sKiräT® KAM 4?i n iiöö flSÄav- (Nachdruck verboten.) Miß Cookson aus New-Aork. Won Heinrich Lee. (Fortsetzung folgt.) Trotz der späten Stunde herrschte am Strande reges Leben. Vom dunkelblauen Himmel leuchtete, unnatürlich groß, in einem hellen Messingglanze der volle Mond und streute über das Wasser eine Bahn von Milliarden zitternder Funken, aus den Strandrestaurants schimmerten die Lichter und roten Lampen und mit dem Rauschen der Wellen vermischten sich die gedämpften Klänge der Zigeunergeigen. Die milde, prachtvolle Luft lockte die abendlichen Spaziergänger immer weiter hinaus. Auch Herwarth und Ottilie folgten dem Strom. Plötzlich an einer einsamen Stelle blieb Herwarth stehen. „Ich muß Dir jetzt etwas sagen", begann er heiser. Sein Gesicht war ganz fahl geworden. Ottilie erschrak. „Ihr habt geglaubt, daß ich wegen eines Dienstgeschäftes in Berlin war. Es war ein Vorwand. — Ottilie, ich' bin ruiniert, ich bin ein Bettler." „Wie?" Betäubt hörte sie ihm zu. Er war ruiniert— ruiniert! Wie es gekommen war? Ganz einfach. Er hatte sein Vermögen bei einem bekannten Berliner Bankhause gehabt. Das Haus galt als unbedingt sicher. Jetzt nachträglich stellte es sich heraus, daß die beiden Firmeninhaber gewagte Börsenspekulationen betrieben hatten und über Nacht war es zusammengebrochen. Der 'eine hatte sich in seinem Kontor erschossen, der andere war spurlos entflohen. So hatte es in seiner Zeitung gestanden und deshalb war er sofort nach Berlin gereist. Alles hatte er in Berlin bestätigt gefunden. Warum er überhaupt noch einmal zurückgekommen war, warum er sich statt dessen nicht lieber eine Kugel durch den Kopf geschossen hätte? „Ich dachte, Otti, wir mässen uns beide noch einmal sehen, ich wollte Dir Carlas Schicksal an's Herz legen. Du mußt nun meine Pflichten gegen sie übernehmen." Er dachte an Carla. Glücklicherweise war wenigstens Carlas Vermögen sicher gestellt und von seinem Schiffbruch unberührt geblieben. Öttilie mußte erst ihre Gedanken sammeln. Es war, als traf dieser Schlag sie selbst. Vielleicht zum ersten Male fühlte sie, wie teuer er ihr war. Der Verlust seines Vermögens bedeutete für ihn den Verlust seines ganzen Lebensglückes, denn er wgr ehrgeizig, sein ganzes Streben war auf Karriere gerichtet und ohne Vermögen konnte er diese nicht weiter fortsetzen. „Vielleicht übertreibst Du", sagte sie — „vielleicht Käst Du nicht alles verloren". Er lächelte wieder in seiner alten ironischen Art. „Es bleibt mir gerade so viel, daß ich davon meine Garderobe und im günstigsten Fall noch meine Zigarren bezahlen kann. Das Allervernünftigste ist, daß ich dent Beispiel dieses Herrn, der mit sich ein Ende gemacht Käst folge." „Herwarth!" Sie klammerte sich an ihn fest. „Ich weiß," sagte er ruhig. „Die Rücksicht auf den Namen der Familie", „die Flinte nicht ins Korn werfen!" — „Kopf hoch!" Und so weiter. Ich weiß alles, was Ihr sagen könnt. Gut, ich werde Euch den Gefallen thun, ich will am Leben bleiben. Was aus mir werden soll, darauf kommt's natürlich nicht an. Am Ende hab' ich was gelernt. Ich bin Offizier gewesen, ich habe Cameralta studierst Ich kann also eine Presse oder ein Rechtsbureau eröffnest und meinen Namen schreibe ich aus ein Aushängeschild, Der Freiherr von Schöneck, der sich! eine Profession suchst" Sein ganzer in den Staub getretener Stolz bäumte' sich in ihm auf. „Herwarth", flehte sie — „und so sprichst Du zst mir!" Er fühlte Mitleid — nicht mit sich selbst, sonderst mit ihr. „Otti, ich thu' Dir leid. Die Perspektive meiner Zukunft, die sich jetzt für mich! eröffnet, ist nicht nach! Deinem Geschmack. Nach meinem auch nicht. Aber sage felbsst was mit mir werden soll. Was soll mit mir werden?" Wie einen unterdrückten Schrei der Verzweiflung rief er es hinaus in die Nacht. „Wie anders, Otti, sieht jetzt alles um mich aus"/ fuhr er fort und in seiner Stimme hörte sie die Erinnerung klingen — „meine Zukunft, meine Vergangenheit! Wir zwei — warum haben wir uns verloren! Warum bist Du nicht meine Frau geworden?" Zum ersten Male rührte er daran. Jetzt, wo das, Unglück über ihn gekommen war. Er sollte es nicht. „Sprich nicht davon", flüsterte sie — „nicht jetzt." Er verstand sie und drückte ihre Hand. „Du hast Recht!" Die war Frau, und deshalb kam ihr der Gedanke, statt mit nutzlosen Klagen die Zeit zu verlieren, lieber nach einem praktischen Ausweg zu suchen, von Beiden zuerst. „Wir müssen darüber nachdenken, was zu thun ist"/ sagte sie. „Eins steht fest, Dein Beruf muß Dir erhaltest bleiben." Mein \u Er lachte höhnisch vor sich hin. „Otti, von dem heißt es jetzt Abschied nehmen." , „Siehst Du", sprach sie eifrig auf ihn ein, — „Deist ganzes Leben hängt daran. Herwarth, nun bitte tcfy Dich/ nun laß uns in Ruhe davon sprechen." Ein Strandkorb stand in der Nähe. Mechanisch folgte Herwarth ihr und sie zog ihn zu sich nieder. „Deine Lage", begann sie, „ist also dter Du bM 470 nun ohne Vermögen. Ohne Vermögen mußt Du quittieren. Es kommt also darauf an, Dir für das Verlorene Ersatz zu verschaffen. Das ist alles. Nun — und das ist doch nicht so schwer?" Die Hoffnung belebte wieder ihr Gesicht. Sie hatte das Mittel schon gefunden. „Wie meinst Du?" „Ganz einfach — Du heiratest. Du machst eine reiche Parthie." Verblüfft sah er sie an. „Erlaube, Otti," sagte er, — „sag' das noch einmal." Und unerschütterlich erwiderte Ottilie noch einmal: „Du siehst Dich nach einem reichen Mädchen um. Ohne Zögern — ja, auf der Stelle." Wer verstand sich nun auf die Frauen? Er nicht! „Otti — und das ist Dein Ernst. Verheiraten willst Du mich?" Sie sah, daß, wenn er gerettet werden sollte, kein Opfer für sie zu groß sein durste, daß sie ihm nicht zeigen durfte, wie viel es sie kostete, wenn sie ihm die Sache leicht machen wollte und blieb ihr nicht der Trost, wenn er auch der Gatte einer andern wurde, daß sein bester Teil doch imnler ihr gehören würde? Was von eifersüchtigem Egoismus von ihr sich an ihn klammerte, das mußte sie nun, und kostete es, was es wolle, zum Schweigen bringen. Was kam es auf alles andere an, wenn es sich Um seine Rettung handelte. Sie sprach auf ihn ein, und er verstand sie endlich. Er sah ein, daß sie das Richtigste getroffen hatte, was überhaupt möglich war, aber etwas in ihm lehnte sich auf. „Was Du mir empfiehlt, Otti, das ist ein Geschäft, ein Schacher. Du willst, ich soll mich glattweg verkaufen. Mich, meine Stellung, meinen Namen. Wir wollen beide nicht empfindsam sein, aber Handelsgeschäfte machen, noch dazu mit dem Namen meines Hauses — er ist nun mein einziges Erbe — das, Otti, geht mir gegen den Strich." Er erschien ihr wie ein fremder Mensch. Niemals hätte sie ihm bei seinem ganzen sonstigen Wesen ein so feines, ein so übertrieben feines Gefühl zugetraut. „Der Name Deines Hauses. Er ist Dir teuer! — und wenn Du arm bist, wenn Du heruntersteigen mutzt, wirst Tu ihn dann, wenigstens in den Augen unserer Gesellschaft, vielleicht weniger Llosstellen?" Er knirschte vor sich hin. -„Weil wir die Sklaven unseres Standes sind." „So wähle", sagte sie heftig, „entweder Deinen Untergang oder eine Frau." Er blickte finster vor sich hin. „Es ist der einzige Ausweg", murmelte er endlich. -„Heiraten und reich! Und doch geht es nicht." „Warum nicht?" „Ich weiß kein solches Mädchen. Um die Goldfische in unserer Gesellschaft habe ich mich nie gekümmert. Außerdem — jetzt ist es Sommer. Bevor man wieder zusammenkommt, vergehen Monate. Und wer sagt Dir, daß es mir überhaupt gelingen wird. Selbst, wenn ich den besten Willen dazu hätte. Nur auf Grund meiner persönlichen Vorzüge? Du, Otti, Du überschätzest mich, denn Du hast mich lieb. Welches Mädchen aber, welches reiche Mädchen, da doch nur von einem solchen die Rede fein kann, wird mich mit den Augen ansehen wie Du? Oder weiht Du vielleicht eins?" Er spottete jetzt über sich selbst. Ob sie ein solches Mädchen wußte? Das Dunkel, das sich um sie breitete, erhellte ein plötzlicher Blitzstrahl. Bell! Aber ihre Lippen waren von einem Versprechen versiegelt, von dem Vertrauen der Freundschaft, von etwas Heiligem. Unsinn! Es fvar eine Schrulle von Bell — und hier handelte ks sich um feine Rettung. „Ja, Herwarth", sagte sie nach einer Pause, „ich weiß ein solches Mädchen für Dich" „Kenne ich sie?" „Es ist meine Freundin. Bell!" „Bell? Wer? Miß Cookson?" Er hörte ihr zu. Er hörte, daß Miß Cookson nicht das arme Fräulein war, für das sie vor der Welt, auch vor ihm ausgegeben worden war, sondern eine Newhorker Dollarfürstin. Er hörte von dem merkwürdigen Bewege gründ, der sie zu ihrer Maskerade veranlaßt hatte, und er hörte von dem Versprechen, das Ottilie ihr gegeben hatte. Die ganze Geschichte klang wie ein Roman. Aber doch schließlich wieder nicht wie ein Roman, sondern,- wenn auch sehr ungewöhnlich, so doch im Grunde von Miß Cooksons Seite aus sehr wohl begreiflich Diese Miß Cookson also eine Millionärin und zwar gleich eine hundertfache. Eine verkleidete Prinzessin. Und sie war für ihn ein Nichts gewesen. Noch weniger als ein Nichts. So weit er ihr überhaupt Beachtung geschenkt, so hatte sie ihm nur Antipathie eingeflößt. Mit ihren Büchern, mit ihrer Gelehrsamkeit hätte er sie sich allenfalls als eine verkappte Professorin vorstellen können, oder, wenn er an jenen Morgen auf der Düne dachte, als eine berufsmäßige Sportslady. Diese Entdeckung aber kam ihm wirklich überraschend. „Du sagst", unterbrach er die eingetretene Stille zwischen ihnen, „daß es ihr Geheimnis bleiben sollte, daß sie sich fest auf Deine Diskretion verlassen hat. Und Du hast sie nun an mich verraten. Fühlst Du denn nicht/ welches Unrecht Du damit begangen hast?" „Herwarth", flüsterte sie, „ich thu's für Dich." „Für mich?" Er empfand in diesem Augenblick vor ihrer Zuneigung eine Art von Grauen. „Und Du glaubst wirklich, daß ich fähig wäre", — er hielt inne — „Du glaubst, daß ich jetzt von Deiner Mitteilung Gebrauch machen kann? Sie ahnt nichts und ich soll sie betrügen?" „Nenn es nicht so!" fiel sie ihm heftig ins Wort. — „Was sie Dir giebt, ist nur ihr Geld. Was Du ihr giebst, das bist Du selbst. Wer ist es, der bei dem Geschäft betrogen wird — Du oder sie?" Er fühlte, wie sie den Strick um ihn legte. „Du sprichst nur von mir, nicht aber von ihr. Du thust, als brauchte ich nach ihr nur zuzugreifen. Selbst angenommen, ich wäre bereit, ich könnte mich von meinen Bedenken losmachen, ich könnte Deiner Auffassung folgen — wer bürgt Dir und mir dafür, daß sie mich uoer- haupt haben will?" Welche Frage von ihm! Wenn er es darauf anlegte, ein weibliches Wesen in sich verliebt zu machen, so gelang ihm das auch. Sollte sie ihn erst an seine Don Juanenen von einst, an seine Siege, die ihr zu Ohren gekommen waren — wenn sie auch bisher nie mit ihm davon gesprochen hätte — erinnern? Bell würde ihm so wenig widerstehen/ wie ein anderes Mädchen. Außerdem — die Gelegenheit hier war die günstigste und schließlich, Ottilie entsann sich jetzt gewisser Kleinigkeiten, vielleicht war in Bells Herzen schon der Grund dazu gelegt. Er brauchte feine Chancen nur mit einiger Energie wahrzunehmen. „Ich liebe sie nicht", sagte er heftig, „sie stößt mich geradezu ab. Ich werde sie auch niemals lieben können. - „Du sollst sie auch nicht lieben, Du sollst sie nur betraten, Herwarth", — und ihre Stimme sank zu einem Raunen herab — „wäre es anders, würde ich Dich ihr sonst Ö°nt@S tonr die Zeit der Flut. Ohne daß sie es aus ihrem Sitze merkten, kamen die Wogenkämme näher und naher heran und aufklatschend netzte ihnen das Wasser letzt die Füße. In den Strandrestaurants begannen die Lichter zu erlöschen, und es wurde um sie leer und einsam. „Es ist spät", sagte er rauh, „komm, wir wollen heim!" Der Geheimrat hatte sich, als sie zu Hause anlangten, schon zu Bett begeben. Es war zwischen ihnen beiden ausgemacht worden, ihm vorläufig von dem unglücklichen Ereignis nichts zu sagen — ein Gedanke, der von Ottilie aus-? ging, und Herwarth hatte sich damit einverftmiden erklartz Warum? Er wollte es sich nicht gestehen., Bell saß, als sie kamen, im Garten, in der Veranda bei einem Wnidkicht und las. Während Ottilie sie unbefangen, als sei Nichts geschehen, begrüßte, verabschiedete er sich rasch und begab sich nach seinem Zimmer. Ohne Licht anzuzünden, trat er ans Fenster und fach hinaus in die mondbeschieueue Nacht. Ottilie hätte Recht. Er hatte die Wahl. UntergehSK — ober das! , .. w Jedes Wesen in der Welt war auf den Trieb der 471 Selbsterhaltung gestellt. Das war ewiges Gesetz. T-as war die Rechtfertigung für ihn. Es war seine einzige Rettung. Und doch, es war und blieb ein Betrug. Ottilie nannte sie ihre Freundin — und sie schreckte nicht davor zurück. Warum brauchte er bedenklicher zu fein? Miß Cookson seine Frau! Und wie am Himmel droben die goldumsäumten Wolken langsam vorüber zogen, sich in einander schoben und sich fortwährend zu anderen seltsamen und undeutlichen Gebilden formten, so kämpsten seine Gefühle miteinander, und er wußte nicht, ob die Abneigung, die er gegen Miß Cookson empfand, bei der Vorstellung, sie zu seiner Frau zu machen, zum Haß wurde oder zum Mitleid. (Fortsetzung folgt.) vermischtes. Die Memoiren der Königin Natalie von Serbien. Aus Paris wird geschrieben: Die Königin Natalie von Serbien schreibt ihre Memoiren. Das Kapitel, das die Gründe ihres Glaubenswcchsels erklären wird, dürfte zu den interessantesten und pikantesten des ganzes Buches gehören. Es ist jetzt hinlänglich festgestellt, daß dieser Glaubenswechsel eine politische That war, ein vollständiger Bruch der Ex-Königin mit ihrer ganzen Vergangenheit und mit der Familie Obrenowitsch, ein Protest auch gegen die gegenwärtigen Schirmherren ihres Sohnes, gegen die Monarchen, die Frau Draga Maschin gut aufnahmen oder aufnehmen wollen. Obgleich sie sich von der Welt zurückgezogen hat, wollte die Königin Natalie doch in gewisser Weise bei der Verehelichung des jungen Prinzen Mirko von Montenegro mit einer serbischen Fürstentochter, einer entfernten Verwandten des Königs Alexander, eine Rolle spielen. Die Königin weiß ganz gut, daß die Ehe des Prinzen Mirko dem König Alexander ganz besonders mißfällt; sie weiß, daß die Patrioten ihres Landes ein Großserbien ersehnen und die Verwirklichung ihrer Träume von der fruchtbaren und klugen Fürstenfamilie von Montenegro erwarten, da das Paar Mcxander-Draga für immer ohne Nachkommen bleiben dürfte. Von diesen Erwägungen ausgehend, hat die Königin Natalie in fast ostentativer Weise die Ehe des Prinzen Mirko gebilligt, indem sie einen sehr herzlichen Brief an die junge Braut richtete und ihr ein bedeutungsvolles Geschenk schickte: den. Ehering, den die Fürstin Lubiatz, die Gattin des Gründers der Dynastie Obrenowitsch, auf dem Finger trug. Dieser Ring ist eine Art Investitur, die die Witwe des Königs Milan und Mutter des Königs Alexander, der jungen Fürstentochter zu teil werden ließ; sie selbst trug diesen Ring an dem Tage, an welchem sie Königin wurde. Außer dem Ring schenkte Natalie der Prinzessin Mirko ein Halsband aus Diamanten, das König Milan ihr einst, am Tage ihrer Verlobung, um den Hals gelegt hätte; auch dieses Halsband gehörte zum Familienschatze der Obre- nowitsch. So schenkt die Königin-Mutter von Serbien ihre Juwelen der Braut eines Prinzen von Montenegro; und mit dieser "That tritt die Königin Natalie in fast gewaltsamer Weise wieder in die aktive Politik ein. Es ist ein intimes und politisches Drama, das den weitschauenden Beobachter lebhaft interessieren muß. Uebcr die Bedeutung der Zerkleinerung und des Kochens der Speisen für die Verdauung hat Prof. Lehmann in Würzburg interessante Beobachtungen angestellt. Bis jetzt hatte man noch nie in exakter Weise die Frage zu beantworten gesucht, wie denn der Zerkleinerungsgrad auf die Verdauung einwirkt. Allerdings wissen wir, daß häufig Menschen, welche hastig kauen und schnell hinunterschlucken, an Magenbeschwerden leiden, ja daß diese Verfehlung häufig die einzige Ursache bildet. Vielfach wird auch von Aerzten und Zahnärzten die Beobachtung gemacht, daß ein künstliches Gebiß bei Menschen mit defekten Zähnen und infolgedessen darniederliegender Verdauung Wunder gewirkt habe durch Verbesserung der Ernährung. Lehmann hat nun seine Versuche gewissermaßen im Reagenzglase angestellt, indem er die gekochten Speisen einmal in Würfel von einem Zentimeter Seitenlänge, zweitens von einem Millimeter Seitenlänge und schließlich zerrieben dem Verdauungssaft im Brutschrank aussetzte. Es wurden die verschiedensten Nahrungsmittel verwandt: hartgekochtes Hühnereiweiß, Fleisch, Käse, Erbsen, Graubrot, Pfannkuchen, Aepfel, gelbe Rüben, Kartoffeln und Maccaroni. Aus den Versuchen ergab sich, daß der Grad der Zerkleinerung für die Verdauung außerordentlich wichtig ist; nicht nur fördert die Zerkleinerung der groben Würfel zu feineren die Verdaulichkeit sehr bedeutend, nein, die Zerreibung vergrößert die Geschwindigkeit der Verdauung abermals außerordent, lieh. Bei den Speisen, welche ihres Zuckergehaltes wegen genossen werden, ist auch das Kochen von großer Bedeutung, iveit durch das Quellen der Stärke zu Kleister einmal die Zellwände gepreßt werden und weil zweitens die verkleisterte Stärke von den Verdauungssäften viel energischer angegriffen wird. Die Verzuckerung der gekochten Speisen ist etwa fünfmal rascher als die der rohen, „ die Verzuckerung der fein geriebenen 5, 10, ja 20 mal größer als der grob zerkleinerten Speisen. Durch Kochen und feines Zerkleinern wie bei Apfelmus und Kartoffelpüree kann die Zuckerbildung auf das 30—lOOfache gesteigert werden. Aus alledem geht hervor, wie wichtig ein gutes Gebiß und die richtige Benutzung desselben für die Verdauung ist, und daß man ferner Kranken und Schwachen möglichst fern gewiegte und zerriebene Speisen reichen soll. Mode. Unter den Handfertigkeiten für Frauen müßte das Schneidern jederzeit oie erste Stelle einnehmen, weil die Herstellung und Instandhaltung der Kleidung die größten wirtschaftlichen Vorteile gewährt. Wenn es bisher teilweise nicht der Fall Ivar, so lag das in dem Mangel guter Schnitte, die für die Anfertigung geschfnackvoller und passender Kleidung nun einmal unentbehrliche sind. Gegenwärtig werden nun vorzügliche fertige Schnitte in über-, raschender Auswahl, gut sitzeno und leicht verwendbar von der intern. Schnittmanufaktur, Dresden-N. 8, geliefert unk? dient ein saisonmäßig erscheinendes „Reichhaltiges Modenalbum und Schnittmusterbuch", zum Preise von nur SO Pfg., zur Auswahl derselben. Alle praktischen Frauen werden gut thun, diese neuzeitliche Einrichtung sich zu Nutzen zu machen, durch die auf dem Gebiete der H-ausschneiderei überraschend günstige Erfolge erzielt werden. Modeßencht Wer SporLkostüme. Bearbeitet und mit Abbildungen versehen von der Internationalen Schnittmanusaktur Dresden-N. Reichhaltiges Modcnalbum und Schnittmusterbnch zu 60 Pfg. daselbst erhältlich. Noch vor einem Vierteljahr-Hundert war die Ausübung des Sports seitens der Frauen, beziehungsweise der weiblichen Jugend auf das Schlittschuhlaufen beschränkt. Aber selbst bei dem harnllosen Vergnügen des Eislaufs hatte noch manches junge Mädchen die Vorurteile der Eltern zu bekämpfen, die die Ausübung dieses beliebten Jugendsports nicht für „ladylike" hielten. Wie haben sich die Zeiten geändert! Jetzt giebt es wohl keine junge Dame, die nicht wenigstens einem Sport huldigt. Unwiderstehlich ziehen in jedem Jahr die schönen Sommertage die weibliche Jugend hinaus zu fröhlichem Sport ins Freie, und die Eltern freuen sich an dem anmutigen Spiele ihrer Kinder, denn sie wissen, daß die Bewegung in der freien Natur Körper Md Geist gleich stärkt und erfrischt Diese gesunde Zeitströmung ist natürlich auch Uns dis Mode nicht ohne Einfluß geblieben. Während wir früher nur Haus-, Straßen-, Gesellschafts- und Ballkleider Unterschieden, spielen neuerdings die Sportkostüme eine außerordentlich große Rolle. Bei der Vielgestaltigkeit des Frauensports muß de» Zweckmäßigkeit und der Kleidsamkeit in gleichem Maße dir nötige Beachtung gezollt werden. Die Mode verlangt hier, neben dem natürlichen Takt, der unbewußt das Richtig" trifft, auch ein besonders aufmerksames Studium aller ein schlägigen praktischen Forderungen. Wird doch durch eins unzweckmäßige Kleidung ost der ganze Erfolg sportlicher Hebungen in Frage gestellt, ganz abgesehen von der bedenklich uneleganten Wirkung einer nicht korrekten Tracht. Für 472 1 jede Art Sportkleidung, so verschieden sie auch scheinen mag, gelten gewisse gemeinsame Grundregeln; wer die begriffen hat, steht mit einem Male allen Bewegungsspielen, Fahrten und Wanderungen unabhängig gegenüber. Alle für Sportzwecke bestimmten Kleidungsstücke müssen solid, regen- und wetterfest sein, dürfen nicht allzu leicht schmutzen, müssen schützen und volle Bewegungsfreiheit gestatten, dürfen also vor allen Dingen keine Tailleneinschnürung haben. Diese letztere Forderung deckt sich übrigens mit den Grundsätzen, die für die moderne Kleidung allgemein aufgestellt sind. Die wirklich elegante Frau hat längst eingesehen, daß die Schönheit ihrer Erscheinung nicht in der widernatürlichen Taillenform gipfelt, sondern daß sie im reizvollen natürlichen Ebenmaße, in aufrechter Haltung, ungezwungenen, schönen Bewegungen und einem anmutigen Gange liegt. Tas Korsett ivird wohl schwerlich ganz abgeschafft werden, und das ist auch nicht nötig, aber es hat seine Rolle als Schnürmaschine ausgespielt, und gerade dem Sport haben wir in dieser Hinsicht viel zu danken. Als zweite Regel für den Sport gilt als zweckentsprechende Unterkleidung das Reformbeinkleid, wenigstens für Radfahrerinnen und Touristinnen, bet den anderen Sportarten: Lawn-tennis, Rudern rc. ziehen viele Damen leichte Unterröcke vor. Als dritte Bedingung ist ein fr,Ureier, gutsitzender, schneidermäßig hergestellter Rock zu nennen, der für jeden Sport unerläßlich ist. Bei der Auswahl des Materials diene als oberster Grundsatz, daß das Beste gerade gut genug ist. Nur schwere, gediegene Stoffe sind schön unb‘ zugleich praktisch widerstandsfähig gegen Staub und Nässe- mit denen doch jede sportliebende und spvrtausübende Dame zu rechnen hat. Nur durch; einen guten Schnitt und! durchs gutes Material wird ein Sportanzug elegant, da alle Ausputzartikel bei diesen praktischen Kostümen von vornherein ausgeschlossen sind. Ties gilt nun ganz besonders für Radfahr- und Dou- risten-Kostüme, die doch auch chic und elegant aussehen sollen, um Gegnern dieses Sports nicht gleich von vorn-, herein eine berechtigte Abneigung dagegen emzusloßen. Fürs Radfahren sind Röcke mit geteiltem Sattelstück besonders empfehlenswert, da sie vorzüglich fallen und den Sitz verhüllen, denn es gilt nicht für elegant, wenn man den Sattel sieht. Ein Radfahr-Rock muß des weiteren, vor allem die nötige Weite haben, auch vorn über denKnreen/ und gut gearbeitet und gebügelt sein, was aber durchaus! kein Kunststück ist, wenn man einen guten, tadellos fallenden Schnitt verwendet. Auch der einfachere Rock, bei dem etrte ähnliche Wirkung durch eine sehr tiefe Falte in der Hinteren Mitte erzielt wird, ist sehr empfehlenswert und leichter herzu stellen. Abbildung 1. Radfahrkostüm mit Bloufenjacke und einfachem Nadsahrrock, Abbildung 2. Touristenkleid mit Faltenbluse und rundem, kurzem Rock. Abbildung 3. Lawn-tmnis-Kostüm mit Sammetjäckchen und geschweiftem Rock. Anagramm. (Nachdruck verboten.) Im Garten steht's mit farbiger Pracht, Da hat es der Junge dem Alten gebracht. Der Jnnge, wer ist das? Wom Alten dort Das nmgestellte Rätselwort. (Anflösung in nächster Nummer.) Auflösung des Bilderrätsels in vor. Nr.r Lieb ohne Achtung ist nie dauernd. frischen Motrasenkleider in allen Farben gern getragen, besonders praktisch sind dunkelblaue mit rot oder weiß besetzt und grauleinene; ganz weise sind sehr smart und werden von jungen Mädchen viel und gern getragen. Für alle Sportkostüme sind dieses Jahr die verschreden- artiasten kurzen Jäckchen: Bolero, Spencer, Blousenjackchen u. s. tu. sehr beliebt und haben die Sackpaletots, wenigstens! bei der lieben Jugend, fast ganz verdrängt, da sie chrc aussehen und leichter auf Partien mitzunehmen sind. Wenn sich auch Sportkostüme weniger verändern, wie die anderen Kleider, so müssen doch auch sie sich nach der Mode richten. Selbst dem einfachsten Anzug sieht man leicht den ^ahr- gang an. Es ist wohl nicht erst nötig, zu erwähnen daß der tadellos sitzende Schuh für jedes elegante Sportkostum, des fußfreien Rockes wegen, Hauptbedingung ist, eben,» ein einfacher, mit dem Anzug harmonierender Hut. _—. Unsere Abbildung 1 zeigt diesen einfachen Rock tu Zusammenhang mit einer der dieses Jahr so modernen, und beliebten Blousenjacken, die junge Mädchen so hübsch kleiden. ■ Anstatt der kleinen Revers wählt man gern auch einen breiten Schulterkragen, der weniger herrenmäßig ausfleht, oder man trägt die noch immer beliebte Hemd- blouse aus leichtem Waschstoff oder Flanell, je nach der Jahreszeit. Auch diefe hat eine Wandlung burchgemacht und sieht mit den weiten, durch, weiche Stoffbündchen am Handgelenk geschlossenen Bloufenärmel, weniger männlich, aus wie bisher. c , Für ein Touristenkleid kann, derselbe Rock angewendet werden, nur etwas weniger weit, sehr chic und zweckentsprechend ist dazu die Faltenblouse unserer Abbildung 2 aus leichtem Flanell, die von einem dazu passenden Leder- gürtel gehalten wird. Mehr Variationen sind bei den übrigen Lawn-tennis- kleidern zu finden, sowohl in Bezug auf Material, wie auf Schnitt. Für schwere Stoffe ist hier der geschweifte Rock, Figur 3, sehr beliebt, für leichtere wähle man lieber keine glatte Form, sondern lasse den unteren Rand mit einem beliebigen breiteren oder mehreren schmäleren Volants endigen. Sehr chic und elegant, wenn auch nicht gerade besonders praktisch, ist das kurze Sammetjäckchen auf unserer Wbil- dung 3, das das helle Kostüm so reizvoll vervollständigt. Für den Ruder- und Segelsport werden die kleidsamen. Redaktion: Curt Plato. — Rotationsdruck und Verlag der Brübl'schen Universitäts-Buch- und Steindrnckcrei (Pietsch Erben) in Eicken.