Nr. 18. Montag den 2. Februar. 1903. (Nachdruck verboten.) Eine verhängnisvolle Fahrt. Srvman von B. M. Croker. Autorisierte Uebersetzung aus dem Englischen von Alwina Bischer. (Fortsetzung.) „Werin wir morgen früh um sechs Uhr absahren, sirrd wir um elf Uhr in Ballybay." „Bor zwei Uhr geht aber kein Postwagen." „So nehmen wir eine Extrapost." „Ja, wenn wir eine bekommen. Rufe einmal Deinen allmächtigen Kutscher herein." Maureen ging &ur Türe und winkte Terence, der mit fernster Miene näher trat. „Sie wissen natürlich, um was es sich handelt?" begann Lady Fanshawe. Eine tiefe Verbeugung war des Kutschers Antwort. Lag ein geheimer Spott in dieser förmlichen Zustimmung ? Nita hatte keine Zeit, darüber nachzugrübeln, sondern fuhr fort: „Es ist also wertlos, vor Ihnen ein Geheimnis aus der Sache zu machen. Sie haben meine Schwester gerade zur rechten Zeit hierhergebracht, um mich vor einem verhängnisvollen Schritte zn bewahren. Sie wünscht nun dringend meine Rückkehr, und die Haupttache ist jetzt, sobald als möglich wieder nach Ballybay zu kommen. Ich kann nur sagen, daß ich diesen Nachmittag unzurechnungs^ fähig war, denn ich liebe meinen Mann tausendmal mehr, als irgend jemand aus der Welt, aber er kränkte und reizte mich, und dafür hroftte ich mich rächen. Nun aber sehe ich ein, daß ich nur mir selbst dadurch geschadet habe. In meiner erregten Stimmung schrieb ich meinem Gatten einen Brief, der eine schwere Beschuldigung für mich enthält. Wenn mein Gatte ihn liest, bin ich verloren, denn von jenem andern Manne will ich nichts wissen, von meinem Gatten aber würde ich mitleidslos verstoßen werden und dann bleibt mir nichts anderes mehr übrig, als mir das Leben zu nehmen." Schwer atmend und am ganzen Körper bebend, hielt sie inne und sah ihn an. „Wissen Sie, was Sie jetzt vor allem bedürfen, Lady Fanshawe?" fragte Terence in ruhigem Tone. „Einige Stunden Schlaf. Sie sind müde, Ihre Nerven überreiA. Legen Sie sich nieder und schlafen Sie die nächsten vier, fünf Stunden, und überlassen Sie alle Vorkehrungen Miß D'Arcy und mir." „Nun ja, was Wagen und Pferde anbelangt, aber was soll aus Mr. Lovell werden? Er ist im Frühstückszimmer und wartet dort auf mich, da wir mit dem Zweiuhrzug weiterfahren wollten." „Ich bin bereit, ihm jegliche Botschaft, die Sie wünschen, zu überbringen.^ „Ach, er wird wütend sein und sagen, man habe ihn zum Narren gehalten. Ohne einen heftigen Auftritt gießt er mich sicherlich nicht frei." Wieder rang sie mühsam nach Atem. „Jedenfalls wird er einige alberne Briefe von mir nicht herausgeben wollen. In einem Anfall wahnsinniger Eifersucht und Wut schrieb ich sie. Er aber hat sie nun in Händen", schloß sie in kläglichem Tone. „Ich werde mein Möglichstes tun, sie Ihnen zurückzuer- statten. Was indes die Postpferde anbelangt, so bin ich hier als Kutscher Terence vollständig machtlos. Welleicht, daß der Name Lady Fanshawe und eine hübsche Summe das Wunder beivirken. Pferde und Wagen sind hier nur äußerst schwer zu bekommen, da die Postverwaltung in Clonsast sämtliche Fuhrwerke der Grafschaft in Beschlag genommen hat." „Wir wollen nach dem Wirt klingeln und ihn fragen." „Es giebt hier in diesem Gasthause keinen Wirt mehr, sondern nur noch dessen Witwe, Frau O'Hara. Ich werde inzwischen nach den Ställen gehen und sehen, ob Äh Uicht irgeno ein Beförderungsmittel ausfindig machen kann." „Maureen, das ist entschieden kein gewöhnlicher Kut- scher, sondern ein gebildeter und dabei erstaunlich kalt-, ßlüh'ger und besonnener Mann. Man hätte glauben können, wir sprächen von einem Nachmittagsspaziergang, anstatt von einer Fahrt, bei der es sich für mich um Leben oder Tod handelt. Ich möchte säst annehmen, daß er Erfahrung in solchen Singen hat und selbst einmal mit jemand — durchgegangen ist." „Pfui, Nita, wie kannst Tu nur solch abscheuliche Tinge sagen und vollends von einem Manne, dem Tu so viel zu verdanken hast!" „Ich weiß nichf, wie es kommt, aber ich muß immer gleich an so etwas derartiges denken, lind dann scheint mir entschieden etwas wie Liebestragödie auf seinem Gesicht geschrieben zu stehen — cs sind die Züge eines Helden, ein Titel, den er übrigens, abgesehen von allem andern, allein schon für seine Leistung in dieser Nacht vollständig verdient." Maureen war nicht zum scherzen aufgelegt, und so stand sie, ohne zu antworten, rasch aus, ging ans Fenster, zog Die Vorhänge zurück und sah in die einsame Straße und zu den glitzernden Sternen hinaus. Sie wußte wohl, daß sie in dieser verhängnisvollen Krisis im Leben ihrer Schwester das Steuer führen müsse, und daß sie nicht wanken, noch weichen dürfe. Maureens Kvpf schmerzte und hämmerte, als sie die heiße Stirne an die kühle Fensterscheibe lehnte. Ihre Seele befand sich in fieberhafter Unruhe, und tiefe Angst und Besorgnis erfüllten sie, wenn sie an Greville und ein etwaiges Zuspätkommen dachte. Und doch weit mehr noch, als dies alles quälte sie ein Gedanke, der sie mit der Ausdauer eines Moskitos verfolgte. — „Eine Liebestragödie steht auf seinem Gesicht geschrieben", hatte Nita gesagt und wenn dem so war, so hatte dies natürlich 70 ,Utti) ich auch, Frau O'Hara. inx Ihnen, jetzt muß ich einem Herrn das ft-CTll reuce tp.' an ihnr vorübergehen; er hielt sie indes mit der Hand zurück und sagte in leisem, einschmeichelndem Doue: nicht für Geld zu haben ist, wird manchmal durch gute Worte erreicht, Frau O'Hara." t. „Schmeicheleien, mir, einer Frau, die Ihre Mutter fern könnte! O, über diese unverschämte Jugend!" „Oder in Erinnerung alter Zeiten", fuhr er unerschütterlich fort. Mit scharfen, prüfenden Blicken starrte Frau O'Hara ihn an, als er sich dem Licht näherte und ihr fest in die Augen sah. „Erinnern Sie sich an Shanil?" „Shanil? Das will ich meinen, ich bin ja dort geboren." einandergepreßt waren, „Tu siehst ja aus, als ob Du ein hättest!" rief Nita. „Was war es?" „Ach, nichts als ein dummes Trugbild meiner Stemm, gieb mir eine Tasse Tee, bin so du ßS'Ä'Stf* “Ä^1«e £ -tuen «MO. «.b «in P-« Lustiges auf der Straße entdeckt haben?" sagte Nita. - Attsteyen nno muy „Warum lachst Tu denn, Tu sonderbares Geschöpf? „Früher nannte man mich den kleinen Sonny, seit „Nur über meine Gedanken", antwortete sie, ohne sich $öb ic£) Lord Desmond." iu rühren. , - I Ach, und ich hab Sie nicht gleich erkannt!" ries sie, die Eine Ahnung von etwas, dem sie keine Worte M geben I über dem Kopf zusammenschlagend. Mein kleiner wagte — süße Bilder eines ungekannten Paradieses drängten I den ich onfeog! O Sonny, Sonny, ich glaubte, sich ihr aus, und zugleich schnürte mne namenlose Angst ihr I fändt tot!" Stürmisch warf sich Frau O'Hara an die Kehle zusammen. Hastig wandte fte sich dem Licht zu. ge j be9 jimgm Mannes, schlang die Arme um seinen Ihr Gesicht war todesblaß, kalt funkelten ihretzAugen, tMh I *Uttb küßte ihn voll Eiitzücken. «Md was für em rend ihre Lippen tote zu einem eisernen Entschluß fest aus I - rAgnex Mann Sie geworden sind! Wahrhaftig, neun- . - , , I ilndÄvanAa Jahre sind Sie vorüber. Wo waren Sie denn in Gespenst gesehen j ganze Zeit? Sagen Sie mir, wo habwi Sie all die Zeit zngebracht?" ries sie, indem sie ihn zurückschob und , Als mein Bater starb, war ich in Indien. Daß wir N «S d~ * ffis 5S Muh -Iw- * Minutm --Ich!«» wi-d-r. M SpA, ^A SS S,«Ö«SiS h äks ä«ä ® -A SÄ“*« Änro= Sxj?Äe ffit X’^en^Äö A^s Ä? f“ allzu freundlicher Miene hereinge^impclt kam. ^hZrccke?b"n inch hiÄher k^m - - Zivanzig Jahre, seit „Man sagte mir, daß Sie mich zu sprechen wünschen, I D guflCJt Sie zuletzt gesehen! Und man behauptete, Lady Fanshawe; aber obwohl wir wegen berNachtpost das I n tot unb ^r die alte Madame und ihre Schwester Haus bis zwei Uhr offen halten mu||en, sv bin ich doch I GtonJan.c aitt Leben. Aber sagen Sie mir, warum nicht gewohnt, zu dieser späten Stunde — es ist I famen niemals zu mir, da Sie doch so nahe waren? ^ch zwölf Uhr — noch heraufgerusen zu werden. Was wünschen I ^äl[^g tom Kutscher Terence sprechen." ®‘Sn«„ M.M. und N°°, gut« Pst-d-, di- >m» früh um sechs Uhr nach Ballybay bringen sollen. I ich bin, ^h , c,, , t übrigens hin und wieder „Einen Wagen und zwei gute Pferde!" wiederholte sie, ^/rkennen gegebm. Ich sah Wohlhalb spöttisch, halb ärgerlich auflachend. „Ta könnten Sie I aus. d Ff . ba& Sie mein Geheimnis, gerade so gut die Krone von England verlangen! Nicht em ergehen.^ ^etzt aber hoffe ich, oay 611 WeieMltnna M "°^-t°-lich. «na «ili ich tun. »o» «=» «?““• Nwill Nn-U j-d- Summ- b-»-chl-».>i- ist Grostniama? wenn st-« M langen", fiel Maurern eifrig ein, indem fte ihre Hand Ucher Kutscher sind, würde sie sicher den verstand verlie ei bittend auf Mrs. O'Harras fetten Arm legte. „Sie wohnt in Dublin in unserem alten Hause imdist „Ta hilft kein Geld. Sie müssen bis zur Zwemhrptest ber Meinung, ich sei in England. Nun also, Sally, ich verwarten." lasse mich darauf, daß Sie für diese beiden Damen sorgen, Terence, der dem Gespräch aufmerksam zu gehört hatte, als wären es meine eigene Schwestern imd Sie d n trat nun vor und sagte: „Ach, meine liebe Frau O'Hara, die Wagen Mnktlich morgen ftuh-nmMechs Uhr ^tthalt n Sache ist von höchster Wichtigkeit; Sie haben sicherlich \ Später komme ich noch zu Ihnen, fetzt mutz UY einem «erni ein gutes Herz und können uns unsere Bitte nicht ab- | eine Botschaft hinunterbrmgen. , schlagen." „Am Ende dem im Frühstückszimmer, ““ , Was wissen denn Sie von meinem Herzen", rief sie neuen Teppich herumlauft, wie em wildes Tier im Käfig? ärgerlich. „Ich verbitte mir ein solches Geschwätz. Wie Warten Sie--" , kommen Sie überhaupt dazu, sich hier einzumischen? Kut- $niem Terence war bereitst Verschwunden. „Huiben Oie scher Terence feien Sie, sagt man mir, meinetwegen, bis Tas also ist Lord Desmond^', rief Frau O Hara hierher aber reicht Ihre Macht nicht." Tamit wollte fte „mein süßer, kleiner Junge! Ach, und ich glaubte sw ■ rl~ —* ^r Hand I Ljr.t. Qrfc *n£ auf Miß Konstanze und die Großmutter. : „Was K baS ist ein uraltes, feines, fürstliches Geschlecht, so sto^ ^nb g^eterisch als nur eines! Was ein Desmond befiehlt ' . geschieht Ach, und ich glaubte, mem süßes kleines Ichen liege in Indien begraoen! Na, Gott sei Dank, daß Ja* ro tft, und ich ihn wieder in meine Gebete etn-( schließen kann!" Gerührt wischte sie sich die Augen mtt dem Schürzenzipfel. ,-Sie aber, meine Damen, Sie brauchen nur zu befehlen, und alles soll nach Ihren Wünschen g - schehen. Ich würde jedem meine beiden Hände unterdre Füße legen, der gut und freundlich mit meinem lieben Master .aktuell" Dann JugeuLstil-Sinieu und -Farben zum MoÄenI Ware» einmal die Arrntäldelern in reicher AuSwaL verModenöericht üöer Waskenliostüme. Bearbeitet iinb mit Abbildungen versehen von der Internationalen Schnittmannfaktur Dresden-N. Reichhaltiges Modcnalbum und Schnittmusterbuch zu 50 Pfg. daselbst erhältlich. ES ist eine bekannte Sacke, daß der Geist einer gewissen Feit ein Spiegelbild findet in der Form der Kleidung, wie es die Zopfzeit, die Revolutionszeit, die Biedermaierzeit rc. beweist. Jene Beobachtung nun, von der Bühne der Welt, wiederholt sich im Keinen auf den alljährlichen Masten- festen, die wenigstens teilweise ein Spiegelbild der Zeitereignisse in der hohen Politik sowohl, als auch aller sonstigen Erscheinungen des modernen Lebens geben. Alles was als aktuell im Vordergrund des Interesses steht, findet seinen mehr oder minder gelungenen Ausdruck bei den treten, die Geishas und Japanerinnen gab es seinerzeit ebenfalls in den verschiedensten Variationen, und auch Madame Sans Gene hat reichlich Nachahmerinnen gefunden. Fast jeder Karneval hatte auf diese Weise sein Gepräge. Ter diesjährige dürfte nun ohne Zweifel stark von den Reformbestrebungen der Vereine für Verbesserung der Frauenkleiüung beeinflußt werden, denn Ausstellung auf Ausstellung von Reformkleidern sucht die Vorzüge derselben klar zu machen, und bedeutende Künstlerseste schreiben direkt die Refi>rmkleidung vor. Ta wird denn wieder alles, was. mit diesen losen, ohne feste,l Anschluß in der Taille gearbeiteten Gewändern harmoniert, zur Entfaltung kommen. Gerade diese Formen sind nun glücklicherweise sehr gut dazu geeignet, die verschiedensten M>een in kleidsamer Weise darzustellen, sodaß es trotz der Uebereinstimmung der Grund- ten. Was ist nickt alles schon im Laufe der Jahre gewesen und wieder veraltet. Tie letzten Jahre " •— ° -'ng mit 22. Kapitel. Eine Wettfahrt. Inzwischen hatte sich Terence ins Frühstückszimmer be- geben, wo er Mr. So bett vorfand, der blaß und verstört auf und ab ging, und in seiner Aufregung eine Cigarette «m die andere rauchte. „Bei Gott, der Kutscher!" ries er, plötzlich stillstehend. „Was führt denn Sie hierher?" kam mit Miß DArch, die ihre Schwester auszu- sslchen wünschte", antwortete er ruhig. „Ta soll doch der Teufel dreinfahren! Die schwarz- itugige Amazone ist also ins Fell» gerüdt?" ,Lch habe eine Botschaft für ©te von Lady Fanshawe." „Gut, so schießen See los." „Sabtj Fanshawe fühlt sich zu müde und angegriffen, um persönlich mit Ihnen zu verhandeln. Sie findet, daß sie durch ihre Abreise von Ballybay einen entsetzlichen Irrtum beging, und wird in wenigen Stunden dorthin zurück- kehren." „Nachdem sie mich gründlich zum Narren gehabt, ries Lovell mit ärgerlichem Lachen. „Besser ein Narr, als ein Schurke. Gin Mann, der eine Frau wirklich liebt, wird sie niemals entführen." „Tas ist ja reizend, der Kutscher hält Moralpredigten! Gehen Sie nur, und sagen Sie Lady Fanshawe, daß ich meine Entlassung annehme — ne hat nämlich einen verflucht launigen Charakter —, daß ich es jedoch höchst sonderbar finde, einen solch heitten Auftrag einem Kutscher anzuvertrauen." / Einen Augenblick lang stand Terence ihm mit blassem Gesicht und zorrisvrühenden Augen gegenüber, antwortete aber in völlig ruhigem Tone: „Wenn Sie keinen anderen Groll gegen Lady Fanshawe hegen, so ist das ja sehr erfreu- lich, denn ich bin nicht nur ein Kutscher, sondern auch ein gebildeter Mann." „Wirklich? Ihre Sprache wenigstens ist jetzt die eines folcheu. Gewiß waren Sie Unteroffizier in einem Kavallerie- Regiment — Ihr Gang läßt darauf schließen." Terence antwortete nicht sogleich, sondern zog eine Schachtel Streichhölzer heraus und zündete sich eine Cigarette an. Nachdem er einige Züge getan hatte, sagte er plötzlich: „Sie kennen wohl die schwarzen Ulanen?" ,La, wenigstens viele davon." „Z. B. Snowden?" ,Mas hat der mit Ihnen zu schaffen?" „Hörten Sie ihn jemals Den Namen Desmond erwähnen ?" „Ten seines' Busenfreundes, gewiß. Er sott ein famoser Reiter, ein glanzender Polospieler, und dabei ein äußerst beliebter Kerl gewesen sein, der Pferde, Infanteristen und Tragoner gleich gut bändigte, und der dann zu den Goldgräbern nach Mexiko ging. Was ist mit dem?" „Tiefer Desmond bin ich" „Beim heiligen Georg!" rief Lovell, plötzlich stehen bleibend. „Und jetzt bin ich Kutscher, nachdem ich b er gebens versucht habe, als Viehzüchter in Kalifornien mein Glück zu machen. Ich Sonnte das Leben dort auf die Tauer nicht ertragen." „Was bürgt mir für diese Aussagen?" „Snowdens Handschrift werden Sie wohl kennen. Hier Habe ich einen Brief von ihm, den ich erst diesen Morgen erhielt. Sie kennen ihn lesen, wenn Sce wollen." 71 — „Nein, nein", rief er, das Schreiben zurückswßend. „Ich glaube, daß Sie der junge Tesmond sind. Was wünschen Sie weiter?" „Ich möchte gern, daß Sie die dummen Briefe jener törichten Frau herausgeben. Wenn Sie ein Freund Snowdens sind, haben Sie auch die BerpslichtunA in seinem Sinne zu handeln." Schars sah Lovell ihn an, und wohl eine Minute lang standen sich die beiden Männer schweigend Auge in Auge gegenüber, dann ging Lovell auf seine Reisetasche zu, nahm ein Paket Briefe heraus und warf es aus den Tisch. „Ta, nehmen Sie!" „Es find doch wohl alle, nicht wahr?" ,La, Ich bin fertig mit chr und bebaute es im Grunde auch gar nicht, denn sie hat ein verflucht launisches Wesen und eine infame Zunge. Aber es ist doch immerhin eine verteufelt unangenehme Situation für einen Mann, wenn die Sache so plötzlich abgebrochen und die Tame eingefangen und zurückgebracht wird. Ich hoffe nur, daß die Geschichte nicht in London bekannt wird." „Und auch hier nicht", fügte sein Zuhörer eifrig hinzu. „Wir wollen beide unser Möglichstes tun. Mit Tagesanbruch fahren die beiden Damen ab, um noch vor Sir Greville in Ballybay einzutreffen, der um mittag dort erwartet wird." „Becm heiligen Georg, wenn das nur kein totes Rennen giebt!" ,Hoffentlich nicht! Um eines möchte ich Sie jedoch noch dringend bitten, und das ist, mein Inkognito zu wahren." Lovell nickte zustimmend. „ES wäre mir leid, wenn ich meine Stellung hier ausgeben müßte", fuhr Terence fort, „denn ich werde gut bezahlt, der Aufenthalt in frischer Luft und die Beschäftigung mit Pferden sagt mir zu. Em. Mann muß eben sehen, tote er sich anständig durchs Leben bringt. Selbst ein bescheidener Beruf ist besser, als seinen Freunden zur Last zu fallen. Doch nun leben Sie wohl. Wenn Sie wollen, so können Sie Snowden von mir grüßen." „Ach nein, das iverbe ich lieber unterlassen, er könnte sonst nach der Veranlassung unseres Zusammentreffens fragen. Sie sind wirklich ein guter Kerl, Desmond — ganz so, wie man Sie mir immer schilderte, und ich habe mich Ihnen in dieser Angelegenheit in einem verflucht schlechten Lichte gezeigt", fügte er, seinem Gegenüber die Hand entgegenhaltend, hinzu. । (Fortsetzung folgt) Bilderrätsel. (Nachbildung verboten). (Auflösung in nächster Nummer.) 72 Nr. 906. Modrll Mrdctl Nr. 906. trachten em. Tenn die, in fast jeder größeren Stadt statt- sindenden Alpenvereinsfeste haben den Bauernkoitumen wieder zu Ansehen und Würden verhalfen.. Unter den Trachten der Vergangenheit ist die des altdeutschen Bnrger- mädchcns eine der schönsten, und für junge Mädchen ganz besonders kleidsam und hübsch und vorteilhaft auszusehen ist erklärlicherweise mit der Hauptwunfch eines jeden jungen Mädchens. Unser Modell Nr. 908 veranschaulicht em derartiges Gretchenkostüm, das besonders einer zarten Blondine gut stehen wird. Es besteht aus hellblauem Kaschmir und ist mit'schwarzem Sammet garniert. Tie glatt ,anliegende Taille ist viereckig über einem weihen Chemisett cmsge- schnitten und mit einem schwarzen Sammetstreifen umrandet. Ebenso sind die Puffärmel mit schwarzen Sammetstreifen zusanlmengehalten und enden in einer tief auf dre Hand fallenden schwarzen Sammetmanschette. Ter werte Rock ist durch einen weiten Gürtel, welcher auf der linken Hüfte aufsitzt, gerafft. Er hält ein zierliches besticktes Täschchen. Ebenso ist das kleine Häubchen aus schwarzem Sammet mit seidenem Aufschlag gefällig bestickt. Zum Schluß wollen wir rroch eines der allgemeinsten, Maskenkostüme beschreiben; wir meinen nämlich den Tomino. Man wird Unrecht tun, wollte man den vielgebrauchten deshalb in seiner Ausstattung vernachlässigen, weil er an und für sich anspruchslos sein will, eingedenk des Zweckes zu verbergen und zu verhüllen. Mer oft tritt er doch auch aus dieser Reserve heraus, besonders wenn er, wie so ost, seitens Praktische Frauen lieben die Garderobe für sich und ihre kleinen Lieblinge selbst zu verfertigen, denn das Schneidern im Haus bietet wesentliche Ersparnisse und macht viel Freude, wenn das, was der Hände Fleiß erzeugte, auch chik und kleidsam ist. — Um wirklich günstige Erfolge zu erzielen, nmß man sich der rechten Hilfsmittel bedienen, und als solches darf an erster Stelle „Tie perfekte Schnee derin" aus dem Verlag Europäische Modenzeitung, Tresden, empfohlen werden, nicht nur weil sie die praktischste und UttM fassendste, sondern auch weil sie die billigste Anleitung sue Tamenschneiderei ist. — Sie erscheint soeben in 15 Li.fe- rungen ä 50 Pfg. Prospekte sind durch alle Buchhandlungen sowie durch den Verlag erhältlich, form an Abwechslung nicht fehlen wird. Unsere kleine Skizze Modell Nr. 906 zeigt z. B. ein Blumenkostüm, eine Marguerite darstellend, in diesem Geschmack. Auf ein halb- anliegendes Unterkleid fällt ein ganz loses oder plissiertes Ueberkleid aus ganz dünnem Stoff, welches mit Ranken von Margueriten verziert ist. Ten Kopfschmuck bildet je eine große Blüte zu beiden Seiten des Gesichts. Auf gleiche Weise können natürlich die verschiedensten Blumen verkörpert werden. Mer auch andere, und zwar die verschiedensten Ideen lassen sich bequem auf dieselben Grundformen in der reizvollsten Weise entwickeln, und wechselt dann nur die Farbe des Herstellungsmaterials und die Garnitur. So würde z. B. hochroter Chiffon in reizvollster Weise dazu dienen/ eine Koralle zu verkörpern. Der untere Kleidvand wird mit Korallenzweigen aus rotem Sammet benäht. Korallenbüschel zu beiden Seiten des Gesichtes und Korallenketten zum Verschnüren der Taille bilden den übrigen höchst kleidsamen Schmuck. Ein Firmament darzustellen, ist ebenfalls nicht schwer, wenn man schwarzen Chiffon und silberne und goldene Sterne, Sonnen und Monde zum Benähen des Stoffes verwendet. Und so könnte man noch eine große Anzahl origineller Ideen anführen. Wir nennen nur kurz einige Namen und überlassen es den geehrten Leserinnen, ihre eigene Phantasie in Bezug aus Ausführung walten zu lassen. Herzdame, Schneeball, Libelle, Pfauenfeder, Weinstock und vieles andere mehr. Schließlich wollen wir noch ein ganz originelles Kostüm, in diesem losen Kleidschnitt älterer Tarnen den bequemen Ersatz des Maskenkostüms überhaupt bildet. Auch ein Tvmino möchte chrk und kleidsam sein Modell Nr. 909 veranschaulicht einen solchen in eleganter Ausführung. Terselbe ist hauptsächlich dazu bestimmt, eine darunter befindliche Toilette zu verbergen, und ist daher sehr weit Gehalten. Hinten ist er serpentinförmig geschnitten und vorn ist er an eine Passe eingeretht gesetzt. Er schließt mit einem breiten Kragen ab. Außerdem ist dem kmlsloch eine weite Kapuze angesetzt, welche auch den Kopf vollständig einhüllt. Gute Schnitte für allerlei Maskenkostüme erhält man von der Internationalen Schntttmanu- saktur, Tresden. aus geführt, erwähnen, denn es dürfte gewiß bei vielen Beifall finden. Es stellt eine Bandhändlerin dar und besteht zum größten Teil aus bunten Bändern, welche von der verkürzten Taille an ganz dicht auf ein plissiertes Unterkleid fallen. Bei jeder Bewegung nun entwickeln diese flatternden. Bänder ein lustiges Spiel, das sehr gut zu dem originellen Kopfputz aus grotesken Bandschleifen in dem hoch aufgesteckten Haar paßt. Ein Hausierkasten mit allerhand bunten Bandvollen dient als nähere Erklärung zu diesem durchaus nicht banalen Kostüm. Toch so g.ut tote alle bliese losen Kleider bereits eine große Anzahl Freunde haben, so haben sie auch ihre Gegner, welche nicht aus den festen Halt, den das Storfett gibh verzichten wollen. Für diese gibt es ohne Zweifel noch eine ungleich große Anzahl von Berkleidungen, und jedes Jahr vergrößert sich diese Auswahl, denn das schon da-, gewesene ist nicht immer das schlechteste, wenn es nur mit dem Wesen der Trägerin übereinstimmt. So werden z. B. alle Trachtenkostiime nie unmodern werden, seien es nun Trachten der Vergangenheit oder Volkstrachten, dte noch jetzt getragen werden. Bedingung ist nur, daß diese Kostüme so viel wie möglich echt sind, denn sonst wirken sie imkünstlerisch. Besonders bei den ländlichen Trachten, den sogenannten Bauernkostümen, macht man oft die größten Anstrengungen und scheut keine Kosten, um sich echte Kostüme zu verschaffen. Eine bevorzugte Stelle nehmen dabet die in Oberbayern, Tirol und der Schweiz getragenen VolksU'ieocil Nr. 909. Redaktion: Curt Plato. — Rotationsdruck und Perlag der Brübl'schen UniversitätS-Buch. und Cteindruckerei (Pietsch Erben) in Gießen.