Samstag den 30. August. UI U'u2. — Nr. 12V. ii hRM« MW 8« W' WI MW! (Nachdruck verboten.) Miß Cookson aus New-Aork. Bon Heinrich Lee. (Fortsetzung.) Herr Bennet war Bells Wetter. Won Newport hatte er Bell nach Newyork begleitet und von Newyork jetzt wieder hierher nach Longbranch. Tug für Tag kam er zu Bell 8>u Besuche dafür war er eben Bells einziger Verwandter und dafür hatte er auch die genügende Zeit. Nur wenn Bell nicht zu Hause war, dann mußte er mit ihr allein vorlieb! nehmen, dann plauderten sie. Ein leichtes Lächeln flog über Carlas Züge. Sie mußte daran denken, wie zugeknöpft, wie steif Herr Bennet im Anfang gegen sie gewesen war, als fühlte er im Stillen etwas feindliches gegen sie, obwohl sie ihn doch nie int mindesten beleidigt hatte. Nun aber war er ganz anders geworden, namentlich seit der letzten Zeit, seit sie hier in Longbranch weilten und seit es Frühling geworden war. Es traf sich noch häufiger als früher, daß, wenn er kam, Bell zufällig nicht da war Und sie in ihrer Unterhaltung allein blieben. Ueber alles plauderte er mit ihr und am meisten über Deutschland, über ihre Heimat, von der sie ihm nicht genug erzählen konnte — nur von Herwarth sprach er niemals, nie fragte er nach ihm. „Nun, wie gefällt Dir Fred?" hatte sie Bell einmal gefragt und dabei hatte sie gelächelt, was sehr merkwürdig war, weil Bell sonst niemals lächelte. Gut gefiel ihr Herr Bennet und das sagte sie auch zu Bell. Und Bell erwiderte darauf: „Tas verdient er auch von Dir. Er ist ein vortrefflicher Mensch." Sonst war Bell in ihrem Urteil über die Menschen so Kart. DeshalK, konnte Carla diese ihre Worte nicht vergessen. Ein Geräusche, das von der Gartenthür herkam, ließ sie den Kopf nach dieser wenden. Eine leichte Röte schoß tn ihre Wangen, und sie wußte nicht, ob sie die Arbeit aus der Hand legen oder weiter arbeiten sollte. Es war Herr Bennet, der.in den Garten trat. Er kam von Newyork, wo er jetzt auch eigentlich an- sässig war — denn er hatte jetzt fleißig in seinem Kontor zu thun und das Zimmer, das er in einem der Stvandhotels gemietet batte, benützte er nur, wenn er in Longbranch einmal über Nacht blieb. Er kam heute noch in der besonderen Absicht, um Bell und Carla zu der Dreßparade abzuholen. Als er Carla erblickte und sah, daß sie im Garten ganz allein war, ging er auf sie zu. Carla hatte ganz Recht. Er war ihr anfänglich mit Mißtrauen, ja mit Abneigung entgegengetreten, denn sie war „seine" Schwester und eine Deutsche noch nebenbei. Je näher er aber mit ihr bekannt! wurde, um so mehr änderte sich, das in ihm. Mn Mädchen wie Carla hatte er bisher in seinem Leben noch nicht kennen gelernt. Solche Mädchen gab es nicht unter der Newyorker Damenwelt, wenigstens' nicht in jener anglo-amerikanislWN Gesellschaft, in der Fred aufgewachsen war und auf ditz ausschließlich ein junger Mann seiner Art in seinem Bere kehr beschränkt blieb. Won dem selbstbewußten, eigenwilligen und ost mich! herausfordernden Wesen, das den jungen Mädchen seines Landes eigen war, bildete dieseK deutsche Mädchen das gerade Gegenteil. Im Anfang war sie zu ihm wie ein schüchternes Kind gewesen. Das KindA liche, der Grnndzug ihrer Persönlichkeit, eben das, was Carla für ihn so eigenartig machte, hastete iHv auch jetzt noch an, wo sie doch schon gute Freunde geworden waren. Aber dabei war sie doch viel mehr als ein Kind. Fred hatte ein entschiedenes Gefallen an Carla gefunden. Daß sie „seine" Schwester war, dafür konnte sie doch nichts, das" war nicht ihre Schuld. Nun saß er ihr gegenüber und Carla hatte ihre Handarbeit wieder ausgenommen. Auch diese Handarbeiten, mit denen sie sich so viel beschäftigte, hatten etwas Merkwürdiges, beinahe Unverständliches für ihn. Solche Sachen bekam man doch fertig in dem ersten besten Bazar zu kaufen und keiner der ihm bekannten Damen fiel es etn> ihre Zeit mit solchen Künsten zu vertrödeln, abgesehen davon, daß sie so etwas vielleicht gar nicht einmal gelernt hatten. Diesmal war es eine Häkelei, an der Carla arbeitete, ein Tischläufer, der für Bells Speisesaal bestimmt war. „Warum, Miß Carla", fragte er nun, indem er ihren feinen Fingern zusah, wobei ihm auch ihre hübschen Grübchen ant Handgelenk wieder in die Augen fielen, „warum kaufen Sie das nicht im Laden, warum Plagen Sie sich damit?" „Das ist doch aber keine Plage, Herr Bennet", entgegnete sie heiter, „das mache ich doch gern." „Mer eine unnütze Arbeit ist es." Auch darin mußte sie ihm widersprechen. Tas, was' man fertig in den Bazaren bekam, das hatte alles etwas so Kaltes, Gefühlloses. Dagegen etwas, was man selbst verfertigte, das hatte doch eben etwas Freundliches, Gemütliches und zugleich! war es auch eine Erinnerung an die Hand, die es geschaffen hatte. Herr Bennet verstand das wohl aber nicht. So etwas verstand man wohl nur in Deutschland. Stundenlang, ohne sie zu unterbrechen, hätte er ihr zuhören können. „Doch., Miß Carla", sagte er, nachdem sie beide eine kleine Weile hierauf geschwiegen hatten, „jetzt verstehe ich' Sie." ,Ha?" Ja " Dabei schlug sie erfreut die Augen zu ihm auf, ihr« 514 ‘ä Blicks begegneten sich Carla Wurde Wiebe r ein Wenig rot, Und dann sah sie wieder auf ihre Arbeit. Ihre beiderseitige Unterhaltung war allerdings nie sehr geistreich, dazu war weder Carba noch Fred Bennet selber veranlagt. Fred sprach darauf von der Dresch arade, aber nachdem er ihr das erklärt hatte, schüttelte sie belustigt bett Kopf. Sie hatte ja überhaupt kein neues Meid und auch keins, mit dein sie Staat machen konnte. Sie brauchte auch keins — für wen denn,? Bei Bell freilich war das etwas Anderes — und Carla fragte Herrn Bennet, ob sie nachsehen sollte, vb Bell nun bereit war. Dabei erhob sie sich aber Fred Lat sie, noch zu bleiben. Er hatte ihr n o ch etwas mit« zuteilen. „Vielleicht blos noch ein paar Tage, Miß Carla", sagte er, „und datm gehe ich fort von Newyork, dann gehe ich auch fort von Ihnen." Carla stieß einett kleinen Schrei aus; sie hatte sich in den Finger gestochen — Ob aus Versehen oder aus Schireck. „So", erwiderte sie nur. Fred erklärte ihr weiter, daß, falls der Krieg zum "Ausbruch kommen würde, woran nun nicht mehr zu zweifeln .wäre, denn der Kongreß Hütte jetzt die fünfzig Millionen bewilligt, die Marine würde mobil gemacht und die Küsten in Verteidigungszustand gesetzt — daß in diesem Falle alle Unverehelichten juttgett Männer in dem Klub, dem er angehörte, sich entschlossen hätten, in das .Heer als Freiwillige einzuiretett. „Wenn aber kein Krieg wird!" sagte sie kleinlaut, wie irgettd jemandem zunt Trost. „Tann, Miß Carla, b mitt bleibe ich hier!" an MrenWillen hatte sie aufgepflanzt, und was noch Schwache in ihr gewesen, das hatte sie unter ihre Füße getreten. So, statt des Herzens einen Stein in der Brust, wollte sie Weiter leben — bis es einmal zu Ende war. Und noch jetzt war sie sein Weib und trug noch seinen Namen. v ' Sie sah so angestrengt auf ihre Arbeit, und er blickte ihr jetzt mit einer solchen Aufmerksamkeit zu, daß sie beide Nicht bemerkten, wie drüben vor deni Hause unter dem geschnitzten Holzbach die Gestalt einer Dame jetzt sichtbar Wurde. Es war Bey. Sie kam vom Strande, von ihrem Morgeubade. Darauf deutete auch das einfache Weiße Piquekleid, das sie trug, Und der schlichte Strohhut. In der Hand hielt sie einen anfgespantiteii Sonnenschirm. Als sie die Beiden erblickte, blieb sie stehen, und' ein jfrtfer MW von Zufriedenheit huschte über ihr sreund- Tie Anziehung, die Carla auf Fred auszuüben begonnen Kitte, war ihr längst nicht mehr fremd, und sie freute sich d« nüber.. Seit Jahren war es schon ihr Wunsch, daß er endlich von seiner Leidenschaft zu ihr geheilt würde und daß es einem anderen Mädchen gelingen möchte, ihm das .Glück zu schwenken) das er in jeder Weise wert war. Nun War er auf dem besten Wege dazu. Und würde nicht auch Carla an ihm einen Mann bekommen, wie man ihn nicht Vesser für sie finden konnte? Carla war ein Vermächtnis, für das sie zu sorgen hatte. Sie war nicht mehr ihre Schwester, sie war ihr Kind- Ringsum leuchtete der Frühling, das Glück, wie es sich dort drüben in den beiden jungen Gestalten Verkörperte. Nur ihr selber sollte nie ein Glück erblühen. Ausgeschlossen stand sie da — hinter goldenem Gitter. Hitchock hatte ihr aUseinandergesetzt, welche neuen und abermaligen Schwierigkeiten und Verzögerungen dadurch M™?", daß man des Verschwundenen, Verschollenen Nicht habhaft Werden konnte. Warum gab er kein Lebens- öerchen von, sich, warum versteckte er sich? blleicht ist ihm ein Unglück zngestoßen", hatte der alte Mann in seiner ruhigen, geschäftsmäßigen Weise gesagt „vielleicht auch lebt er gar nicht mehr. Leuten, die man övr'Verzweiflung treibt, passiert ja leicht mal was. Aber deshalb brauchen Sie sich Nicht zu ängstigen. Wir warten noch ein halbes Jährchen und zuletzt lassen wir ihn für tot erklären — amtlich. So ober so — dann sind Sie Mtwe." Natürlich hatte sie Hitchpck verstanden — auch Wenn er nicht ganz anszusprechen Wagte, was er eigentlich Meinte. Er meinte, daß s i e es war, die „ihn" in die Verzweiftung getrieben hatte — und in den Tod. Damit glaubte er, die Reue in ihr zu Weckens das Mitleid mit ihm — damit meinte er, sie schwach machen zu können. Vielleicht Wta auch dieser alte Mann nichts anderes, nichts besseres als ein Betrüger, der mit ihm, dem angeblich Verschollenen, int Einverständnis stand, so daß „er", wenn sie erst in die Falle gegangen war, dann plötzlich lebendig vor ihr stand. Einmal war es ihnen mit einer Falle geglückt. W sollte ihnen nicht zum zweiten Male glücken. Glaube, Verttauen! Das waren auch die Tröstungen der Religion. Aber Glaube und Verttauen waren in ihr gebrochen — und es gab keine Macht, die sie wieder auf» richten konnte. Noch immer bemerkten die Beiden sie nicht, so vertieft waren sie in ihre Unterhaltung — jetzt ergriff Fred Carlas Hand. Sie trat in die Veranda zurück. Sie lächelte wieder einmal und ihr Lächeln sagte: „Er hat mich ewig lieben wollen, das hat er mir geschworen, und nun wird er also eine Andere lieben. Wie gut, daU ich auch ihm niemals geglaubt habe." Vierzehn Tage nach dem Ostersonntag, am 23. April, erfolgte die Kriegserklärung und Fred kam nach Longbranch heraus, um Abschied zu nehmen. Er war von Mut und Opferfrende erfüllt. In allen diesen jungen Leuten, deren ganze Thätigkeit sonst ausschließlich auf Geldverdienen gerichtet War, War bei dem Rufe des Vaterlandes eine Art von Idealismus erwacht, den niemand für möglich gehalten hätte. Er war zuerst mit Bell allein. „Leb' Wohl", sagte sie zu ihm, „ich halte Dich nicht. Ich wünschte, ich wäre ein Mann, und ich könnte mit. Ich tarnt Dich nur beneiden." IN dieser Abschiedsstunde fühlte er die Veränderung, die mit seinem Herzen vorgegangen war. In seine Freude mischte sich der Trennungsschmerz. Wer dieser Schmerz galt weniger Bell als Carla. „Bell", sagte er, denn Nun er sich über sich selber klar geworden war, nun wußte er, daß es audji ihr nicht verborgen geblieben sein konnte, „Bell, was denkst Du von mir? Von mir und Carla?" „Daß sie Deiner wert ist und daß ich mich herzlich darüber freue." Er sah, daß sie nicht gekränkt War und dankerfüllt und stumm küßte er ihr die Hand. „Bell", sprach, er dann, „wie soll ich jetzt Wissen, daß' sie die Rechte ist, daß sie nicht blos ein notbürftiger Ersatz ist, für Dich" „Warte, bis Tu heimkehrst", erwiderte sie, „und wenn Tu sie bis dahin nicht vergessen hast, bann heirate sie." „Vorausgesetzt, baß sie mir nicht einen Korb gießt wie Tu." ,^as wollen wir gleich einmal probieren." Carla trat eben ein. „,Fred will sich von Dir verabschieden", sagte Bell, „er geht in den Krieg!" „In ben Krieg!" Stt würbe blaß vor Schreck, und als Fred ihr die Hand reichte und sie mit seinen warmen braunen Augen ausahs und nichts weiter sagte, als: „Ich komme Abschied nehmen, Miß Carla", wurde sie wieder rot. Noch an demselben Tage bestieg Fred mit seinen Freunden einen der Dampfer, die regelmäßig Von Newyork nach Florida gehen, uin sich unter das Kommando von Admiral Sampson zu stehlen. (Fortsetzung folgt.) Im Reiche des Kaffees. Bon A. G. R o d e w a l d. Nachdruck verboten. Der Amerikaner E. C- Rost hat auf seinen Weiten Reisen die größten kaffeeproduzierenden Länder der Welt besucht — darunter die Kaffeefelder Brasiliens) der Philippinen, Havais, Kubas und Puerto Ricos — und teilt in einem langen Reisebericht, welchem ich einige interessante Einzelheiten entnehme, seine Beobachtung mit. Er betonte, daß er den ungeheuren Einfluß des Kaffees auf den Welthandel doch erst erkannte, als er Brasilien bereiste. Denn kein anderes Kaffee produzierendes Gebiet könne sich auch nur im entferntesten mit Brasilien messen. Da Rio Janeiro Vas Zentrum des Käffeehändels der Welt ist, so geht Rost von diesem Punkt aus, um sich von hier aus nach den Kaffeedistrikten im Innern des Landes zu begeben. Eine zwolfstündige Fahrt bringt ihn nach der Stadt Sao Paulo, der Hauptstadt einer von Deutschen begründeten Provinz gleichen Namens. Sao Paulo liegt auf einer großen Ebene, deren Horizont von niedrigen Hügeln begrenzt ist. Die Stadt hat eine Bevölkerung von mehr als 350 000 Einwohnern und verdankt ihre ganze Existenz dem Kasfeehandel, deren Mittelpunkt sre ist. Es ist eine moderne Stadt mit breiten Straßen und komfortablen Häusern. Sie hat elektrisches Licht und Straßenbahnen amerikanischen Systems. Hier leben die Plantagenbesitzer, welche „Fazendeiro" genannt werden, während der Wintermonate in schönen, komfortablen Häusern. Wir müssen jedoch noch weiter reisen, um dis kaffeeproduzierende Gegend zu erreichen. Bon Sao Paulo zweigen sich viele Eisenbahnlinien ab, die im wesentlichen alle vom Kaffeetransport existieren. „Nachdem ich Sao Paulo verlassen", so fährt Rost in seiner Schilderung fort, „machte ich zuerst in Campinas Station, 130 Kilometer von Sao Paulo entfernt. Man sieht hier viele große Kaffeepflanzungen, doch nm die berühmtesten Kaffepflanzungen zu erreichen, muß man noch weiter gehen. So reiste ich mit der Eisenbahn 600 Kilometer weiter bis Buenopolis, wo wir die größten Fazendas der Welt finden. In einigen derselben giebt es etwa fünf Millionen Bäume. Mr sehen hier nichts als gerade Reihen von Kaffeebäumen, welche die Abhänge der Hügel bedecken. Wir befinden uns aus einem welligen Tafelland, etwa 200 Fuß über dem Meeresspiegel. Der Fazendeiro lebt mit seiner Familie in einem Haus, welches gewöhnlich in der Mitte seiner Fazenda auf erhöhtem Boden liegt, sodaß er von dort eine ungehinderte Aufsicht über seine Besitzung hat. Diese Häuser sind gewöhnlich von prächtigen Obst- und Blumengärten umgeben, in denen ich Ananas neben Wassermelonen, Erdbeeren, Orangenbäumen, Bananen und in der That alle tropischen Früchte Süd-Amerikas sah, sowie viele der gemäßigten Zone. Diese Häuser sind von ungeheurer Größe; bte Zimmer sind sehr geräumig und ost 25 Fuß hoch." Eine solche Fazenda ist eine Welt für sich. Es befinden sich dort Gebäude für die verschiedenen Aufseher, ein Krankenhaus, Scheunen, Gebäude für die Arbeiter, Maschinenhallen usw. Die Maschinen dienen sämtlich dazu, den Kaffee marktfertig zu machen. Rings um diese Gebäude liegen die immensen Trockenfelder, welche in manchen Fällen einen Kilometer lang sind. Der Kaffeebaum ist ein immergrüner Baum; er hat gewöhnlich einen einzigen Stamm, ein langes; glattes, glänzend dunkelgrünes Blatt und wohlriechende weiße Blüten. Die Beeren stehen in Gruppen von 3 bis 12 Stück zusammen und haben entweder sehr kurze oder gar keine Stiele. Die reife Frucht gleicht an Größe, Gestalt und Farbe einer mittelgroßen Preißelbeere. Jede Beere enthält zwei, in ein gelbliches, süßliches Fruchtfleisch gehüllte Samen. Das Fruchtfleisch ist von köstlichem Geschmack. Jeder Same hat die Gestalt einer unregelmäßigen Halbkugel, sodaß die beiden Samen zusammen eine fast vollständige Kugel bilden. Das Fruchtfleisch wird auf mechanischem Wege entfernt, und dann die Bohne von der dünnen Pergamenthaut befreit. Darauf werden die Bohnen noch poliert, und stellen so den Handelskaffee dar. Zuweilen enthält die Beere nur ein Samenkorn, da das andere sich nicht entwickelt hat. Dieses Samenkorn ist dann fast rund, zeigt aber auch! den der Kaffeebohne eigenen, mittleren Einschnitt und ist als männliche Kaffee- beere bekannt. Diese Art Bohnen finden sich häufig unter dem Mokka-Kaffee, sowie unter dem der Mamamguape- Region Brasiliens. Ueberhaupt giebt es derartige Bohnen in größerem oder geringerem Maße bei allen Kaffee- arten. Dieser Kaffee wird beim Reinigungsprozeß ausgeschieden und als besondere Qualität verkauft. Es ist in der That der Kaffee, den wir heute unter dem Namen „Mokka-Kaffee" kennen, und es werden Tausende von Säcken dieses Kaffees von Brasilien direkt nach Aden, dem Versandhafen für Mokka-Kaffee, verschifft. Es giebt heutzutage keinen echten Mokka-Kaffee, d. h. in Yemen oder Wady Megran gebauten Kaffee. — Der Kaffeebaum in Brasilien trägt durchschnittlich fünf Pftmd Bohnen, doch variiert der Ertrag itt manchen Sektionen zwischen 3 und 6 Pfund. Wenn wir in Erwägung ziehen, daß der Durchschnittsertrag in anderen Ländern wenig mehr als 1 Pfund pro Baum beträgt, so sehen wir, welchen immensen natürlichen Vorteil Brasilien genießt. Die rapide Abnahme der Kaffeekultur aus den westindischen Inseln und das völlige Fehlschlägen derselben auf Ceylon und in vielen anderen Teilen des Ostens, bewirken, daß Brasilien nur wenige starke Konkurrenten hat. Brasilien produziert mehr als zwei Drittel des ganzen Kaffeekonsums der Welt und in einem Jahre bei einer außergewöhnlich guten Ernte übertraf seine Produktion den ganzen Weltkonsum sogar noch um 60 000 Tonnen. Es produzierte nämlich in diesem Jahre 660 000 Tonnen, während der Weltkonsum nur 600000 Tonnen betrug. Es ist eine eigentümliche Thatsache, daß große eng- ische und deutsche Kapitalien in der Kaffeeindustrie Bra- ikiens angelegt worden sind, während Amerika dieses chöne Thätigkeitsgebiet übersehen hat. Die Kaffeekultur Brasiliens stellt den einträglichsten Bodenanbau der Welt dar. Der Kaffee kann beträchtlich unter den jetzigen Preisen produziert werden, wie einige der Gesellschaften bewiesen haben, und mit noch höherem Gewinn als Roggen oder Weizen im Westen Nord-Amerikas. Die beispiellose Wohlfahrt des Staates und der Stadt Sao Paulo liefert hierfür den besten Beweis. Das Wachstum der Kafseeindustrie hat aus der Universitätsstadt mit 20000 Einwohnern eine kosmopolitische Großstadt mit mehr als 250 000 Einwohnern gemacht und den Staat mit einem Eisenbahnnetz versehen. Es ist in allen brasilianischen Häusern Sitte, Besuchern eine Tasse Kaffee anzubieten, und zwar wird der Kaffee jedesmal frisch geröstet und gemahlen. Er wird nicht gekocht, sondern zu feinem Pulver gemahlen und in einen konischen, wollenen Beutel geschüttet, durch den man das heiße Wasser zweimal hindurchgehen läßt. Dieser vom Produzenten selbst bereitete Kaffee ist also das Ergebnis eines Aufgusses, und nicht eines Aufkochens. Solch eins Tasse Kaffee soll etwas ganz köstliches sein. Der Brasilianer trinkt fast allstündlich während des Tages eine kleine TassS schwarzen Kaffees, ja schon um 6 Uhr früh wird ihm und seinen Gästen eine solche Tasse Kaffee in das Schlafzimmer gebracht. Der Unterschied im Geschmack des Kaffees auf unseren Märkten ist hauptsächlich zwei Gründen zuzuschreiben. Erstens dem Rösten zu einer rötlich^braunen oder einer dunkelbraunen Farbe, zweitens dem Pflücken des Kaffees in verschiedenen Stadien der Reife; manche Beeren finK noch grün, andere rot und noch andere dunkelpurpurn. Die letztgenannte Farbe ist die der völlig reifen Frucht. So haben wir von jeden: Baum drei Qualitäten. Fügt man nun noch den erwähnten Unterschied im Rösten hinzu, so haben wir sechs Qualitäten. Ferner rechne man mit der tadellosen, an einer Seite abgeflachten Bohne und der sog. runden Mokkabohne, und man hat achtzehn Kaffeesorten, Die Bohnen werden in der erwähnten Weise gepflückt. Wollte der Pflanzer warten, bis die unreife (grüne) Beere reis ist, so würde inzwischen die reife (purpurfarbene) Beere abgefallen sein. Infolge des ungeheuren Maßstabes, in welchem die Kasfeeindustrie in Brasilien betrieben wird, müssen natürlich Maschinen verwendet werden, um die Ware marktfertig zu machen, während in anderen Ländern die Arbeit gewöhnlich mit der Hand verrichtet wird. Das gleichzeitige Pflücken der reifen und unreifen Beeren — was in anderen Gegenden, wo die Beeren auf kleinen Plantagen je nach der Reife getrennt gepflückt werden, nicht geschieht — bildet die Ursache, daß von Brasilien jene geringe oder billigere Qualität auf den Markt kommt, die den Kaffee von Sen tos und Rio einen untergeordneten Ruf verschafft hat. Wir können jedoch mit ziemlicher Sicherheit annehmen, daß auch der beste Java- und Mokkakaffee in Brasilien gewachsen, dann nach Aden verschifft und von dort aus exportiert ist. Der brasilianische Kaffee wird in der Regel via Sao Paulo versandt, obgleich auch ein großer Teil nach Rio de Janeiro geht. — Rost ging nach Sao Paulo zurück und reifte von dort auf einer englischen Bahnlinie, der Sao Paulo-Bahn, nach Centos. Dies ist die berühmte Kaffee-Eisenbahn. Sie hat eine Streckenlänge von einigen 60 Kilometern und führt bis an die Serra do Mar genannte Bergkette, an welcher eine Drahtseilbahn etwa acht Kilometer weit über vier geneigte Ebenen hinunterführt. Ein heraufkommender Zug — 516 setzt infolge der Drahtseilverbindung den hinuntergehenden in Bewegung. Die Höhe dieses Berges beträgt etwa 3500 Fuß. Die Linie wurde vor etwa 35 Jahren gebaut. Die Baukosten waren sehr bedeutend, denn es waren an den steilen Abhängen die Ausführung großer Massen Mauerwerk erforderlich. Es waren aber noch ganz andere Schwierigkeiten zu überwinden. Während eines einzigen kurzen Unwetters fallen hier enorme Regenmengen. Um diese gefährlichen Ueberschwemmungen abzuleiten, sind zahlreiche Schleusen unter der Strecke gebaut worden, und massive Röhrenleitungen sind fast längs der ganzen Oberfläche gelegt. Wenn man die Ebene unten erreicht, hat man nur noch eine kurze Fahrt bis Santos zu machen. Im Fahre 1900 ist eine zweite, mit der ersten parallellaufende Bahn mit einem noch größeren Kostenaufwande vollendet worden, um den ungeheuren Kaffeetransport bewältigen zu können. Santos ist nach Wert und Wichtigkeit seines Exportes der zweite Seehafen Brasiliens. Es ist ein heißer, schmutziger, feuchter, ungesunder Ort. Im Hafen können die Dampfer längs der schönen, steinernen Brücke anlegen, und die Kaffeewagen werden direkt auf die Docks gefahren. Dann werden ausgezeichnete hydraulische Krähne verwendet, um die Wagen direkt in die Dampfer zu entladen. Rost schildert diese Vorkehrungen für den Kaffeetransport als die vortrefflichsten Vorrichtungen dieser Art in der ganzen Welt. Vermischtes. Eine heitere Geschichte, die den enorinen Fremdenzufluß in Mainz und Umgegend treffend kennzeichnet, hat sich während der Kaisertage dort ereignet. Kamen da zwei Damen mit einem 16jährigen Verwandten aus der weiteren Umgebung nach Mainz, um sich die Herrlichkeiten der Kaisertage anzusehen. Frohen Mutes bestieg man gegen Abend einen der dem Kaiser entgegenfahrenden Dampfer, während dessen Rückfahrt man sich riesig an der herrlichen Beleuchtung erfreute. — Das Schiff sollte 10 Uhr in Mainz sein, und da war ja nochs genügend Zeit, den Eisenbahnzug, der unsere Festgäste nach der teuren Heimat bringen sollte, zu erreichen. Doch des Geschickes Mächte! — Wohl war der Zug schon seit mehr als 15 Minuten den festlichen Mauern Moguntias entronnen, als die verzweifelten Rhein- fayrer gegen 11 Uhr — die Dampfer entleerten sich der Reihe nach! — endlich festen Boden unter die Füße bekamen. — Wie das einmal so ist im Leben: In scharfem Trab gings zum Bahnhof, in der Meinung, der Zug könne vielleicht doch noch da sein — allein er war fort und —< fort ist fort. — Was machen wir nun? Im Hotel übernachten! Allüberall, wo man nun anklopfte, that sich's zwar auf, aber Platz war keiner mehr — alles, alles vergeben ! Inzwischen war man auf der Quartiersuche bis zu den Hotels zum Vater Rhein gekommen! Auch dort war leichtbegreiflich! nichts mehr zu finden. Doch halt! Da drüben liegt ja die Seestadt Kastel, dort ist gewiß Platz! Auf nach Kastel! Die Brücke dröhnte unter den hoffnungsfreudigen Schritten der inzwischen recht müde gewordenen Wanderer. In Kastel — o, jerum — das gleiche Schicksal wie in Mainz! — Verzweiflung! — Da naht ein rettender Engel in Gestalt — einer müden Droschke! „Kutscher, fahren Sie uns nach Biebrich Hotel X.; in Mainz und hier ist nirgends mehr Unterkunft zu finden!" — Und wiederum gings hinab den herrlichen Rheinstrom, freilich diesmal weniger sanft als am Abend zuvor, — auch war es inzwischen schon recht spät, 1 Uhr nachts, geworden, es war schon Samstag. Näher kam man gen Biebrich, froh grüßte man den Schein der ersten Laterne. Ter Kutscher hält am renommiertesten Hotel. „Klingeling!" Alles besetzt! Nebenan — alles besetzt! Selbst Biebrich war überbesetzt! Thränen! „Nun fahren wir weiter nach Wiesbaden!" — „O, nä", meinte der Kutscher, „mei Gaul der macht glei ab, mir könnens nit packe, 's geht beim beste Wille nit!" Was nun? Thränen über Thränen! — Da geht unserem braven Kasteler Kutscher, wenn auch spät, endlich ein Licht auf: „Wisse Se was, die Nacht is so wie so bald herum, ich fahre Ihne haam noch Kassel, mache die Chais schee zu unn do bleiwe Se de Rest vunii der Nacht unner meim Thorhaus in de Chais sitze und schlöße so gut 's ewe geht!" Gesagt — gethäu! —| Früh morgens kochte die Frau Kutscherin — sie ließ es sich nicht nehmen — unseren Gästen einen prima Cichorie und' nachdem man sich etwas in Ordnung gebracht, fuhr man in dem vierrädrigen Hotel hinaus auf den großen Sand, Was da dem Auge geböten ward, entschädigte sich alles -4 „Alles besetzt!" Die Moral von der Geschicht: Versäume Du den „Letzten" nicht. Und kommt's im Leben vor noch mal. Dann denk erst an den Wartesaal. Bon den Ostseebädern. In Süddeutschland sind, so plaudert ein Sommerfrischler in den „M. N. N.", die Ostseebäder weniger bekannt, als die der Nordsee, die kräftiger und wirkungsvoller sind. Die Dünen der Nordsee haben ja auch ihre Reize, aber das baltische Meer ist freundlicher, als sein westlicher Nachbar, und die landschaftliche Szenerie ist ansprechender. Die Buchenwälder des Ostmeeres sind weit berühmt, es giebt dort mächtige Kreideklippen aus dem deutschen Rügen und dem dänischen Moen, und das Gewässer lacht freundlicher. Die Danziger Bucht ist besonders beliebt, und der Weg von Saßnitz nach Stubbenkammer auf Rügen ist von großartiger Schönheit. Leider ist die Zivilisation in den Ostseebädern zu raffiniert geworden. Durch das Waschen der Badehosen und das Kämmerchen-Vermieten, durch Segelpartien und Darreichen der Atzung für die Fremden sind die Fischer jener Küste wohlhabend geworden; eine Familie ohne Piano giebt es dort nicht mehr, und wie eine ferne Sage klingt es, daß die Fischerstöchter früher die höhere! Mädchenschule noch nicht besuchten. Die männliche Jugend ging nach China und Australien, und wenn sie ein paar „große Fahrten" überstanden hatten, besaßen sie so viel, daß sie sich ein Häuschen und ein Boot erwarben. Hie und da legte sich auch einer dieser früheren „Meergreise"' einen Kaufladen an, in dem es Atlasbänder, Schiefertafeln, Seife und Salzheringe neben Zwirn und Wolle gab. Einen solchen Laden besaß der alte Hauer in Saßnitz, und eine Szene aus seinem Geschäftsverkehr ist mir in unauslöschlicher Erinnerung geblieben. Ein Dienstmädchen tritt ein: „Go'n Dag ok, Herr Hauer." — „Go'n Dag, mien Dierning. Wat wüst Du hebben?" — „Enen Hiring, Herr Hauer." — „Hest de enen Töller?" — „Ne". — „Heft Du Pappier?" — „Ne". — „Denn kannst Du ok Eenen Hiring kriegen". Bedauernd entfernte sich das Mädchen. Papier war so wenig am Orte vorhanden, in dem es auch keine Zeitung gab, daß die Waren nicht eingewtckelt werden konnten. In der Mittagsstunde schlief übrigens Herr Hauer im Laden, und wenn dann eine Kundin kam, brummte er, sie solle sich selber heraussuchen, was sie wolle, und am Abend oder am nächsten Tage Zahlung leisten. Ein Fall, daß jemand das Vertrauen Hauers in unredlicher Weise ausnutzte, ist wohl nie vorgekommen. Ja, die gute alte Zett! Die unglücklichen Ehemänner von Turin. Ein absonderliches Zweckessen haben die male inmogliaki, die unglücklichen Ehemänner, von Turin und Umgebung vor einigen Tagen abgehalten. Nachdem das' Festmahl mit Tischreden und Musik hinreichend gewürzt worden war, hielt beim Nachtisch der mutige Urheber der Zusammenkunft eine trostreiche Rede an seine Leidensgefährten und. Tischgenossen, worin er darauf hinwies, daß auf die parlamentarischen Anregungen hin nun auch die Regierung sich entschlossen habe, der Frage der Ehescheidung naher zu treten, und daß in absehbarer Zeit auf gesetzlichem! Wege ihren Leiden Abhilfe geschafft werden könne. Das Mahl verlief, wie die „Köln. Ztg." bemerkt, ohne Zwischenfälle, da die besseren Hälften nicht zugegen waren.. Gletchklang. (Nachdruck verboten.) Zur Höhe ragend, stolz erbaut; Am Armband meiner lieben Braut; Oft in der Lust ein Traumgebilde; Im HauS auch wird es oft erschaut, Da bietet'S Trutz der DiebeSgilde. (Auflösung in nächster Nummer.) Auflösung der Logogriphe in vor, Nr.r 1. Ehering — Hering, 2, Pinsel — Insel. Nedastion: Curt Plato. — Rotationsdruck und Verlag der Brübl'schen UniverfltötS.Buch- und Gtrindruckrrei (Pietsch Erben) in Gießen.