1902. — Nr. 138 Mittwoch den 17. September, f" ngnaaS^i JO l^bb iw ’Aft mm 111 DMMW (Nachdruck verboten.) Die Viper. Nach dem Französischen bearbeitet von H. Revel. (Fortsetzung.) 4. Kapitel. Nachdem der Kommissar einige Aufzeichnungen gemacht hatte, fragte er den Portier plötzlich in ganz natürlichem und unbefangenem Tone: „Wieviel Uhr war es, als gestern abend Herr von Sempach zu Frau von Sanden gekommen ist?" Karl war verwundert. „Gestern abend ist er doch gar nicht hier gewesen." „Sind Sie dessen gewiß?" „Ich habe ihn nicht gesehen." Die Portiersfrau aber machte eine Bewegung, als ob sie etwas sagen wollte. „Was denn? Was wollen Sie sagen?" fragte lebhaft der Kommissar. „'s ist nur, weil — —" „Was?" Statt einer Antwort wandte sie sich in ihren Gatten: „Kannst Du Dich nicht mehr erinnern, daß gegen 11 Uhr nachts gestern, jerade als wir zu Bett gehen wollten, jemand gerufen hat, daß man ihm aufmachen soll?" „Ja, richtig, das ist wahr", stimmte der Portier zu. „Du hast mich dann noch gefragt: „Nanu, wer geht denn um die Zeit noch weg?" und ich hab Dir noch gesagt: „Kiek doch mal nach!" „Ick habe auch rausgesehen." „Run, und?" fragte der Kommissar gespannt. „Haben denn hier die Mieter keine eigenen Hausschlüssel?" „Nee, bei uns nicht. Wir drücken auf einen Jummi- proppen, und dann geht die Thüre von alleine auf. Ich habe aber nicht gut sehen können, — denn ich war auch schon halb verschlafen, weil ich 'nen Kleinen zu mir genommen hatte. Aber ich erinnere mich noch so dunkel, baß es ein großer Herr gewesen ist." „Etwa von der Größe des Herrn von Sempach?" „Ja, das könnte wohl so stimmen." „Seine Züge konnten Sie nicht erkennen?" „Nee, Herr Kommissar; er ist furchtbar rasch an unserm Kiekfenster vorbeigelaufen. So viel ich mir noch erinnern thu, hatte er auch den Kragen seines Mantels hochgeklappt." „Und Sie haben ihm so ohne weiteres das Thor geöffnet, ohne ihn zu fragen, woher er käme?" „Ich hab' janz ohne mir was zu denken, an den Ballon gedrückt, und da ist er hinaus." -,Und dann sind Sie wieder etngeschlafen, nicht toal)r?" >,Jawoll, denn ich war mächtig müde. An das! allens hätte ich mir ja gar nicht mehr erinnert, wenn nicht jetzt meine Alte —" „Es ist ein sehr glücklicher Umstand, daß sich Ihre Frau statt Ihrer daran erinnerte." Jetzt wandte er sich an die Portierfrau. „Können Sie mir vielleicht noch sagen, wann jene Person, die um 11 Uhr das Haus verlassen hatte, durch die Hausthür hereingekommen ist?" „Nee, Herr Kommissar, kann ich nich. Hereinkommen hab' ich ihn nicht gesehen. Was das betrifft, so weiß, ich das ganz bestimmt." „Sie haben den ganzen Abend Ihre Loge nicht verlassen ?" „Nee, Herr Kommissar, weder ich noch mein Oller.^ „Sie sahen also jeden vorübergehen?" „Gewiß, jeden einzelnen. Wir passen höllisch auf, besonders am Abend. Wenn der Herr ins Haus gekommen is, denn muß es wohl bei Tage noch gewesen sein." „Sie nehmen also nicht an, daß er vielleicht doch noch gegen 10 Uhr abends irgendwie ins Haus gekommen war, ohne daß Sie es bemerkt hätten?" „O nein, Herr Kommissar, das ist ausgeschlossen.^ Der Polizeikvmmissar gab seinem Protokollführer abseits den Auftrag, bei allen Parteien des Hauses nachzu- sragen, ob eines ihrer Mitglieder um 11 Uhr abends ausgegangen wäre, ooer Besuch gehabt hätte, der im Laufe des Abends weggegangen war. Hierauf entließ er bte Portiersleute, ließ Minna im Vorzimmer, und kehrte wieder in den Salon zurück, um jedes Stück mit peinlicher Sorgfalt zu untersuchen. Als er damit fertig war, kehrte der Protokollführer zurück und teilte dem Polizeikommissar mit, was für Auskünfte er erhalten hatte. Die Partei in der ersten Etage hatte ihren Wend zu Hause verbracht in Gesellschaft zweier Freunoe, Mann und Frau, die um 10 Uhr weggegangen waren, als die Gasflammen noch brannten, und das ganze Haus erleuchtet war. Ein junges Ehepaar, das zwei Treppen wohnte, wollte erst um Mitternacht aus dem Theater heimgekehrt sein. Die Parteien vier Treppen hoch waren weder ausgegangen noch hatten sie Besuch gehabt. Ein gewisser Keßler jedoch, einer der Mieter der fünften Etage gab Auskünfte der größten Wichtigkeit. Ws dieser um 10 Uhr und etliche Minuten im Begriff gewesen war, auszugehen, und eben das Thor wieder schließen wollte, trat ein ihm unbekannter Mensch lebhaft auf ihn zu, und war so, ohne es nötig gehabt zu haben, zu klingeln, durch die halb geöffnete Thüre ins Haus getreten. Diese Aussage befand sich mit denen der Portiersleute in keinem direkten Widerspruch, da diese behauptet hatten, zwischen 10 und 11 Uhr für keinen Fremden, der von der Straße hätte ins Haus kommen wollen, die Schnur gezogen zu haben. war ja auch in der That nicht notwendig gewesen, die Leine zu ziehen; denn das Thor war durch, das Hmaustreten eines Mieters ganz natürlicher- 550 toeife geöffnet, und so konnte die Person, die Von draußen kam, rasch an der Loge vorüber und geräuschlos die Treppe hinaufgeschlichen sein. ■• „Diese Auskünfte sind von großer Bedeutung", bemerkte der Komnlissar. „Dieser Zeuge — Keßler sagten Sie doch?" „Jawohl, Herr Kommissar." „Konnte er Ihnen noch andere Auskünfte und Details geben?" „Er glanbte bemerkt zu haben, daß der Fremde, mit dem er sich unter der Hausthür gekreuzt hatte, von großer Gestalt und elegantem Aeußeren gewesen war, der einen Ueberrock von grüner Farbe anhatte, und dessen Kragen hochgestülpt war." Diese Angabe stimmte vollkommen mit dem überein, was der Portier über die Person gesagt hatte, der er beiläufig um 11 Uhr abends das Thor geöffnet hatte. Ohne Zweifel war der, welcher um 10 Uhr das Haus betreten, und um 11 Uhr verlassen hatte, ein und dieselbe Person. Aller Wahrscheinlichkeit nach war sie zu Frau von Sanden gegangen, da doch die anderen Mietparteien versichert hatten, zu so spater Stunde keinen Besuch mehr empfangen zu haben. „War Ihnen vielleicht zufäUig eingefallen", fragte der Kommissar, „Herrn Keßler zu interpellieren, ob er Herrn von Sempach kenne?" „Ich habe ihn gefragt, er kennt ihn aber nicht." „War er ihm niemals im Hause begegnet?" „Keßler meinte, es wäre möglich, doch hätte er dann dessen Namen nicht gewußt." „Nachdem Sie diesen Zeugen ausgehört haben, haben Sie sich gleichzeitig über seine Person informiert?" „Ja, mein Herr, er lebt sehr zurückgezogen, still und in sehr geregelten Verhältnissen." „Sehr geregelte und zurückgezogene Leute pflegen sonst gewöhnlich um 10 Uhr nach Hause zu kommen; er ?>eht jedoch um 10 Uhr aus. Wohnt er im Hause schon eit langer Zeit?" „Seit ungefähr sechs Monaten." „Womit beschäftigt er sich?" „Mit nichts. Er scheint von seinen Renten zu leben." Der Polizeikommissar fand weiter keine Zeit, sich über Herrn Keßler zu erkunoigen, da sich eben die Thür öffnete und der Ches der Kriminalpolizei, Geh. Regierungsrat P . . . ., und der Untersuchungsrichter eintraten, den der Gerichtshof sofort nach Kenntnisnahme des Mordes mit der Verfolgung dieser geheimnisvollen Angelegenheit betraut hatte. 5. Kapitel. 1 ! Der Kommissar eilte sofort diesen Leiden Amtspersonen entgegen und berichtete ihnen über seine bereits gepflogenen Aufnahmen und Erhebungen. „Mein Kompliment", sagte der Untersuchungsrichter, >,ich hätte ebenfalls nicht rascher und geschickter handeln und vorgehen können. Teilen Sie mir noch einmal mit, was Sie über die ganze Geschichte denken. Es ist mir von Wichtigkeit und von Nutzen zu wissen, ob wir mit unseren Eindrücken und Mutmaßungen übereinstimmen." „Nach meiner Meinung", äußerte sich der Kommissar, >,wohl verstanden, bis auf weitere Erhebungen hin und unter dem Siegel der Verschwiegenheit, scheint das Verbrechen infolge eines Streites zwischen zwei Geliebten begangen." „Auch ganz mein Gedanke. Mso wäre demnach der Mörder kein anderer als Baron Franz von Sempach." „Wles scheint dafür zu stimmen: die Angaben des Kammermädchens Minna, die der Portiersleute und die uns gegebenen mehrfachen Beschreibungen des Verehrers der Frau von Sanden einerseits — andererseits die Daten über den Unbekannten, der um 10 Uhr das Haus betreten und es wieder um 11, also nach vollbrachter That, verlassen hatte. Auch noch ein anderer Grund bestärkt mich in der Ihnen eben ausgesprochenen Idee: nach einer aufmerksamen Prüfung aller Möbel und Schlösser, nicht nur im Salon, sondern aulh im Schlaf- und Toilettenzimmer, konnte ich Nirgends die Spur eines Einbruchs entdecken. Es scheint demnach kein Raubmord vorzuliegen. Die können selbst in einer halboffenen Lade eines kleinen Roccoco-Schreibtisches, der im Salon steht, zwei Banknoten je 100 Mark und etliche Goldstücke je 20 Mark finden.", „Das beweist noch nicht", bemerkte der Geheime Regierungsrat näher tretend', „daß diese Lade nicht vielleicht eine größere Summe enthalten hat. Wie oft kommt es vor, daß der Verbrecher, um den Verdacht von such ab- zuwälzen, und das Gericht auf Irrwege zu leiten, einen Teil seiner Beute opfert, den größeren Teil aber davon- trägt, und den kleineren zurückläßt." „Gewiß, Herr Regierungsrat", beeilte sich der Kome missar zu erwidern, „auch das hatte ich bereits vorgesehen. Auch hätte mir die Entdeckung dieses Geldes allein nicht genügt, mir daraus eine Ansicht zu bilden. Sie diente? auch nur dazu, um meinem ersten Gedanken sozusagen mehr Gewicht zu verleihen. Jedenfalls war zwischen den beiden Liebenden ein Streit entstanden; der eine Teil hat gedroht, der andere hat dann in seiner Wut mit der Waffe, die vor dem Kamin gelegen, den Stoß ausgeführt." „Das stimmt allerdings", sagte der Richter imt einem Blick in die Schriften, die man ihm vorgelegt hatte. Er wandte sich an Minna, die er fragte: „Kennen Sie diese Waffe? Haben Sie diesen Dolch schon gesehen?" „Ja, mein Herr, es ist derselbe Dolch, den die gnädige Frau voriges Jahr aus Ostende mitgebracht hat, und der immer auf dem Kaminsims lag." „Sie sehen", fuhr der Kommissar fort, „eine Vor- absicht scheint hiermit sogar ausgeschlossen. Der Mörder sieht in seiner Wut eine Waffe, ergreift sie und stößt zu. Hätten wir einen gewöhnlichen Mörder vor uns, einen Mörder von Profession, der mit der Absicht gekommen war, zu stehlen und im Notfall zu töten, dann hätte er eine Waffe mit sich gehabt, die er jedenfalls lieber benutzt haben würde als dieses Spielzeug, diesen Dolch, der nur durch ein Wunder den Tod herbeigeführt hat." Seit einigen Augenblicken war der Untersuchungsrichter in Nachsinnen versunken. „Ja", schloß er endlich, „alles bestätigt unsere ersten Eindrücke. Man muß unverzüglich! Herrn von Sempach vernehmen." „Ich teile vollkommen Ihre Ansicht, Herr Untersuchungsrichter, und ich hätte mich bereits zu ihm begeben,? wenn Sie nicht inzwischen gekommen wären/' „Mso handeln Sie, als ob ich nicht gekommen wäre. Suchen Sie ihn sofort auf, bewegen Sie ihn zu reden, und verschaffen Sie sich Gewißheit." „Ziehen Sie es nicht vor, Herrn von Sempach selbst zu vernehmen?" „Nein, ich müßte ihn dann selber äufsuchen. Darüber würde eine gewisse Zeit verstreichen. Ich halte es für besser, daß Sie Ihre Fragen, die Sie ja so geschickt zu stellen wissen, an ihn richten, und ihn dadurch zu einem Geständnis verleiten. Ich kenne Sie schon seit langem, lieber Freund. Ich weiß, daß Ihre Verhöre und Informationen ebenso verläßlich sind, wie eine ganz regelrechte Voruntersuchung. Wenn Sie ihm die ersten Fragen gestellt haben, ob sie Ihnen ausreichend scheinen oder nicht,? bringen Sie ihn hierher zu mir. Sollte er irgendwelche Schwierigkeiten' erheben, so haben Sie für ihn eine Vorladung und eine Vollmacht, ihn herzuführen. Bedienen Sie sich je nach Bedarf des einen oder des anderen. Ich unterzeichne beide, weil ich wünsche, für Ihr Vorgehen selber verantwortlich 'zu werden. Ich erwarte Sie hier.? Inzwischen will ich noch die Kammerjungfer Minna vernehmen; denn fie scheint mir nicht alles ausgesagt zu haben und könnte uns noch in einige Punkte etwas Licht bringen."--—: Eine Droschke brachte den Polizeikommissar in einigen Minuten nach der Wartburgstraße. Er hielt vor einem Privathause von anständigem Aussehen, klingelte und sagte dem öffnenden Diener, er wünsche mit feinem Herrn sofort in Betreff einer wichtigen und dringenden Angelegenheit zu sprechen. . Nach einer Weile erschien Herr von Sempach. „Mein Herr", begann der Polizeikommissar alsbald, „ich bin beauftragt, eine höchst delikate und peinliche Mission zu erfüllen in einer Sache, die Sie betrifft^ Ich wurde ersucht, Ihnen mitzuteilen, daß eine Person- mit der Sie in intimen Beziehungen standen, die Ihnen teuer ist, oder war, Opfer eines schweren Unfalls oben Zufalls geworden ist." „Von welcher Person sprechen Sie, mein Herr?" „Von Frau von Sanden." , . - „Gott! — Was ist ihr zugestoßen?"' 551 „Halten Sie es für unrichtig", fragte er plötzlich, „mich nach der Augsburger Straße zu begleiten?" „Wie? — Sie wollten? — — —rief Sempach erbleichend. gewesen." „Ja aber, — was ist denn also die Wahrheit?" fragte junge Mann, den Kopf erhebend. „Alle die gesammelten Indizierst meine Aufnahmen die des Arztes weisen daraus hin, daß sich Fran Sanden nicht selbst getötet hat."« „Ah! — Aber dann?" . • I; ' n - „Ja, sie wurde ermordet." „Großer Gott, ich weiß nichts davon. Woher sollte ich das wrssen?"" ' „Ich werde Ihnen sagen, was mich das hoffen ließ." „Ja, ich wollte ihr aber keinen mehr abstatten, ich war entschlossen, jeden Verkehr mit ihr abzubrechen. — Großer Gott, wenn ich das hätte vorausfehen können, ich wäre jedenfalls rücksichtsvoller vorgegangen. — Ich hätte lieber in alles eingewilltgt, als--> —>'■ „Sie glauben also, daß Ihr Bruch mit ihr die iVer- anlasiung zu jener That gewesen war?" ich muß es gestehen, es war dies mein erster Gedanke, ^ch suche vergebens' nach einem' anderen Grund, der sie dazu treiben konnte." , ^/,Jch bm Polizeikommissar, Herr Baron. Ich wurde herbeigeholt, den Tod der Frau von Sanden zu konstatieren; und da sie keine Familie zu haben scheint, und Sie als ihr nächster und vertrautester--- Bekannter gelten, kam td) natürlicherweise zu Ihnen mit der Hoffnung, daß Sie mir vielleicht Aufschluß geben könnten über etwaige Motive, die sie in den Selbstmord getrieben haben dürften." „Großer Gott! — Mein Gott!" rief er wie das erste Mal. „Unglückliche Frau!" Und plötzlich sehr lebhaft: „Dann lassen Sie uns gehen, Herr Kommissar, kommen Sie! Ich will sie sehen! Gott, die Unglückliche! — Ich will den Geq richten Klarheit verschaffen! Ich will, daß ihr Mörder entdeckt, daß dieser Mord gerächt werde!" Er ging nach dem Ofen hin, schellte und rief dem eintretenden Kammerdiener zu: „Rasch, Hut und Ueberzieher!" "Wann haben Sie sie zum letzten Male gesehen?" I Indes der Diener die Sachen holte, ging er erregt „nch glaube, vor drei Tagen; ja, am letzten Freitag. I auf und nieder und sprach ganz laut für sich: „Warum ^d) brachte ihr noch eine Summe von 20000 Mark, damit I hat man sie ermordet? Jedenfalls, um sie zu bestehlen, sie wenigstens Materiell durch meinen Bruch nichts zu leiden I Und das ist wiederum meine Schuld. Ich hätte ihr nicht hatte." | diese Summe übergeben sollen. Ich hätte sie in ihrem „So? Eine Summe von 20000 Mark? Und wissen I Namen anlegen müssen. Aber ich wollte ja jede Beziehung Sre vielleicht, was sie damit angefangen hat?" I zwischen ihr und mir abbrechen," „Sie dürfte sie wohl behalten haben. Man wird sie I Der Bediente kehrte zurück. Er reichte seinem Herrn ja noch bei ihr vorfinden können. Sie wird wohl noch ! den Hut, und eben, als er ihm in der: Ueberzieher helfen keine Zeit gehabt haben, sie anzulegen, denn sie wollte I wollte, bemerkte er, daß der Kragen noch hochgestülpt war, immer Nordbahnaktien kaufen; da diese aber sehr hoch I und legte ihn um. standen, riet ich ihr, eine Baisse abzuwarten. Seit drei | Dem Polizeikommissar war dieses Detail nicht ent» ™ .fjTW £>ie[e Aktien nur noch höher gestiegen, j gangen; ein anderer Umstand überraschte ihn aber noch Auch laßt nnch alles vermuten, daß sie das Geld bei sich I mehr. Eben, als sein Herr weggehen wollte, steckte ihm ausbewahrt hat/" I t,er Kammerdiener einen kleinen Streifen Papier, in die Sert einigen Augenblicken verwischten sich nach und Hand.- nach die ersten Eindrücke des Kommissars. Er fragte sich, I „Was soll das?" fragte Sempach. rasch^de?KomEa?. ^rend, antwortete . nicht das Verbrechen, womit er sich uUn beschäftigte. Sie hat ück aetötet". doch einen Raub zum Beweggrund gehabt hatte. Und Ä 6,ae ro"be- lie aTZvka."OmÖbie baC()te b£C Kommissar, „so ist Jedenfalls war er durch die Haltung, Einfachheit uud E LÄA d,- Th.. Mte S von Sempach, sich plötzlich aufrichtend. Komödie"", dachte er bei sich. Äff* •’*** * mi elf -!-b. [eine V--d-ch^,ü^° „Durch einen Dolchstich in das Herr “ ' I Jucht auf. Es fallen ihm alle soeben noch ge- „Gott! Das arme, unselige Weib' — Wer mein Herr sammelten Aussagen, Nachforschungen und Informationen ist es denn auch wirklich wahr was Sie mir iba^titfeiren? Gleichzeitig erinnerte er sich der Worte des Unter- — Weshalb bringen Sie mir diese Nachricht? Wer sind I luchungsrichters: „Welches Resultat auch immer Ihre Nach- Sie? Ich kenne Sie nicht!" ' b ^Wmigen haben, was auch immer Ihre Meinung sein 1 follte, bringen Sie Herrn von Sempach zu mir, ich will ihn befragen."" ,La. Ihre Gegenwart dort könnte uns von großem Nutzen sein. Ueberdies, sollten Sie nicht selbst den Wunsch hegen, die Unglückliche zum letzten Male zu sehen, di« Sie zwar nicht mehr liebten, von der Sie jedoch so hoch-! gradig geliebt wurden, daß sie sich Ihretwegen tötete?"« „Ja, sehen Sie"", ereiferte sich Herr von Sempach, „das 6. Kapitel. I ist es ja g erade, was mich von dem Besuche zurückschreckt. „Der Portier aus der AugsbUrger Straße behauptet"" I hätten Sie mir mitgeteilt, Frau von Sanden sei an einer fuhr der Kommissar fort, seine Augen auf Herrn Semvacb I Krankheit oder infolge eines Zufalles gestorben, wäre ich geheftet, „Ihnen im Laufe des gestrigen ^qes Änen Gingst schon dort bei ihr. Aber das alles bestärkt mich Brief gebracht zu haben, von Frau von Sanden und ich I in der Furcht, alles sagt mir, daß ich mit ihrem furcht- dachte, sie habe vielleicht in demselben irgend eine Baren Entschlüsse im engsten Zusammenhänge stehe, daß indirekte Anspielung auf ihre traurige Absicht gemacht"" ic$ lf)r die Veranlassung dazu gegeben habe, und es er- „Nein, mein Herr, sie bat mich nur, sie zu besuchen schiene mir wie eine Höllenfolter, vor ihrem Leichnam zü — sie müßte mich sprechen. Der Brief lautete dringend" stehen." Seine Stimme klang kurz und überhastend, und war sehr leidenschaftlich zwar, — aber keine Wendung eute längst zurückgehaltene Thräne lief über seine Wange«., hätte mich je auf den Gedanken gebracht — — I „Das klingt sehr natürlich, was er da sagte"", dachte. „Würden Sie mir vielleicht diesen Brief einbändigen der Kommissar bei sich. Aber er erinnerte sich auch darach, wollen?"« z J I daß der Untersuchungsrichter auf ihn wartete, und die „Gewiß, — warum nicht?" Doch er hielt plötzlich ein I Seit verstrich. und besann sich. „Donnerwetter, fällt mir eben ein ich I ,Mm, ich will Ihre Gewissensbisse mit einem Worte habe ihn nicht mehr. Ich zerriß ihn einige Augenblicke I zerstreuen, mein Herr", sagte er schonend, „und Sie be- nach seinem Empfang in kleine Stücke."« I wegen, mir zu folgen. Ich habe anfangs davon Wstand „Weshalb dies?" I genommen, Ihnen die Wahrheit zu gestehen, um Sie nicht „Mein Gott, Ihnen kami ich es ja gestehen, Ihr Stand I allzu heftig zu erschüttern. Wer nach all dem, was Sie legt Ihnen ja Diskretion auf. — Ich erhielt täglich von I mir da sagten, glaube ich, wäre es für Sie weniger schmerz^ ihr ähnliche Briefe wie- diesen, trotzdem ich sie dringend lich gebeten hatte, mir nicht mehr zu schreiben.--Und I non 'üngevutd, vielleicht etwas zu nervös geworden, zerriß der ich ihn in kleine Papterfetzen." „Es war in ihm also bloß von einem einfachen Besuch I und die Rede?"" I von 552 Vermidchtes. werden. „Tas Größte und Schönste, das Menschen zu erkennen imstande sind, bleiben doch die reinen, nur mit dem inneren Blick erkennbaren Ideen; in ihnen zu leben, ist eigentlich der wahre Genuß, das Glück, das man ohne Beimischung irgend einer Trübheit in sich aufnimmt; nur haben wenig Menschen Sinn dafür, denn es gehört dazu eine Neigung der Beschauung, die in Menschen unmöglich ist, bei denen Sinnlichkeit und innere moralische Empfindung in Verlange« zur Wirklichkeit und zum Genuß übergehen." „Der Anblick des Himmels hat unter allen Umständen einen unendlichen Reiz für fühlende und denkende Menschen, bei sternhellen wie bei dunklen Nächten, bei heiterem Blau wie bei ziehenden Wolken oder dem traurigen Grau, worin das Auge sich verliert. Die Natur ist eine Macht, an der man die reinste Freude hat, wenn man ruhig mit allen ihren Entwickelungen fortlebt und die Summe aller als ein Ganzes betrachtet, indem es nicht darauf ankommt, ob jedes Einzelne erfreulich sei, wenn nur der Kreislauf vollendet wird." Gedankensplitter aus Briefen eines Staats- inannes und Gelehrten. (Nachdruck verboten.) Krebsräts el. Nachdruck verboten. 1. Mich schätzen meistens nur die Herrn, Sie wissen es, ich beiße gern, Doch niemand läßt stch schrecken. Von rückwärts trenn' und schütze ich, Zu vielen Zwecken nütze ich, Doch kann ich nichts verdecken. 2. Ich werde dir einmal beschieden Nach dem Gebote der Natur; Ich gebe Ruhe dir und Frieden, Und umgekehrt zier' ich die Flur. 3. Sanst den Müden wird es wiegen. Aber bist du's umgekehrt, Hast durch Lügen du und Trugen Bald ein Freundschaftsband gestört. (Auslösung in nächster Nummer.) Nummer: xi xn E L Auflösung des Zifferblatträtsels in voriger i ii in iv v vi vn vni ix x LEB ERN A H EG Leber, Eber, Bern, Erna, Nahe, Hegel, Egel, EU«.__ Ueber das Rauchen aus Papierspitzen wird ge- schrieben: Alle Welt raucht jetzt aus Papierspitzen, ^eder Zigarrenhändler und Wirt liefert sie gratis. Ja, er istsogar gezwungen, immer große Posten davon vorrätig zu halten da der Raucher schon so an die Spttzen gewohnt rst, daß es als eine Unkoulanz aufgefaßt würde^ wenn man kerne Zigarrenspitzen als Zugabe erhielte Euiganz geringer r X. .... AoS.rrrhi nfihPTt. iDtß Denn „Es ist eine müßige Frage, welches Alter, ob Jugend oder Reife oder sonst einen Abschnitt man vorziehen möchte. Es ist eine Selbsttäuschung, wenn man sich einbildet, daß man wünschen könnte, in Einem zu bleiben. Der Reiz der Jugend besteht int heiteren und unbefangenen Hineinstreben in das Leben, und er wäre dahin, wenn es einem je deutlich würde, daß dies Streben nie um eine Stufe weiter führt. Mit dem Alter ist es nicht anders, es ist im Grunde, wo es schön und kräftig empfunden wird, em Hinaussehen aus dem Leben, ein Steigen des Gefühls, daß man die Dinge verlassen wird, ohne sie zu entbehren, indem man doch mit Heiterkeit auf sie hinblickt und mit Anteil in Gedanken bei ihnen verweilt." „Auch ohne religiöse Gedanken an den Anblick des Himmels zu knüpfen, hat es etwas unbeschreiblich Bewegendes, sich in der Unendlichkeit des Luftraumes zu verlieren." „So sehr auch der Mensch für den Menschen das Erste und Wichtigste ist, so giebt es nichts' gegenseitig sich mehr Beschränkendes, als die Menschen, wenn sie nahe zusammengedrängt, nur sich int Auge haben. Man muß erst wieder in der Natur ein höheres und über die Menschheit waltendes .. bet Be- 1 Wesen erlernten und fühlen, ehe man zu den beschränkten Ü&5?St S’Sr* .' '' - T “T“ «Ä. «4» ILW KL-ÜL L L gewöhnlich bekümmern könnte, inan beschäftigt sich vielmehr gern mit ihm und sieht das Ausscheiden aus dem Leben, was ihm auch folgen möge, als eine natürliche Entwuke- lungsstuse in der Folge des Daseins an." Gefühl fürs Wahre, Gute nnd Schöne adelt die Seele und beseligt das Herz, aber was ist es, dieses Gefühl, ohne eine Tnitentpfinbciibfc Seele, mit bet mein e§ teilen icmn. osn jedem auch selbst unbedeutenden Menschen liegt im Grunde ein tieferer und edlerer, wenn der wirklich er- cheinende nicht viel taugt, oder noch edlrerer, wenn er an ich gut ist, verborgen." „Die Fähigkeit, sich einem fremden Willen, bloß weil ^ganeiiH/ipcK ------ v, ,h „ es ein solcher Wille ist, auch geradezu gegen die Neigung Zeil der Rancher wird aber daran gedacht haben, wie denn zu unterwerfen, als muß sich zu unterwerfen, dieser Fähig- dne solche Spitze entsteht. Was Besonderes kann es nicht leit bedarf jeder, auch der Mann. Sie macht das Gemüt fein denn sie kostet ja nichts, wird man vielfach horen weicher, milder und so sonderbar es scheint, zugleich starker, ^aß aber ein Raucher das Rauchen aus einer Papierspitze selbständiger und der Freiheit würdiger." als geradezu gesundheitsschädlich bezeichnet hatte, da^n Obne Kampf und Entbehrung ist kein Menschenleben, I wird kaum die Rede fern. Und doch ist es so. E 1 ) auch" das glücklichste nicht, denn gerade das wahre Glück von den Spitzen abgesehen, die m den ^Mthaus Sl stch N" d-d-rch7 ba6 -- sich durch seine G-stchl- gefertigt werden b« >f"“4?“ ÄÄS unabhängig vom Schicksal macht." vorhanden, und vor allen Dingen sind es Hw d G „Das Glück vergeht und läßt in der Seele kaum eine I gesunde Seute, bte Sitzen wird aber in den flache Spur zurück, und ist oft gar kein Gluck zu nennen, I der Anr Verw S. Böhmerwaldes angefertigt, da man dauernd dadurch nicht gewinnt. Das Unglück I armseltgst n F - Gebrechen hindern die Familien- vergeht auch, und das ist ein Trost, läßt aber tiefe Spuren Krankheiten und ^/^«ertwung thätig zn sein, zurück, und wenn man es wohl zu benutzen weiß, heilsame, I Meder "^^lich ),an I verdienen. Es liegt es läutert und stärkt." _____ _ | ba biete Krankheitskeime niit fortgeschleppt werden. Wer verrät aber ferner, auf welchem Schmutzhaufen das verwendete Papier^vorher gelegen hat, oder von welchem, vielleicht an Kranryett ver endeten Geflügel die verweiidete Pose stammt? Und das ist für den Raucher gut genug, in den Mund A nehmen. Uns scheint, als läge hier dw unmittelbare Gefahr der Infektion vor, der sich der Rancher bei Benutzung der Papierspitze stets aussetzt. Weshalb benutzt der Raucl;er unter diesen Umständen nicht lieber eine einfache Weichselspitze, wenn man sich nicht zum Erwerb einer Bernsteinspitze auf- schwingen will? Man wird dieselbe natürlich nicht geMutt erhalten; aber was spielt eine emmMge geringe Ausgabe für eine Rolle, wenn man weiß, daß man Nicht Gesayr läuft, durch irgend welche Krankheitskeime msiziert zu üb en ihi zzxJ zu Br Ab Ze Be an der Be der Hai Au toi sol nai gel eil; eni LH du sei fei Redaktion: Curt Plato. - Rotationsdruck und Berlag der Brübl'schen Universitäts-Buch, und Cteindruckerei (Pietsch Erben) in Eießen.