BST L 1902. — Nr. 142. ii HW rTtWrlWWW ■ÄMl HHJJ rfi (»,III B (Nachdruck verboten.) Die Viper. Nach dem Französischen bearbeitet von H. Revel- (Fortsetzung.) 15. Kapitel. Georg Rakenius überraschten die Thränen seiner Schwester keineswegs. Bei der geschwisterlichen Liebe, die sie beide für Herrn von Sempach hegten, war der Schmerz nur gerechtfertigt, und er hatte keine Ursache, sich darüber zu wundern. Trese Anwandlung von Schwäche währte jedoch bei Bertha nur einen Augenblick. Sie erhob sich sogleich wieder, trocknete ihre Thränen und näherte sich ihrem Bruder: „Ja", sagte sie mit einer Stimme, die fest klingen sollte, „ich teile die Ansicht Deiner Freunde. Es muß in Sempachs Leben irgend ein Geheimnis vorliegen, ein dunkler Punkt, eine Liebe. Ich habe jetzt die feste Ueberzeugung gewonnen. Tausend Kleinigkeiten kommen mir wieder in Erinnerung. Wie einer Deiner Freunde habe auch ich bemerkt, daß unser Freund seit einigen Tagen gedankenvoll, zerstreut und oft ganz träumerisch war. Ich schrieb diese Veränderung einem anderen Umstande zu", fügte sie bei mit schmerzlichem Lächeln. „Ich habe mich getäuscht. Wir glaubten ihn in unserer Mitte, — doch seine Gedanken waren bei jener Frau, die er liebte. — Wer ist sie? Tas isi's, was wir in seinem Interesse herausbekommen müssen, um ihn zu retten, — ob er nun will oder nicht, vb mit ihrer Hilfe oder ohne dieselbe. Hast Tu keinen Anhaltspunkt? Hat er Dir niemals etwas anvertraut?" „Nein", sagt Georg; doch plötzlich besann er sich und sagte: „Doch; vor drei Monaten war's. — Ja, ja, das dürfte sie gewesen sein!" „Was denn?" . „Nichts. Das kann ich Dir nicht sagen." „Schon wieder!" rief sie ungeduldig. „Ich glaube, Tn hättest aufgehört, mich als kleines Kind zu behandeln." „Tas sind unnötige Details." „Kein Detail ist augenblicklich überflüssig. Der scheinbar unbedeutendste Punkt kann die Wahrheit bergen, die wir suchen. Ich bitte Dich, Georg, verheimliche mir nichts. Bedenke, es handelt sich um Deinen einzigen Freund, um Deinen Bruder, wie Du ihn zu nennen pflegst, um jenen Mann, der es Dir ermöglichte,. das zu werden, was Du jetzt bist, und mich zu der machte, die ich jetzt bin." „Nun, also: er hat mir eines Tages anvertraut, daß er eben eine kleine Villa in einem abgelegenen Winkel gemietet habe, welche er möblieren lassen wolle, fürchtete sich aber, sich an seinen Tapezierer zu wenden. Er fragte miich nach der Adresse des unsrigen, bat mich aber, ihn selbst unter einem anderen Namen, nicht dem seinigen. anzuempfehlen. Ich konnte mich nicht enthalten, ihn« lächelnd einige Fragen zu stellen, sah aber dann ein, daß' es indiskret von mir war, und schrieb bloß den gewünschten Bries." „Welchen Namen hast Tu ihm in dem Briefe beigelegt?" „Ich suche, doch ich erinnere mich nicht, — irgend' einen nächstbesten Namen, einen ganz gewöhnlichen Namen, den man sonst überall liest und der einem gleich einfällt." „Melcher Name ist's> an den Du eben denkst? Sag rasch, ohne nachzudenken." „Neumann." „Tann wird es' der sein, den Tu ihnt gegeben hast." „Mag sein." „Schließlich ist es auch gleichgiltig; der Tapezierer wird' ihn Dir schon nennen." „Ah — Tu willst---" „Natürlich. — Tu mußt so rasch wie möglich in Erfahrung bringen, ivo dieses Haus liegt." „Wozu? Jetzt steht es' gewiß leer. — Die, die sonst hingekommen Ivar — falls wir uns in dieser Annahme nicht täuschen, — hat keine Ursache mehr, weiter dorthin zu gehen." „Sie kann doch vielleicht noch eine haben. — Ueberdiesr nichts beweist, daß sie von seiner Verhaftung bereits in Kenntnis g esetzt ist." „Ganz Berlin weiß es zur Stunde und spricht darüber." „Ah — ganz Berlin! — Und zugegeben, sie wüßte es' --sie wüßte, daß er verhaftet wurde — dann sagt sie sich: „Das ist ein Irrtum! Morgen wird er wieder auf freiem Fuße sein." Und voll Unruhe, Qual, in der Erwartung, etwas von ihm zu erfahren, geht sie unwillkürlich zu jener Stätte, zu der sie den Weg schon so genau kennt." „Gut! Sie wird aber, wenn sie das Haus öd und verlassen findet, nicht Hineingeyen." „Deshalb darf sie es eben nicht verlassen finden. — Sie soll im Gegenteil glauben, Herr von Sempach sei zurückgekehrt --dann geht sie hinein und findet Dich." „Mich?" „Natürlich! Dich, der Du mit ihr sprechen — mit ihr nach dem Mittel suchen willst, Franz zu retten. — Ach, wenn ich an Deiner Stelle wäre!" „Was thätest Tu dann?" „Ich wäre jetzt schon längst beim Untersuchungsrichter. Ich wollte nicht dulden, daß er auch nur eine Nacht im Kerker zubringt. — Ta fällt mir ein", fuhr sie immer noch sehr erregt fort, „wozu etwas auf morgen verschieben, was wir heute schon erledigen können! Ter Tapezierer wird Dir heute noch die fragliche Adresse geben." „Tie Adresse, ja. Wer er wird nur wohl kaum dis Möglichkeit, die Mittel geben können, in das Haus selbst einzudringen." „Tas kann man nicht wissen — vielleicht doch. Ver- 566 schaffen wir uns zuerst die Adresse, das Wettere werden wir ja dann sehen, tote wir uns überzeugen, tote wir finden können. Es ist noch nicht acht Uhr, da bleibt uns noch bis neun Uhr Zeit!" „Bis neun Uhr! Du meinst also wirklich, daß wir noch diesen Abend ----" „Warum nicht?--Alles läßt mich bestimmt glauben, daß sie den gestrigen Abend miteinander zugebracht haben. Sie haben vielleicht die Verabredung getroffen, sich heute abermals zu treffen. Sie haben vielleicht täglich Rendezvous", schloß sie mit leiser, gedrückter Stimme. Da er schwieg, fuhr sie fort, ihre Idee laut zu verfolgen: „Du sagst, ganz Berlin wisse von der Verhaftung des Herrn von Sempach. Was nennst Tu ganz Berlin? Die Welt der Klubs, in der sich Neuigkeiten wie im Fluge verbreiten, die Geschäftswelt, die sich Zeitungen kauft, um in die letzten Depeschen Einsicht zu nehmen. Das ist aber nur der hundertste Teil von Berlin. In der Mehrzahl der Familien und Privathäuser erfährt man gewisse Neuigkeiten erst den nächsten Morgen und bespricht sie dann. — Vielleicht ahnt in ihrem Hanse keine Seele, daß sie Herrn von Sempach kemtt. Weshalb sollte man dann von ihm erzählen? Hättest Tu daran gedacht, zu mir zu eilen und es mir zu erzählen, wenn er nicht unser Freund gewesen wäre? Es wäre ja auch nicht unmöglich gewesen, daß Tu überhaupt nicht nach Hause gekommen wärst, daß Tu int Klub zu Mittag gegessen hättest, sodaß ich von der Geschichte erst morgen aus Zufall etwas erfahren hätte. Mit einem Worte, ich habe das ausgesprochene Gefühl, daß sich die Unbekannte heute abend wieder dahin begiebt. Ach, laß uns - zum Tapezierer gehen. — Komm, komm, ich begleite Dich!" „Wie! Tu wolltest---?" „Ich werde aus Dich im Wagen warten. — Ich will mich diesem Manne nicht zeigen. — Auch liegt es nicht in meiner Absicht, jenes Haus zu betreten, wenn wir auch die Adresse erfahren haben. Sei nur ruhig! Ich weiß wohl, daß dies nicht mein Platz ist. — Tu kannst mich ja dann wieder zurücksahren lassen. Aber während der Fahrt wollen wir noch überlegen, was zu thuu ist. Geyen wir!" „Du hast ja noch nicht gegessen!" „Ach! Ich denke jetzt gerade ans Essen! Wird er vielleicht jetzt in Moabit speisen, wohin man ihn, tote Du sagst, gebracht hat? Der Unglückselige ! Gott, was muß er wohl jetzt durchmachen! Er, der so gut ist, der stets liebte, mir Gutes zu thuu, er, die Diskretion und der Edelmut in Person, — er, eines Mordes angeklagt!" Bor einigen Augenblicken hatte sie bereits geklingelt, eine Droschke zu holen. Eben wurde ihr gemeldet, daß sie vorgefahren sei. 16. Kapitel. Unterwegs schärfte Bertha ihrem Bruder ein, tote er mit dem Tapezierer zu reden habe. Er hörte ihr stillschweigend und gehorsam zu, schon seit langem gewohnt, sich von ihrem schlagfertigen, gerade und hell denkenden Verstände lenken zu lassen, glücklich, dieser seiner einzigen Gefährtin, seiner einzigen Freundin, die er noch nie verlassen, mit der er heute alle Freuden teilte, wie er auch einst mit ihr das Unglück und alle Leiden geteilt hatte, untergeordnet zu sein; denn er fühlte, daß sie eine praktischere Natur war tote er. Endlich war man dort, und Georg trat in das große, in der eleganten Welt sehr bekannte Geschäst, indes seine Schwester im Wagen zurückblieb. Aus seinen Wunsch wurde Herr Grundner, der Chef des Hauses, verständigt und herbeigeholt. Dieser beeilte sich, auf den Ruf seines Kunden, dem er sein Haus vor zwei Jahren vollständig eingerichtet und der ihn, ohne viel zu handeln, mit echter Künstlerfreigebigkeit honoriert hatte, sofort zu erscheinen. „Was steht zu Diensten?" fragte er, indem er näher trat. „Ich hoffe", begann Georg Rakenius, „daß Sie mir aus einer großen Verlegenheit werden helfen können." „Gewiß, gewiß! Ich toäre sehr glücklich darüber, Herr Professor. Worum handelt es sich denn?" „Einer meiner Freunde, der plötzlich in Geschäften nach London abberusen wurde, schreibt mir soeben, daß er in seiner Wohnung höchst wichttge Papiere vergessen habe. Er bittet mich, sie ihm so rasch wie möglich nachzusenden, und gießt mir zwar das Möbelstück genau an, wo es zu finden ist, — jedoch vergißt er seine hiesige Adresse. Er glaubt jedenfalls, ich wüßte sie, — doch da täuschte er sich gewaltig. Ich kenne nur seine offizielle Wohnung; dahin komme ich beinahe täglich. Seine andere Wohnung aber kenne ich nicht. Es mag sein, daß er sie mir einmal genannt hat, doch ich zerbreche mir den Kops und finde sie nicht. Ta siel mir ein, daß er mich damals, als er sein Haus möblieren lassen wollte, um die Adresse eines geschickten Tapezierers, eines Mannes von Geschmack gefragt hatte, und daß ich ihn damals an die Ihrige wies, ich muß Ihnen sogar noch diesbezüglich geschrieben haben." „Ganz recht, Herr Professor, und sogar noch einen sehr dringenden Bries; ich erinnere mich noch ganz genau. Sie sprachen doch wohl von Herrn Neumann?" „Ganz recht, von meinem Freunde Neumann. Wo liegt denn nur das verteufelte Haus?" „In Friedenau, in der neuangelegten Peter-Vischer- straße, eine ganz einsame Villa." „Ja, ja, stimmt, da.ist es schon. — Wo ich nur meinen Schädel hatte! Ich habe mir gleich gesagt, daß er mir die. Adresse damals gesagt hat, — aber man hat ja zu viel im Kopf. Ich glaube sogar, daß ich jetzt die Nummer finden würde. Warten Sie nur ----" „Nummer 55 b." „Ja, wenn Sie mir's sagen--- nun, jedenfalls weiß ich eS nun wieder, dank Ihrer Hilfe, und kann sonach noch heute abend seinen Auftrag ausführen. Tie Papiere, woraus Neumann wartet, sollen morgen in der Frühe abgehen. — Also nochmals besten Tank und auf Wiedersehen!" Er schickte sich an, als ob er nach der Thür gehen wollte. „Aber tote werden Sie denn in das Haus hineinkommen?" rief ihm Herr Grundner nach, der vielleicht geglaubt hatte, dmß Georg fort wollte. „Nun, ich werde einfach anklingeln, und man wird mir, henke ich, öffnen. Sollten mich die Leute nicht kennen und Anstand daran nehmen, mich einzulassen, so werde ich ihnen einfach den Brief des Herrn zeigen. Sehen Sie, da habe ich ihn schon parat, — da ist er." Er zog den ersten besten Brief aus seiner Tasche hervor. „Nun, Herr Professor Rakenius", rief der Tapezierer, „es ist ein wahres Glück, daß Sie das Gedächtnis im Stich, gelassen hat und Sie auf den Gedanken gekommen sind, ehe Sie noch hingingen, bei mir vorzusprechen." „Warum bettn?" „Weil Ihr Weg ganz umsonst gewesen toäre. Am Abend ist dort kein Mensch. Tie Zimmer werden des Morgens durch eine Aufwartefrau, die ich Herrn Neumann verschafft habe, in Ordnung gebracht; denn er hatte mich ersucht, mich um alles zu kümmern. Ich bin's, der dem Hauseigentümer die Miete, elektrisches Licht und Wasserleitung bezahlt. Man kennt dort nur mich. Ihm zu Gefallen vertrete ich in allem Ihren Freund, und gelte sogar für Herrn Neumann." „Tas hat er also damit gemeint. Tenn am Ende des Briefes fügt er noch bei: „Wenden Sie sich an Herrn . . ."v der Name war nicht zu entziffern. Ich dachte nach: „Ja, zum Teufel, an wen soll ich mich denn wenden?" Tas also waren Sie. Na, da hat mich wieder einmal Zufall oder Instinkt aus die richtige Fährte gebracht. — Ta bitt ich denn also! Zeigen Sie mir also das Mittel, lieber Freund, daß ich heute abend noch in das Haus meines Freundes kommen kann, um mich meines Auftrages entledigen zu können." „Nichts leichter als das. Ich habe noch einen zweiten Schlüssel, den ich damals bei mir gehabt habe, als ich das Haus möblieren mußte, und den ich unbedingt brauche, wenn Herr Neumann mich beauftragt, ihm etwas zu senden." „Wollen Sie mir diesen Schlüssel anvertrauen?" „Ihnen, Herr Professor, vhne Zögern. Schließlich, sind Sie ja bevollmächtigt--" „Gewiß. Lesen Sie, bitte, diesen Brief." Er reichte ihm das Papier hin, das er eben in der Hand hielt, da er mit Sicherheit daraus rechnete, daß der Chef des Hauses daraus verzichten würde, ihn zu lesen, was auch der Fall war. Gleich daraus übergab ihm derselbe den gewünschten Schlüssel. „Ich werde ihn morgen zurückbringen", verabschiedete sich Georg. 567 „Wie Sie wünschen; er steht vollkommen zn Ihrer Verfügung." Georg bestieg wieder die Droschke, die inzwischen gewartet hatte, und gab dem Kutscher den Auftrag, nach Hause zu fahren; inzwischen teilte er seiner Schwester mit/ was er erfahren und erreicht hatte. „Wir können keinen Zweifel mehr hegen", rief sie, nachdem sie ihm angstvoll zugehört hatte. „Alles bestätigt unsere Vermutungen. Es ist ganz so, wie wir es vorausgesetzt hatten. Tie Vorsichtsmaßregeln Sempachs, seine Person zu verbergen, das geheimnisvolle Dunkel, womit er sich umgiebt und auch jene Frau uinhüllt, beweisen auch, daß es sich um eine Dame der großen Welt handelt, die um ihren Rus besorgt ist. Auch beharre ich aus meinem Plan Man muß sie über die Vorgänge aufklüren, ihr die Gefahr enthüllen. Vielleicht sieht sie dieselbe nicht oder will sre nicht sehen. An uns, an Dir liegt es nun, zu sagen: „Sie dürfen nicht den Mann, den Sie lieben und der Sie anbetet, unter einer so furchtbaren Anklage lassen. Er will sich für Ihren Ruf opfern; dürfen Sie ein solches Opser annehmen? Ihre Aussagen und Geständnisse können Sie zwar kompromittieren, aber wenn Sie nicht reden, so ist er für immer entehrt, gebrandmarkt und verloren. Er verliert dadurch seine Freiheit, vielleicht sein Leben. Sie dürfen Nicht länger zögern. Tu wirst ihr das alles sagen, nicht wahr, Georg? Du wirst alles versuchen, sie zu überreden. Ich baue auf Dich." „Ja, ja", machte er, von gleicher Erregung und Bewegung erfaßt wie sie. (Fortsetzung folgt.) Schlagfertigkeit der amerikanische» Feuerwehren, deren Geräte und deren Thätigkeit auf der Brandstelle, unter Bezugnahme auf deutsche Berhältuisse. Vortrag des Feuerspritzenfabrikanten und Brandmeisters ^os. Beduwe-Aachen, gelegentlich des Unterrichtstursus für die freiwilligen Feuerwehren Rheinlands am 8. September in Düsseldorf. ,, . Mbine Herren! Wenn ich versuche. Ihnen heute eine Schilderung zu geben über Verhältnisse des Feuerlöschwesens Amerikas, so geschieht dies, gestützt auf Erfahrungen, die ich während eines zweimaligen längeren Aufenthaltes drüben sammelte, und ich habe mich, wie Sie sich wohl denken können, als geborener Fachmann für das Feuerlöschwesen eingehend interessiert. Einerseits wollen Sie nun nicht annehmen, daß ich bei Hervorhebung guter amerikauischer Verhältnisse unsere deutschen Feuerwehren in den Schatten stellen will, sowie ich andererseits auch nicht gerne gute amerikanische Vor- .rrchtungen zu Gunsten der Deutschen verschweigen möchte. Betritt man eine amerikanische Feuerwehrkaserne, glemMel, ob die Stadt groß oder klein ist, so ieht man auf den ersten Blick, daß der Amerikaner Geld hat, ferner, daß die ganze Stadt großes Interesse für die Feuerwehr zeigt, ihr Ansehen zollt, und endlich, daß die Stadtverwaltung soviel Einsehen hat, daß eine Feuerwehr nur dann Tüchtiges leistet, wenn ihr die nötigen und leistungsfähigen Geräte zur Seite stehen. Meine Herren! Es fehlt an gar nichts! \on sdem Wasserturm, der Dampfspritze bis zum kleinsten Armaturstuck ist alles vorhanden, und ich muß ausdrück- lich bemerken, daß dies nicht etwa nur von den größeren Städten gilt, sondern ebensogut von allen kleinen, nur im entsprechend kleineren Maßstabe. Ehe ich auf das System der einzelnen Geräte eingehe, möchte ich vorher das Allgemeine behandeln. Schlagfertigkeit der amerikanischen Feuerwehren ist eine auf das äußerste getriebene, und man kann sagen, „sie hat den Höhepunkt erreicht." Tie Feuerwehrkasernen haben im allgemeinen die Bauart, wie neuerdings auch solche in deutschen Städten, wie Hamburg und Bremen ausgeführt wurden. Tie Geräte- remise liegt meist direkt an der Straße, über derselben sind die Schlafräume, und die Leute gelangen bei Nacht Mittels Gleitstangen, die sich in den vier Ecken befinden, aufs Schnellste nach unten. Der Stand der Pferde ist stets rn der Wagenremise hinter den Geräten und zwar steht das' Pferd los, und ohne Geschirr. Letzteres ist! über der Deichsel der einzelnen Geräte in Haken aufgehängt. Trifft ein Signal ein, so drückt der Wachthabende auf ernen Knops, wodurch sich die Thüren der einzelnen Pferde- e” etne? Kontaktes zu gleicher Zeit offnen. Pferde sprmgen tm Moment zu ihrer Stelle, das deschrrr ,allt herunter, die Kummete, die oben in einem Scharnier gehen, werden zugeklappt, die Manuicbaft sprmgt auf; nachdem dies alles in exakter Ordnung hinter verschlossenen Thüren geschehen ist, zieht der an über sich hängenden Strang, die Thore schlagen auf, und jetzt, wie die Pferde die blanke Straße vor sich sehen, wird losgefahren. . bä/ Pferd nicht angeschirrt im Stalle steht, hat einen mehrfachen Wert: ' 1. Steht das Pferd bequemer ohne Geschirr. 2: spannt das Pferd sich schneller an, etwas, woran Sie im Moment noch zweifeln werden. 3. Zieht das Pferd besser im Kummet als im Flachgurt,' mit welch ersterem es im Stall nicht ständig stehen k°nn, und ioelcher beim Ziehen die freie Bewegung der Gelenke nicht tote bei der Flachgurt stark beeinträchtigt. Ich muß hier unbedingt ein Manöver einschieben welches mir gelegentlich eines Besuches in Bremen unser hochgeschätzter Branddirektor Dittmann zeigte rr Derselbe hatte ein neues Depot, und wollte den schnellen Ausrucr bez. Pferdegeschirr ausprobieren. Behufs Lessen hatte er zwei Geräte mit je zwei Pferden neben- emander stehen, wovon zwei mit Flachgurt versehen, angeschirrt dastanden, und beim anderen Gerät das Kummetgeschirr über der Deichsel hing. Na, sagte er zu mir, wer meinen Sie wohl, der 5tec <_ heraus wäre, der mit den angeschirrten Pferden oder der andere. Ich glaubte nun unbedingt dem ersteren den Vorzug geben zu dürfen. Mit den Worten, Sie werden sich schon wundern, ließ er alarmieren; alle vier Pferde sprangen zu gleicher Zeit vor und wahrend der eine Fahrer noch die Zugftränge der angeschirrten Pferde cinhakte, war der andere schon längst abgefahren, und hatte einen ganz mächtigen Vorsprung. Der Amerikaner hat diese Vorzüge längst eingesehen und fahrt nur mit Kummet, wie, nebenbei bemerkt, unsere preußische Artillerie und der Train ebenfalls. Stallungen, die abseits liegen, kennt der Amerikaner Ulchtz , und wenn auch häufig geltend gemacht wird, durch Ausdunstungen der Pferde in der Remise litten die Teile der Geräte, so steht man drüben auf dem Standpunkte, daß, ivenn Geräte beschlagen, sie eben wieder geputzt werden, gerade so, wie wenn sie schneller oder kürzer verschlissen sind, einfach neue beschafft werden müssen. Tie Feuerwehrleute sind ständig in Bereitschaft, trifft ein Signal em, so ist der Ausrück im Moment dahinter. Tie Dampfspritzen sind fast alle durch einen Vorheizer angewärmt, obschon die Kessel sehr große Heiz- und Rostfläche haben; außerdem sind vielfach Schlangenrohrkessel vorhanden, wo in etwa 5 Minuten der nötige Dampfdruck erzeugt ist. Tie Geschicklichkeit und die Behendigkeit der Leute ist eine große; Leute und Pferde werden, nachdem ärztlich untersucht, zuerst probeweise eingestellt, und falls sie sich während längerer Zeit als tauglich erwiesen haben, erst dann definitiv behalten. Als Kuriosum dürfte noch dienen, daß in der Stadt Newyork bei einer Feuerwehrwache, die in der Nähe des Hafens liegt, die Pferde angeschirrt, ständig wie Drosch- kenpferde im Gerät stehen, die Mannschaft befindet sich in unmittelbarer Nähe, sodaß beim Eintreffen eines Signals nur aufgestiegen und abgefahren wird. Im übrigen rentiert sich dies insofern, als diese Wache eine große Zahl von Alarmierungen an jedem Tag zu verzeichnen hat. Was die Fahrt zur Brandstelle anbelangt, so setzt der Amerikaner eine Force drin, mit einem Rennen ähnlichen Tempo zu fahren, und ich mußte mich immer von neuem wundern, daß nicht mehr Unglücksfälle zu verzeichnen waren. Indessen ist dies in Amerika überall derart eingerissen, daß man es schlapp finden würde, wenn es anders wäre, und schließlich hat sich das Publikum o daran gewöhnt, daß, wenn die „Fire-Bell" geht, alles zur Seite fliegt, und jeder stolz dem vorbeisausenden Löschzuge nachsieht. Ich habe mich häufig gefragt, tote eine Verwaltung es zugeben kann, daß mit einem geradezu die — 568 öffentliche Sicherheit gefährdenden Tempo losgefahren werden darf. „ r Auf der Brandstelle angelangt, arbeitet der Amerrmner schnell und entschlossen, schlappe Leute, die nichts teiften oder mit ihren Geräten nicht vertraut sind, hat man bald erkannt. Jeder Feuerwehrmann arbeitet in seinem ihm zugeteilten Posten sehr selbständig, die Behendigkeit der Leute ist sehr groß, artet jedoch zu häufig in verwerfliche Waghalsigkeit aus. Auffallend ist anderseits jedem Deutschen, der zuerst die Arbeit auf der Brandstelle sieht, daß den Leuten die militärisch deutsche Disziplin fehlt, worauf drüben jedoch kein Gewicht gelegt wird. Was die Geräte der ainerikanischen Feuerwehren anbelangt, so sind diese durchweg vorzüglich, aber meistens etwas schwer und hilft man sich damit, daß fast alle Geräte mit drei Pferden neben einander bespannt sind. Arif äußere Ausstattung wird viel Gewicht gelegt und man findet bei den meisten Dampfspritzen, daß alle Maschinenteile, Kesselmantel usw. vernickelt, wenn nicht sogar versilbert sind; auf dem Windkessel prangt stets der amerikanische Adler in Gold. Ein Gerät, das besondere Beachtung verdient, ist der Wasserturm, welcher dazu dient, die Leistung mehrerer Dampfspritzen, gewöhnlich vier, zu vereinigen, um dann eine Wasserflut von 6—8 Kubikmeter pro Minute aus einem Strahlrohre in den Brandherd zu werfen. Der Wasserturm ist weiter nichts wie ein mächtiges teleskopähnlich auseinander ziehbares Strahlrohr, welches auf einem vierrädrigen Wagen montiert ist und dessen Mündung von unten aus reguliert wird. Am unteren Ende sind dann die vier oder auch mehr Eingänge, in welche die verschiedenen Dampfspritzen ihr Wasserquantum hineinpumpen. Angewendet wird dieser Apparat natürlich bet Großfeuer, wenn mit Wasserschaden nicht mehr zu rechnen ist. Auch ist der Amerikaner mit vorzüglichen Steiggeräten versehen und während man bei deutschen Feuerwehren vielfach findet, daß zwischen der Haken- und der mechanischen Leiter kein Zwischengerät mehr existiert, nimmt man drüben eine ganze Menge gewöhnlicher AnsteMeitern mit, in Längen von 4, 6 und 8 Meter und noch mehr, die auf der mechanischen Leiter in geschickter Weise untergebracht sind. Der Wert gewöhnlicher AnsteMeitern wird drüben sehr anerkannt und dies nicht mit Unrecht. Zur würdiger! Komplettierung der amerikanischen Steiggeräte verschafft sich neuerdings die pneumatische Schapler-Leiter Eingang und wir können stolz sein, daß es em Deutscher ist, welcher das Gerät erfunden hat, das in Amerika bereits mit vieler Begeisterung anfang dieses Jahres in der Stadt Pittsburg ausgenommen wurde. Die amerikanischen Zeitungen sind voll des Lobes ob dieses Gerätes und zweifeln nicht, daß es sich drüben rasch verbreiten wird. Erbauer dieser Leiter ist die Firma I. S. Fries Sohn Frankfurt; vorausgesetzt, daß Sie auch dieses deutsche Gerät interessiert, will ich Ihnen auch davon eine kurze Schilderung geben. Aehnlich wie bei der Hönigschen Leiter steht auf einem vierrädrigen Wagen ein starker Turm und auf diesem gelagert ist ein regelrechtes Teleskoprohr, auf welchem die Steigeeinrichtung montiert ist. Unter diesem Rohr greift in der Nähe des Turmes eine Stange an, welche als' Kolben einem Zylinder entspringt. Das Ausrichten sowie das Aufschieben der Leiter geschieht mittels Kohlensäure oder komprimierter Luft, die in dem Turm ausgespeichert ist. Soll die Leiter in Thätig- keit treten, so erfolgt zuerst die Geradestellung, indem unter dem vorher erwähnten Kolben Kohlensäure oder Lust eingelassen wird, sodann erfolgt der Ausschub der Leiter, indem Kohlensäure in das Teleskop eintritt. Zur Bedienung der mächtigen Leiter sind nur zwei Mann erforderlich, ein dritter wird gar keine Verwendung finden können. Die Leistungen sind ganz überraschend und man ist sprachlos, ich möchte fast sagen, man traut seinen Augen nicht, wenn man ein solches Manöver sieht. Dabei ist die Ausführung der Leiter eine durch und durch konstruktive, und die Manöverierfähigkeit ist bei der bei der Aachener Feuerwehr eingestellten Leiter eine vorzügliche. Ich habe nun noch ein Gerät zu erwähnen, welches drüben eine Hauptrolle spielt, nämliche die Kohlensäurespritze, ein Gerät, welches nur zum ersten Angriff dient, und welches nur so lange in Thätigkeit bleibt, bis die Wasserleitung oder die Dampfspritze in Mtion getreten ist. Ter Zweck ist, die kleine Spanne Zeit, die zwischen Aufsuchung und Aufstellung des Standrohres liegt, so zu benutzen, daß das mitgebrachte Wasser schon zum ersten Angriff verwendet wird. Eine Kohlensäure-Spritze ist weiter nichts wie ein Behälter Wasser, gewöhnlich 500 Liter, der auf Wagen montiert ist und dessen Inhalt durch Unterdrucksetzung von Kohlensäure verspritzt wird. Auch in Deutschland hat dieses für größere Städte nützliche Gerät sich gut eingeführt. Herr Branddirektor Dittmann, Bremen, war der erste, der es bei der Feuerwehr einstellte. An Hand meiner kleinen Erzählung glaube ich nun Ihnen den Beweis gebracht zu haben, daß die Amerikaner gut organisiert und mit allen nötigen Geräten versehen sind; jedoch will ich nicht damit gesagt haben, daß dies ttt Deutschland nicht auch der Fall wäre. Indessen läßt sich nicht wegleugnen, daß es häufig bei den Stadtverwaltungen recht lange dauert, ehe den Bitten der Feuerwehr endlich Gehör geschenkt wird, um ein kleines Gerät, Vielleicht einen Leiterwagen, oder dergleichen bewilligt zu bekommen. Wir können nicht froh genug sein, daß wir unsere Feuerversicherungsgefellschaften haben; ich nenne die Aachener und Münchener Feuer-Bersicherungs-Gesell- schast, die Societät Münster, die Societät Düsseldorf, die uns stets in bereitwilligster Weise unterstützen. Anderseits wünschen wir dennoch, daß unsere Stadt- oder Gemeinde- räte, die stellenweise vielleicht etwas sparsam angelegt sind, das doch den Amerikanern absehen möchten, daß wir dann nur Tüchtiges leisten können auf der Brandstelle, wenn wir auch ordentliches Werkzeug, das heißt, die nötigen und ordentlichen Geräte haben! Litterarifches. Der Text des Bürgerlichen Gesetzbuches befindet sich nun wohl in unzähligen Exemplaren und Ausgaben mit und ohne Kommentar in den Händen des deutschen Volkes, aber an einem gemeinverständlich geschriebenen Lehrbuche des neuen bürgerlichen Rechtes, das den Bürger mit dem Geist des Gesetzes, seiner Entwickelung, seinen Rechtsbegriffen, seinen Rechtsnormen und ihrer praktischen Handhabung vertraut zu machen berufen ist, fehlte es bis jetzt noch ganz. Es ist daher wohl mit Freuden zu begrüßen, daß eine hervorragende wissenschaftliche Autorität wie Dr. jur. Franz Bernhöft (o. ö. Professors an der Universität Rostock) sich dieser schwierigen Ausgabe unterzogen, und wie nicht anders zu erwarten war, in vortrefflicher Weise gelöst hat. Bon dem Werke, das in fünf Bändchen (jedem Buch des Bürgerlichen Gesetzbuches ist ein Bändchen gewidmet) erscheinen wird, hat soeben Teil 1: Einleitung und allgemeiner Teil (204 Seiten, in eleg. Ganzleinwandband ,Mk. 1.50) die Presse verlassen. — Tas Bändchen zeichnet sich durch eine fesselnd geschriebene, lichtvolle Darstellung der schwierigen Materie aus, die durch zahlreiche praktische Beispiele und bereits vorliegende Entscheidungen eine instruktive Erläuterung erfahren hat. Zur Zeit der hellen Sommertoiletten wird unfern Leserinnen ein neu erschienenes Büchelchen: „Goldenes Sch atzkästlein der Hausfrau", praktische Rezepte für Haus und Herd (Nürnberg, Litterar. Institut Stockhausen), Preis 30 Pfg., gewiß sehr willkommen sein. Tas praktische Büchlein bringt die Beantwortung einer Fülle von Fragen, die der sparsamen Hausfrau oft viel Kopfzerbrechen verursachen. Rechenaufgabe. Nachdruck verboten. Zu einer Hinterlassenschaft gehören 7 volle, 7 halbgefüllte und 7 leer« Weinfässer. Diese sollen an die drei Erben derart verteilt werden, daß jeder Erbe gleichviel Wein und die gleiche Stückzahl Fässer erhält, ohne daß eine Umfüllung nötig ist. (Auflösung in nächster Nunimer.) r d s f! a S 9 l S 8 l 1 s < < l ! 1 1 i 1 Redaktion: Curt Plato. — Rotationsdruck und Derlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckcrei (Pietsch Erben) in Gießen.