E PWfogr. aufg. H.Nou. ötg-SSeKT BT bTu «Jul wj M K 1902. — Nr. 128. M kixinr (Nachdruck verboten.) Miß Cookson aus New-Aork. Von Heinrich! Lee. (Fortsetzung.) Sechstes Kapitel. In den Kreisen der Berliner Gesellschaft zerbrach man sich über die merkwürdige Wendung, welche Herwarths Heirat zur Folge gehabt hatte, den Kopf. Denn natürlich konnte so etwas auf die Dauer nicht verborgen bleiben. Die junge Frau, die am Hochzeitstage noch ganz allein, nur begleitet von ihrer Gesellschafterin, nach Amerika zurückgereist war — Herwarth, der junge Ehemann, der sogleich darauf um seine Versetzung eingekommen war und jetzt, nachdem er den diplomatischen Dienst quittiert, irgendwo in Schleswig-Holstein bei einer Regierung arbeitete, denn, wie sich nun ebenfalls heraus stellte, er hatte fast sein ganzes Vermögen verloren — und schließlich! seine Cousine, die jetzt verwitwete Geheimrätin von Angern, die, statt ihre Witwenzeit still in ihrer hübschen häuslichen Villa zu verleben, irgendwo im Ausland sich aushielt und so gut wie verschollen war. Wie das alles gekommen Ivar, davon hatte man natürlich keine Ahnung — und das war der Skandal. Und dieselbe Ueberraschung gab es auch in der Gesellschaft von Newhork. Bell Cookson, die eines Tages aus Newhork plötzlich verschwunden war, die für jeden Mann und Ehekandidaten unnahbar gewesen, — hatte, wie man plötzlich erfuhr, fich in Deutschland verlobt. Mit wem? Natürlich mit einem deutschen Edelmann. Und nun war sie wieder da — aber allein, ihren Mann hatte sie in Deutsch?- land gelassen. Sie lag mit ihrem Mann in Scheidung. Damit noch nicht genug. Denn seit sie zurück war, war sie in ihrem Wesen wie verwandelt. Sie, die bisher nur in stiller Zurückgezogenheit, nur ihren wohlthätigen Werken gelebt hatte — sie machte jetzt endlich und mit einem Male von der Fülle ihrer Millionen den einzig vernünftigen Gebrauch und bewohnte eines der glänzendsten Häuser in der ganzen fünften Avenue. Aber ihre eigentliche Residenz hatte sie nicht in der fünften Avenue, nicht in der Stadt, sondern in ihrer Cottage in Newport, der Sommerfrische der Newyorker Geldsürsten, wo sich alljährlich zur Saison mehr Dollarmillionen zusammenfinden, als in Paris, London und Berlin zusammengenommen. Hier auf einem herrlichen, riesigen Rasenplatz, dicht an der steil abfallenden Felsenküste hatte sich der verstorbene Mister Cookson schon zu der Zeit, als der Ort noch zumeist nur aus bescheidenen hellen Holzhäuschen bestand, einen Palast von weißem Marmor gebaut nach dem Vorbilde des Schlosses von Trianon. Um die schimmernden Säulenhallen wand sich japanischer Wein, auf den dichten, hellgrünen, gleichmäßig geschorenen Grasflächen standen zwischen blauen Hortensich- gruppen unter Bäumen schlanke Bröncekraniche und was die Kunst Europas an innerem Hausschmuck nur hervori gebracht hat, die teuersten Tapisserien, Täfeleien, Gemälde und sonstigen Kostbarkeiten, das mußte dazu dienen, botti Mister Cookson aufgekauft und in dieses Haus geschafft zu werden. Er selbst hatte zwar nie einen Genuß davon gehabt, denn sein ganzes Leben hatte fäst ausschließlich der! Arbeit gehört. Wie war er überhaupt zu seinem Reichtum! gekommen? Ms einfacher Werkführer in einer Maschinenfabrik hatte er angefqngen. Die Firma schickte ihn nach Peru, damit er die Ausstellung von dorthin gelieferten! Maschinen überwachen sollte. Was in diesem Lande seiM Aufmerksamkeit erregte, war der Wassermangel. In de« Provinz, in der er lebte, regnete es nie, und das vorhandene Wasser war salzig und für häusliche und gewerbliche Zweche unbrauchbar. Er erlangte von der Regierung die Konzession,- für die ganze Provinz trinkbares Wasser zu liefern. Damit verdiente er das erste Kapital. Inzwischen brach der Krieg zwischen Peru und Chile aus, die von der Regierung zum Zwecke der baldigen Geldbeschaffung ausgegebenen Bonds auf Ländereien sanken auf einen Spottpreis, von früheren Reisen her kannte der unternehmende Mann darunter eilte, Anzahl Terrains, die sehr bedeutende Salpeterlager ent-, hielten, diese kaufte er zu den billigsten Preisen auf. Chile siegte und da die von der Regierung eingegangenen Verpflichtungen von denr Sieger genehmigt und bestätigt wurden, so stieg der Wert der Grundstücke auf das fast Hundertfache. Der Salpeter wurde das internationale Regenerativ- mittel der Landwirtschaft, und Mister Cookson, der ehemalige Werkführer, ein moderner Krösus. Das war die Geschichte von Bells Vater. Das Leben, das Bell jetzt führte, glich ganz und gar dem aller anderen Newporter leaders vf society. Schon um neun Uhr, nach einem kräftigen Frühstück, saß sie zu Pferde, trabte — nur mit dem Reitknechte oder auch in der Gesellschaft ihrer Freundinnen und befreundeten Herren — zwei Stunden lang in der salzigen Seeluft, wechselte nach der Rückkehr ihre Toilette und begab sich darauf nach dem Stelldichein der fashionablen Welt, nach dem Kasino, um hier Tennis zu spielen. Ein, zwei Stunden später bestieg sie einen sehr hohen, zweirädrigen, mit einem Fuchs bespannten Wagen, den sie mit geübten Händen selber lenkte, nm nach ihrer am Quai liegenden elektrischen Schaluppe zu fahren ,die sie hinaus auf die Rhede und auf ihre dort unter Segeljollen und Kuttern liegende Pacht brachte, wo sie den Lunch einnahm. Diese Pacht glich einem kleinen, Haus. Es gab darin ein Schlafzinnner mit rosadamastenen Tapeten und weiß lackierten Möbeln, einen Salon mit den seltensten Zimmerpflanzen, Bibliothek, Piano und prachtvollen Malereien, einen Speisesaal in dunklem Mahagoni, worin die stets von geschliffenen Gläsern, Silberzeug und Blumen glänzende Tafel gedeckt war, einen Glassalon mit 490 nichts von einer Entscheidung. Grund ihrer Trennung war, d Seit einigen Tagen war in Newport und in der Gesellschaft, welche Bell umgab, ein deutscher Herr aufgetaucht. M war ein Herr Westheim aus Berlin. Ein Kabelunter- hehmen, an dem ferne Firma beteiligt war, hatte ihn -nach Newyork geführt. Es war das erste Mal, daß er nach Amerika kam, und die gesellschaftlichen Sitten und Zustände, in die er hier hineingeriet, amüsierten ihn als Berliner nicht wenig. Natürlich hätte er damals gleich als einer der Ersten in Erfahrung gebracht, welche Bewandtnis es mit dieser schlichten amerikanischen Miß gehabt hatte, Und noch lauge nachher machte er sich die bittersten Vorwürfe, daß auch er sich von der unscheinbaren Außenseite dieser Dame hatte düvieven lassen Und seine Chancen ihr äerMMkgen. gestickten Divans, Korin schwarze Musikanten, den Banch in der Hand, stets warteten; auf dem Deck mit seinen Schaukelstühlen und Palmen gab es eine Voliere mit exotischen Vögeln; gekühlt in Wassereimern stand immer herber Champagner bereit — alles von einem bis auf die Spitze getriebenen Raffinement. Am späten Nachmittage ging es nach dem Lande zurück, um hier jetzt einem Polo- Match zuzuschauen, den oie Herren unter sich auf ihren Pferden, mit einem Schlegel nach einem weißen Ball schlagend, ausfochteri, daun wurde abermals Toilette gemacht, nach der Stadt gefahren und diniert und zum Schluß der Ball im Kasino besucht; frühzeitig, schon vor elf, zog man sich darauf zurück, um am anderen Tage wieder frisch und kräftig zu sein. Das Leben der vornehmen Lady, der Löwin, das jetzt Bell führte, bekam ihr ausgezeichnet. Der ununterbrochene Genuß der Seeluft, der fortwährende körperliche Sport, den sie als echte Amerikanerin schon früher gern betrieben hätte, färbte ihre Wangen mit der Röte der Gesundheit. — Die ganze Männerwelt lag zu ihren Füßen — nicht bloß vor ihrem Reichtum, nein, jetzt auch vor ihrer Schönheit, vor ihren Launen, vor ihrem Uebermut, denn auch darin hätte'sie sich seltsam verändert. Sie war sehr lustig geworden, gesprächig, sie liebte den Lärm, jede neue Sensation und vor allem prächtige Toiletten, die sie natürlich aus Europa bezog, aus Paris von Worth, von dem sie sich, wie bekannt war, extra einen Zuschneider hatte herüberkommen lassen. Wie die anderen großen Damen in Newport und in dem ganzen fashionablen Amerika, trug sie nicht nur abends, sondern auch am lichten Tage und bei jeder Gelegenheit großen Schmuck, nächst Perlen hauptsächlich Smaragden und Rubinen, die jetzt teurer als Diamanten waren. Mit einem Worte — aus ihrer ehemaligen Sonderlingsnatur, aus der früher schlichten Raupe hatte sie sich Nun endlich zu einem glänzenden Falter entwickelt, der chön und stolz und heiter von Triumphen zu Triumphen tatterte. Unter den in Newport versammelten Damen nahm ie jetzt unbedingt die erste Stelle ein. In der zahlreichen Gesellschaft, die täglich ihr Haus Md ihre Dacht fußte und sie begleitete, genoß Einer eine hevorzügte Stellung. Das war ihr Vetter Fred Bennet. Er war Der Einzige von allen, mit dem sie manchmal allein war und er wich nicht von ihrer Seite. Allgemein erblickte Man in ihm ihren künftigen Gatten, nur mußte erst ihr Scheidungsprozeß erledigt sein. Es war merkwürdig, wie lange er sich hinzog. Wäre ein amerikanisches Gericht dafür zuständig gewesen, so wäre die Angelegenheit natürlich schon längst aufs beste bergelegt worden. So aber war die Trauung in Deutschland vollzogen worden, und zuständig war deshalb das preußische Gericht. In Europa dauerte eben alles noch ein paarmal so lange als im eigenen Vaterland. Seit ihrer Trennung von ihrem Mann und ihrer Rückkehr waren Nun schon Monate vergangen und noch immer hörte man Nichts von einer Entscheidung. Was aber eigentlich der Grund ihrer Trennung war, darüber wußte man auch in Newport nichts Gewisses. Bell selber erzählte nichts davon. Nur Bessie Wellingford, eine ihrer besten Freundinnen, wollte gelegentlich einmal von ihr erfahren haben, daß sie an ihrem Hochzeitstage einen sehr heftigen Streit mit ihrem eben angetrauten Gatten gehabt habe, und das habe für sie den Ausschlag gegeben. Am Ende war der ganze Grund auch gletchgiltig. Erstens hatte man zum Klatsch in Newport keine Zeit, denn man war viel zu sehr mit der angenehmen Gegenwart und seinem Amüsement beschäftigt pnd zweitens — Bell war ihre eigene Herrin, sie konnte also thun und lassen, was sie wollte, wie jede andere freie Amerikanerin. Dafür war man Gott sei Dank! ein Bürger der Vereinigten Staaten. ihr gegenüber damals nicht besser wahrgenommen. Sträflich' vernachlässigt hätte er sie — statt ihr gebührend den Hof zu machen. Wer weiß, wie dann die Sache abgelaufen wäre. Unfehlbar hätte sich Miß Cookson statt in diesen Freiherrn in ihn selbst verliebt. Dann wäre sie jetzt seine Frau'und von ihm — das stand sür Richard Westheim absolut fest — hätte sie sich! nicht scheiden lassen. Aber war er ehr nicht Gott sei Dank! vorgestellt? Er sah es! deshalb als sein gutes Recht an, nachdem er nun einmal in Newyork war, Miß Cookson seine Visite zu machen. Natürlich erkannte sie ihn zuerst nicht, dann aber doch — und er war von der guten Laune, mit der sie ihn aufnahm, geradezu entzückt. In Wahrheit, er amüsierte sich in diesem Lande großartig, !nnd unter den Damen in Newport machte er direkt, wie das jedermann bezeugen konnte, Furore. Wenn Miß Cookson, jetzige Freifrau von Schöneck, erst geschieden war, dann konnte er seine Chancen wieder aufnehmen, dann trat er in die Arena. Uebrigens war er ernstlich in sie verliebt — in sie selbst, nicht bloß in ihre Millionen. An das Gerücht, daß ihr Vetter, Herr Bennet, der Nächste dazu war, daran glaubte er schlechterdings nicht. Denn warum? Es war in ganz Newport offenkundiges Geheimnis, oder genauer gesagt, Geheimnis war es überhaupt nicht, denn man sprach ohne jede Verlegenheit davon, daß Herr Bennet seit ein paar Tagen verreist war, in Gesellschaft einer Dame, einer unverheirateten jungen Dame,- in Gesellschaft von Fräulein Bessie Wellingford. Daß nämlich ein junger Mann mit einem jungen Mädchen, beide aus bester Klasse, tagelange einsame Landpartien machte, auch das war in diesem amüsanten Lande ganz unbefangene Sitte. Offenbar also hatte Herr Bennet mit Fräulein Wellingford einen Flirt, woraus wieder hervorging, daß ihm, Richard Westheim, dieser junge Mann in Bezug auf die Frau Baronin ganz ungefährlich war. In der That, was hatte diese Reise von Fred Bennet und Bessie Wellingford zu bedeuten? Alles, was in Newport seine Liebe zu seiner Cousine kannte, wunderte sich darüber. Bessie Wellingford war allerdings ein sehr hübsches Mädchen. Sie war jetzt einundzwanzig Jahre alt, hatte wie Bell in Boston studiert und lebte, gänzlich von ihrer Familie getrennt, in Bells Hause seit dem Beginn des Sommers als ihr Gast. Sie gehörte zu denjenigen amerikanischen Mädchen, die nicht sentimental und die ans diesem Grunde auch für kein Familienleben eingenommen sind, auch nicht für das im elterlichen Hanse. Ihre Eltern dachten allerdings ganz ebenso. So kam es, daß Bessie, selbst wenn sie znm Beginn des Winters nach Newyork zurückkehrte, ihre Mutter, die durch allerhand gesellschaftliche Pflichten aufs Aeußerste in Anspruch genommen wurde, nur alle paar Wochen einmal sah, dagegen ihren Vater, der Winter und! Sommer von früh bis abends in Wallstreet in seinem Comptoir saß, um das nötige Geld zu verdienen, überhaupt niemals. Dem entsprachen auch ihre Vorstellungen von ihrer eigenen künftigen Ehe. Wozu mußte überhaupt geheiratet fein? Sah man das nicht an dem Beispiel Bells? In Europa allenfalls mochte die Ehe für ein Mädchen noch ein erstrebenswertes Ziel sein, denn in Europa, so hieß es, genießt ein junges Mädchen keine gesellschaftliche Freiheit, keine Selbständigkeit — die erlangt es erst als verheiratete Frau. Mer hier im lieben Vaterlande? Wenn Bessie, die übrigens dabei schon einige Male verlobt gewesen war, in früheren Jahren an ihren künftigen Mann dachte, der natürlich sehr reich sein mußte, so geschah dies mit dem liebenswürdigen Wunsche, daß er so gut sein möge, sie gleich nach der Trauung zu seiner Witwe zu machen. Um so mehr als für eine gefühlvolle Häuslichkeit interessierte sich hingegen Fräulein Bessie für andere Dinge, zum Beispiel für Politik oder die unter der New Yorker Damenwelt so zahlreich anftreienden Modeliebhabereien. Im übrigen war mit Bessie seit den letzten Wochen eine große Veränderung vorgegangen. Zum. ersten Mal in ihrem Leben war sie verliebt. Und in wen? Eben in Fred Bennet- Sie hätte es Bell anvertrant, und die Folge davon war, daß Bell ihren Vetter veranlaßt hatte, diese Reise mit ihr zu unternehmen. Was Bell für Gründe dazu hätte? Allerdings, das wußten nur die ganz Eingeweihten. Sie erwiderte nämlich die Liebe ihres Vetters so wenig wie früher, und sie wünschte, daß er sein Herz endlich einer Anderen schenken möchte. Dazu war eine derartige mehrtägige Landpartie die beste Gelegenheit. Was Bell ihm befahl, das that er. Die Reife Kar nach irgend einem Badeorte gegangen. Seit heute, seit einer halben Stunde waren sie wieder zurück. Besste hatte alle Ursache, mit dem Resultat ihrer Reise sehr unzufrieden zu sein. Fred war natürlich sehr musterhaft, sehr zuvorkommend, seht artig gewesen — aber mehr auch nicht. Hart und kalt wie Stein war er geblieben. (Fortsetzung folgt.) Australische Buschräuber. Man schreibt der „Köln. Ztg." aus Brisbane von Anfang Mai: „Tausend Pfund demjenigen, der die Brüder James und Patrick Kenniff ergreift!" steht dieser Tage in allen hiesigen Blättern, nach einiger Zett wird sich die Summe verdoppeln und vervierfachen, wenn der Zweck nicht sofort erreicht wird. Kostete docb die Festnahme der schwarzen Mörder Jimmy und Joe Governor im Juli 1900 dem Staate Neusüdwales weit über 100 000 Mk. Ein Land, in dem durchschnittlich nur „ein halber" Mensch auf den Quadratkilometer kommt — in Queensland sogar nur ein Drittel —, mutz man mit äußerster Strenge auf Sicherheit des Lechens und.Eigentums halten, sonst fehlen die Grundbedingungen der Existenz, und niemand würde sich dort mehr niederlassen. Die Zahl der schweren Verbrechen ist aus naheliegenden Gründen in Australien weit größer als in Europa, aber das Auftreten von Räuberbanden ist eigentlich recht selten. Häufig dagegen ist der Vagabund, der mit seinem Bündel durch das Land zieht, ungern arbeitet und nirgends ein gern gesehener Gast ist. Gr ist ein verwegener und verwilderter Bursche, dem der einsam wohnende Farmer wohl oder übel Quartier und Käst gewährt, sonst setzt er ihm den roten Hahn aufs Dach Meist zieht er allein seines Weges, denn einer traut dem andern nicht. Nur Blutsverwandte thuen sich bisweilen zusammen, wie auch hier. Seitdem die unter den: Namen „Kellh-Gang" bekannt« Bande berüchtigten Andenkens Ende der siebziger Jahre die Regierung Victorias in Atem erhielt, hat kein Ereignis ähnlicher Art soviel Erregung in Australien hervorgerufen, wie die Blutthaten der Familie Kenniff, Buschklepper der schlimmsten Sorte. Als Ende 1893 Tyson, „der reichste Mann Australiens", gestorben war — die Erbschaftssteuer von seinen Queensländer Besitzungen allein betrug 3,75 Mill. Mark —, wurden die ungeheuren Liegenschaften geteilt, und nun kam manches ans Tageslicht, was bisher so mit untergelaufen und wenig beachtet worden war. Zwischen den beiden Hauptbahnlinien, die sich bis tief hinein in den Westen Queenslands erstrecken, zieht sich, viele tausend Quadratkilometer bedeckend, auf welligem Gelände der tropische Scrub, Busch, hin, unterbrochen von weiten Grassteppen. Hier hatte sich die Familie Kenniff, der Vater und vier erwachsene Söhne, eingenistet und mit einer Familie Stapleton zu einer würdigen Genossenschaft zusammengeschlossen. Mit kleinen Viehdiebstählen wurde begonnen, bald aber wurden die „Geschäfte" in großem Maßstabe getrieben und förmliche Treibjagden veranstaltet. Der ganze Distrikt kam unter die Botmäßigkeit der Räuber; manche Bewohner hatten Nutzen von ihnen und kauften billiges Vieh, andere fürchteten die verwegenen Gesellen und wagten nichts zu sagen. Endlich erreichte Stapleton sein Schicksal; er starb im Zuchthause auf St. Helena. Immer verwegener wurden nun die Raubzüge der fünf Kenniffs. Sie richteten ein äußerst sinnreiches, den Eingeborenen abgelauschtes Zeichensystem ein und spotteten aller Nachstellungen der Polizei; der dünne Brigalow-Seurb ließ die Verfolger aus großer Ferne erkennen und das dichte Unterholz von Callistemom und Malaleuca bot undurchdringliche Verstecke. Endlich nahte das Verhängnis: ein junger Deutscher war die Ursache, leider büßte er dabet aus grauenvolle Weise fein Leben ein. Albert Dahlke war, wenn ich nicht irre, ein Neffe von Eduard Dahlke aus Gayndah, eines der tüchtigsten Mitarbeiter des nun auch leider schon Heimgegangenen Professors Semon aus Jena. Letzterer lueltte 1891 und 1892 hier in Queensland und hätte sich! das Studium der wunderbaren australischen Fauna, insbesondere der eierlegenden Säugetiere, der Beuteltiere uitb des nur im Bur- nettslusse vorkommenden Luntzenfisches zur Aufgabe gemacht. Von Albert Dahlke schirieb damals Semon: Der Alte hat seinen sechzehnjährigen Neffen mitgebracht, einen kräftigen, äußerst gescheckten und intelligenten jungen Mann, der trotz seiner Jugend ein vorzüglicher Reiter war und ganz vortrefflich mit der Büchse umzugehen wußte. Bon den Gebrüdern Collins, die einen großen Teil des Besitztums Tyson übernommen hätten, wurde Albert Dahlke aus ersehen/ Ordnung zu schassen und dem Unwesen der Familie Kenniff endlich ein Ende zu machen. Dazu erschien er völlig geeignet: ein Hüne von Gestalt, furchtlos, ein ausgezeichneter Reiter und Schütze, wohlbekannt mit dem Leben im Busche- mit allen Listen und Tücken seiner Gegner. Die Station Carnarvon wurde ihm zur Leitung überwiesen. Bald darauf ertappte er den jungen James Kenniff bei einem Diebstahl und ließ ihm eine gründliche Tracht Prügel zuteil werden. Nun schworen die Buschklepper blutige Rache. Eine Reihe von Ueberfällen folgte, um den Verwalter zu reizen; am Ostersonntage machte sich Dahlke mit dem Polizisten Doyle und dem schwarzen Spurfinder Sam auf, um den Kenniffs zu folgen. Was nun weiter geschah, entnehmen wir den Schilderungen des Blacktrackers. Bei Mount Moffart wurden die Räuber anfgespürt, und ein wildes Jagen begann. Dahlke ritt einen vorzüglichen Renner, und bald hatte er James Kenniff eingeholt, die anderen waren nach verschiedenen Seiten hin geflohen. Sam wurde ausgeschickt, um von dem zurückgebliebenen Packpferde die Handfesseln zu holen. Kaum war er hundert Schritte entfernt, so hörte er hintereinander fünf Schüsse fallen. Gr kehrte rasch um und konnte eben noch sehen, wie Dahlke vornüber vom Pferde sank; Doyle lag am Boden, die übrigen Kenniffs hatten im Hinterhalte gelegen und beide erschossen oder verwundet. Sam riß rasch sein Pferd herum und jagte dem Busche zu, der ihn bald den Blicken seiner Verfolger entzog. Und nun leistete der Schwarze ein Bravourstück! er ritt zwei Nächte und einen Tag, fast ohne Unterbrechung nach dem 240 Kilometer entfernten Mitchell,, dabei immer die Straße vermeidend, um den Kenniffs nicht in die Hände zu fallen. In Mitchell gab man ihm zwei Polizisten mit und versprach, weitere Hrlfe nachznsenden. Nach einem Ritt von zwei Tagen wurde der Thatort erreicht und die Nachforschungen begannen. Die Räuber hatten alle nur denkbaren Kniffe gebraucht, um ihre Spur zu verwischen, waren nach verschiedenen Richtungen auseinander geritten, um sich dann wieder zu treffen, hatten die Pferde streckenweise rückwärts gehen lassen rc. Mer Sam ließ sich nicht irre machen; erst fand man ein erschöpftes Pferd, das die Verfolgten zurückgelassen hatten, und daun stieß man aus das. Lager. Wie die Katzen schlichen die Polizisten mit vorgehaltenem Revolveä heran. „Hände hoch!" erscholl plötzlich das Kommando, und augenblicklich leisteten die Ueber- sallenen, der Vater und die beiden jüngsten Söhne, Folge, denn sie wußten wohl, daß ihnen sonst die Kugel sicher war. Patrick,und James fehlten, und alle Fragen nach ihrem Verbleib, wie nach Dahlke und Doyle, blieben unbeantwortet. Die Gefangenen wurden gefesselt, und Sam entfernte sorg- sältig alle Signale: scheinbar achtlos weggeworfene Zeugoder Papierfetzen, abgebrochene Zweige u. dergl. Als bte drei Räuber hinter Schloß und Riegel waren, schickte die Regierung mehrere starke Expeditionen aus, um die beiden anderen Brüder zu sängen und nach Dahlke und Doyle zu sorfchen. Noch gab man sich der Hoffnung hin, daß letztere nur verwundet seien und irgendwo verborgen gehalten würden. Diese Hoffnung schwand, als man die Spuren der Verschwundenen fand und nicht weit davon große Blutlachen. Noch schlimmere Vermutungen wurden laut, als man auf das Pferd Doyles stieß, das zwei gefüllte Pack- fäcke trug und offenbar den Räubern entlaufen war. Die Säcke zeigten einen grauenvollen Inhalt: verkohlte Knochenüberreste, Zähne, Uniformknöpfe von Doyles Kleidung — kein Zweifel, daß sie von den Verschwundenen herrührten. Bald darauf stießen die Spurfinder auf eine bis dahin unbekannte Höhle mit einer Menge von Lebensmitteln, offenbar einer der zahlreichen Schlupfwinkel der Kenniffs/ Etwa drei Kilometer entfernt von dem Orte, wo Dahlke und Doyle zuletzt gesehen worden waren, fand man im Bett eines Baches auf der abgeplatteten Kuppe eines vorspringenden Felsens die Reste eines großen Feuers. Ein unausstehlicher Geruch zeigte an, daß dort etwas Besonderes geschehen fei. Bei genauer Untersuchung wurden überall Blutspuren, geschmolzene Bletstücke, Zeug und Fetzen eines Filzhutes gefunden, in einem Loch unter dem Stein lagen 0 Mengen geronnenen Blutes und verkühlte Eingeweide. jl Verbrennen der Leichen hatten die Unholde die Spüren ihres Verbrechens verwischen wollen; die letzten Ueberreste waren in Säcke gepackt worden und sollten wohl irgendwo vergraben werden, das Pferd wär aber damit dürchgegangen. Jetzt beginnt die Hetzjagd auf die Mörder; nicht weniger 492 als 600 Mann sind mit Blacktrackers und Bluthunden unterwegs, die Regierungen der angrenzenden Staaten haben gleichfalls mobil gemacht. Hoffentlich fängt man die Mörder bald, denn diese wissen, daß sie dem Lod verfallen sind, und niemand ist jetzt vor ihnen sicher. Einsame Stationen werden verlassen, und jeder trägt den geladenen Revolver bei sich. _________________ Die amerikanische Industrie der Halbedelsteine. Won Arnold Rohde. Nachdruck verboten. In den Bereinigte,: Staaten wird jetzt in ausgedehntem Maße Bergkrhstall zur Imitation von Diamanten und anderen Edelsteinen, sowie als Zierteile an Kunstgegenständen verwendet. Der Bergkrhstall bildet ja die reinste Qugrz- form, und er wird in den Vereinigten Staaten so transparent und farblos gesunden, daß man ihn zu den schönsten Halbedelsteinen rechnen muß. Einer der schönsten Berg'kryställe, der aber nicht amerikanischen Ursprungs war, wurde 1876 zu einer Pracht tigen Krystallkugel für den verstorbenen Gouverneur Ames von Massachusetts geschliffen. Die Kugel befindet sich jetzt tut Besitze des Bostoner Museums der schönen Künste; sie hat "71/2 Zoll Durchmesser, aber der ursprüngliche Krhstall, aus dem dieselbe geschnitten wurde, war etwa 18 Zoll hoch und 12 Zoll breit und stark. Es giebt nach Georg E. Walsh (Scient. Am.) eine Anzahl genau abgegrenzter Regionen in den ^Vereinigten Staaten, in welchen Bergkrystalle gefunden werden, und die Förderung derselben wird mit ziemlicher Regelmäßigkeit bewirkt. Die bemerkenswertesten, darunter zwei Krystallkugeln von fünf und sechs Zoll Durchmesser, sind aber mehr durch Zufall als durch regelrechten Abbau gewonnen worden. Eine der Regionen, in welcher Quarz- krystalle während der letzten zwölf Jahre gefunden wurden, befindet sich bei Hot SpriuM, Colorado, am Ufer des Quachita. Eine bemerkenswerte Eigentümlichkeit dieser Steine ist, daß sie durch die Strömung des Flusses so sehr abgeschliffen sind, daß sie rund wie Strandkiesel auftreten. In den meisten Fällen sind es sehr klare Krystalle von ziemlichem Werte. Einige solche Steine sind geschliffen und zu guten Preisen verkauft worden. Sie unterscheiden sich jedoch nicht von den an verschiedenen Punkten der atlantischen Küste gefundenen Quarzkrystallen, obgleich sie etwas reiner und von höherer Qualität sind. Sie werden geschliffen und glanzend poliert und werden häufig als Simili-Bril- lanten verkauft. Indessen verlieren sie bald ihren Glanz, der nur durch erneutes Schleifen wieder erzeugt werden kann. Tie verschiedenen farbigen Quarzkrystalle liefern viele schöne, in der Juwelenindustrie verwendete Steine. So tft der Amethyst eine transparente purpurfarbene Quarzvarietät. Einige Arten sind so zahlreich vertreten, daß sie viel von ihrem ehemaligen Werte verloren haben. Tie schönsten, tiefpurpurnen Steine werden nach wie vor außerordentlich geschätzt, chnd wenn sie gut geschliffen sind, so rrzielen sie ziemlich hohe Preise. Kleine, aber sehr schöne Amethyste findet man jetzt in einigen Teilen Pennsylvaniens, Maines und Nord-Carolinas. Nach diesen Steinen wird eifrig gesucht, ,und gelegentlich findet man auch! ein großes Exemplar, welches fast ebenso geschätzt wird, wie die vom Orient importierten Steine. Achate und Chalcedone sind neuerdings auch in beträchtlichen Quantitäten und großer Mannigfaltigkeit in den Bereinigten Staaten gefunden worden, und ihr Wert steht zum Teil im Verhältnis zu ihrer Struktur. Die besten Achate werden in harten Klumpen gefunden, und zwar an Stellen, wo das Gestein aus irgend einer Ursache verwittert ist, z. B. an Flußufern. Die Achatkiesel, welche von schönem Aussehen sind und leicht wie Juwelen geschliffen werden können, finden sich in beträchtlichen Quantitäten an der kalifornischen Küste, besonders in Pescardo. Diese Kiesel loerden von den Besuchern jener Küste ihres rauhen Aussehens wegen oft verschmäht; doch wenn sie geschliffen und poliert sind, so zeigen sie die schönste Färbung und Struktur. Sie werden zu Schmucksachen, Streichholzschachteln, Perlen, Knöpfen, Messer- und Gabelgriffen rc. verwendet. Während der letzten Jähre sind die besten Achate und Chalcedone im Preis gestiegen) Md man hat versucht, sie zu imitieren. Tiefrote Karneole und Sarder werden erzeugt indem man die matten oder glanzlosen Chalcedone geschickt brennt. Schwarzer Achat wird auf dieselbe Weise Hegge-, stellt und wird als Trauerschmuck getragen. In Wyoming sind große Mengen von Mvpsiachaten gefunden ioorbeit,, die, wenn sie richtig geschliffen werden, von schönster Wirkung sind. Man verwendet sie zu Tischplatten und anderen Ornamenten. Tie Behandlung des Chalcedons durchs chemische und mechanische Prozesse hät das Verwandlungsgebiet dieses Minerals sehr erweitert. Es giebt die verschiedensten Methoden, die Farbe des Steins zu verwandeln, und sie'der Mode oder den Wünschten und Launen der Interessenten anzupassen. Der sogenannte „Goldopal" wird erzeugt, indem man Chalcedon in Honig und darauf in einer Lösung von chromsaurem Bleioxyd kocht, um schließlich Chlorwasserstoffsäure während einiger Wochen bei mäßiger Wärme auf ihn einwirken zu lassen. Ändere Farben lujnd Streifen werden erzeugt, indem man Blut, Zucker, Melassen rc. in Wasser verdünnt und das Mineral darin kocht; wenn es die Lösungen absorbiert hat, kocht man die Steine in Schwefelsäure. In der That hat die moderne Chemie derartige Ber- änderuntzett in der Farbe vieler Steine erzeugt, daß, es möglich- ist, die mannigfachsten Imitationen zu erzielen. Jeder farbige Onyx kann durch chemische Prozesse erzielt werden, und stumpfe Farben dieses Steines können in glänzende verwandelt, und so der Wert desselben beträchtlich erhöht werden. Es ist nicht erforderlich die Farbe des ganzen Steines umzuwandeln, sondern man vermag auch Teilen und Adern desselben eine rote, schwarze, gelbe oder weiße Farbe zu verleihen. Achate können leicht in eine onyxähnliche Substanz verwandelt werden, welche die Steinschneider für Kameen und Gemmen verwenden. veeMischtes. Netzer das Zeitungswesen in China berichtet die „Deutsche Export-Revue": Man sollte glauben, daß in China bei seiner Millionenbevölkerung das Zeitungswesen eine weit größere Bedeutung erlangt hat. Jedoch erst seit etwa sechs Jahren ist in dieser Beziehung eine Besserung eingetreten, seitdem sich in Peking eine Reformpartei gebildet hat. Die älteste, seit etwa 30 Jahren erscheinende chinesische Zeitung, die Shanghai-Zeitung „Schupan" hat eine ziemlich bedeutende Verbreitung unter der chtnestschen Bevölkerung gefunden, wozu der billige Preis, etwa 2^ Pfennige, wesentlich beiträgt, aber die Auflage, etwa 28 000, steht in gar keinem Verhältnis zur Bevölkerungszahl. Der Grund dafür liegt in der chinesischen Sparsamkeit. Es ist keine Seltenheit, daß sich die Bewohner einer Straße ein Exemplar zusammen halten, so daß der Letzte der Leser die täglich; erscheinende Zeitung erstz nach einer Woche und später nach dem Erscheinen erhält. Daneben erscheint noch ein zweites chinesisches Blatt von etwas größerer Bedeutung, die „tzupau". Zahlenrätsel. Nachdruck verboten. 1 2 7 13 fremder Adelstitel 2 7 13 4 5 Auszeichnung 32521 12 112 Stadt auf einer Insel im Stillen Ozean 4 8 13 10 11 Familienglied 5 2 9 10 kaufmännischer Ausdruck 6745 10 13 847 Soldat 7 8 9 12 10 1 ^heiligte Bräuche 8 7 4 5 4 weiblicher Vorname 5 8 9 7 10 9 chemischer Stoff. Sind die richtigen Worte gefunden, so bezeichnen die Anfangsbuchstaben von oben nach unten und die Endbuchstaben von unten nach oben gelesen je einen Helden einer bekannten Wagner'schen Oper. (Auflösung in nächster Nummer.) Auflösung des Ergänzungsrätsels in vor. Nr.r Uhr, Rom, Act, Ohr, Ast, Lob, Amt, Ems, Reh, Arm. Hochsommer. Redaktion: Curt Plato. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-BuL- und Steindrnckerei lPietsch Erben) in Gießen.