem harmlosen, jungen Mann auszulauern, der sorglos singend einhergeschlendert kommt, weil er ein gutes Gewissen hat, und keinem ein Leid znfügt?" „Wer hat denn gesagt, daß lvir auf Hamor warten?" Krümmte Nives tückisch. „Ihr selbst, Loic Nives, mit Eurer schwatzhaften Zunge", war ihre kluge Antwort. Das konnte er nicht ableugnen und verwünschte sein Ungeschick. „Wie kommst Du darauf, daß wir etwas Böses im .Schilde führen?" fragte Hoel schwachherzig. „Wenn sich drei Männer — Eures Schlages — im Dunkeln — an einem solchen Ort verstecken" — sie zuckte bedeutungsvoll die Achseln. „Hör' einmal, Mädel", begann setzt Rodellec, „Du sollst Uns setzt Rede stehen; wir lassen uns nichts weiß machen. Nicht von der Stelle kommst Du, bis Du Antwort gibst." Sein Ton klang so barsch und drohend, daß selbst Nives erschrocken näher hiuzutrat. Guenn kreuzte die Arme über der Brust und blickte ihren Vater entschlossen an. „Um seinetwillen muß ich jetzt auf der Hut sein", dachte sie und ihr Herz schlug höher vor Mut und Hingebung, Der Abendwind schien seltsamerweise nur an einer bestimUrten Stelle, in den Epheublästern Wer ihr zu rauschen. x- „Daß Du mir setzt keine Lüge sagst!" „Ich lüge niemals", versetzte das Mädchen. „Wo hast Du ihn verlassen?" „Verlassen — wen denn?" „Du hast hier nicht zu fragen, sondern zu antworten. Du weißt wohl, wen ich meine; den Maler _— Hamor!" „Im Atelier heute morgen um halb elf Uhr." Er leuchtete ihr mit der Laterne ins Gesicht- M war Keinahe, als ob sie lächelte. „Seitdem hast Du ihn nicht gesehen?" Allein!" Rodellec begann mißtrauisch rings herum in'die'Gebüsche zu leuchten. „Du brauchst nicht zu denken, daß er sich versteckt, daß er vielleicht michj, ein Mädchen, vor sich her schickt. Er, ist kein Feigling!" rief sie unwillkürlich wie triumphierend cm3. „Wo hast Du gesteckt?" fuhr Rodellec mit seinem Verhör fort. „Bei Marie Brenn. Ihre Großmutter hat einen Fall getan und da hat Marie doppelte Arbeit." „Wo ist der Maler?" „Laßt fie gehen, Rodellec. Sie kann nichts dafür", suchte Nives zu begütigen; er war wohl selbst nicht weniger xoh, aber dabei jung und verliebt. Die Hände in die Seite gestemmt, wandte sich Guenn feindselig gegen ihn: „Laß Mr raten, Loic Nives, und halte den Mund! So einen wie Du bist brauche ich nicht Zum Verteidiger, und heute noch weniger als sonst. Ich verachte Dich und Deine heimtückischen Pläne; mein Leben- Lang gönne ich. Dir kein gutes Wort mehr! Harmlosen Menschen hinter einer Mauer aufzulauern, Pfui der Schande!" „Hast Du gewußt, daß wir hier auf ihn warteten?" Jetzt ließ Guenn alle Vorsicht und Klugheit fahren. Leidenschaftlich warf fie die Arme in die Höhe, ließ sie schlaff wieder herabsinken und ries heftig: „Was liegt 'daran, -ob ich's gewußt habe oder nicht? Ich weiß, daß Ihr Unheil brütet. Ist das nicht genug? Ich weiß, daß fein ehrlicher Mann hier nicht mehr in Frieden seines Weges gehen kann. Ist das nicht genug? Ick) weiß auch, .daß drei Bretagner, Männer von Plvuvenec, tüchtige Seeleute, die sich, weiß Gott, für zu gut halten sollten hier als Räuber und Feiglinge zu lauern, jetzt stehen und mich anstarren = mich, ein Mädchen == als ob sie sich vor mir fürchteten =7 weil ihre Herzen schwärzer sinh als die Nacht, in der sie ihr unsauberes Geschäft betreiben. Da habt Ihr alles, was ich weiß macht's Euch zu Nutzen!" „Um Gottes Willen, er wird Dich' umbringen", rief Hoel entsetzt, und suchte sich zwischen Vater und Kind zu drängen, Rodellecs Gesicht war vor Zorn und-'Wut verzerrst „Ihr schämt Euch jetzt, Hoel! Macht, daß Ihr nach Hause kommt!" wandte sie sich verächtlich an diesen. „Was habt Ihr hier noch zu suchen? Ob er mich tötet oder nicht, ich brauche keine Hilfe von einem Manne, der einem andern bei Nacht auflauert, um ihn zu überfallen!"- „Guenn, liebe kleine Guenn, süßes Mädchen", flehte Hoel, „ich habe Dich! ja immer so gern gehabt, und immer! Deine Partei genommen." „Ein Feigling seid Ihr, weiter nichts! Was hat ev Euch jemals zu Leide getan? Nichts, gar nichts, das wißt Ihr sehr wohl! Tötet mich, wenn Ihr Lust habt, hackt mich in Stücke und werft mich über die Mauer. Ich fürchte mich nicht vor Euch. Jetzt will ich reden — Ihr habt ja auch gesprochen", sie wandte sich unerschrocken an ihren Vater. „Bei meiner seligen Mutter •— nie habe ich eine Klage über Euch laut werden lassen! Ihr habt mich vor diesen Männern zur Rede gestellt. Jetzt aber kommt die Reihe zu fragen an mich!" Bo:: dem hellen, befehlenden Klang ihrer Stimme fühlten sich- selbst die rohen Männer: eingeschüchtert. Rodellec war der erste, der sich wieder faßte. „Mas fällt Dir ein, solchen hochfahrenden Don anzuschlagen?" fragte er wild. „Ich will wissen, was er Euch zu Leide getan hat?" beharrte Guenn. „Das ist wohl noch nicht dagewesen, daß ein Mädchen sich herausnimmt, seinem Vater die Beichte abzunehmen"/ höhnte Rodellec. „Eins hat er getan — er hat Dich behext, das ist gewiß. Seinetwegen hast Du vergessen, was einem ordentlichen, anständigen Mädchen geziemt." „Das ist nicht wahr", rief Guenn mit blitzenden Augen. „Er hat in seinem ganzen Leben nur Gutes getan; aber Ihr seid auch nicht von fern im stände, fein Tun zu begreifen." „Guenn", begann Hoel furchtsam und stieß sie dabei freundschaftlich mit dem Ellbogen an, „sei doch nicht so böse. Es wäre ja nicht einmal so schlimm, sondern nur natürlich für jeden Mann, einem so hübschen Mädchen! gegenüber, wie Du eins bist! Hat er Dich denn jemals — geküßt — natürlich nur ganz zufällig — hat er das jemals getan?" „Er!" rief das Mädchen mit unaussprechlicher Verachtung für den Fragenden.' „Da sieht man recht, wie kleinlich und gemein Eure ganze Sinnesart ist! Er denkt nicht an dergleichen — nur an Sonnenschein und Fachen,- an hohe prächtige Bäume und an das Meer; er liebt Blumen und Kräuter und lustige Kiudergesichter. Für jeden hat er ein freundliches Wort, ein gütiges Lächeln. Den alten Leuten, die schwach am Wege sitzen, wird es' froh und leicht ums Herz, wenn sie nur sein heiteres Antlitz sehen. Die kleinen Kinder nimmt er in seine Arme,! er hat Mitgefühl für einen lahmen Hund, ein müdes Pferds für alles was leidet. Ich habe ihn um eine welke Rose trauern sehen. Und Ihr Memmen — verbergt Euch- hier heimlich, um ihm nach dem Leben zu trachten!" Laut erklang ihre beherzte Rede durch die stille Nacht; als sie tief aufatmend innehielt, machte sich das ergem tümliche Rascheln des welken Laubes über ehr deutlich betnexfbuT. „Guenn", hob Hoel wieder bittend an, „.sag' mir nur das eine: Seit Wochen flüstert man -bald dres bald dach .mir war's ganz überdrüssig, alle die Anspielungen zu Horen. Schenk Du mir reinen Wein ein: wer gab Der die schonen Kleider zum Gnadenfest?" „ , Iw. -nächsten Äug entzück schon hatte Guenn rhre Haube heruntergerissen, was lag ihr jetzt noch daran ihr Ge- beimnis zu wahren. „Also deshalb? Da seht her! Freut Euch darüber! Ich hab' es selbst abgeschmtten! Es war das schönste, längste Haar in Plouveuec, und rch habe es abaeschuitten, weil ich wollte, weil ich Geld brauchte. Hat einer von Euch Leuten, die Ihr Euch hinter Mauern verkriecht, etwas dagegen einzuwenden, so mag er's sagen!- Sie fuhr sich hastig- mit der Hand durch das dichte Haar,' „da seht's Euch nur genau an! Seid Ihr jetzt befriedigt? - 651 — „'Ich' will Wissen", tief Rodeller mit wildem Fluch, „toie Du in Deiner Freiheit unsere Pläne aufspürst. Ich komme schon noch dahinter!" Sie lachte bitter. „Dazu brauchis keinen Scharfsinn, Wenn Ihr Drei nachts abseits steht und zusammen flüstert, wenn Du böse Micke auf Monsieur Hamor schießest, sobald er über den Dorfplatz geht, jeden seiner Schritte beobachtest und ihm nachschleichst, bis an den Rand des Dammes, wo er in glückliche Gedanken vertieft nach den Sternen schaut oder lächelnd ins Wasser blickt." Rvdellec sah ihr argwöhnisch in die Augen. „Da steckt doch mehr dahinter als Du zugeben willst, aber xä), werde Dir Deine.Schliche schon vertreiben. Hast Du ihn jemals vor uns gewarnt? Weiß er, daß ich ihn hasse?" „Wenn er's wüßte, so wäre es nur deshalb, weil jeder, der nicht blind ist, den Haß in Deinen Augen lesen kann; ich habe ihm noch nie ein Wort gesagt von dem was ich sehe und höre, und was beständig in der Luft zu liegen scheint. Er selbst hat aber ein so sonniges-Gemüt, daß er nicht darauf achtet, und ist viel zu tapfer um irgend etwas zu fürchten!" Fortsetzung folgt. Kriegserleönrffe aus dem Ketdzuge 1870/71. (SGuß.) (In Nr. 161 der „Fambl." muß es in den ersten Zeilen der Fortsetzung der „Kviegserlebnisse" statt Hauptmann Leiß heißen Hauptmann Leiß von der 4. Kompagnie.) Am 27. Januar erhielt das Detachement von Rantzau aus dem Großen Hauptquartier den Befehl, nach Osten vorzurücken, um gemeinsam mit einer Infanterie-Brigade des 6. Korps die in der Umgegend von Auxerre und Cha- mecy stehenden Franktireurbanden anzugreifen und ihnen den Rückzug abzuschneiden. Demgemäß verließ das Detachement am 28. Ouzoues und erreichte gegen abend Cha- tillon fous Loing. Nach! den Mitteilungen der Einwohner war die Stadt vom Feind nicht besetzt, doch erhielten unsere Truppen bei ihrem Erscheinen Feuer. Leutnant Sartorius wurde durchs einen Schuß aus einem Hause verwundet. Sofort wurde eine Sektton in das betreffende Haus geschickt, um den Täter lebend oder tot herauszuholen, eine schwierige Aufgabe bei der herrschenden Dunkelheit. Kaum wurde die Tür geöffnet, und ein Soldat der 3. Kompagnie drang vor, so siel auch! schon ein Schuß, bei dessen Aufbtttzen man einen Franktireur wahrnahm. Kurz entschlossen sprang der Einjährige Betzberger von der Leibkompagnie (ein geborener Gießener, jetzt Gerichtsvollzieher rn Nidda) unseres Regiments auf diesen zu, und als der zwcrte Schuß fiel, der ihm am Kopfe vorbeiging und einen Dragoner-Einjährigen vom 6. Korps am Arme streifte, durchbohrte er den Frankttreur so wuchtig, daß die Spitze des Bajonettes noch! in die Wand eindrang. In der Nacht bezog das Detachement in Chattllons Alarmquartter. Der Stadt wurde für ihr feindseliges Verhalten die Zahlung Von 50000 Franken auferlegt, wovon sie aber nur 29 000 bezahlte, mit der Begründung, nicht mehr zu haben. Der Maire und der Geisttiche wurden daher am folgenden Tage von der Leibkompagnie unseres Regiments mitgeführt, um auf Chatillon einen Druck zur Bezahlung auszuüben. Binnen zwei Tagen wurden sie aber von der Stadt ausgelöst. Am 29. Januar marschierte das Regiment nach Charoh, wo es Quartter bezog, ' und am 30. nach Touch. Hier erhielt General von Rantzau die amtttche Mitteilung von dem am 28. Januar zu Bersailles abgeschlossenen Waffenstillstand, von dem man schon vorher berm Durchmarsch durch ein Dorf (Anschlag von Plakaten) Kenntnis erlangt hatte. Mit dieser Besetzung von Touch mrdrgte dre kriegerische Tättgkeit unseres Regiments. Das Detachement bezog in Touche Quartiere. Feldwebel Bruch- haufer kam zu einem Uhrmacher in Quartier, dessen Frau £ 's ß,ei¥afenSeiten, Tücher um die Köpfe Snnb, bannt dre Kissenbezuge nicht beschmutzt würden. „ 2. Februar erhrelt General von Rantzau den Befehl, flVpit et/^m r, ®eta^ment die Linie Gien-Auxerre zu be- tö ? Kompagnie unseres Regiments kanr vom 4. r ' o'efrxutw Wicbcx Ttcicfy (Äien, tvo hiebet Ter ttntt^ r ^Eselben Hause einquarttert wurde. Der einzige Sohn des Orrartterwirtps hatte bei Metz unter ÄT Kefochieir, doch hatten die Eltern seitdem nichts Mehr von chm gehört und gischten, er sei gefallen. Um so größer war ihre Freude, als sie am 13. von- ihrem Sohne Die Nachricht erhielten, daß er mit der Armee Bourbakis wohlbehalten nach der Schweiz gelangt sei. Inzwischen war bei General von Rantzau der Befehl eingegangen, mit seinem Detachement nach der Gegend von Blois an der mittleren Loire zu marschieren und sich dort mit dem 9. Korps zu vereinigen. Der Marsch ging über Chateauneuf-Orleans, und am 19. wurde bei Blois wieder die Loire überschritten Born 25. Februar bis zum 5. März lag unser Regiment in Chateau Renault. Die Vormärsche wurden jetzt.eingestellt, da am 26. Februar die Friedenspräliminarien unterzeichnet worden waren. Von Chateau-Renault sandte das Regiment seine überetatsmäßigen Mannschaften zurück, die 7. Kompagnie konnte 36 Mann nach Deutschland zurückschicken. Während dieser Zeit kamen die von den Franzosen gefangenen deutschen Soldaten zurück; unter ihnen befand sich auch Korporal Krantz von der 7. Kompagnie, der am 14. Januar bei Giens in die Hände der Feinde gefallen war. Am 5. März trat das rr:*: von Rückmarsch an, um zunächst aus dem rechten Marne-Ufer Standquartiere zu beziehen. Der Weg führte zum großen Teil durch ; Gegenden, die den Truppen von dem Bormarsch auf Orleans her bekannt waren. Am 21. und 22. März lagen Teile des 1. und 2. Bataillons unseres Regiments in Vendeuvre, wo der Geburtstag des Kaisers gefeiert wurde. In der Nackt wurde Feldwebel Bruchhäuser plötzlich geweckt. Er glaubte, es sei im Quartter wieder einmal Feuer ausgebrochen, und rief sofort nach seinem Burschen. Die Befürchtung war jedoch grundlos, denn es war die Tochter des Quartter- wirtes, die auf dem Nachhausewege von einem Zudringlichen verfolgt worden war und nun den Schutz des Monsieur sergeantmajor erstehte. Nach! einigen Stunden wurde Feldwebel Bruchhäuser wieder in seiner Ruhe gestört. Diesmal war der Furierschütze von Bvckum-Dolfs da, der den Abmarsch der Fouriere verschlafen hatte und sich nun mtt einer Extrapost allein auf den Weg machen mußte. Da er gut französisch sprach, kam er jedoch rascher zu dem nächsten Quartter als die übrigen Fouriere. Aus Versehen quarnerre er jedoch! ein Drittel der Kompagnie mit Verpflegung ein, obwohl die Truppen Magazinsverpflegung hatten. Die Bevölkerung nahm aber keinen Anstoß daran und bewirtete die Soldaten sehr trefflich, von Bockum- Dolfs führte lange Zeit einen alten Talerschein mit, den er bei der Bezahlung vorlegte. Regelmäßig wurde ihm aber sein Papiergeld zurückgewiesen, und da er kein Metallgeld besaß, wurde er überall umsonst bewirtet. Bei Vendeuvre erging es ihm aber nicht so gut. Als er wieder mit seinem Schein zahlte, wurde dieser ihm von der Wirtin zu seinem großen Leidwesen ruhig in Zahlung genommen, von Wockunr- Tolfs blieb übrigens nicht mehr lange bei der Kompagnie. In Tonnance les Moulins wurde er von seinem Vater zur Fortsetzung seiner Studien reklamiert und nach Gießen entlassen. Bon Vendeuvre marschierte die 7. Kompagnie über Bas- sur-Aube, wo Kaiser Wilhelm in den Befreiungskriegen die Feuertaufe empfangen hatte, nach! Tonnance les Moulins. Hier und in einigen Nachbarorten lag die Kompagnie vom 27. März bis zum 4. Mai in Standquartieren. Während dieser Zeit wurde viel exerziert und auch Felddienstübungen sanden statt. Tie Beziehungen zwischen den Einwohnern und unseren Soldaten hatten sich in Tonnance recht freund- lich gestaltet. Besonders zeigte sich das gute Einvernehmen bei dem Ausmarsche am 5. Mai, indem einige Bewohner den Soldaten noch! auf weite Strecken das Geleüe gaben. Gefreiter Weeg, der Fourierdienste zu leisten hatte, wurde z. B. von seinem Quarttergeber bis zum nächsten Quartier umsonst gefahren, und sein Wirt blieb bei ihm, bis die Kompagnie am nächsten Tage dort Quartiere bezog. Noch beim Abmarsch winkte er ihm lange von einem Berge Ab- schiedsgrüße nach. Infolge der allmählichen Räumung Frankreichs wurde das Gießener Regiment Anfang Mai von dem Departement Vosges verlegt. Am 10. Mai kam es nach. Epinal, und vom 11. bis 31. Mai lag die 7. Kompagnie in Lepagnes. Während dieser Zeit fiel dort eich Wolkenbruch, sodaß das enge Tal, in dem Lepagnes liegt,- vollständig überschwemmt wurde. Hierbei rettete ein Soldat der 7. Kompagnie aus den Fluten ein Kind, das in seiner Wiege von dem Wasser fortgerissen worden war. Am Abend des 31. Mai' fand, da am 1. Juni der Abmarsch erfolgte, Löhnungsapppl walt. Da es an Metall- 652 — -gnügen, aus gerechnet, wieviel , den fünf Jahren von 1897 bis! den Redaktion: August Götz. - Rotationsdruck und Lerlag der BrLbl'schen Universttöts»Duch. und EteindruSere». ,R. Laug«, Gießen. ich! werde mich! keiner Ueberhebung schuldig' machen, MM ich Sie frage: Haben Sie sich schon einmal klar gemacht/ was der Jurist,'summa summarum, außer seinen eigentlichen Dienstgeschäften, noco für sein Amt tun muß, uni allen an ihn gestellten Anforderungen „voll und ganz"- gerecht zu werden? Ich will heute nur sagen: was erj lesen muß. Da ist, um nach! dem Vorbild der Natur! mit dem Kleinsten zu beginnen, das Kreisblatt. Das muß man kennen. Denn man kann nicht wissen, ob nicht der Herr Landrat die Hundesperre verfügt. Dann das Amtsblatt. Auch das erfordert Aufmerksamkeit. Es ist immerhin möglich, daß der Herr Regierungspräsident ein menschliches Rühren fühlt, und das Verbot der Mäbchenkneipest von elf Uhr ab aufhebt! Folgt das Justiz-Ministerialblatt/ in dem der Herr Minister befiehlt, das Schreibwerk ah- Gleichklangrätsel. Wie lieb ich meinen grünen Hain! Tret' ich in seine Schatten ein, Seh' ich sie, die mein Rätsel nennt, Tort ragen stolz zuin Firmament. Wie schön und stark! Doch ach, ich weiß: Jetzt sind gestiegen sie im Preis. Ter Herr des Wald's braucht Geld imb drum Läßt hauen er die Stolzen um. Und ich, der bei ihm angestellt, Muß, was das Rätsel nennt, das Geld. (Auflösung in nächster Nummer.) Auflösung des Scherzrätsels in vor. Nr.r Futter, Futteral. . . _______________rr-Ua*. gelb fehlte, so bekam jede Korporalschach zwei 25-Talerscheine. Am andern Tage kam Unteroffizier Krauskopf zu Feldwebel Bruchhäuser mit der Meldung, in der Nacht hätte ein Franzose seine beiden Scheine zerrissen. An dem einen Schein war in der Mitte ein Stück herausgerissen, am andern fehlten die vier Ecken. Seine Reklamationen halfen aber nichts, indem der Kompagniechef ihm mitteilte, daß er bte Scheine ersetzen müsse. Schließlich fand sich ein Musketier L. aus Assenheim, der Krauskopf die zerrissenen Scheine ersetzen wolle, wenn dieser ihm 10 Gulden Nachlasse. Gern wurde ihm das gewährt, und 'S. konnte in Mannheim die beiden Scheine gegen 50 Taler wieder einlösen, da wahrscheinlich die Nummern nicht verletzt waren. Wie sich später herausstellte, hatte Krauskopf die beiden Talerscheine selbst am Abend in einer Wirtschaft zerrissen, nm Franzosen, die Papiergeld nicht wechseln oder in Zahl- nehmen wollten, zu zeigen, daß die Scheine auch in =.. schädigten Zustande noch ihren vollen Wert hätten. Nach der endgiltigen Unterzeichnung des Friedens konnte unser Regiment endlich am 1. Juni den Rückmarsch nach der Grenze antreten. Am 5. Juni überschritt es unter den Klängen der Regimentsmusik die neue deutsche Grenze und am 11. Juni kam es über die alte Grenze nicht weit von Weißenburg. Ueberall wurde es von den Bewohnern herzlich empfangen, besonders in Bergzabern. Am 17. hatte das Regiment in Mannheim einen Ruhetag, und am folgenden Tag betrat es bei Viernheim zum erstenmale wieder hessischen Boden. Am 19. Juni kam die 7. Kompagnie nach' Alsbach, wo ihr ein sehr freundlicher Empfang bereitet wurde. Gesangvereine und die Schalljugend bildeten Spalier und geleiteten die Komvagnie nach dem Orte. Am 21. Juni fand auf dem Exerzierplätze bei Darmstadt die Parade der hessischen Division vor Seiner Königl. Hoheit Ludwig III. und der Einzug in die Landeshauptstadt statt. Unser Regiment bezog an diesem und am folgenden Tag in Bessungen und Umgegend Quartiere. Von hier aus wurden die Feldwebel nach Gießen gesandt, um die Entlassungspapiere vorzubereiten. Bei ihrer Ankunft in Gießen wurden sie schon auf dem Bahnhofe von Angehörigen, Freunden und Bekannten auf das Herzlichste empfangen. Das Regiment marschierte an den folgenden Tagen über Friedberg, Butzbach, und hielt am 26. Juni seinen Einzug in seine Garnison. Der Empfang in Gießen war überaus herzlich und freundlich. Die Soldaten wurden bei der Bürgerschaft einquartiert. Von der Stadt wurde jedem Unteroffizier und Soldaten ein Gulden ausgezahlt. Mas ein preußischer Mchter alles lesen muß! Am 12. Juli 1903 feierte der Erste Staatsanwalt am Landgericht Insterburg, Geh. Fustizrat Hecht, sein fünfzigjähriges Dienstjubiläum. Bei dem Festmahl hielt ein Amtsgerichtsrat des Bezirks eine heitere f1 -de, die eine hübsche und heitere Schilderung dessen eulwirft, was alles heute ein Richter zu lesen verpflichtet ist, auch wenn er sich ganz auf seinen Berus beschränkt. Wir entnehmen dem Vortrag folgende Stellen: „Es ist ja anders, es ist besser geworden als noch vor dreißig Jahren, wo die Schrift erschien: „Der Preußische Kreisrichter ein Subalternbeamter", als Motto die Worte des ersten Kürassiers in „Wallensteins Lager": Wir, .wir haben von seinem Glanz und Schimmer Nichts als die Müh' und als die Schmerzen, Und wofür wir uns halten in unser'm Herzen! 1 Aber eine Erkenntnis ist uns anscheinend verloren gegangen, die auf die Dauer nicht ohne Schädigung der Allgemeinheit mißachtet werden kann, die nämlich, daß der Kopf zu den edlen Körperteilen gehört und nicht über die Kraft malträtiert werden darf. Heut' eine neue Rechtsprechung, morgen eine neue Rechtschreibung, und schön schreiben sollte man auch noch, wiewohl mancher mit Hamlet, dem Dänen, sagen könnte: Ich hielt es einst wie unsre großen Herr'n Für niedrig, schön zu schreiben, und bemühte Mich sehr, es zu ve^Krnen. In diesem Kreise jr^x'^imtner, die weit mehr als ich ch'efähigt sind, den der Dinge zu überschauen; und zukürzen. Nur nicht drei Worte inhaltschwer: Das „v. g. u", das gibt's nicht mehr! = Und dann die Preußische Gesetzsammlung und das Reichsgesetzblatt! Da darf man nichts überschlagen, selbst nicht einen Staatsvertrag mit Nordamerika. Denn wer bürgt mir dafür, daß nicht ein Konsul sich über muh beschwert, weil ich auf einen groben Klotz einen groben Keil gesetzt habe, ohne zu ahnen, daß der Mensch das Privileg hat, mich zu brüskieren? Ich habe mir, und wahr-, lich nicht zu meinem Vergnügen, ausgerechnet, wieviel. Seiten die fünf Blätter in den fünf Jahren von 1897 bis 1901 enthalten haben, und wieviel Serien demnach der Jurist durchschnittlich im Jahre zu lesen die Pflicht gehabt hat. Das Resultat übertrifft jegliche Erwartung! Es smd insgesamt 12 753, d. i. pro Jahr 2550, oder täglich, Sonn-, Fest- und Ferientage nicht ausgenommen, rund siebest Druckseiten.' Man könnte einwendeu, ich hätte mir kritische. Jahre ausgesucht. Wer noch im Jahre 1902 zählte jedes der fünf Blätter über 300 Seiten, das Amtsblatt sogar 392 5 Das alles soll man lesen, nicht wie man „Willis Werdegang" liest, sonder« verdauen; und manchmal müssest wir lange, wie der Graf von Habsburg, „mit sinnen-, dem Haupt" da itzen, bis Uns „der Worte Bedeuten" ergreifst Und glaube ja niemand, daß es mit diesen sieben Druckseiten täglich getan wäre! Nein, man verlangt von dem Juristen, daß er sich, auch mit der Rechtsprechung des Reichsgerichts vertraut mache. Das wären, allein tn Zweifachen, für dasselbe Jahr 1902 b los 926 Seiten. Dazu kommen die Entscheidungen des Kammergerichts und selbstredend Kommentare, Lehrbücher, Materialien usw.! Mast denkt unwillkürlich an Jmmermanns „Münchhausen , tote er dem Fräulein erzählt, was er in seiner Jugend alles habe lernen müssen. 26 Fächer standen auf fernem Lehrplan; er trieb sie vom Morgen bis zum Abend, und „nachts" fügt er hinzu, „repetierten, experimentierten, disputierten wir". „Und wann schliefen Sie?" fragte bas». Fräulein. „Hin unb wieber eine Viertelstunbe bet den leichteren Doktrinen", versetzte ber Freiherr. Dre sublimste Jbee, bte jemals bem Hirn eines Juristen entsprungen ist: ber vor wenig Jahren gemachte Vorschlag, ben Urteilen keine schriftlichen Gründe mehr folgen zu lassen, ist ungenützt geblieben. Dafür wurde jetzt der Vorschlag gemacht, • bte Ferien nicht zu verlängern, sondern abzuschaffen. Wer an all ben Klippen, bte hinter dieser Vielheit von Vorschriften lauern, vorbeisteuert, so sicher, baß auf ihn das Wort Anwendung findet: , f Mit dem Schiffe spielen Wind unb Wellen/ Winb unb Wellen nicht mit seinem Herzen, kann man nur aufrichtig beglückwünschen,.