Rr. 37. 1902. 0j SäÄ M ÄSi dGH EWWM MWWMW NMF^W <'!"n£U'lwaiB FiTSlZl WWWft MWMW fä gibt Menschen, die auf die Mängel ihrer Feinde sinnen; dabei kommt nichts heraus. Ich habe immer auf die Verdienste meiner Widersacher acht gehabt und davon Vorteil gezogen. Goethe. (Nachdruck verboten.) Ein verhängnisvoller Ning. Novelle von E. Hainberg. (Fortsetzung.) Holthaus machte eine Pause und atmete schwer. Dann aber, nachdem er sich innerlich einen Ruck gegeben, sprach er rasch weiter: „Der Ring, der er vermißte und suchte, lag auf dem Tisch des Pfandleihers." „Und Sie, Sie glaubten!" fuhr Loßberg auf. „Konnte ich ahnen, welch ein sonderbarer Zufall hier sein verhängnisvolles Spiel trieb?" verteidigte sich Holthaus. „Aber warum forschten Sie nicht weiter, warum stellten Sie mich nicht zur Rede?" „Ich wollte, wie ich schon bemerkte, kein Aufheben von der häßlichen Geschichte machen." „Wahrlich, sehr edelmütig gegen den — Dieb! Wer für mich, — eine, eine--. Nun, ich will das Wort weiter nicht aussprechen. Doch gegen Ihre Fräulein Tochter unterließen Sie wohl nicht, mich als den Dieb hinzustellen?" „Das war nach meinem damaligen Dafürhalten meine Pflicht." „So, also Ihre Pflicht! Ohne nähere Untersuchung, ohne den Beschuldigten selbst gehört zu haben! Ich bin Ihnen wirklich sehr verbunden, Herr Holthaus, für den guten Glauben, den Sie in meine — Redlichkeit setzten." „Nicht diesen Hohn, Herr von Loßberg! Sie ahnen nicht, wie schwer, wie bitter schwer auch mir das alles geworden ist." „Wie wäre das möglich", erwiderte Loßberg, „nachdem Sie so rasch mit Ihrem Verdammungsurteil fertig wurden. — Wer Ihr «Fräulein Tochter, teilte sie Jhen Glauben?" o, „»Nein. Aber sie mußte sich den Konsequenzen dieser Auffassung fügen." „Das könnte,, für die erste Zeit Geltung haben — aber Dann — als ich einige Wochen später Ihr Fräulein Tochter um Aufklärung bat und sie mir bereits mit der Bitte um Verleihung die Hand entgegenstreckte, dann aber plötzlich, fchembar ohne jede Veranlassung, mich mit einer Verachtung behandelte, die ich nur einer Dame ungestraft Hinsehen lassen konnte, und die mir völlig unbegreiflich, war ~ was lag dem zu Grunde?" „Eben wieder jener unglückselige Ring, den meine Tochf- ter an Ihrer Hand erblickte." Loßberg schlug sich vor den Kopf. „Ah, der Ring, wieder der Ring! Nun natürlich war ich auch in den Augen des gnädigen Fräuleins ein Dieb!" „Herr von Loßberg, möchten Sie die Umstände nicht verkennen, die gar zu sehr gegen Sie sprachen." „Nun ja, cs war ja wohl leichter, einen ehrlichen Menschen zum Dieb zu stempeln, als sich der Mühe zu unterziehen, der auffallenden Thatsache nachzuforschen, daß ein vermeintlicher Dieb in dem Augenblick den gestohlenen Ring am Finger trägt, wo er hofft, mit dem Bestohlenen zusammenzutreffen!" „Ich habe meiner Tochter ähnliches gesagt, als sie mir vor wenigen Wochen davon Mitteilung machte." „Und jetzt? Haben Sie etwa abermals einen Beweis gegen mich aufgefunden, der ebenwohl für meine Thäter- schaft spricht?" „Ich verstehe die Bitterkeit, die Sie aufs neue erfaßt, Herr von Loßberg; ich hätte so gern geschwiegen, doch Hella wollte es nicht anders." „Noch eine Frage, Herr Holthaus. Auf welche Weise sind Sie nun plötzlich zu der Ucberzeugung gelangt, daß ich nicht der Dieb bin, für den Sie mich gehalten?" „Meine Tochter entdeckte abermals den verhängnisvollen Ring und zwar diesmal an der Hand ihrer Freundin Käthe Horst, die ihn als Geschenk von ihrem Verlobten erhalten hatte. Dieser hatte ihn in Berlin in einem bekannten Juweliergeschäft gekauft. Von dem Inhaber des Geschäfts, dein ich die bestimmte Mitteilung machte, daß jener Ring mir vor beinahe Jahresfrist in meinem Haus, gelegentlich, einer größeren Gesellschaft, abhanden gekommen sei, erfuhr ich denn auch den Verkäufer. Und dieser war — ein Kamerad von Ihnen, Herr von Loßberg. Nun kannten ivir den Dieb, und damit unsere große Gedankenschuld gegen Sie. Wie Sie nun selbst, wahrscheinlich nur für kurze Zeit, in den Besitz des unheilvollen Ringes ge-i kommen sind, das kommt nun völlig außer Betracht." „Ich habe jenen Ring nie besessen." „Nie, Herr von Loßberg? So hätte meine Tochter sich geirrt, als sie den ihr wohlbekannten Ring an Ihrer Hand zu erblicket! glaubte?" „Jedenfalls war es nicht der Ring, welchen Sie vermißten, Herr Holthaus." „Es existierte also wirklich ein Doppelgänger?" „Ich glaube, das annehmen zu müssen. Der Ring, den ich trug, und der sich noch; jetzt in meinem. Besitz befindet^ ist ein altes Erbstück meiner Familie, von dem die Sage, geht, daß er ursprünglich einen Bruder hatte, der ihm voll« ständig glich. Nur die Initialen in Leiden waren verschieden' lind zeigten die Anfangsbuchstaben der Namen eines Brautpaares." Holthaus schlug sich vor die Stirn, „Also das wäre 146 die Auflösung all der Rätsel, die uns das verschiedene Auf- i 1 tauchen des Ringes gegeben hat!" ' Auch über meinen Besuch Beim Pfandlecher drangt | 1 es mich nun ebenfalls, Auskunft zu gebeu, damit Sie sehen, wie grundlos in allen Stücken Ihr unwürdiger Verdacht ■ gegen mich war. — Meinen Ring habe ich allerdings für I kurze Zeit zum Pfandleiher gebracht. Es handelte sich I darum, die Wechfelschuld eines Freundes zu decken, bls dieser im stände sein würde, zu zahlen." _ I „Sie sehen mich beschämt, tief beschämt, Herr von Log- berg. Tiefer hätten Sie mich nicht Niederdrücken können, als durch diese letzte Erklärung. Während Sie eine Thai uneigennützigen Edelmuts ausübten, zieh ich Sie eines un- I würdigen Verbrechens. Ich weih nicht, ob Sie mrr den I Irrtum verzeihen können, doch vielleicht gelingt merner Tochter besser, was Sie mir leicht versagen könnten. Darf I ich deshalb meine Tochter rufen, Herr von Loßberg?" „So tief möchte ich das gnädige Fräulein mcht de- I wütigen, Herr Holthaus. Sie haben mir keinen Timst mit dieser Erklärung geleistet. Ich war wohl auf ein tief- I liegendes Mißverständnis gefaßt, doch daß es dieser Art war — darauf nicht. Als ein Dieb, ein gemeiner Dieb, von Ihnen und Ihrem Fräulein Tochter angesehen zu fern — I das ist wirklich mehr, als ein ehrliebender Alaun, em I Offizier in des Königs Dienst, ertragen kann. Leben Sie I deshalb wohl, Herr Holthaus, und empfehlen Sie Mich dem Fräulein Tochter — und wenn wir uns je im Leben I begegnen sollten, so kann es nur in der Form kalter Höf- | lichkeit geschehen. Wir haben uns nichts mehr zu sagen." I „Auch dann nicht, Herr von Loßberg, wenn ich Sie daran erinnere, daß die beiden Ringe jedenfalls einer Fa- I mitte entstammen, und Ihre Familie und die meiner ver- I storbenen Gattin ehemals einander verbundeu waren." „Auch dann nicht, Herr Holthaus. Sie haben mich mit Ihrem Verdacht zu tief gekränkt, als daß ich das je wteder vergessen könnte." Noch eine gegenseitige stumme Verbeugung, und der junge Offizier hatte das Zimmer verlassen. — — Die Thür zum Nebenzimmer öffnete sich. Auf der Schwelle stand Hella. Ihr Gesicht war totenblaß und ihre Augen standen voll Thränen. „Mein Kind, meine arme Hella!" Holthaus breitete die Arme aus, und Hella legte leise schluchzend ihr Haupt an seine Schulter. - Stella, kannst Du begreifen, was ich empfmde? Dag ich es sein mußte, der Dein Glück zerstörte. Aber die Umstände „Ich weiß, lieber Vater." Hella rtchtete sich empor. „Laß es unS als ein Unglück hümehmen, das über uns verhängt ist. Auch ich zweifelte ja an ihm, verlor das Vertrauen, das doch nie hätte wankend werden dürfen." ! „Klage- Dich nicht an, mein Kind, der Augenschein —" „Suche ntich nicht ztt entschuldigen, ich fühle mein Unrecht, ich durfte trotz allem nicht wankend werden. Loßberg hatte uns nie Ursache gegeben, an seiner Ehrenhaftigkeit zu zweifeln, und ich, die ich ihn zu lieben wähnte und mich von ihm geliebt glaubte, durfte in meinem Vertrauen zu ihm nicht wankend werden." „Arme Hella, unglückliches Kind", sagte Holthaus noch einmal. Zwölf Jahre sind vergangen, eine Zeit, in welcher die Jugend emporwächst und das Alter sich dem Endziel alles Irdischen zuueigt. , , Auf dem Verdeck des Weserdampfers „Bismarck" sttzt eine Dame etwas abgesondert von den übrigen Passagieren. Ihre Hände ruhen leicht verschlungen in ihrem Schoß, während ihre Augen träumerisch die langsam vorübergleitenden Ufergelände betrachten, die in ihrer sanften, lieblichen Schönheit jeden für Naturschönheit empfänglichen Menschen entzücken. Nicht in großen, erhabenen Zügen, nut himmelhoch strebenden Bergeshöhen, tritt hier die Natur hervor, aber in ihrer Lieblichkeit und zu andachtsvoller Stimmung erhebenden Schönheit fast unübertroffen. Der Dame tiefe Trauerkleidung verrät, daß sie jüngst einen schweren Verlust gehabt. Deshalb auch wohl sind ihre Züge so ernst, so von stillem, ergebungsvollem Weh durchdrungen, nur selten von einem matten Lächeln belebt. Dennoch, und obgleich die Dame die erste Jugend längst hinter sich hat, sind ihre Züge anziehend und edel, und aus ihrem Antlitz leuchtet der Adel eines nicht gewöhnlichen Geistes. Soeben sind dem Dampfer an der Landnngs- stätte, in der Nähe von Schloß Corvey, neue Passagiere zugeführt. Die Dame in Trauer hat kaum darauf geachtet, ihr Blick kann sich von dem herrlichen Panorama, das im fortlaufenden Wechsel vorübergleitet, nicht trennen. Der! Dampfer ist wieder in Bewegung, die Räder schaufeln, in stolzer Ruhe und Sicherheit fährt er auf dem breiter werden-, den Strome dahin. Unter den neuen Ankömmlingen befindet sich ein Herr, dessen strammer Haltung man sogleich den Offizier in Civil anmerkt. Er geht eine Zeitlang auf den: Verdeck hin und her. Bei einem dieser Gänge fällt sein Blick auf die Dame in Trauer, die in stiller Versunkenheit noch immer in die Gegend auslugt. Er stutzt, sieht noch einmal nach, ihr hin und geht vorüber. Abermals wendet sich sein Fuß, er geht den Weg wieder zurück, an der Dame vorüber. Sein Blick Bringt forschend in ihre Züge. Einen Augenblick ist er im Begriff, auf Sie zuzuschreiten, ein kleines Zögern — und er setzt seinen Weg abermals fort. Jetzt im Rücken der Dame bleibt er abermals stehen, ein Schatten fliegt über sein Gesicht, er schüttelt tote ab- i wehrend, vielleicht gegen sich ihm ausdrängende, unliebsame Gedanken den Kopf und schreitet kurz entschlossen aus die Dame zu. „Gnädigste gestatten, mich als alten Bekannten vorzustellen?" „ , Die Dame fährt aus ihrer Versunketiheit empor und starrt den Fremden wie eine Geistererscheinung an. Ern leichtes Beben geht durch ihren Körper, dann tritt em zäher Farbenwechsel ein, ihr blasses Gesicht überzieht flammende Röte, um alsbald wieder der vorigen Blässe zu weichen. „Herr von Loßberg!" entfährt es ihren Lippen, und es klingt wie tiefes Erschrecken. r ., „Zu dienen, Gnädigste. Also haben die Jahre mich doch nicht so verändert, daß alte Freunde mich! nicht wieder I zu erkennen vermöchten." Cie schüttelt den Kopf. „Das wäre zwischen uns wohl kaum möglich. Dazu war unser letztes Auseinandergehen w w —" Sie sucht nach einem passenden Wort und findet es nicht in dieser Plötzlichkeit des Ungeahnten. „Wollen wir die Vergangenheit nicht ruhen lassen. Gnädigste, und uns der Gegenwart freuen, die uns so unerwartet nach langen Jahren wieder zusammenfuhr-t? „Nach zwölf Jahren", sagt sie mit schwerer Betonung. „Ja, zwölf Jahre. Eine lange Zeit, in welcher der einzelne wohl viel erlebt und viel — überwinden lernt. Eine Pause trat ein, die endlich Loßberg mit der Frage I unterbricht: „Wie Ihre Trauerkleidung verrät, haben Sie kürzlich einen Verlust gehabt. Darf ich fragen, wen Sie Betrauern?" . . ~ , „Ich Betraure meinen Vater, den einzigen Freund, der mich noch an die Welt fettete", gießt Hella Holthaus zur I Antwort. , , . o, ,r.« Er steht und starrt sie an, gebannt tn ihren Anblick, gedankenversunken, verloren in tiefes Sinnen. „Gnädigste stehen allein?" fragte er dann. Sie nickt schweigend. Ein seltsamer Schauer geht durch sie hin. So vollständig also ist sie aus seinem Leden entschwunden, daß er das nicht einmal weiß, nichts davon, | daß sie nie einem andern Manne ihre Hand gereicht, daß | sie einsam geBIieBen ist. I Doch, wie kann sie das eigentlich anders erwarten, geht es ihr doch mit ihm kaum anders, nur einmal ist ine Nachricht zu ihr geflogen, daß er verheiratet sei. „Verzeihung, gnädiges Fräulein", sagt er jetzt, er scheint ihren Gedankengang erraten zu haben, „die weite Entfernung, das gänzliche Losgerifsensein von den alten Kreisen und nicht zuletzt, — der Wille, an nichts von dem, was nut der Vergangenheit in Verbindung stand, erinnert zn ■ tnPThptt I „Und heute haben Sie selbst diesen Bann durchbrochen, : I Herr von Loßberg." 1 I (Fortsetzung folgt.) 147 Die Küche im März. (Nachdruck verboten.) Ter Marz ist der Auferstehungsmonat der Natur. Turch Wald und Flur zieht ein Hauch von neuem Wachsen rrnd Werden. Hervorbrechende Blätter und Milten melden uns des Frühjahrs Wiederkehr. Von den Frühlingsblüten sind Schneeglöckchen schon lange auf unseren Märkten erschienen, und an sonnigen Plätzen und Abhängen sprossen Frühlingstriebe aller Art. Tie silberglänzenden Palmen unserer Weiden sind schon voll entwickelt, und beginnen die goldgelben Staubfäden zu zeigen, und so werden wohl diesmal am Palmsonntag, obwohl Ostern zeitig fällt, blühende Palmen den Segen erhalten. Ter Handel mit jungen, zarten Theekräutern beginnt, wie immer in der Uebergangszeit, wo die Erkältungskrankheiten an der Tagesordnung sind. Spitzwegerich und Preißelbeerkraut wird von den Theegläubigen freudig begrüßt. Für die Küche kommen aus dem Freien als vegetarische Genüsse, frischer Spinat, Rapunze und die neunerlei Kräuter für die Kräutersuppe des Gründonnerstages und der Osterwoche. Sie ist ein Weiheessen aus grauer Vorzeit, ein Ueberrest der früheren Kräuterkuren, die den Körper verjüngen und reinigen sollten. Alle diese neun Kräuter enthalten gesundheitlich wertvolle, bittere, würzige und lösende Stoffe. Für die Zubereitung einer guten böhmischen Kräutersuppe nimmt man eine Hand voll Erbsen Und kocht sie mit etwas Suppenwurzeln in zwei Liter Wasser, und verdickt dieses mit einer leichten Mehlschwitze. Alsdann wird eine Hand voll zarter Blättchen von Gänseblümchen, Schafgarbe, Brennnessel, Spitzwegerich, Löwenzahn, Gundermann und Sauerampfer fein gewiegt in Butter gedünstet, und in der durchgeschlagenen Erbsenbrühe vorsichtig aufgekocht. Mit gerösteten Semmelwürfeln oder verlorenen Eiern giebt man sie dann auf. Gekräftigt mit Fleischextrakt giebt sie eine gute Suppe auch für die, die da meinen, das Fasten nicht nötig zu haben. Falls man diese Suppe als Frühjahrskur verwenden will, läßt man die Erbsen weg, und nur mit Fleischextraktbrühe zu- bereitet, wird sie einige Wochen hindurch genossen. Ter März bringt die ersten guten Radieschen, Brunnenkresse, und wo diese nicht gedeiht, die Bitterkresse, die allerdings nur einen bestimmten Kreis von Verehrern hat; eine seine Zunge findet keinen Gefallen an ihr. Tie Fülle der Herbstgemüse nimmt von Weihnachten an schnell ab, weniger durch Menge des Verbrauchs, als aus Mangel an Haltbarkeit. Natürlich sinkt dadurch ihr Nährwert, während die Preise steigen, sodaß die Aussichten auf ein wohlschmeckendes frisches Gemüse für die bürgerliche Küche geringer werden. Wirklich noch schön ist Rot- und Weißkraut, das aus Holland stammt, und italienischer Blumenkohl. Nachdem unsere heimischen Gärtnereien schon früher Salat und Radieschen brachten, stellen sie für diesen Monat Kohlrabi und Karotten in Aussicht. Wo der Kostenpunkt keine Rolle spielt, sind französische, belgische und italienische Feingemüse in genügender Auswahl vorhanden wie: voll entwickelter weißer Spargel, Kerbelrübchen, italienische und englische Gurken. Champignon kommen aus den Gärtnereien in Menge in den Handel, dagegen gehen die Trüffel zur Neige. Als Kompott ist englischer Rhabarber, der erfreulicherweise mehr in Aufnahme kommt, zu empfehlen. In den Delikateßgeschäften prangen französische und belgische Trauben, westindische Ananas und als Neuheit frische gelbe Kap- pflaumen, Erdbeeren, Pfirsiche und Aprikosen. Ter Geslügelmarkt steht im Zeichen des Huhnes, namentlich. dominieren ältere Jahrgänge. Junges Geflügel ist nur durch Tauben schwach vertreten. Gänse sind wenig da. Bevorzugte Feiertagsbraten, die im allgemeinen unter dem Namen „Hamburger Mastgeflügel" gehandelt werden, liefern uns die norddeutschen Zuchtanstalten. Von Wildgeflügel kommen nur russische Schnee- und Birkhühner in Betracht. Fasanen gehen zu Ende. Dalmatiner Schnepfen und Bekassinen kommen wohl wenig in Frage. Für Hirsch, Reh und Dammwild ist Schonzeit. Für das Reh leistet Renntier willkommenen Ersatz. Wildschwein ist noch reichlich vorhanden, und mehrt sich die Nachfrage nach diesem geschätzten Braten für die Festtafel des Osterfestes. Sehr schmackhaft ist Wildschwein tmt Wach- holdersauce. Man entfernt die Schwarte von der Keule, legt die Keule in eine Marinade von Essig, Pfeffer, Salz, Zwiebeln, Thymian, Charlotten und Wurzeln, in der man sie 5 bis 6 Tage beläßt. Dann wird sie in einer Pfanne mit reichlich Butter gebraten, wobei sie zuerst mit Butter und der Marinade, später von Zeit zu Zeit mit einer Kelle von in heißem Wasser gelösten Fleischextrakt begossen wird. Vor dem Anrichten wird der Saft durchgeseiht mit einigen Wachholderbeeren und saurem Rahm zur Sauce verdickt, und zu dem Fleisch gegeben. Turch den Mangel an Wild wird der Wert des Schlachtfleisches erhöht: Hammelfleisch mariniert, ersetzt sehr ost das Reh, für Kalbfleisch ist jetzt die beste Zeit, und das Rindfleisch ist immer gut. An der Zeit sind Honig, Prager Osterschinken und Hamburger Rauchfleisch; Froschkeulchen werden in Menge auf den Markt gebracht. Mit Fluß- und Seefischen ist der Fastenmarkt genügend versorgt. Bevorzugt sind Forellen, Salm, Aaal, Hecht und Weißfische aller Art. Der Butterlachs ist bereits int Februar eingetroffen, während er sonst erst im Mai zu erscheinen pflegt. An feinen Fastendelikat-essen sind Hummern und Austern in vorzüglicher Ware vorhanden, ebenso Kaviar in den besten Marken und die beliebten Pfahlmuscheln. Unter den Räucherfischen ist Seehase hervorzuheben. ___________ Fische als Briefträger. (Nachdruck verboten.) Ein außergewöhnlicher Fall, in dem ein Fisch als Briefträger fungierte, wird aus Reykjawik auf Island berichtet. Am 29. April vorigen Jahres empfing ein gewisser Kapitän Christiansen von der „Laura" einen unbedeutenden Brief von dem Sheriff von Vestermann, während das Schiff an dem letztgenannten Hafen lag. Nachdem er das Schreiben gelesen, warf er es achtlos über Bord, und man kann sich sein Erstaunen denken, als ihm am 15. Mai dieselbe Mitteilung, schmutzig und zerrissen, von dem Konsul von Reykjawik eingehändigt wurde, nach welchem Orte sie in dem Magen eines großen Kabeljaus gewandert war; ein Fischer hatte den Brief gefunden. Vestermann liegt 180 Meilen von Reykjawik entfernt, der Brief muß also zwischen dem 29. April und dem 15. Mai die Reise gemacht, und der Briefträger in Fischgestalt die Strecke in etwas über zwei Wochen zurückgelegt haben. Ties ist aber keineswegs das erste Mal, daß em Fisch sich mit der Beförderung von Briefen befaßt hat. Vor etwa fünfzehn Jahren wurde in einem Wallsisch, der an der Südküste von Frankreich ans Land gekonnnen war, ein Postbeutel gefunden, in dem mehrere hundert Briefe lagen. Ter Beutel bildete einen Teil einer Sammlung, die von einem aus der Reise gescheiterten Schiffe nach Guadeloupe gebracht werden sollte, und die Briefe waren, wenn auch etwas beschmutzt, völlig unversehrt. Sie wurden sofort ihrer Bestimmung gemäß befördert, nachdem jeder Brief außen mit der Bemerkung: „Durch Schiffsuntergang verzögert" versehen worden war; aber natürlich wurde von dem ungewöhnlichen Ereignis, welches die Briefe erhalten hatte, nichts erwähnt. Amüsant war der folgende Vorfall: Eine junge Dame ging am Brighton Kai in London spazieren, und ließ durch Unachtsamkeit einen Liebesbrief in das Meer fallen. Sie vergaß den Vorfall gänzlich, wurde aber ca. dret Monate später durch den Empfang eines Briefes von ihrem Bräutigam daran erinnert, der ihr mitteilte, daß ihr Schreiben von einem Fischer in Boulogne an ihn befördert worden sei. Es stellte sich heraus, daß der Brief int Magen einer großen Makrele gefunden worden; niemals ist wohl ein Liebesbrief von einem merkwürdigeren Briefträger befördert worden. Ein Delphin, den man an der sizilianischen Küste fand, war der Ueberbringer eines Briefes von einem französischen Herrn an seine Frau in Paris. Augenscheinlich hatte der Briefschreiber den Brief über Bord lallen lassen, als er aus seiner Yacht über das uf^tellandische Meer fuhr; aber das Schreiben erreichte die Adießatut doch noch, obgleich zwischen Absendung und Empfatlg sechs Monate verstrichen. x x" 148 Rach der Uhr. (Nachdruck verboten.) Vor einem Gericht in Poppelskirchhofen fand ein Verhör statt. Ein Pferd war gestohlen worden, und alle Beweisgründe wiesen auf ein gewisses Individuum,zweifelhaften Charakters als den Schuldigen hin. Obgleich seine Schuld klar erwiesen schien, hatte er einen Anwalt gefunden, der seine Verteidigung übernehmen wollte. Bei dem Verhör bot der Verteidiger seinen ganzen Scharfsinn auf, um die Zeugen zu verwirren, besonders einen Landmann, dessen Aussagen besonders belastend für den Angeklagten waren. Der Verteidiger eröffnete ein Kreuzfeuer von nicht immer geistreichen Fragen und wiederholte dieselben immer von neuem, irr der Hoffirung, den Zeugen in Widersprüche zu verwickeln. „Sie sagen", fuhr der Anwalt fort, „daß Sie schwören können, an dem fraglichen Tage den Angeklagten gesehen zu haben, der ein Pferd an Ihrem Gehöft vorbeitrieb?" „Jo, dorup kann ick swören", erwiderte der Zeuge verdrossen, denn er hatte diese Frage bereits ein Dutzendmal beantwortet. „Wieviel Uhr war es?" „Ick hew Sei dat all enmol seggt, dat bat so üm de Mitte von den Vörmiddag west is." „Ihr „ungeführ" und „MUte" kann mir nichts nützen. Sie sollen den Geschworenen genau die Zeit augeben." „Na", sagte der Landmann, „ick hew doch keen golden Klock bi mi, wenn ick Tüften buddeln dauh." „Aber Sie haben doch eine Uhr im Hause, nicht wahr?" „Jo!" „Schön, wie spät war es nach dieser Uhr?" „Nah dese Klock wier dat grab nägenteih-n Minuten nah Teihn." „Sie waren während bes ganzen Morgens auf dem gelbe?" fuhr ber Verteibiger mit feinem Lächeln fort. „Jo!" „Wie weit ist bieses Feld von Ihrem Hause entfernt?" „So'n lütt Viertelstunn." „Sie schwören, baß bie Uhr in Ihrem Hause genau 19 Minuten nach 10 war, nicht wahr?" „Tat beswöre ick." Ter Verteidiger hielt inne und blickte triumphierend auf die Geschworenen. Endlich hatte er den Zeugen doch in einen Widerspruch verwickelt, der seine Aussagen in hohem Maße abschwächen mußte. „Ich denke, das genügt", sagte er mit einer bedeutungsvollen Handbewegung, „ich bin fertig mit Ihnen." Ter Landmann griff gemächlich 'nach seinem Hut, und erhob sich, um die Zeugenbank zu verlassen. Tann, sich noch einmal umwendend, fügte er nachläfsig hinzu: „Viellicht füll ick Set noch vertellen, bat fick einer uP be Klock nich ganz verlaten kann. Siet en halwes Johr steit se nämlich all, und hett be ganze Tieb ciw-er ümmer up nägenteihn Minuten nah Teihn stahn." Dg. Bau und Thätigkeit des menschlichen Körpers. Von Dr. H. Sa ch s. Mit 37 Abbilbungen. Geh. 1 Mk., geschmackvoll geb. 1.25 Mk. („Aus Natur und Geisteswelt." Sammlung wissenschaftlich-gemeinverständlicher Darstellungen aus allen Gebieten des Wissens. 32. Bändchen.) Verlag von B. G. Teubner in Leipzig. Von der Einrichtung des eigenen Körpers haben die meisten Menschen nur eine ganz unbestimmte oder gar keine Vorstellung, lieber die ungefähre Sage des Herzens, des Magens und der Leber gehen die anatomischen Kenntnisse der Laien gewöhnlich nicht hinaus. Und doch handelt es sich hier — abgesehen davon, daß der Körper doch sozusagen das eigenste Eigentum eines jeden Menschen bildet — um eines ber interessantesten Gebiete menschlichen Wissens überhaupt. In bieses möchte das vorliegende Büchlein eiu- führeu. In leicht verständlicher Form stellt es die Einrichtung und die Thätigkeit ber einzelnen Organe bes Körpers dar und zeigt dabei vor allem, wie diese einzelnen Organe in ihrer Thätigkeit auf einander einwirken, mit einander zusammenhängen und so den menschlichen Körper zu einem einheitlichen Ganzen, zu einem wohlgeordneten Staate machen. Besonderer Wert ist darauf ge«i legt, daß das Buch von jedermann ohne b e sondere Vorkenntnisse verstanden werden kann. Eine Reihe schematischer Abbildungen erleichtern das Verständnis der zum Teil doch, etwas komplizierten Einrichtungen des Körpers. Auch für Samariter- und Krankenpflegerkurse dürfte das Büchlein eine geeignete Einleitung bilden. Anlage und Behandlung der Mistbeete. Wer ein Gärtchen sein eigen nennt, und sei es noch so klein, sieht das Ideal seiner Kultur — als Glanzpunkt derselben — die Pflege und Behandlung eines Mistbeetes an. In ihm vermag er die Pflanzen für die Frühgemüse heranzuziehen, vermag er seine Sommerblumen leicht zu gewinnen — ja in ihm kann er, sobald die Pflanzenheran- zucht vorüber ist, Gurken und Melonen bauen, ober seine kranken Zimmergewächse prachtvoll auf bie Beine bringen. Nur eine bange Frage entsteht bei bent Gedanken an bie Herrlichkeiten, welche bas Mistbeet möglich macht, nämlich bie, wie lege ich es an, wie behanbele ich es? Ihr ist leicht abzuhelfen. Soeben finben wir in Nr. 48 des „Erfurter Führers im Gartenbau" ausführlich bie Anlage und Pflege des Mistbeetes beschrieben. Da diese Nummer unseren Abonnenten kostenfrei zugeschickt wird, wenn sie sich mittels Karte an das Geschäftsamt des „Erfurter Führers" wenden, dürfen wir allen, bie ein Mistbeet anlegen wollen, ober über Die Behandlung im Unklaren finb, empfehlen dies zu thun. Gemeinnütziges. Gegen den Achselschweiß, der durch feinen starken Geruch oft geradezu lästig wird, sind täglich gründliche Abwaschungen mit kaltem Wasser vorzunehmen. Durch Einlegen eines etwa handgroßen Wattebausches, der mit Salicyl ober Borsil bestreut würbe, in bie Achselhöhle, läßt sich ber Geruch am besten beseitigen. „Prakt. Wegweiser", Würzburg. Netzwürstchen: 6 Personen, Zubereitungszeit l1/^ Stunde. 1 Pfund Kalb- und IPfund Schweinefleisch werden von allen Sehnen und Häuten befreit und fein gehackt. Dazu giebt man 140 Gramm ebenfalls fein gehacktes Rindermark, ferner ein in Wasser eingeweichtes und wieder gut aus- gedrücktes Milchbrötchen, 4 ganze Eier, Salz, Pfeffer, einen Eßlöffel fein gehackte Petersilie, etwas geriebene Muskatnuß, 2 Theelöffel Maggiwürze und mengt alles gut imtereütanber. Ein Schweinsnetz weicht man in warmes Wasser ein, trocknet es mit einem sauberen Tuche ab und schneidet Stücke daraus, welche groß genug sind, um einen Eßlöffel von der Fleflch- fülle auszunehmen, und diese von allen vier Seiten ein- zuhüllen. Diese Würstchen werden bann rasch in Butter auf allen ©eiten zu schöner Farbe gebraten. L e s e f r ü ch t e. „Das Buch, das bie meisten Wahrheiten enthält, ist ber neueste Adreßkalender, unb die leeren weißen Blätter des Buchbinders hinten und tiont am Buche sind oft noch das Brauchbarste." (Weber, „Demokrit".) „Lehrbücher sollen anlockend fein; das werden sie nur, wenn sie die heiterste, zugänglichste Seite des Wissens und der Wissenschaft darbieten." (Goethe, „Sprüche".) TauschrStsel. Nachdruck verboten. Eier, Mode, Feld, Brei, Muster, Rum, Wand, Ham, Rast, Weste, Rabe, Herr. Aus jedem Wort ist durch Umtausch eines Buchstabens an beliebiger Stelle ein anderes bekanntes Hauptwort zu bilden, wie aus „Kind" das Wort „Rind" oder „Kinn" oder „Wind". Die neu eingesetzten,Buchstaben müssen im Zusammenhang etwas bezeichnen, das alle jungen Damen als sehr wichtig und interessant bezeichnen. (Auflösung in nächster Nummer.) Auflösung des Bilderrätsels in vor. Nr.: Hahnenkamps. Redaktion: E. Burkhardt. — Rotationsdruck und Verlag der Brnhl'schcn Universttäts'Buch- und Stcindrnckcrci (Pietsch Erben) in Gießen.