89. ich's rn« II L i Ilm r_ »ruhig ist die Welt, unruhig ist das Herz, Und eins das andre setzt in Unruh allerwärts. Rückert. (Nachdruck verboten.) Manneswert. Roman von Marie Stahl. (Fortsetzung.) Am folgenden Vormittag machte Traute Lillian Severn «einen Besuch. Sie fand das junge Mädchen allein, in einem düsteren Zimmer mit schäbiger Einrichtung. Lillian lag in einem großen Fauteuil, beide Füße gegen einen Kachelofen gestemmt, sodaß dieselben eine horizontale Linie mit ihrem Oberkörper bildeten, in einen englischen Roman vertieft. Sie trug einen sehr bequemen Schlafrock und hatte ihr schönes blondes Haar geöffnet. Dasselbe hittg zum Trocknen aufgelöst um ihre Schultern. Bei ihrer Lektüre rauchte sie eine Zigarette und neben ihr auf einem Tischchen lagen und standen gebrauchte Teller, Gläser, Löffel, eine ansgequetschte Zitrone, Eierschalen, eine Flasche Kognak und Roastvester. „Ah, das ist reizend, daß Sie kommen", begrüßte sie Traute in englischer Sprache, „Miß Buxton ist aus. Ich sollte unterdessen meine Lektionen lernen, aber ich mache mir -einen guten Tag, wie Sie sehen." Traute erkundigte sich eingehender nach ihren Studien. „O, mir Mathematik, Rethorik, Astronomie, Physik, Kultur- und Kunstgeschichte, Latein, Italienisch, Französisch und jetzt das leidige Deutsch. Außerdem Klavierunterricht und Gesang." Eine solche Gelehrsamkeit schien unerhört, aber Traute beruhigte sich bald darüber, als Lillian auf ihre Frage, ob sie Goethe schon im Originaltext lese, fragte, wer eigentlich Goethe sei, sie könne nicht alle Namen behalten. Die junge Engländerin zeigte durchaus kein Interesse für litt-e- rarische Gespräche, sondern vertraute ihrer neuen Bekannten sofort an, daß ihr Vater unmenschlich viel Geld habe, und daß ihre Mutter aus einer sehr guten Familie stamme, sie besäße heute noch den Brief einer Königin von England an ihre Urgroßmutter, der wörtlich „Meine liebe Beß" überschrieben sei. Sie selbst, als Enkelin dieser lieben Beß, sei nun eigentlich moralisch verpflichtet, einen sehr vornehmen Mann zu heiraten, und ihre Eltern hätten das sehr- dringende Verlangen, wenigstens einen Lord zum Schwiegersohn zu bekommen, aber sie selbst sei entschlossen, entweder «ar nicht zu heiraten oder nur ihren lieben, süßen Fred. Da Lillian so offenherzig war, hielt es Traute für keine Indiskretion, zu fragen, wer der liebe, süße Fred fet „O, ein Darling, der klügste, beste und schönste Bursche, den ich kenne. Er war im letzten Jahre Sieger in dem großen Lawn-Tennis-Match in Eastborne, und bei den "Oxforder Ruderwettfahrten hat er sich schon mehrere Auszeichnungen geholt. Er hat zwar kein Geld^ aber er wird bald sehr viel haben, denn er wird es verdienen^ und er liebt mich rasend. „Ich werde es in diesem Hundestalle nicht mehr lange aushalten; Miß Buxton hat versprochen, sich nach einer anderen Wohnung umzusehen", erklärte Lillian. „Die Wirtin ist ein Haifisch, ihre Tochter eine Vogelscheuche und dis übrigen Pensionäre sind „pigs". „Es ist sehr schade, daß ivir so weit von einander wohnen; gefällt es Ihnen denn hier?" fragte Traute, sich verwundert in dem unwohnlichen Zimmer umsehend, das so wenig zu den Ansprüchen paßte, die Lillian gewöhnt zu sein schien. Als Traute nach Hause kam, fand sie eine schlechte Stimmung vor. Fran Velten hatte abermals sich und ihren Gatten den ganzen Vormittag mit vergeblichen Versuchen, ihren Wäscheschrank unterzubringen, gemartert. Herrn Veltens Geduld war endlich gerissen. „Ich habe wahrhaftig andere Sorgen als um solche Lappalien", platzte er unwirsch heraus. „Lappalie?" fragte Frau Velten vorwurfsvoll,. „soll ich vielleicht meine Wäsche im Keller vermodern lassen?" Es folgte eine unerquickliche Debatte mit gegenseitigen Borwürfen. „Wenn es nach mir gegangen wäre, hätten ivir überhaupt die dritte Etage bezogen und nicht die erstes behauptete Herr Velten. „Aber, Tcophil, Du weißt sehr gut, daß cs sich als eine Unmöglichkeit erwies, unsere Möbel in der dritten Etage unterzubrittgen. Die Decken sind zu niedrig für die oroßen Pseilerspiegel, wir hätten nicht einen Kronleuchter aufhängen können und das Büffet war nicht durch das Entree zu zwängen", demonstrierte seine Gattin. „Es giebt Lebenslagen, in denen man eben ohne Pfeilerspiegel und Kronleuchter fertig werden muß", brummte 'der Hausherr. Frau Belten sah entsetzt aus. „Ich sehe schon, ich werde wohl mein Leben noch in einer Dachkammer enden. Sie faltete die Hände in stummer Resignation. Herr Velten seufzte tief. Der Etat wollte für den Stadthaushalt nicht reichen. Schon nach wenigen Wochen mußte er einsehen, daß er sich verrechnet hatte. Im Mietpreis gab es durch schlecht zahlende Mieter wicLanghanns und durch notwendige Reparaturen Ausfälle, die beim Abschluß des Geschäfts nicht'mit auf dem Papier veranschlagt waren. Die geringe Summe baren Geldes, die er bei 354 Vem Tausch erhalten hatte, Ivar bereits fastf ganz aufgebracht, es blieb nur ein Rest für die Hypothekenzinsen, die am 1. Januar fällig waren. Er konnte heute schon an den fünf Fingern abrechnen, daß er in Zukunft nicht diese Zinsen und den Hansbalt von den Mietseinnahmen bestreiten würde. Und die kleinen Extravaganzen des letzten Sonntags machten sich in dem für den Monat ausgesetzten Etat drückend fühlbar. Rheinwein, Frühstücke und Tiners mit Pfirsichbowle würde er künftig von seinem Programm streichen müssen, das wurde ihm unerbittlich klar, unb dieses Einsehen trug nicht zu seiner Erheiterung bei. Achtes Kapitel. An einem klaren, frostigen Januarmorgen kämen Traute und Lillian Arm in Arm aus der Malstundc. n, ®'eit Neujahr hatte sich Miß Buxton mit ihrem Zögling Lrllian Severn bei Veltens in Pension gegeben. Tie Notwendigkeit aber, einen Nebenerwerb zu suchen, hatte sich nn Belteuschen Hause so dringend fühlbar gemacht, daß man auf die Idee kam, Pensionäre zu suchen. Das berühmt Konservatorium zog viele Ausländer nach Leipzig ^nd das Verspiel lehrte, daß ungeheuer viele Privat- sannlren ihren Unterhalt in der Aufnahme von Pensionären fanden. _ Veltens konnten drei Zimmer der Etage entbehren, Mrß Buxton und Lillian nahmen zwei in An- smuch, und für das dritte fand sich Mr. Hopkins der Geistliche, - der ebenfalls mit seinem Loäis riicht zufriedeik gewesen war. 1 ar hundert Mark für die Pension und Herr Velten suhlte sich vorläufig aller Sorge» enthoben. Er berechnete, daß er auf diese Weise mietfrei wohne und daß von dein Pensivnsgelde noch hundertundfWfzia Mark für ben Haushalt übrig blieben, was beinahe alle Auslagen^ für die Küche decken müsse. ri-, I^öpfte frischen Mut und ließ Armin, der im Eober seui Miturium absolviert und die Universität be- Zvgen haUe, tit ein Korps eintreten, um aktiver Korps- werden. Seiner Meinung nach konnte kein Mann Ampruch auf gesellschaftliche Stellung oder Bildung erheben, der nicht Korpsstudent oder Offizier gewesen war. Das iuristische Studium mit der höheren Staatskarricre, wre der L-ienft t» der Armee, waren in ferne» Augen allein Aues Gentlenia» würdig, so mußte Armin, gegen seine Neigung, Rechte studieren, denn es war Herrn Velteri un- wissen ^, in untergeordneter Lebenssphäre zu Graf Stauffen war über Weihnachten längere Zeit verreist, und tn seiner Familie gewesen, kehrte jedoch im M "versuchenmtt b ist leicht geneigt, vieles von den in Couleurverbindungen hochgehaltenen Bräuchen für überlebt und der Reform oder gänzlichen Abschaffung wert zu erklären. Auch derjenige, der als krasser Fuchs und als Bursch selber aus dem schäumenden Becher der Lust hat trinken dürfen, wird, wenn er ein gereifter Philister geworden, sich der Erkenntnis nicht verschließen, daß auch die Formen des studentischen .Verbindungswesens nicht unantastbar sind, das bis aufs I- TApfelchen unverändert sich durch alle Zeiten erhalten nrüsse. Während aber die Zeit mit langsam wirkender und dennoch unwiderstehlicher Gewalt das abschleift, was dem modernen Empfinden widerstreitet, schweift der Blick in jene entfernten Jahrhunderte zurück, als das Wiederaufblühen der Studien nach den finsteren Zeiten des frühen Mittelalters Tausende von deutschen Jünglingen nach den Universitäten Italiens, vor allen nach Bologna, und nach der Pariser Sorbonne lockte. Mas sich dort an jungen, genußfrohen und lebens-, freudigen, dabei oft mittellosen Leuten des Auslandes zusammendrängte, übertrifft an Zahl bei weitem den Hörerstand unserer heutigen Riesenuniversitäteu. Fern von der Heimat und ihren natürlichen Hilfsquellen gerieten die im.Vertrauen auf ihren Glücksstern hunderte von Meilen weit Herbeigezogeneu oft in das bitterste Elend, undj mancher deutschen Mutter einziger Sohn, der mit hoch?- fliegenden Hoffnungen gen Süden zog, ist im welschen Lande in der bejammernswertesten Lage verdorben, gestorben. Anderseits machte sich auch das Bedürfnis geltend, den Studiengang zu beaufsichtigen und zu regeln; denn gar mancher'deutscher Scholar, der seine kurze Studienzeit lieber in den Osterien und Trattorien als in den Auditorien zugebracht hatte, kehrte schon nach wenigen verbummelten Semestern als völliger Ignorant in seine Heimat zurück, um sich, dort als Lehrer und Gelehrter aufzuspielen. In der Verfassung und Gliederung, die sich die Universitäten deswegen selber gaben, nimmt einen wichtigen Platz ein die Einteilung der Hörer in Nationen, die sich in Paris schon um das Jahr 1222 findet und von dort auf die deutschen Universitäten (auf Prag im Jahre 1348, auf Leipzig im Jahre 1409) überging. 'Tas gesellschaftliche Bedürfnis und das Gefühl der näheren Zusammengehörigkeit der aus einer bestimmten, enger umgrenzten Gegend stammenden Studenten war die Veranlassung, daß sich in den großen Korporationen der Nationen kleinere Unterabteilungen, die sogenannten Landsmannschaften bildeten, die als die Vorläufer unserer heutigen Korps zu betrachten sind. Ihre Thätigkeit war allerdings lange Zeit eine sehr beschränkte, weil auf allen deutschen Hochschulen der Pennalismus mit seinen wilden Orgien und ungeheuerlichen Auswüchsen herrschte. Pennäler oder Pennal (so genannt von penna gleich die Feder) hieß der von der Mittelschule frisch auf die Universität gekommene Student, also wie mau heute sagt, „der Fuchs". Er stand zu dem älteren Studenten, dem Schoristen im Verhältnis der tiefsten Abhängigkeit, so wie etwa der Diener zu seinem Herrn, was soweit ging, daß er letzteren nicht nur die niedrigsten Dienste zu leisten hatte, sondern daß der Scholar sogar das Mgeutum des Pennalen als das seimige betrachtete. Unglaubliche Mißhandlungen und Demütigungen liefen dabei unter, und erst nach einjährigem Pennalkursus erfolgte unter überaus kindischen und rohen Zeremonien die sogenannte Tepositiou, d. h. die Ausnahme des Pennalen unter die Schoristen. Dieser Pennalismus, der, wie Johannes Scherr sich, ausdrückt, das alte deutsche Laster der Trunksucht zur förmlichen Saufkunst ausbildete und sich in zügelloser Rauflust unb Krawallen Luft machte, bei denen man auch vor Mord und Totschlag nicht zurückschreckte, war eine Spezialität der protestantischen Hochschulen Norddeutschlands- gegen die die Reformatoren vergeblich eiferten, und die nach drakonischen Maßregeln erst um das Ende des 17. Jahrhunderts von der Bildfläche verschwand. Hiermit war den Landsmannschaften erst die Moguchf- keit gegeben, freier hervorzutreten. Der eigentliche lands- mannschaftliche Charakter, nämlich die Rekrutierung aus bestimmten Bezirken, trat dabei freilich in den Hintergrund, wofür der Zweck des geselligen Lebens und dre strenge Einhaltung gewisser, herkömmlicher Regeln des Komments (besonders hinsichtlich des Begriffs der studentischen Ehre und des Zweikampfs) in die erste Linie rückte. Die Mit- Korpsstudenten. Zum 75jährigen Stiftungsfest des Bonner Korps Borussia. 18. Juni 1902. .Bon Tr. Otto R e i in e r s. Nachdruck verboten. Der festlichen Enthüllung des Burschenschaftsdcnkmals, die in den verflossenen Pfingsttagen auf der Göpelskuppe bei Eisenach- gegenüber der Wartburg, erfolgt ist, reiht sich schon wenige Wochen später eine Feierlichkeit studenti- schen Charakters an, die sich zwar auf einen bei weitem nicht so umfangreichen Kreis ehemaliger und jetziger akademischer Bürger bezieht wie jene, durch die Persönlichkeiten der Teilnehmer jedoch das allgemeine Interesse in nicht geringerem Maße auf sich lenkt. Am 18. Juni begeht das Bonner Korps Borussia oder, wie der landläufigere Ausdruck lautet, die Bonner Preußen, die 75. Wiederkehr seines Stiftungstages. Zu der Feier haben sowohl der Kaiser und der Kronprinz, wie viele andere fürstliche Personen ihr Erscheinen zugesagt. Weun auf deutschen Hochschulen auch manches Korps blüht, das eine längere Vergangenheit aufweist, so ist das Bonner Jubiläum doch besonders geeignet, einen Rückblick auf die Entwickelung des studentischen Lebens vom Mittelalter bis zur Gegenwart zu werfen. Denn die Feierlichkeiten in Eisenach und in Bonn gelten jenen beiden Richtnngen der farbentragenden Studentenschaft, ivelche die politischen Strömungen in der deutschen Jugend des zu Ende gegangenen 19. Jahrhunderts am ausgeprägtesten kennzeichnen. Burschenschafter und Korpsstudenten sind in mehr als einer Beziehung Antipoden gewesen und sondern sich noch heute schroff von einauder; aber beiden gemeinsam ist die Treue und die Begeisterung für das große deutsche Vaterland, und wenn die jugendlichen Gestalten in vollem Wichs, das Cerevis keck auf das Haupt gedrückt, durch die Straßen ziehen, daun ruht auch das Auge des Philisters mit Wohlgefallen auf dieser flotten Jungmannschaft, in der sich ein Stück Zukunft unseres Volkstums verkörpert. ich's los. Ich hole Dich hernach wieder ab, mein Akmachen — amüsiert Euch recht schön, Kinderchen, und Hörste, Paul, sag' Deinem Alten, morgen abend um achte zum Skat!" Damit schob er sich ächzend durch die Menge nach seiner Equipage zurück, einer großen, geschlossenen Karosse mit zwei schwerfälligen, dicken Braunen und einem noch dickeren Kutscher. Paul war in der denkbar schlechtesten Stimmung. „Sie werden doch nicht mit der alten Schabracke aufs Eis gehen?" sagte er unwirsch zu Alma, die einen buntseidenen indischen Shawl kokett über die Schultern geworfen hatte. „Natürlich thue ich ihn ab, das ist nur zum Nachhausefahren", entgegnete diese nachgiebig, und warf ihn nachlässig einem dienstbaren Geist in der Bretterbude zu. Viele Kavaliere schnallten ihren Damen selbst die Schlittschuhe an, aber Paul kommandierte einen Schneeschipper, um Alma diesen Dienst zu erweisen. „Sie können ja überhaupt nicht laufen", brummte er, als Alma etwas unbeholfen, auf seine Hand und das Geländer gestützt, die Treppe nach dem Eis hinunterging. Er dachte dabei an Trautens geschmeidige Grazie. „Ich möchte es gern recht gut lernen", lächelte Alma. Aber ein scharf beobachtender, forschender Blick flog dabei über ihren Begleiter. So verstimmt hatte sie ihn lange nicht gesehen und sie wußte den Grund. Der alte Lehmigke hatte seinem Freunde Jänisch fein Herz ausgeschüttet über Pauls Mißerfolg bei Traute. Natürlich unter dem Siegel tiefster Verschwiegenheit, aber die Familie Jänisch hatte es ooch erfahren. „Jetzt oder nie!" sagte sich die kluge Alma, die es sich in den Kopf gesetzt hatte, Paul Lehmigke zu heiraten, weil er sie nicht haben wollte und alle anderen abwies, die sich um sie gerissen. Und während sie mit mäßiger Geschicklichkeit, aber nicht ohne Uebung an Pauls Hand dahinlief, erkundigte sie sich voll Teilnahme nach seinem letzten Geschäft, dem Gutskauf, und verriet ein für ein junges Mädchen erstaunliches Interesse für Hypotheken, Zinsen, Steuern und Kapitalsanlagen. Auf diesem Gebiete begegnete ihr Paul mit Achtung und sprach mit ihr wie mit einem Geschäftsfreund. (Fortsetzung folgt.) 856 Glieder der Bereinigung lvählten sich aus ihrer Mitte die Oberen, Chargierten, welche mit der Handhabung des Komments betraut waren, und von welchen der erste, der Präses, die Verbindung nach außen vertritt, während der zweite, der Fechtchargierte, die Mensur-Angelegenheiten unter sich hat. Der dritte Chargierte ist der Kassenwart, dem auch das Archiv untersteht; der Fuchsmajor endlich hat sich mit der Heranbildung der neu eingetretenen Füchse und deren Unterricht im Komment zu befassen. Eine derartige Organisation bedeutete einen wesentlichen Fortschritt in der Veredelung des studentischenWesens. Ter friedsame Bürger wehrte sich nicht mehr, wie es z. B. seinerzeit in Breslau der Fall gewesen, entsetzt dagegen, daß in seiner ruhigen Stadt eine Universität ge-> gründet werden sollte, von welcher er früher nur unaufhörliche nächtliche Ruhestörungen und pekuniäre Verluste zu befürchten Ursache hatte. Diese Entwicklung, bei welcher die Studentenschaft in den Augen anderer nur gewann, erlitt eine Unterbrechung durch die Wirren der französischen Revolution und die sich daran anschließenden langjährigen Kriege. Auch die studierende Jugend konnte sich dem erhebenden Eindruck der Befreiungskriege nicht entziehen, der den Keil der politischen Meinungsverschieden- l)citen in die Landsmannschaften trug. Viele von deren Mitgliedern hatten an den Freiheitskriegen mit bewaffneter Hand teilgenommen und trugen die patriotische Begeisterung in die Herzen der Jüngeren. Die Folge dieser Belve- gung war die Gründung der allgemeinen deutschen Burschenschaft, die zur Auflösung einer großen Zahl von Landsmannschaften führte, deren Mitglieder sich den Burschenschaftsbestrebungen anschlosscu. Ms jedoch infolge einer langen Reihe von unseligen Mißverständnifsen und besonders nach der Ermordung Kotzebues durch Sand allenthalben die Burschenschaften unterdrückt wurden, bildeten sich zahlreiche neue Landsmannschaften, die unter Absetzung von allen politischen Meinungsverschiedenheiten das Hauptgewicht auf einen frohen Genuß der Studienzeit und auf äußerste Wahrung der Ehre mit unbedingter Satisfaktion legten. Die meisten von ihnen nahmen im Verlauf des dritten Jahrzehntes des 19. Jahrhunderts den Namen „Korps" an, während andere, obwohl damit keine besonderen Unterschiede ausgedrückt sein sollten, den Namen „Landsmannschaft" behielten. Da auch viele der schon früher bestehenden Landsmannschaften die Bezeichnung als Korps annahmen, reicht das Stiftungsdatmn manches Korps noch erheblich weiter zurück. Das älteste von ihnen ist die am 11. Juli 1798 gestiftete Onoldia in Erlangen, dann folgen die Erlanger Baruthia und Münchener Suevia, beide aus dem Jahre 1803, die Hallenser Saxonia 1804, die Würzburger Fran- conia 1805, die Lusatia in Leipzig 1807, die Heidelberger Suevia 1810, die Savonia in Leipzig 1812, die Talatia in München 1813 usw. Die Universität Bonn erhielt ihre ersten Korps, nämlich die Rhenania und Guestphälia erst im Jahre 1820, während die Bonner Borussia erst im Jahre 1827 gegründet wurde und in der zeitlichen Reihenfolge der auf deutschen Hochschulen gegründeten 'Korps an 29. Stelle steht. Der Wunsch, ihren Mitgliedern bei einem Wechsel der Hochschule auch in der neuen Universitätsstadt die Fühlung und den Verkehr mit gleichgesinnten Elementen zu sichern, hat frühzeitig zur Kartellierung verschiedener Korps geführt. Buch das Streben nach einem alle deutschen Korps umfassenden Verbände fand seine Erfüllung durch den im Jahre 1855 zu Kosen an der Saale zu stände gekommenen Senioren-Convent, den „Kösener S.-C.", welchem in den darauf folgenden zwei Jahrzehnten sämtliche reichsdeutschen Korps beigetreten find. Die Versammlungen dieses Verbandes finden alljährlich zu Pfingsten in Käsen und auf der nahen Rudelsburg statt, wo sich ein farbenprächtiges Bild studentischen Treibens entwickelt. Auch auf den österreichischen Universitäten, deren ganze Einrichtung bekanntlich mit der der deutschen nahezu voll- konnnen übereinstimmt, sind seit dem Jahre 1850, wo die Wiener „Saxonia" gegründet wurde, eine Anzahl Korps entstanden. Die durchaus anders gearteten national-politischen Verhältnisse des vielsprachigen Donaustaates haben es jedoch verhindert, daß diese Korps sich im dortigen studentischen Leben eine Stellung erringen konnten, welche i derjenigen der deutschen Korps ähnelt. In der Schweiz vollends, deren Universitäten von einer bunt gemischten! internationalen Hörerschaft besucht werden, hat das Korps- studententum, wie überhaupt das Studentenleben uachdeüt-- schem Muster fast gar nicht Wurzel fassen können. Die Mensuren werden bei den Korps wie bei den meisten anderen schlagenden Verbindungen gewöhnlich mit der eigentlichen studentischen Waffe, dem Schläger, aus-, gefochten. Die Dauer derselben ist bei Bestimmungs-Men-, suren 15 Minuten. Bei wirklichen Forderungen betrügt diese jedoch 30 Minuten, oder der Kampf wird bis zur „Abfuhr" fortgesetzt. Tie Rechtsprechung der deutschen Gerichte bestraft die Mensur nach den Tuellparagraphen des Reichsstrafgesetzbuches, obwohl der einzige den Angriffen des Gegnerss preisgegevene Körperteil der Kopf ist, und alle Stellen,- deren Verletzung lebensgefährlich wäre, durch dicke Bandagen geschützt sind. Won den Herren aber, die mit strenger Amtsmiene über die Paukanten zu Gericht sitzen, denkt sicher mancher, der selbst einstmals aktiv war, mit stiller Freude an die Zeiten, da er mit Scheffels Trompeter von Säckingen von sich selber rühmen konnte: Bin ein flotter Bursch dann ivorden. Streifte viel durch Wald und Felder; Streifte nächtlich durch die Straßen, Serenadend, sporenklirrend. Und so einer schief wollt blicken. Fuhr die Hand mir an die Wehre. Auf Mensur! Die Klingen bindet! Los! das schwirrte durch die Lüfte; Und in manche glatte Wange Hat mein Schjläger flott und schneidig Sich ein Stammbuchblatt geschrieben. GLmsinnützrgss. Kinder sollen stets allein in einem Bett, niemals mit Erwachsenen zusammenschlafen, denn so unglaublich es klingeu mag, so wahr ist es, daß die Kinder durch das Zusammenschlafen nur Schaden an ihrer Gesundheit erleiden. Tie Erklärung ist leicht zu geben. Jeder Mensch scheidet unaufhörlich durch, die Hautathmung Stoffwechselprodukte aus, die als Gifte wirken und die den jugendlichen Organismus vergiften müssen, zumal das Schlafen, in den allermeisten Fallen noch in Federbetten geschieht, die jede Ausdünstung verhindern. Tann besteht aber auch ein Austausche der Nervenkraft, der derart stattfindet, daß der jugendliche Körper seine Nervenkraft auf den Körper des Erwachsenen überträgt. Diese Abgabe ist naturgemäß mit einer Schädigung der kindlichen Gesundheit verbunden, denn der Körper kann nur eine gewisse Menge Nervenkrast produzieren. Diese Thatsache, die Uebertragüng der Nervenkraft, war schon in alttestamentarischen Zeiten bekannt, ohne daß man die richtige Erklärung dafür hatte. Die Bibel weist verschiedene bezügliche Stellen auf. Der Beweis einer gesundheitlichen Schädigung des Kindes ist leicht zu erbringen in kinderreichen Familien, wo die Kinder gezwungen sind, entweder bei Erwachsenen oder bei älteren Geschwistern zu schlafen. Das jüngere Kind wird weniger frisch, am Morgen meistens abgespannt und müder sein wie am Wend, leichter zu Krankheiten neigen und überhaupt schlechter aussehen. S. (Prakt. Wegweiser, Würzburg.) Anagramm. (Nachdruck vertaten.) Ein Mann int alten Testament, Den aus der Schule jeder kennt. Verändert mau der Zeichen Stand Im Namen, w rd's ein Fleckchen Land, Drauf hielt man in gar strengem Baun Einst einen herrschgcwalt'gen Mann. Und stellt mau nm die Zeichen wieder, -Erquickt cs Seele, Leib und Glieder. (Austösung in nächster Nummer.) Airflösung des ÄÜortspiels in vor. Nr.: Mandel, Wandel, Handel, Ncdaklion: Curt Plato. — Rotationsdruck und Verlag der Brütl'schen Univ erst tä ts-B nch- und Steindrnckerei (Pietsch Erben) in Gießen.