Freitag den 17. Januar. Nr. 9. 1902. EM 'M IJwUl ieles Lesen macht stolz und pedantische viel Sehen macht weise, verträglich nnd nützlich. Lichtenberg. (Nachdruck verboten.) Verschollen. Original-Erzählung von M. Ludolfs- (Fortsetzung.) Diesen weitgehenden Vorsätzen entsprechend, arbeitete Clarita unermüdlich, soweit es ihre Kräfte nur zuließen, wobei sie es nicht verschmähte, noch einmal Schülerin zu werden, um ihr reiches musikalisches Talent auszubilden, ihre klangvolle, schöne Stimme zu schulen. Beides sollte ihr helfens ihr Mittel zum Zweck werden, da gerade in Rußland, wo Musik und Musikunterricht solch angesehene Rolle spielen, ihr vervollkommnetes Talent sie am leichtesten dem vorgesteckten Ziele zuzuführen vermochte. Dieserhalb wandte sie ihrer musikalischen Ausbildung volle Aufmerksamkeit zu. Um Versäumnisse in der Beziehung nachznholen, war gerade Wien der rechte Ort. Clarita nutzte mit eisernem Willen und Fleiß dies aus; binnen kurzem war sie nicht nur die eifrigste, sondern auch die bevorzugte Schülerin eines berühmten Maestro, der ihr bereits — gelegentlich von ihrer bevorstehenden Reise nach Petersburg hörend — Empfehlungen an dortige Musikgrößen versprochen, ja, Empfehlungen, das war's, dessen sie bedurfte, nm jung, unbekannt und allein, nicht in der Weltstadt an der Newa zu verschwinden, insbesondere bedurfte sie deren, die ihr den Weg zu den glänzenden Salons der vornehmen Petersburger Welt etwas kürzten und ebneten. Gerade in dieser Beziehung sollte ihr Schwester Stefanie Beistand leisten. Diese hatte in ihrer stillen hingebenden Thätigkeit für andere ihre Clarita auch keineswegs allein arbeiten lassen, und der Oberin des Klosters Bemühungen hatten bei den Mitschwestern, in deren Kreis so ziemlich älle Nationen vertreten waren, solch' bereitwillige Unterstützung gefunden, daß das Gewünschte bald erreicht ivar. Eine der Ordensfrauen, die eine Schwester an einen deutschen Legationsrat in Petersburg verheiratet hatte, sowie eine andere, eine Polin, deren Verwandte dort lebten, stellten gern der jungen, heimatlosen Fremden als einem einstigen Zögling ihres Ordenspensionates empfehlende Briefe zur Verfügung, die Clarita in der fremden großen Stadt, auf einem ihr völlig unbekannten Terrain einen Kalt zu geben vermochten. Jedenfalls gab das Bewußtsein, die Freundin mit zwei guten Empfehlungen ausgerüstet zu wissen, der treuen Stefanie einige Beruhigung, K näher der Tag der Trennung kam. Nur die unabweisbare Notwendigkeit hatte Clarita denselben hinausschieben lassen; sowie jedoch ihre Gesundheit sich ausreichend gestärkt zeigte, setzte sie denselben fest, und so stand sie denn eines schönen Herbstmorgens ausgerüstet mit allem, was die guten Ordensfrauen zu geben hatten, scheidend auf der gastlichen Schwelle, die sie zwei Monate früher krank und elend überschritten. Nun war an die Stelle jener tiefen Ermattung neue Zuversicht, an die verwirrender Ratlosigkeit eine feste Willensrichtung getreten, die sich in ihrer weltabgeschiedenen Klosterstille gebildet, von wo aus Clarita auch ihre sonstigen Verhältnisse geordnet, indem sie nicht allein dem Marseiller Bankhaus bestimmte Weisungen übermittelt, sondern sich auch in Wien den Beistand eines sachverständigen Vertrauensmannes gewonnen, und sich so zu ihrer eigenen Legitimation eine Sicherheit und eine Unterstützung geschaffen hatte, auf die sie im Notfälle zurückgreifen konnte. Außer diesen, bei ihrer gänzlichen Heimatlosigkeit gewiß wünschenswerten Stützpunkten, hatte die arme Frau jedoch noch eins gewonnen, und sich zu eigen gemacht, den Glauben, der bereits bei ihres Kindes Tod gleich einem hellen Stern an ihrem dunklen Lebenshimmel ihr gewinkt, sie hinweisend auf die Allmacht Gottes, dessen Wege wunderbar sind, um die zu suchen, die ihn verlassen. Entschuldige, o entschuldige Herr! hatte sie noch manchesmal in der stillen Klosterkapelle vor dein Altäre aus tiefstem Herzensgründe wiederholt; denn dem Schmerz war es eben Vorbehalten gewesen, ihren geistigen Blick zu schärfen, und sie zu dem Bewußtsein ihrer Schuld, ihrer eigenen Schuld zu bringen. Sie durfte nicht andere anklagen, nur sich selbst. Dabei stand eine Lehre, die ihr einst vor Jahren Don Jose gegeben hatte, lebhaft vor ihrem Geiste: „Nutzlose Magen helfen nimmer: Hast Du den Mut gehabt, ein Unrecht zu begehen, so habe auch den Mut, es zu sühnen, durch starkmütiges Ertragen seiner notwendigen Folgen." Das war's, was die junge Frau wollte in hochherziger Treue und Ausdauer, dabei bauend auf die Barmherzigkeit Gottes. In diesem Sinne hatte ihre ganze Geistesrichtung sich geläutert; an Stelle maßlosen Schmerzes und leidenschaftlicher Verzweiflung war mitten in ihrem Summer etwas von dem inner« Frieden über sie gekommen, der die Schwachen stark macht, und in aller Verlassenheit Mut gewährt durch das Bewußtsein: „Wo alle Menschenhände zu kurz sind, da ist Gottes Hand noch lang genug." ..... Jene Zuversicht belebte Clarita angesichts des Unternehmens zu dessen Ausführung ihre thatkräftige Natur so unabweisbar drängte, um so mehr, weil auf alle unter der Hand versuchten Erkundigungen nach Alexis bte. Antworten ausblieben. Nich um einige Kunde, um keinerlei Auskunft über das Geschick des Verschollenen war die arme Frau reicher geworden, da sie nun Abschied «ehmenv! -—- 84 —— tteben Stefanie stand, welcher die Sorge um das Los der geliebten, kühnen Freundin die Thränen in die freundlichen Augen trieb. Clarita weinte nicht; fester nur hielt sie die Freundin umschlungen. „Du wirst meiner nicht vergessen, Stefanie!" sagte sie zärtlich, „das ist's, was mich jn meiner Heimatlosigkeit tröstet. Weiht Du, woran ich denken muß, wenn ich sehe, wie Du treue Seele,um mich bangst? An jenen Spruch, den uns beim Scheiden aus der Klosterschule zu Marseille die alte Schwester Josephine zuflüsterte: „Jn all' Deiner Zukunft sorge , dafür, daß Du immer jemand hast, der sür Dich zu dem Himmelsherrn betet; denn unselig ist auf Erden nur der, welcher in Not allein die Hände faltet ohne einen Helfer!" — Sieh' der guten Schwester Spruch tröstet mich in meiner Verlassenheit, da ich ja im Gebet so treue Helfer habe -n Dich Stefanie, hier auf Erden, und meine süße, unschuldige Dolores, den kleinen Engel oben am Throne Gottes. Bei dieser Fürsprache für Alexis und mich kann es uns nicht fehlen. Ich weiß es, eine innere Stimme sagt es mir: Ich werde meinen Gatten finden!" Sie sagte das fest und zuversichtlich; erst bei den Nächsten Worten voll heißen Dankes und zärtlichen .Abschiedswehes stockte ihre Stimme. Doch die Zeit drängte; sie kürzte die Trennung. Noch eine herzliche Umarmung, ein paar innige Segenswünsche Stefanies, und das letzte Lebewohl war ausgetauscht. Die schützende Klosterpforte schloß sich hinter Clarita, und der Wagen rollte mit Ihr eilig in das bunte, rasche Leben des lustigen Wiens hinaus, sie ihrer ungewissen Zukunft entgegenführend, Unterdes Schwester Stefanie still in ihren Klosterfrieden zurücktrat, dort die geordnete tägliche Beschäftigung wieder aufgreifend, wo sie dieselbe verlassen. So verschieden wie die Richtungen, welche die Freundinnen in ihrer Liebe erwählt, so verschieden gestalteten sich eben beider Lebenslosr. Mle jene Menschen Dort mit ihrem Verlangen, sich zu unterhalten, zu amüsieren, zu intriguieren, hatten ja unendlich viel zu thun, in Anbetracht, daß jeder noch ziemlich irgend ein persönliches Interesse verfolgte, außer dem allgemeinen — möglichsten Genuß aus den Freuden des-Lebens zu ziehen. Dieselben jagen einander zur Winterszeit in Petersburg, und verschiedene Gesellschaften an einem Abend zu besuchen, entspricht dem guten Ton, ist das Streben der meisten aus dieser raschlebigen schönen Welt- Daher flutete und ebbte es in Frau v- Sarafins Salon, doch war die Nacht weit vorgeschritten, ehe es etwas stiller darin und die Dame des Hauses weniger in Anspruch genommen wurde- Solch günstigen Moment nutzend, trat Nikolai Pawlowitsch Karin zu ihr: rasch kamen die beiden zu einem lebhaften Gespräch, dessen Gegenstand unvermerkt die Fremde, Clarita, bildete. Karin lobte deren schöne Stimme wie ihr musikalisches Talent, woran anknüpfend er leichthin die Frage schloß: ob es, wie er eben gehört zu haben glaube, au dem sei, daß das Fräulein Gesellschaftsdame in guter Familie zu werden wünsche? Die Fürstin gab die Richtigkeit der Angabe zu, indem sie gleichzeitig bemerkte, daß andere vorhin Mademoiselle de la Para eine glänzende Laufbahn prophezeit hätten, so sie Ihr Talent für die Bühne ausbilden wollte. Das Fräulein habe jedoch keine Vorliebe für das Leben einer Künstlerin. ^Dasselbe" — schloß die leicht begeisterte Frau — „ist eine reichbegabte — reizende Dame, deren lebhafter Geist sie antreibt, sich immer weiter zu bilden und durch Reisen in fremde Länder ihre Kenntnisse zu bereichern- Für unser Rußland scheint sie besonderes-Interesse zu hegen, daher ihre Absicht, hier eine Stelle anznnehmen, falls sich eine Sb en Ansprüchen entsprechend findet, zu der ihre ng und Erziehung sie berechtigen." „Das dürfte wohl nicht schwer halten" — meinte darauf Herr v- Karin verbindlich. „Bei dem reichen Talente, das die junge Dame besitzt, wird sie gewiß für jede Familie ein Gewinn sein, um den bald mehr als eine sich bemühen wird- Mademoiselle de la Para ist eine Französin?" „Ja und nein; ihr Vater war Franzose, ihre Mutter war Spanierin, sie selbst ist in Südamerika geboren- Sie entstammt einer guten Familie und hat eine feine Erziehung genossen- Letzteres beweist ihr ganzes Wesen, ersteres aber hörte ich von der Baronin Traber- — Das", lächelte die Fürstin grazös, „ist so ziemlich alles, was ich über Mademoiselle de la Para zu sagen weiß," „Es bedarf auch nicht mehr", erwiderte Karin höflich, „Ist es doch schon Empfehlung genug, daß Sie, Olga Alexandrowna, der jungen Fremden Ihre Freund- itnbi Gönnerschaft schenken." „Ja", rief die Fürstin heiter — „das thue ich, und that's vom ersten Moment an, da ich Mademoiselle de la Para sah- Augenblicklich war ich für sie eingenommen und völlig entzückt, als sie mir aus der Baronin Bitte ein kleines! Lieb sang .Ich lud sie darauf sofort für heute ein und ruhte nicht, bis sie meine Einlaoung angenommen. Thal icf) TC(i)t?" „Wie könnten Sie je unrecht thun, Olga Alexandrowna 1" kam es galant zurück- „Jn diesem Falle traf ich's sicher günstig. Ich verschaffte uns allen einen musikalischen Genuß und übte zugleich ein gutes Werk; denn die junge Fremde hat durch unsere gute Triber nicht viel Unterhaltung zu erwarten.^ „Wie steht's mit dem Befinden der Baronin?" „Nun so ziemlich! Denken Sie nur, Nikolai Pawlowitsch/ das junge, hübsche Geschöpf will diesen Winter alle geselligen Freuden verschmähen, um seines etwas schwächlichen Bebe's willen- Hat man je von solcher Feinfühligkeit gehört?" „Das thnt mir leid", meinte Karin, „für mich hat die junge Deutsche mit dem Madonnengesicht immer etwas! Angenehmes- Inmitten unserer prunkvollen Gesellschaften erinnert sie mich stets an ein schüchternes Veilchen, das! durch Versehen in den Kranz farbenprächtiger Blumen eingereiht wurde-" „Himmel! Nikolai Pawlowitsch — Sie werden poetisch! Freilich, einem Dichter — wie Sce — nicht zu verargen; dennoch nehmen Sie sich mit Ihrem Schwärmen in acht! Es könnte Eifersucht erregen sowohl bei uuserm guten! Jungen, dem netten, blonden Legationsrat, wie bei — nun Sie wissen, wen sonst noch ich meine!" scherzte die Fürstin mit ihrem Fächer drohend, den sie in graziösem Spiel handhabte. „Uebrigens", fuhr sie munter fort, „haben Sie es mit Ihrem Veilchenvergleich nicht übel getroffen- Es! paßt wirklich auf die stille, kleine Deutsche, die sür das! rasche Leben und Treiben in unserem Kreise gar keinen Sinn hat- Gestern gestand sie mir noch ganz naiv, sie liebe nichts! mehr, als ihre eigene Häuslichkeit- Ich glaube gar, sie leidet an Heimweh! Wie könnte sie sonst ihre Kinderstube unfern Salons voll Lust und Leben vorzuziehen! O! wie drollig sind! doch diese Deutschen! Aber sehen Sie dort, unser dicker! General Pallinski rüstet sich zum Rückzug, verabschieden Nur! ihn!" — Und im andern Momente glitt die redselige Fürsttn! mitten zwischen den plaudernden und scherzenden Gruppen hin, die allgemach sich, zu lichten begannen, je weiter drei Nacht vorschritt- Madame Magini, die Gattin des beliebten Maestro, gehörte mit zu den letzten Gästen, die sich bei der Dame des! Hauses verabschiedeten. Clarita war froh, ihr folgen zn können, die Fülle der neuen Eindrücke begann sie zu verwirren, zu erschöpfen. Alles war ja so schnell gekommen< schneller als sie es je zu hoffen gewagt, war fie dank der! Fürstin Freude am Beschützen, mitten in den Gesellschaftskreis versetzt worden, wo sie am ersten hoffen durfte, ihrent Ziele näher zu kommen- Wie nahe sie indes dasselbe beretts! heute gestreift, das blieb ihr verborgen- ■ VII- Iu der großen W elt- Sie ging die Reihen auf uud ab/ Sie frug nach allen Namen, Doch keiner, der ihr Antwort gabt Von allen, die da kamen- Bürger-. Die mit "feinem Luxus und geschmackvoller Pracht aus-! gestatteten Salons der Fürstin Olga Sarafin zu Petersburg! belebte eine zahlreiche Gesellschaft, in der sich dre russische, Aristokratie bunt mischte mit Gliedern des diplomattschen! Korps und Größen der Kamst und Wissenschaft- Aus allen! Ländern der verschiedensten Nationen fanden sich deren. Vertreter, welche die glänzende Zarenstadt, sei es zu ernenn ständigen oder nur vorübergehenden Aufenthalt gewählt/ Intit großer Vorliebe bei der gefeierten Fürstin Sarasin einj Dieselbe verstand es mit Sicherheit, das glatte Parkett der Petersburger vornehmen Welt zu beherrschen und voll liebenswürdiger Anmut ihren Salon zu einem gesuchten zu machen- Jedenfalls gehörte es in jenem Winter zum guten A/VUf O'c-v vuiy^iuyw M TeUk“ Wie sehr Alt und Jung, Einheimische und AuMildS? sich dies zur Ehre rechneten, bewies da- sie Menschengewoge, reihe durchs, ,..., iug; bis zur Zimmerdecke reichenden. SpJgei warfen tausendfach die Strahlen der Kronleuchter und Kandelaber zurück, in deren Lichtmeer die fantastischen Uniformen der Garde- und Tscherkessen-Osfi- ziere gleichsam den Goldgrund zu den kostbaren Toiletten der Damen bildeten, welche anmutig zwischen einer Fülle bon exotischen Blumen umher schwebten- Verschwenderisch zeigten diese sich zur Ausschmückung verwendet. Ihr Dust erfüllte die Luft, dazu das in tausend Strahlen sich brechende Licht, die gewandt hin und her sich bewegenden Gestalten der schönen Frauen und hohen stattlichen Männer, die schnellfließende Unterhaltung in den verschiedensten Sprachen, das -einander Zulächeln, Nicken und Grüßen, «und endlich die melodischen Klänge einer eben beginnenden Sonate, das alles schien völlig geeignet, die Sinne zu berauschen. Berauschend/ nahezu verwirrend wirkte es auch auf eine junge Fremde, die zum erstenmale ein Gast jenes auserlesenen Zirkels war- Etwas geborgen durch eine dichte Blumengruppe, stand sie neben dem italienischen Maestro Magini, der mit merklicher Spannung in seinem lebhaften Gesichte dem Spiel der eleganten Dame lauschte, die eben an dem prächtigen Flügel Platz genommen und die Weißen Hände über die Tasten gleiten ließ. Die Spielende war eine seiner vornehmen Schülerinnen, die junge Gräfin Star- niska- Sie war sich ihres Talentes bewußt, vornehme Sicherheit kennzeichnete ihr Spiel- Sobald die ersten Töne desselben voll und rein den Saal durchbrausten, verstummte jäh das bunte Stimmengewirr; tiefe Stille trat an dessen Stelle, in die nur allmählich, erst verstohlen, später regere Bewegung trat, bis endlich laute Worte des Lobes, des Dankes, der Bewunderung den Schluß der Sonate belohnten. „Sie spielt gut, meine talentvolle Gräfin", meinte Maestro Magini zu seiner stillen Nachbarin gewandt. „Finden Sie das nicht, Mademoiselle de la Para?" Die tiefen dunklen Augen der Gebragten richteten sich auf den Sprecher, das schöne Antlitz der jungen Dame belebte sich. „Gewiß, Monsieur Magini — ich finde in dem Anschlag der Gräfin etwas, was mich an Maestro Giono jn Wien erinnert." Magini lächelte geschmeichelt- „Mademoiselle haben ein feines Gehör. Gionos Anschlag ist in der That entzückend! er war lange Gegenstand meines Neides und Ziel meines ehrzeizigsten Strebens, W ich es erreicht, um die Errungenschaft auch meinen Schülern mitzuteilen."- Die Fürstin trat in diesem Momente auf den Maestro zü, was Clarita einer Antwort überhob. Fast gleichzeitig wurde sie von einigen Damen in Anspruch genommen, die zu wissen wünschten, welch' ersten Eindruck Mademoiselle de la Para von Petersburg gewonnen habe, und sie dadurch in ein Gespräch verwickelten, aus dem erst ein neuer Kunstgenuß sie erlöste. (Fortsetzung folgt.) Die gelbe Rose. Eine amerikanische Kriminal-Erzählung aus der Gegenwart von Adolf Höllerl (Hannover). (Nachdruck verboten.) John Rondh und ich waren Studienfreunde und! immer beisammen, hätten fast die gleichen sportlichen Passionen und das ist das Seltsame und Komische — ein Und denselben Geschmack hinsichtlich des schönen Geschlechtes. Als wir zu- sammen die Tanzschule besuchten, lernten wir die schöne blonde Tochter des Kaufmanns Fundon kennen. Wir verliebten uns in sie wie aus Kommando. Ich hatte bet ihr jedoch mehr Glück äls Rondh, und daher wurde sie meine Frau. Eines Tages machten wir eine Kahnpärtie, zu der auch mein Freund eingeladen wurde. Durch eine Unvorsichttgkeir stel er ins Wasser. Meine Frau, als vortreffliche Schwim- merrn, rettete ihn vom Ertrinken. Zu der Liebe gesellte sich nun auch noch bei ihm das Gefühl der Dankbarkeit, und so kam es, daß er meiner Frau häufig kleine Aufmerksamkeiten | erwies, chr seltene, schöne Blumen verehrte, und wenn er | W zufällig auf der Straße traf, sie auch nach Hause he- I l gleit eie. Dies war besonders oann der Fall, wenn meine . . mit ven eingekauften Gegenständen schwer bepackt vom Markte kam. Dann half er ihr wohl auch das eine oder andere tragen. Ich war Lehrer an der Gewerbeschule in einer Borstadt Newyorks. Mein Fach das der Elektrizität und die mll dieser Disziplin Verbundenen Wissenschaften. Da ich ein großer Verehrer des berühmten Edison bin, so ist es erklärlich, daß ich mich für alle seine neuen Erfindungen sehr interessierte. Ich schaffte mir sogar für meine Privat-, zwecke einige seiner epochemachenden Erfindungen an, worunter sich auch die überraschendste des „Phonographen" befand. Mit dessen Mechanismus ich mich oft bis spät in die Nacht hinein beschäftigte. Eines Tages kehrte ich bon der Schule gegen ein Uhr mittags nach Hanse, fand jedoch, dort angekommen, die Thür SU meiner Wohnung verschlossen. Mein Klingeln blieb erfolglos. Ich schickte zum Schlosser und ließ die Thür öffnen. Als ich meine Wohnung betrat, bot sich mir eijn schrecklicher Anblick dar. Meine Frau lag auf dem Fußboden der Mche mit durchschnittenem Halse; an ihrer Brust befand sich eine schöne, gelbe Rose. Es dauerte eine geraume Zeit, bis ich mich von meinem Schrecken etwas erholt hatte, dann schickte ich zur Polizei. Kurze Zeit darauf erschienen zwei Herren, die sich äls Kriminalbeamte vorstellten und den Thatbestand aufnahmen. Zwischendurch richteten sie seltsame Fragen an mich, über die ich mich wundern mußte, und suchten mich auszuforschen, ob ich wohl einen Verdacht auf jemand hätte. Ich antwortete auf alle ihre Fragen mit „Nein". „Wenn wir nur wüßten", sprach der eine Herr, ob sie diese gelbe Rose selbst gekauft oder zum Präsent erhalten har. Das gäbe vielleicht einen Anhaltspunkt, die Spur des Thäters zu entdecken. „Sie werden mich verstehen, Mister Hampden", fügte er hinzu, „was ich damit sagen will; denn es ist, wie Sie selbst sagen, nicht bas Geringste m ihrer Wohnung geraubt worden. Wir müssen daher das Motiv der That anderswo suchen." „Ich verstehe", sprach ich darauf. „Was aber den Spender der Rose angeht, so kann ich- Ihnen diesen mit ziemlicher Sicherheit bezeichnen." Ich erzählte nun die bereits bekannten Details mit meinem Freunde John Rondh, glaubte aber meine Ansicht nicht verschweigen zu dürfen, indem ich meine Ueberzeugung dahin aussprach, daß ich ihn einer solch grauenhaften That nicht für fähig hielte. Trotz dieser Versicherung, meinten die Herren, es wäre doch ihre Pflicht, nach dieser Seite hin Nachforschungen -anzustellen. Mit diesen Worten empfahlen sie sich und ließen mich mit meinem Schmerze allein. r Des anderen Tages erhielt ich eine Zustellung vom Krumnalgericht. Da fast die gleichen Fragen an mich gestellt wurden wie tags vorher von den Polizeibeamten, so verlief die Vernehmung mit mir ergebnislos. Was sollte und konnte ich auch aussagen? Ich wußte jä nichts, wenigstens nichts von Bedeutung. Nach mir wurde Rondh vorgeftchrt. Er schritt gerade wie ein Mann, der sich nichts vorzuwerfen hat, zwischen zwei Gendarmen in den Gerichtssaal. In dem Knopfloche seines schwarzen Rockes prangte eine schöne, gelbe Rose. Der Richter beschäftigte sich nun mit ihm. Er fragte ihn, ob er mich und meine Frau kenne, ob er die letztere ttuf dem Markte gesehen und ob er ihr eine gelbe Rose verehrt hätte. Alle diese Fragen bejahte John. Der Richter legte ihm sodann nähe, daß sich wegen der gelben Rose der Verdacht auf ihn gelenkt hätte und forderte ihn äuf, auszusagen, was er von dem Morde wisse oder zu bekennen, daß er der Mörder sei. John wendete sich ab, und mit Th'ränen in den Augen beteuerte er seine Unschuld. „Meines Freundes Frau", sprach er, „hat mir das Leben gerettet, und ehe ich mich zu einer solch schrecklichen That entschließen würde, wollte ich mir weit lieber selbst den Tod geben." Aber das half ihm nichts. Man führte ihn wieder! ins Gefängnis zurück, und ich wurde entlassen. Acht Tage wären seit dem Morde verflossen, die Trauerseierlichkeiten vorüber, und ich fing an, mich nach und nach ins Unvermeidliche zu schicken und wieder an meine Berufsgeschäfte zu denken. Es war schon spät in der Nacht. Ich hätte verschiedene Experimente mit den Edison'schen Apparaten vorgenommen ** 36 •i—• und wollte nun auch noch meinem Phonographen, der sich im Wohnzimmer neben der Küche befand, einen Besuch ab statten und seinen Plaudereien lauschen. Der Apparat hatte seit dem Tage des Mordes nicht mehr funktioniert; die Platte stand offen und konnte demnach den geringsten Lmrt in sich aufnehmen. Es war wieder das erste Mal, daß ich die Feder berührte, um ihn sprechen zu lassen. Ich begann damit. Doch was war das? Stille! . . . Die Stimme meiner verstorbenen Frau. Ganz deutlich, klangvoll und in jenem ruhigen Staccato, das ihrem Organ etwas Angenehmes verlieh. „So, nun wären wir hier . . ." Mir lief es eiskalt über den Rücken, und erschrocken sah ich mich unwillkürlich um. Wie Geisterhauch wehte es mich an. Ich lauschte mit angehaltenem Atem. Der Phonograph begann von neuem. Barmherziger Gott! Die Stimme meines Freundes John Rondy. Sollte es wirklich? . . . Unmöglich! .. . „Ja, das leidige Treppensteigen. Sie könnten es beg'nemer haben, Mistreß." Und nun? Gott sei Dank! Ein Zeiitnerstein fiel mir vom Herzen. Er ist der Mörder nicht! „Ich muß machen, daß ich, nach Hause komme. Grüßen Sie Hampden." „Ich danke, Adieu!" sprach wieder die Stimme meiner Frau. Nun hörte man Geräusch in der Küche; Hin- und Hergehen. Plötzlich ein Klopfen an der Thür. „Herein!" spricht meine Fran. Eine völlig fremde Stimme sagt: „Guten Morgen! Sie sind doch allein tu Ihrer Wohnung? Ich wurde auf der Treppe darum gefragt." Die Stimme meiner Frau: „Ja, ich bin allein hier." „Wo soll ich das Fleisch hinsetzen?" „Stellen Sie es dort auf das Fensterbrett." Jetzt — ein furchtbarer, markerschütternder Schrei. . . Ein dumpfer Fall . . Völlige Stille. . . . Der Phonograph ist! zum furchtbaren Ankläger geworden. Der Metzgerbursche Pitt war der Mörder. Eine ungeheure Menschenmenge drängte sich an die Eingänge des Gerichtsgebäudes von Newyork. Die Schwur- ?Gerichtssitzung begann. Der Saal selbst war bereits über- üllt, und alle Blicke richteten sich nach der Thür, durch die der Mörder eintreten mußte. Endlich erschien der Gerichtshof unb gleichzeitig die Jury; auch der Angeklagte wurde hereingeführt und von feiten des Publikums mit lautem Gemurmel empfangen. Es war ein junger, hochaufgeschossener Mensch von zwanzig Jahren mit feuerrotem Haar und frischem, von unzähligen Sommersprossen bedeckten Gesicht. Pitt, befragt, ob er sich schuldig bekenne, antwortete mit einem kräftigen „Nein!" Als aber sodann der Phonograph herbeigebracht wurde, von dessen Existenz er überhaupt keine Ahnung hatte, da fingen seine Kniee zu schlottern an; eisiger Schweiß perlte in schweren Tropfen auf seiner Stirne, und mit weit aufgerissenen Augen starrte er nach dem unheilverkündenden Instrumente. Und wie der fürchterliche Schrei ertönte, der schauerlich durch den weiten großen Gerichtssaal schallte und sich an den Wänden, ein grauenhaftes Echo hinterlassend, brach, da standen ihm seine Haare zu Berge, wie zur Abwehr streckte er feine Hände dem Phonographen entgegen, und mit dem Ausruf: „Ja, ich bin der Mörder!" stürzte er ohnmächtig zusammen und wurde besinnungslos aus dem Saale getragen. Im Gefängnisse machte der Lustmörder drei Selbstmordversuche, die jedoch mißlangen. Er wurde zum Tode verurteilt und mittelst des elektrischen Stromes hingerichtet. __ Gsmeinniitziges. Kalte Füße. Wir sind jetzt in die Periode der kalten unv nassen Füße eingetreten, und es erscheint mir dringend notwendig, hierüber einige Worte an di? Leser zu richten. Wir können im wesentlichen zweierlei „kalte Füße" unterscheiden, und zwar solche, die als Begleiterscheinungen irgend eines akuten oder chronischen Leidens oder einer falschen Lebensweise vorhanden sind, und solche, die nur zeitweise durch mangelhaftes Schuhwerk, naßkalte und kalte Witterung sich zeigen. Im einen wie im nndem Falle ist es notwendig, die „kalten Füße" energisch zu bekämpfen. Nicht selten kommt es vor, daß ein Fieberkranker eisig kalte Füße hat. Es ist das sehr bedenklich, weil dadurch größere Blutmassen nach oem Gehirn und dem Herzen getrieben werden, was nicht selten Phantasieren des Patienten zur Folge hat. Man gehe sofort dagegen vor, und man wird häufig durch die nachstehende Behandlung selbst das Fieber herunterstimmen, und dadurch das Phantasieren beseitigen. Man schlage die Füße des Patienten gemeinsam, oder jeden für sich, in ein nasses Tuch, hierauf in ein Stück Flanell, und lege heiße Steine oder heiße Kruken, die man thunlichst auch noch einmal feucht einschlägt, um recht viel Feuchtigkeit zu entwickeln, an diese Packung. Sobald die Fußpackung trocken ist, wird sie erneuert. Man kann dem Patienten auch nasse Strümpfe anziehen, und darüber trockene wollene. Bei den .Halserkrankungen der Kinder ist diese Anwendung von hervorragender Bedeutung. Bei chronischen Leiden sich zeigende kalte Füße erfordern eine naturgemäße Behandlung des Grundleidens. Bei kalten Füßen ohne bekannte Ursachen gehe man lokal gegen sie vor. Im Somnter gehe man barfuß in nassem Grase, mache kalte Abgießungen, Massage, viel Bewegung, genieße leicht verdauliche, nicht blähende Kost, trage leichtes Schuhwerk, möglichst ohne Strümpfe, turne, radle, bade; kurzum man fördere die Blutbewegung und den Stoffwechsel. Im Winter sind Fußbäder, namentlich Wechselbäder, vor dem Schlafengehen sehr dienlich. Zum Fußwcchselbade verwendet man zwei Eimer Wasser — heiß und kalt — und verweilt in jedem je Vi Minute. Dann geht mau mit nassen Füßen ins Bett und schlägt sie in Wolle ein. Gegen zeitweis kalte Füße schützt man sich — namentlich aber die Kinder — durch gutes Schuhwerk. Kinder sollten 6et Regenwetter stets Ueberschuhe tragen, denn es ist nichts gefährlicher, als wenn Kinder mit nassem Schuhwerk in der Schule siben. Manches Kind hat sich hierdurch schon den Tod geholt! Wer zu sitzender Lebensweise verurteilt ist, der trage hierbei warmes Schuhwerk, aber auch —! auf der Straße, da sonst kalte Füße die unausbleibliche Folge sind. Bewegung und gute Luft int Zimmer tragen auch hier zur Besserung bei, desgleichen regelmäßiger Stuhlgang. Prakt. Wegw. Würzburg. Konserven-Gemüse aller Art, wie Bohnen, Erbsen, Motten, Blumenkohl, Morcheln, Spargel rc. schmecken wie frisch aus deut Garten geholt, wenn man dieselben nach dem Entfernen der Wasserbrühe in steigende Butter kochend schwenkt, salzt und pfeffert und unmittelbar vor dem Anrichten mit einigen Tropfen Maggi-Würze durchzieht. __________ Mode. Von der „W teuer Mode" liegt Heft 8 vom 15. Januar vor uns. Dasselbe behandelt Maskenkostüme für den Karneval, aber auch die Toilettenstücke des täglichen Bedarfes. Der Handarbeitsteil des Heftes enthält eine größere Anzahl mnstergiltiger Vorlagen für verschiedene Zwecke, und der sich beständig erweiternde Unterhaltungsteil umfaßt textlich und illustrativ interessante, gediegene Beiträge. Wenn ein Journal praktisch und anregend zugleich, ist, hat es viel erreicht, und dies müssen wir der „Wiener Mode" zu- gestehen. Das Blatt verdient von jeder Dame gelesen und — gehalten zu werden. — Preis vierteljährlich (6 starke Hefte) 2.50 Ml. Zu beziehen durch alle Buchhandlungen und Postanstalten sowie direkt vom Verlag in Wien, VI. Gumpen- dorferstraße 87. Magisches Quadrat. (Nachdruck verboten.) AAAA, BB, EE, LLL, MM, 8, Uü. Vorstehende Buchstaben sind in.Ouadratform derart zu ordnen, daß vier wagcrechte Reihen entstehen die gleichlautend mit den vier senkrechten sind und Wörter von folgender Bedeutung bilden: 1. weiblicher Vorname; 2. Pflanzenteil; 3. Jdealgestalt der griechischen Sage; 4. altbiblischer Name. (Auflösung in nächster Nummer.) Auflösung des Homogramms in vor. Nr.: F B s FRITZ BIBER 8 T E R- N Z R N Redaktion: E. Burkhardt. — Rotationsdruck und Verlag der Briihl'schen UniversitätS-Buch- und Steindruckerci (Pietsch Erben) in Gießen.