Nr. 7. 1902. !1!l - Tt777a ii BH | ei' Adlci' fliegt allein, der Rabe scharenweise; ? Gesellschaft braucht der Thor, und Einsamkeit der Weise. Rückert. (Nachdruck verboten.) Verschollen. Or-uinabErzählung von M. Ludolfs. (Fortsetzung.) V. Eiu langes Bekenntnis. Gib Deinen Schmerzen Worte! Harm, der nicht spricht, Erstickt das volle Herz Und macht es brechen. Schiller. Stefanie faß neben dem Lager der leidenden Freundin, och geistig und körperlich durch die herzliche Gastlichkeit, mit der man sie in dem Kloster ausgenommen, gestärkt, nur des geeigneten Momentes wartete, wo sie das trostlose Geheimnis, das ihr junges Leben verdunkelte, der treuen Stefanie offenbaren könne. Volles Vertrauen war Ne derselben schuldig, und wollte ihre Güte und Hilfe mcht in Anspruch nehmen, ohne ihr den sträflichen Leichtsinn zu bekennen, mit dem sie eine Verbindung geschlossen, ste ।o verhängnisvoll für das Glück und den Frieden ihres Herzens geworden war. Stefanie hatte die unglückliche Freundin liebreich aufgenommen, ohne Frage, voll rücksichtsvoller Teilnahme, ganz mit dem alten Vertrauen. Dies wollte auch Clarita ihr beweisen, gleichviel, wie demütigend das Geständnis des Undanks und des Leichtsinns für sie blieb. So, Stefanie's treue Hand fest in der ihrigen, ringsumher die ungetrübte friedliche Stille der kleinen, gast- lichen Klosterzelle deuchte es ihr am leichtesten dem guälen- oen Rätsel, das ihren Geist marterte, Worte zu leihen. „Stefanie", sagte sie leise, die reinen, klaren Züge tljrer selbstlosen Pflegerin betrachtend, „Du mit Deinem friedvollen Herzen ahnst nicht — wie heiß, mit welch' glühender Leidenschaft ich meinen Alexis liebe! Wie glücklich wir bei mit einander waren, und wie furchtbar das Geschick ist, das uns trennt. Ich sagte Dir's schon, es ist schlimmer als der Tod; denn" — Clarita's Lippen oebten, ihre Augen wurden unnatürlich groß; sie blickten unt einem glanzlosen Blick wie in weite, unabsehbare Ferne —- „denn lebend haben sie mir meinen Gatten begraben, begraben in Sibiriens Eisregionen. Verbannt nach Sibirien!" schluchzte sie plötzlich auf. — „Weißt Du, Stefanie, toctg das heißt! Er wird nie, nie wiederkehren zu seiner verlassenen Gattin! Nie soll ich ihn Wiedersehen! Nie seine liebe Stimme mehr hören! Erstarren, hinsiechen wird! seine Kraft unter den Qualen eines schrecklichen Loses; in trostloser Verlassenheit wird sein Auge brechen — doch «ein! tausendmal nein, ich werde, ich muß ihn finden! Ich muß zu ihm gelangen, wenn auch nur, um mit ihm zu sterben. Ich habe alles geplant und erwogen, ich werde — doch, o mein Gott! mein Kopf brennt um mich her! Ich weiß so wenig, so entsetzlich wenig — selbst an Alexis Verbannung knüpfte sich ein dunkles Rätsel. — Man beschuldigt ihn eines Verbrechens; ich weiß nicht einmal, was er begangen haben soll! — Ich weiß nur, daß er unschuldig ist, unfähig einer verbrecherischen Handlung. Leichtherzig, lebensfroh stand er auch allen politischen Umtrieben fern, kein darauf bezügliches Ver- gehen läßt sich ihm zur Last legen, einzig unsere heimliche Vermählung könnte die Veranlassung zu dem ihm bereiteten Verderben bilden. Doch ich vergesse immer aufs neue, wie wenig Du meine jüngste Vergangenheit Eennft. Um Dir die ganze Größe meines Unglücks verständlich zu machen, muß ich mit dem Anfang beginnen, mit jener seligen Zeit, da Alexis zu uns kam, und wir einander lieben lernten." Während Clarita dies sagte, löste sich die Spannung itt ihren Zügen. Die Erinnerung an jene berauschende Zeit jugendlichen Glückes, übte selbst jetzt noch eine Macht, die ihren Schmerz milderte, ihre Sprache sanfter, ruhiger und allmählich auch sachlicher werden ließ Nun das Eis der Zurückhaltung gebrochen, wurde es ihr zur Wohl- that es ihr erzählen zu können. Schwester Stefanie erkannte dieses sehr gut; sie sah jetzt den Moment gekommen, wo sie der bedrückten Freundin keinen besseren Trost gewähren könne, als achtsam zuzuhören. Und so lauschte sie denn mit warmer Teilnahme, wachsender Spannung, und vollkommener Selbstbeherrschung, welche kein vorwurfsvolles Staunen, keine anklagende Aeußerung gestattete, auf Claritas Erzählung von der heimlichen Trauung, ihrer Flucht aus Donna Frasquitta's mütterlichem Schutze, ihrer Undankbarkeit gegen jene, wie gegen Don Jose, ihrem grenzenlosen Leichtsinn, mit dem sie einem unbekannten Leben in einer fremden Welt entgegengegangen — von dem sorglosen Glück, das jenes zuerst für sie in sich geschlossen habe, von dem Höhepunkte irdischer Seligkeit, als ihre kleine, liebliche Dolores . das Licht der Welt erblickte, von der berauschenden Liebe ihres Alexis, der nur für sie und das Kind gelebt bis zu dem bittern Moment, wo des Lebens rauhe Hand störend in ihr Idyll ein griff, und! gebieterisch den Sohn des Adelsmarschalls Ornatoff an das Sterbebett seines Vaters rief. „Es war eine erschütternde Botschaft!" sagte Clarita noch in der Erinnerung erschauernd, um erst nach einer kleinen Pause in ihrem Berichte fortzufahren: „Ja, eine trostlose Botschaft! Alexis fürchtete, mich und das Kind allein in fremdem Lande zu lassen ohne andern Schutz 26 Als den der weiblichen Dienerschaft; denn seinen Diener Dimitri hatte er vorher schon nach Rußland gesandt, um zuverlässige Nachrichten über seine Familie zu erhalten, da unsere Vermählung noch immer ein Geheimnis war — wegen des wenig freundlichen Verhältnisses, in dem Alexis zu seinem Vater und dessen Gattin stand. Herr von Ornatoff war zum zweiten Male verheiratet, und zwar hatte er seinen beiden Söhnen aus erster Ehe die junge Stiefmutter erst gegeben, als beide erwachsen waren. And dem elterlichen Hause fern standen. Dessen neue Herrin machte es ihnen völlig fremd und verleidet. Weder Alexis, noch sein älterer Bruder liebten die Frau, welche ihrer Mutter Stelle eingenommen. Letztere war eine Polin gewesen, und etwas von ihrem heißblütigen, raschen Temperamente mochte auf ihre Söhne übergegangen sein. Keiner derselben wußte sich in die heimatlichen Verhältnisse zu schicken, ihr Sinn strebte nach der Ferne. Sie gingen beide in die Fremde, ins Ausland, dort ein völliges Nomadenleben beginnend, wozu ihnen Europa allein nicht groß genug war. So kam Alexis nach Teneriffa. Er war am liebsten von seiner Heimat entfernt, und verspürte auch nicht die geringste Lu'st. dorthin zurückzukehreu. Gelegentlich seines letzten Besuches dort hatte er sich eben unbehaglicher denn je gefühlt, und herausgefunden, daß seines Vaters vierjähriger Sohn diesem vollständig die Liebe der andern Söhne entbehrlich machte. Der alte Herr von Ornatoff konnte deren Gegenwart sehr wohl missen; denn er liebte es nicht, an seine vorgeschrittenen Jahre erinnert zu werde«. Er lebte der Gegenwart, und hatte selbst keine Erinnerung mehr für die Gattin seiner Jugend, die er doch einst so heftig geliebt, daß er von ihrer Nationalität absah, und sie, der russischen Gesellschaft sehr zum Mißvergnügen, zur Herrin des reichen Hauses der Ornatoff's machte. Nachträglich mochte ihm dies als ein toller Jugendstreich erscheinen, den seine zweite Ehe mit einer vornehmen, in den höchsten Kreisen beliebten Russin geeignet war, wieder auszugleichen. Deren Sohn, seinem Benjamin widmete er daher alle väterlichen Gefühle, und die beiden andern, die das rasche unruhige polnische Blut nicht verleugneten — die wußte er am liebsten im Ausland. Er gab ihnen Geld genug, mäkelte dabei aber fortwährend an ihnen, förmlich darauf bedacht, Fehler zu finden, Mißverständnisse herbeizuführen. Dies bildete auch den Grund, der Alexis veranlaßte, unsere Ehe geheim zu halten; er fürchtete, des Vaters Einwilligung niemals zu derselben zu erhalten, weshalb er es vorzog, ihn mit einer Thatsache zu überraschen, dazu aber den geeignetsten Moment abzuwarten. Diesen zu finden erwies sich immer schwieriger, je länger er die dazu nötigen Schritte hinausschob, und wir endlich in unserm sorglosen Sinn ziemlich der Gefahr vergaßen, welche jene Verheimlichung in sich schloß. Eine Entdeckung schien uns nicht zu befürchten, dafür lebten wir zu fern von Rußland. Zur Vorsorge hatte übrigens Alexis den Dimitri nach dort gesanR, dessen Nachrichten uns wie ein Blitz aus heiterem Himmel trafen. Alexis mußte zu seinem sterbenden Vater, der nach ihm begehrte. Ich bestand darauf, daß er gehe, eile — mich verlangte für mein Kind und mich nach dem Segen seines Vaters, nach dessen Anerkennung unserer Ehe." O Weh! rief Clarita, jetzt begreife ich erst, welch' trübe Vorahnung Alexis zögern lieh! Nur mit Gewalt riß er sich von uns los, nachdem er uns unter der Obhut freundlicher Landleute wohl ,geborgen sah. Ich war mutiger als mein Gatt? — O, Götter, ich kannte russische Verhältnisse nicht! Ich hoffte nur darauf: eine Sterbestunde müsse mild und versöhnlich stimmen! ich zähle die Tage, bis mir ein Brief die Nachricht der erlangten Verzeihung bringe. Während der Reise schrieb Mle^is häufig; Briefe voll Zärtlichkeit und tröstlicher Versprechungen, der letzte enthielt jedoch nur wenig flüchtig hingcworfene Zeilen, worin mein Gatte in erkennbarer Aufregung nur meldete, daß er eben das elterliche Gut im Innern des Landes erreicht, seinen Vater aber nicht mehr unter den Lebenden gefunden habe. Er selbst sei völlig erschöpft, behalte sich daher für andern Tages einen ausführlichen Bericht vor. Jener Bericht hat mich jedoch nie erreicht. Winter And Frühling hindurch wartete ich darauf, ratlos, fast verzweifelnd in innerer Angst. Mein schwaches Kind bannte mich an die Scbolle, ich konnte nichts thun als warten. Bei der weiten Entfernung, und meiner gänzlichen Unkenntnis europäischer Verhältnisse wußte ich keine Erkundigung einzuziehen, ich wagte selber nicht zu schreiben aus Furcht, vorzeitig unser Geheimnis zu verraten, und Alexis zu schaden. Ueberdies kannte ich nicht einmal seine genaue Adresse. Das wurde mir erst klar, als es zu spät war. In unserer! grenzenlosen Achtlosigkeit, und auf den fortgesetzten Briefwechsel vertrauend, bei dem in jedem Schreiben Alexis die folgende Adresse vermerkte, war mir ein klarer Begriff, wohin ich etwa nach Rußland zu adressieren habe, vorenthalten geblieben — wir hatten in den letzten stürmischaufgeregten Tagen eben einander noch so viel zu sagen gehabt, daß wir das Wichtigste vergaßen. Es blieb mir nun nichts, als auf meines Gatten Rückkehr zu vertrauen; täglich erhoffte ich dieselbe, und an dieser Hoffnung fristete ich mein Leben von Tag zu Tag. Du magst Dir denken, wie! teuerste Stefanie! Allmählich gewann in meiner Seelennot die Vorstellung, Alexis sei Unheil begegnet, immer mehr Raum. Dies allein konnte sein Schweigen erklären, und doch blieb selbst in diesem schrecklichen Falle immer noch Dimitri, der Zeuge unserer Trauung, welcher mir Mitteilung machen konnte. Seiner Ergebenheit war ich gewiß; ich täuschte mich darin nicht; er war es, durch den endlich eine Nachricht zu mir gelangte, aber was sie enthielt, erwies, sich schlimmer —i als die schlimmste Befürchtung. O Freundin! es war ein Schlag so furchtbar, daß er mir nahezu den Verstand' raubte." Völlig von der Erinnerung überwältigt, bedurfte Clarita einiger Ruhe, ehe sie fortfahren, und von jener Zeit sprechen konnte, in welcher ihr der verhängnisvolle Brief zugegangen, und die Erkrankung und der Tod ihres Kindes erfolgt war. „Erst der stechende Schmerz um meinen Heimgegangenen Liebling", gestand sie ihrer teilnehmenden Zuhörerin, „riß mich aus meiner starren Verzweiflung, und ließ mich den Weg erkennen, den ich zu gehen hatte". So schnell wie thunlich Breslau erreichen, um Dimitri aufzufinden — das war der treibende Gedanke. Freilich schien der Brief schon vor langer Zeit geschrieben zu sein, war aber erst vor wenigen Wochen in Breslau aufgegeben worden, wonach er sich mit seiner eigentümlich stilisierten Adresse Gott weiß wo in der Welt umher getrieben, bis er mich endlich erreichte. Dazu bildet sein Inhalt ein entsetzliches Dunkel; doch höre selbst, Stefanie, ich will Dir Dimitris verworrenen Bericht übersetzen." Clarita zog den unglückseligen Brief hervor, dessen Stil und Sprache halb in Russisch, halb in schlechtem Französisch, allerdings wenig geeignet war, eine klare Vorstellung zu geben, um so weniger, da offenbar ein Kranker mühsam die Zeilen geschrieben, und noch mühsamer ge-i strebt, einigen Sinn in seinen Bericht zu bringen. Nur eine. Thatsache ging klar daraus hervor: Alexis Iwanowitsch Ornatoff war nach Sibirien verbannt; plötzlich eines schweren Verbrechens angeklagt, hatte er die Flucht ergriffen, war aber von den Häschern ereilt worden. Er hatte eben nur vermocht, auf einem Blatte seines Notizbuches die wenigen spanischen Worte niederzuschreiben s Vertraue mir, guerida, und glaube an mich, was immer Du hören magst — ich werde zu Dir ^urückkehren, einzig der Tod kann uns trennen. An dem nnr zur Last gelegten schrecklichen Verbrechen bin ich unschuldig — so wahr ein Gott im Himmel ist! Ich bin nur schuldig in strafbarem Leichtsinn Dich, meine geliebte Gattin, solcher Verlassenheit durch die Verheimlichung unserer Ehe ausgesetzt zu haben. — Noch weiß niemand darum — verzeih'mir! Ich konnte sie nicht in dem Momente bekennen, da man mich zum Verbrecher stempelt! Ich strebte der Untersuchung zu ent- flieheu, um zu Dir zu kommen — vergeblich! O, meine Strafe ist hart! Mein Schicksal ereilt mich — Dimitri muß mich verlassen — er allein mag die Grenze gewinnen — er wird Dir alles erklären, bis —" Jäh war hier abgebrochen, offenbar war dem Schreiber nur noch die Möglichkeit vor seiner Verhaftung geblieben, dem treuen Diener das losgerissene Blatt zuzustecken. Dimitri hatte denn auch nach unsagbarer Mühe die Grenze gewonnen. Seine Befürchtung, daß man ihn daheim vermissen, und ihm nachsvüren werde, hieß ih!n den direkten Weg vermeiden; viel Zeit und viel Kraft ging ihm 27 dadurch verloren, so daß 'er, geängstigt wie ein scheues Wild, das Ausland eben erreichte, um krank und todesmatt sich niederzulegen. Man hatte ihn in ein Krankenhaus gebracht, wo er — seiner eigenen Aussage nach — zn sterben fürchtete; denn er klagte; zur gütigen Herrin zu kommen, sehe er keine Aussicht mehr, darum habe er aus denr Krankenbett seinen Auftrag niedergeschrieben, da ein mitleidiger Gefährte, welcher das Hospital verlasse, bei seiner Seligkeit versprochen habe, den Brief der Post zu überliefern. Weiter könne er, der arme Dimitri, nichts thun, welcher nichts sehnlicher wünsche, als mit seinen blöden Augen die gnädige Herrin noch einmal wiederzusehen, und ihr Diener sein zu dürfen. In den Hauptpunkten war dies der ganze Anhalt des ziemlich wirren Briefes, dem das Datum fehlte; einzig das der Aufgabe nebst dem Poststempel Breslau gab Auskunft über Zeit und Ort. Ohne Zögern reiste darum Clarita dorthin — aber nun folgte das Merkwürdige, daß Dimitri nirgends zu finden gewesen war. Mit angstvollem Mitleid, in das sich unwillkürlich aufsteigende Zweifel mischten, hörte Stefanie der Freundin Schilderung, mit welch' zäher Ausdauer diese sämtliche öffentliche, tote Privat-Kranken-Asyle in Breslau durchsucht hatte, ohne auch nur auf eine Spur zu stoßen, die einigermaßen Aufschluß hätte geben können. Nirgendwo hatte man während des letzten Jahres einen fremden Kranken _ ausgenommen, auch feinen Sterbefall gehabt, tvob ei Dimitris Name oder nur Claritas Beschreibung zutreffend erschienen wäre, fo Laß diese endlich ermattet, enttäuscht und verwirrt ihre Nachforschungen aufgeben mußte. „Ich sah mich da völlig ratlos — gestand Clarita der Schwester — ratlos dem undurchdringlichen Dunkel gegenüber, das mir meinen Weg zu verhüllen strebte, und fühlte mich Labei Lurch körperliche Ermattung unfähig, meinen Vorsatz^ direkt nach Rußland zu reisen, auszuführen." (Fortsetzung folgt.) Münzen durch den Tisch zu schlügen. Der Künstler legt zwei entliehene Thaler vor sich auf Leu Tisch, setzt sich davor, daß sein Oberkörper dem Ttschraude möglichst nahe ist. Er zeigt seine beiden Hände als leer vor und versichert, daß er nur mit den beiden vor ihm liegenden Thalern manipulieren werde, was auch vollkommen der Wahrheit entspricht. Nun nimmt er die beiden Thaler mit den Fingerspitzen bei nach oben gerichteten Handrücken auf, zeigt die rechte Hand mit dem darin befindlichen Geldstücke vor, während die geschlossene linke Hand auf der Tischplatte liegen bleibt. Er bringt dann die rechte Hand unter den Tisch, Kühlt Lis drei, ein Klirren wird hörbar, und die rechte Hand wird vorgezeigt. In ihr sind die zwei Thaler, während sich die linke Hand als leer ausweist. Es ist dies eines der hübschesten Tischkunststücke, das man wiederholt zeigen darf, ohne es zu verraten, notabene wenn es geschickt ausgeführt wird. Man hat nichts zu thun, als beim Aufnehmen der beiden Thaler, den einen Mit den Fingerspitzen der linken Hand, gedeckt von dem Handteller, auf den Schoß zu schnellen. Dort wird er von der rechten Hand ausgenommen, und mit dem zweiten, schon in der Hand befindlichen Thaler vereint. Dies Stückchen ist außerordentlich leicht, muß aber trotzdem oft geübt werden, bis es elegant ausgeübt werden kanm Denn nur dann wird es den richtigen Effekt machen. Zu empfehlen ist es, auf dem Schoß ein Tuch auszubreiten, damit der Thaler, der auf den Schoß fällt, nicht zwischen den Beinen zu Boden rutscht, oder erst durch längere Zeit gesucht werden muß. Auch muh dafür gesorgt werden, die Kunst so rasch wie möglich auszuführen. Entnommen aus „Allotria", Ein Buch der Gesellschaftskünste von Max Bauer, Verlag von Ullstein & Co., Berlin SW. (Preis gebd. 1,— Mark.) Gemeinnütziges. DiePflege derLorbeerbänme- Dieselbe macht wenig Arbeit, da ein öfteres Verpflanzen nicht nötig ist, und nur dann vorgenommen wird, wenn die Kübel drohen> auseinander zu fallen- Das tritt bei guten Eichenkübeln erst nach 15—20 Jahren ein. Als Verpflanzerde empfiehlt der praktische Ratgeber im Obst- und Gartenbau eine Mischung von Mistbeeterde, Kompost, Gartenerde, etwas Lehm, Sand und Holzkohle. Dem Gemisch werden noch grobe Horn- spähne und trockener Kuhdung beigemengt. Im übrigen erstreckt sich die Pflege aus reichliche Bewässerung und häufiges Beschneiden und Reinigen der Krone. Das Gießen der Pflanzen braucht nicht so oft, dann aber muß es durchdringend geschehen- Ein um das andere Mal gießen wir mit verdünnter Jauche oder künstlichem Blumendünger.; Näheres finden Interessenten in Nr. 1 obengenannter Zeitschrift, welche auf Verlangen kostenfrei vom Geschäftsamt verschickt wird- Der betreffende Artikel ist reich mit Abbildungen geschmückt- Junge Nelkensenker werden am besten in einem trockenen, frostfreien Mistbeetkasten überwintert- Sobald es die Witterung irgend gestattet, ist zu lüften- Sollte wirklich Frost in den Kasten bringen, was wohl nicht zu vermeiden sein wird, fo hat dieses nichts zu sagen, wenn die Töpfe wieder allmählich auftauen. Um Tintenfl ecken aus Hellem Holze zu entfern en, empfiehlt sich die verdünnte Salzsäure- Ist der Fleck verschwunden, so suche man durch kräftiges Scheuern der befleckt gewesenen Stelle mit Regenwasser (nicht Brunnenwasser oder gar Seife) die Rückstände der Operation zu entfernen- (Prakt. Wegweiser, Würzburg.) Wortspiel. Nachdruck verboten. Es sind 6 Wörter zu suchen von der unter a angegebenen Bedeutung. Von jedem dieser Wörter ist dnrch Umtausch des Anfangsbuchstabens ein neues Hauptwort zu bilden von der Bedeutung unter b. Sind die richtigen Wörter gefunden, so bezeichnen die Anfangsbuchstaben der Wörter unter b etwas Zeitgemäßes. a b 1. Werkzeug — Kleidungsstück. 2. Kirchcnfest — Blumen. 3. Verwandte — Teil des Gesichts. 4. Uebersicht — Soldat. 5. Baum — Rückstand. 6. Bauwerk — alte Stadt. (Auflösung in nächster Nummer.) Auflösung der Schachaufgabe in vor. Nr.: 1. Daß—b6, Sbß (c3); 2. Lc3. — 1..... Sc5; 2. Sfl +. 1...... beliebig; 2. Dd4. WooenöenchL üösr KesessschafLsöluserr. Bearbeitet und mit Abbildungen versehen von der Internationalen Schnittmanufaktur Dresdcn-N. Reichhaltiges Modeualbum und Schnittmusterbuch zu 50 Pfg. daselbst erhältlich. Die geschmackvolle Bluse nimmt im Reiche der Frauenmode noch immer eine so bevorzugte Stellung ein, Laß wir es als eine Verletzung der uns als Modeberichterstatter zukommenden Pflichten ansehen müßten, wollten wir dies übersehen- Wir müssen im Gegenteil zugeben, daß ihre Bedeutung für die moderne Kleidung eine so große ist, daß sie einen besonderen Bericht verdient- Er dürfte gerade in der jetzigen Zeit am Platze sein, da für die bevov-- stehenden, gesellschaftlichen Vergnügungen solche Blusen vielfach getragen werden. Außerdem wird wohl manch schöner Blusenstoff welcher als willkommene Gabe den Weihnachtstisch^ schmückte, gerade jetzt der Verarbeitung harren- Wir widmen unsere Ratschläge in erster Linie der rechten Anwendung der Fassung; denn Laß bei der herrschend« Moderichtung die Fassung und Ausstattung eines Kleionngs- stückes fast mehr bedeutet, als der Stoff, ist ja bekannt.; Wer nun da genügend Zeit und Muße hat, die mühsamen Ausstattungsarbeiten selbst zu verrichten, kann durch eignen Fleiß zu einem sehr vornehmen Kleidungsstück kommens für welches das Ausstattungsmaterial nicht sehr kostspielig ist. Als besonders praktisches Material nennen wir in erster Linie den Besatz von schmalem Band ; denn derselbe ist vorzüglich dazu geeignet, Bluse und Rock in Einklang zu bringen, was Erfordernis wahr« Geschmackes ist- Will man z. B. 28 eine lila- oder fraisebarbige Bluse zu einem schivarzen Rock tragen, so würde ein Besatz von schmalem Sammetoder Seidenbäudcheu zu verwendeu sein, um die notwendige Harmonie herzustellen, und zwar würde ein möglichst reichlicher Gebrauch dieser Ausschmückung sehr vorteilhaft wirken- Für die Anordnung des Besatzes stehen die verschiedensten Wege offen, wie z- B- gitterförmig, schräg, quer, längs, als durchgehender Besatz der Garniturteile, als Umrandung derselben, bei gemusterter Seide sogar als Umrandiing der Muster- In diesem letzteren Falle müßte das Band allerdings so schmal wie möglich sein, da es sonst nicht nur zu wuchtig .wirken würde, sondern sich auch zu schlecht verarbeiten ließe, weshalb man in diesem Falle auch sehr gern Chenille verwendet- Sehr hübsch würde z. B. auch ein Arrangement wie Modell 1256 aussehen, wenn man an Stelle der hier angegebenen Fältchen das Band setzt- Die vorn schräg zulaufende Linie, die sich im Rücken zu wiederholen hätte, ist immer vorteilhaft für die Figur- Der Um- chlag, wie Rand des Ueberärmels würde mit zum Band -affender Spitze bekleidet, während Aermelpuffe und Ein- atz aus Ueberkrustungen zu bestehen hätte, welche wiederum mit der Seide übereinstimmen. Bei einfarbigen oder gestreiften Seiden ist auch die Fältchennäherei noch immer eines der beliebtesten Aus- stattungsmittel; denn es ist nicht nur billig, sondern auch haltbar- Man hat in dieser Fältchennäherei nach und nach «ine solche Kunstfertigkeit erlangt, daß oft die erstaunlichsten Erfolge damit erzielt werden; denn je kleiner und feiner die Fältchen sind, desto schöner und eleganter wirken sie- Wie man den gleichmäßig in Fältchen genähten Stoff auf einer eleganten Bluse vorteilhaft anordnet, zeigt gleichfalls das schon vorher beschriebene Modell Nr- 1256. Moderner und eleganter, aber auch mühsamer in der Ausführung sind die Spitzeninkrustationen, zu welchen man für Seide stets kräftigere Spitze nimmt, als für Rester und Seiden-Mousselin- Diese Ueberkrustungen müssen, wenn sie gut aussehen und gut halten sollen, auch sehr gut und gediegen gearbeitet werden, was immerhin eine geschickte Hand erheischt. Leichter in der Herstellung und auch haltbarer sind dagegen die Cretonneanwenduugen, mit denen man jetzt die entzückendsten Wirkungen erzielt. Man verwendet sie als Kanten, als Streumuster oder auch als Besatz für einzelne Kleidungsteile. Die Wirkung der einzelnen Blüten und Blätter ist immer wie gemalt und wird noch erhöht durch eine Umrandung von Goldfaden oder Chenille- So gehört z- B. eine weiße Tasftbluse in Streumuster mit kräftig rosa- Cretonneblumen bedeckt, welche mit weißer Chenille umrandet, mit zu dem elegantesten und wirkungsvollsten, was es überhaupt giebt- Originell und neu ist auch der Besatz von kreisrunden Pastillen, welche in verschiedenen Größen und Ausführungen hergestellt werden- Sie wechseln von Pfennig-G-röße bis Modell Nr. 1256. Modell Nr. 1253. Modell Nr. 45. zür Größe eines Zweimarkstückes, und benützt man als Herstellungsmaterial meist schwarzen Sammt- Doch auch farbige Und gemusterte Seidenstoffe werden gern verwendet. So nimmt es sich z. B. sehr gut aus, wenn man zu einer farbigen, vielleicht roten Seidenbluse, die Garniturteile aus schwarzem Sammt herstellt und dicht mit Pastillen aus weißer Seide benäht, welche am Rande der einzelnen Teile größer und nach der Mitte zu kleiner werden- Auch umgekehrt, weiße Kleidungsteile mit schwarzen Sammtpastillen, würden in diesem Falle sehr gut Wirken- Hat man Spitzen oder Spitzenstoff zu verarbeiten, so kann man deren Wirkung nicht nur dadurch bedeutend erhöhen, daß man sie farbig unterlegt, sondern auch, indem man die Musterung mit Goldfaden oder Chenille umreißt und leicht mit Flittern ausstickt, was immer von ungemein vornehmer Wirkung ist- Spitzeneinsätze durchzieht man auch gern, wenn es irgend angeht, mit abstechendem Band, wozu Modell 45 eine reizende Vorlage bietet- Rosetten und Schlupfen von gleichem Band geben dann meist die passendste Ergänzung dazu. Doch nicht jedem ist es gegeben, so viel Zeit und Mühe oder Kosten an die Herstellung einer einzigen, seidenen Bluse zu wenden, weshalb wir mit Modell 1253 auch eine einfachere Vorlage bieten- Die Hauptwirkung fällt hier dem kleidsamen, breiten Kragen zu, welcher mit einer passenden Posamentengarnitur umrandet ist- Im übrigen sorgen Einsatz und Aermelpuffen aus Resten, sowie der eigenartige Bandbesatz auf Vorderteilssalten und Handstulpen für die nötige Feinheit- Die breiten Kragen an und für sich, besonders wenn sie aus schöner Spitzenarbeit bestehen, sind überhaupt eine sehr beliebte und feine Ausstattung für seidene Blusen, ebenso wie die duftigen und kleidsamen Spitzentücher. Diese letzteren wirken besonders dann sehr vornehm, wenn die dazu gehörige Bluse einen kleinen, spitzen Ausschnitt zeigt, was für junge Mädchen sonderlich kleidsam und auch sehr modern ist- Für die Hausschneiderei ist die soeben im Verlag der Europ- Modenzeitung, Dresden-N., erschienene Zuschnei d es ch ule fürs Haus, Preis 3 Mk-, etn groß? artiges Hilfsmittel. In 8 Heften sind in dieser Zuschneideschule die naturgroßen Schnittmodelle in allen denkbaren Größen zum bequemen Abnehmen enthalten, nnd zwar für alle für die Hausschneiderei in Betracht kommenden Sonderheiten, wie Frauen- und Mädchenhemden, Frauenjacken, Frauentaillen, Frauenröcke, Frauenunterbeinkleider, Herrenhemden und Unterbeinkleider, Erstlingswäsche re- Dre Reichhaltigkeit dieser Schnittsammlung von anerkannt gutem Sitz, verbunden mit der seltenen Preiswürdigkeit, macht dieselbe für jeden Haushalt zu einem unschätzbaren Behelf für die Ausübung häuslicher Nähkunst, die bei Anwendung dieser bequemen Schnitte überraschend günstige Ergebnisse liefert. Redaktion: E. Burkhardt. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schcn Universitäts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch Erben) in Gießen.