Samstag den 26. Juli. BM Photoär auf tafte: m 1902. — Nr. 110. Natta geriet durch diese Mitteilung in fieberhafte Aufregung. Eie hielt jetzt Almas Schuld für erwiesen. Das Datum von Löschnttz Mitteilungen an Stauffen stimmte genau mit Almas Verlobung zusammen, und das Rendezvous im Park konnte er nur mit ihr gehabt haben, während! der Abwesenheit ihres Gatten. „Ich dachte es mir", ries Natta triumphierend, „sie hat bereits vor der Ehe ein Verhältnis mit ihr gehabt/ aber den armen, verschuldeten Leutnant natürlich nicht heiraten wollen. Zum Heiraten waren Onkel Pauls Geldsäcke gut, nur wollte man nachher das Leben auch noch genießen! — Du mußt mir das Mld geben, Traute! Ich schwöre Dir, daß ich es nicht öffnen will, aber in meiner Gegenwart soll Löschnttz es öffnen, ich werde ihn dazu zu zwingen wissen!" r , Traute zögerte, ihre Einwilligung zu geben. Die heftigste Angst vor einer gefahrvollen Katastrophe packte sie. Sie fürchtete, daß Nattas Leidenschaft alle Beherrschung verlieren und unheilbares Unglück anrichten könne. Außerdem hatte sie kein Recht, das Bild einem dritten zu übergeben. Wenn Unheil daraus entstände, fiele die Schuld auf Camill zurück. , ... Sie setzte dies Natta auseinander, aber das zunge Mädchen fuhr fort zu bitten und zu flehen. Endliche sagte Traute nicht ja, nicht nein, sondern gab ausweichende Antworten, sie wolle sich die Sache überlegen. W war unterdessen so spät geworden, daß Natta an di? Heimkehr denken mußte. Traute wollte bei Graumanns bleiben, der Arzt hatte gesagt, daß der Kranke die Nacht nicht überleben werde, und sie wollte ihn in der letzten/ schweren Stunde nicht verlassem So saß sie bei ihm die lange, bange Nacht hurdurch, den Aufruhr eigener Kämpfe und Seelenqual niedergebalten und überwältigt von der nahenden Majestät des Todes- sodaß sie nur als bleischwerer Druck auf ihrem Herzen tasteten, Der TvdeMmpf hatte .begonnen/ M WMiL (Nachdruck verboten.) Manneswert. Roman von Marie Stahl. (Fortsetzung.) Traute lehnte sich, schwer an den Lattenzaun und wandte das Gesicht ab. „Wenn Du an Löschnttz' Treue zweifelst, wie kannst Du ihn lieben?" fragte sie matt. „O, ich weiß, daß er mich liebt, mehr, tausendmal mehr, als er je das herzlose, eitle Weib geliebt hat — aber das ist es eben — er hat mal etwas nut ihr gehabt — dafür möchte ich meinen Kopf wetten, und nun ist er in ihrer Schlinge und sie läßt ihn nicht los) sie hält ihn fest mit allen Künsten und aller Schlauheit, die ihr zu Gebote steht. Ihre Mutter ist ebenso schlecht wie sie. Sieh nur, wie abscheulich die alte Hexe ihren Schwiegersohn behandelt und wie süß sie mit Herrn von Löschnttz thut. Ich wette, es ist ein abgekartetes Spiel zwischen Mutter und Tochter. Seitdem Löschnttz durch! die Erbschaft ein wohlhabender, angesehener Mann geworden ist, bereut Alma, nur Frau Leh- migke und nicht Frau von Löschnttz geworden zu sein. Du weißt nicht, wie eitel und hochmütig sie ist. Und zu ihrem Aerger haben fast alle ihre Freundinnen. adelige Offiziere geheiratet. Ihre Mutter und Frau Stroppa, dieser boshafte, bucklige Schmachtlappen, stecken alle Tage die Köpfe zusammen und beklagen, daß Almä, dieser Ausbund aller Vortrefflichkeiten, nicht eine bessere Partie gemacht habe. Als ob Onkel Paul nicht zehntausendmal zu gut für sie Wftte */z „Warum beantragt Frau Lehmigke nicht lieber die Scheidung, statt ihren Gatten zu hintergehen?" Iragte Traute kopfschüttelnd, „ich! glaube, Natta, Deine Selben- schäft und Eifersucht lassen Dich die Dinge in übertriebenem Siebte „O, Du kennst diese Geldmenschen nicht! Alma kann sich! von dem Golde ihres! Mannes nicht trennen, und außerdem müßte sie doch! ihres Geliebten sicher sein, um den ersten Schritt zur Scheidung zu khun. Herr von Löschnttz denkt ja nicht daran, sie zu heiraten! Ich wette, sie strengt alles an, um ihn zum Aeußersten zu treiben, und ihre furchtbar schlechte Laune nnb Gereiztheit kommt nur daher, weil es ihr nicht gelingt, ihn. zu ihrem Willen zu bewegen. O, meine Angst, meine Todesangst, daß sie ihn durch! Jn- trtguen doch noch gänzlich in ihre Gewalt bekommt!" Natta rang die Hände und preßte sie gegen. ihre brennende Stirn; Traute sah eine Zeit lang schweigend vor sich nieder. Sie kämpfte mit sich, ob sie Natta das! sagen sollte, was! sie selbst wußte. Endlich! hielt sie Offenheit iür Pflicht. Bei Camtlls letztem Besuch! hatte sie erfahren, daß derselbe Herr von Löschnitz, der einst als ein Schiffbrüchiger von ihm Abschied nahm und ihm ba# Bild einer treulosen Geliebten rur Nernichtung übergab,, jetzt als ein Geretteter aus Amerika heimgekehrt und in Brantikow sei. Camill hatte ihr jenes Bild damals im verschlossenen! Kouvert anvertraut und forderte es nun zurück Sie hatte es jedoch! in der Eile seines kurzen Besuches nicht finden können, und schließlich! meinte Camill, es käme nicht darauf an, sie solle es nur verbrennen, wenn sie es fände, er würde sich wohl unterdessen längst über seinen damaligen Liebest schmerz getröstet haben. -vv. _ L Sie fand das Bild wirklich!, als Camill fort war,, und als gleich darauf ihre Reise nach Brantikow beschlossen wurde, legte sie es, einem augenblicklichen Impulse folgend, in ihren "Koffer, mit der Idee, fie könne vielleicht Herrn von Löschnttz durch! die Rückgabe einen Gefallen erweisen., Natürlich! wollte sie ihm sagen, daß CaMill Stauffen e$ Sie erzählte nun Natta die Geschichte dieses Bildes! und zugleich auch ihre Begegnung mit Herrn von Löschnttz gMVMWl wnii "IBÖl 438 öerla| art, persönlicher Teilnahme, Las Lehmtgle für sie Hütte, uitb auch dies war im strengsten Ton gesagt. Sonst beachtete er sie nicht weiter, und vergeblich hoffte Traute, er würde sie auffordern, ihn zu begleiten. Dies! wäre vielleicht die letzte Gelegenheit einer Aussprache mit ihm, denn in seinem Hause vermied er jetzt jedes Alleinsein mit ihr. Aber er ging mit einem förmlichen Gruß, selbst ohne ihr die Hand zu reichen, und mit sinkendem Herzen sah sie ihm nach, wie er durch den kleinen Hof nach der Dorfstraße schritt. Vielleicht ging er aufs Feld, da konnte er sie freilich nicht mitnehmen. Aber nein, er schlug die Richtung nach dem Hause ein. Traute brach mit einem Thränenstrom zusammen, so assen, so grenzenlos elend fühlte sie sich. Ihr Kopf fing heftig zu schmerzen, todmüde schleppte sie sich nach dem Herrenhause und schloß sich dort ttt ihrem Zimmer ein. Sie warf sich auf ihr Bett und versuchte zu schlafen, aber sie konnte keine Ruhe finden. Ihr ganzes Herz schrie nach ihm, der sie jetzt seine Geringschätzung fühlen ließ, es verlangte gebieterisch Wahrheit. Aber ihr Mädchenstolz und ihr Ehrgefühl lehnten sich gegen den Wunsch auf, ihn auch nur ahnen zu lassen, was sie jetzt von ihm trieb, was sie auf ewig von ihm trennen mußte. Wie glücklich, wie namenlos glücklich hätte sie werden können an seiner Seite als sein Weib, als Herrin in dieser lieben alten Heimat, wenn nicht der Unverstand ihrer Erziehung sie in falsche Bahnen gedrängt hätte! Wie strafte sich der Mangel an Urteilskraft und der falsche Hochmut. Mehr als ein Lebensglück war zerstört. Das Elend dieser Ehe hier war ebenfalls daraus entsprungen. Traute schauderte, wenn sie an Nattas Verdächtigungen dachte, eine beklemmende Angst packte sie. D as Unheil war unabsehbar, das noch kommen mußte. Und ohnmächtig mußte sie zusehen. Was sollte sie thun? Hilflos mußte sie den Mann, der ihr teurer war als 'alles auf der Welt, de« Schmach und dem Unglück entgegengehen lassen. Sie konnte ihn nicht warnen, sie tonnte ihn nicht zurückhalten von dem Abgrund, dem er mit verschlossenen Augen zuschritt. Eine Gewitterschwüle lastete über diesem Hause, die ihr den Atem nahm, sie war schlimmer, viel schlimmer als der dumpfe Druck der Atmosphäre draußen in der Natur. Und mit dieser Angst auf der Seele sollte sie fort, ihr gemartertes Herz in die weite heimatlose Welt hinausschleppen, und der Lohn für ihre Entsagung war seine Verachtung! Mußte es sein? Um eines treulosen falschen Weibes willen sollte sie so furchtbar leiden? Ach, sie hatte das Recht auf Glück verscherzt, und ob jene andere schuldig oder nicht schuldig war, sie war sein rechtmäßiges Weib, sie allein hatte ein Recht auf ihn, und jeder Gedanke, der ihr dieses Recht streitig machte, war eine Todsünde. Endlich, nach stundenlanger Qual, schlief Traute ein und schlief bis gegen Abend. Ein leichtes Geräusch weckte sie. Natta sah auf ihrem Lager, sie mußte wie ein Kätzchen hereingeschlichen sein. „Onkel Paul schickt mich, ob Du wohl genug seist, in den Salon zu kommen. Es ist Besuch da aus der Nachbarschaft, alte Bekannte von Dir, die Dich zu sehen wünschen. Willst Du kommen?" Traute erhob! sich, Sie kleidete sich schnell an, Natta war ihr behilflich und bat bei dieser Gelegenheit von neuem um das Bild, das Traute ihr vorenthielt. Als diese die Herausgabe entschieden verweigerte, bettelte Natta: „So zeige es mir wenigstens einmal, ich will nur den Umschlag sehen, ob irgend etwas daran art EriitiTCtf/7 Arglos nahm es Traute aus einem Schubfach, der Kommode, und Natta prüfte es mit Aufmerksamkeit. Es war in einem einfachen weißen Umschlag von starkem Papier eingeschlossen, der kein Wzeichen trug, aber Natta sagte triumphierend: - „Es ist von Alma, ich weiß es jetzt ganz genau." „Woran willst Du das erkennen?" fragte Traute erstaunt. „Ich rieche es." , „Ich habe nie bemerkt, daß 'es parfümiert sei." „Nein, kein Parfüm, aber es hängt der eigentümliche Geruch der Rothaarigen daran — etwas von der verhaßten Atmosphäre Almas — das ganze Haus hier ist, erfüllt davon, riechst M es nicht?" klang das Röcheln des Sterbenden in der unheimlichen Stille der Nacht. Zuweilen stieß der alte blinde Hofhund ein kläglich winselndes Geheul aus und das Käuzchen flatterte bis auf den Hollunderbusch vor dem offenen Kammerfenster, sodaß fern klagender Lockruf: „Komm mit!" in der Sterbekammer selbst zu tönen schien, zuweilen zu Häupten des Krankenlagers, zuweilen aus dem tiefen Schatten einer Ecke des nur schwach erleuchteten Zimmers heraus. Ciinunddreihigstes Kapitel. Der alte Graumann war tot und lag im Sarge. Am Morgen nach seinem Hinscheiden war Herr Lehmigke selbst gekommen, um sich der Witwe anzunehmen und ihr einen feiner Beamten zur Besorgung aller geschäftlichen Formalitäten zur Verfügung zu stellen. Er pflegte sich sonst nicht um Familienangelegenheiten seiner Dorfbewohner zu bekümmern, und seine Handlungsweise wurde natürlich dem Einfluß Trautens zugeschrieben. Im Grunde wünschte er nur diese Last von. Trautens! Schulter zu nehmen, damit deren Rückkehr nach Kienberg nichts im Wege stände, denn ihre Anwesenheit in seinem Hause fing an qualvoll für ihn zu werden. Gr zürnte ihr heftig und wollte sie verachten, weil sie dem Einfluß eines Stauffen erlegen. Er sagte sich immer wieder, daß er sich auch jetzt noch in ihr getäuscht und auf sein erstes Urteil zurücklommen müsse, das seiner allerersten Erfahrung mit ihr entsprungen, nämlich, daß sie ebenso wenig wert sei wie ihr Vater und daß jeder Versuch, sie aus dem Ruin ihrer Familie zu retten, an ihrer eigene Unzulänglichkeit und Schwäche scheitern müsse. Wer trotzdem sein Verstand gegen sie demonstrierte, und alle Thatsachen gegen sie sprachen, übte sie den alten qualvollen Zauber aus ihn aus. Ja, derselbe war durch das Zusammensein in Kienberg, durch das lange, öde Entbehren, das ihm voranging, und durch die unbeschreibliche Befriedigung, die Erlösung von seiner innerlichen Einsamkeit, die er in Gemeinschaft mit ihr gesunden, unüberwindlich geworden. Der Gedanke, daß sie einem Unwürdigen wie Graf Stauffen zum Opfer fallen sollte, bereitete ihm solche Pein, daß er ihren Anblick und den Klang ihrer Stimme kaum noch ertragen konnte. Und in diesem Seelenkamps stand zwischen der Leidenschaft und der Nichtachtung seine Rechtlichkeit. Trautens Bitte sie wieder frei ,zu geben, hatte ihm jäh die Augen über seine wahren Empfindungen geöffnet. Er wußte plötzliche, daß er sie liebte, daß es thöricht war, an eine Freundschaft von seiner Seite zu glauben, und daß seine Ehe mit Alma ein unseliger Irrtum, ein Wahnsinn, eine Versündigung am Heiligsten sei. Die verhaßte Sklaven- kette dieser Ehe mußte er nun als fürchterliche Strafe gx die materielle Gesinnung, mit der er das Höchste und eiligste des Lehens zum Rechenexempel gemacht hatte, weiter schleppen. Er war mit zu ernsten, streng gewissenhaften Grundsätzen über die Unantastbarkeit des Familienlebens und der Ehe groß geworden, um einen Bruch der letzteren ohne schwere Verschuldung seiner Gattin nicht für ein Verbrechen zu halten. Die ganze Kraft seines Wesens wurzelte in seinem sittlichen Ernst. Er wußte, daß es kein Glück für ihn gab, wo er gegen seine Pflichten sündigte. Darum, trotzdem er Traute für ihren Wankelmut zürnte, mußte er sich sagen, daß ihr Entschluß die beste Lösung aus diesem unheilvollen Konflikt sei, weil dieser es ihm ersparte, den Bruch mit ihr von seiner Seite herbeizuführen. Um keinen Preis hätte er das Freundschaftsverhältnis mit ihr fortsetzen können, nicht mit seinem Gewissen und nicht mit der wiedererwachenden, wachsenden Leidenschaft seiner starken Impulse. Darum, als Traute ihn bet der Begegnung am Sterbelager bat, ihren Urlaub bis nach der Beerdigung zu verlängern, da Frau Graumann so ungeheuren Wert darauf legte, daß sie ihrem Manne die letzte Ehre erweise, gab er nur gezwungen und sehr gegen seinen Wunsch die Gn- willigung. Trauten war die Bitte sehr schwer geworden, und die zögernde Genehmigung mackste die Sache im höchsten Grade peinlich für sie, und doch war dieser Aufschub eine Erleichterung, denn der Gedanke, so kalt und fremd von Paul Lehmigke zu schaden, ohne seine gute Meinung wiedergewonnen zu haben, schien unerträglich und war schlimmer üls alles übrige. „Sie sehen sehr angegriffen aus. Sie würden gut thun, Leute den Tao übe« M schlafen"» war das einzige Wort 439 int Der Preßausschüß, gebildet aus den Herren: Oberlehrer Prof. Kovb, Lehrer Knauß, Stadtvervrdnete« Pirr und Lehrer Straub, wird fortab eine wesentlich regere Thätigkeit zur Erreichung seines Zieles entfalten. Zur günstigen Beeinflussung weiterer Kreise, insbesondere der Kinder, wurden 700 Exemplare bezogen von: „Deutsche Jugend, übe Pflanzenschutz!" Bier Preisarbeiten von G. Jüchfer, W. Winkler, Th. Hellwig und W. Pölert. Ausgabe B. Hiervon wurden dem Gymnasium 60, der Realschule, Höheren Mädchenschule, Mädchenschule und Knabenschule je 160 Stück zur Verteilung überwiesen. Herr Lehrer Fritzel erstattete den Bericht über die eingelaufenen Tierschutzkalender für das Jahr 1902. Als die weitaus besten bezeichnete er den Kalender des Berliner Tierschutzvereins und den Kalender des Deutschen Verbandes. Daraufhin wurden von ersterem 1120, von letzterem 2470, insgesamt 3590 Exemplare bezogen und in der herkömmlichen Weise verteilt. Es erhielten die Mitglieder je 1 Exemplar, das Gymnasium 130, die Realschule 400, die Höhere Mädchenschule 600, die Mädchenschule 1130 und die Knabenschule 980. Wie in den Vorjahren, so kamen auch diesmal Prämien zur Verteilung an Gendarmen und Schutzleute für Anzeigen über Tierquälereien, die die Bestrafung der Schuldigen herbeiführten. Tie Gendarmerie mit 17 Anzeigen erhielt 30 Mk., die Schutzmannschaft mit 26 Anzeigen 90 Mk. Ihnen für ihre Wachsamkeit, ihren Vorgesetzten für ihr Entgegenkommen unfern besten Tank! Was den Vogelschutz anbelangt, so haben wir auch im vergangenen Winter in der erprobten Weise weitergeari- beitet. Unsere zahlreichen, wesentlich verbesserten Futter- bretter, sowie zwei Futterhäuschen wurden vom Vereinsi- diener bei eingetretenem Frost und Schuee reichlich mit Futter versehen. Die Kosten dafür belaufen sich auf 59.50 Mk. Dankbar heben wir die Fürsorge vieler Einwohner Gießens glegen die hungernde Vogelwelt hervor. Leider verschwinden die Hecken und hohlen Bäume mehr und mehr von den Fluren, wodurch die sichersten Nift- plätze immer seltener werden. Daher bezogen wir vom Tierschutzverein für das Großherzogtum Hessen und aus der Fabrik von Berlepscher Nistkasten in Büren i. W. 94 Nistkasten für Meisen, Rotschwänzchen usw. int Betrage von 53.80 Mk. Teils haben wir diese in den städtischen Anlagen und öffentlichen Gärten anbringen lassen, teils an Private unentgeltlich abgetreten. Nach Aussage mehrerer Vorstandsmitglieder wurden sie alle bezogen. IM Laufe des Jahres wurden zwei Vorträge gehalten. Herr Oberlehrer Hahn sprach über die Vogelfütterungd Herr Octroierheber Roloff über das Leben und Treiben des Pirols. Am 6. Mai verlas der Rechner, Herr Prokurist Wolff, den Kassenbericht. Tie Rechnung wurde durch die Herren Lehrer Knauß und Fritzel geprüft und richtig befunden. In der Generalversammlung wurde dem Rechner Entlastung erteilt!und der Dank für seine mühevolle Arbeit ausgedrückt. Endlich sprechen wir allen unfern Tank aus, bte unser Werk unterstützten und förderten. Vor allem sagen wir auch an dieser Stelle der hiesigen Sparkasse warmen Dank für das Geschenk von 100 Mk. Nicht minder danken wir den auswärtigen Vereinen, die uns ihre Jahresberichte, Zeitschriften und Flugblätter zugestellt haben. Unsere Hoffnung aber sei gerichtet auf wetteren Erfolg kommenden Jahre. Ungedrucktes von Robert Hamerling?) Je geistreicher ein Mensch ist, desto größere Langeweile kann er haben. Ein Tölpel hat fast nie Langeweile; Beim dauerndsten Müßiggänge vegetiert er in einer Art von Halb- schlummer vergnüglich und gedankenlos fort wie ein Stetn- block. Auf je niedrigerer Stufe ein Naturwesen steht, nach desto wenigeren Veränderungen des Bewußtseins strebt es; oder kürzer: desto müßiger kann es ohne das Gefühl der Langewetle gehen. — *— Die Freundschaft hat ihre Flitterwochett so gut wie dts Liebe. Da kann man gemeinsam kein Glas Bier tunten, *) Wir verweisen auf das seinerzeit beendete Erscheinen der Gesamtausgabe der Werke Hamerlings im Verlage der Hamburger Berlagsanstalt und Druckerei vorm, I. S. Richter. Traute schüttelte den Kopf und war überzeugt, daß Nattas aufgeregte Sinne ihr einen Streich spielten, aber diese beharrte bei ihrer Ueberzeugung. „Wenn Dir Alma so widerwärtig wäre, wie nur, würdest Du es auch riechen", sagte sie, und mit scharfem Blick verfolgte sie jede Bewegung Trautens, als diese das Bild an seinen Platz zurücklegte. „Wie schön Du bist!" wandte sie sich dann bewundernd zu Traute, die eben ihre Toilette beendete, „wenn Alma wüßte, wie ordinär sie in ihrem raffinierten Putz neben Deiner Einfachheit aussieht, hinge sie sich auf! Sie ist heute ausnehmend schlechter Laune, der Besuch kommt ihr sehr ungelegen, denn er fesselt sie für den ganzen Wend im Salon. Sie kann weder mit Herrn von Löschuitz Schach spielen, noch mir auf Schritt und Tritt nachspüren. O, wie freue ich mich daraus, sie zu peinigen und zu ärgern! Endlich werde ich einmal wieder Gelegenheit haben, Herrn von Löschuitz im Park zu treffen!" Im Salon fand Traute alte Freunde ihrer Eltern, Herrn und Frau Landrat von Kieselhart, die sie mit großer Herzlichkeit begrüßten und sie so sehr zum Mittelpunkt ihres Interesses machten, daß Almas Stimmung sich nicht dadurch verbesserte. (Fortsetzung folgt.) Jahresbericht des Gießener Tierschutzvereins für das Jahr 1901/02. Erstattet in der Generalversammlung am 20. Juni 1902 von Georg Straub. Aufs neue bin. ich von dem Vorsitzenden, Herrn Oberlehrer Hahn, beauftragt worden, Ihnen Bericht M erstatten über die Thätigkeit unseres Vereins im Jahre 1901/1902. Ter Vorstand hat au folgenden Tagen im' Hotel Schütz Sitzungen abgehalten: am 25. Juni, 8. Oktober, 3. Dezember, 4. Februar und 6. Mai. In ihnen wurden wichtige Tierschützsragen beraten und die lausenden Geschäfte erledigt. Wie im vorigen Jahre, so haben wir auch diesmal einen kleinen Rückgang in der ZahÜ-der Mitglieder unseresVereins! zu verzeichnen; denn es sind int Laufe des Jahres 1901 13 Mitglieder ausgetreten oder durch den Tod ausgeschieden, sodaß die Zahl von 395 auf 382 gesunken ist. Daher werden wir in diesem Jahre neue Mitglieder werben müssen, und wenden uns jetzt schon an unsere Mitglieder mit der Bttte Um Unterstützung, wobei wir wiederholt bemerken, daß der Mindestbeitrag pro Jahr 1 Mk. beträgt, und daß unser Vorsitzender, Herr Oberlehrer Hahn, sowie die übrigen Vorstandsmitglieder Anmeldungen gerne entgegennehmen. Auch im Vorstände sind einige Aenderungen eingetreten. Wie schon der Vorsitzende vorhin mitteilte, wurde Uns der Ehrenvorsitzende, Herr Lehrer i. P. Heinrich Curschmann, am 27. Mai durch bett Tod entrissen. Der Nachruf, den unser zweiter Vorsitzender, Herr Fabrikant Emil Schmall, dem Verblichenen an der Gruft widmete, und der seine Verdienste aus dem Gebiete des Tierschutzes kennzeichnet, lautet: - „Im lichten Glanz der Maiensonne haben wir unseren lieben alten, ehrwürdigen Mitbürger zu seiuer letzten Ruhestätte geleitet. Doch auf dem ernsten Gang hierher, da war's uns wohl beim Sang der Vögel über uns, als wenn sie ihm, ihrem treuen Freund und Beschützer, den letzten Gruß und Dank über und in seine Gruft nachx- xufen wollten. Und als solch' letzten Gruß und Dank lege auch! ich int Namen und Auftrag des Gießener Tierschutzvereins diesen Kranz nieder am SroBe unseres hochverdienten Ehrenv ersitzenden, der uns auch aus diesem Gebiete der Humanität ein leuchtendes Vorbild war und bleiben wird. Darum: Ehre seinem Andenken! Friede Und selige Ruhe sein Teil! Sein Gedächtnis wird bei uns int Segen wirken!" Herr Oberbürgermeister Gnauth schied durch Ernennung zum Präsidenten des Finanzministeriums aus dem Vorstand aus. An seine Stelle ist Herr Bürgermeister Meeum gewählt. Ferner ist an Stelle des langjährigen Rechners, des Herrn Oberlehrers Fuhr, der mit Ablauf des Jahres die mühevolle Arbeit nieoerlegte, Herr Prokurist Wolfs getreten. Weiter wurden durch Kooptation in den Vorstand aufgenommen die Herren: Juwelier Brück, Lehrer Fritzel, Kaufmann Heil, Oekonom Kitz und Oktroierheber Rolvff. »ohne sich gerührt die Hand Mi drücken und neuerdings! ewige Freundschaft Anzuschwören Da ergeht man sich, in sentimentalen Redensarten imb1 findet es fast unmöglich!, sich zu trennen; man begleitet den Freund bis zu seinem Kausthore, er dagegen begleitet einen wieder ein Stück Weges rückwärts, man erwidert die Gefälligkeit und geht nochmals bis zu seinem Hausthore mit ihm. Endlich trennt man sich, — aber erst, nachdem hinlänglich erörtert worden, wo inan sich! tags darauf wieder treffen werde. — Wer es kommt eine Zeit, wo die Freunde ebenso wenig mehr, von ihrer Freundschaft reden, wie Verheiratete von thber Liebe; sie gehen so vertraut mit einander um, wie mit ihren eigenen Jchs, und das! ist dann däs Beste —: die Eh e der Freundschaft,-- Ter Maßstab eines gegenwärtigen Glückes ist ewig die Vergangenheit. Nur den Dürstenden labt der Trunk, nur den Hungernden die Speise. Wer die reine Lust fortwährend genießt, atmet sie kaum mit Bewußtsein, geschweige mit Vergnügen; wer aber aus einem dumpfen Keller kommt, trinkt sie mit Wollust. Jeder (angenehme) Genuß setzt eine Entbehrung voraus. Der Becher der Freude labt uns, so lange ein noch; süßerer Tropfen in ihm ist, als der bereits genossene; weh' dem, der den letzten süßesten Tropfen ausi- ,geschlürft; das Schicksal schenkt den geleerten Becher nicht mehr voll, und der Unglückliche vergeht am Durste! Wenn das Schicksal einen Menschen bei Sonnenglanz, Blumen- huft, Hesperidenäpfeln und Nektar, und allen höchsten Gütern der Erde großgezogen, was will es dann in späterer Zeit ihm bieten, wenn das erweiterte Herz eine, jgrößere Sehnsucht beherbergt und mit den Lebenslagen die Wünsche sich häufen? Das Hinansteigen auf der Stufenleiter der Genüsse eröffnet unserer Sehnsucht — wie das Besteigen einer Höhe dem Auge — eine immer weitere Perspektive: was bleibt also dem, den das Schicksal gleich anfangs auf die höchste Stufe der Erdenfreuden stellte, was bleibt ihm als eine unendliche Sehnsucht und ein trostloses Hinauf- blicken zu schöneren Gefilden und höheren Wonnen, an welche keine irdische Leiter hinanreicht? Um ihn nochmal zu erfreuen, müßte ein Gebilde des Himmels niedersteigeu. Glücklich der, den das Schicksal erst nach dunklen und! winterlichen Jahren unter den lichten Frühlingshimmel hinausruft! • Weil unsere Sehnsucht und unser Glück nur! darin besteht, um eine große Stufe höher zu steigen, so bedarf zur Freude dieser nur einer Wiesenblume, wozu! jener eines Himmels bedürfte! Nur ein neuer Gegenstand sacht im Herzen die Glnt der Entzückung an, wie auch! nur eilte neue Lust aus den Tiefen der Seele den Strom des Gesanges lockt, r— , Es giebt Menschen, denen tieferes Gemüt gebricht, die aber einen natürlichen Fonds ungestümen Feuers besitzen, das bei den geringsten Reizen in helle Flammen auflodert. Solchen Brauseköpfen giebt dies Veranlassung, sich! poetisches Genie zuzuschreiben. Dem Vernünftigen ist's ein Grund, es ihnen abzufprechen. Dies flüchtige, allzu heftige, meteorische Feuer verprasselt ohne echte poetische Wirkung. Nur in der stillen, aber innigen und nachhaltigen Wärme des Gemütes, nicht in der heißen Flamme der Leidenschaft gedeihen die wahren Hesperidenfrüchte der Poesie. — Vermischtes. Die Spitzeuschule von Burano bei Venedig. Wohl kaum giebt es heutzutage einen Trousseau der Fürstinnen der Geburt und des Geldes, zu dem nicht die herrlichen Erzeugnisse der berühmten Spitzenschule von Burano bei Venedig beigesteuert werden. So hat jüngst die Königin Helene von Italien ihrer Schwägerin, dem Fräulein Konstantinowitschi, seit wenigen Tagen Gattin des Prinzen Mirko, einen Spitzenschatz im Werte von 19 000 Lire zum Geschenk gemacht- Es sind große Werte, die alljährlich von dieser, unter dem Patronate der Königin Margherita stehenden Spitzenschule — der einzigen, welche in alter Weise nach antiken Zeichnungen die Spitzen in Nadelarbeit herstellt — umgesetzt werden. 500 Arbeiterinnen, nur Mädchen aus Burano, sind jetzt dort beschäftigt; jedes Jahr laufen für 28 000—35 000 Lire mehr Bestellungen ein, als man liefern kann. Diese Spitzen, die allerdings unverwüstlich sind, kosten in einer Breite von nur 10—18 Centimetern der Meter 100—150 Lire, und eine ganz breite Spitze, welche einst die Königin Margherita zu einer in ihrem Besitz befindlichen echt antiken Spitze dazu bestellte, und die sie auch! in ganz gleicher Weise erhielt, wurde mit 2500 Lire der Meter bezahlt. — Die meisten Bestellungen für Spitzen, Kragen, Decken, Fächerblätter nfw. kommen jetzt aus Amerika! und England. Tie Spitzenschule, welch!e jetzt so vielen Mädchen und Frauen lohnende Arbeit giebt, wurde im Fahre 1872 von der Gräfin Marcello begründet. Sie begann mit zwölf jungen Mädchen und einer Lehrerin. Diese, Cencia Scarpariola, damals erst 16 Jahre alt, war die Einzige, welche noch den altberühmten venezianischen Spitzenstich betrieb'; sie hatte bis zur Gründung der Schule mit vier Schülerinnen gearbeitet. Der älteste Sohn der im Jahre 1893 verstorbenen Gräfin Marcello, deren schöne Marmore biiste, von der Königin Margherita gewidmet, jetzt die Schulräume schmückt, ist zur Zett Präsident derselben. Eine Liebesdurstige. Folgender Brief einer drallen Ostpreußin wird uns von einem Freunde unseres Blattes zur Verfügung gestellt: Libster Wilhelm. Hab ich schon lange nicht auf Dich geschriben, so, Wil ich! mal auf Dich schreiben, habe Dichtauf Kirmes gesehen, aber Du hast mich nicht geseht ich aber habe Dich geseht. Du wärest auf die Karuse was geht auf die Himmel. Libster Wilhelm kanst Sodtog komen auf Wend 8 Uhr auf Bahnhofstraße auf Ecke bei Groß. Das hab ich! Spatz auf Dich gekriges das hat mich Mädken gesagen das Du bist hibsche Jungen. Das! wil ich Dich schreiben Wan seht ich aus hab ich lauge schwarze Rock dunkel Jake große Hut schwär mit Blume drauf, und Rotztuch Hand haben noch keine Jungen gehabt das hab! ich! so Spas auch- Dich' gekrigen ich wer Dich liben bis auf Grab aber sei Du mein Schatz Ich will Dich alles geben auch! schnitte auf Schnute auch pokrenschitsch so viel Du wilst sei Du mir nur gut libsten Herz. Mein Vater hat alles hat Kon, Krvwe, Gosche, Pafen Kott und alles rch bin sehr schöne Mädken das Du wirst Spas aus mich! haben. Libste Wilhelm ich wolt Dich schon lange geschriben aber ich hab Dich mit eine Schöne Mädke mit Brille gesehen siht aus wie vom Teater. Ich will aushören. Es grüß und Küßt Dich Maria! Benschki. Libster Wilhelm das werd ich noch! aus Dich schreiben ein Spruch' den kanst Du Dir freien wie ich kan schön Brief an Schatz schreiben Libster Wilhelmschen so höre: o lib so lang Du liben kanst o lib so lang DU liben magst die Stunde komt die Stunde komt wo Du bei Maria stehst und klagst. Diesen Spruch! thu in Dein Herzen und denk an Maria Kom Sontak auf Straße die Bahnhof 8 Uhr aus Groß »an Ecke wenn Du nicht komst gehe ich! Tot. aber Herzlibchen das kom bei Maria. Libsten Wilhelm diesen Brief der Libe wirst Du schlecht lesen können den ich' bin erscht Monat von Ostpreußen hier. .Ich geb Dich Küssen so' . viel Du willst auch hcch ich, .Schuhe gelbe an mit Schleifen. Der kurzsichtige Studiosus. „Herr! Sie haben mich fixiert — ich werde Sie fordern!" — „Und ich komme eigens hierher, um Sie zu fordernd — „Verflucht, mein Schn eid er!" ! ; Bilderrätsel. (Nachbildung verboten). (Auflösung in nächster Nummer.) Auflösung des Scherzrätsels in vor. Nr.r Diener. Redaktion; Nl.it tL T RotatipnShruch Md Verlag hex Pxflhl'scheu UniverstlMBuch« Mh MiMMerei tMetlch Erben) in Güßen,