(Nachdruck verboten.) Em verhängnisvoller Ning. Novelle von E. Hain berg. , ; (Schluß.) Und nun nwch. zwölf einsam verbrachten Jahren, in denen kein Gedanke, kein Suchen nach einer neuen Liebe sie angefochten, nun dieses Erwachen all der schlummernden Gefühle durch das Wiedersehen mit dem einen, nie Vergessenen. Diese Macht des neu überkommenen Sehnens und Hoffens, als sei die Jugend mit ihren Ansprüchen an Liebe und Glück nicht längst von ihnen entflohen. Und so unvermittelt, so unvorbereitet war das alles an sie herangetreten — die alte Liebe und das neue Hoffen hatten in wenigen Tagen sie mit allmächtigem Zauber aufs neue umsponnen. „Hella", klang abermals des Mannes Stimme an ihr Ohr. „Hella, kennen Sie die Geschichte der beiden Ringe, die uns zwei zum Verhängnis wurden?" „Nur zum Teil", antwortete sie, sich aus ihrer Beklommenheit aufraffend. „Darf ich Sie Ihnen erzählen?" „Ich bitte darum." Er begann: „Einer meiner VorfalMn, Justus von Predow mit Namen, liebte seine ehemalige kleine Spielgefährtin, die Tochter des Försters Reichenbach auf seiner Eltern Gut, und wollte sie zu seinem ehelichen Gemahl machen. Dieser beabsichtigten Ehe aber widersetzte sich der Water des jungen Mannes. Er wies dem Sohne nach, daß laut Familiengesetz er gänzlich außer stände sei, eine unstandesgemäße Ehe einzugehen, wollte er nicht aller Rechte auf das Erbe, selbst auf den väterlichen Namen für alle Zeiten Verzicht leisten. „Nun ivar zwar Justus Liebe zu der schönen.Maria so groß und wahr, daß er gern auf alles verzichtet hätte,, wenn er sich damit hätte den Besitz der Geliebten erkaufen können. Mber was hatte ein junger Edelmann von damals wohl gelernt, um auf eigenen Verdienst angewiesen, sich daraufhin eine Familie gründen zu können? „Dennoch verzagten die beiden Liebenden nicht, sie hofften, wie alle in der gleichen Lage, auf ein günstiges Ungefähr, das als rettende Hand ihnen die Brücke zum ersehnten Glücke bauen sollte. Sie schwuren sich! daher ewige Freitag den 14. Mär;. T®. 1902. — Nr. 89. L’-h Ati >er Wind facht an ein winzig Fünkchen Glut, Der Wind löscht aus die lichterlohen Flammen; Ein Wort, cs richtet auf den zagen Mut, Ein Wort, es bricht den stolzen Mut zusammen. Güll. Treue, und Justus, von Predoiv ließ zwei gleiche Ringe an- fertigen, welche ein schön geschliffener Rubin in Herzform schmückte. Im Innern waren die Anfangsbuchstaben ihrer Namen, I. v. P. und M. R. mit der Jahreszahl 1823, ein- graviert. „Den mit I. v. P. gezeichneten Ring übergab Justus seiner Maria mit den Worten: „Diesen Ring übergebe ich Dir als Pfand meiner Treue; so lange Du den Ring an Deinem Finger trägst, betrachte ich Dich als meine Verlobte Braut. Wer hüte Dich, ihn je abzulegen, oder ihn zu verlieren — es würde der Tod unserer Liebe sein!" „Und Maria trug den Ring an ihrem Finger und jeden Tag drückte sie ihre Lippen daüauf, und es war ihr, als küsse sie den Geliebten. „Die Jahre gingen dahiik. Von Zeit zu Zeit hatten die Liebenden ein geheimes Stelldichein im Walde, doch auch diese wurdell immer seltener, weil sich allerlei Hindernisse auch diesen kleinen, unschuldigen Zusammenkünften in den Weg stellten. Die Aussichten der Verlobten waren um nichts besser gelvorden. Maria siechte in stillcin Grain dahin, und ihre Lage war umsomehr eine verzweifelte, als auch ihre Eltern darauf drangen, die unnütze Liebelei aufzugeben und einen Mann ihres Standes zu heiraten. Freier hatte ja Maria genug, denn ihre Schönheit und häuslichen Tugenden waren rühmlichst bekannt. Sie aber wollte keinen, als den, dem ihre Liebe gehörte, dem sie Treue geschworen. So geriet sie in bitteren Widerstreit mit ihren Empfindungen und dein Wunsche und Gebot ihrer Eltern. Das zehrte endlich an ihrer Gesundheit, ihre schon schlanke Gestalt wurde noch schlanker, und das zarte Rot ihrer Wangen erblich, es stand schlecht mit ihr. „Da ging sie eines Tages einmal wieder zu dem geheimen Stelldichein, wie sie zu sich sagte, dem letzten. Denn sie war nun entschlossen, den Geliebten zu bitten, ihr ihv Wort und ihre Freiheit zurückzugeben. Sie fühlte es, mit ihr ging es zu Ende. . In kurzem würde ihr zarter Körper den verheerenden Einflüssen von Gvam und nie ruhender Sehnsucht erliegen. Weshalb sollte sie da ihren Eltern sich nicht gehorsam zeigen und ihnen vielleicht eine letzte Freude bereiten ? „Wie sauer und beschwerlich ihr der Weg tvurde. Solche Müdigkeit hatte sie noch nie verspürt. Einen Augenblick ausruhen mußte sie. Ah, und da die Fülle von Anemonen und blauen Leberblümchen! „Sie ließ sich nieder in das weiche Moos, mitten zwischen dem Blütenreichtum, und ihre Hand pflückte und wand zum Strauß, was sie fassen konnte, das sollte eine letzte Gabe für den Geliebten sein; einen Teil wollte sie für sich behalten als ewige Erinnerung ihres letzten Zusammenseins. . . „Neu gestärkt erhob sie sich. Es war inzwischen wohl eine halbe Stunde verflossen, sie durfte Justus nun nicht länger warten lassen. Ah, da kam er ihr schon entgegen! Ihre Hände lagen ineinander, ein Kuß briannte auf ihren — 154 Lippe». Dieses Letzte vor dem ewigen Auseinander,gehen wollte sie sich gestatten, noch einmal volles Licht — Sonnen- schein, dann ewige, finstere Nacht! .Langsam löste sie sich aus seiner Umarmung, jetzt wollte sie ihm das Unabänderliche sagen, ihn bitten, nun auch seinem Vater ein gehorsamer Sohn zu sein. Wer ehe sie dazu kam, faßte er in großem Befremden, fast Zorn, ihre Hand." „Den Ring hast Du abgelegt?" fragte er, und Flammen sprühten in seinen Augen. Schreckerstarrt sah Maria auf ihre Hand. Der Ring fehlte; sie mußte ihn beim Blumenpflücken unbewußt ab- gestrerft haben; ach, er war ja in letzter Zeit so locker geworden. „Wo hast Du den Ring hingethan? Ist das Deine Treue'?" p polterte der Erregte hervor. „Verzeihe mir, Justus", stammelte das erschreckte Mädchen, „ich muß ihn vorher beim Pflücken dieser Blumen verloren haben, er war mir so weit geworden. Doch ich will zurückgehen und chn suchen." Sie eilte davon, und Justus sah ihr finster nach. Verloren hatte sie den Ring, den sie hüten sollte als höchstes Kleinod, und dessen Verlust vorbedeutend das zwischen ihnen bestehende Bündnis zerriß. Doch hatte Maria nicht auch von „zu weit geworden" in Bezug auf den Ring gesprochen? Wahrhaftig, sie sah nicht gut aus, das sah er jetzt, als sie mit erblaßten Wangen ihm wieder entgegentrat; vorher in der Erregung hatte er das nicht bemerkt. „Hier ist der Ring", sagte Mama traurig, ihm das Kleinod entgegenhaltend, „ich hatte, wie ich vermutet, ihn beim Sammeln der Blumen abgestreift. „Doch, Justus, nun noch eine Bitte", fuhr. sie mit Lebender Stimme fort, und Thränen glänzten in ihren schönen Augen. „Und diese Bitte?" fragte der junge Edelmann, indem sein Blick forschend auf Maria ruhte. „Behalte den Ring, der nicht an meine Hand gehört. Ein Ehepaar kann aus uns niemals werden. Dein Vater und die Gesetze Deines Hauses sind gegen uns. Erfülle also Deines Vaters Wunsch und führe ihm eine Tochter aus ebenbürtigem Geschlecht zu. Auch meine Eltern wünschen meine Verheiratung mit einem einfachen Bürgersmann. Meine Tage — das fühle ich — sind gezählt, Dir kann ich nicht gehören, gieb mir also das Recht zurück, meiner Eltern Wunsch zu erfüllen." Immer dunkler ward die Glut, die über Justus Gesicht flammte. „Also darauf war es abgesehen", fuhr er heraus. „Du sehntest Dich nach Freiheit, nach einem neuen Liebhaber. Unser Verlöbnis ist Dir langweilig geworden! Da war es wohl auch kein bloßer Zufall, daß der Ring vom Finger fiel, denn Du wußtest ja, daß dies für mich gleichbedeutend mit dem Bruch unseres Verlöbnisses, daß es gleichsam der Tod unserer Liebe sein würde." „Es thut mir leid, daß Du das so auffassest", sagte Maria, eingeschüchtert von dem Zorn des Geliebten, „aber mag es drum sein, wenn es zur Lösung eines Bündnisses beiträgt, das keinen Segen in sich birgt. „So laß uns denn voneinander scheiden. Gott gebe, daß Dn reichen Ersatz für das Verlorene findest. Du wirst das Weib lieben lernen, welches Dein Vater für Dich bestimmt hat, denn Elisabeth von Haagen ist sanft und gut, fie wird Dir eine liebevolle Hausfrau sein." In seinem ungerechten, alles überwuchernden Zorn achtete Justus des sichtbaren Schmerzes Marias nicht, sah nicht, wie sie mit übermenschlicher Kraft das eigene Leid zurückdrängte, um dem Geliebten den Abschied zu erleichtern. „Geh'", sagte dieser kalt, „da Du mir keine Treue gehalten. Aber der Ring sei verflucht, den Du mir zurück- giebst! Nie schmücke er die Hand einer glücklichen Braut, es sei denn, daß ihre Liebe schon vorher die Probe der Treue bestanden hat." „Hellä, jener Ring befindet sich in meinem Besitz. Der Ihre hingegen ist derjenige, den Justus von Predow am Finger trug, welcher sich auf dessen Enkeltochter, die Ihre Urgroßmutter ward, vererbte. „Darf ich Ihnen nun Marias Ring an den Finger stecken, ich denke, er hat endlich den richtigen Platz gesunden. Unsere Liebe hat sich trotz allem, was dazwischen liegt, bewährt, denn sie ist dieselbe, wie vor zwölf Jahren — und damit wäre der Fluch — wenn ein solcher wi.rMch hätte Verwirklichung finden können — für alle Zeiten gebrochen. Hella, darf ich?" In seliger Verklärung sah sie zu ihm auf. „Wäre es denn möglich, daß Sie mich wirklich noch so liebten? Ich bin inzwischen ein altes Mädchen geworden." „Mir noch immer das Liebste und Teuerste auf der Welt! — Hella, lassen Sie uns einen, was lange getrennt, sich doch einmal wieder zusammenfinden mußte — erlauben Sie, daß ich diese schöne, geliebte Hand mit dem Ringe der unglücklichen Maria schmücke, die in ihrer Treue nie wankend geworden, und der nur ein unglückseliges Geschick die Erfüllung ihrer schönsten Lebenshoffnung raubte. „Der Fluch, der über den Ring ausgesprochen wurde, war ein ungerechter, und Dir und mir soll der Ring der Talismann unvergänglichen Glückes fein." „Ich beuge mich Deinem Willen, Du Lieber, dessen Bild nie aus meinem Herzen entschwunden", sagte Hella mit ihrem alten, anmutigen Lächeln. „Wer nun nimm auch von mir das Pfand der Treue entgegen." Sie zog eine Schnur hervor, die sie unter chrem Kleide verborgen trug. Der Ring mit dem Rubinherz hing daran. Ein Jubelruf von den Lippen des Mannes — ein seliges Umschlingen zweier nach langen Kämpfen endlich Vereinten. Minuten verflossen, ehe die Glücklichen sich wieder chrer Umgebung erinnerten. Hella richtete sich nun erschrocken auf, einen scheuen, verlegenen Blick um sich werfend. Löhnberg sah es und lächelte. „Mache Dir keine Sorgen, mein Lieb, bald mein Weib. Keines Menschen Auge hat gesehen, wie Du für einen kurzen Augenblick an meinem Herzen geruht, und wenn auch — was schadete es? „Weißt Du, daß ich Dir einen Vorschlag zu machen habe, der aller Geheimthuerei mit einem Schlage ein Ende bereitet? „Lassen wir uns trauen, sobald wir die erforderlichen Papiere in Händen haben, und der erstaunten Welt mit einer vollendeten Thatsache entgegentreren. „Nach vollzogener Trauung setzen wir gemeinsam unsere Reise fort, nach Italien, oder wohin sonst mein Weih wünscht. Ein Nachurlaub für mich! wird wohl ohne besondere Schwierigkeiten zu erlangen sein. So reisen wir zwei, nur uns lebend, von niemanden gekannt, hinein in das Märchenland des Glücks! „Nach unserer Ankunft in der Garnison stelle ich dann den überraschten und erstaunten Kameraden die neue Frau Rittmeisterin vor. Wird das ein Hallo geben!" Er kicherte leise vor sich hin. „Ich freue mich schon göttlich darauf! Richt wahr, meine Hella, Du willigst ein?" „Kann ich denn anders, als Dir zu Willen sein? Du überrumpelst mich ja förmlich. Muß ich da nicht zu allem' Ja sagend Elektrischer Kraftbetrieb in der Kleinindustrie. Von Ernst Paul Rehfeld. (Nachdruck verboteu.) Zum Antrieb der Dampfmaschine, dem bekanntesten aller Krafterzeuger, wird die in der Kohle enthaltens Energie zuerst in Wärme umgesetzt. Die Wärme wird dann dem Wasser mitgeteilt, um dieses in Dampf zu verwandeln.! Tie im Dampfe enthaltene Spannkraft dient schließlich zum Antriebe der Dampfmaschine, und erscheint uns hier ut der Form von mechanischer Energie als Rotation. Die! mechanische Energie dient erst dann zum Antriebe der Dynamo-Maschine, und kann erst aus letzterer als elektrische Energie entnommen, und durch Vermittelung von Drähten nach Punkten übertragen werden, wo sie zu Beleuchtungs-,! Heizungs- oder motorischen Zwecken verwendet werden soll.! Der Fabrikant, der in seinem Etablissement elektrischen Betrieb einrichten will; muß also erst eine Krafterzeugungs-Anlage schaffen. Wenn sich seine Fabrik in der Nähe eines Elektrizitätswerkes befindet, so kann er wohl auch die gewünschte Kraft von dort durch eine Drahi- leitung erhalten. Für große Etablissements, die sehr vrel Kraft für ihren Betrieb brauchen, wird es jedenfalls viel ökonomischer sein, eine eigene Generator-Anlage cinzu- richten. Für mittlere und kleinere Betriebe, oder wo Watz-« 156 mangel herrscht, ist es aber billiger und zweckmäßiger, aus der Einrichtung eines Elektrizitätswerkes Nutzen zu ziehen, zumal wenn der Preis für Elektrizität mäßig ist. Zunächst möchten wir für diejenigen, welche mit dem Gegenstand nicht genügend vertraut sind, in Kürze die Wirkungsweise des Elektromotors behcnrdeln. Wenn ein Kupferdraht, durch welchen ein elektrischer Strom fließt, zwischen die Pole eines Magneten gebracht wird, so wirkt auf den Traht eine Kraft ein, die ihn in einer gewissen Richtung fortzubewegen sucht. Diese Kraft hängt einerseits von der Lage des Drahtes zum Magneten ab, dann auch von der Stärke des Stromes im Draht, und schließlich auch von der Stärke, d. h. der Anziehungskraft des Magneten. Je größer der Strom, und je stärker die magnetische Wirkung ist, um so größer ist auch der auf den Draht ausgeübte Zug. Der moderne Elektromotor ist lediglich eine weitgehende Vervollkommnung solch einer Kombination von stromführendem Draht und Magnet. Ter Magnet besteht in seiner für den Elektromotor zur Verwendung gelangenden Form im allgemeinen aus einem rahmenförmig geformten Eisen mit cylindrisch ausgedrehten Ansätzen, „Polschuhe" genannt. Um den Rahmen ist in Form einer Spule ein Traht gewickelt, durch welchen Elektrizität fließt; durch die Einwirkung der Elektrizität wird in dieser Weise der Eisenrahmen zu einem kräftigen „Elektromagneten". Turch die cylindrisch ausgedrehten Ansätze passiert genau konzentrisch eine Welle, di« an den beiden Enden durch Lager gestützt ist. Auf der Welle ist ein Eisen-Cylinder oder Ring angeordnet, um welchen «ine Anzahl von Drähten aufgewickelt sind. Diese Drähte sind in diesem Falle das, was bei unserem primitiven Motor der stromführende Draht war. Die Drahtenden werden mit Metall-Barren oder Segmenten, die konzentrisch auf der Welle angebracht, aber von einander isoliert sind, in Verbindung gebracht. Das System von Metallbarren wird „Kollektor" oder Kommutator, die Welle samt Eisenring, Kommutator und Drähten „Anker genannt. Zu erwähnen sind ferner noch die aus Metall oder Kohle bestehenden! Bürsten, die am Motorgestell in der Weise montiert sind, daß sie am Kollektator schleifen. Soll dem Motor mechanische Energie entnommen werden, so muß in denselben elektrische Energie hineingesandt werden, und zwar in der Weise, daß der Strom zunächst die Spulen des Eisenrahmens durchfließt, und diesen so zu einem Elektromagneten macht; alsdann oder auch gleichzeitig tritt der Strom durch die Bürsten in die Drahtwindungen des Ankers ein, und macht so diesen gleichfalls zu einem Magneten. Durch Verschieben bei1 Bürsten kann nun erreicht werden, daß die Pole des Elektromagneten denen des Ankers entgegenwirken, und wird dadurch eine Drehung im Anker erzeugt; sobald sich aber der Anker um einen gewissen Teil gedreht hat, steht ein anderes Segment mit der Bürste in Kontakt, und macht der Strom daher den Anker wieder genau in derselben Weise magnetisch, wie kurz zuvor. Da sich dieses Spiel fortwährend wiederholt, muß sich der Anker so lange drehen, als der elektrische Strom in den Motor fließt. Die elektrische Energie ist nun in mechanische Energie umgesetzt, und kann als solche vom Anker entnommen werden, wenn man nämlich auf der Welle desselben eine Riemenscheibe re. anordnet. Tiefer Prozeß läßt sich auch umkehren; man kann auch elektrische Energie in den Motor hineinsenden um mechanische Energie zu gewinnen. Ter Anker wird zu diesem Zwecke an der Riemenscheibe durch eine Dampfmaschine oder dergleichen angetrieben, so »aß der Maschine von den Bürsten elektrischer Strom entnommen werden kann. Ter elektrische Strom wurde bis vor einigen Jahren nur zum Antriebe von Straßenbahnen und Maschinen verwendet, d. h. in Fällen, wo der Unternehmer selbst eine Generator-Station besaß. Erst in den letzten Fahren ist es durch Errichtung städtischer Elektrizitätswerke in den meisten größeren Städten erreicht worden, den Fabrikanten die Anlage eigener Generator-Stationen zu ersparen. Tie Folge davon war, daß sich der Kraftbetrieb mittels Elektrizität, hinsichtlich der Betriebskosten meist günstiger als bei irgend einem anderen Systeme stellte. Fabrikbesitzer, welche zum Antriebe ihrer Maschinen Kraft bedürfen, und deren Fabrik nicht zu weit von einem Elektrizitätswerke entfernt ist, haben zwischen drei Arten von Energie die Wahl, nämlich: Tampfkrast, Gas oder Elektrizität. Wir führen hier die Wasserkraft absichtlich nicht auf, weil diese an örtliche Verhältnisse gebunden ist, also nicht überall in Frage kommen kann. Welcher von diesen drei Methoden wird man nun in jedem einzelnen Falle bei Berücksichtigung einer kleinen Kapitalanlage und möglichst geringer Betriebskosten den Vorzug geben? Tie Dampfmaschine mag stets dort am meisten angebracht sein, wo es sich um große Anlagen handelt, die verschiedenen Maschinen dicht bei einander stehen, und den ganzen Tag über ohne wesentliche Unterbrechung in Betrieb bleiben sollen. Unter diesen Umständen kann die Tampfmaschine ein Maximum von Kraft bei einem Minimum von Brennmaterial abgeben. Kommt etwa noch dazu, daß Tampf auch für andere Zwecke benötigt wird, wie z. B. für chemische Fabriken, Waschanstalten rc., so wird man mit Tmnpfbetrieb zwei Bedingungen zu gleicher Zeit erfüllen. Während die Dampfkraft unter günstigen Umständen sehr ökonomisch fein kann, hat diese andererseits, den Nachteil, daß sie verhältnismäßig viel Wartung verlangt und auch sehr viel Raum beansprucht; letzterer Umstand ist besonders in dichtbevölkerten Gegenden, wo die Bodenpreise hoch sind, nicht zu unterschätzen; zumal sich ja hierdurch außerdem noch die Baukosten für Maschinen- und Kesselhaus erhöhen. Durch den Gasbetrieb können unter Umständen diese Nachteile des Dampfbetriebes ausgewogen i»erben, insbesondere, wenn das Gas billig ist. Ist indessen die maschinelle Anlage über einen sehr großen Komplex weit verstreut, und ist der Betrieb an den einzelnen Maschinen nicht unausgesetzt, so ist der elektrische Antrieb dem Dampf- oder Gasbetrieb bei weitem überlegen. Es bezieht sich dies im allgemeinen auf alle Fabrikbetriebe, die aus einer Reihe von getrennten Räumlichkeiten bestehen. Für kleine Werkstätten, die nur Kraft für 1 oder 2 Maschinen benötigen, ist dieser Vorteil ebenso groß. Um den Unterschied zwischen dem älteren und dem moderneren Kraftbetrieb zu zeigen, wählen wir, im Anschluß an Chambers Journal (18. Januar 1902), als Beispiel die Einrichtung einer Druckerei. Nach dem alten Muster stellte man für die gesamte Druckerei eine einzige Dampfmaschine auf; in den ernzelnen Arbeitssälen waren Treibwellen montiert, und diese durch Transmissionen der verschiedensten Art von der Zentraldanpchmaschin-e angetrieben. Tie Druckerpressen mußten der Transmission entsprechend aufgestellt werden, von denen sie durch einen Treibriemen ihren Antrieb erhielten. In einer Druckerei ist es nun selten der Fall, daß alle Maschinen zu gleicher Zeit arbeiten. Es müssen hier Formen eingeschoben, Druckcylinder zugerichtet, Probedrucke gemacht, Korrekturen vorgenommen iverden, und alle diese Vorarbeiten nehmen etwa ebenso viel, bisweilen sogar mehr Zeit in Anspruch, wie das eigentliche Drucken selbst. Man kann daher annehmen, daß in einer Druckerei selten mehr als die Hälfte aller Druckpressen gleichzeitig im Betriebe sind. Trotz alledem muh aber die Dampfmaschine mit sämtlichen Transmissionen unaufhörlich weiter arbeiten, und ein stetiger Verlust an Kraft ist die unvermeidliche Folge. Ein solcher Verlust ist schließlich zur Not auch noch zu ertragen. Soll aber eine oder mehrere Pressen Ueberstuuden arbeiten, wie dies ja gerade im Druckereigewerbe sehr häufig vorkommt, so ist der Verlust noch bedeutend empfindlicher; und es ist nicht übertrieben, wenn man behauptet, daß, hier 25—30 Pferdestärken für den Antrieb einer Presse, die vielleicht 3—4 P. S. erfordert, aufgewendet werden. Hier springt der Vorteil, den der elektrische Betrietz für eine Druckerei haben muß, sofort in die Augen. Jede Maschine erhält ihren eigenen Elektromotor mit leicht erreichbarem Stromunterbrecher, so daß die Presse leicht und ohne Zeitverlust angehalten, und in Betrieb genommen werden kann. Da ist keine Treibwelle und kein großer Treibriemen, die Platz beanspruchen, und die Beleuchtung beeinträchtigen. Vor allem wird nun aber zum Antriebe der Druckerpressen nur soviel Kraft aufgewendet, als thatsächlich zurzeit im Betriebe erforderlich ist, da doch jede griffe, wenn nicht benutzt, sofort ausgeschaltet werden kaim. Dre Elektrizität bringt daher reichlich 50 Prozent Kraftersparnis, aber auch mannigfach . andere Vorteile. So kann z. B. die Geschwindigkeit einer Presse mit Leichtigkeit gesteigert, diese daher für die verschiedensten Arbeiten verwendet werden. 156 -r Infolgedessen sind auch die Bedingungen, unter denen die Maschinen arbeiten, die günstigsten, und der jeweilige Wirkungsgrad der beste. Die Folge davon ist, daß nun auch die Leistungsfähigkeit der Druckerei eine Steigerung zuläßt. Was vom Druckereibetriebe gesagt wurde, gilt auch von der Mehrheit aller übrigen Industriezweige. In den meisten Fällen werden auch dort dieselben Vorteile und Ersparnisse zu erzielen sein. Wo sehr geringe Kraft für den Antrieb einer Maschine erfordert wird, nämliche bis zu einer Pferdekraft, find die Vorteile allerdings nur gering, weil Motoren für so kleine Leistungen eine nur mäßige Nutzwivkung haben. In solchen Fällen ist es besser, diese Maschinen zu einer Gruppe zusammenzustellen und sie von einem einzelnen größeren Motor anzutreiben. Motorengruppen von 2—3 Pferdestärken Kraftbedarf erzielen im allgemeinen die besten Ergebnisse. Es wird nun einleuchten, daß der Elektromotor für ie mannigfaltigsten Antriebe verwendet werden kann, und wollen wir dies nach Chambers Journal noch an einigen Beispielen erläutern. So kann die Elektrizität z. B. mit großem Vorteil zum Antrieb tragbarer Arbeitsmaschinen Verwendung finden, indem man dem Motor den elektrischen Strom vermittels biegsamer Kabel zuführt. Wo das Bohren kleiner Löcher oder ähnliche Arbeit an großen Metallmassen, die vielleicht mehrere Tonnen wiegen, vorgenommen werden soll, ist es bedeutend einfacher, eine kleine Arbeitsmaschine an den zu bearbeitenden Körper heranzubringen, als den schweren Körper an eine Bohrmaschine. Kein anderes System ist für den Antrieb transportabler Werkzeuge daher besser geeignet, als gerade Elektrizität. Ein anderer Verwendungszweck des Elektromotores, und zwar ein solcher, wo es sich nicht allein um Privathäuser, Hotels, Warenmagazine rc. handelt, ist der Antrieb von Fahrstühlen und Aufzügen. Auch hier lassen sich große Ersparnisse erzielen, und da der Motor leicht zu bedienen ist, kann man den Antrieb solcher Hebevorrichtungen den billigsten Arbeitskräften anvertrauen. Zum Antrieb von Zimmer- und Werkstattventilatoren ist keine Kraft besser geeignet, als Elektrizität. In jeder Größe und Form kann man solche Ventilatoren erhalten, um sie ganz nach Belieben anzuordnen. In fast jedem Handwerk und jedem Geschäft, wo irgendwelche maschinelle Thätigkeit ausgeübt wird, kann der Elektromotor angewendet werden. Es sei hier nur auf einige Spezialsälle hingewiesen. Die Bohrmaschine des Zahnarztes, die Trehbank des Liebhabers, die Nähmaschine, die Kaffeemühle des Kolonialwarenhändlers, die verschiedenen Arbeitsmaschinen des Bäckers, des Tischlers, des Steinarbeiters und vieler anderer Hausindustriellen, sie alle eignen sich für den elektrischen Betrieb. Natürlich soll nicht Elektrizität für alle Fälle als muster- giltig hingestellt werden; es gießt zahlreiche Fälle, wo andeye Systeme den Vorzug verdienen. Aber nötig ist es doch, sich stets zu vergegenwärtigen, welche Kraft wirklich die Zweckmäßigste ist, um wirklich alle sich bietenden Vorteile zu genießen. Wiener Mode. Der Frühling kommt, es grünen die Saaten, es knospen Bäume und Sträucher. Da rüsten auch wir Menschen uns, das Frühjahr festlich und froh zu empfangen. Die Damenwelt kann in dieser Jahreszeit der neuen Toiletten nicht entraten, und so kommt es, daß im Frühjahr die Erscheinungen der neuen Mode am mannigfaltigsten sind, wie überhaupt der Frühjahrsmodenstil für das ganze Jahr bestimmend wirkt. Die „W i e n e r M o d e" bringt im 12. Heft (Ausgabe vom 15. März) eine vollständige Uebersicht alles Erforderlichen, nach selbstentworfenen Modellen gezeichnet und im Einzelnen beschrieben. Das Journal lehrt die Anfertigung von Damenkleidern in musterhafter und leicht- faßlicher Weise und gießt den Abonnentinnen ferner Schnitte nach persönlichem Maß. Ein Probeheft gegen Einsendung von 50 Pfg. portofrei ins Haus. Abonnements (vierteljährlich 2,50 Mk.) nehmen alle Buchhandlungen und Postanstalten sowie der Verlag in Wien, VI. selbst entgegen. Gemeinnütziger. Die Schädlichkeit des Alkohols ist nicht bloß für Kinder, sondern auch für die Heranwachsende Jugend, größer als man allgemein glaubt. Wenn es gelingt, die Eltern zu einer Probe mit der Abstinenz bei ihren Kindern zu veranlassen, so machen die Eltern jedesmal die Beobachtung, daß der Schüler ruhiger in feiner ganzen Haltung wird. Der eigentümliche Glanz der Augen verschwindet: sie werden klar. Das Interesse am Unterricht wächst, die Aufmerksamkeit wird größer, ausdauernder und reger. Der Ehrgeiz macht sich bei bisher stumpfsinnigen Schülern rege. Die Fähigkeit, rascher unb_ sicherer zu rechnen, nimmt auffallend zu. Die Auffassungskraft wächst, und das Gedächtnis wird stärker. Ist die ganze Kla se aus abstinenten Schülern zusammengesetzt, wie es Tr. Banzer, der im „Praktischen Wegweiser", Würzburg, diese Mitteilung macht, seit mehreren Jahren gelungen ist, so ist für Schüler und Lehrer das Arbeiten ein fröhliches und sicher fortschreitendes Werk. Die Eltern sind oft überrascht über das ganz veränderte Wesen ihres Kindes, da der Alkohol bekanntlich auch den Charakter beeinflußt und verändert. Diese Aenderungen in dem Gedeihen und in der Haltung des Kindes haben oft schon die Eltern selbst dazu veranlaßt, Abstinenten zu werden. — Also sollte jede besorgte Mutter den Alkohol von ihren Lieblingen fernhalten, oder wofern sie denselben eingeführt hat, sofort mit dessen Entziehung beginnen. ___________ Vermischtes. Welche wichtige Rolle die Gewürze in der Küche spielen, ist bekannt, und dies mag vielleicht mit Ursache fein, daß die Liebig's Fleisch-Extrakt-Kompagnie, als Vor- herrscherin auf dem Gebiete der Speisenkunde, eine neu- erschienene Reihe ihrer sog. Liebig-Bilder, beit Gewürzpflanzen gewidmet hat. Dem Beschauer wird vorgesuhrt, tote Muskatnuß, Zimt, Gewürznelke, Vanille, Ingwer, Pfeffer geerntet und bearbeitet werden, und tote die Blüten, Früchte, Blätter rc. aussehen. Auf den Rückseiten der Kärtchen findet sich, außer den beliebten praktischen und zuverlässigen Kochrezepten, ein kurzer Text, der Auskunft über Wachstum, Heimat, Arten rc. der ßetr. Pflanze ^Giftiger Honig. Xenophon erzählt, als die Griechen auf ihrem Rückzüge nach Triapezunt am schwarzen Meere kamen, hätten viele Soldaten sich aus den dort sehr zahlreichen Bienenstöcken Honig genommen und denselben gegessen, aber alle, die dies thaten, seien erkränkt. Aehn-> liches wird auch von neueren Forschungsreisenden berichtet; der Genuß des Trapezuntischen Honigs zieht unweigerlich schweres Unwohlsein, Schwindel, Erbrechen, Betäubung, nach sich, ja, in nicht seltenen Fällen erfolgt der Tod. Diese auffällige Erscheinung ist um so unangenehmer, als m jener; Gegend gerade sehr zahlreiche Bienenschwärme vorkommen und ihr Honig unter normalen Verhältnissen eine sehr wohl-, feile und kräftigende Nahrung für die Einwohner wäre, unter diesen Umständen aber ist von den vielen Bienenstöcken nur das Wachs zu gebrauchen. Die Ursache der. Giftigkeit des Honigs ist natürlich darin zu suchen, daß die Bienen dort ihre Nahrung ans solchen Pflanzen holen, die ihnen selbst allerdings sehr bekömmlich, für die Menschen aber giftig sind. So giebt es in der Gegend von Trapezunt außerordentlich viele Tollkirschen, bereu Blüten von den Bienen mit Vorliebe ausgesucht werden. Es ist sehr interessant, daß der Giftstoff der Pflanzen bei der durch tue Bienen bewirkten Umwandlung des Blütensaftes in Honig nicht verändert wird, denn der Genuß von Tollkirschen wenn man dabei überhaupt von Genuß sprechen kann — ruft dieselben Krankheitserscheinungen hervor, tote derjenige des Trapezunter Honigs, und vermutlich wurde die chemische Untersuchung bei beiden die Anwesenheit desselben Giftes ergeben.__ Charade. Das eine in Italien sucht. DaS and're steckt in mancher Frucht. Und mit dem Ganzen ungeniert Da wird manch' einer angeschmiert. (Auflösung in nächster Stummer.) Auflösung des Üogogriphs in vor. Nr.r Wipfel, Zipfel, Gipfel._______ Redaktion: E. Burkhardt. — Rotationsdruck und Berlag der Brühl'fchen Universitäts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch Erben) in Gießen.