1902. — Nr, 150. < XT (Nachdruck verboten.) Die Mper. Nach dem Französischen bearbeitet von H. Revel- (Fortsetzung.) Bertha überlegte einige Augenblicke, bau« fuhr sie fort: „Ja — alles, was Sie mir über diesen Menschen sagen: sein schlechter Nus, seine Aehnlichkert mit Herrn von Sempach — seine Geldforderunaen r-i — alles das erweckt Verdacht. — Wer um ihn zu suchen und zu finden. Müßte man wenigstens seinen Namen wissen. Kennen Sie Hn vielleicht?" „Er hat denselben Namen, wie die. gnädige Frau." >,Also von Sanden?" „Nein, das war nur der Theatername der gnädigen Frau. Ihr eigentlicher Name, ihr Familienname war Münser." „Münser in Straßburg", nahm Bertha von neNem auf. >,Ein Mann von mehr als Mittelgröße, nicht wahr?" „Ja, gnädige Frau." „War er blond oder brünett? Können Sie sich Noch besinnen?" „Blond. Ich erinnere mich ganz genau." „Steht er Halbweg ordentliche aus?" „Er war sehr anständig gekleidet." „Driickie er sich? gut aus?" „O, sehr gut. — Die gnädige FraN war aus gutem Hause." „Mit diesen Fingerzeigen gelingt mir's vielleicht, ihn zu entdecken. Ich will darüber nachdenken und werde sehen, was ich zu thun habe. Ich ersuche Sie nur um das eme, liebes Fräulein, darüber eine Zeit lang das Geheimnis zu bewahren. Wie Sie ja selbst sagen, werden Ihre Aussagen an Wert mehr gewinnen, wenn sie auf genauen Angaben fußen. Wenn ich solche erhalten kann und unser noch unbegründeter Verdacht ein ernsterer wird, so darf ich doch dann auf Sie rechnen, nicht wahr? .Sie werden nichts verschweigen von alledem, was Sie mir jetzt gesagt haben?" :: „O, gnädige Frau, ich habe keinen sehnlicheren Wunsch, als Ihnen zu helfen, die Wahrheit zu entdecken und die Unschuld des Herrn von Sempach zu beweisen. Jetzt aber bitte ich Sie um Vergebung. Die lange Unterredung hat mich: sehr angestrengt — ich fühle mich sehr schwach und —" »Ja, ja, wir wollen gehen. — Ich wünsche nur, daß Ihnen nichts abgeht, und will mich noch diesbezüglich mrt der Portiersfrau ins Einvernehmen setzen. Also auf Wiedersehen und baldige Besserung!" Minna versuchte, ihren Besuch bis an die Thür zu begleiten. Doch mitten auf dem Wege wankte sie und mußte e$. vntMageu. M Kaum aber war die Thur Puter feit* beiden Damen geschlossen, als ihr wie durch ein Wundes plötzlich alle Kräfte wiederkehrten. Begann durch daH Zimmer zu tänzeln und zu Hüpfen, und leise hörte man sie vor sich Hinlachenr .Meingefallen, meine Kleine!" i Um 6 Uhr kletterte die Portterssrau mit einem KörbK chen in der Hand nach dem Zimmer Minnas die Trepptz hinauf. „Heute bringe ich Ihnen ein wahres Festessen", 'S« gönn die alte Frau, „fette Suppe, Geflügel, Johannisbee» gelee und alten Bordeaux. Was sagen Sie nun?" „Ich sage, liebe Frau Peters, daß Sie von einer sind--" „Mir haben Sie nicht zu danken. Das bnNmt alles von den beiden Damen, den beiden vom Theater. Sehen Sie, die haben eben ihr Herz auf dem rechten Fleck" „Ja, sie sind sehr mildherzig. Aber ihr Besuch yiM sich nur etwas in die Länge gezogen, und ich fühle Mich matter als je." „Ma, versuchen Sie nur etwas zu essen; dann legen Sie sich gleich, wieder in die Klappe, schlafen recht fest unbi gesund, — und morgen sehen Sie dann aus wie der Liepgarten — so frisch" „Ach möchte ich's doch gantz gern", erwiderte Minnck lächelnd. „Warten Sie mal", sagte die Portiersfrau, ,-ob ich auch nichts in meinem Korb vergessen habe. — Nein, es ist schon alles hier auf dem Disch, hergerichtet. Fetzt will ich Sie aber allein lassen. Ms morgen in der Früh wird Sie! kein Mensch mehr stören. Guten Appetit auch, und schlafen Sie recht schön!" ; . Kaum war Minna allein, als sie einen verächtlichen Blick auf die ihr gebrachten Eßwaren warf und anstatt zu essen — anfing, sich mit ihrer Toilette zu beschäftigen.- Mit einem kupfernen Leuchter in der Hand, worin ein Stück Kerze brannte, trat sie vor einen kleinen, an der Wand hängenden Spiegel, besah sich darin eine Weile, drehte sich in ihrem warmblonden Haare kleine, zierliche Löckchen und kaute mit ihren weißen, spitzen Zähnen chre Lippen, damit sie voller würden und mehr Glanz bekämen. Dann warf sie das Foulardtuch, das sie immer um hatte, sobald fitz Besuch bekam, über den Kopf, hüllte sich rn einen großen Shawl, den ihr vermutlich die Sanden geschenkt hatte, löschte das Licht und öffnete die Thür zur Hälfte, Hall beruhigt durch das Dunkel und daN tiefe Schwelgen des Treppenhauses, versucht« sie, mit dem Auge daN Dunkel zu druchd ringen, und horchte einige Augenblick« mit zurückgehaltenem Atem. MN sie weder etwas sah noch hörte, schloß sie die Thüre zweimal ab, steckte den Thü« schlüssel in ihre Tasche und schlich dann Schritt für Schritt auf den Zehenspitzen katzenartig bis Wr Gestndestiege, di« auf die Treppe mündete. Auf dem Absätze deS fünften SkxkkS, tob nbch ehtti Wvüche MlSflawme brannte, hrwchde fle abermaW, bvg W über das Geländer, und rrstE fitz W pergewissevk 598 hatte, daß niemand die Treppe heraufkam, Und das TreMn- haus leer war, ging sie nach der Thür des Herrn Keßler, pochte dreimal, indem sie nach jedem Pochen einen gewissen, gleichen Zeitraum verstreichen ließ. Gedämpfte Schritte, jedenfalls durch Filzpantoffeln oder dichte Ueberschuhe erstickt, schlurften nach und nach näher. Man vernahm das Geräusch eines weggeschobenen Riegels, das Knirschen des Schlüssels und dann öffnete sich die Thür zur Hälfte. Sie stieß sie mit der Schulter auf, eilte in die Wohnung und rief dem entgegen, der ihr geöffnet hatte: „Fürchte man nichts, Schnuteken!" Dabei warf sie sich in seine Arme. ,>Ja, ja, ich bin es ja. Deine Seine Piper." Er gab ihr rasch einen Teil ihrer Küsse zurück, die sie jbm gegeben hatte, um daraus mit größter Sorgfalt die Thür zu verschließen. Dann kehrte er um und folgte Minna, die bereits das Vorzimmer verlassen und in einen Keinen, anständig möblierten Salon getreten war, der von einer Lampe erhellt und durch Fenstervorhänge ganz dicht verhängt war. Im Ofen brannte ein behagliches Feuer. Auf einem kleinen, runden Tisch war für zwei Personen gedeckt, und aus einem tragbaren Anrichtetisch standen eine Gänseleberpastete, kalte Rebhühner, russischer Salat, einige schöne Früchte, zwei Maschen Sekt und eine Karaffe mit Kognak. Diesmal warf Minna einen äußerst lüsternen Blick auf ti-Ce diese Eßwaren, roch an der Pastete und leckte sich Mit der Zunge die frischen Lippen. „Zu Tisch!" rief sie. „Ich sterbe noch vor Hunger!" Ohne viel Vorbereitung setzte sie sich mit ihrem Ge- uvssen, der wahrscheinlich gleichen Appetit hatte wie sie, WTIch. Sie hatte ein Rebhuhn ergriffen und zerschnitt es gerade. „'s gießt Neuigkeiten!" ; ' Mas denn?" I ; " f „Zwei Damen haben mich heute besucht Und wollten, Unter dem Worivand, mich zu unterstützen, mich aushvrchen." „And Du hast ihnen was vorgequasselt?" „gefte, um Vertrauen zu erwecken." „Wer waren die Weiber?" ' „Die Portiersfrau hält sie für Schauspielerinnen. IFawohl! So dumm! Die haben nie auch nur einen Fuß Vuf die Bretter gesetzt. Die eine muß ein junges ganz wohlerzogenes Ding seich sv etwas Künstlerin, aber nur Künstlerin fürs Haus, Die andere ist 'ne Nulpe; das war nur der Elephant.^ ' „Was wollten sie denn Von Dir?" „Mich von der Unschuld vom Sempach überzeugen und Wr überreden, zu seinen Gunsten zu sprechen.'" „Pschakreff, das ist wichtig! Es gießt doch, noch Freunde, die such rühren! Ich chatte doch gleich meine Bange davor!" ,/Ünd o b die sich rühren! Die Kleine ist von einer jEöergie, einem Feuer, die muß in ihn verschossen sein! g Aus Liebe —- — Na, ich kenne das !" „Man muß ihr also im Ernst mißtrauen?" „Und feste, sag' ich Dir! — Schenk mir ’n Sekt ein! Ich hab' einen wahnsinnigen Durst! Sie haben mich ja fo unmenschlich viel reden lassen, die zwei beiden." ,Mas hast Du gesagt?" „Alles, was sie gerade haben wollten. Sie rechnen jtoS bauen aber auch auf meine unbedingte Ergebenheit." „Dvbsche! — Aber wenn sie den Sempach für unschuldig Salten, dann suchen sie ohne Zweifel den Schuldigen." ,/©ie werden ihn jetzt suchen gehen." „Wo? MM welcher Seite? Haben sie denn einen Mngerzeig?" t , /Hetzt, durch mich." Sie zeigte mit dem Zeigefinger Uns ihre Brust und lachte schelmisch. „Aha! Du hast sie---" „Aus eine ganz falsche Fährte gebracht. — Jawohl, mein Engelchen — Donnerwetter! . Schenk doch ein! Ich Sefcmme immer mehr Durst!" Sie trank mit vollem Schluck, machte flch über die Gänseleberpastete her und fuhr weiter fort: „Mir ist plötz- 8ch die Idee gekommen, meiner einstigen Herrin und Ge- küeterin einen verkommenen Vetter anzuhängen, einen elenden Halunken, der schon einmal versucht hatte, ihr Geld fit erpressen. Ich sagte, daß er dem Sempach etwas ähnlich ist, Münser heißt und in Straßburg wohnt, und ich will Betten, daß die Kleine sofort ihn aufsuchen geht. Mchrend sie dort versucht, sich dNrch alle Münsers aus dem Elsaß durchzufragen, geht hier die Untersuchung ohne Zwischen- fall zu Ende." „Famos ausgedacht, meine kleine Viper! Prosit! Dein Wohl!" „Prosit! Deins, mein Dicker!" Nachdem sie sich gegenseitig zugetrunken hatten, aßen sie eine Zeit lang stillschweigend in sich hinein mit all der Sinnlichkeit jener Menschen, die es verstehen, ihr Fleischs zu mästen. Dann sagte Minna, zu ihrem Spießgesellen gewendet: „Und Du, was hast denn Du heute gemacht?" ,Hch war wieder in Moabit. Ich hatte schon wieder eine neue Vorladung erhalten." „Der Kerl, der Richter, wird' doch nie damit aufhören. Was hat er denn schon wieder gewollt?" „Mich um genaue Auskünfte beftagen." „Ueßer wen?" „Ueßer meine hohe, werte Persönlichkeit." „Und Du hast sie ihm natürlich gegeßen?" „Natürlich. Ich sagte ihm mit allem Respekt: „Hochwohllöblicher Herr Richter, die Stunde ßat geschlagen, da Sie über mich Aufklärung haben sollen. Sie glauben- daß ich beinahe 50 .bin, daß meine Haare und Bart schon anfangen grau zu werden, daß meine Gestalt durch chronisches Rheuma gekrümmt ist Md mich meinen Fuß nach-- schleifen läßt, daß mich meine schwachen Augen zwingen, blaue Brillen zu tragen. Kolossaler Irrtum, mein gutester Herr Richter! Ich bin noch nicht 35 Jahre alt, meine Perrücke birgt unter sich, Haare von tiefstem Schwarz, und die Geschmeidigkeit meines Körpers ist noch ganz vortrefflich Unter meinen Brillen funkeln noch große, sammetne Augen, die schon manche Weiber verrückt gemacht haben. Anstatt, wie Euer Liebden glauben, Keßler zu heißen, heiße ich Paul Querzewski. Soziale Stellung: einstiger Graveur in Stahlplatten, verurteilt zu Zuchthaus von zehn Jahren wegen Herstellung und Verbreitung von falschem Papiergeld. Sollte es Ihnen gefällig sein, einen kurzen Ueßer» blick über mein Leben seit dieser Verurteilung zu haben? Bitte, ganz zu Ihren Diensten. Kaum in Eydtnchnen an» gekommen, entwischte ich kurz daraus über die Grenze, Ich komme Nach' Deutschland zurück, wo mich Prinz Tschi- gorin zu seinem Sekretär — die Prinzessin zu ihrem Geliebten gemacht hat. Man verhaftet mich in ihrem Palais, und ich werde nochmals ins Zuchthaus geschafft. Ich verlebe dort — v ! — drei sehr, sehr schlechte Jahre und brenne von neuem durch. — Jetzt habe ich mich in Berlin nieder» een, wohne in der Augsburger Straße, gelte als acht-, Privatier, habe meine eigenen Möbel, zahle meine Steuern und spiele Zeuge vor Gericht, sobald Sie, mein bester Herr Rwhter, mir die Ehre geben, mich, holen zu lassen." Siehst Du, meine kleine, süße Viper", lachte er, „im Geiste das Gesicht des Untersuchungsrichters, wenn ich ihm dies alles gesagt hätte?" „Der ist im stände und glaubt Dir keine Silbe von der ganzen Geschichte", sagte sie und nahm den russischen Salat in Angriff. 32. Kapitel. Keßler, oder vielmehr Paul Lluerzewski — der eßen in dieser scherzhaften Form eines Bekenntnisses fein Leben treu entrollt und beschrieben hatte — schenkte sich nach beendeter Mahlzeit noch ein Mas Kognak ein, steckte sich eine Cigarre an und warfsich in ein Fauteuil. Minna, ihm gegenüber, die Ellbogen aus den Tisch gestemmt, ihren Teint durch das gute Essen und infolge des Sektes belebt/ sagte ihm nach einem Augenblick: „Scherz beiseite! Was hast Du denn dem Richter über Dein früheres Leben gesagt?" „Das denkbar Beste, liebes Mnd, das Einzige, was Herr Keßler, den ich doch vorstelle, geben könnte — jener Keßler, in dessen Haut ich mich nun völlig hineingelebt habe. Du vergißt immer, Kindchen, daß der Name thatsäch- lich existiert hat. Er ist im letzten Jahre in Riga in ein ent Hotel, tu dem ich mich, auf meiner zweiten Flucht befand', am Typhus gestorben. Ich machte mir die durch die Epi» demie entstandene allgemeine Verwirrung und den Schrecken der Hotelbediensteten zu nutze, mich, in dessen Zimmer zu schleichen und mir fein Geld und seine Papiere anzueignen. Und indes man ihn wie einen Verpesteten, tote einen Hund, ohne seinen Namen zu wissen, beerdigt hatte, machte ich mir nach ihm eine Maske und sandelte unter dem herrenlos 599 geworrenen Namen "Segler quietschvergnügt nach Berlin. Der Name paßte mir wie ein Handschuh, und ich habe ihn einfach behalten." „Wer hat man denn nicht seit Beginn derUntersuchung", warf Minna ein, „in Frankfurt, wo jener Keßler gebürtig war, wie Du sagtest, Erkundigungen eingezogen^ „Na, und wenn auch die Polizei welche eingezogen hatte, so muffte sie erfahren, daß er in seiner Vaterstadt ein vor- treffliches Andenken hinterlassen hat — daß er vor einigen Jahren dieselbe verlassen hatte, um irgendwo in Rußland sein Glück zu versuchten." „Und man bekümmert sich weiter nicht darum, was er seit der Zeit "unternommen hat, was aus ihm geworden ist?" „Sollte nian sich darum bekümmern, dann beweisen seine Briefe, Certifikate und Papiere, daß er, nachdem er dort genügend gute iitnb anständige Geschäfte gemacht hatte, sich entschlossen hatte, wieder nach Deutschland zurückzu- kehren. Genügt das nicht? Na, dann bin ich denn eben an seiner Stelle, in seiner Person zurückgekehrt. Ist das nicht genau dasselbe? llebrigens, mein Schwatz, machst Du Dir geivaltige Illusionen über die Justiz hier, wenn Du Dir einbildest, daß man die Vergangenheit derer, die berufen sind, als Zeugen zu fungieren, so genau studiert und durchstöbert! Ja, das Gericht dringt tief in das Leben des Angeklagten — das stimmt; aber um die Zeugen, die oft durch ein Wort, einen Ausspruch, oft mit Hilfe der kleinsten Lüge den Angeklagten verurteilen lassen, ihn ins Zuchthaus oder sonst wohin oder gar aufs Schaffott bringen können — um die kümmert man sich nicht so eingehend wie Du glaubst. Noch weniger kümmert man sich um den Zeugen, wenn seine Aussagen, zufällig mit den Ansichten des Untersuchungsrichters übereinstimmend, die ihm selbst und auch später der öffentlichen Verhandlung nützen. Er wird vorgeladen, er sagt aus, oft lügt er. Und aus welche Weise wird er vorgeladen? Wenn Du wüßtest, wie das oft geschieht! Der Gerichts^ diener begnügt sich nicht, die Vorladung beim Portier die längste Zeit ganz offen liegen zu lassen. Irgend ein geschickter Kerl kann sich leicht dieses Stückes Papier bemächtigen und den wahren Zeugen ersetzen. Der Beweis der Bgen ist ost so unglaubwürdig, so gefährlich, daß man beim Civrlverfahren einfach zurückweist. Hat man eine uldforderung von mehr als .50 Mk., und wissen selbst 20 Zeugen davon, dann wird kein einziger vernommen. Handelt es sich hingegen um einen Kbps kürzer zu machen, dann genügt oft ein Zeuge.Und was für ein Zeuge oft!" „Tu denkst wohl dabei an Dich, nichts' „Ja, wenn Du willst. Paß auf, ob irgend ein Mensch än meinem Worte zweifelt, wenn ich mit UeberzeuMng, die Hand aufs Herz, bekräftige, daß ich in Sempach den erkenne, der am Mordabend, um 10 Uhr, eben als ich hinausging, in das Haus hineinschlüpfte." „Und Du bist immer noch entschlossen, diese Erklärung ab'zugeben?" „Pschakrefs! Wenn ich jetzt widerrufen und so das Verfahren einstellen lassen sollte, so käme ich doch sofort in Verdacht. Und da gewöhnlich ein Verdacht einen zweiten gleich in der Gesellschaft hat, so könnte man schließlich doch noch den wahren Schuldigen herausfinden und mit ihm seine Mitschuldige, meine kleine Viper!" „Sprich doch keine Dummheiten, ja! Ich bitte Dich!" sagte Minna, die ein leichter Schauer überkam. „Ich spreche absolut keine Dummheiten", sagte Quer- zewski sehr ernst. „Wenn man mich, verhaftet, dann bekommt man sofort meinen wahren Namen, meine Titel und Eigenschaften heraus und mit ihnen auch meine Lebensgefährtin, die mir außer im Zuchthaus, in das man sie — leider — nicht htnemgelassen hätte, überall hin gefolgt war, die nie aufgehört hatte, für mich die vollendetste Hingabe an den Dag zu legen, mit einem Wort: Julie Farkas, die sich jetzt hinter dem Namen Minna verbirgt. Die müßte dann mit mir tanzen." Jetzt mit einem Male sprang er auf, lies im Zimmer auf und nieder und fuhr mit erregter Stimme und lebhaften Bewegungen fort: „Und ich will es nicht. Du hast schon einmal um meinetwillen drei Jahre Kerker gehabt, als ich toegen Fälschung verurteilt worden war. — Damit ist's genug. Wenn ich wieder einmal verhaftet werden sollte, dann will ich es in der Eigenschaft als Sträfling sein, der seine Haft gebrochen hat. — Ich will nicht, daß dieses Verbrechen mit im Spiel sein soll. Ich ergreife jedes mögliche Mittel, um nur zu verhindern, daß jemand darauf verfällt, mich anzuklagen. Um so schlimmer für Sempach, Ich schaue lieber auf unsere Häut als cutt die seinige. Wird er verurteilt, so kommt er mit ein paar Jahren Kerker davon; denn der überlegte Mord "und der Raub — an den toerben sie ja doch nicht endgiltig glauben. Bei Uns ist es bestimmter, was wir bekommen werden: ich das Schaffott, und Du Strafhaus bis ans Ende Deiner Tage." (Fortsetzung folgt.) Vermischtes. Etwas anderes. „Komm her, Hänschen, du mußt di« Buchstaben kennen lernen. Siehst du den runden Buchstabe« hier? Das ist ein „o", und der da mit dem Punkt darüber ist ein „i". Hänschen gähnte und sah nach der entgegengesetzten Richtung. Dann sagte er: „Ach, wir wollen lieber waff anderes spielen." (Tit-Bits.) Zahlenrätsel. (Nachdruck verboten.) 12345878498 Land in Amerika 2 7 4 6 8 Griechischer Sänger 3 4 2 8 9 Schlingpflanze 4 7 9 8 9 weiblicher Vorname 5 9 4 3 9 Werkzeug 6 7 1 2 8 Lufterregung 7 2 8 1 9 Pflanzenteil 8 9 3 1 9 Blume 4 3 12 weiblicher Vorname 9 3 5 9 8 Märchenwesen 8 6 8 8 9 Gottgeweihte. (Auflösung in nächster Nummer.) Auflösung des Worträtsels in Nr. 148: Totengräber. Aerichl üöer winterlichs AeZerNeider. Bearbeitet und mit Abbildungen versehen von der Internationalen Schnittmanufaktur Dresden-N. Reichhaltiges Modenalbum und Schnittmusterbuch zu 50 Pfg. daselbst erhältlich. Wer die jetzige Mode launisch schelten will, der thut ihp bitter Unrecht, das beweisen die diesjährigen Winter- überkleider deutliche denn trotz aller Vielseitigkeit der Form, trotz der Mannigfaltigkeit der Garnierung btingt sie mit seltener Ausdauer immer wieder „Sackpaletots", wenn auch, in veränderter und verbesserter Auflage. Oder sollte es vielleicht das Publikum selbst sein, welchem die Ausdauer zuzuschreiben ist, indem es immer tvieder „Sack- Paletots verlangt, weil es an ihnen Geaflleir fand? Sei dem, wie ihm wolle; Thatsache ist jedenfalls, daß die Sack- Paletots auf der ganzen Linie toieber gesiegt haben; denn neben ihnen spielen die anliegenden und Blusenjackets Und die noch kürzeren Bolerojäckchen nur eine bescheidene Rolle; sie sind gewissermaßen nur Nebenerscheinungen. Eie aber als' unmodern zu bezeichnen, wäre wiederum Unrecht, denn dazu Hat sich die Mode zu viel Mi Men beschäftigt, indem sie ihnen die breiten über die Schultern fallenden Kragen, die nach unten weitert Aermel und die Bündchenärmel, fotoie die hochmodernen Applikationsstickereien von Tafftseide zudiktierte. Auch der allgemein beliebte Pelzbesatz wird viel dazu beitragen, ihnen ein mode- gerechtes Aussehen zu geben. Am beliebtesten sind alle diese Formen jedoch immer noch als Kostümjacken; denn in dieser Zusammenstellung hört die Macht der Sackformen arrs, da sie für ein fesches, jugendliches Jackenkostüm wenig geeignet erscheinen. Sehr viel werden zu Jackenkostüme!: auch die modernen Blusenjackets verarbeitet, welche besonders die Jugend vorteilhaft kleiden. Ein- und zweireihig, mit und ohne Schößchen pnd dazu meist mit den breiten Schulterkragen, welche in diesem Winter fast jedes Ueberkleid schmücken. Auch an den modernen Sackpaletots sind sie die weit* 600 aus vorwiegende Garniturform des Halsausschnittes. In Shawl-, Revers- oder auch eckiger Matrosenkragenform sind sie die Träger der mannigfachsten Ausstattungsarten. Applikationen von Tafftseide oder Tuch, moderne Stickereien, Steppverzierungen, Bortenbesätze, hauptsächlich aber Pelzbesätze sieht man hierfür in bunter Abwechselung. Wo keine breiten Shawlkragen sind, da schließt der Mantel meist bis hoch an den Hals und weist dann einen eigenartigen Umlegekragen auf. Derselbe legt sich vorn tief um und hat nur hinten einen hochsteigenden Stehkragen, während er im übrigen ziemlich breit auf der Achsel liegt. Tie Form der Sackpaletots selbst ist ziemlich verschieden. Am charakteristischsten ist ihre Länge, welche zwischen 90 und 120 Zentimeter beträgt, also so, daß der Mantel die übliche Dreiviertellange meist noch überschreitet. Dazu sind die Mäntel für gewöhnlich ziemlich weit geschnitten, oft sogar so weit, daß sie in der Hinteren Mitte wie bei einem Cape eine tiefe Falte nach innen bilden. Extravagantere Formen zeigen die Falte sogar als Quetschfalte nach außen gelegt, nach Art einer Watteaufalte. Ganz weite serpentineförmig gearbeitete Paletots werden mit Passe gearbeitet, welche mit Steppereien verziert wird. Sehr beliebt sind aber auch diejenigen Schnittformen, welche die Hintere Rückmmitte aus dem Ganzen, alfv ohne Naht haben. Derartige Paletots werden in allen Längen und Arten angefertigt, wie z. B. ganz lang, so daß das Kleid nur 20 bis 25 Zentimeter breit zu sehen ist oder auch dreiviertellang, dann ist er meist sehr weit ohne jede Schweifung im Taillenschluß, oder schließlich auch ganz kurz^ dann ist er wieder sehr weit und wird mehr zn Sport-, zwecken verwendet. Bei diesen hinten im Bruch gearbeiteten Paletots fällt besonders eine eigenartige Schnittform der Aermel als neu auf, indem hier der Oberärmel längs auf der Mitte eine Naht zeigt, welche über die Achsel bis in das Halsloch reicht. Auch der Oberärmel selbst ist so geschnitten, daß er zugleich das Achselstück bildet, wodurch noch zwei Nähte über der Achsel entstehen. Es ist dies eine Variation des für Herren so außerordentlich beliebten Raglanschnittes/, welcher aber für Damen seiner schwierigen Bearbeitung und wenig kleidsamen Schulterform halber, nicht allgemeine Verbreitung finden konnte. Mehr Glück haben die aus der Herrenmode mit übernommenen Stoffe, denn das schwarz-graue (marengo) grob- fadige Gewebe ist mit einer überraschenden Uebereinstim- mung allgemein zu sehen. Kurze, lange, weite und enge Paletots, Jackenkostüme, ja sogar Dammkleiüer, alles Modell 826. Modell 822. Modell 820. • fi I Ti besteht aus den charakteristischen, schwarz-grauen Stoffen, unter denen es eine ganz ausnahmsweise große Variation giebt. Dazu sind die Paletots oft noch mit einer buntgestreiften Seide abgefüttert, so daß die Imitation der Herrenpaletots oft ganz täuschend ähnlich ist. Sehr beliebt find in diesem Winter auch die sogenannten Goldstoffe, welche zu einfarbiger dunkler Oberseite eine karrierte Rückseite in lebhaften Farben haben. Diese ziemlich dicken Stoffe sind insofern sehr praktisch, als die äußerlst dekorativ wirkende Futterseite eine sehr wirkungsvolle Verwendung für Kragen, Aermelaufschtäge und andere Garniturteile findet, wie an unserer Abbildung Modell 826 zu ersehen ist. Neben diesen Modespezialitäten werden natürlich die klassischen Stoffe, wie Foule, Tuch usw. immer noch viel verarbeitet und findet besonders letzteres zu den eleganteren Sachen starke Verwendung. Man wählt dazu auch vorzugsweise die halbanliegende Sackpaletotform, welche auch für stärkere Damen entschieden die kleidsamste ist und hält sie ganz im tailor-made- Genre, also ohne fremde Garnituren nur mit Stepplinien verziert, wie es Modell Nr. 820 veranschaulicht. Auch die modernen Wendmäntel find größtenteils aus Tuch und zwar in hellen, zarten Farben gearbeitet urtd gieot man ihnen neuerdings weniger die bekannte Rad form, als vielmehr eine Art Empireform mit Koller und weiten Aermeln. Dazu dient als Ausstattung reicher Pelzbesatz und helles farbiges Sechenfutter." Jn Ccches sieht man wenig Neues; denn auch sie werden gern durch die weiten Sackpaletots ersetzt. Ganz werden Iie jedoch auch jetzt noch nicht von der Biwfläche vev- chwinden; denn dazu sind sie doch Au praktisch, be- onders wenn sie aus den drcken Golfstoffm gearbeitet ind. Man hat neue Variationen darin, indem man sie mit allen Wien von Umlegekragen besetzt und sie öfters auch mit kleinen Schulterkragen ausstattet, welche übrigens auch für Sackpaletots gern Verwendung finden. Man sieht also, der Variationen und Formen in Ueber- kleidern smd übergenug, so daß es schwerlich jemanden geben dürfte, der nichts Passendes, trotz der ausdauernden Vorliebe für Sackformen, fände. Wie soll ich mich kleiden? Diese Frag? veschäh tigt beim Saisonwechsel wohl alle Frauen, von der eleganten Modedame, welche sich um die apartesten Mvdenewi heiten bemüht, bis zur einfachen Hausfrau, deren Interesse aus dm Erhalt einer preiswertm, zweckmäßigen und doch gefälligen Kleidung für sich Und die Jhrigm gerichtet tsh< Allen giebt das neu erschimme ModenalbUm unb Schnittmusterbuch der Internationalen Schnittmanufccktur in DreS- dm (Preis nur 50 Pf.) dm bestm Rat, der auch insofern einen wirklich praktischen Wert hat, als von allen vov- geschlagenen Kostümen die vorzüchichen zur HaMchneiderB leicht verwendbaren Schnitte erhältlich sind, l. I Redakttm: Curt Plat^^RotaÜoMmck M Brrlog der Brühl'scheu üniverWtKBiich» StMtryckerck (PWch