Freitag den 25. April. iS 1902 — Nr. 61. ajfjräyü KWm ite seine Ge- angen nahmen. ts erwiderte, schüttelte der Alte len Schnupf- zurück und (Fortsetzung.) Zeug^ö^ urt^ befühlte geistesabwesend das „Wir müssen sparen, lieber Böje! Was geht es mich Un, oL ein Krämer oder ein Fettwarenhändler den Rock ern- oder zweimal im Tiergarten angehabt hat? Sollte ich mich daran stoßen, daß ein —" „Ja, ja, ich verstand Sie sehr wohl." „Na, hab' ich denn nicht recht? Wir müssen wirklich sparen, lreber Böje. Es sind schlechte Zeiten. Und Thomas schmeißt nur so mit dem Geld herum. Ist vielleicht Sinn Und Verstand darin, daß er hingeht und einen Biberpelz für Lene kauft, der zweihundert Kronen kostet?" „--Helene?" „Ja, finden Sie, daß das vernünftig ist? Ein Mann, der bts über die Ohren in Schulden steckt." „Hm--was für eilt Mann ist das?" Ter Müller warf den Kopf in den Nacken und sah ihn ganz verwundert an. „Ach so — er — jawohl — nein, das wär nicht vernünftig." «Ja, und dann hat der Mensche sich außerdem in den Kops gesetzt, daß er die Mühle zum Frühling umbauen will. Natürlich soll es eine neue, großartige holländische Mühle werden mit französischen Mahlgängen und Patenttrommel- steven, und tote all der neumodische Kram heißen mag. Du tzroßer Gott, tote soll das enden? Wer es könnte noch angehen, wenn sonst nur alles aut wäre!" Das ununterbrochene Gerede des Alten, der Anblick des baumwollenen Tuches und der Duft des fri tabaks versetzte Böje lebhaft in den Mühlk Zauberte ihn in einen Kreis von Eindrücken, banken mehr und mehr gefangen nahmen. . Ms er noch immer nichts «.utL»«, schäre - oeit Kops und ging einmal im Zimmer auf und nieder. , «^lber hören Sie jetzt 'mal, lieber, junger Freund, wes- balb ich eigentlich gekommen bin. Sehen Sie, ach, kann ^.^^hersetzen? Wie gesagt, es mag sehr gut sein, dies alles mit ber Religion — ich halte selber auf Religion, Mep man soll vorsichtig mit dem heiligen Wort umgehen 7- es ist wie Feuer. Sehen Sie, wenn meine Hand kalt ist, kann ich! einen Funken hineinspringen lassen, ist sie aber heiß — zum Teufel auch, wie es dann brennt! Sie wissen wohl, was ich meine, mein Freund, Sie sind selber ein gottesfürchtiger Mann, Sie sind ein Mann, der denkt. Ich kenne keinen, der so schön und ruhig über Religion sprechen ^ann, wie Sie, und ich! weiß niemand, zu dem meine« Schwiegertochter in den Dingen so aufschaut wie zu Ihnen." Böje wurde unruhig. «Jetzt ist die Hochzeit auf den 15. Januar festgesetzt —. es ist Thomas' Geburtstag — und diesmal wird es Ernst damit. Sie hat selbst gebeten, daß das Aufgebot bestellt wird, und alles ist in Ordnung. Aber ich weiß nicht —i ihr Zustand ist derartig — sie geht herum und beißt die Zahne aufeinander--" (er zeigte auf seine Stirn und schüttelte den Kopf). „Lieber junger Freund, kommen Sie Weihnachten zu uns heraus und bleiben Sie, bis die Sach« überstanden ist. Wir haben Sie nötig. Kommen Sie und reden Sie ihr ernsthaft zu und machen Sie ihr ein bißchen Mut zur Hochzeit! Nicht wahr, das thun Sitz uns zuliebe?" „Das kann ich nicht." „Sie können nicht? Sie haben ja Ferien, und Ihnen selber ist es auch ganz gut, ein wenig herauszukommen." „Ja, aber ich kann nicht." „Warum können Sie nicht? Hängt es mit Ihrer Gesunde heit zusammen?" „Nein, das ist es nicht — aber — es giebt ja auch noch andere Gründe." Alles um ibn her bewegte sich im Kreise, er fühlte, wie ihm das Blut m die Wangen stieg. Ter Alte zog einen fettigen Lederbeutel aus der Tasche. „Lieber junger Freund, ich verstehe Sie, jetzt müssen Sie wirklich nicht zu zartfühlend sein." „Nein, nein, nein! Haben Sie Dank für Ihren guten Willen — aber das ist es nicht." „Ja, aber was ist es denn? Weshalb können Sie denn nicht?" „Ich bin nicht ganz auf dem Zug — ich meine ich bin so in Anspruch genommen! Sie sehen ja, tote ich hier sitze und mich ab quäle!" „Ja, aber lieber Freund — am Weihnachtsfest Weihnachten." „Nein, ich kann nicht!" Sie sprachen noch! lange über die Sache, aber der Alte mußte unverrichteter Sache abziehen. Unzähligemal schüttelte er auf dem Heimwege den gelben Kopf, der sich tief in den Rockkragen verkrochen hatte. ,Lch verstehe es nicht •— ich verstehe «Ä nicht."- er sich freut über anderer Uebel, Dem blüht schon das eigene am Giebel. _________________________ Sprichwort. (Nachdruck verboten.) Die Möve. Roman in zwei Bänden von Zacharias Nielsen. Autorisierte Uebersetzung aus dem Dänischen von Mathilde Mann. Wer fein Sohn verstand es. An jenem Tage, als Böje so plötzlich und mit schlecht verhehlter Gemütsbewegung dem Mühlhofe Lebewohl gesagt hatte, war ein heftiger Verdacht in Thomas Rabes Herzen erwacht, ein Verdacht, über den er sich jedoch nicht klar werden wollte, und den er zeitweise auch ganz hatte überwinden können. Wer jetzt, als der Alte kam und mit seinem geheimnisvollen Bericht über Böjes sonderbares Benehmen die glimmenden Kohlen zu neuer Glut entfachte, erwachte der Verdacht aufs iwue und wurde nur noch mehr bestärkt durch eine plötzlich auftauchende Erinnerung an das, was ihm der Unterförster im Sommer einmal von Hans Böje und einem gewissen Mädchen erzählt hatte. Eines Nachmittags, als er wußte, daß Helene allein zu Hause war, ging er zu ihr. Sie saß am Fenster und häkelte. Er war einigermaßen ruhig und spracht eine ganze Weile über glerchgiltige Dinge, sah aber von Zeit zu Zeit mit ernem durchbohrenden Seitenblick zu ihr hinüber, dem ihre Augen mehrmals mit einem Ausdruck ängstlichen Fragens begegneten. ö „2Sie geht es Dir denn heute eigentlich?" „Ach — ganz gut. Ich will jetzt gesund werden." Sie hatte sich in der letzten Zeit bemüht, ihre Liebe mrt den starken Schnüren des Willens zu unterbinden. Sie war tritt Thomas durch ein Band verknüpft, das zu sprengen eine Schande, ein Verbrechen gewesen wäre. Das Leben hatte sie auf einen Kreuzesgang geführt, von dem sie nicht abbiegen konnte, ohne die Schwüre des Herzens zu ver- ^tzen — wohlan, sie wollte ausharren, sie wollte die Heiligkeit des Gelübdes halten.--Wer in finsteren Stunden suhlte sie, wie das Band bis auf den Knochen irnttiTT ' „Sag mir doch, liebe Helene, was hast Du mit dem mehr!" toO etten gemacht? Du trägst es jetzt nie „Ich habe es Anne geschenkt, ich fand, es war so verblichen." 1 Er grübelte eine Weile über das Gehörte nach. „Helene, willst Du mir eine Frage offen und ehrlich beantworten?" 1 f Sie erbebte vor Angst. V \ „Und was ist es denn?" ’ ' „Willst Tu mir ehrlich antworten?" bar an" ~ Thomas, Du siehst mich so svnder- „Liebst Du Hans Böje?" Tie Hände sanken ihr in den Schoß . „Thomas!" rief |te atemlos aus, „weshalb willst Du mich nur hiernach Sie zitterte und vermochte kaum die Worte hervorzu- bringen. „Das ist nicht recht von Dir." ,,,^,Er sank in den Stuhl zurück, als habe ihn eine Kugel tätlich getroffen. „Thomas'", fuhr sie fort und ging zu ihm hin, „Du mußt nichts Schlechtes von mir glauben, Du weißt, wie lieb ich Dich habe. Du weißt, daß ich niemals das Wort brechen werde, das ich Dir gegeben." Er schob sie sanft beiseite, erhob sich und sah sie mit einem Bltck an,a us dem das tiefste Elend sprach, dann ergriff er ihre Hand, drückte sie mehrmals und verließ dackauf langsam, gleichsam tastend, das Zimmer, ohne darauf zu achten, was sie sagte oder that. In diesem Augenblick fühlte sie, daß sie zehnmal stärker an ihn gebunden war als vorher. Nack einer Weile kam ein Bote mit einem Brief. Gleich, als sie ihn in die Hand nahm, fühlte sie, daß ein runder, schwerer Gegenstand darin lag. Sie setzte sich; alles Blut strömte ihr aus dem Kopf, sie hatte ein Gefühl, als werde ihr Scheitel mit Eisnadeln bestreut; auf einmal aber schoß ihr das Blut wieder in warmen Wallungen in den Kopf. Sie schaute um sich — too war sie? Was war denn nur geschehen? Ihr Vater kam an seinem Stock ins Zimmer gehumpelt und setzte sich ins Sofa mit einer gebietenden Kopfbewegung nach dem Schachbrett hin, das hinter dem Bücherbrett stand. । Sie blieb ruhig sitzen. „Willst Tu mir das Schachbrett geben?" s • Keine Antwort, nur ein wirrer Blick. „Wie siehst Du nur aus, Kind!" Cie zitterte am ganzen Körper, griff sich nach dem Kops und stieß einen gedämpften Klagelaut aus. „Was hast Du nur?" „Ach, Vater - es ist ein großes Unglück geschehen!" ‘ „Was ist denn?" „Es ist aus mit Thomas und mir!" H i „Es ist aus? Was soll das heißen?" „Ach, Vater!" Sie schob den Tisch beiseite, warf sich neben ihn auf die Erde und legte ihre gefalteten Hände auf seine Kniee. Und nun kam in thränenloser Verzweiflung ihr ganzes Ge- standms, während sie jeden Augenblick das Gefühl hatte, als schlösse sich ihre Kehle, als müsse sie ersticken. . = Seine Brauen zogen sich mehr und mehr zusammen, das Gesicht schien zuletzt nur noch aus weißen Knochen zu bestehen. „Vater, sei mir nicht böse. Ich habe es mehrere Fahre mit mir herumgetragen, und niemand würde es jemals! erfahren haben, wenn nicht Thomas selber gekommen wäre." Ein höhnischer Laut entfuhr ihm, er richtete sich auf und wollte sie von sich stoßen, sank aber zurück und schnappte nach Luft. Mit einem Blick hatte er die ganze Situation erfaßt. Alles, wofür und worin er während der letzten Jahre gelebt hatte, war zusamtnengestürzt. Seine Hoffnungen auf eine gesicherte Zukunft für sie, auf ein ruhiges Wter für sich selber war mit einem einzigen Ruck aus seinem Herzen gerissen. Hier !var er, der Aermste, in diesem Keinen Heim umhergegangen, das ihm so lieb geworden war, und hatte von Frieden und Abendruhe geträumt. Und nun war ihm gekündigt und er mußte ausziehen, noch in dieser Stunde! Gekündigt und zur Thüre hinausgeworfen von seiner eigenen Tochter! Wohin sollte er nun, wovon sollte er leben? Mangel und Ratlosigkeit starrten ihn aus allen Ecken an. Das Gerede der Leute und der böse Leumund hinter ihnen drein; den Sinn von Gram erfüllt, mußten sie von dannen Sen und das Leben in Hunger und Elend beschließen. das alles nur, weil sie ihre Pflicht nicht erfüllt hatte! Wo hatte sie denn nur ihren Verstand gehabt? Wie hatte sie diese unverzeihliche Schwäche begehen können, einem Sinnen- rausch nachzugeben, der in schreiendem Widerspruch zu allen Forderungen der Ehrbarkeit und weiblichen Keuschheit stand. Ihr Benehmen war ein Bruch mit der Pflicht und der Moral, ein Auflehnen gegen den Himmel und ein höhnisches Hintan- setzen all der Rücksichten, die sie ihrem hilflosen Vater schuldete. Wer nun mochte sie liegen, Ivie sie sich gebettet! hatte — er kannte sie nicht mehr. Helene hatte sich erhoben und stand da, die Knöchel gegen die Schläfen gepreßt, bleich und zitternd^ als fei sie auf einer schweren Sünde ertappt. Ihr Vater sprach nicht viele Worte, aber sie schlugen gegen ihr Herz wie harte Hagelkörner. Eie wand sich unter seinem Blick, bat für sich; aber der alte Mann arbeitete sich in eine ohnmächtige Wut hinein, die ihn mm Sinn und Verstand brachte. Schließlich kam er mit Anspielungen, daß sie wohl nun, wo sie frei sei, zu ihrem Liebhaber zu reisen gedenke, um mit ihm in freier Ehe zu leben. „Vater, Vater, Du bringst mich um!" „Ja, so pflegen diese Art Frauenzimmer zu reden. Geh? Tu nur, ;yel) Du nur, geh — geh!"' „Vater, ich ertrage es nicht, Du machst mich wahnsinnig!" Sie ließ die geballten Hände sinken. „Du bist der einzige, bei dem ich Trost und Stütze in meinem Unglück suchen kann, und Du verhöhnst mich, trittst mich mit Füßen!" „Schweig!" rief er, die geballte Faust erhebend. „Nein, ich schweige nicht, und solltest Du mich auch totschlagen. Denn Du quälst und mißhandelst mich, Du behandelst mich wie ein SKavenvogt! Ja, Du kannst es! wohl einmal hören! Hast Du mich nicht mein Leben lang mit bösen Blicken und harten Worten eingeschüchtertI Hast Tu mich nicht mit Regeln und Pflichten gehetzt, sodaß ich mehr als einmal halb wahnsinnig gewesen bin?" Er richtete sich auf, erhob den Stock und schlug nach ihr, glitt aber aus, sank zurück, weißen Schaum vor den! Lippen, und zeigte auf die Thür: „Fort aus dem Hause — augenblicklich!" „Ja, ich werde gehen, und Du sollst mich nte wieder vor Augen sehen!" 243 Wenige Minuten später lief sie, nur in einen dünnen Shawl gehüllt, durch Regen und Wind die Landstraße $lltÖShtt Abend desselben Tages langte sie in Balby, der Borstadt von Kopenhagen, an, wo ihr Bruder wohnte. In dem kleinen Hause, in das sich Helene Rabe in ihrer Not geflüchtet hatte, wimmelte es von kleinen schwarzen Köpfen, die vom Morgen bis zum Abend nach SBrot fcbrieen Es war sehr hart für sie, ihrem Bruder und ihrer Schwägerin zur Last fallen zu müssen, da diese im voraus genug an der Versorgung ihrer eigenen Schar hatten. Sie sah auch sehr wohl, mit wie scheelen Blicken sie jeden Bissen ansahen, den sie in den Mund steckte. Wer ihr Aufenthalt würde voraussichtlich nicht von langer Dauer sein. Natürlich würde ihr Vater Holmstrup sobald als möglich verlassen, und da mußte sie ja in den sauren Apfel beißen und wieder mit ihm zusammenziehen. Aber die Verhältnisse gestalteten sich höchst sonderbar. Ter Vater blieb, wo er war, und da sie unter keiner Bedingung nach Holmstrup zurückkehren konnte, mußte sie sich einstweilen in Valby häuslich niederlassen. So mietete sie denn im Januar eine große Mansardenstube in einem niedrigen Hause ganz in der Nähe des Bruders und errichtete dort eine Schule für kleine Mädchen. Und nun begann ein Leben mit arbeitslangen Tagen und wach durchkämpften Nächten. (Fortsetzung folgt.) Von den Schildkröten-Jnseln. Bon Fred Hood. (Nachdruck verboten.) Die unter dem Namen Galapagos bekannte Inselgruppe im Stillen Ozean, etwa 500 Seemeilen westlich von Südamerika, gehört zu den interessantesten und merkwürdigsten Gebieten der ganzen Welt. Es ist ein Reiche wilder Romantik, wo die Tiere fast friedlich miteinander leben und nur einen fürchterlichen und grausamen Feind kennen — den Menschen. Der ganze Archipel ist vulkanisch. Es giebt da über 2000 erloschene Krater, welche unmittelbar aus der tiefen See bis zu einer Höhe von 1500 Meter emporsteigen, sie geben im Verein mit den ungeheuren Massen schwarzer Lava, welche hohe und steile Küstenfelsen bilden, ein Ansehen wilder Romantik. Weite schwarze Basaltfelder erstreckten sich nach allen Richtungen, nur 700 Quadratkilometer sind kulturfähig. Mbemarle, die größte der fünfzehn Inseln, ist besonders kyklopischer Natur, und aus einigen ihrer zahlreichen Krater steigen noch heute Rauchwolken empor. Auf der Insel Chatham befindet sich eine kleine Strafkolonie (ccl 200 Seelen). Doch die ganze Gruppe wird nur des Guanos wegen oder von Schildkröten- und Wal- sischjägern besucht. Die übrigen vierzehn Inseln sind unbewohnt. Die Fauna dieser Inseln, welche einzig in ihrer Art ist, hat von jeher das Interesse der Naturforscher in hohem Maße in Anspruch genommen. Die verschiedenen Tiere sind größtenteils auf diesen unfruchtbaren Fleck beschränkt, und das merkwürdigste ist, daß sie auf den verschiedenen Inseln der Gruppe sich so wesentlich von einander unterscheiden, als hätten sie auf verschiedenen Erdteilen und unter wechselnden Lebensbedingungen das Licht der Welt erblickt. Einige dieser Tiere werden nirgends sonst auf der ganzen Erde gefunden, und die Thatsache, daß die Inseln trotz ihrer gegenseitigen Nähe eine große Zahl von Arten aufweisen, von denen jede nur auf einer Insel heimat- berechtigt ist, hat Darwin und andere zu wichtigen Ermittelungen über die Entstehung neuer Arten geführt. Zu den interessantesten Tieren der Inseln gehören die Schildkröten. Ursprünglich wurden sie ans allen Inseln der Gruppe gefunden, doch so groß war die Nachfrage nach diesen interessanten Geschöpfen, daß man ihnen jetzt nur noch auf den größeren Inseln begegnet. Es sind Landschildkröten, welche ein Gewicht von mehreren hundert Pfund erreichen, und einige derselben sind so schwer, daß sechs bis sieben Männer erforderlich sind, um sie aufzuheben. Man fand früher Schildkröten, welche 1200 und sogar 1400 Pfund wogen. Auf vielen der Inseln findet der Besucher sonderbare Fährten oder Pfade, welche bis zu Höhen von 1000 Fuß emporführen. Das sind die Spuren der Schildkröten, welch« auf den dürren Inseln genötigt sind, nach den höhere« Regionen hinaufzukriechen, um Wasser zu erlangen. Auf einigen Inseln giebt es aber überhaupt kein Wasser, und dort sind die Schildkröten allein auf Kakteen angewiesen. Wenn diese Tiere, an Gestalt und Wesen ihrer wilden Umgebung merkwürdig angemessen, zwischen den rauf)en Felsen und Kratern dahinkriechen, gewähren sie einen seltsamen, unheimlichen Anblick. Ter Schild ist groß und gewölbt, und wenn das Tier sich vorwärts bewegt, erhebt sich der Rücken wohl an drei Fuß über den Boden. Der .Hals ist laug, aber der Kopf ziemliche klein und keineswegs geeignet, dieses merkwürdige Geschöpf anmutiger erscheinen zu lassen. Diese Schildkröte ist, wie der Amerikaner Charles F. Holder berichtet, Vegetarierin, auf einigen der Inseln lebt sie ausschließlich vom Kaktus, der für sie zugleich Speise und Trank ist, während sie sich auf anderen Inseln von Flechten, mannigfachen Blättern und Beeren ernährt. Wo es reichlich frisches Wasser giebt, beweisen die Schildkröten für dieses eine ganz besondere Vorliebe. Sie gehen in die schlammigen Quellen hinein, welche in einer Höhe von 1000 bis 1500 Fuß gefunden werden, und tauchen ihre Köpfe uiit dem größten Behagen in das Wasser; und dann bleiben sie gleich mehrere Tage in diesem Gebiete, welches das wahre Eldorado für sie zu sein scheint. Man kann den Tieren große Lasten aufbürden; sie können vielleicht drei Männer forttragen. Darwin stellte Bei feinem Besuch auf den Inseln fest, daß die Schildkröten pro Tag vier englische Meilen zurücklegen können; doch hat man konstatiert, daß sie sogar noch schneller kriechen können. Das männliche Tier scheint eine Stimme zu haben, denn es stößt einen lauten, gellenden Schrei aus, der auf einige Entfernung zu hören ist. Dies beschränkt sich jedoch auf die Brutzeit: zu anderen Zeiten ist der einzige Laut, den das Tier hören läßt, ein Zischen. Aus den Inseln, auf denen es reichlich Sand giebt, legt das Weibchen die Eier, welche nur wenig größer als Hühnereier sind, in ein von ihm gegrabenes Loch, ganz nach der Art der Seeschildkröten, und läßt die Eier an der Sonne ausbrüten. Auf anderen Inseln, auf denen die Lava fast alles bedeckt, werden die Eier in Felsspalten gelegt. Die Lebensdauer dieser Schildkröten vermochte man nicht genau festzusetzen; man weiß jedoch von einzelnen, daß sie achtzig Jahre alt wurden. Es kann kein Zweifel darüber bestehen, daß diese Tiere die Ureinwohner der Inseln sind, und Gunther hat sechs verschiedene Arten beschrieben. Sie bilden ein sehr begehrtes Nahrungsmittel; fast jedes einlaufende Schiff sendet eine Jagdgesellschaft nach ihnen aus, und Schildkrötenjäger gehen alljährlich von der Küste Südamerikas nach den Inseln und fangen eine große Anzahl Tiere. Sie geben Oel und Fleisch in großen Quantitäten, und zwar wird letzteres in getrocknetem Zustande genossen. Die Tiere wurden, soweit uns bekannt ist, zuerst im Jahre 1760 von Dampier beobachtet, und seitdem führen die Menschen einen wahren Vernichtungskampf gegen die interessanten Geschöpfe. Im Fahre 1813 fand Porter Schildkröten auf folgenden Inseln: Marlborough, James, Charles und Jnoefatigable. Im Jahre 1835 besuchte Darwin die Inseln und fand die Zahl der Tiere außerordentlich vermindert. Im Jahre 1846 meldete das englische Schiff „Herald", daß die Schildkröten auf der Insel Charles ausgestorben seien, und 1875 berichtete Kapitän Cooklon, daß auf der Insel Chatham auch nur noch wenige zu finden seien. Ms 1870 legten beständig Walfischfänger bei den Inseln an, und viele von ihnen haben bis zu 100 Schildkröten mit fortgeschleppt. Die Tiere konnten ohne Nahrung mehrere Monate auf Deck leben und bildeten so einen guten Beitrag zum Proviant. F. A. Lucas schätzte die Zahl der allein auf der Insel Charles gefangenen Tiere auf 6000, und die Gesamtzahl der auf allen Inseln gefangenen Schildkröten auf Hunderttausende. Die Strafkolonie Ecuadors wurde 1829 auf der Insel Charles etabliert. Die Schildkröte wurde das hauptsächlichste Nahrungsmittel, und die Tiere wurden auf diese Weise bald ausgerottet; das aus dem Fett gewonnene Oel war sehr begehrt, und 1875 fand Cookson auf Mbemarle eine Jagdgesellschaft, welche in wenigen Monaten 3000 Gallonen Oel gewann. Mit uumenMicher Roheit wurden die Tiere ausgerottet, und niemandem scheint es Skrupel Bereitet zu haben, daß der Verlust der — 244 — Nedakkion. I. ».. R. Dittmann. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'fchen UniverMtS-Buch. und Steindruckerei (Pietsch Erben) in Gießen. I «nd die Rose würde erst A SpätsomE oNr He^^L Blute kommen. Darum beschneide man sie im Frühjahr zunächst nur so, d aß nur die etwa abgestorbenen, und die ganz dünnen, kurzen Zweige beseitigt werden; die kräftigen । bleiben samt und sonders stehen. Kommt nun der Trieb rn die Rose, so werden sich an den stehengebliebenen istvei- I wanche Äugen zu kräftigen Trieben entwickeln, manche dagegen schwächlich bleiben. Letztere finden sich gerade an den äußeren Spitzen, weil dieje im Herbste nicht mehr ordeni- rStL Zud, aber Wohl auch gar im Winter durch ? ^snsse gelitten haben. Was oberhalb des äußersten kraftcgelr Triebes schwäcglich ist, schneide man ab. Das gesckpeht im Mai. Bon den kräftigen Trieben werden die metsten wenn sie 10 bis 15 Ctm. lang sind, Knospen zeigen. Diese laßt man ungestört zur Blüte sich entfalten und schnewel, wenn sie abgeblüht haben, nur die Samenkapsel mit dem Stiele ab. Einige wenige dagegen werden sehr stark und dick sich entwickeln und nicht sobald Knospen bilden. Sind dieselben 30 bis 40 Zentimeter lang und zeigt sich noch kern Drospenansatz, so breche man ihnen die fleischige Spitze ab. dadurch wird das Weiterwachsen in die Länge ver- ^trtr uu^ bald werden sich die Augen zu Seitentrieben ausbilden, und diese haben dann sicher Knospen in Fülle. Taß mau unter diesen Umständen Nicht immer gerade auf die s^°ne Form der Kroue Acht habe» kann, ist klar. Tie Rose „Maröchal Niel" folgt in der Regel ihrem eigenen Trieb, jaber duftet"^^^ eS gerne, weil sie so herrlich blüht und Dre erngefangeilen Tiere haben sich dem veränderten Stand der Dinge schnell angepaßt und fressen fast jedes Gemüse Diese ungeheuren Schildkröten mit langen, ausgestreckten Halsen und winzigen Köpfen umherstolzieren und dann wieder bei der geringsten Beunruhigung mit einem Krach zu Boden fallen zu sehen, soll ein außer- ®rertoozl^t^. Schauspiel bilden. Sie werden als die interessantesten Tiere des National Zoologieal Garden bezeichnet. Eine Episode aus dem Leven Kaiser Wilhelms I. _ (Nachdruck ohne Quellenangabe verboten.) ® dem alljährlichen Absteigequartier des Kaisers Wilhelm I, ergingen sich im Sommer 1883 eine Anzahl Unterosflziere, bis zum Feldwebel aufwärts, in den Ziagen; tnt Dienst zugezogene Leiden hatten sie genötigt, erne Badekur durchzumachen, jit deren Bestreitung sie außer ihrer Löhnung noch eine, freilich nicht allzu höhe Zulage erhielten. Tie jungen Männer hatten den immer in Zivil gehenden Kaiser in ihrer unmittelbaren Nähe bemerkt, suchten sich aber aus ehrfurchtsvoller Scheu seinem Blicke zu entziehen, indem sie sich hinter dichten Gebüschen verbargen ^edoch das Auge des Fürsten hatte die Uniformen ?sElkt; er blieb vor dem Gebüsch stehen, überzeugte sich, scharf hindurch spähend, daß in der Thal ein paar seiner ■ ,,jungen fahnenflüchtig werden wollten, und schickte seinen I bekannten Leibadjutanten, Grafen Lehn.dorff, zu ihnen mit der Aufforderung, „zu Sr. Majestät zu kommen." Natürlich wurde dem Befehle sofort Folge geleistet und vor dem hohen Herrn „in Linie Front" stramm angetreten. Nun begann eine Prüfung. Zunächst wurde jeder gefragt, warum er hier, sei, dann, ob er verheiratet fei, und schließlich, was denn die jungens" eigentlich hier bekämen. Ter Monarch hörte aufmerksam auf die Antworten und erwiderte auf die Antwort des einen, daß er in Gi -e ß e n liege, freundlich mdenfc und nachdenklich: „Gießen. . . ja, ja. . . richtig w I waschechtem Berliner Dialekt gesprochenen: I Ingens!" wurden die Unteroffiziere entlassen. I «m nächsten Tage wurde ihnen durch Vermittelung des I Awilazarettgehilfen eine kaiserliche Medizin für ihre Leiden I toar von Sr. Majestät selbst ge- ?s.^rhwlt nämlich jeder in EmS zur Kur anwesende I 40, jeber Vicefeldwebel 30, jeder Unteroffizier 25 I dEals 5te mitmachende gemeine Soldat I JLÄÄLVTches schenk. Später als der ®^wrst Über Zoblenz nach Berlin zurückreiste, mußten I Mode. m Zu den Frauensorgen gehört die alljährliche Neubeschaffuug der Garderobe nach neuer Mode und in gefälligem Geschmack. Ein sehr interessanter und praktisch! wertvoller Führer auf diesem Gebiete ist das soeben neu erschienene „Reichhaltige Moden-Album und Schnittmuster- buch", welches von der Internat. Schnitt-Manufaktur, Dresden-N. 8, zum Preise von nur 50 Pfg. zu beziehen ist. Diese großartige, mit ea. 400 Modellen ausgestattete Modenrundschau gießt bet Frauenwelt die erwünschte Antwort auf die Frage, wie man sich selbst bei bescheidenen Mitteln modern, geschmackvoll und individuell kleiden soll. Dieses Album bringt nur praktisch ausprobierte geschmackvolle Vop- lagen für die vorzüglich passenden Schnitte in allen Größen erhältlich. Die letztere Einrichtung erhöht den Wert des Albums ganz wesentlich, denn mit Hilfe dieser von der Frauenwelt allgemein gelobten Schnitte, wird jede Art Schneiderei, auch das Modernisieren und Aendern von Kleidungsstücken in geradezu überraschender Weise vereinfacht. _______________ Abstrichrätsel. (Nachdruck verboten.) Wien, Enz, Weib, Ida, Assel, Bett, Hund, Solist, Eis, Nichte, Od, Ast, Esel, Bey. Von jedem der vorstehenden Wörter ist ein Buchstabe an beliebiger Stelle abzustreichen, doch so, daß die stehenbleibenden Buchstaben im Zusammenhang gelesen, einen bekannten Sinnspruch ergeben. (Auflösung in nächster Nummer.) Auflösung der Charade in vor. Nr.r Kannegießer. nunftlg vorgegangen, so hätte man für reiche Nachkommen- nnttelbar vor M fahr??es E ■ $ ^nmal aufstellen. Unschaft sorgen und die zoologischen Gärten der ganzen Kto ging er von einem Welt mit diesen Tieren versorgen können. Von dieser erÄ gierend und, als er einstieg, rief w^u die Schildkröten ohne Gnade abgeschlachtetz gehenä />tn abteu' ^ungens, laßt's Euch gut bss 1888 der „Albatroß", dort landete, mit der Absicht, I U ’ ' ------------ ein, verschiedenen Arten mitzimehrnen. Doch I (SetlteiuitÜÜiaCä. 5c war thatsachlich schon zu spät, da nur noch eine kleine I Ter Sch ni11 einer Marsch al Niel-Ros«' bef ^optilieu geborgeu werden konnte, und die besondere Aufmerksamkeit bezüglich des Schnittes fordert LL n rnoaeri nicht mehr als 40 Pfund. Welch ein unsere schönste Thee-Rose „Maröchal Niel" Wenn Nu ia Koutrast zu den ungeheuren Exemplaren, deren ich oben über deren spärliches Blühen geklagt wird io bat Meter jgte**** ä“ **** 8» —b> dl- »MM & d?m ÄS fUI u’l™ ” b« S$,Mr6.lm « S”6« A„r»hl ge- ttpm 'SnlüwlnlStll' fcssäLfe»,™s stzKLKmHLMrJh:W 9ro&et Zlrhl auf Briggs nach der süd- I der Zweige, diejenigen sind, aus welchen sich eie Blüten InpfrfipS ntt Sptt f ...2 c I ,, „„ man nun im Frühjahr diese Eweiae wuseln landet, mmrnt einige der merk- zuruckschueiden, so würden gerade die Blutenauaen entfernt würdigen Tiere mit, und zweifellos werden in Wenigen nnt) htP VnitAn uir . c ® ~ I Jahren diese Geschöpfe ganz und gar verschwunden fein. Die Jager schneiden oft das Tier auf, um zu sehen, ob es fett ist. Die Wunde heilt wieder, doch ist diese Grausamkeit als kannibalisch zu bezeichiieu. Sie erinnert fln dw Roheit jener Leute, welche der lebenden Habichts- schuabelschildkrote das Rückenschild abnehmeu, indem sie r ^'^^^rhrtzen. Daiin geben sie das Tier, das zweifellos fürchterliche Schmerzen erdulden mußte, wieder frei , Die letzte Schiffsladung Schildkröten landete kürzlich in Lan Franzisko. Diese wurden mit guter Absicht hierher gebracht, es soll in den Vereinigten Staaten ein Versuch Zem'icht werden, die Tiere zu züchten. Eine kleine Schar wird zu demselben Zweck im National Zoologieal Garden gehalten.