1902. — Nr. 25. ^WWWWMH ei $tl ;StJ sTJlOyi^^Ävg^ ffi-gWTW^säte^^^fe sk| '.v MW J&l/ enP nicht so viel an dich! Blick' auf dic andern, FMJ Die neben dir die Lebcnsstraße wandern. — AM £rägt jeder still sein Päckchen auf dem Rücken, Und glaube mir, es wird wohl jeden drücken. Glückselig, wer versteht, die Last zn tragen Mit festem Sinn und ohne viel zn klagen. Ergebung macht die schwerste Bürde leicht, Und eh' du's denkst, ist wohl das Ziel erreicht. • Anna Ritter. (Nachdruck verboten.) Verschollen. Original-Erzählung von M. Ludolfs. (Fortsetzung.) XX. Nikolai Karin. Die Treue ist des Weibes schönster Schmuck, das Unterpfand 1 Ihres Glücks, die Krone ihrer Liebe. Ehrenberg. Die Somre, die an jenem Morgen über der freien Steppe aufzog, sah viel Verwirrung, viel Sorge, viele Thränen und viel Verdruß inmitten trauriger Verwüstung. Alle Bequemlichkeit war in Ornatoffsko zerstört. Nur wenige Zimmer im Erdgeschoß und kaum einige der Schlafstuben im ersten Stockwerke waren bewohnbar geblieben Auf diese wenigen Räume mußten sich die Herrschaften beschränken, und die Dienerschaft sehen, wo sie unterkam. Die alte Eudotja Karpowna hatte man zu Ninas, der Sol- datka Hütte gebracht, sie war von Schreck wie gelähmt und verstummt, die Sprache schien ihr völlig verloren. Dafür ging diese desto geläufiger bei der gestrengen Taliana Petrowna; sie war geneigt, der greisen Eudotja die Schuld ail dem ganzen Unglück zu geben, und hielt mit dieser Meinung keineswegs zurück. Sie mochte indes nicht Unrecht damit haben. Das alte Mütterchen, das sich aus früherer Zeit einen Schlüssel für die Zimmer ihrer Herrschaft im alten Bau geborgen hatte, liebte es, jenen Räumen einen nächtlichen Besuch abzustatten. Das war das Gespenst, der Domowoi, vor dem die Dienerschaft so tiefe Scheu empfand und sich dieserhalb stets vor näherer Untersuchung fürchtete. Ungestört hatte daher auch in jener Nacht die Alte sich dorthin geschleppt, um ihren, durch die Unterhaltung mit Feodor und Clarita aufgeregten Erinnerungen entsprechend, die Bilder ihrer toten Herrin und deren Söhne bei dem Schein ihres flackernden Oellichts zu betrachten. Während sie sich darin Genüge that, mochte leicht ein Fünkchen, ein Stückchen glühenden Dochtes auf den mürben Zimmerteppich gefallen sein, wo es unbeachtet weiter glimmend und glühend mit sich fraß, bis endlich, nachdenl die zitternde Greisin längst wieder zu ihrer Stube geschlichen. eines der allgemach aufspritzenden, glühenden Wollstäubchen den Vorhang traf und in dem leichteren Gewebe zündend, dieses rasch in Flammen setzte. Fern lag diese Erklärung nicht, jedenfalls fand sich keine andere, wenn man nicht die Geisterhand annehmen, wollte, von der das Steppcnvolk gleich der niederen Dienerschaft munkelte, während sie sich bekreuzigend, scheu die Trümmer von Ornatoffsko betrachteten. In diesem, in dem Zimmer, das sich noch einigermaßen behaglich zeigte, unten neben der Veranda, lag der letzte Ornatoff, der junge Bärin. Er klagte nicht, er wollte selbst nicht zugeben, daß er sich verletzt, aber sein bleiches, leidendes Gesicht spottete jener Behauptung: er fühlte sich nur schwach, und der Schmerz in seinem rechten Bein sei erträglich. Dennoch hatte er daran bei dem Zusammen- brechen unter der Wucht des brennenden Balkens solchen Schaden genommen, daß der ans dem nächsten Städtchen herbeigeeilte Arzt einen Verband anlegte und Schonung und Ruhe empfahl. Dringender noch gebot sich das von selbst. Die Unmöglichkeit, sich frei bewegen zu können, fesselte Feodor auf den Divan. Clarita empfand unsagbare Unruhe seinetwegen. Die ärztliche Hilfe bäuchte ihr sehr ungenügend, und die Rückreise nach Petersburg unendlich weit. Die andern drangen jedoch auf diese und rüsteten sich mit Hast dazu. Nur einer sah dieselbe sehr ungern — Herr v. Karin. . Er hätte am liebsten die ganze Gesellschaft nach seinem Gute gebracht um Claritas willen. Wie er bereits angedeutet, hatte er nur ihretwegen für Petersburg die Steppe eingetauscht, und sollte nun dort eben angekommen sein, um sie abreisen zu sehen! Nein, er wollte seinen Weg nicht vergeblich gemacht haben. Die Absicht, dic ihn dabei geleitet, mußte einzig durch den gestrigen Vorgang zu einer raschereit Ausführung gelangen. Da er einmal, fortgerissen durch die Macht des Augenblicks, seine Gefühle angedentet hatte, durfte Clarita nicht im Unklaren über seine Meinung bleiben, durfte er mit seiner Werbung nicht zögern. So beharrlich sie ihn an jenem Morgen mied, so beharrlich suchte er sie. Seine Ausdauer siegte. Im Park überraschte er sie. Er hatte ihr verstecktes, grünes Plätzchen, §tt dem die erquickende Morgenfrische sie einen Moment gelockt, herausgefundcn. Entgehen konnte sic ihm gleich nicht mehr, doch mit Geistesgegenwart suchte sic rasch dem Gespräch eine bestimmte Richtung zu geben, sofort nach der ersten Begrüßung meinte sie, hinüber «ach den Trümmern des alten Flügels deutend: „Schutt und Asche der Bau, der so lange dem Zahn der Zeit getrotzt, Geschlecht nach Geschlecht beherbergt! Wie schauerlich das aussteht! Die Leute bekreuzen sich davor aus Furcht. Was flüstern 98 und munkeln dieselben nur von Fluch und ziirnenden Gespenstern?" , „ , . , 1 „O" — meinte Nikolai Kurin sinnend — „unser rufst, ches Volk ist schon im allgemeinen entsetzlich abergläubisch — den Leuten hier hat das unglückliche Ereignis nach des alten Ornatoff Tod vollends den Kopf verrückt." „Und-, ist es wahr" — fragte Marita rasch — „was sw einander vertrauen, hat damals wirklich ein Bruder den andern ermordet?" Nikolai nickte: „Ich fürchte, dies ist bte Wahrheit. Wladimir Iwanowitsch wurde erdolcht." „Wie entsetzlich! Was aber wurde aus dem jüngeren Bruder? Die einen erklären ihn gleichsalls für tot, die andern sagen, er sei nach Sibirien verbannt. Was ist das SRitfjiotc ?/z Tas Letztere, was indes fast gleichbedeutend mit dem Ersteren bleibt; denn der Aermste ist tot für die menschliche Gesellschaft. Armer, unglücklicher Alexis!" fuhr Karin wehmütig fort, „er büßt die Uebereilung eines dunklen Momentes schwer. Sein Schicksal ist beklagenswert!" , „Wobin ist er verbannt? Und — auf wie lange Zeit?" Msterte Clarita, kaum ihrer Stimme mächtig. „Ich weiß beides nicht. Das Urteil fiel rasch und blieb der Oesfentlichkeit entzogen; so viel ich indes davon verstehe, wird mein armer, junger Freund niemals mehr aus Sibirien zurückkehren." „Sie kannten Alexis Ornatoff näher?" „Gewiß, in seiner Jugendzeit sahen wir uns ost, spater später freilich wurde er mir entfremdet, wie hier aller Welt, die sein Schicksal wohl deshalb merkwürdig kalt aufnahm." , , ,, „Und seine Familie , that ste nichts, um das schreckliche Urteil zu wenden?" ' „ „Doch — indes ließ sich nicht dagegen ankommen. Wie Wera Sergewna mir selbst sagte, erreichte sie, ungeachtet ihrer hohen Freundin bei Hose nichts, als Schonung des Namens, welchen ihr Sohn führt." „Unb — und — wird Frau von Ornatoff kernen werteren Versuch in der Sache mehr unternehmen?" „Was könnte sie nach jenem Fehlschlagen ihrer Be- mühungrn noch thun! Schon durch feine fortgesetzte Abwesenheit aus Rußland, sowie dnrch unklug geäußerte Sympathien für Polen war "Alexis Ornatoff bereits mißliebrg geworden. So spricht nichts für, alles gegen ihn. Kern weiteres Gnadengesuch hat da günstige Aussicht! Nichts könnte ihn retten, als — die vollgiltigen Beweise seiner Unschuld, und die werden nicht zu erbringen sein." „So hat er die That nicht zugestanden?" Claritas Augen blitzten bei dieser Frage, der Nikolai Karin ernst begegnete : „Soviel ich weiß — leugnete er sre." „Dann fiel das schreckliche Urteil emzig auf den Verdacht hin?" t „ „Derselbe war leider nur zti belastend, bte kopflose Flucht bestätigte ihn vollends; selbst Alexis wenige Freunde mußten dies zugestehen." „Und Sie? Halten auch Sie Alexis Ornatoff für schuldig?" c .. ± „So leid es mir thut, ich kann nicht anders", erwiderte Nikolai Karin, „aber — was ist Ihnen, teuerste Clarita, Sie erblassen! Sie schaudern!" Gewaltsam mühte die arme Frau sich zu fassen., „Kann es Sie wundern", sagte sie bebend, „wenn ich — ein Kind des Südens — zusammenschauere vor dem Gedanken an Ihr entsetzliches Eisgrab Sibirien! Zudem hat das gestrige Erlebnis in der That meine Nerven mitgenommen; ich fühle mich sehr schwach!" „Ja — Sie sehen entsetzlich leidend ans — teuerste Clarita! Mein ganzes Herz ist von Sorge um Sie erfüllt!" Und ehe Clarita es begriff und fassen konnte, wie es geschah, hatte Nikolai Karin mit ehrlichen, schlichten Worten um ste geworben, sie gebeten, feine Gattin zu werden, die er schützen und behüten dürfe nut fürsorglicher Liebe. Es ist schwer zu schildern, was Clarita bei seinen raschen Worten heißer Liebe empfand. Sie hatte kaum deren Sinn erfaßt, als sie ihn heftig unterbrach: ,„0, Herr v. Karin — nicht weiter, sprechen Sie nicht weiter! Es darf nicht sein — ich kann nie, nie ihre Gattin werden — niemals!" „ Die innere Aufregung machte sie leidenschaftlich. Bestürzt über ihre Erregung, noch mehr über ihre Worte, wiederholte Nikolai mechanisch: „Niemals! Warum? Spricht in Ihrer Seele nicht eine Regung für mich, der ich Sie liebe mit einer Liebe, die —" „Still! still!" flehte fie hastig — „ich achte, ich schätze Sie und Ihren Edelmut — aber meine Liebe — mein Herz gehört längst einem andern, gehört ihm mit unlöslichen Banden." Nikolai wurden todbleich. „Dann, dann schwrndet fr em lich jede Hoffnung für mich!" flüsterte er mit klangloser Stimme. Clarita fühlte sich tief ergriffen. Ihrem Lebensretter,- dem Manne, der die arme Verlassene so mutig durch bte Flammen getragen, dem lohnte sie dtrrch Schmerz. „Nikolar Pawlowitsch!" bat sie innig, „ich vermag es nicht. Ihnen die Liebe zu geben, die Sie wünschen, sie ist bereits mrt un- lösbaren Banden gebunden, die selbst der Tod nicht zerreißen kann — aber, Nikolai, ich empfinde tiefe Dankbartet,, wahre Hochschätzung für Sie — feien Sie mein Freund! ■ Er blickte fie an mit umflortem Blick. Dann wandte er sich hastig ab. „Später! später vielleicht — Clarita! Noch, liebe ich Sie zu sehr, um Ihr Freund sem zu tomten. Nach dem, was Sie mir vertraut, lassen Ste mtch erst Ruhe finden — jetzt kann ich Ihnen nur Lebewohl sagen/ . „So leben Sie wohl, Nikolai Karin — die Stunde totcbl kommen, da Sie ruhiger denken und fühlen lernen, dann erinnern Sie sich, daß Clarita stets in treuer Dankbarkeit ihres hochherzigen Retters gedenkt." Sie sah den heftigen Kampf, den der starke Mann innerlich nut sich kämpfte. Zartfühlend zog fie sich zurück, nachdem sie einander schweigend die Hand gedrückt. So war auch dies vorüber. Clarita erreichte ihr eigenes! Gemach mit hochklopfendem Herzen. Sie war in tiefster Seele bewegt. Wie offen, wie ritterlich hatte Karin um fie geworben; feinen alten, hohen Namen, fein hübsches Kars- kow, beides vergoldet von dem Strahle wahrer, edler Siebe legte er ihr zu Füßen, ihr, der abhängigen unbekannten Fremden, die er, unbekümmert um die Meinung der Welt,- zur Barinitschi auf dem Gute feiner Väter zu machen gedachte. Welch ein Schatten fiel dadurch auf jenes frühere, ihr gewordene Werben zu heimlicher Trauung, zu leichtfertiger Flucht. Nicht zu gesicherter Heimat hatte Alexis ie geführt, und doch liebte er sie, tote sie ihn - den teueren, einst so leichtlebigen, nun so schwer heimgesiichten Gatten! — O! wenn sie ihn nur retten konnte? Wenn nur jemand ihr helfen wollte! Sollte fie Nikolai ihr ganzem Geheimnis vertrauen? Ihn um seine Hilfe,, seinen Rat bitten? Hätte er zugestanden, ihr Freund zu sein, sie wurde gesprochen haben. So — konnte sie es? Konnte sie den Mann, fast im selben Augenblick, da er ihr ferne heiße Liebe gestand, um die Rettung ihres Gatten angehen? Seine Hochherzigkeit war groß — vielleicht hatte sie es versuchen sollen. r. Unschlüssig, schwankend in ihren Gedanken, stand ;ie eine Weile, endlich schritt sie sinnend nach der Veranda Vorhin hatte sie Karin dort hingehen sehen, vielleicht fand sie ihn noch. . I Ja — Nikolai Karin stand noch daselbst, aber neben! ihm die kleine, gesprächige Lisavetta. Beide kehrten der Nahenden den Rücken. Lisavetta hatte das krause Köpfchen zu dem hohen Manne emporgehoben und sagte eben weich und kindlich: „Es ist nicht möglich, es ist undenkbar,- Nikolai Pawlowitsch, daß Sie sich hier fh der emsamen Steppe vergraben wollen! Werden Sie wirklich nicht nach Petersburg zurückkehren?" ~ , , , , Nein, Lisavetta Sergewna!" Er sagte das freundlich,- mild" wie man zu einem lieben Kinde spricht. »Nein - ich werde mich, wie Sie es nennen, hier tu der Steppe begraben, ich verlange nach dieser Ruhe; — denn im Hochsommer muß ich mich nach Deutschland begeben zu einem! „Stelldichein" mit meinem alten Verwandten General Romanzow. Nach Petersburg komme ich sicherlich so bald I nichts to{e m(m vermissen wird!" seufzte das hübsche Mädchen kleinlaut. , fnW(, „Thörichte Kleine!" meinte er fluchtig. „Wer sollte berntin^ n ? es thun", gestand aber Lisavetta! naiv ?Wie ich ohne Ihre Güte und FreundMkeit Weras ewiges Mäkeln und Kritteln ertragen soll, ist mir unerfindlich !" 99 Die Ledertasche. Und trotz Schnee und Wind strebt Huret schneller vorwärts- . . . Wenn er doch nur lausen könnte, aber das Opfer der Pflichttreue. Bon Devreton- Autorisierte Uebersetzung von A- Heim. (Nachdruck verboten.) Servern, um ryn mit |iwj w i i)em W^^^r! irie mit Bedauern, fallen noch j seine Frau sogar versucht, ihn überhaupt von dem Gange abzuhalten: „Um einen Brief, einen einzigen; den kannst Du auch ganz gut morgen abtragen. Bei solchem Wetter sagt man ja keinen Hund vor die Thür". Aber er, Huret, hat davon nichts wissen wollen- Er 'hat die Ledergamaschen festgeschnallt, den braunen Lodenkragen umgenommeu, und ist tapfer darauf los gegangen. Seine Gedanken sind in seinen vier Wänden- Er sieht sich wieder, wie vor zwei Stunden, an einer Ecke des Tisches seine Suppen essen, während seine Frau neben ihm sitzt, und den jüngsten stillt, der sich wie ern kleiner Unbaud gebärdet. Der Aelteste, ein Jungchen von vrer Jahren, neckt die Katze, die am Herdfeuer hegt. ... . Während er marschiert, sieht er das alles wieder greifbar deutlich vor sich, er merkt nicht, daß der Schnee von Mr- ! nute zu Minute dichter fällt, der Wind heftiger ihm entgegenbläst. O, Kraft der Einbildung! Er glaubt sogar das Brodeln des Topfes wieder zu hören, in dem das Fleisch für den Sonntag kocht. . . wie gemütlich das sein wird. Stärker und stärker wird Wind und Schnee, und Huret kommt nur langsam vorwärts. Er fühlt, wie die Kalte durch die Sachen ihm bis an die Knochen dringt: tue Beine werden ihm ganz steif, und «in Gefühl des Unbehagens, wie von banger Furcht, überkommt ihn- Der treibende Schnee macht ihn ganz blind, und er steht zuweilen still, weil er nicht weiß, ob er noch vo/waru- gehen, oder umkehren soll. Nur den wirbelnden Flockentanz hat er vor Augen, und vor Milte und Augst fangt er an Schlechtes Wetter für einen Landbriefträger... ern eisiger Nordost fegt pfeifend daher, und rafft den Schnee wie zum Spiel von den Feldern, um ihn mit sich zu l führen. Vereinzelt nur, Lh mit Bedauern, fallen nr..; einzelne Flocken vom grauen Himmel, der sich tn ferner | Schwere auf die Erde zu neigen scheint. In unförmigem Weiß liegt das flache Land da- Hie und da nur hebt I sich in Grau eine Häusergruppe oder in tieferem Schwarz ein Baumstamm gegen die weiße Fläche ab- Wie Trauer, ja tot, liegt es über der ganzen Gegend. Es ist gerade, als wollte die Natur für ewig allem Blühen, aller Pracht entsagen, und wie ein Alp legt es sich auf die Menschen. Jean Huret, der Postbote von Saint-Pierre, einem kleinen Dorf in der Dauphinß, war, wie immer, unterwegs, um die Runde zu machen- Auf einem schmalen Weg am Feldrain schritt er dahin, und dachte mit sehnsüchtigem Verlangen an die Pracht, die ihn sonst hier umgab, und die nun verschwunden war- Ja, sonst war es em Vergnügen, hier zu gehen, namentlich im Frühling, wenn die Felder noch grün sind, und, so weit das Auge reichte, es wie das Wogen des Meeres darüber hingmg; die Lerchen stiegen dann jubelnd in die Höhe, und die Mwe, die Spenderin aller Pracht, die Jean Huret mir dem Instinkt des Bauern über alles liebte, strömte dann den frischen, kräftigen Geruch aus, der bewies, daß sie an der Arbeit sei, alles, was auf ihr keimte, zu ernähren- Ja, dann war es eine Freude, mit tiefen Zügen Atem zu holen! . . . Aber heute, nein, es war wirklich em Hundewetter! Und Huret schalt vor sich hin, und strebte so rasch, wie der Schnee, durch den er stapfen mußte, es nur zulieh, vorwärts. Manchmal glitt er aus, und suchte dann mit Hilfe seines derben Stockes das Gleichgewicht wieder zu gewinnen. Eigentlich war ihm ja, trotz allen Brummens, Armes Kind'" Ueber Karins bleiche Mienen flog ein I das Wetter ganz gleich. Was kümmerte er sich, als ein- sreundlich-wehmütiges Lächeln, mit dem er dem treuherzigen I stiger Soldat, um den Schnee. Der Schnurrbart ist ganz RUck keiner kh^en Freundin begegnete; bittend hielt die- steif gefroren, und manchmal schüttelt er sich die Flocken ft!be ihre schuldlose/ blauen Augen zu dem Vertrauten aus den buschigen Augenbrauen. Aber dennoch gleitet ihres kindlichen Kummers erhoben, sie standen voll Thränen. ab und zu em Lächeln über sein Gesicht. Arme kleine Lisavetta!" wiederholte er liebreich — I Huret denkt an den Brief, den er m der Tasche hat! vertagen Sie nicht feien Sie geduldig! Man sagt, Zeit .... und wieviel Freude wird sein Kommen in dem bringe Rosen'" Gehöst, da drüben hinter jener Anhöhe, bereiten. . . . Elarita hatte nur einzelne Worte vernommen. Lisa- Welch' eine große Reise der kleine Brief gemacht hat! . . . vetta stand zwischen ihr und Karin. Der kleine Umstand Zwei alte Leute sitzen dort, die haben nur ein Kind, entschied. Unbemerkt zog Clarita sich wieder zurück. Ich einen Sohn- Von der Tochter, der Zehe, spracht kerner will die beiden nicht stören! sagte sie sich; später findet mit den armen Alten; denn die rst eures Tages auf sich wohl noch die Gelegenheit, Karin ungestört zu sprechen, und davon gegangen m dre große Stadt, und niemand Das Sväter indes kam nicht; denn als etwa nach einer I hat je wieder etwas von ihr gehört; sre rst untergegangen, halbelrMunde^Lritas Blick durch das Fenster fiel, sah wie 'so viele Mädchen, und hat sich nichtwieder in der sie eben Nikolai Karin mit seinen drei Falben, einem prach- Hermat blrcken lassen- Dre Lrebe der alten Leute hat srch tiqen Dreigespann, aus dem Parkthore fahren. Still hatte I da mit doppelter Kraft auf den Sohn v er ernt- Der wrrd er Abkckned von Ornatoffsko genommen. I ihnen ja doch blerben, der wrrd nrcht aus dem Elternhaus Folgenden Tages hielt an der Freitreppe keine leichte I fortgehen; er wird die Felder bestellen, für dre schon Troika wohl aber der große Reisewagen, in dem man I seine Vorfahren gesorgt haben, und wenn er ernst smne Feodor möglichst bequem zu befördern hoffte. Alle I Aufgaben erfüllt hat, dann wrrd er an rhrer <-erte zur 4-^v.ofpv, im her Äeimkebr insbesondere Herr Galuschkin, I letzten Ruhe bestattet. Aber nur zu rasch hotte er das der h-nae Gelebrte d?r sich während der letzten ereignis- mrlitärpflichtige Alter erreicht. Er muß srch stellen, und vollen Taa^ am meisten durch tiefes Schlafen »nd »er. alles Jammern, alle Thränen helfen nichts «8 Marine. BE—Ss-SW -WHWM &SS die MmLLe^die v^n dort kommen »As-r Lisavetta war still und in sich gekehrt. Petersburg rrcht. ... hatte viel von seiner Anziehungskraft für sie verloren; Wochen, Monate gehen rn banger Erwartung dahrn. sie dachte einigermaßen mit Schrecken an ihrer Schwester Oh! ihr Hoffen mrt jedem Morgen, das aufhort, sobald aufgeregte und dieserhalb sicherlich grämliche Stimmung, der Briefträger vorder rst! Jeden Morgen warten dre Sie irrte darin nicht. Frau Wera war in übelster I Alten an der Hausthur, und schon von wertem, sobald Laune. Schon Nikolais plötzliche Mreise nach seinem Gut I sie ihn erblicken, rufen sre: „Nun, Huret, nichts für hatte sie in solche versetzt und ihren höchsten Zorn erregt; I uns heute?" . denn sie wußte jener Fahrt die richtige Deutung zu geben. I Und der Brreftrager schüttelt mrt dem Kopf fern (Fortsetzung folgt.) I " et$effern waren die Alten ganz verzweifelt. Mutter schlug die Hände vors Gesicht, und weinte laut auf, während der Mann den Kopf senkte, und sich verstohlen mit dem Rücken der Hand über die Augen fuhr. Aber heute, heute hat er etwas, heute bringt er endlich den erwarteten Brief, er steckt wohlverwahrt in seiner 1Ö0 M zittern. Was! Er wirb doch nicht in dem Schneesturm umkommen sollen? Alle möglichen Geschichten von Menschen, die von Schneetreiben begraben worden sind, fallen ihnc ein; in Menge, in buntem Gewirr kommen sic ihm in die Erinnerung. Er fühlt sich plötzlich kraftlos, und über seine kalten Lippen gellt der Rufi Hilfe! . . . Vor seinen fiebernden Blicken ist es ihm, als wenn er in einiger Entfernung ein Haus sich undeutlich gegen die Schneemassen abheben sieht, und wie der Ertrinkende «ach einem rettungbringenoen Schiff die Arme ausstreckt, so thnt's auch Huret, und wieder gellt sein Angstruf: Hilfe! Hilfe! Ta, was ist das? . . . war das nicht Hundegebell? er lauscht . . . wartet. . . kommt jemand . . hat man ihn gehört? . . . aber nein! Alles ist still, das Blut, das in seinen Ohren saust und braust, hat ihn getäuscht. Weit und breit ist kein Laut zu vernehmen. Und noch einmal versucht Huret vortvärts zu dringen, die Augen treten ihm aus den Höhlen, der Kopf brennt Ivie Feuer. Und wieder, noch lauter schreit er: Hilfe, zu Hilfe! und der Wind nimmt den Schrei mit sich. Nichts, nichts! Da versagen Plötzlich die Beine den Dienst, Hurer kämpft nicht mehr gegen die Elemente an- Er fällt auf die Knie, die Pulse jagen, und vor den Ohren saust und braust es von Sekunde zu Sekunde lauter und lauter.. Plötzlich aber taucht in dem ermatteten Hirn wieder der Gedanke an die Seinen auf, die warten ja auf ihn- Sein Weib, seine Kinder, für die er sorgen muß, • . . soll er die denn nie, nie Wiedersehen... ist das denn möglich? Er richtet sich wieder auf. Er will leben, er muß leben, muß für Weib und Kinder sorgen! Was sollen sie denn ohne ihn anfangen? Und seine ganze Energie kehrt bei dem Gedanken zurück, und Wieher, auf Händen und Füßen diesmal, sucht er vorwärts zu kommen- Tiefer und tiefer wird der Schnee, die Zähne schlagen Huret aufeinander, aber ein Gedanke spornt ihn an: Weib und Kinder. Barmherziger Gott! Er hat versucht, sich aufzurichten, er verliert den festen Stützpunkt, gleitet, rollt vorwärts, mit Blitzesschnelle taucht noch einmal sein Weib vor seinen Augen auf, ein Schrei, ein schriller, abgebrochener Schrei lvird vernehmbar, und Hurets Körper rollt willenlos in die tiefe Schlucht hinab- Und der Schnee, der weiße Schnee fällt dichter und dichter, und legt sich wie ein feierliches Leichentuch über das Opfer der Pflichttreue. Am Ende des Dorfes in einem kleinen Häuschen steht eine Frau am Fenster, angstvoll drückt sie das Gesicht gegen die Scheibe, und späht nach der Richtung, aus der ihr Mann kommen muß- Auf dem Arm hält sie den Jüngsten, der mit den kleinen dicken Händen gegen die Scheiben klopft- Neben ihr taucht ein "Blondkopf auf: er ist der Aelteste, der schon eher begreift, was um ihn herum vorgeht, und der fragt: „Mutter, warum kömmt der Vater noch nicht?" Aber das Kleinste freut sich über die tanzenden Flocken, und jauchzend klopft es mit den rosigen Fäustchen lauter und lauter gegen die Scheiben- Und der Schnee fällt und fällt. . . und vergebens wartet das arme Weib . . . und vergebens warten die alten Leute. . . der Postbote kommt nicht. Er ist ein Opfer der Pflichttreue geworden. Johann Sebastian Bach. Als dritter Band des elften Jahrganges der Veröffentlichungen des „Vereins der Bücherfreunde" (Geschäftsleitung: Verlagsbuchhandlung Alfred Schall, königl. Hofbuchhändler, Berlin W. 30) erschien: JohannSebastian Bach. Ein Lebensbild von Pfarrer Hermann Barth. Preis geheftet 3 Mk. 50 Pfg., gebunden 4 Mk. 50 Pfg. Für Mitglieder des „Vereins der Bücherfreunde" kostet der Band nur 1 Mk. 85 Pfg. geheftet, 2 Mk. 25 Pfg. gebunden. Immer größer wird die Gemeinde, bte zu Johann Sebastian Bach, als dem großen Wunderstern an dem Himmel der Musik aufschaut. Bach — der unübertroffene religiöse Tondichter, Bach — der Begründer der gesamten neueren Instrumentalmusik, Bach — der Meister der Fugen, der Suiten, der Kantaten, der Passionen, der Messen: immer tiefer wird er von unserer Zeit erkannt, immer weiter dehnt sich sein Ruhm aus, immer begeisterter lauschen wir seinen Harmonien; und stets von neuen Seiten den großen unerschöpflichen Heros betrachtend, schwillt die Bachlitteratur an- Die Notwendigkeit eines biographischen Werkes, nicht lediglich für Fachleute geschrieben, und doch auch nicht oberflächlich den großen Mann behandelnd, hat sich eigentlich von Jahr zu Jahr dringender herausgestellt. Wer nicht das epochemachende Werk von Philipp Spitta, zwei dicke Bände mit ziveitausend Seiten, ober das vierbändige Werk von Bitter durch studieren wollte, war allein auf das Heft bet Reclamschen Universalbibliothek angewiesen. Hermann Barth hat es übernommen, in einem flüssig und anziehend geschriebenen Buche das Leben und die Werke zu beschreiben. Er will den schlichten und doch so selbstbewußten Mann in seiner Eigenart zeigen, den arbeitsamen und schasfensfreudigen Künstler von Gottes Gnaden, seine Kämpfe mit der kleinlichen Gesinnung feiner Zeit und sein häusliches Familienglück; er will über die Werke Bachs orientieren, knrz in sie einführen, und er will das für alle Zeiten grundlegende Wirken und die Bedeutung des Tondichters vor Augen stellen. Auf gründlichem Wissen beruhend, ohne doch durch ungemütlich trockene Peinlichkeit zu ermüden, wird das Werk jedem, der noch nicht tiefer in ihn eingedrungen ist, beit großen Meister nahe bringen, und auch in dem Kenner neue Liebe zu dem ewig jungen Genius eines Bach zu erwecken. In reizvoller kurzer Folge, durch manche Kleinigkeiten gewürzt, wechseln die einzelnen Abschnitte ab, und überall, auf jede Weise weiß der Verfasser das Interesse des Lesers für seinen Helden zu erregen und zu fesseln- Dem „Verein der Bücherfreunde" muß man Dank wissen, daß er neben den guten Romanen auch derartige lehrreiche Werke veröffentlicht; das deutsche Haus mit guten deutschen Büchern zu versorgen, diesen verdienstvollen Zweck erfüllt voll und ganz oer „Verein der Bücherfreunde". Ausführliche Prospekte liefert jene Buchhandlung und die Gefchästsleitung oes „Vereins der Bücherfreunds in Berlin W- 30. Heiserkeit und leichte Erkältung, von manchen wenig beachtet, sind oft Vorboten schlimmerer Ereignisse, denn sie bergen ganz gefährliche Keime dauernder schwerer Leiden.. Wer diesen rechtzeitig vorbeugt, der thut wohl daran. Zu den wirklich wirksamen Vorbeugungsmitteln gehört eine gute Tasse Fleischbrühe, leicht und rasch hergestellt auf allgemein bekannte Art aus Liebigs Fleisch- Extrakt (nur echt, mit Liebigs Namenszug in blauer Schrift quer durch die Etikette). Wer dies erwärmende, zugleich wohlschmeckende und erquickende Getränk zu geeigneter Zeit zu sich nimmt, der stärkt und kräftigt den Körper zur Ertragung winterlicher Strapazen, sodaß er dem Einflüsse rauher Witterung zu widerstehen befähigt ist. Bilderrätsel. (Nachbildung verboten). (Auflösung in nächster Nummer.) Auflösung des Zahlendiamants in vor, Nr.r B Ara Liebe Breslau Salbe Raa u Redaktion: E. Burkhardt. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts'Buch- und Steindruckerci (Pietsch Erben) in Gießen.