Montag den 17. Mär;. j1 Khl W \v\ •mTWJF’J WKchW A^k.' ßWW eG er nie verließ der Vorsicht enge Kreise, r Und selbst aus seiner Jugend Tagen Nichts zu bereu'n bat, zu beklagen, Der war nie thöricht — aber auch nie weise. Fr. Badenstedt. Gleich hinter ihr erschien ein zornroter Mann, der laut fluchend eine fetttriefende Pfanne in der Hand schwang. Tobias Breeden sah ihn an. „Je, Niklas", sagt« er bloß. Ta beichtete der andere. Er war in der Küche beschäftigt gewesen, das Abendessen herzurichten, ein rechtes! Festessen, weil Tobias auf zweitägiger Segelfahrt schwerlich etwas Warmes in den Leib bekommen hatte. Ta, wahrend er Eier in die Pfanne schlug, war die Hauskatze zum Fenster herein gekommen, hatte das Stück Fletsch, das er in den Teig verbacken wollte, gemaust. Im Eifer der Verfolgung stieß der Backende dann die Pfanne vom Feuer, und nun lagen die Eier in der Asche und das Fleisch war verschwunden. _ - „Tu büst to fahrig", sagte Tobias tadelnd. „Jongs Lüe sünd ümmer to fahrig." Ter Gescholtene kniff das eine Auge zu, und sah den Bruder mit dem andern an. Sein Zorn war verraucht. Es lag große Schalkhaftigkeit in seinem wetterbraunen sähst du, wat min Oeller angeiht, Bro'er Tobias, Se hebben mi tom Rettungsmann up-'n Damenbad malt. Js 'n mojes Stück Brot un ook pläsierlich anto- kieken, wo de Fruenslüe so in ’t kalte Water herümmer- i spaddeln, jo, utnahmend pläsierlich —" „Schäm' Di!" ... „Jk meen' man, Bro'er Tobias, de Jüngsten Puten se' to so ne Hanteerung nich rut —" .... r , „Handfeste, stedige Kerls, uP de Een slck verlauten kann, Dööskopp!" . , ,Schall ik denn nu ’t Brot herkriegen un en Smppel Wurst, Tobias? ’t anner hett jo de Katt haalt —" Tobias nickte, und schritt über den Flur in die Küche, seines Bruders Reich. Er selbst hielt sich meist in der Stube auf, wenn er zu Haus war, und empfing dort dre I Gäste, die seine naturwüchsig knorrige Art wert zahlreicher anlockte, als die kleinen Raritäten, deren Einkauf ihrem I Kommen zum Vorwand diente. Tie Küche hatte dem Fortschritt der Zeit Rechnung getragen; sie war praktisch, nüchtern und kahl. Gelbgetunchte Wände, statt der malerischen, unbequemen Feuerstätte ein sehr häßlicher, aber gut brennender Kochofen; ein tannener Tisch ohne Eigenart oder Geschichte. Auf Brettern und an eingeschlagenen Nägeln Kochgeschirr, Bindfaden, Angeln, Aalstecher und der schwere Korkpanzer, mit dem bekleidet, I Niklas Breeden, der Rettnngsmann, das Baden der ».amen I überwachte, um sie wie ein gut dressierter Bernhardiner ans I dem Wasser zu holen, falls sie den Grund verloren. Tobias ließ sich schwer auf eine» Stuhl neben den Tisch fallen, nahm seineii Hut ab, säbelte eine Scheibe Brot I und ein Ende Wurst herunter, und kaute nachdenklich. End lich legte er die Rinde nieder. Sie war sehr hart. I „Tat is nich. I un «ich, Fi, Bro er Niklas. Us« (Nachdruck verboten.) I Tobias Breeden. Von Luise Westkirch. (Fortsetzung.) Tas Seltsamste erblickte man aber an der den Fenstern gegenüberliegenden Wand: zwei braune Toppelthüren zwei ! Fuß hoch über dem Boden. Tas eine Thürenprar schloß I einfach einen Wandschrank ab, das andere legte, geöffnet, | dem Blick etwas wie ein Kämmerchen frei, nicht hoch, aber- breit, und von der liiünge eines ausgewachsenen Mannes. ! Sehr reinliche Kissen und Federdecken, die darin ans- I geschichtet lagen, ließen diese Koje als die Lagerstatt, das Bett der beiden Brüder erkennen. Tobias war an den Tiscb getreten, ein altes, kostbares Eichenmöbel, verunziert von einer modernen roten Decke mit | darüber gebreiteter weißer Serviette. Die Stiefel hatte er schon im Flur niedergestellt. Jetzt schaufelte er aus der Tasche seiner Schifserjoppe ein Häuflein Münzen heraus, zählte sie umständlich auf dem Tisch auf, und murmelte rechnend eine Weile. Dann hob er sich auf den Zehen, und schob die Geldstücke über den Rand eines Eimers, der hart unter der Zimmerdecke am Mittelbalken hing. Es war die volkstümliche, seit Jahrhunderten gebräuchliche Sparbüchse der Inselbewohner. Jede Familie besaß ihn, den offenen Eimer am Stubenbalken hinter der schloß- und riegellosen Hausthür. Sobald einer von der Sippe in Not geriet, langte er mit der Hand hinein, und nahm heraus, was er brauchte. Und wenn er's erstatten konnte, legte er das Genommene zurück an seinen Ort. Das war das Geldgeschäft, der Wechsel- und Schuldverkehr auf diesem Fleckchen Erde. Freilich, seit das viele „fremde Volk" daherkam, womit höflicherweise die Badegäste gemeint waren, hüteten die Insulaner ängstlicher ihren Besitz. Breedens waren der alten Sitte treu geblieben. Tie Münzen, die Tobias über den Rand schob, klirrten nicht, fielen nicht. Das Gefäß mußte randvqll sein. Er betrachtete es mit behaglichem Schmunzeln, als ein lautes Rasseln, Poltern, Schelten in dem Gelaß jenseits des Flurs ihn aufschreckte. Durch die offene Thür herein sprang in mächtigem Bogensatz eine magere schwarze Katze, fuhr über den Tisch auf den Kleiderschrank, und verkroch- sich dort. 162 Wat?" „Wo is ’t Wicht?" „Schall woll in'n Törpe Wesen. Se wascht jo tiör del Sommergästen. Ik kann ehr de Pennige nich geben to Banners un Nabels un all den Kram, de ehr in de Dogen steckt." „’t is 'n striktere Teern." Tie Witwe schüttelte wehmütig seufzend den Kopf. „Tat Helpt ehr nix." „Marinkamöh, da is Se dwars. Snikkerheet is'n I„Büst mi ook nich gram, Wiel — „Wat?" ; „Wiel — dat use Herrgott meent, dal ik ’f Bim, de fryet?" . „Schapskopp!" sagte Tobias und setzte-sich steifbeinig rn Marsch zum Haus der Witwe Jürgens. Er kehrte aber noch einmal um, und in Ermangelung einer andern Blüte, pflückte er die kleinste d>er Sonnenblumen ab, und steckte sie I zwischen die Knopflöcher seines blauen Kirchenrockes'. „So'n Rukebusch is 'n Wink met en Tuunpahl. Se I ward't woll marken." Tiesmal trat er durch die Borderthür ein, und setzte seine Füße fest auf. Es ivar gerade kein Kaffeegast zugegen. Die Witwe saß rn der Küche rrnd verlas Linsen mit müden, gleich-, mäßigen Stricheri, die guten Körner in die Schüssel; der Abfall blieb auf dem Tische liegen. „God'n Dag, Nahbersch. Ick hew Se wat to seggen."- Ohne auszusehen zog die Frau mit dem Fuß einen Strohstuhl herbei. „Seit he sik dahl, Nahber." | Dem Alten ging's gegen die Ehre, eine so wichtige Sache in der Küche zu verhandeln. Er blieb stehen und drehte an der Sonnenblnme in seinem Knopfloch. „Se ivard't sick woll nahdenken, wat ick will, Jürgenfch."- „Nahber Tobias, he wert, ik denk' nix na." „Mit 'nem flüggen Bagel int Nest schall ein’ dat Nahdenken leren." „Nee, ik maak use Herrgott nich mihr de Plackerie, dat he't harr anners inrichtcn müßt, wie ik't mi so dacht hev."< Tabei sonderte sie gemächlich ihre Linsen, die einen in die Schüssel, die andern beiseite, und beiseite, und in die. Schüssel, immerzu, immerzu. Sie hatte ein langes Gesicht, das von Haus aus etwas trübselig im Ausdruck geraten war. Sorgen, Enttäuschungen hatten es noch länger, noch trübseliger gemacht; die Augen waren wie verwaschen von Thränen. Um den Kopf trug sie ein rötlich schwarzess! Tuch, und ihre Kleidung war schwarz in allen Schattierungen dieser Trauerfarbe. Tobias packte schon die Ungeduld. „So'n Unverstand is noch gar nich dawesen!" Sie unterbrach ihn. „TobiasBreeden, He hett in de Wull seien sin Lewdag, un ick in'n Kletten. Deswegen kommen wir nich überein. Jt heb ook mien Leben inrichtet, as ick jung was. Hjelm Jansen woll ick frijen, so tote he von finer letzten Reis' um de Welt torügkam. Un he was! en flanken, flinken Jonge un harr jten SchäPkes in ’t Dröge. To kreeg het ’t geele Fieber tut se smeten em bt ’t Water. Frijen! — Nich en enkele Bloom künn ik up sien Graff leggen! — Un denn kam Jürgens un toi hebt frijet! He was ook en geben Mann, uu uns' Jörk ook! Gab et wol en mojeren Jong op't Eiland? Da meint’ ich klug zu sein. Er dürft' kein Matros werden, mößt' bi Moder bliwen, met Bader na de Fiske fahren. Un up'n stormigeu Namidagg kamt se mit de Schalupp boven an't Strand torüg seilen. Ich freu' mich, daß ich se Wiederhab'. Un se klettern 'ruut, trekken ’t Schalupp ’n beten Höger up ’t Land. Jk stah'r bi un denk' an de Grogg, de ik se up ’n Abend bröen schall un of'r noch Runt in de Flask is? — Und aus einen Slag kocht das ganze Meer, und in der Luft heult's, als wär der Teufel los — Krach! Böhrt een Well ’t Schalupp in de Höcht un smitt't ober de Twee, mien Jörk un Jürgens! — Jk stah'r dicht bi, du ook/ Tobias, Niklas, sös Annere noch — Zehn Schritt vom Land ertrinken sie elendiglich! Un ik maak ’n Schänd! un ik ring' mien Hand'n — — ’t kannt teen wat bi dohn I — Tu heft toeent datornaleu, Nahber Tobias —" „Jo, ’t was ’n stimmen Tod," sagte der alte Schiffer. „Man nu is’t over. Tu hast noch ein Kind behalten, Marinkamöh, Deine Ebba." Helpersche, Antje, kann nich Lottern, un du kannst nich laten." „Nu, nu, man nich glick öber'n Tun! Büst söß Johr' tofreden Wesen, Bro'er Tobias. Un as de verflixte Katt nich kamen was —" „Nee, Niklas, nee. Der Katt kannst du ’t nu nich upsacken. Un tofreden bün ick ook nich Weesen. Nee. Ick mößt' man erst kleen kriegen, wat'r bi to dohn is." „Söß Jahre lang?" „Ja, söß Johr'. Man du lernst es nich, Niklas! So'n lütt Teern, de noch nich insegnet is, de is di in'n Huus- halt öwer." Niklas senkte den Kopf und trommelte mit den Fingern auf den Tisch. „Mi möt't frijen, Niklas." Der andre schnellte in die Höhe. „Wi?" „E e ir möt't frijen. Twei Frueuslüde ttnner een Dach, da beit nich gut. Un" — er streckte dem Bruder die Hand über den Tisch — „Niklas, Bro'er, wi twee wilt doch to- fammen hollen". Niklas schüttelte gerührt die dargeLotene Hand. Bro'er Tobias, wenn ick mal was fuchtig und fahrig bin, du weetst, wo ’t meent is." „Dafür bist du een jongen Keerl, Niklas. Nu Paß Achtung, wokeen frijet?" Tobias griff in die Tasche, und zog ein Zehnpfennigstück hervor. Mer Niklas hielt ihm die Hand fest. „Bro'er Tobias, weil ick doch ’n jongen Keerl bin, as du seggst, un Wiel Frijen en’ Sank für jonge Süe is —ik meen’ man —" „Nee, Niklas, Recht mutt bestahn." Niklas schlug die Augen nieder. „Ick meen, jo man. Menn du woll nich gern fristest — Jk doh'k di to leev." „Taal o’er Bagel, Niklas?" „In Gottes Nam’! Bagel." Tie Münze fiel, der Adler lag obenauf. „Tu frijest, Niklas." Niklas wurde rot, und wandte das Gesicht weg, um es M verbergen. Eigentlich hatte er Gottes Weisheit keinen andern Schiedsspruch zugetraut, fühlte aber zu viel Ehrfurcht vor seinem Bruder, um es ihm gerade heraus zu „Nu de Teern", sagte Tobias. „Ja", heuchelte Niklas, „wen sall ick frijen?" „Magst ’t rote Trientje lieben, ’t Schenkmäken bie'n Eschenwirt?" „Te is jo keene Eilandersch." „Un denn is se fahrig bi all ehre Smuckheet. Eene stedtge mott et sien." „Eene de du 00k lieben magst", schmeichelte Niklas. „Mat seggst du to Kösters Marieken?" „Gott bewohr’ mi! Te is jo scheel up beide Dogen!" „Jo, denn bliwt man bloß noch —" Und wie aus einem Mund sprachen beide Brüder: „Marinkamöh ehr Ebba." Mieder kniff Niklas ein Auge zu, schalkhaft schmunzelnd. „De nehm ick--Di to Leev, Bro'er Tobias." Tobias that einen tiefen Atemzug. „Tat glöv ick bi! Slukopp! Ebba Jürgens. Moll! Ick biu't ook tofreben." „’tis man —" Niklas kratzte sich hinter ben Dören. „Wat benn noch?" -Dar hör'n Twee to. Ebba is nich allmansch." Aber nun ereiferte sicy Tobias zum erstenmal: „Wat lall so'n Teern benn woll in’n Kopp stecken? Bist 'en au- sehnlrchen Keerl, flank sör bine Johr'. Würklich, flank as'n Mastboom! Bon achtern könn' einer di für Wilm Hansen ansehn. Tat is so. Un de Kreihpoten in ’t Gesicht, de pnben de Fruenstüe moje." toiegte sich verlegen auf seinem Schemel. I Tie Frön machte eine Bewegung mit der Hand, als Ka. dat woll feggen. Aber ob se nich schätze sie diesen Ueberrest ihres einstigen Glückes nicht be- dat Munt ward hangen lauten?" sonders hoch „Basta! Ick frije für di, Niklas. De Nahbersche schall ™ ' --------- toeeten, bat ick't tofreden bin, und de Teern ook. Snick- snack! Dat geiht all god. Jk feeg, ’t geiht gob. Krieg mt mal'n Sündagsrock ut’n Schupp. Glieks schall ick ’t to 'n Klappen bringen." Ter anbre half ihm schweigend. In der Thür hielt er chn aus. „Bro'er Tobias.^ 163 Wie finden die Schiffe über das Weltmeer? Bon Dr. Curt Rudolf Kveuschner. Nachdruck verboten. Wenn die Zeitungen in einer kurzen telegraphischen Notiz die Mitteilung bringen, daß irgend einer jener stolzen schwimmenden Paläste des Norddeutschen Lloyds oder der Hamburg-Amerikalinie wiederum einmal in ganz außergewöhnlich geschwinder Fahrt den atlantischen Ozean durch- messen und zum Neide unserer freundlichen Vettern jenseits des Aermelkanals die schnellsten Schiffe der Peninsular Steam Navigation, der Whit Star Line, der Cunard Company und anderer englischer Dampfschiff-Gesellschaften überboten hat, denkt der Bewohner des Binnenlandes mit Stolz wohl in erster Linie an das Achtung gebietende Können der Schiffsbau- und Maschineningenieure, die die ungeheuren Riesenleiber der modernen Schnelldampfer bauen und mit Dampfmaschinen ausrüsten, deren Leistungen nicht mehr weit von 30 000 Pferdekraft entfernt sind. Fast gänzlich übersehen wird dabei die stille, aber nicht minder verantwortungsvolle Kunst, die nach vielen Millionen bewerteten Kolosse samt ihrer kostbaren Last an Menschenleben und Gütern auch sicher nach dem fersten Hafen zu lenken. Wer das Meer nur als ruhigen, schlafenden Riesen, und nur die Eindrücke kennt, wie das Schiff in schönen, stillen Sommernächten den mit zahlreichen Leuchttürftnen besetzten Kanal verläßt, um in das weite Weltmeer hineinzusteuern, während der Reisende angesichts der funkelnden, unwandelbaren Sternbilder des Firmaments in ruhiger Sorglosigkeit, sich von dem Rauschen der im sanften Glanz des Meeresleuchtens phosphoreszierenden Wellen ins Reich der Träume hinübertragen läßt, findet es vielleicht selbstverständlich, daß der majestätische Schiffsrumpf auf seiner langen Fahrt weder nach links noch nach rechts von seinem vorgeschriebenem Pfade abweicht. Wenn aber zur Zeit der Tag- und Nachtgleiche bei unsichtigem Wetter die warnenden Zurufe der Dampfsirenen anderer Schiffe bald nah, bald fern durch das undurchdringliche Dunkel schallen, wenn tagelange Weststürme die weite Wasserfläche ausregen, und lange, bevor sich der Dampfer der neuen Welt naht, die gefährlichen, schwarzen Nebel der New-Foundlandsbank sich in niemals erschöpfter Fülle über das Meer wälzen, dann fragt sich die Landratte wohl mit staunender Bewunderung, wie es auch unter diesen Verhältnissen möglich ist, den Kurs des Schisses mit solcher Sicherheit einzuhalten. Die Seefahrer des Altertums hielten sich immer in der Nähe des Landes, und steuerten bei Nacht, so gut es hing, nach den Sternbildern. Datum singt auch Homer luoies Ding sör'n Fruensminsch: — ik wull darmit nich leaat hebben, dat de Mannslüe Swinegels wesen möt't —" " Tobias hatte sich noch immer nicht gesetzt. Er trat von einem Fuß auf den andern. Da die Witwe wieder anfing Linsen zu verlesen, und noch immer keine Miene machte ihn in die Stube zu nötigen, tote es der Anstand erheischte, entschloß er sich endlich, sein Anliegen hier vorzubrinaen. Er that's bündig und gradaus, mtt berechtigtem Stolz in Anbetracht des gefüllten Eimers unter der Decke Als er aus Niklas zu reden kam, leuchteten seine Augen wie Sterne unter der: buschigen Brauen hervor. „Jo, Tobias Breeden", sagte die Frau mit blödem Staunen, „dat harr ik noch nich mal seihn! He hett sik jo so fin makt un orndtlich en Rukebusch vör de Bost. Nu begriep ik ’t ierst." „Tenn gew' se mi Bescheid." „O, ik heto nix legen Niklas." , „Se hett'r nix tegen? Nu slag doch! God den Dutoel dod! Nix tegen! So'n Snack! Nix tegen! 'n staat'schen Keerl, Niklas! Süht prächtig ut. Do kieken de Fruenslue doch ook na! Un't Huus, un't Schalupp, un't Boot! Un fies Garens mit Kantüsfels drin, un denn noch't Bargeld! Bi Geld is good toahnen, Marinkamöh. Un bi Se tooll'n jo wol all de Müüs in't Schupp verstnachten. Un denn krigt Se ehr Wicht dicht bi an. Bi Winterdag, in Snee un Is kann Se sacht röwerloopen un klöhnen un kören. Na, ik meen', as 'ne Mutter sich all dies zusantmendenkt —" „Jo, Tobias Breeden. Ik denk' man nix mihr." (Fortsetzung folgt.) von dem göttlichen Dulder Odysseus, nachdem ihst die hehre Nymphe Kalypso entlassen: „Ihm schloß kein Schlummer die wachsamen Augen, Auf die Plejaden gerichtet und auf Bootes, der langsam Untergeht und den Bären, den andre den Wagen benennen. Welcher im Kreise sich dreht, den Blick nach Orion gewendet Und allein von allen sich nimmer im Ozean badet." In den engen Raumverhältnissen des östlichen Mittel- meeres konnten die Schisse mit diesen Hilfsmitteln ihr Ziel erreichen, obwohl gewiß ungezählten Tausenden von ihnen der Strand, an dessen Nähe sie sich anklammerten, zum jähen Verderben geworben ist. Als aber gegen den Ausgang des Mittelalters Spanier und Portugiesen immer weiter an der Westküste Afrikas bis zum Kap der guten Hoffnung hinuntersuhren, und die Aera der großen überseeischen Entdeckungen begann, verließen die Landmarken den Schiffer, der nun auf andere Hilfsmittel für seine Orientierung bedacht sein mußte. c. „ c ' Das nächstliegende unter diesen waren die Land- und Seekarten, unter deren Benutzung man mit Hilfe der kurz vorher bekannt gewordenen Kompaßnadel, so gut es eben ging, den fernen Zielen zustrebte. Mit den Karten der großen Kolumbus, Bartolomeo Diaz, Cabral, VaSco de Gama und der anderen großen Seefahrer aus jener Zeit war es aber überaus kläglich bestellt, wiewohl Kolumbus bereits einige Instrumente und das Wesen der Höhenbemessung am Himmel bekannt waren. Die Umrisse Europas und der angrenzenden Küstenstrecken Afrikas und Asiens sahen nuht viel anders aus, als ob ein halbwegs in der Geogrpphte beschlagener Gymnasiast sie aus dem Gedächtnis gezeichnet hätte. Trotzdem gelang die Ueberkveuzung der Ozeane; denn auf einige Wochen Seefahrt mehr oder weniger kam es nicht an, wenn man das fremde Gestade auch an emem viele hundert Kilometer zu weit südlich oder nördlich gelegenen Punkte erreicht hatte, so tastete man sich eben dann in gefährlicher Küstenschiffahrt wie im Altertums nach dem gewünschten Ziele hin. . Ganz anders liegen die Verhältnisse in der Gegenwart. Die angewandte Astronomie und Geodäsie stellen dem Schisser heute ein ganz vorzügliches Kartenmaterial zur Verfügung, das in ununterbrochener Arbeit, immer genauer ins Mnzelne vervollkommnet wird. Natürlich sind auf diesen die Umrisse der Festländer und Inseln mit peinlicher Genauigkeit eingetragen; dies ist jedoch der geringste reit ihres Inhalts; denn sie enthalten auch sämtliche Leuchtfeuer, deren Sichtweite durch einen diese in meßbarem Abstande umgebenden Kreis angedeutet ist, während die Art des Feuers (jeder Leuchtturm zeigt nämlich ein anderes Licht) ebenfalls durch eine kurze Bemerkung bezeichnet wird. Außerdem find sämtliche sonstigen Seezeichen, wie Bofen und Baaken, Sandbänke und Untiefen, unterseeische Klippen und, was einer der wichtigsten Punkte ist, die Abweichungen eingetragen, die die Magnetnadel in den verschiedenen Zeilen der Ozeane von der Nordsüdrichtung zeigt. Die notwendige Ergänzung erhalten die Seekarten durch die Segelhandbücher, die nicht nur, wie man irrtümlich glauben könnte, für die Segelschiffe, sondern nicht Minder auch für die Dampfer von höchster Wichtigkeit sino. Aus ihnen ersieht der Schisser, welche Winoe in einer bestimmten Meeresgegend zu den verschiedenen Jahreszeiten vorherrschen, welche Meeresströmungen dort vorhanden sind, und um welche Zeit die Gezeiten — Flut und Ebbe — ecn- ireteti, sodaß er genau entnehmen kann, welchen Kurs er einzuschlagen hat, und welche Gegenden er zweckmäßigerweise meidet. Endlich enthalten die Segelhandbücher auch noch genaue Angaben über die Rheden und Häfen und über die Punkte, an denen der Schiffer Lotsen findet, die in gefährlichen Fahrwassern, wie sie die Mündungen der Weser und Elbe sind, bei Zeiten an Bord kommen, um die Führung des Schiffes in den Hafen zu übernehmen. An den vielbefahrenen Küsten Europas und Nor/d- amerikas sind die Leuchtseuer so häufig, daß der Schiffer vielfach zwei derselben in seinem Gesichtskreise haben wird; dies gießt ihm aber ein vorzügliches Orientierungsmittel, in die Hand. Fährt er nämlich genau in der Werse, daß das Licht eines bestimmten Turmes gerade noch über der Kimme des Horizontes sichtbar bleibt, so weiß er, daß er sich genau auf einem Punkte der Kreislinie befindet, die auf bet Staue die Sichtbarkeit dieses Leuchtfeuers bezeichnet. Sobald nun auch das Feuer eines zweiten Leuchtturmes sichtbar wird, -- 164 erkennt er, daß er sich auf dem Leuchtkreise dieses letzteren befindet. Da aber durch den Schnittpunkt Meier Kreise stets die Lage eines Punktes genau bestimmt wird, kann er mit mathematischer Genauigkeit den augenblicklichen Ort seines Schisses auf der Karte ablefen und den Kurs soweit abändern, daß er drohenden Untiefen rc. ausweicht. Zur Zeit, als England fast ein Monopol für die gesamte Seeschiffahrt besaß, waren auch die Segelhandbücher fast ausschließlich englischen Ursprunges, obwohl der Anstoß zur Ausarbeitung dieser auf Tausenden von Logbüchern — den Tagebüchern, die die Schiffskapitäne auf jeder Seereise führen müssen — aufgebauten Sammelwerke von einem Amerikaner, 'den: Marineleutnant Manry, ausgegangen ist. Seit dem mächtigen Aufblühen der deutschen Segelschiffahrt Verfügt unsere Marine aber auch über derartige Werke deutschen Fleißes, ■ bie denen des Auslandes übrigens in vielen Beziehungen überlegen sind. Die der nautischen Abteilung des Reichsmarineamtes unterstehende, von Georg Neumayer vortrefflich, geleitete Hamburger Seewarte hat nämlich die deutschen und englischen Gewässer so wie die drei großen Meerffomplexe des atlantischen, indischen und stillen Ozeans in wahrhaft mustergiltiger Weise bearbeitet, sodaß diesen Werken trotz ihrer Neuheit schon heute in fremden Marinen vielfach der Vorzug vor den englischen Büchern gegeben wird. Wie ermittelt nun aber der Schiffsführer die Lage seines Fahrzeuges und den einzuschlagenden Kurs, wenn er sich weit draußen auf dem Weltmeer befindet und kein Leuchtfeuer oder sonstiges Seezeichen ihn zurecht weist? Hier treten der Kompaß, das Log, der Schiffschronometer Und astronomische Instrumente in ihre Rechte. Gerade hier beweist die Astronomie an einem schlagenden Beispiel, daß sie nicht nur in weltverlorenem Idealismus in den entlegensten Himmelsraumen umherschweift, sondern auch eine hervorragend praktische Wissenschaft ist, ohne die die heutige überseeische Schiffahrt gar nicht möglich wäre. Mit den gewöhnlichen, als Urkettenanhängsel verwen- beten Kompassen haben die der Seeschiffe freilich nur sehr geringe Ähnlichkeit. Die Scheibe, auf der die in 32 Teile (Striche) ein geteilte Windrose angebracht ist, steht in fester Verbindung mit der mächtigen Magnetnadel, sodaß sie mit dieser mitschwingt und man jede Himmelsrichtung ablesen kann, ohne daß man das Instrument erst mühselig so zu richten braucht, daß die Achse der Magnetnadel über der Nordsüdlinie der Windrose steht; daneben ist auch die Korrektion angebracht, die wegen des Einflusses der zahlreichen Eisenteile jedes Schiffes auf die Magnetnadel in Berechnung gezogen werden muß und erfahMngsmäßig in jedem Einzelfalle bestimmt wird; außerdem trägt die Scheibe eine genaue Gradeinteilung, und endlich ist der ganze Apparat nach dem kardanischen System in einem Metallkessel derartig aufgehängt, daß er nach allen Seiten frei schwingt und durch die Schwankungen des Schiffes nicht beeinflußt wird. Ermöglichen diese Kompasse eine staunenerrtzgende Genauigkeit der Steuerung, so gießt das Log ein Mittel in die Hand, die Fortbewegung des Schisses annähernd sicher festzustelleu. lieber eine glatt sich drehende Haspel ist eine lange und dünne Seine aufgewickelt, die nach jedesmal 7,20 Meter Entfernung einen Knoten oder sonst ein Merkzeichen hat. Am freien Ende befindet sich ein an einer Kante mit Blei beschwertes dreieckiges Brettchen, das Log- scheit, das ins Wasser geworfen, sich, senkrecht aufstellt und, während das Schiff weiter fährt, ziemlich genau an derselben Stelle verharrt, wobei die Leine von der Haspel abläuft. Will man nun die Geschwindigkeit messen, so wird das Log am Stern des Schisses in das Wasser geworfen; Sanduhren, die gewöhnlich auf 14 oder 28 Sekunden geaicht sind, geben die Dauer der Messung an. Sodann wird das Log wieder eingezogen und die Zahl der Knoten festgestellt, woraus einfach die Geschwindigkeit des Schiffes besttmmt werden tarnt. Auf diese Weise kann der Schiffer, von einem ihm bekannten Punkte seiner Fahrt ausgehend, leicht feststellen, wo er sich einige Zeit später bestimmt befindet. Immerhin find aber die wechselnde Geschwindigkeit des Schiffes, Meeresströmungen und geringfügige Schwankungen der Steuerung Fehlerquellen, die das Ergebnis nach längerer Zeit unsicher machen, und eine astronomische Ortsbestimmung mit Chronometer und Sextant bedingen. Redaktion: E. Burkhardt. — Rotationsdruck und Unter ivelchem Breitengrad er sich befindet, erfährt der Schiffer sehr einfach durch Messung der Höhe irgend eines Sternes über dem Horizont. Der Polarstern steht am Nordpol etwas über einem Grad vom Nordpol und sinkt mit jedem Grad, beit ein Beobachter südlicher vom Pol steht, auch nm einen Grad gegen den Horizont herab. Ergießt daher die Messung, daß der Polarstern nur 45 Grad mit der genannten Einschränkung, sich über den Horizont erhebt, so ist das ein Beweis dafür, daß das Schiff unter bent45.' Breitengrad fährt. Mit einer kleinen Einschränkung kann auch jeder andere Stern und auch die Sonne zur Breitengrad- besttmmung benutzt werden; die Sonne speziell aber ist es, aus deren Stande der Schiffer die geographische Länge ab lieft. Um die Mittagszeit beobachtet der damit betraute Offizier mit Hilfe »des Sextanten sehr genau, um welche Stunde, Minute und Sekunde die Sonne ihren höchsten Stand erreicht. Sein Chronometer zeigt dabei die Zeit der Sternwarte Greenwich, deren Meridian als Norm jetzt allgemein angenommen ist. Zeigt seine Uhr nun-beispielsweise im Augenblick des höchsten Sonnenstandes bereits 1 Uhr und 40 Minuten Nachmittag, so beweist das, daß er sich genau hundert Zeitminuten westlich von Greenwich befindet. Da aber eine Stunde Zeitdifferenz, auf die Umdrehung der Erde bezogen, 15 Längengraden, oder 4 Zeitminuten jedesmal einem Längengrade enffprechen, so segelt sein Schiff in diesem Augenblick unter dem 25. Längengrad westlich von Greenwich. Unsichtiges Wetter vereitelt natürlich, diese an sich sehr genaue Ortsbestimmung. Dann heißt es, die Geschwindigkeit zu mäßigen und mit halber Kraft weiterKufahren, oder in der Nähe gefährlicher Küsten auch einmal gänzlich still zu liegen. Grundzüge der Verfassung des deutschen Reichs. Sechs Vorträge, gehalten von Professor Dr. E. Loening. Geh. 1 Mk., geschmackvoll geb. 1.25 Mk. („Aus Natur und Geisteswelt." Sammlung wisseuschaftlich-gemeinverständ- licher Darstellungen aus allen Gebieten des Wissens. 34. Bändchen.) Verlag von B. G. Teubner in Leipzig. Die „Erundzüge der Verfassung des deutschen Reichs" geben Vorträge wieder, die der Verfasser im Januar dieses Jahres in Hamburg im Auftrage der Ober-Schulbehörde vor einem größeren Kreise gebildeter Laien gehalten hat. In gemeinverständlicher Sprache beabsichtigen sie in das Verfassungsrecht des deutschen Reiches einzuführen und den Zusammenhang aufzuweisen, in dem die einzelnen Bestimmungen der Verfassungsurkunde untereinander stehen. Nicht einen Kommentar zur Berfassungsurkunde wollen sie geben, sondern sie wollen den Inhalt der Verfassungsrechtes nur insoweit barlegen, als dessen Kenntnis für einen jeden Deutschen erforderlich, ist, der berufen ist, durch Ausübung des Wahlrechts an der Bildung des Reichstages mitzn- wirken. Durch geschichtliche Rückblicke und Vergleiche sucht der Verfasser den richtigen Standpunkt für das Verständnis des geltenden Rechtes zu gewinnen. Die Vorträge, sollen der Er kenntnis des Rechtes, nichsipoli- tischen Parteibe st rebunig en dienen. Der Verfasser Hai sich aber nicht gescheut, da, wo er es für erforderlich erachtete, seine politische Ueberzeugung zum Ausdruck zu bringen. P y r a m i d e. (Nachdruck verboten.) G Vokal. ® G Färbwurzel. ® • • Getränk. @ @ ® @ Fluß in Asien. ® 9 @ 9 ® Deutscher Dichter. ® ® @ @ @ ® Luftige Aufenthaltsorte. ® © ® ® ® © © Wegweiser des Lebens. Von der Spitze beginnend ist jede weitere Reihe durch Hinzufügung eines Buchstabens zur vorhergehenden Reihe unter beliebiger Stellung der übrigen Buchstaben zu bilden. (Auflösung in nächster Nummer.) Verlag d-r Brühl'schen Universitäts-Buch- und Stcindruckerei (Pietsch Erben) in Gießen.