Samstag den 12. April. Nr. 54. 1902 W KM8L W MM at dich eilt bitt'rcs Leid getroffen, ®° fd)rlte uicht ein doppelt Müh'n; Am schönsten Pflegen Trost unb Hoffen Im Schweiß der Arbeit aufzublüh'n. Jnl. Hammer. (Nachdruck verboten.) Die Möve. Roman in zwei Bänden von Ziacharias Nielsen. Autorisierte Uebersetzung aus dem Dänischen von Mathilde Mann. (Fortsetzung.) Er näherte sich der Mühle mehr und mehr — diesem wohlbekannten, alten, viereckigen Mehlkasten auf sieben morschen Eichenpfühlen. Ob er dort oben war? Die Mühle lag ungefähr fünfzig Fuß . vom Wege mitten in einem wogenden Haferfeld. Oben in der Thür, die Achsel gegen den Rahmen gelehnt, stand ein junger Manu mit einem Bart, der einer Pferdemähne glich, und sah über das Land hinaus. Ob das Thomas fein konnte? Nein, er schien nicht grüßen zu wollen — ja, jetzt richtete er sich auf und führte die Finger an die Mütze. „Hab' ich doch mein Lebtag nicht so etwas erlebt! — Hans Böje!" ‘ ' „Guten Tag, Thomas!" grüßte der Fremde und stieg die kleine, schmale Treppe hinan. „Wer was in aller Welt--- guten Tag, alter Bursche! Und willkommen! Willkommen!" Der Müller preßte ferne dünne, naßkalte Hand, als wolle er sie zu Mus und Grus zerdrücken. Wie stark und stämmig war doch Thomas Rabe geworden! Das große Gesicht — rötlich, über und über voller Sommersprossen, aber von schönen Formen — zierte ein dichter dunkelroter Vollbart; es strotzte vor Gesundheit. Ein mehlbestäubter Garibaldinerhut bedeckte seinen Kopf und wiegte sich auf einer Springfederschicht aus roten Locken; ein Paar großer Ohren guckten aus einem wilden Haarwuchs an den Schläfen hervor; ferner trug er eine kurze Jagd- jvppe, in deren Säumen Roggenmehl und in deren Knopflöchern Kleie haftete. „Und ich glaubte", fuhr er fort, „daß Du höchstens des Sonntags nachmittags einmal tn den Park hinaus kämst, um Dich dort auf den Rücken, zu legen und die Staubfäden mit dem Federmesser aufzuschneiden!" „Wie Du siehst, bin ich ein wenig weiter ins Land Hineingedrungen!" > i „Du legst die Kand auf den Rücken = bist Du müde?" 1 „Ja, ein wenig." . „Weißt Du, was ich glaube, Alter? Du mußt ein tüchtig solides Futter haben, dann fällst Du 'mal sehen, —j Du bleibst doch ein paar Tage hier bei uns?" „Ja, ich dachte —" „Das ist recht!" Er schlug ihm mit einem Sackband über den Arm, das ein paar feine weiße Streifen auf dem Rockärmel hinterließ. „Glaub mir, es ist gar nicht so übel, hier bei uns Sommerfrische zu halten. Komm hierher und schau über den Strand hinaus! Sieh dort den Dampfer und die Fischerboote! Das da mit dem braunen Segel ist ein Zollkutter. Und dann der Wald da hinten, wie? Aber das Beste habe ich doch dort unten! Biege Dich ein wenig über die Lucke vor! — Das kleine Haus! dort mit dem Schieferdach — dort, rechts von den Pappeln!" „Ja, ich sehe es, was ist's denn damit?" „Dort wohnt meine Braut!" rief er aus, zog dis Augenbrauen in die Höhe und versetzte dem Freunde einen Puff mit dem Ellbogen. „Zum Teufel auch! Weißt Du denn das nicht? Und in ein paar Monaten werden wir Hochzeit halten." „Ach so, ja! Ist es nicht —?" Aufrichtig gesagt, war er nicht" ganz sicher, daß von Fräulein Helene Rabe die Rede war; endlich kam er auf den glücklichen Gedanken, seine Ungewißheit durch die Frage zu bemänteln, weshalb sie eigentlich nicht längst verheiratet seien. Thomas zuckte die Achseln. Es war im Grunde auch eine recht dumme Geschichte gewesen. Wer was sollte er dabei machen? Er konnte Helene ja der Mutter nicht wegnehmen, und dann — ja das Ganze war ein rechter Unsinn gewesen, aber jetzt endlich waren die Aussichten lichter geworden. ,,, c a ..... „Ach, Alter! Du hast keinen Begriff davon, was für ein süßes, herziges Mädchen sie ist. Ich bin beinahe bange — bist Du eigentlich verlobt?" ,9?6Üt./z "Nicht so ein Kein wenig? Du Menschenkind, sechsundzwanzig Jahre alt und noch nicht von Amors Pfeil getroffen?" , Er zog ihn wieder an die Thür. „Komm einmal her. Das da draußen ist mein Feld, ganz bis an den Deich hin." „Ja, ich entsinne mich dessen sehr wohl." „Du kannst mir glauben, ich lasse mir's sauer werden. Das ganze Stück dort beim Bach hab' ich im vergangenen Jahre drainiert, jetzt kommt die Strecke daneben an diel Reihe. Die Bäckerei dort unten hab' ich ganz umo^^stt und einen zeitgom«b?» Ofen geseill gehe ich mit dem Gedanken um, einen HEiNder zu bauen." „Du meinst, eine neue Mühle?" c>a e§ ist ein wahrer Skandal mit so einem alten, morschen Kasten heutzutage. Man muß, weiß Gott, mit der Zeit fortschreiten. M“« zwanzigtausend Kronen 214 mit fiel tvisse. „Es ist der Bart! Und dann sind Sie so mager worden!" Ihr Sohn beeilte sich, das Wort zu ergreifen: möchte gern einige Zeit ruhig bei uns bleiben." „Tas ist ja schön! Es trifft sich nur schlecht dem Fremdenzimmer, das ist ja —" „Tas wird Helene schon in Ordnung bringen", auf das Gut intabuliert, aber es müßte mit dem Teufel zugehen, wenn man nicht bei fleißiger Arbeit ein paar Tausend jährlich zurücklegen sollte. Man ist ja noch jung, Alter! Die Segel gehißt und dahin gesaust, daß es in den Rahen kracht." Thomas und Böje gingen dann zusammen in den Mühlenhof hinab, der am Ende des Dorfes, nicht weit von der Mühle entfernt lag. Böje schaute auf seine feuchten, bestaubten Beinkleider nieder, die seine Beine wie ein Paar steife Futterale umschlossen. „Ick? bin eigentlich ein wenig besorgt, daß Du und Deine Eltern nicht sehr erbaut sein werden, wenn ihr von meinen früheren Plänen hört." „Was ist's denn damit?" Der Müller stand still. „Die Sache ist die: Mein Arzt, Doktor Hartwig, hat mich geradezu gezwungen, der Luft und des Wassers wegen hier herauszugehen." „Zum Teufel auch. Dir fehlt doch mchts Ernstliches?" „Nun ja! Mein Rücken ist nicht so ganz m Ordnung." „Dann wollen wir Dir den Kadaver schon tn Ordnung bringen, wenn Du Dich nur eine Zeitlang ruhig bet uns niederlassen willst." Sein Blick haftete an einenr englischen Kupferstich, der, wie . er wußte, aus dem Nachlaß des früheren Predigers gekauft war: eine Wiedergabe von Ludovico Caraccis Gemälde „Tie heilige Elisabeth mit dem Totenkvpf". Der Anblick des hohläugigen Totenkopfesj berührte ihn unangenehm. „Nimm Dir eine Pfeife", rief Thomas, der ins Schlafzimmer gegangen war, um sich ein wenig zurecht zu machen. „Und eine Flasche Bier, das vergaß ich ja wahrlich ganz." Er kam mit aufgestreiften Hemdärmeln, weiße Schaumflocken an den Armen, heveingestürzt. „Ich danke, Thomas! Kann ich nicht lieber ein wenig Milch bekommen?" „Milch? Nun ja, wie Du willst. Heda! Ihr dal draußen, Trine, Stine, oder wie ihr heißt, etwas Milch!"- ries er zur Küchenthür hinaus, und ging dann wieder! an sein Waschbecken. Böje bemerkte ihr verstörtes Aussehen und fragte sich, was nur der Grund sein könne. Ach, das Hano- !tehen tuch war wohl schuld daran!. Sie hatte übrigenA wirklich hübsch ausgesehen, als sie tn dre Tlchr getreten war mit dem dunklen, vollen Haar, unrschlvss eri v on Durch einen mehlbestäubten Laden mit Kisten und Brotborden gelangten sie ins Wohnzimmer, das im herrlichsten Sommerlicht erglänzte, mit schwachen, zitternden Schatten von dem Laub der Bäume, die draußen von den Fenstern standen. Ueber dem Tische hing ein siebenarmiger Kronleuchter mit Glasprismen, die regenbogenfarbige Lichtflecke ringsumher über die roten Wandflächen entsandten. Unter dem einen Fenster stand ein niedriger Fenstertritt mit Stuhl und Nähtisch. Ein Netz von Epheu breitete sich über die Wand zwischen den Fenstern und bildete einen breiten, dunkelgrünen Rahmen um eine auf einer Konsole stehende marmorne Tafeluhr. Böje stutzte. „Wie hübsch es hier geworden ist!" „Ja, nicht wahr? Aber ist auch fast alles neu. Man muß es ein wenig gemütlich machen, wenn man seine junge Frau heimführen will. Setz Dich nun wieder und ruh Dich aus!" Eine alte, große, starke Frau mit glattanlingender Nachtmütze und Binsenschuhen kam aus der Küche gewatschelt, an einer Käsekruste oder etwas Aehnlichem In demselben Augenblick, in dem er sich entfernt hatte, erhob sich Böje mit einem ehrfurchtsvollen Gruß, denn in der Eingangsthür ward ein junges Mädchen mit einem blauen Tuch über dem Kopf sichtbar. Frisch und strahlend wie ein von Exner gemaltes Bauernmädchen stand sie einige Sekunden lang da, und sah ihn an. Da wurde ihr Antlitz plötzlich bleich, bis es gleich daraus eine brennende Röte bedeckte. „Herr Böje! Ich habe mich so — ach, ich bin fv heiß von dem schnellen Gehen." Er begrüßte sie, und gab seiner Freude Ausdruck, daß sie sich seiner noch erinnere. „Bist Du es, mein Schnutechen?" ertönte es aus dem Schlafzimmer wie aus einem Sack heraus, und tn der Thür erschien der Müller mit großeir strahlenden Augen, sich den Bart nrit dem Handtuch reibend, wahrend ihm die roten Locken zu Berge standen. „Ja, ist es nicht famos, daß--Aber was hast Du nur? Du bist wohl um die Wette gelaufen? Ha, ha, ha! Setze Dich doch ein wenig, Kind ! Wie das blaue Tuch sie kleidet, nicht wahr, Böje?" Er kam zu ihnen herein. „Und denk nur, dieser verwöhnte Kopenhagener will uns einfachen Landleuten die Ehre erweisen, sein Zelt hier bei uns aufzuschlagen, und eine Zeitlang bet uns zu wohnen. , ,, „Ah!" erwiderte sie ein wemg unstcher; sie htelt ... .das Ganze für einen Scherz. , , kauend. I siel der Gast ein, „ich schäme mtch wirklich Böje ging auf sie zu, ergriff ihre Hand und schrte ihr Bet r0 ungebetener Gast ins Haus zu fallen." in die Ohren: „Guten Tag, Madame Rabe! Kennen Sre | „Unsinn! Laß uns nur um Gottes willen natur- mich noch?" j uck 'fein’" Sie zwinkerte mit den Augenlidern und kaute an threr I ’ £.ie abwechselnd den Gast und ihren Verlobten Kruste weiter. - an und wußte nicht, was sie sagen sollte. „Nicht wahr, Mutter, Du siehst, daß er etn reisender I cv„ fürchte, daß mein Besuch Muhe ver-i Handwerksbursche ist!" brüllte ihr Thomas zu. I ^sacht." ' Sie lächelte und gab ihm einen Puff mit dem Ell- I „Ach das — Thomas, steh doch nicht mit dem bogen. I schmutzigen Handtuch da." „Ich bin doch früher schon einmal hier gewesen", fuhr I Helene zog Thomas ins Schlafzimmer und schloß Böje fort zu rufen. , ,r die Thür. Sie war wieder ganz bleich geworden. Im selben Augenblick machte sie eine Bewegung nnt Thomas das geht nicht! Du mußt netn sagen." der Hand, um zu erkennen zu geben, daß sie jetzt Bescheid für ein Unsinn ist das nur!" "Ja, es geht nicht; auf keinen Fall; ich kann nicht 0l> damit fertig werden, hier ist kein Platz; ich wußte mcht, -u. I wo wir ihn einguartieren sollten." v1^ I Mir haben ja das Fremdenzimmer, Kind! "Im Fremdenzimmer liegt all die Wolle ausgebreitet, und außerdem—" „Tann wird die Wolle fortgefchafft. .... „Nein, das geschieht nicht, Thomas! er ihr in die Rede. f .. „ I Mädchen, das die Milch gebracht hatte, öffnete „Na ja — ia, das wird sich schon machen lassen. | .. Scklafstubenthür um sich Bescheid über eine Kuchen- Ter Gast nickte dankbar. Er, hatte übrigens nur ° zu holem Tas Fräulein ging mit iHv wit halbem Ohr gehört, wovon die Rede war, denn er Mb^genh t L schnell sie nur konnte, durchs war ganz versunken gewesen in den Anblick des fett- Anaus etiie , l i glänzenden Kleides, das die alte Frau anhatte. Angenehm Wohnzimmer. anzuschauen war sie ja gerade nicht, aber er wußte, '1,‘> pr daß sie eine gute alte Person war, die für sich selber sorgte, und Dei«.« einziger Lebenszweck darin zu bestehen schien, daß sie die allen KÄse- und Brotkrusten gewissen- haft ™ sfch freundlich nickend entfernt hatte, I dem hellblauen Rahmen, den das Tuch dsldew.. Sonst lieh sich Böje in einen Scharkelstuhl sinken, der dicht war sie ja eigentlich keine Schönheit dreStiimw neben ihm stand. I zu niedrig und die Züge zn grob. Das. einzig Schone 215 truper Kir>. QCiVCCll‘1 Ci*/ ***‘v vhv“’m2i 7””" * y, . va $•. Haltung mit ihr in dem Birkenmoor gehabt, als sie sich auf einer - Die Kaiser Friedrich-Münze. Eine Kriminalgeschichte von Friedrich Thieme. (Nachdruck verboten.) (Schluß.) wieder. c Es war für sechs Personen gedeckt. „Ob der Vater und der Schwiegervater mcht kommen? fragte Thomas. r ,, „Ich weiß es nicht. Dein Vater ist, glaube ich, zu Felde gegangen, und der meinige hat schon zu Hanse gefrühstückt, bau« ung ^fangen. Bitte, Böse, nimm Platz und greif zu, es ist echtes Kraftfutter." , „Ich muh leider sehr vorsichtig mit dem sein, was ! ich esse " Tu kennst wohl ineinen Schwiegervater, den alten Redakteur Rabe?" fragte Thomas, nachdem sie begonnen „Nein, erinnere mich nicht, jemals die Ehre gehabt zu haben. , eg wimmelt hier in Holmstrup von Raben, Du bist in einen richtigen Krähwinkel gekommen", fuhr der Müller fort, sein Glas an den Mund setzend. „A-h!- Wer zum Glück sind dm meisten männlichen Geschlechts. Mit den weiblichen Raben ist schwer umzugehen; die hacken, nicht wahr, Helene? Ein bitteres Lächeln umspielte ihren Mund. „Ja, ja, mein Schnutechen! Wir beide pflegen doch sonst gut miteinander auskommen zu können, wie? Prost, mein Schatz, Du bist doch trotz alledem diejenige, bte mir mein Leben verschönert. Willkommen, Boje 1" Ter Gast nippte an seinem Glase und lieh em Wort fallen, daß es seiner Ansicht nach ein wenig früh am Tage sei, um Sherry zu trinken. „Früh? Tas ist ein edles Morgengetrauk!" Tie alte Madame Rabe, die sich nun ein wenig geputzt, und die Binsenschuhe mit hübschen Morgenschuhen vertauscht hatte, sah da, die Mundwinkel voll geschmolzener Butter, milde und freundlich von dem einen zum andern hinüberfchauend, während sie still die fetten Bissen zerkaute, oie sie nach und nach zerschnitt. Thomas nickte ihr alle Augenblicke zu, und schob ihr bte Schüsseln mit Eiern und Wurst hin. Von Zeit zu Zeit flüsterte sie Nach etwa zehn Minuten kehrte der Lehrling mit dem gefüllten Kruge und einem Glase zuruck. ,^ndem er letzteres dem Gehilfen reichte, legte er zugleich em funkelnagelneues Zweimarkstück vor diesen hm, mit dem Bemerken, der Wirt habe nicht wechseln können, und den Betrag gleich vom Meister mit abgezogen, er solle sich mit diesem auseinandersetzen. t . Karl Hallweber, so hieß der Gehilfe, wurde blutrot und griff hastig nach dem Geldstück, um es emzustecken. Ecklich aber hatte es bereits gesehen, er legte rasch bte Hand darauf, und rief erregt: „Das ist ja eine Kaiser Frtedrtch-Munze — woher haben Sie die, Hallweber?" , Ter Gehilfe entgegnete schnell gefaßt, er besitze sie schon lange. „Seit wann?" „Seit einigen Wochen." „Woher haben Sie dieselbe?" „Ich weih es nicht mehr." . ., Ter Malermeister blickte den Gesellen forschend an. Aus den Zügen Hallwebers sprach eine unverkennbare Verstörtheit Seit einigen Wochen, schon wollte er das Zweimarkstück besitzen — nun, zu jener Zeit waren diese Münzen mit Kaiser Friedrichs Bildnis noch äußerst gesucht Der Umstand, daß der Bursche nicht wisien wollte, von wem er das Geldstück erhalten, erschien daher ebenso seltsam als der, daß er, der ein Bruder Leichtsinn war, und immer borgen mußte, ein ganzes Zweimarkstück, für । das er noch dazu Aufgeld erhalten konnte, mehrere Wochen lang ungewechselt in der Tasche herumgetragen elfter, überhaupt ein ziemlich kurz angebundener Mann, sagte ihm daher nach einigem Hui- und Her- reden auf den Kops zu, daß dies dre Mun^ seh die kürzlich an der ihm gestohlenen Summe gefehlt habe Hallweber brauste auf, er erwiderte trotzig es gebe mehr Kaiser Friedrich-Zweimarkstücke m der -üelt, diZeS | hier habe er sich seinerzeit extra beim Wirt zum Anker waren die Augen, die einen mit einer so innigen, un- , Helene ein paar Worte zu die diese durch Zeichen mit schuldigen Glut auschaueu konnten. , ! U0^ann besorgst Du also 'das Stärkezeug, liebe als TSÄ 1SV“ ■* - “* "* - *"** ab gestoßen worden war. Tas war bei dem Gutsverwalter ber sehr wohl begreifen konnte, daß das junge auf Christiauslund gewesen. Er hatte mit ihr „F Mädchen der alternden, korpulenten Hausfrau schon jetzt gegessen" und er hatte sie sehr S»t küssen können, machte fa.g ber Arbeit abnehmen mußte, beugte sich zu ihr sich aber ,nichts daraus — ihre Men waren trock u. [inübelr unb rief; „Sie können schon mit Ihrer Schwieger- Tas einzige, weswegen er sich em wenig für ste mrer i , 1, iitfrieben sein!" essiert hatte, war der Umstand, daß sie^Thomas Rabes i He^ he!" lachte die alte Frau unsicher. Braut war. Später hatte er mehrmals auf dem Holms- I Faulem Helene war unruhig und schweigsam. Böje ' chhof nach dem Gottesdienst eimge Worte mit . te üon g^it zu Zeit das Wort an sie, aber sie Zelt, und endlich hatte er eine längere Unter- I il/m jedesmal so sonderbar kurz und machte r in dem Birkenmoor gehabt, als sre amworrere^iym feoesm i i i ff»n. .... «2 sü, ÄiSmt nM. man Stockstöße, eine Ta« hatte sie ihm gleichsam, neue Fächer ihres ^nnern er- i . b ^ähe des Ofens wurde geöffnet, und schlossen. Das letzte Mal hatte er sogar in klugen I humpelte ein kleines, trockenes Männchen, das einen Schimmer von einer tief verborgenen Glut entdeckt, ^ei"uf9Xe„ILfrtOrrigen Eichenstock stützte. unb etwas Unmittelbares in ihrer sonst scheinbar em ! ) to{r ben Herrn Redakteur! Komm her, wenig trockenen Alltagsnatur gefunden. Er war an Mem » h unb trinke ein Glas mit uns! Dies Tage vielleicht besonders freundlich gegen .sie gewesen, .st ein Mnd5tsfrennd - angehender Förster." und er erinnerte sich sehr wohl, daß er unwillkürlich an I Natürlich radikal?" fragte der Alte mit scharfer die Pflanze Sonnentau" hatte denken mu seii, die ihre stimme, den Fremden mit einem politischen Dolchblick Blüte nur dem wärmsten Sonnenschein erschließt. Aber I bl.rrrlbotirenb es war nur eine Freundlichkeit von sehr unschuldiger Att I Fürchterlich radikal! Genau so wie ich", erwiderte gewesen, die er ihr erzeigte, und er ^kte sie gleich I , aber deswegen können wir ja doch gute Freunde wieder vergessen. Von Christianslund war er nach Jütland | Nimm Dein Glas, Böje, wir wollen einmal mit gereift, wo er mehrere Jahre einen größeren Guter- 1 • unverbesserlichen Nationalliberalen anstoßen, komplex verwaltet, und sich in die Tochter seines Herrn dem atten^ unveroefieriuy n verliebt hatte. r Sef gtattrafierte Gesicht saß in starrer Ruhe Nachdem er einen Korb bekommen, steckte er bte . . .£ Srauen burcß den Truck eines unerschütter- Lanbwirtschaft auf und reifte nach Kopenhagen, wo er Ellens zusammengezogen. Er sagte niemals viel, seither von seinem Erbe gelebt hatte. Wahrenb all die,er I abg). b|nter re|ner abgetragenen schwarzen Samtweste Zeit hatte er so gut wie nichts von seinen Bekannten I herrschte ein ewiger politischer Morast. in ber Holmstruper Gegend gehört, und bis, zu diesem yerrgyie em u ^Fortsetzung folgt.) Tage hatte er nicht gewußt, ob das Verbaltnis zwischen I ® Fräulein Helene und seinem alten Freund Thomas Rabe noch existiere. „ ,., . Thomas war ein wenig bestimmt, als er sich wieder zeigte, und er ft, nachdem er an dem reichbesetzten Tisch Platz genommen, und die geschliffene Flasche nut dem goldigen Sherry erblickt hatte, kehrte seine gute Laune 216 eingetauscht, und dafür 50 Pfennig Aufgeld bezahlt. Ecklich ließ die Sache vorläufig fallen, aber noch am selben Abend ging er in den „Anker", sich zu erkundigen, und stellte dort zur Evidenz die Unwahrheit der Behauptung Hallwebers fest. , Als er am nächsten Morgen seine Leute über ihre verschiedenen Missionen informierte, teilte ihm der Lehrung mit, Hallweber wollte sich heute abend nach erfolgter Lohnauszahlung davonmachen. Er habe geäußert, er brauche sich nicht zum Diebe machen zu lassen, und da eS gerade Lohntag sei, wolle er den Staub der Stadt von den Stiefeln schütteln. Ecklich sah Gefahr im Verzüge, allerhand sonderbare Ideen waren während der Nacht in ihm aufgestiegen, er begab sich zum Polizei- Jnspektor und teilte ihm seine Wahrnehmungen mit. Haltweber, erklärte er, sei ein boshafter Mensch, dem eine niedrige Handlung wohl zuzutrauen sei, und der auch seinen Kollegen schon mehrere niederträchtige Streiche gespielt habe, weshalb er ihn längst entlassen hätte, wenn die Arbeit nicht so drängend gewesen wäre. Der Bursche habe sich nun anfangs eifrig um Paulines Gunst beworben, sie habe ihn jedoch bös abfallen lassen, und es fet durchaus nicht ausgeschlossen, daß er sich durch eine Schurkerei an ihr gerächt, und das Geld in ihrer Kammer versteckt habe. Wie er sich freilich in dessen Besitz zu setzen in der Lage gewesen, begreife er nicht. Ter Inspektor ließ sofort den Gehilfen holen. Anfangs stellte dieser trotzig jede Schuld seinerseits in Abrede, als er jedoch aufgefordert wurde, über die Herkunft der Kaiser Friedrich-Münze authentischen Aufschluß zu geben, verwickelte er sich in Widersprüche, und zuletzt gestand er kleinlaut ein, daß er wirklich der Dieb der ..Geldrolle fet. Er war an jenem Tage nach Hause ge- um den Meister wegen der Vollendung einer Arbeit zu fragen. Um den Weg abzukürzen, ging er durch oen Garten, dessen hintere Pforte nur eingeklinkt war, und trat an das offene Kontorfenster, um von diesem aus den Meister, den er in seinem Bureau glaubte, zu fragen. Da sah er denn, daß Ecklich nicht anwesend sei, er 1 ah das viele Geld liegen, und Pauline, die eben im Kuntor gewesen, dasselbe gerade verlassen. Eine teuflisch« Gedankenverbindung wurda dnrch ihren Anblick hervor- gernfen. Der nichtswürdige Hallunke gedachte der „dummen Trine" etwas einznbrocken. Sie sollte aus dem Hause gejagt werden, auf weitere Folgen seiner Schurkerei rechnete er nicht. Er hielt sorgfältig Umschau — niemand bemerkte ihn. Gewandt kletterte er in das Zimmer, nahm die ihm zunächst liegende Geldrolle an sich, dann retirierte er eiligst, schlich zur hinteren Gartenpforte wieder hinaus, betrat das Haus des Meisters durch den vorderen, den gewöhnlichen Eingang, schlich die zwei Treppen zu Paulines Kammer hinauf, und versteckte das Geld in dem an der Wand hängenden Hute. Das obenauf liegende Kaiser Friedrich-Zweimarkstück, das ihm in die Augen stach, behielt er, und setzte ein anderes altes an seine Stelle, da er nicht glaubte, daß der Meister um das Vorhandensein des Zweimarkstücks wisse. Ebenso vorsichtig tvie er gekommen, schlich er wieder hinunter und kehrte zu seiner Arbeit zurück. Hätte ihn jemand gesehen, so konnte immer noch kein Verdacht auf ihn fallen, da sich dre Kammer, welche er mit seinem Kollegen bewohnte, ebenfalls oben befand. Als er bald daraus von der Kaiser Friedrich-Münze hörte, ivagte er nicht die {einige auszugeben; erst an jenem Abend, als das genossene Getränk ihn die Dinge leichter ansehen ließ, und die lauge Zeit die Gefahr ausgelöscht zu haben schien, tonnte er, der gern trinken wollte, und kein anderes Geld mehr besaß, der Versuchung, das Geldstück einzuwechseln, nicht widerstehen. An der Thür erst, sodaß der Meister das Stuck nacht sehen konnte, drückte er es dem Lehrling in dre.Hand, der würde es gar nicht anschauen, und ihm eaufach den Ueberfchuß zurückbringen. Ein Zufall — oder war es mehr als Zufall? — fügte es, daß der Lehrling das Geldstück zurückbrachte, und auf daese seltsame Weise die Unschuld der armen Pauline fi1!_ den Tag kam. Das unglückliche Mädchen hatte nur aus Furcht vor der Polizei, und weil man sie eingeschüchtert, ihr falsches Geständnis abgelegt; ihre Vorstrafe ängstigte sie, sie wollte nicht, daß jemand davon erführe, und fürchtete, wenn man sie zur Polizei bringe, werde drese ihr wegen des früher verübten Eigentumsvergehens keinen Glauben schenken. Natürlich erhielt sie sofort ihre Freiheit zurück, und von dem Meister Ecklich eine reichliche Entschädigung, den frivolen Gehilfen aber verurteilte das Gericht zu der exemplarischen Strafe von 1 Jahr Gefängnis! Sinn sagen Sie selbst, meine Herren: wie hätte nach Lage dieses Falles die Wahrheit an den Tag kommen können, wenn sich nicht der merkwürdige Zufall mit der Kaiser Friedrich-Münze ereignet hätte?" Der Einfluß des Willens. (Nachdruck verboten.) In einem Klub stritten sich zwei Herren über Willens-, kraft. Der eilte, der alle Welt mit seinem gehaltlosen Geschichten langweilte, behauptete,-sein Wille sei stärker, als der seiner Freunde. „Ta sind Sie im Irrtum", erwiderte ein phlegmatischer Rentier, „und ich will es Ihnen beweisen. Sie stellen sich in eine Ecke und ich will, daß Sie auf meinen Befehl wieder hervorkommen. Sie wollen mir nicht gehorchen, aber ich wette, daß Sie ans der Ecke kommen, bevor ich es Ihnen znm zweiten Male befehle." Ter andere nahm die Wette an und stellt« sich in die Ecke. Ter Ruhige rief nun mit befehlender Stimme: „Kommen Sie wieder hervor!" Ter andere lachte und schüttelte den Kopf. Der Rentier setzte sich und sah ihn ununterbrochen an. Fünf Minuten vergingen, und dann sagte der Manu mit dem starken Willen mit höhnischem Lächeln: „Mollen Sie es nicht lieber anfgeben? Ich fühl« noch nicht den geringsten Einfluß, und ich kann doch nicht den ganzen Ilbend hier stehen." „Ich habe durchaus keine Eile", sagte der Phlegmatiker, „und ich sitze hier ganz bequem. Unsere Zeit ist unbegrenzt; aber ich glaube, Sie werden es borziehen, aus Ihrer Eck« herauszukommen, bevor ich Sie zum zweiten Male auffordere. Und da ich nicht die Absicht habe, dies vor Verlauf von acht Tagen zu thun, werden Sie meinen Einfluß auf Ihre Willenskraft inzwischen schon verspüren." Ter Eingebildete kam aus seiner Ecke heraus und machte ein sehr wenig schlaues Gesicht. S ch a ch a n f g a b e. Bon F. Beckers, Demmin. 5 4 3 2 1 8 7 6 3 2 1 8 7 6 5 4 abcdef g h (Nachdruck verboten.) abcdef g h Weiß. (8 + 3) Weiß zieht an und setzt mit dem vierten Zuge matt. (Auflösung in nächster Nummer.) Atlflösung der Geheimschrift in vor, Nr.: Am besten machst du gleich Dein Ding im Anfang recht. Nachbefferung macht oft Halbgutcs völlig schlecht. (Rückert.) W wohlfeiles Schachspiel "W für 20 Pfennige zu haben in der Geschäftsstelle der Gießener Familienblätter, Redaktion: I. V.: R. Dittmann. — Rotationsdruck und Bcrlag der Brühl'schen UniversitätS-Buch.und Cttindruckerei (Pietsch Erben) in Gießen.