iSSW wt (Nachdruck verboten.) Die Viper. Nach dem Französischen bearbeitet von H. Revel- (Fortsetzung.) 10. Kapitel. Anstatt Sempach sein ehrliches Geständnis zum Guten anzurechnen, fuhr der Untersuchungsrichter weiter fort: „Sollte es wohl Wahrheitsliebe sein, die Sie zu diesem Geständnis veranlaßt? Haben Sie nicht vielleicht inzwischen überlegt und eingesehen, daß es mich nur eine kleine Anfrage dort kostete, um Ihnen zu beweisen, daß Sie seit 14 Tagen keinen Schritt mehr in Ihren Klub ge- Uracht haben?" „Glauben Sie, was Sie glauben müssen, Herr Untersuchungsrichter. Ich kann nichts dagegen thun", erwiderte Sempach in beinahe hochfahrendem Tone. Der Richter hielt es für angemessen, diesen Ton zu überhören, und fuhr fort: „Also zugegeben, Sie waren nicht im Klub. Wo also waren Sie sonst? Wie haben Sie den gestrigen Abend verbracht?" Sempach blieb die Antwort schuldig und verharrte in Schweigen. „Sie haben wohl meine Frage überhärt?" begann der Richter aufs neue. „Nein, mein Herr." „Nun, also?" „Ich habe außer dem Hause gespeist, bei Drossel, Unter den Linden", sagte der Beschuldigte, dessen Stimme an Sicherheit verlor. „Sie befanden sich allein?" „Ja, ganz allein, im Saal zu ebener Erde." „Wäre das eventuell nachzuweisen?" „Leicht, man kennt mich im ganzen Hause." „Und dann? Was haben Sie dann unternommen?" „Ich schlenderte längere Zeit Unter den Linden und in der Friedrichstraße auf und ab." „Ms zu welcher Stunde?" „Bis Mitternacht." „Was? Während drei Stunden sind Sie bei diesem schlechten Wetter zu Fuß umhergeschlendert? — Hören Sie einmal — —" „Ich verbrachte circa anderthalb Stunden im Theater." „In welchem Theater?" „Im Wintergarten." „Also man hat Sie dort gesehen?" „Möglich, aber weshalb sollte man gerade mich dort gesehen haben?" „Weil Sie in der Welt, — besonders in der Welt, in der man sich unterhält, sehr bekannt sind, — in jener Welt, die von den Lebemännern ,Tout Berlin' genannt wird, und die sich gerade gestern abend vermutlich im Wintergarten beftrnden hat; denn es wurde ein neueA Programm gegeben. — Daran hatten Sie sich vermutlich nicht gleich erinnert."- Er unterbrach sich einen Augenblick, um sich an dem von ihm erzielten Eindruck zu weiden, und fuhr dann fortt „Nun denn, mein Herr, suchen ©te das Gericht nicht länger aus eine falsche Fährte zu bringen: Sie waren tut Wintergarten ebenso wenig als in Ihrem Klub. Wir werden Ihnen das beweisen." Franz von Sempach sprang mit einem Male nervös! empor und sagte, seine Arme verschränkend, mit erhobenem Haupte: „Nein denn, ich war weder im Wintergarten noch im Klub, noch war ich Unter den Linden und in der Friedrichstraße spazieren. Irgend etwas mußte ich Ihnen wohl antworten, und so antwortete ich, was mir gerade einfiel.. Ich werde keine solche Ausflüchte mehr gebrauchen. Ein Unschuldiger sagt die Wahrheit oder er schweigt, wenn er nicht imstande ist, eine Aufklärung zu geben." „Ah so, Sie können mir also eine solche nicht geben?" „Nein!" „Weshalb?" „Weil — — weil — — weil ich einfach nicht will/? „Gut, Sie wollen nicht. Haben Sie aber auch bedacht, daß das Verbrechen gerade zu der Zeit zwischen 10 Uhr und Mitternacht begangen worden ist? Alle Beweise sprechen hierfür?" „Das mag wohl sein. Mer nichts beweist, daß ich hierher, in diese Wohnung, in der wir uns befinden, gekommen bin, um das Verbrechen zu begehen. — Ich kann nicht beweisen, daß ich wo anders gewesen war, — weil ich nicht will — ich werde aber beweisen, daß ich nicht hier gewesen bin." - „Wie das?" „Hätte man mich nicht sehen müssen? Jeder Mensch kennt mich hier in diesem Hause, in dem ich mehrere Jahre hindurch Tag für Tag verkehrt habe, — die Kammerjungfer Minna hätte mir auch, öffnen und mich hineinführen müssen." „Sie tvar um 10 Uhr aus ihr Zimmer gegangen, und Sie sind erst nach 10 Uhr gekommen." „Ich?" „Ein Mieter dieses Hauses behauptet es. Sehen Sie her; da sind die Aufzeichnungen des Kommissars, die er mir soeben eingehündigt hat: Herr Keßler, den ich für gut hielt, persönlich zu verhören und zu befragen, ob er mich kurz vorhin mit .Herrn von Sempach habe eintreten sehen, giebt mir zur Antwort: „Ja, ich glaube, in ihm jene Person wieder zu erkennen, mit der ich mich unter der Hausthür gekreuzt habe. Die Gestalt ist dieselbe, und auch der Anzug ist ihm ähnlich. Es war genau solch' ein Ueber- zieher, nur war gestern der Kragen hochgeklappt." Erinnern Sie sich", fügte der Richter bei, die Aufzeichnung beiseite legend, „daß der Kragen Ihres Ueberziehers sogar noch 558 heute morgen hoch gestülpt war, und daß ihn Ihr Diener in Gegenwart des Kommissars umgelegt hat? Tas alles ist überführend." Sempach antwortete nichts, er war sichtlich verwirrt. „Ich will noch hinzufügen, daß auch der Portier sich zu erinnern glaubt, Ihnen gegen 11 Uhr, als Sie Frau von Sanden verließen, das Hausthor geöffnet zu haben." „Großer Gott, das ist ein Irrtum, ein furchtbarer Irrtum! Seit drei Tagen war ich mit keinem Schritt mehr in diesem Hause!" „Ja, das behaupten Sie; aber alles bisher scheint das Gegenteil zu beweisen." Einen Punkt, vielleicht den wichtigsten, hatte der Untersuchungsrichter bisher noch nicht berührt, nicht weil er ihn vergessen hätte, sondern weil er gegen seinen Gegner einen neuen, unerwarteten Schlag führen wollte, der ihn nach dem Bisherigen vollends überführen sollte „Wollen Sie mir Ihre linke Hand zeigen?" verlangte er plötzlich. Sempach streckte maschinenmäßig die Hand hin, ohne zu begreifen, was der Richter damit beabsichtigte. „Sie haben sich am Daumen dieser Hand verletzt, wie ich sehe?" sagte der Richter. „Ich habe mich nur gekratzt." „Wann haben Sie sich diese Verletzung oder Rißwunde zugezogen „Gestern abend." „Womit?" „Ich könnte Ihnen zur Antwort geben: mit meiner Kravattennadel, '— aber ich habe mir gelobt, zu schweigen oder die Wahrheit zu sagen." „So sagen Sie die Wahrheit!" „Nein, ich schweige." Der Untersuchungsrichter wollte noch einen letzten Versuch machen: „Sie sind zu vernünftig, mein Herr, um nicht Ihre höchst gefahrvolle Situation selbst zu erkennen. Nicht wahr? Gewichtige Aussagen, verschiedene Umstände, um nicht zu sagen: Beweise — sind bereits gegen Sie erhoben worden, und anstatt zu trachten, dieselben zu widerlegen, und sich zu verteidigen, verzichten Sie, meine Fragen zu beantworten, und verharren in obstinatem Schweigen, das Ihnen vor mir großen Schaden thut, — ich kann es nicht verhehlen, — und das Ihnen für die Zukunft bei weitem mehr schaden wird." /,Jch fühle es selbst und sehe es ein, mein Herr; doch ich bleibe dabei und werde unentwegt bei meinem Entschlüsse verharren." „Ist das Ihr letztes Wort?" „Ja, mein Herr." „Demnach wird es Sie nicht in Erstaunen setzen, wenn ich Sie verhaften lasse." „Nein, mein Herr, ich war darauf gefaßt." An demselben Nachmittage, an dem seine Wohnung in seiner Gegenwart sorgfältig durchsucht worden war, wurde Franz von Sempach nach Moabit als Untersuchungs- gefangener abgeführt. 11. Kapitel. Als die Abendblätter die Nachricht von dem Tode der Frau von Sanden und gleichzeitig von der Verhaftung des Barons von Sempach brachten, bemächtigte sich aller Lebe- und Künstlerkreise eine große Aufregung. Ein jeder jeder kannte vom Sehen oder nur dem Namen nach diesen stattlichen, schönen, jungen Mann von bester Geburt, vornehmem Aussehen, großem Vermögen, der mit Passion jedes Rennen mitmachte und im Klub bei jeder Gelegenheit offene Banken hielt. Bei den Damen der feinen Welt stand er im Rufe eines entzückenden Gesellschafters, eines vollendeten Gentleman; seine Kameraden aus dem Klub nannten ihn einen lieben, gefälligen, freigebigen Genossen: kurz, es war nur eine Stimme, die ihn für den vollendetsten Kavalier erklärte. Was Frau von Sanden betraf, so erinnerte man sich noch ihrer ausgezeichneten Debüts vor ungefähr drei Jahren im Residenz-Theater. Alles prophezeite ihr damals eine glänzende Lausbabn; doch mit einem Male verschwand sie von der Bühn- am nicht wieder zum Vorschein. Einige bei,.. ren, die Ursache ihres Verschwindens Al kennen. Sie hatten in Erfahrung gebracht, daß sich die dem Residenz-Theater Entflohene plötzlich in Franz von Sempach verliebt habe und wahrscheinlich ihm zu Gefallen der Bühne entsagt habe. Ihre Liebe und Opferwilligkeit ging sogar soweit, daß sie alle Verbindungen von früher mit einem Male löste und sich entschloß, vollkommen zurückgezogen und geheimnisvoll zu leben. Sie wäre sicher längst in Vergessenheit geraten, wenn nicht die Zeitungen ab und zu an ihre glänzenden Debüts von einst erinnert hätten und sie nicht öfters im Schatten einer Loge mit ihrem Bräutigam gesehen worden wäre. Sobald das Gerücht von dem stattgehabten Drama gegen 6 Uhr auch bis in den Künstler-Klub gedrungen war, bildeten sich sofort mehrere Gruppen von zehn Personen im Konver- sationszimmer. „Wissen Sie schon? — Haben Sie gelesen? — Sempach verhaftet und des Mordes angeklagt! — Das ist ja kaum zu glauben! — Und diese arme Sanden! — Können Sie sich noch an sie erinnern? — Ich war damals int Residenztheater, als sie zum ersten Male als Nora auftrat! — Wir waren ja fast alle dort! — Welcher Erfolg! — Warum sollte sie denn der Sempach getötet haben? — Das ist ja unmöglich! — Da muß ein Irrtum vorliegen! — Ich wenigstens werde es nie glauben, daß unser alter Franz ein Mörder ist!" — — „Ein Mörder? Nein, meine Herren", begann ein früheres Herrenhausmitglied, „aber vielleicht ein Totschläger; das ist ein gewaltiger Unterschied. Das Töten, hervorgerufen durch den Zorn, die Folge eines unüberlegten Zornaktes, das ist Totschlag. Es ioird aber zum Mord, wenn eine Absicht vorlag oder wenn es aus einem Hinterhalt geschah — § 296 des Strafgesetzbuches." „Bloßes Wortspiel!" „Nein, auch eine Frage der Bestrafung: Hinrichtung, Zuchthaus oder Gefängnis." „Sie nehmen also an, daß Sempach imstande war, einen Totschlag zu begehen?" „Ich nehme an, daß schwere Verdachtsgründe gegen ihn vorliegen müssen, da man sofort zu seiner Verhaftung ßc](f)rittcn „Ach, wo denken Sie hin! Weshalb sollte er die Sandett umgebracht haben! Wenn er ihrer überdrüssig geworden war und sie ihm lästig wurde, da brauchte er sie ja einfach zu verlassen." „So leicht — gar so leicht entledigt man sich keiner Klette", mischte sich ein Maler mit wehmütiger, aber überzeugter Miene ins Gespräch. „Als sich mein Kollege Ram- bach vor einigen Monaten von seiner Freundin trennen wollte, — na, da kam er schön an: zwei Kugeln in den Rücken, — weiter nichts. Sentpach, um vielleicht demselben Schicksal zu entgehen, wird wohl seine Vorsorge getroffen haben." „Ach, Sie scherzen bloß, mein Lieber! Wenn man Angst verspürt, dann flieht man, aber man tötet nicht, um zu vermeiden, selber getötet zu werden." „Also Sie glauben, daß Sempach aus Angst vor einem Hinterhalt--" „Gott, ich glaube gar nichts. — Man erfährt einfach, daß Sempach seine Braut getötet hat, aber nicht das Warum. — Ich suche eben nach passenden Gründen und zähle solche auf." „Und auf die Eifersucht verfällt denn niemand?" bemerkte jemand. „Ach, was denken Sie! Eifersucht! Sempach bis zu dem Grade eifersüchtig, sie zu töten! — Da kennen Sie ihn nicht! Haben Sie ihn jemals beim Teilen einer Bank betrachtet? Kalt, regungslos, sowohl im Verlust als im Gewinn." „Ja, und wer sagt denn, daß er wirklich schuldig ift?"' fragte ein Baron. „Gesteht er denn vor allem andern?" „Nein, meine Herren, er gesteht nicht", rief ein großer, bleicher, junger Mann von kastanienbraunem Haar, _ der im Klub sehr beliebt war, zugleich Journalist, dramatischer Autor und schwungvoller Dichter, der eben eintrat. „Woher wissen Sie's?" umringte man ihn von allen Seiten. „Ich komme oben aus der Redaktion, wo es uns einer unserer bestunterrichteten Reporter verraten hat." „Los! Lassen Sie hören!" „Sempach behauptet, seit drei Tagen mit keinem Fuß bei der Sanden gewesen zu sein; — und unglücklicherweise wird behauptet, daß man ihn in dieser Nacht in dem Hause gesehen habe." „Gott, man kann sich doch täuschen!" 559 uns "ordentlich"^ WM Gesicht zu haben; er beschämt Etatat LAS--,« ich-- f„ SÄ; Wilhelm Raabe, Sic Leute «ms dem Walde, ihre Sterne, Wege und Schicksale. 4. Auflage, Preis geh. Mk. 4,—, geb. JJci. 5, . Verlag von Otto Janke, Berlin. 1902. Des Autors 71. Geburtstag hat die erfreuliche Erschei- nung im Gefolge gehabt, daß das deutsche Volk die Raabe sche Muse wenigstens annähernd nach Gebühr zu schätzen gelernt hat, das beweisen die in ununterbrochener Folge erscheinenden Neuauflagen seiner Schriften. Alle Nicht zu groß, von kräftiger Gestalt, elegant gewachsen I AÄ-Werten, schon fallenden Schultern, die einen schlanken I Jret Netzen, der auf einem mächtigen, stolzen Nacken * etnen stolzen Kopf mit hoher Stirn, dessen gescheitelte Haare von tiefem Schwarz glatt anlagen- seine I äeIaöe Nase verriet Stolz und Energie, und ein seidenweicher Schnurrbart, so schwarz wie sein Haar, ließ einen schön geschwungenen Mund mit roten Lippen und blendenden I zahnen erkennen. Was aber diesem Gesicht eine eigene 9^rnalität unb ganz besonderen Reiz verlieh, waren ftiüe I langgeschlitzten, m langen Wimpern halbverlorenen Augen I von graublauer Farbe, deren Sanftheit mit der ausqe- !?vochenen Farbe seines Haares, des Schnurrbarts und I der Augenbrauen, mit der Männlichkeit seiner Lüge und i kräftigen Körperbau in eigentümlichem Kontrast | stand. Der Fuß war klein und geschweift, seine Hand lana schmal, sem Anzug einfach, von dunkler Farbe" weder I _ jt. c... verzichtend, das alles flchÄS-A " ®“t9 8Me",uä’ ""b lÄÄ’if'Ä »’Sä’Sä Jur das Schone hatten, — nicht seine Erfolge, man wußte von keanem einzigen, vielleicht wußte er selbst von keinem bei den Frauen; denn Wnstlerische Er- I Efc mJFÄ ihm Mcht mb W b°. ..ÄÄÄU' Ä ntitnen! JJon Geburt ein Deutsch-Amerikaner, schon mit 'v\a)rcn .Wasie, kam er auf den Rat eines Marine- i zeitweilig auch Maler war und des jungen ' ä ^ste Zeichnungen und mit Chic entworfene Studien I Zusehen hatte, von Newyork nach Berlin, um hier sein Saer, um auf das Glück und die erhofften Gelder warten zu können, mußte er leben, — mußte [ ™ bme Schwester von zwölf Jahren, die ihm seine sterbende erzielten laßGn"'^9^ ®r6teiI hinterlassen, ernähren und Sange, lange währte der Kampf ums Dasein Den ganzen Tag arbeitete er rastlos im Atelier des Malers Prost ferner, ber den talentvollen jungen Künstler ausgenommen Des abends ließ er die große Kunst beiseite und betrieb sie als Handwerk, indem er das am Tage Erlernte zu vergessen suchte und malte, bloß um seine persönlichen Auslagen und, die ferner Schwester zu decken, kleine Bicher von absolut keiner lünstlerischen Bedeutung, ohne sich darauf "s^s^nem Namen,zu unterzeichnen, die er dann, ob gut, ob schlecht, an die Trödler des Viertels und kleinen Laden- *” b,e 3 um einer 9rrrwU<1Cl-SßerIaF von drei Jahren hatte ihn diese doppelte ?.te ^vvße und die kleine, die bei Tag und die Bei Nacht, die geliebte Kunst und das auferlegte Handwerk, dieser fortwährende Kampf um das materielle Leben, die Entmutigung, all die Zweifel, die ihn manchmal über- tamen, vollständig Niedergeschlagen nnd aufgerieben. Seine Kameraden jedoch und feine Meister prophezeiten ihm eine schone große Zukunft, wenn er eine Studien noch ein ge ^st e.r unschuldig. Ein Mensch, der im Glücke schwebt, der mordet nicht." ue < "Sie wollen immer alle, daß er gemordet hat", rief der Graf von 1. ganz erregt aus- „Ich setze das aber gar Nicht voraus — Für ihn würde es nichts Leichteres geben als zu beweisen, daß er gestern nicht bei Frau von Sanden gewesen, da er sich eben bei einer anderen befand. Nun verweigert er, es zu beweisen." < "3n■ j>em Falle, meine Herren, wo ist aber der Mörder, der Totschläger, — wenn Sie lieber wollen--? Dann uiuß es doch ein anderer sein!" „Die Gerichte werden ihn wohl finden!" ... ."Da^ ist nicht immer gesagt, besonders wenn die Be- horden von Anfang an auf falscher Fährte sind und sich einbckden, den Mörder bereits gefunden zu haben", schloß der Mann des Rechts, der sich darin auskannte. ptmS" sieben Uhr geschlagen. Der Klubdirektor Ä «fö' “”b Iief - dm Saal- „Mei,,- Das Gespräch war unterbrochen. 12. Kapitel. h w "Pas finde ich gar nicht", unterbrach sie der Graf VE ^' omes der einflußreichsten Mitglieder des Klubs^ viu sogar für mem Teil versucht, an die aeheimuis- vocko Dame zu glauben, mit der Sempach etwa zarte B-e- i ziehungen unterhielt. Er war seit einiger Zeit nicht mehr I t derselbe Mensch. Ich war ihm unlängst begegnet; ein Ausweichen seinerseits war nicht möglich; aber kaum, daß er auf meine Fragen antwortete. Er schien nicht mehr auf ÄSÄÄ - '“-b“" '««mL Ä ho„r«stritt eilig nach den Linden zu, ganz in Gedanken versunken, ohne umzublicken. Eben, als er über den Operu- ei\an ^em Wagen einer der bekanntesten . ^ sh^s^chneil - der Stadt, die damals gerade in Mode ^'vorüber. Sie konnte sich nicht enthalten, sich aus dem Fenster herauszubeugen, um ihn besser zu sehen und zu ihrer sie begleitenden Freundin zu bemerken: „Gott s der klinge hübsch! Es sollte wirklich einem Manne ver- „Ganz gewiß täuscht man sich auch!" »Dann soll er doch einfach ein Alibi nachweisen", fuhr Baron x. fort, „er soll einfach sagen, wo er war und was er zu der Zeit, als der Mord begangen wurde, gethan hat. ~~ Wenn mich einer beschuldigen würde, ich hätte jemand zwischen 10 und 12 Uhr nachts umgebracht, da würde ich einfach beweisen, daß es-unmöglich war; denn ich brachte ..... "Bei ihr zu; ja, wir wissen schon. Fortsetzung über- flussig. Aber wenn Du z. B. mit einer Frau aus der großen Welt zusammen gewesen wärst, mit einer verheirateten Frau, die durch Deine Geständnisse verraten und geopfert, für immer kompromittiert würde, — möchtest Du sie etwa nennen?" ^eber Freund, wenn mir kein anderes Mittel bliebe, dem Zuchthaus zu entrinnen--denk Dir nur- arbeiten zu müssen tote ein Schuster ober Handwerker ii^5?v^^drot zu essen, nichts als Kommißbrot zu essen! — Unb bann keine Weiber, gar keine- Weiber! — Gräßlich'" e..."™- trotz alledem, trotz biefer Aussicht, ich für mein ?icht neunen. Ich würbe warten, bis sie von selbst spricht, — bis sie selbst eine Erklärung ab gießt, die meine Unschuld erweist." ' "Wenn sie aber nicht spricht unb sich nicht rührt?" „Dann wäre sie ein ganz elenbes Weib." . . "Sandes Weib? — Gott, man weiß nicht, — — es ! gtebt Umftanbe---" 1 ' i • „-Otoine Herren, meine Herren, wir verirren uns ba Ü*. Ä - - -»,o6rliier™ ba efa“ »et Ankündigung des Diners waren einige Mitglieder tn t>en zwei peppen hoch gelegenen Speisesaal gegangen UnJr^en^efeteren befanb1 etner^haw verlassen' i öwumt, wenn er letne Studien noch ein dem Bonn» k^ren sich einer, der noch lange unter Zeit fortsetzen wollte, ©eine Studien! Dadurch daß er batL^MnerM^JeK6 s^1Satt9eI)abten Gespräches blieb. Er re ewig verlängerte, erschöpften sie ihn zu Tobe" Eine damit ^bloß^?bÄen firn™ Ü"b begnügte sich schone Zukunft! Wann? Nach seinem Tode? Jetzt versuchte er, sich alles wieder in Erinnerung L bringen und nach dem Anhören so vieler verschiedener Meinungen fern eigenes Urteil zu bilden. ^cmungen 560 haben sie kernigen Inhalt, darum gilt, was man von der einen zu sagen hat, für alle. Mit Fug und Recht ftchren „Die Leute aus dem Walde" als Motto: „Ein Messer wetzet das andere, und ein Mann den anderen" (Sprüche Salomonis, 27. Kap. 17 V.); denn Salomonische Lebensweisheit und Welterfahrung, verquickt mit echt Raabe'schem Humor, sprechen aus jedem Kapitel des Buches. Wir können das Schicksal des Haupt- Helden der Erzählung „Robert Wolf aus dem Winzel- walde" nicht besser schildern, als es sein zeitweiser Gefährte, der Hauptmann Faber gegen Ende des Buches thut, deshalb geben wir ihm das Wort: „Hören Sie, Wolf; das Schicksal hat doch eigentlich mancherlei Erziehungsexperimente mit Ihnen angestellt. Aus einer Hand sind Sie in die-andere, aus einer Schule in die andere gegangen. Als der reine Rousseausche Naturmensch kriecht Ihr anfangs, so zu sagen auf allen Vieren, um Eures Vaters Hütte im Winzelwalde herum, ein höchst gesundes, schmutziges, unschuldig Geschöpf. Selbst als das kriechende Ding sich von den Händen aufgerichtet hat und auf den Füßen nach Poppenhagen in die Studierstube des Pastors Tanne hinunterpeigt, ist für es noch wenig Aussicht vorhanden, irgendwo anders als auf dem Kirchhof zu Poppenhagen, mit der alten Grabrede: Er lebte, nahm ein Weib und starb, begraben zu werden. Aber durch das Weib ist nicht nur der Tod, sondern auch das Wissen in die Welt gekommen. Eva Dornbluth schreitet glänzend durch den Gesichtskreis des Knaben und über den Gesichtskreis desselben hinaus. Er muß ihr folgen; es versinkt der Winzelwald mit dem Dorf Poppenhagen; — die erste Schule liegt hinter dem jungen Weltbürger, er hat den Becher der Erkenntnis an die Lippen gesetzt, er hat die Rudimente des Lateins gelernt, er hat jene Leidenschaft, welche die Welt erobert, kennen gelernt. Jetzt steht er auf der Schwelle eines neuen Daseins; Abgründe drohen zu beiden Seiten, vor sich hat er ein Gewirr von Verhältnissen und Gestalten, die ihm vollständig fremd sind. Ihm schwindelt, und der Zorn — auch eine Leidenschaft, "welche den Menschen vorwärts bringt, bald zum Guten, bald zum Bösen — der Zorn, der Haß schüttelt den Machtlosen, der diese unbekannte Welt mit den Fäusten, den Zähnen zerreißen möchte, weil er sie mit Herz und Hirn nicht fassen kann. Verloren ist oer Schüler, wenn die Sterne nicht Hilfe senden; — sie senden sie im rechten Augenblick. Von seinem Dreibein im Polizeibureau steigt nüchtern, lächelnd Polizeischreiber Fiebiger herab und faßt die drohend erhobene Faust des jungen Wilden und zieht ihn in das unbekannte Gewühl hinein. Die Gespenster weichen, die drohenden Schatten verflüchtigen sich, wenn man ihnen mutig näher tritt; in geregelte Gruppen ordnet sich, was nur ein wirres Durcheinander schien. Kein besserer Führer durch die reale Welt, als der humoristische Buchhalter im Bureau Nummer dreizehn int Zentralpolizeihaus! Aber der Schüler des Lebens hat in dieser Epoche noch andere Lehrer nötig, und sie sind zur Hand. Die Sterne sorgen dafür, daß Robert Wolf inmitten der Welt des Realismus ihrer nicht vergesse. Auf dem Giebel des Nikolaiklosters sitzt Henricus Ulex aus Poppenhagen, den Lärtn der Gassen tief zu seinen Füßen. Aus seiner Höhe winkt der Mann des Ideals, und empor steigt Robert Wolf; es ist eine hohe, edle Schule, in welche er genommen wird, und nur wenigen begünstigten Staubgeborenen wird ein solches Glück vom Schicksal verliehen. Abermals tritt das Weib in den Entwickelungsgang des Schülers ein; aber diesmal itt anderer Gestalt, auf andere Weise. Nicht mehr als das glänzende, stolze, heldenhafte, nicht die Ausnahme von der Reget, erscheint es; sondern als die Regel selbst. Leisen Schrittes, still, sanft, geduldig, und doch stark, wo es stark sein darf und muß, kommt es; und wieder bringt es für den Schüler den Kampf mit sich, nach uralter Bestimmung seit der Erschaffung der Welt. Aber es ist nun nicht mehr ein Kampf mit unbekannten Gewalten; Robert Wolf kennt die dunklen Kräfte, die sich gegen ihn bewegen, sehr gut. Der Mann aus den Gassen, Friedrich Fiebiger, hat ja seine Register vor ihm aufgeschlagen und ihm den Menschen, die Gesellschaft gedeutet, wie sie find. Aber Friedrich Fiebiger weiß deshalb doch nicht, auf welche Weise die andringenden bösen Mächte zu bezwingen sind ; sein ironisches Lachen und das Polizeistrafgesetzbuch reichen dazu nicht aus. Der Idealist, der über den Gassen in der Höhe sitzt, kann aber nur den alten Wahlspruch der Stoiker wiederholen: Sustine et abstine, dulde und entsage. Trotz aller Lehrer, trotz aller Schulen steht der Mensch zuletzt doch immer allein seinem Schicksal gegenüber, und er allein hat mit seiner Persönlichkeit Antwort zu geben. Auch die härteste Schule soll dem Jungen aus dem Winzelwalde nicht erspart bleiben; das eigene Glück,- das Glück des Keinen Mädchens sieht er zerstört; aber wieder treten die Sterne zur rechten Stunde für ihn ein. Wie das Weib am besten in der Stille und Einsamkeit das Unglück, den Schmerz überwindet; so besiegt der Mann sie am leichtesten, wenn er streitgerüstet sich in allen Lärm und Aufruhr . der Welt hineinstürzt. Aber mit dem besten. Willen vermag der Mensch sehr oft das nicht; von tausend Banden wird, er auf dem Marterstuhl festgehalten; er klebt fest im Pech. Für Robert Wolf, sorgen die Sterne besser; wieder schleudern sie ihn hinaus ins Weite, in feurigen Lettern wird ihm die Lehre von. der Nichtigkeit aller irdischen Hoffnungen, aber auch, von der Nichtigkeit aller irdischen Sorgen ins Herz gebrannt. Der weite Spielraum, der den Menschen für ihre Wünsche gegeben ist, wird ihm gezeigt im Schweifen über Land und Meer; Nationen sieht er auf dem Marsche; in tausendfältigen Variationen umrauscht ihn die alte Weife, vom glückseligen Lande Utopia, welches jeder Einzelne, jedes Volk in seiner Weise sucht, und welches niemand unter den Sternen findet. Wie die Hochherzigsten im vergeblichen Streben und Ringen untergehen, lernt der Schüler an den Gräbern des Bruders und der Schwester; und wenn er dann den Kopf nicht kläglich sinken läßt, wenn er die Sterne dann nicht in ohnmächtigem Trotz anklagt; wenn er dann nicht zappelnd sich gegen das allgemeine Los wehrt; wenn er dann den Sternen auch über die Gräber hinaus glauben kann; — dann ist die Erziehung vollendet, und er mag heimgehen, sein Doktor- | examen machen, und den Leuten zeigen, daß er was gelernt hat." „Per aspera ad astra,“ das ist, obgleich es sich in dieser Form — und noch dazu ironisch gedacht — nur einmal in dem Buche findet, der rote Faden, oder besser gesagt, der brennende Punkt der ganzen Erzählung, in die zu versenken, die Leser nur dringend gebeten werden können, damit sie selbst sich überzeugen von der überwältigenden Wahrheit, die in und aus dem Buche redet und die allewege führt „Durch Nacht zum Licht!" Bdt, Schachaufgabe. Von Dr. Th. Schaad in Schaffhausen. (Nachdruck verboten.) b c d WM 8 7 6 5 4 3 2 1 d e f g h Weiß. (8 + 8) Weiß zieht an und setzt mit dem dritten Zuge mattj (Auflösung in nächster Nummer.) 8 W 7 jjj 6 W bW-? 4 W 3<_ 2 W 1 W a b Auflösung des Silbenrätsels in vor. Nr.: Georg, Oberon, Tatarei, Taunus, Hafis, Ottilie, Lavendel, Dominium, Entenei, Padua. Hagar. Die Anfangs- und Endbuchstaben ergeben im Zusammenhang gelesen: Gotthold Ephraim Lessing. Redaktion: Curt Plato. — Rotationsdruck und Verlag der Brübl'schen Universitäts-Buch« und Steindruckcrei (Pietsch Erben) in Gießen.