TkJiW 1902. Nr. 60, aut wagst du reden überall, 'jp/J Wo's Wahrheit gilt und Recht zumal; V v Doch vorlaut sein, paßt nirgends hin, Fehlt meistens auch Verstand darin. Harms. (Nachdruck verboten.) Die Möve. Roman in zwei Bänden von Zacharias Nielsen. Autorisierte Uebersetzung aus dem Dänischen von Mathilde Mann. (Fortsetzung.) Ein nebliger Dezembertag lag über der Hauptstadt, einer jener toten, regengesättigten Tage, in denen der Lärm der Straßen gleichsam durch Filzwände gedämpft lvird, und die Leute mit schlaff herabhängendem Haar und einem Schleier vor den Gedanken einhergehen. Tie Wolken ivaren zusammengepreßt wie große Schwämme und ließen von Zeit zu Zeit einen Platzregen fallen; die Wege lagen wie ein durchgekneteter Teig da, in dem die Wagenräder glänzende Streifen hinterlassen Hatten; das Wasser tropfte von den Zweigen der Bäume Und lief in sickernden Büchen an der schwarzrunzeligen Rinde Herab. Oben im vierten Stockwerk eines schwarzgeräucherten Hintergebäudes der Vorstadt stand Hans Boje, die Hand in die Seite gestemmt, und schaute durch eine Fensterscheibe, gegen die der Regen schlug. Aus einem dünnen eisernen Schlot im Nachbardache preßte eine Dampfmaschine den Rauche in engbrüstigen Atemzügen in die Luft hinauf, wo er große Kugeln bildete, die in munterem Tanz ms Dasein hineinrollten, es aber schon im nächsten Augenblick wieder durch ein mattes Entgleiten in den großen, toten Raum verließen. Nachdem er eine Weile dagestanden und dem Rauch zugesehM hatte, warf er sich auf einen Stuhl am Tische und verharrte lange in derselben Stellung. Dann richtete er sich auf, öffnete ein Schrerbhest mit mathematischen Zeichk- nnngen und bemühte sich, seine Aufmerksamkeit auf die Linien zu konzentrieren. Wer die weißen Flächen glitten in sonnige Landluft über, und die Zeichnungen verwandelten srch in dunkle Flechten und strahlende Augen. Er lehnte sich wieder in den Stuhl zurück, diesmal mit glühenden Wangen. Es war, als habe er durch eine geheime Offenbarung die Gewißheit erlangt, daß sie in diesem Augenblick da draußen in dem kleinen Hause säße und seiner gedenke. Ja, wie unzäh lig e m al hat er die Wahrheit von Jean .Pauls Worten empfunden: „Die Seelen nähern sich einander durch die Trennung der Körper." Wie hatte er gegen sein aufrührerisches Herz angekämpft, als er merkte, wohin sein Sehnen ging! Wer alleK vergebens! Das Dorfidyll mit seinen tausenderlei Ereig4 nissen, alle diese Bruchstücke von Erinnerungen, die jetzt erst ins Licht des Verständnisses traten, standen früh und spät vor seiner Seele. War sie gebunden, ober war sie frei? Durch den Tierß arzt aus Kirchholmstrup, den er einmal auf der Straße getroffen hatte, wußte er, daß sie noch nicht verheiratet; war; aus welchem Grunde aber die Hochzeit aufgeschoben war, hatte er nicht erfahren können. Wollte sie, konnte sie überhaupt mit Thomas an den Altar treten? Es war ihm oft, als sei die Welt in eine neue Bahn gedrängt, wo sie sich nach andern Gesetzen als nach den bisher geltenden drehte. War es denn nicht im Grande, wenn man die Sache bei Licht besah, so, tote Thomas damals behauptet hatte? Wenn zwei Menschen einander liebten, so sollten sie sich auch haben, möchte es mit den Gelöbnissen und dem Predigersegen aussehen, wie es wollte. Thomas war eigentlich eine beneidenswerte gesunde Natur. Dies unmittelbare Naturgefühl, das seinen eigenen festen Gang geht, kann oft eine innere Echtheit in sich tragen, die sich nicht länger durch Bibelstellen im Zaum halten ließ. Wer wozu führten alle diese Gedanken und Bilder, alle diese einander kreuzeüden Eilboten von Herzen zu Herzen? Führten diese keuschen, herzenswarmen Seelenbegegnungen zu etwas anderm als zu neuen Schlägen mit der Geißel der Hoffnungslosigkeit? Er erkannte, daß seine Liebe eine Flamme war, die seine Seele zu Asche brennen würde, und doch wollte er sie um alles in der Welt nicht entbehren, in ihr lebte und atmete er ja, er war durch sie in ein neu.es Dasein erhoben, wo seine Persönlichkeit all das Tiefste und Beste entfaltete, was er besaß. Es schellte. Er hörte die Waschfrau, die nebenan wohnte, über bett Gang humpeln, um zu öffnen. „Guten Tag, Du Ausbund von Fleiß!" tönte es im nächsten Augenblick mit gellender Fröhlichkeit zu ihm herein. „Ja, ich laufe gleich wieder — gieb mir nur auf zwei Minuten eine Pfeife." Ter Cand. Phil. Julins Rudolf, Lehrer der Geschichte und der Muttersprache an einer Lateinschule, ein kleiner, untersetzter Mann mit goldener Brille, rotem, kurz geschnittenem Haar und einem erbärmlich dünnen Kinn- und Schnurrbart, ivar ein entfernter Verwandter von Hans Böje. Nach einer vieljährigen Trennung hatten sie einander vor einiger Zeit auf der Straße getroffen, und indem sie die alten lustigen Erinnerungen aus der Kinderzeit auffrischten, waren sie sich wieder näher getreten. Böje, der um diese Zeit gerade nicht besonders aufgelegt war, und der auch nicht allzuviel Zeit hatte, um sich mit dem beredten Freund abzugeben, hätte ihn am liebsten dort gesehen, wo der Pfeffer wächst; aber der kleine Mann ließ sich nicht so leicht 238 „Gut. Sitz Du nur ruhig bei Deinen Zirkeln. Na, jetzt geh' ich. Nein, nein, bleib Du nur sitzen. Aber hör, Hans, daß Du mir die goldene Himmelsjungfrau wie ein mutiger Jünger anbetest!" schloß der kleine Mann seine Rede. Böje hörte, wie er die Entreethür öffnete, und vernahm dann ein Zittern des Fußbodens, das von dem unruhigen Trippeln vieler Füße herzurühren fchien. „I bewahre!" — ,Hch bitte!" — „Nein, unter keiner Bedingung, mein Herr, haben Sie die Güte!" erklang es von draußen, und dazwischen ertönte ein Poltern und Kratzen. Mas für eine bekannte Stimme war doch das? EinenAugenblick später wurde dieThür zu seinemZimmer aufgerissen, und dort stand — der Mann mit der heiteren Lebensanschauung, sich verbeugend und nickend, ein Bündel unter dem einen Arm, das gelbe Gesicht mit einem breiten Lächeln ganz in den Rockkragen hineinziehend. „Aha—a! Guten Tag! Guten Tag, lieber Böje!" erklang es in dem bekannten näselnden Tone. „Sehen Sie! Ich habe Sie gefunden! Guten Tag, guten Tag! — Puh! Zum Teufel auch! Wie hoch Sie aber wohnen!" Ter Schweiß stand ihm auf dem kahlen Scheitel. Böje dachte bei sich, daß er gewiß die acht Treppenabsätze in ebenso vielen Sprüngen genommen habe, und daß er sich wahrscheinlich, wenn er wieder fort wollte, auf dem Magen über das Geländer legen und in einer Fahrt hinuntergleiten würde. „Sie haben sich also in diesem abscheulichen Wetter auf die Reise gewagt?" . „Ja, was sagen Sie dazu? Heute morgen um fünf Uhr kam ich plötzlich auf den Gedanken, diese Fahrt zu unternehmen. Zu Haufe ahnt kein Mensch, daß ich gereist bin." „Niemand ahnt, daß Sie gereist sind?" „Keine Menschenseele! Sie sind so daran gewöhnt, daß ich fortlaufe, wenn es mir in den Sinn kommt. Ich bin fast den ganzen Weg gegangen und habe ganz nasse Fuße — hören Sie 'mal — quaa — quaa! — Wer das macht nichts. Ueber Nacht bleibe ich im Gasthof, und morgen frust um vier Uhr mache ich mich wieder auf die Socken. Ach, lieber Böje, zu Hause bei uns sieht es gar nicht gut Ms!"■ „Wieso?" „Ja, meine arme Schwiegertochter — kann ich mein Paket hierher legen?" „Was fehlt denn der?" , „Ach, sie siecht uns so hin — Religionsskrupeln oder was es sonst sein mag. Wir haben die Hochzeit einen Monat nach, dem andern hinausgeschoben, damit sie ein bißchen zu Kräften kommen sollte, aber was hat das geholfen? Der arme Thomas! Er ist stets voller Hoffnung gewesen, aber nun läßt er auch den Kopf hängen. Mein Bruder geht herum und glotzt wie ein Ochs und will Festungen und Panzerschiffe haben — ja, das ist wahr, Sie sind za auch — aber sagen Sie mir doch, mein lieber junger Freund, was kann es nützen, daß wrr Großmacht spielen wollen? ,Was sind es denn — was sind es denn für Zweifel? '„Zweifel? Hören Sie, lieber Böje, Sie wissen, daß ich eine heitere Lebens anschaunng habe; aber sagen Sre mir einmal ganz ehrlich, wenn wir nun doch nicht Leute genug haben für die Kanonen -" , „Nein, ich sprach von Ihrer Schwiegertochter/' z$a, ja!--Ja, was ist das nur, was ist das nur?" . „Sie ist doch nicht bettlägerig?' .. , „Nein, das ist sie, gottlob, nicht. Wer es sieht trotzdem schlimm genug ans. Ach ja! Ach ja! Meine arme Frau ist auch leidend, und in der letzten Zeit ist sie stocktaub geworden. Thomas geht den ganzen Tag herum und nickt ihr zu. Er hat stets so große Stücke auf ferne Mutte« gehalten. Ist es nicht anerkennenswert — aus mir hat er sich eigentlich nie etwas gemacht. Wer Sie können mir glauben, seine Mutter ist auch eine Frau von der rechten Art." „Das sind ja traurige Nachrichten." „Ja, ist es nicht trostlos, lieber Freund?" Er ftlhv sich mit dem bekannten roten baumwollenen Taschentuch über die Augen. „Ach, lieber Böje, wissen Sie, was wir sind? Wir sind allzusammen jämmerliche Kreaturen. Wer wenn man das Gewehr in den Graben wirft, dann ist es abweisen. Mle Augenblicke kam er angelausen, stets ein Füllhorn von Riesenideen mit sich führend, das er in seinem Reformatiouseifer über Böses Haupt ausschüttete, indem er mit seinen fleischigen Händen Wirbel schlug und seine dünnen, widerspenstig in die Höhe wachsenden Brauen sich nach allen Richtungen fträitben und winden ließ. „Nein, lieber Hans, es nützt nichts, daß Du es mir herberge« willst, ich habe scharfe Augen für den Flammenschein des heiligen Feuers, und ich gratuliere Dir, Du Glücklicher, denn Wie wäre das Leben an Freuden doch leer, Wenn die goldne Aphrodite uns lächelt' nicht mehr? Gieb wohl acht, die goldene, die himmlische Miß Aphrodite Pandemos — vor der mögen uns die Götter behüten!" „Ach, Du bist wohl nicht so ängstlich vor der Dame?" „Ich? Ich bin ein reiner Zeno, ein Prachtexemplar, ein Wunder in Beziehung auf Tugend. Arm aber tugendhaft." Böje fragte, wie es mit seinem Diakonissenverein ginge. „Ausgezeichnet!" erwiderte Rudolf; „die Statuten liegen fertig vor, und es haben sich schott einundsiebzig Herren gezeichnet. Nur Dich, Du hoher Ritter des Wortes, Dich vermissen wir noch. Darf ich mich erkühnen. Deinen Namen auf meine Tafel einzuritzen?" „Nein, ich will nicht teilnehmen, wenigstens nicht, ehe ich mein Examen bestanden habe." „Tu zitterst wohl bei dem Gedanken an unser Programm?" Mein, euer Programm ist sehr edel, aber ihr guten Stifrer seid mir doch gar zu radikal." „Radikal? Bedürfen wir denn nicht gerade des Radikalismus, der Leidenschaft in unserm alten, verfaulten Nest? Tas aller schärfsten, ätzendsten? Uns wird ein erhabener Gedanke nach dem andern von den Kulturceutren zugeführt, kaum aber haben sie unsere kleine Stadt erreicht, als sie auch schon sterben. Wir ertrinken förmlich in Gleichgiltigkeit, wir guten, ehrlichen Dickköpse, wir besorgen unser Geschäft, gehen zu Tische und ins Theater und huldigen mit selbstgefälliger Freude dem, was H-eiberg bezeichnet als Tas flache, phlegmatische Leben auf Erden, Wo man nur an das Reale glaubt. Und nicht den geringsten Schimmer kann sehen Bon dem magren Knochengerüst, von den Ideen!" „Ja, es liegt vielleicht etwas Wahres darin." „Wir bedürfen der Leidenschaft, mein Freund. In kleinen Staaten ersterben die großen Gedanken aus Mangel an großen Leidenschaften. Wir müssen das Volk, die groye, breite Schicht der Bauern und Arbeiter in die Höhe schrauben, in alle Ecken und Winkel muß Pulver gelegt werden. Vor allen Dingen müssen wir den Leuten die Singen öffnen über die widerwärtige Heuchelei in der Kirche, wo alles nach dem Prinzip: „Man muß sich drapieren", geordnet ist, wo aber die Lüge und der Humbug zwischen den Draperien hervorsieht." „Ta ist sicher mancherlei anzugreifen, aber ihr guten Radikalen, die ihr selber keinen Glauben habt, seid kaum geeignet, die Kirche zu verbessern." „Dann kommt ihr heran! Kommt, ihr gläubigen Seelen! Wir wollen euch mit offenen Armen empfangen und ein Opferfeuer für euch auf den Höhen anzünden. Wer ihr kommt nicht, ihr frommen Feiglinge, denn wenn es schließlich darauf ankommt, huldigt ihr alle der bekannten Devise: Immer um den Brei herumgehen." „Tas ist nicht wahr, Rudolf. Du weißt sehr gut, daß ich Dir in vielen Dingen recht gebe, sowohl in Beziehung auf die Kirche, als auf die Frauensrage und andere Punkte, die wir beredet haben." „Na, das freut mich, daß ich doch wenigstens nicht völlig tauben Ohren gepredigt habe." „Aber ich will mit meinem Examen fertig sein, ehe ich mich zum Dienst melde. Und ich will Dir offen sagen, daß ich in ganz wesentlichen Punkten sehr uneinig mit Dir bin." „Gut, brillant! Wenn wir irgend etwas in unferm Verein nötig haben, so ist es gerade Friktion!" „Wer, wie gesagt, fürs erste bitte ich! Dich, mich in Ruhe zu lassen." 239 ganz aus. Man muß frisch ans Werk gehen und nur eine heitere Lebensanschauung haben, dann ebnet sich alles von selber, ja, das thut es — nuf, nuf — dann ebnet sich alles von selber — nuf, nuf--darf ich Ihnen anbieten?" „Ich danke, id)i schnupfe nicht", a _ ,Lm — ja!--Ach ja, es wird schon alles gehen. Wer nun sollen Sie doch sehen, was ich mir eingehandelt habe", fuhr er mit glückstrahlenden Augen fort, ttacEj. seinem Bündel greifend. „Sehen Sie 'mal einen ganzen Anzug. Nicht wahr, famoses Zeug? Und die ganze Garderobe für fünfzehn Kronen. Man muß wirklich über den Preis lachen. Wer ich mag kaum sagen, wo ich es gekauft habe, die Gegend war nicht schön. Wer fühlen Sie hier einmal, solch ein Futter, wie? Mit dem Rock kann ich noch zwanzig Jahr des Sonntags gehen." (Fortsetzung folgt.) Heinz und Ursula. Von Paul Ernst. Nachdruck verboten. (Schluß.) Nunmehr gingen alle nach Hause, und dachte der ehrbare Färbermeister gute Miene zum bösen Spiel zu machen, da nichts zu ändern war und er durch sein Brummen die Sache nur böser gerichtet hätte. Rief also sein Gesinde zu Häuf, schloß die Fensterladen, setzte zween Leuchter auf den Tisch! und das Bibelbuch dazwischen, und las ein schönes Kapitel aus der Heiligen Schrift vor, ermahnte alsdann seinen Ei-dam und küßte seine Tochter unter herzlichen Thränen, und war Keiner, der nicht gerührt gewesen wäre, sonderlich die Weibsleute, außer der Altgeselle, welcher trutziglich vortrat und seinen Abschied erbat, welchen er ihm auch gab und dazu sagte: „Tu siehest wohl, daß ein solche feines Kräutlein nicht für bidj, Kahlkopf gewachsen war". Und die Hausthüre ging den ganzen Tag, denn die guten Weiber freuten sich alle über die Tapferkeit und Gutthat des Mägdleins, und sckickten viele Gesd)enke zur Hochzeit, also daß sie mehr kriegte, als hätte sie eine richtige Freierei gehabt, und sparten noch die Unkosten des Hochzeitsmahles. Am Abend aber führte der alte Meister ein langes und vernünftiges Gespräche mit dem Eidam, und freute sich sehr, weil berselbige ihm in vielen Dingen recht gab, was er nicht aus Schalkheit that, sondern weil ihm feines Schwiegervaters Morte richtig erschienen. Sprach der alte Mann, wie daß Adam von seiner Hände Arbeit gelebt habe, und daß die Färberei gar alten und edeln Ursprungs sei, indem schon der Prophet Jesaia von einem Färber spricht, wie geschrieben steht: „Aber der Herr sprach zu Jesaia: gehe hinaus Was entgegen, du und dein Sohn Sear-Jasub, an das Ende der Wasserröhren am obern Teiche, am Wege beim Acker des Färbers"; allwo der Meister wahrscheinlich seine Tuche gespannt hat. Hin- widerum klagte der Junker, daß dem Adel sein Brot gestohlen werde, indem mit dem Neberhandnehmen der gottlosen Erfindung des Feuerrohres kein ehrlicher Ritter fick) mehr dem Krsegshandwerk zuwenden könne, sondern nur allerhand verdorben Volk, das zu Hause nicht gut thue. Er wolle aber seines Schwiegers Brot nickst umsonst essen, vielmehr sich umsehen nach einer Bedienung bei der Stadt, welche denn einen Kricgsmann wohl brauchen könne. Dessen war der alt Mann zwar nicht recht zufrieden, denn ihn dauerte das schöne Geschäft, daß das einstens in fremde.Hände kommen sollte, sagte aber nichts, sondern gedachte alles Weitere der Zeit zu überlassen, welche wohl Rats findet für allerlei noch schwierigere Dinge. Also gingen sie zu Bette. Und der Jüngling schloß seine geliebte Magd von Tag zu Tag immer mehr in sein Herz, Zwar hatte er kein sonderliches Glück, wie er um eine Bedienung bet der Stadt nachsuckste, denn die Bürger wollten einen Mann haben, der mit Büchsen umzugehen wisse; und er verdiente sich nur ab und zu einen Groschen, indem er einen reichen Kaufherren begleitete, um ihn zu beschützen, wenn ihn welche anfallen sollten. Tas machte ihn gar traurig. Wer seine vielgeliebte Ursula wirtschaftete mit freudigem Gesicht im Haus und schloß große Schränke aus und zu, wo viel Linnenzeug ausgehoben lag, Bereitete auch das Essen, welches schmackhaft war, und die Gesellen lobten es mit Bescheidenheit. So strich sie ihm oft Wer die Stirn, wenn er unthätig da saß, küßte ihn und tröstete ihn, und hatte immer heitere Worte, denn sie wußte wohl, er schämte sich, weil er nichts Rechtes in den Haushalt zu bringen wußte. Sie hatte aber ein festes Vertrauen zu Gott, der bis dahin alles so wohl gesühret hatte, daß er auch weiterhin alles zum Besten leiten werde. Nun war der Junker freundlich und höflich gegen jedermann, und auch die Gesellen hatten ihn gern, und freuten sich auch, daß dem Altgesellen seine Freierei schief gegangen war, und weil er besonders stark von Leibeskräften war, so baten sie ihn manchmal mit anzufassen, wenn etwas Schweres gehoben oder getragen werden sollte. Auch zeigte ihm der Meister die vielen schönen Farben, über welche er sich sehr ergötzte, und es machte ihm immer mehr Spaß; also daß er oftmals ganze Tage in der Werkstätte mitschafste, wie er denn anstellig und geschickt war zu allerlei Hantierung; und an solchen Tagen war er fröhlich und guter Laune, umfaßte dann auch wohl seine vielgeliebte Ursula, wenn sie mit Schürze und Löffel dastand, und etwa einen Erbsenbrei rührte, und Hub sie in die Höhe, indem er sie herzlich küßte. So kam denn die Zeit herbei, daß die fromme und fröhliche Ursula eines Knäbleins genas, welches sie Heinz nannten und stund der Bürgermeister mit Gevatter, aus besonderer Freundschaft zu dem jungen Pärlein, und hatte der alte Meister ihm vorher einen Auftrag gegeben, lote zum Scherz, daß er solle ein groß Kübel mit Krappfarbe bereiten und einen Ballen Wollenstoff färben, welches als das Schwierigste in der Kunst gilt, denn eine große Fertigkeit erfordert wird, damit nicht Streifen oder Flecken auf dem Zeug entstehen. Tiefes hatte er zu größter Zufriedenheit ausgerichtet, und der alte Meister war mit dem Ballen zu der Zunft gegangen, hatte ihnen seine Geschichte vorgestellt, welche sie wohl wußten, und sie gebeten, weil er so viele Jahre lang für das gemeine Wohl gearbeitet habe ohne einen Groschen Gewinn, und nun ein alt Mann fei, sie sollten aus besonderer Liebe zu ihm seinen Eidam in die Zunft aufnehmen, dieweil er ja sein Meisterstück, welches eben dieser Ballen war, sonder Fehl geliefert habe. Und die Meister bedachten sich, und wiewohl es gegen die Satzungen war, beschlossen sie" doch, aus besonderer Gunst diesem Ansinnen zu willfahren. Luden ihn demnach an dem Tage vor sich, wo die Taufe sein sollte, und nachdem alle Fragen und Antworten geschehen waren und sonst alles, was Sitte und Gebrauch ist, gaben sie ihm einen schönen Meisterbrief, auf Pergament geschrieben mit allerhand bunten Tinten und mit einem großen Siegel daran, worüber er recht erstaunt und noch mehr erfreut war; ging dann mit dem Kindlein und der Mutter und den Pathen in die Kirche, als ein Meister gekleidet, welches der Schwieger gleichfalls vorgesehen hatte, und lobte Gott. Hierauf zeigte er einen großen Eifer in seiner Hantierung und freute sich der alte Vater sehr, als er sah, wie gut er einschlug, vermeinte fast, es sei sein Werk gewesen, daß dieser Jüngling von dem schimpflichen Tod errettet sei. Er hatte aber ein stilles und fröhliches Wesen, machte wenig Worte und war sehr liebreich gegen seine gute Ursula und den kleinen Heinz. Ging auch nicht in die Gasthäuser, sondern blieb fleißig daheim imb las nützliche und fromme Bücher. So war denn mehr denn ein Jahr verflossen und es zog bereits der Frühling wieder ins Land. Hinter dep Werkstätte aber grünte ein Gärtlein, groß als eine Stube, wo ein alter Apfelbaum stand, der in jedem Herbst reichliche Früchte trug, einen ganzen Scheffel oder mehr. Dieser war mit Blüten voll besät, weißen und rosenfarbenen, daß es eine Lust war, ihn anzusehen; und ein Vöglein mit einem roten Brüstchen setzte sich auf die. oberste Spitze und fang ein Frühlingslied, also daß man so recht sah, wie es fröhlich war über den Sonnenschein und die klare Luft. Tiefes nun sah der Meister Heinz und zog eine große Trauer in sein Herz, denn er gedachte des Waldes, wie da die Rehlein sprangen und ein würziger Duft war, welcher die Brust stärket. Seine Frau aber merkte wohl, was ihm war, denn wo Liebe ist, da sind nicht Worte nötig, und wißen die Menschen alles von einander. Verfiel nun in große Angst, daß ihr geliebter Mann möchte von ihr gehen und betete zu Gott, daß er ihr Beistände. . Ta mag ihr wohl der böse Feind eine Lrst emgeblasen — 846 — Zentimeter der Spitze, T L B I A E M B A N A P R I L 8 A A L I R E I 8 E n. Ä. V.. R. Dlttmann. Rotationsdruck und Verlag der Briibl'schen Universttäts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch Erden) in Gießen. I SÖ!Ä‘,J I Lolche sich ferne Frauenhaarzweige zogen. Ein andere« Tv/we bestand atls russischen und Parmaveilchen, während I nIs Laubwerk zterlrcher, lichtgrüner Zwergfarn gewählt war. s^i„fblegeutltch einer kürzlich stattgehabten Festlichkeit er- I !$ten. em/ der geladenen Damen mit einem aus zwei uberernander gelegten Kränzen bestehende Togne. Der wtCres ■ CaJ1^ . ^uthielt nur La France-Rosen, der obere! mÄ"? ^us einer Reche hübscher, schwarzer Federköpfchen, ftS «L verschleierten, ohne sie zu verstecken. .• llu der linken Seite war der Rosenkranz leicht durch emen schonen, schwarzen Tüllknoten gehoben; auch ,^us schwarzem Tüll drapiert. Dieser Hui vervollständigte m harmonischer Weise eine Toilette von distinguierter Eleganz. größte Neuheit sind gegenwärtig die Guipurehüte "^Ochwarz und ttt Werst zir bezeichnen. Die Spitze wird über sehr feine Drahtformen gespannt, welche man 1 ^ridenniusselin unterlegt. Um Fältchen zir vermeiden, muß die Spitze genam nach der Form geschnitten werden. Den äußersten Rand dieser Hüte faßt man, da es schwer halt, einen ganz gleichmäßigen Spitzenrand herzustellen, rnrt einem nach der Form geschnittenen Sammetstreifen! een, der nach oben wie nach unten etwa 2 Zentimeter breit über den Rand greift und das Ende der Spitze, sowie die Drahtfassung verdeckt. Much eine doppelte Rüsch« aus Seidenmusselin erfüllt diesen Zweck sehr gut und ist recht kleidsam. 1 Während der ersten Frühlingswochen wird man in Paris vielfach mit gelben Jonguilles garnierte Hüte sehen, ebenso tote solche mit Kastanienblättern und rosa und weißen Kastanienblüten in zierlichen Trauben. Ein ae- schmackvoller, goldkaferfarbiger Strohhut eines hervor- ragenden Ateliers (Form Louis XVI.) zeigte einen schmalen, ockerfarbigen Strohrand. Der Hutkopf war von einer Guir- lande aus Kastanienblättern und Kastanien umgeben und die Krempe ringsum mit einer braunen Tülldraperie unter- legt welche links über dem Haar eine hübsche, volle Rosette bildete. haben, welchen es ja immer bost, wenn Menschen einträchtig- «ch bei einander leben. Fiel ihr also ein daß ihr Mann sUC Hvlzschlappen trug wegen der Feuchtig- bem Bvden, und im Hause zog er dünne Schlaf- lie ihm gestickt hatte, mit schönen Meuten (~jr s-n ^/umen darauf, sodaß er mit diesen nicht auf |C ober vus oer Stadt gehen konnte. Stieg nun in verstÄte seme Schuhe und Stiefel standen und Serie? bJrf?e\nth^' vermeinend in ihrem einfältigen ' tt)U sv zu.Hause halten wolle. Kam nun ©tfuiM 1eMt?HtttVU-Atc ^.berkammer und fand, daß seine auf h iS Darüber gingen ihm traurige Gedanken und hnn-hp t 01 eo ?er etn Gefangener gehalten werde, “’-b 'vuvde seine Lust nach dem Wald nur noch größer. Ging «lsv zu seinem Weib und machte böse Augen, tote sie nocki fXu Cf se” f)ntte u”b ^agte nach seinem Schuhzeug. Da ? «niien grau die Thränen aus den Augen und ? u Schürzenzipfel; aber indem bedachte sie b"^, fr/. Unrecht gethan habe und daß er ihr Herr sei und nach feinem Belieben handeln könne; holte ihm also demütig sein Schuhzeug; und er sprach kein Wort zoa es an, rmhiu seine Armbrust und feinen Hut und stchg toem f ^vß nun die Frau weinend zu Hause und ihr I 'hrach zu ihr viele Worte, die ihr fast einfältig vor- ^men aber er meinte es gut mit ihr. Der Meister Heinz «ber schritt in den Wald und das Herz that sich ihm auf wie das Laub, das vom vorigen Jahre her noch lag, unter seinen pusten rauschte: und als er auf einen Hügel kam sah er über den wetten braunen Wald hin und zur Rechten lab er die Stadt mit ihren Türmen und zu! LinLi aan? weit auf einem Hügel das Haus seines Raters Ffi'i..9,...» I A"l^"EEnöpfchen. Nahm dann ein Stück Brot aus der I ZK' lagerte sich und aß. So trieb er sich den Tag im Wall umher, fchost auf Eichkater und anderes Unaentefer I MtV*96“ dachte, tote er wegging; denn sie hatte dock I f^eft gemeint, er komme nicyt wieder und doch hatte sie ibn I Mfru ^,eiter UhE/", nachdem ihr kindischer Plan also der- I ettelt toar. Darüber hatte er solches Erbarmen da» ifim I ettte Thräne in das Ange kam, und so machL ! gÄ Infn? s Thränen verwischte, damit er nichts merjken I Mfte, und fiel ihm uni den Hals und sagte mit fröhlicher I f"n Walde gefallen, lieber Heinz? Das I Dn b?^ Du Dir solches Vergnügen gemacht hast, I n.. h&eft mtr ganz ttt der Stadt, solche Freude mußt Du I Dar mehr machen." lieber welche Liebe er so gerührt ward ihren A?und"^^ ^a0en konnte, sondern küßte sie nur auf I Pariser Frühjahrshüte. . „ Blum.« J„ alten erdEchm ÄÄ!, berr,Statur getreu nachgebildete und aus freier Phantasie I Ä Btnmen ^.lden die taPPliftg und Sommerhute. Das ganz aus Blumen I bildete Toque dürfte die Pariserin nu? dann träaen diesen ?otIette erscheint; und auch nur^für I und mittelaroüe Rlnn »ns wirklich angemessen. Kleine I Rosen ive?den ?!? ' »nt oder ohne Laub, namentlich I in einer Carito ««6e{tet, die man sowohl | Nuancen siebt ttt harmonisch abgestimmten 'ieT- Ehrysanthemen tn verschiedenen Tönen I KU animenaest l/'D?s M entzückenden Tognes ftetä fein S Laubwerk dieser Blumenhüte ist | *tet3 fein und leicht, und gewöhnlich von Hellem Grün in > , o Originell und neu ist die ganz flache, ovale Form dos „Plateau , welche vorzugsweise mit Blumen, namentlich Rosenguirlanden, und schwarzen Sammetschleifen mit langen Enden garniert wird. Ml- Gsmeknnütziges. Fingerzeige für Spargelbau auf Sand- b o d e n. Der Spargel gedeiht bekanntlich auf Sandboden vorzüglich. Es kommt aber vor, daß man auf Sandboden mit kiesigem Untergründe Spargel erntet, dessen Pfeifen rostig sind. — Da dort, wo solcher Spargel sehr reichlich! mtt Kainit gedüngt wird, die Pfeifen weniger rostig werdens os liegt die Vermutung nahe, dast der Kainit hier außer seiner düngeudeil Wirkung noch andere günstige Einflüsse; ausübt. Alle Spargelzüchter und alle Spargel ziehenden Gartenfreunde werden sich für dieses Thema interessieren und empfehlen wir Ihnen deshalb Nr. 52 des „Erfurter Führers int Gartenbau" von Erfurt kommen zu lassen, in dieser Nummer ist es ausführlich behandelt. Unseren Abonnenten wird die Nummer kostenfrei geschickt. Charade. (Nachdruck verboten.) Aus den beiden Ersten wird Labung gern genossen; Von den beiden letzten wird Mancherlei gegossen. Hinter seinen ersten Zwei Thront das Ganze wichtig; Spricht von Staat und Polizei Gar gesinnungstüchtig. (Auflösung in nächster Nummer.) Auflösung des Füllrätsels in vor. Nr.t