Nr. 57. Freitag den 18. April. 1902 HW ^gtggFTäüie. H-Noii.Gie.ssen MM Übung bet Denkart, bet Gesinnungen unb Sitten ist bie einzige Etziehung, bie biesen Namen vetbient, nicht Untetticht, nicht Lehre. Gottft. Hetber. (Nachdruck verboten.) Die Möve. Rouiau in zwei Bänden von Zacharias Nielsen. Autorisierte Uebersetzung aus dem Dänischen von Mathilde Mann. (Fortsetzung.) Während der ersten Tage fühlte sich Böse nicht so recht wohl ans dem Mühlenhofe. Eine unüberwindliche Müdigkeit über den Lenden, Kopfschmerzen und Mattigkeit in den Beinen machten ihn ganz mutlos. Auch die Umgebung paßte nicht so recht zu ihm: Thomas war ihm zu lärmend, Fräulein .Helene zu schweigsam, die Madame zu fett und der alte Müller, der herumhüpfte wie ein Knabe und in Schnupftabak und heiteren Lebensbetrachtungen schwelgte, plagte ihn jedesmal, wenn sie einander begegneten, mit seiner Politik. Am besten gefiel ihm noch der alte Redakteur. lieber seiner kleinen, steifen Erscheinung lag ein Gepräge von Würde, ein Hauch von edler Vornehmheit, die wohlthnend gegen das gewöhnliche Benehmen der Müllersleute abstach. Die Tochter hatte auch etwas davon, etwas würdevoll Abgemessenes, das zur Beachtung zwang — man mochte sie nun mögen oder nicht. Aber man konnte ihr ja nicht nahe kommen. Jeden Tag ging er ein wenig zu dem alten Redakteur hinüber und unterhielt sich mit ihm, aber allmählich wurde es ihm klar, daß das, was er für edle Würde, für den feinen Adel des Herzens gehalten hatte, der die Menschen zu den Höhen der wahren Bildung erhebt, nichts weiter war, als die Außenseite eines verhärteten Starrsinnes, der keine andere Lebensformen duldete als die, welche vor einem halben Jahrhundert gegolten hatten. So zog er sich denn nach und nach wieder von ihm zurück, und als der Alte merkte, daß sein neuer Bundesgenosse ihm so bald untreu wurde, warf er ihn ohne Barmherzigkeit zu all dem andern Rumpelzeug, das er im Laufe seines ganzen Lebens gewogen und für zu leicht befunden hatte. Aber die herrliche Natur, die Felder mit dem Zauber der einsamen Wege, das Sausen des Weidengeheges, das grünlich schillernde Meer, die Wiesen, der Wald — wie neu und frisch war doch dies alles dem kranken Stadtkinde! Lichte Erinnerungen aus seinem früheren Leben in der freien Luft, als er sich gesund und fröhlich zwischen Torfmooren und Rapsfeldern bewegte, stiegen in ihm auf und vereinten sich mit der heimlichen Hoffnung auf Genesung, Nach und nach gewöhnte er sich auch an das Leben auf dem Hofe, ihm gingen allmählich die Augen darüber auf, daß es im Grunde doch eine Schar guter Menschen war, die ihn Umgab — jedenfalls die beiden alten Müllersleute und Thomas. Wie er sich zu der eigentlichen Hausfrau, Fräulein Helene, stellen sollte, wollte ihm nicht recht kar werden. Sie war ein eigentümliches Mädchen. In äußerer Beziehung freilich- — das mußte er zugeben — that sie alles, was nur gethan werden konnte, damit er sich wohl fühlen sollte. Sein Zimmer wurde aufs zierlichste gehalten und jeden Tag sorgfältig gelüftet, die Betten häufig gesonnt und geklopft, auf seinem Tisch standen stets frische Blumen, und dreimal des Tages setzte man ihm eine Kanne boll frischer Milch hinauf. Aber — das Wichtigste fehlte ihm trotzdem. Eines Abends kam Thoinas aus der Stadt mit einem neuen, weichen Plüschlehnstuhl, der ebenfalls auf sein Zimmer hinausgetragen wurde. „Das ist aber doch zu arg, Thomas!" — „Ja, von mir stammt der Gedanke nicht, aber das bleibt sich ja gleich; gut haben sollst Du es bei uns!" Helene eilte ans dem Zimmer hinaus. So war sie. Wo blieb die offene, herzliche Teilnahme, die dem Ganzen Wert verleihen konnte, und die allein imstande gewesen wäre, ihn zu überzeugen, daß die Gastfreundschaft, die man ihm erwies, aus herzlichem Wohlwollen entsprang, und nicht aus jener leeren Rücksichts- nahme, die man in jedem gebildeten Hanse dem Gaste erweist, selbst wenn man ihn im Stillen auf den Blocksberg wünscht. Wenn sie hin und wieder ein ermunterndes Wort an ihn richtete: „Es wird sicher wieder alles gut", „Sie sehen wirklich schon viel Wohler aus", oder dergleichen, da war es, als nähme sie ihre Teilnahme zurück, indem sie die Augen niederschlug und irgend etwas im Zimmer in Ordnung brachte. Ihm konnte ganz elend zu Mute werden, wenn er an ihr sonderbares Benehmen dachte. Sie gefiel ihm im übrigen so gut. Es war etwas Feines, Weibliches in ihrem ganzen Auftreten, etwas Plastisch-Schönes in der Art, wie sie ihren Kopf trug, und etwas Tüchtiges, eine ruhige Ueberlegenheit in ihrer ganzen hausmütterlichen Beschäftigung. Eines Abends kam Thoinas zu ihm in den Garten hinaus. „Tu darfst nicht zu so später Stunde hier außen sitzen." „Ach, ich glaube nicht, daß es schaden kann." „Tu kannst aber doch ebensogut hineingehen. Helene sieht die ganze Zeit zum Fenster hinaus und beunruhigt Dieser kleine Zug that ihm wohl. Wer weshalb konnte sie denn nicht selber kommen? Gr ging täglich an den Strand hinab und nahm em — 226 geraten, denken: Ach —■ noch niemals habe ich jemand p geliebt! Da ist keine Spur von Zweifel! Nein, mein Freund, erst wenn sie so richtig miteinander leben, wenn sie sich schnäbeln und zanken dürfen und sich gegenseitig so recht auf den Grund der Seele schauen, dort wo diy großen Adern liegen, erst dann können sie sich gelber sagen, ob sie für ein gemeinsames Geschirr passen." „Tas ist eine schreckliche Lehre! Was wird dann aus den heiligen Gelöbnissen und —" „Man braucht ja nicht mit heiligen Gelöbnissen zu kommen, wenn man sich verlobt. Man kann ja nur sagen: Wollen wir versuchen, ob es gehen wird? Und wenn es nicht gehen will, oder wenn es sich herausstellt, daß es mit einem andern besser geht, so--" „Thomas", unterbrach ihn Helene, „Tu sprichst so leichtfertig über diese ernste,l Dinge." Za, das könne nichts nützen; wenn zwei Menschen einander lieb hätten, so recht aus Herzensgründe, so habe der liebe Gott selber sie für einander bestimmt, uiid dann sollten sie einander, weiß Gott, auch haben, und wenn sich auch alle Seligkeitspriester dieser Welt auf die Hinterbeine setzten. Er wolle freilich einräumen, daß mau stets am besten thue, wenn man sich die Sache gründlich überlege, ehe man hinginge und die Hand ausstrecke denn e» könnten ja doch große Unannehmlichkeiten aus so einer ^CiSzogeS'das Fuhrwerk in die Försterei hinein. Der Müller, der gern eilten Augenblick mit Pensen plaudern wollte, möglicherweise bei einem Glase „eiskalten Beers, beredete seine Braut und Böje, nach dem Birkenmoor vorauszugehen. Der Unterförster sah ihnen nach und klemmt« das Auge zu, sodaß es zu einer Grube aus Runzeln wurde, überschattet von langen, sonnenverbrannten Haaren. Sie gingen und gingen, aber es kam kein Thomas. Tas letzte Ende des Weges wand sich launenhaft durch ein Tickicht von kleinen Tannen und Haselbüschen. Als ste um eine dichte Laubecke bogen, lag plötzlich das Moor tote ein heller sonnenbeschienener Spiegel vor ihnen. St« beschatten." c ,, „Ja, das kam nur eben infolge der Biegung, die wir machten." , . , Thomas wandte sich halb um und knüpfte ein Gespräch mit Böje über den Unterförster an. „Ja, es war ein Skandal, wie sich das Mädchen ihm ; gegenüber benahm", meinte Böje. . . „Ach, das hat er längst abgeschüttelt. Du solltest nur sehen, wie dick er geworden ist." „Kann sein; deswegen aber war ihr Unrecht gleich groß." „Unrecht? Zum Teufel auch, wenu sie nur zu der Einsicht gelangte, daß sie nicht glücklich mit ihm werden konnte, daß sie es dagegen mit einem andern werden würde, so war es ja ganz in der Ordnung, daß sie ihm seinen Abschied gab und mit dem andern davonlief." „Sind Sie auch der Ansicht, Fräulein Rabe?" „Nein, das bin ich keineswegs." , „Ja, darüber können Helene und ich nie einig werden", sagte Thomas, sich umdrehend und ihr einen Schlag mit dem Ende der Zügel versetzend. „Ich bin nun einmal für die Freiheit! Freiheit, die ich meine, Tie mein Herz erfüllt." „Ja, aber, Thomas — zwei Menschen, die gebunden sind", wandte sie ein. „Gebunden? Tas ist doch kein Weberknoten; der läßt sich lösen, sollte ich meinen." „Ja, die Welt ist stets so schnell zur Hand, wo es sich darum handelt, Knoten zu lösen", warf Böje ein. „Wir sind in diesem Punkt zu einer Schlaffheit gekommen, die sehr untergrabend für die Sittlichkeit ist. Es geht damit, wie mit dem Recht, das man der „Genialität" einräumen will, die alle Schranken zerbrechen kann: die großen Geister haben die starken Triebe, für sie gelten andere Gesetze als für andere Sterbliche, sie dürfen sich soviel sie wollen in dem Pfuhl der Unsittlichkeit tummeln, und es ist beschränkt und engherzig, wenn wir andern es wagen, frisches Wellenbad. Oft ließ er sich sein Wendbrot mit- . mit dem Finger auf die Gebote der Moral und des' Christen- aeben und verzehrte es, auf dem Tang liegend. tums zu zeigen." . rrj Cs war doch sonderbar, daß sich seine Einbildungskraft „Hm! Aufrtchttg gestanden, finde tch nicht, daß dies fast unablässig mit Helene beschäftigte. Bald zerbrach er hierher gehört, Ew. Hochwürden." . sich den Kopf über die stille Glut in ihren Augen, bald „Ja, man geht darauf aus, dem Menschen das trete Mer eine rätselhafte Antwort oder ihr plötzliches Rot- und Recht zu verschaffen, sich in allem so einzurtchten, >vie Blaßwerden. Gott tut Himmel mochte wissen, wie es eigent- seine Lüste es ihm vorschreiben. Ketne Fesseln mehr: Frei- lich in ihrem Innern aussah. Waren dort weite Flächen heit den Lüsten! Die Natur hat stets recht! Mas sich mit frischem Lufthauch, tiefe, klare Wasser mit färben- I durch die natürlichen Triebe zu einander hingezogen fühlt, reichen Wolkenspiegelungen? Oder waren dort Engpässe, I soll zusammengehören, mag es mit Gelöbnissen und nut in denen man voller Angst in die Höhe schaut, besorgt, der Sittlichkeit aussehen, tote es will." daß sich die Wände plötzlich schließen könnten? „Hm, ja! Sag' nur doch einmal, Hans Bote, falls! Eines Tages erbot sich Thomas, ihn in den Wald I Tu an ein Mädchen gebunden warst, von dem Du wußtest,- ,. t f ~ 0 ~ | daß sie einen andern lieber hatte — wurdest Du ste dann 2 ’S mr gern dazu bereit. heiraten - würdest Du kaltblütig und mit offenen Augen Komm mit Helene, dann packen wir eine Flasche Wein tn dte Holle htnetnspazteren?" , und "ein vaar Kuchen ein." »In die Hölle? Nein, ich würde ste durch mente Steße Sie hatte anfänglich allerlei Ausreden, kam aber doch zwingen, mich lieb zu haben. Und wäre ste em Wetb von tofief’Iim mit ' der rechten Sorte, so wurde ste rntch ließen.", ; Als sie oben im Begriff waren, zu fahren, kam der I „Dich ließen mit einer Liebe, die alles in ihr,umalte Müller herbeigestürzt, das Haar ganz voller Heu. I wenden würde, sobald Tu ihr den Mund zum Kusse botest. Wohin wollt Ihr denn?" Er wäre gar zu gern mit- I Nein, dafür danke ich doch!" aeiabreu Tie Liebe lasse sich nicht erzwingen, die komme von b Ja Vater, so fahre Du, dann bleibe ich zu Hause! I selber, meinte der Müller, genau so wie der Hunger. Und Tu Ächt NN, -N d,° dumm-n Achsen denken. ‘ wen» ,i- sich --st !» «cht ststs-s-tzt h°l«, so !-> I'° auch „Nein, nein! Fahrt nur! Fahrt nur!" nicht mehr zu vertilgen, außer mit Rattengift oder Karbol- Tie Sonne brannte mit ihrem ruhigen Schein säure. , . , „... _ durch einen rötlichen Wärmenebel, die Luft war mit „Aber die Sache ist dte, mein lieber Boze, Tn kennst einem warmen Duft von Kühen und Grünfutter ge- I diese Gefühle hier tn der linken Sette nur so vom Horen- scbwängert, am Wege entlang stand das Unkraut und schlief sagen! Wart Du nur, mein Freund, bis Du einmal grund- mit schwefelgelbem Pulver auf den hängenden Blättern. I lich von Amors Pfeil getroffen bist, dann wirst Du sehen, Helene und Böje saßen hinten im Wagen, während sich tote es inDir kochluudschaumt. Thomas in einsamer Größe auf dem Vordersitz ausbreitete ge konnten durchaus nicht g VerlÄnisses, und Krieg mit den Bremsen führte, die einen ungeheuren Helene bSPi/ ffi8Prf,t he§ ?iertens vries Appetit auf das sommersprossige Fleische seiner Hände der- wahrend' Zomas- das freie Recht d 2 ,^111 werdend, rieten. Der kleine langhaarige Oeländer trottelte mit I ^^"Mensch!" begann Böje aufs neue, ganz warm weroeno. herabhängenden Ohren den Weg entlang. Hin und wieder I »^ preist natürlich at ch f $ eh« legte er jedoch diese Gliedmaßen hintenüber nut einem aßet tcf) W- e itmgen Seute M । jP urer^ ) schelmischen Lächeln, als freue er sich darüber, daß die dicken ste di: Hand ausstreMi^?'°den7serz n anzusteW Staubwolken, die er aufwirbelte, die gehörige Wirkung auf so ist es zu spat, em Verhör imt dm ■«8« natfiiftbie — 227 nicht überschritten werden kann. Welche Bedeutung die Anwendung des Hypnotismus zur Dressur von Tieren und vielleicht auch in der Tierheilkunde gewinnen kann mutz durch weitere Untersuchungen bewiesen werden, an denen es wahrscheinlich nicht mehr lange fehlen wird, da sie auf ein ungewöhnlich interessantes Gebiet fuhren. Rätsel. (Nachdruck verboten.) Zwei liebliche Schwestern verbanden sich Und sind dann als Eins nur bekannt: A,z Zwei in Deutsü land geboren, als Eins Gestorben an deutschem Strand. Und wird dem Einen ein anderes Herz, Ein fleißiger Mann wird genannt; Jin dürftigen Heim ost sür kärglichen Lohn Schasst nützlichen Stoff seine Hand. Und Einen auch ncnnt's, dem der Muse Gunst Ten Kranz des Ruhmes wand, Ein Meister im Reich der Töne, der Viel holde Weisen erfand. (Auflösung in nächster Nummer.) Auflösung des Telegraphenrätsels in vor. Nr.r Wer Neider hat, hat Brot; wer keine h°t, hat N°t (Weber, Nest, Lieder, Schatz, Haut, Berlin, Note, Zwerg, Kerl, Nnrh Schatten, Schalter, Knoten.) feit erfordert. Nach der Beurteilung des Augenarztes ist noch ein Punkt mit Bezug auf die Schreibmaschine hervorzu- heben, nämlich die Thatsache, daß sich gewisse Fehler des Auges bei Benutzung der Maschine besonders bemerkbar machen. Die Notwendigkeit, den Blick schnell auf die Tasten zu fixieren, erlegt den Augenmuskeln eine Spannung auf, die beim Vorhandensein bestimmter Augensehler nicht geleistet werden kann. Diese Fehler kommen häufig erst durch die Thätigkeit an der Schreibmaschine zum Vorschein, während sie sonst für den Betreffenden unauffällig geblieben waren. ____________ gingen ein wenig zur Seite, um den blendenden Schein ■ durch die Schilfspitzen dämpfen zu lassen und um gleichzeitig einen schönen Aussichtspunkt zu fmden. j Tort breitete sich der große, stille Wasserspiegel aus, I mit grünlichen Schatten und himmelblauen Lichtslecken I überzogen, von allen Seiten vom Walde umrahmt utib | mit einem breiten Kranz von Schilf verbrämt, dessen ferne j Spitzen im Lufthauch erbebten. Hunderte von Stampfen längst erstorbener Erlen reckten hie und da ihre schwarzen Köpfe über die Wasserfläche empor, rings umher lagen kleine verstreute Inseln, von denen dre dicken Zwergbündel I der Moorweide in eine schwankende Schicht von Wasserpflanzen herabhingen. Hin und wieder strich eine Schwalbe stber den Wasserspiegel, mit dem Bauch ernen langen spitzen Winkel beschreibend, der sich erweiterte und einen kurzen Augenblick zitterte, bis ihn ein neuer zerstörte. Rohrdommeln und Wasserwachteln schlüpften zwischen den Wasserrosen umher und suchten ein Versteck unter den Weiden- zweiqen. Auf der anderen Seite des Moores, dicht an der I äußersten Grenze des Waldes nach Westen zu, wurde der Hintergrund von einer Reihe von Birken gebildet, deren I Kronen ineinander wuchsen und eine lange, riesenhafte Laub- I fette bildeten, die sich eigenartig abhob von den weißen Cäuleii der Stämme und dem schimmernden Wasser davor. Böse stand schweigend da und schaute über das Moor. Er war nahe daran, derselben weichen Rührung nachzugeben, die ihn am Morgen nach seiner Ankunft auf dem | Hügel ergriffen hatte. . . Helene stand da und fächelte sich unruhig mit dem S""",Man wird ein guter Mensch durch den Verkehr mit! der Natur", sagte er und näherte sich ihr einen Schrnt. „Man sieht etwas von Gottes Absicht m der ganzen Natur, etwas, das auf Entwickelung und Harmonie schließen lagt. „Ja, wenn man der ganzen Schöpfung so recht auf den Grund sehen könnte, so würde man Gott überall finden, meiut^ sw^en einmal hinüber — das Sonnenlicht auf ben weißen Stämmen, bte weichen Rundungen der Buchenkronen dort rechts, das Spiegelbild im Blasser ach es wird einem so wunderlich dabei zu Mute, man empfindet einen Drang, zu lieben, zu leben, zu gemeßen, sich in schönere, reinere Lüfte emporzuschwingen. (Fortsetzung folgt.) Uetzer Suggestion und Hypnotismus bei Pferden hat Dr. Rouhet in einem inhaltreichen Werk über die „voll-, ständige Erziehung des Menschen" einige auffallende Mitteilungen aus eigener Erfahrung veröffentlicht. Seit langer Zeit hat sich Rouhet mit der Dressur von Pfader, beschäftigt und dabei festgestellt, daß der energische Will« des Menschen auf das Pferd eine Wirkung zu erzielen vermöge, die bis zur Suggestion und sogar bis zur Erzeugung eines hypnotischen Zustandes führen könne. Vom, allgemeinen Standpunkt betrachtet, wäre es gar nicht ersichtlich, waruni die höheren Tiere, also auch das Pferd, suggestiven uud hypnotischen Beeinflussungen nicht zugänglich sein sollten. Schon die Thatsache der Dressur spricht ja dafür, denn eigentlich handelt es sich dabei doch lediglich darum, daß der Wille des Menschen dem Tier suggeriert wird. ES muß also gewissenmaßen eine leitende Verbindung zwischen der Gehirnthätigkeit beider Wesen hergestellt sein Wie di^e zustande kommt, ist freilich bisher wissenschaftlich noch nicht aufgeklärt worden. Für ihr thatsächliches Vorhandensein bringt Rouhet einige hübsche Beweise vor. Er hat feine Pferde mittelst einer Art geistiger Erziehung dresfiert. -ras eine seiner Pferde nimmt ihm das Taschentuch aus der Tasche und findet es sogar mit verbundenen Augen aus. einem Versteck heraus. Die Stute „Olga" stößt ihren Herrn mit dem Kopf, sobald dieser es wünscht, und sie ist so geduldig, daß Rouhet auf ihr ausgestreckt schlafeu kann, so lange es ihm gefällt, ohne daß das Tier sich regt. A.te Stute vermag auch aufrecht in einem Stuhl zu fitzen., sind nur Kunststücke der Dressur, wie man sie fast m feomn Zirkus zu sehen bekommen kann. Das Neue an der Erfahrungen von Dr. Rouhet Hegt eben darin, daß er das Nervensystem eines ferner Pferde, das er aus den Namen „Germinal" getauft hat, so vollkommen beherrscht, daß er es beliebig einschläfern kann. Wenn das Pferd fflch vach I einem hypnotischen Schlaf wieder erhebt, so pflegt es sich I zu recken, wie es gewisse Pferde thuu, wenn sie plötzlich aufgeweckt werden. Man darf übrigens nicht vergessen, datz der Schlaf des Pferdes in gewöhnlichem Zustand ein außer- I ordentlich leiser ist und daß es somit nicht erstaunlich ist, wenn der hypnotische Zustand bent gewöhnlichen Schlaf ähnelt. Es ist mehr ein Traumzustand,, wie er auch bei I vielen Menschen, die einem tiefen hypnotischen Schlaf, nicht werte Anstrengung macht, und man kann sagen, daß nacy Erwerbung der nötigen Hebung das Auge überhaupt nur noch selten in anstrengendem Grade herangezogen zu werden braucht. Jedenfalls werden dem Auge bei der Her- stellung der Maschinenschrift sehr viel geringere, Beim,h- ungen zugemutet, als beim Gebrauch der Handschrift. Nun kommt es aber in Frage, ob diese Entlastung auf der einen Seite nicht durch eine vergrößerte Anstreugung auf der anderen Seite erkauft werden muß, nämlich durch eine übermäßige Heranziehung der Hand- und Armmuskeln. Es ist in dieser Beziehung feie kühne Aeußeruug gemacht worden, daß jemand 58 Stunden ohne längere Unterbrechungen, arbeiten könne, ohne eine wesentliche Ermüdung der Hanoe zu empfinden. Nach den zahlreichen Beobachtungen die in beut großen Bibliographischen Institut in Paris gesammelt worden sind, werden diese Angaben im wesentlichen als richtig bezeichnet. Freilich ist die Behauptung, daß jemand 58 Stunden hintereinander ohne Ermüdung an der -Lchreio- niaschine thätig sein könne, ziemlich wertlos. Man sollte sich mit der Feststellung begnügen, daß das Schreiben auf der Maschine die Hände und Arme nicht merklich ermüdet, nachdem eine gewisse Uebung erlangt ist. Die Abspannung, die schließlich doch wohl stets zur Notwendigkeit enter Unterbrechung der Arbeit vor Ablauf jener 58 Stunden fuhren würde, liegt vielmehr auf geistigem Gebiet, indem das Schreiben doch einen gewissen Grad ständiger Ausmerkfam- Tie Augenärzte sind, soviel man bisher darüber erfahren hat, zu der Ansicht gekommen, da „ durch den Gebraucy oer Schreibmaschine das Auge entlastet wird. Eine kürzlich veröffentlichte ärztliche Schrift über Augenkrankheiten, oie von der Pariser „Gazette Medieale" besprochen wird, hat eine große Zahl von Beweisen zu Gunsten dieser Anjicyt geliefert. Die Buchstaben auf den Tastender Schreibmaschine V|CI,CII -vicuju,«.», vlv .....■ - ... •„ sind so groß, daß ihre Erkennung dem Auge reine nennens- »bänglich sind, durch die Beeiuflussnng des Hypnotiseurs 228 Wodenöericht üöer Arühjahrskkeider. Bearbeitet und mit Abbildungen versehen von der Internationalen Echnittmaunfaktur Dresdcn-N. Reichhaltiges Modenalbum und Schnittmusterbuch zu 50 Pfg. daselbst erhältlich. Modell Wo. 219. Modell No. 223. Modell No. 220. geboten hat. Redaktion: I. V.: R. Dittmann. — Rotationsdruck und Verlag der Brüh l'schcn Universttäts-Buch- und Stcindruckerei (Pietsch Erben) in Gießen. noch die oben engen, unten weiten Bündchenärmel, wie sie Modell 223 aufweist. Durch verschiedene Garnituren, wie z. B. gesteppte Fältchen, Besätze oder mannigfache Aufschlagmanschetten werden sie bis ins Unendliche variiert. Ebenso kann man die, durch eine hohe Manschette ergänzte Ellenbogenpuffe, wie sie an Modell 220 ersichtlich ist, auf das verschiedenste ausgestattet, es zeigtB. Modell 219 eine sehr kleidsame Ausführung, indem die Puffe am Ellen- bogeu zu einem vollen Bausch ausspringen. Nächst den Aermeln sind es die verschiedenen Schultergarnituren, welche der diesjährigen Taille ihr modernes Gepräge verleihen; es nehmen unter denselben die breiten Schulterkragen, meist aus Spitze bestehend, wohl den ersten Platz ein. Für diese Spitzenkragen bietet die moderne Industrie das verschiedenartigste Material, indem man nicht immer nötig hat, diese Kragen fertig zu kaufen. Man kann sie vielmehr aus geeigneten, meterweise käuflichen Spitzen in geschmackvoller Weise selbst Herstellen, indem man die einzelnen Muster der Spitze auseinanderschneidet und in der Form des Kragens wieder zusammensetzt, wobei man außerdem für den Fond den so außerordentlich modernen Filetstoff verwenden kann. Aus der Vorliebe der Mode für Schulterkvagen er- giebt sich auch die Neuaufnahme der berthenförmigen Garnituren, 'tote sie aus Modell 220 zu ersehen ist. Dieselben existieren natürlich in den allerverschiedensten Formen und geben willkommene Gelegenheit zur Anbringung der ver- Auf die Gefahr hin, banal zu erscheinen, kann ich heute tiudj nicht umhin, darauf hinzuweisen, daß der Mensch, insonderheit die Fran im Frühjahr „wenn die Erde mit frischem Grün sich schmückt" mehr als zu jeder anderen Jahreszeit das Bedürfnis hat, sich ebenfalls neu zu kleiden und zu schmücken und sich so in Einklang mit der neuerstandenen Natur zu bringen. Daß dies mit einem gewissen Uebergang zu geschehen hat, indem man nicht gleich Helle Stoffe, Spitzen und Bänder und die ganze Sommerherrlichkeit zur Kleidung wählt, dafür giebt uns auch die Natur das Beispiel, denn and} sie fängt erst mit frischem Grün an und entwickelt erst allmählich ihre ganze Blütenpracht. Ebenso wird der subtile Geschmack der Großstädterin sich fürs erste mit der Neuanschaffung eines geeigneten Straßenanzuges beschäftigen, was um so weniger Schwierigkeiten bietet, als die Mode in dieser Beziehung auf das Ausgiebigste vorgesorgt hat. Diese Straßenanzüge, welche fast ausnahmslos aus einem Jäckchenkostüm bestehen, zerfallen gewissermaßen in zwei Gruppen und zwar in solche, welche aus Rock, Jäckchen und Blouse bestehen, und solche, welche sich nur aus Rock und Jäckchen (letzteres nur durch, einen Einsatz oder Weste ergänzt) zusammensetzen. Je nach seinen Bedürfnissen wird man das eine oder andere wählen, denn die Formen, wenigstens was die Bolerojäckchen und Blousenjackets- betrifft, sind wohl meistens die gleichen. Mw haben dieselben schon eingehend im vorigen Modenbericht beschrieben. Auch die Form der Röcke bietet in diesem Genre wenig neues, wenn man nicht den fußfreien Rock zu den Neuheiten zählen will, im übrigen ist in den beiden Gattungen Tütenrock und Volantrock im Grunde genommen alle Neuheit zusammengefaßt, biur bei diesen Anzügen sind hauptsächlich die Stoffe und.Witter diesen in erster Linie die deux faces Gewebe, welche früher unter dem Namen „Reversible" besonders für Gols-eapes Verwendung fanden. Man hat jetzt darin die überraschendsten und geschmackvollsten Farbenzusammenstellungen, indem die wolligen, fast gar nicht gemusterten dunkelgrauen, blauen, oder braunen Stoffe, Rückseiten in den lebhaftesten Farben, meist Schotten, aufweisen. Tiefe lassen sich in der mannigfachsten Art und Weise als Garnitur verwenden, wie zu Kragen und Revers, Rockbesatz tc. und ersparen außerdem das Futter. Ebenso sind bei den anderen Frühjahrskleideru die Grundformen von Rock und Taille wenig verändert, indem sich die hauptsächlichsten Neuheiten mehr an nebensächlichen Teilen, sowie am Material und an der Garnierung zeigen. So ist z. B. die Form der Taille unverändert im Rücken anliegend und vorn blousig. Die Aermel haben sich jedoch ganz bedeutend verändert, und man kann an ihnen die Vielseitigkeit der Mode bewundern. Am einfachsten sind sckiedenen Garnituren. Auch die Fischüs (siehe Modell 219) sind mit zu den modernen Schultevgarnituren zu zählen, doch dürfen diese wohl mehr für die duftigen Hoch- xommertoiletten reserviert bleiben. Tie Hauptsache an einer modernen Frühjahrstotlette bleibt wohl aber immer noch, der Rock, und obgleich Nur demselben späterhin noch, einen ganz besonderen Artikel widmen werden, wollen wir doch bei diesem allgemeinen Ueberblick über die Frühjahrsmode nicht verfehlen, die hauptsächlichsten bezüglichen Neuheiten zu erwähnen. Es. sind die Röcke mit Blenden und ganz flachem Serpentine- Volant, welche in Paris mit dem Spezialnamen „Pelerine" bezeichnet werden. Diese übereinanderfall-enden Serpentine-Volants müssen so flach sein, daß sie sich nur wenig vom Rock abheben, aus welchem Grunde mau ihren unteren Rand bequem mit Passepoils-Borten oder anderen Garnituren versehen kann, ohne daß sie zu tollig fallen. Ebenso sind die Blenden nur ganz wenig serhentineförmtg ge- schnittten, können aber doch der Serhentmeform nicht ganz entbehren, was eben gerade die Schwierigkeit hei ihrer stellung bedeutet, denn die Form des Futterrockes, auf welchen diese oft nicht breiter als 6—8 Ctm. breiten, dabet eine über die andere fallenden Blenden gesetzt werden, hat ebenfalls Serpentineform, sodaß diese allerdings die letzte Neuheit repräsentierenden Blendenröcke mit zu den kompliziertesten Schnittformen gehören, welche die Mode je