Montag den 8. September. sw E 1902. — Nr. 133. MI iogritiimij (Nachdruck verboten.) Miß Cookson aus New-Jork. Bon Heinrich Seek ' \ d (Schluß.) Erschreckt starrte sie in ihr blasses', unbewegliches Gesicht. „Hab' keine Furcht vor mir", erwiderte sie, „sich, komme zu Bell. Wo ist. sie?" Carla war noch wie gelähmt, dann antwortete sie, daß Bell nicht daheim sei. „So werde ich warten, bis sie kommt." Sie' wandte sich nach einem Seitenpfad''ststh ließ Carla' stehen. Und Carla wagte ihr nicht zu folgen — ihr, der Anstifterin von allem Unglück, das über sie hereingebrochen war. Sie ging zurück ins Haus, aber nicht in die Veranda. Fred Bennet war allein. Er sah sehr vergnügt aus, und da niemand bei ihm war, der ihm, wenn er sprechen wollte, die Finger auf den Mund legte, so murmelte er fortwährend drei deutsche Worte vor sich hin — „Ich liebe Dich", „Ich liebe Dich", „Ich liebe Dich!" Es war noch! ein besonderes Glück, daß Bells gute Freundinnen und namentlich Bessie Willingford jetzt viel zu sehr von der Politik und von den Festlichkeiten, die man für die heimkehrenden Sieger zu veranstalten hatte, in Anspruchs genommen wurden, als daß sie sich Um Bell selber viel hätten kümmern können. Auch Herr Westheim konnte das nicht mehr, denn der Krieg! hatte seine Geschäfte wesentlich abgekürzt, und so war er wieder, ohne daß es ihm leider möglich gewesen, die nötigen Abschiedsbesuche zu machten, nach Mropa abgedampft. Auch wäre die Neugier, die sich mit Bells geheimnisvollen Besuchen in Newyork beschäftigt hätte, kaum auf ihre Rechnung gekommen. Cs waren Wege, die sie in schlechte Stadtviertel führten, in trübe Dachkammern und dumpfe Keller, wo hilflose Arnre und Krankt lagen. Begleitet wurde sie auf diesen Wegen vor: zwei Lohndienern, die ihren Namen nickst kannten und' die jeder einen großen Korb mit Weinflaschen und guten Eßwaren schleppten. Wo sie hinkam, war es, als trat ein von: Himmel herniedergestiegener Engel durchs die Thür. Eins nur fehlte diesem Engel — er verteilte seine Gaben ohne Freude. Tie Hungrigen, die Nackten, die Frierenden, die Kranken priesen sie als ihre Wohlthäterin — und doch war ihr das Wohtthun nur ein Mittel, um eine innere Stimme zu betäuben, die Stimme: „Tu hast ihn in Verzweiflung getrieben, vielleicht in den Tod. Du hast ihm nicht geglaubt — auch als er Glauben verdiente, als er Dir die Beweise gab. Nun glaubst Tu ihm, nun nagt die Reue, und nun ist es, zu spät." Niemand wußte, was ist ihr vorging — auch, nicht Carvch auch nicht Fred, denn sie wagten nicht, in rhrer Gegen« wart von ihm zu sprechest. Auch ihr alter Hitchock ließ sich nicht mehr sehest kümmerte sich nickst mehr um sie, er hatte ihr seine FreunKt schäft anfgelündigt. i Und doch — war es nicht so am besten? Daß er tot war. für sie, wie auch sie tot war für ihst? Und war er ge« storben — auch! das war gut. Tanu.war's zu Ende. Was aber quälte sie dennoch, bohrend, ermattend, wie eine Krankheit, die sie zerrieb? Es war die Lüge, die sie ihm nachgerufen hatte, das Verbrechen, daß sie, sich verleumdend, an sich selbst bvq gangen hatte. Tie Lüge und immer die Lüge war es, die/ einmal heraufbeschworen, nun unausrottbar sich um sie wand, bis sie sich selbst darin verstrickte. „W ist nicht wahr, womit ich mich geschmäht. Ich bin Dir treu gewesen!" Wenn sie ihm diese Worte, wo er auch weilte, unter den Lebenden oder den Toten, hätte nachrufen dürfern Es war das Einzige, das Letzte, was ihr zu wünschen übrig geblieben war. Ihre Jacht lag Unbenutzt tm1 Hafen von Newyork und die Bootsmannschaft hatte gute Tage. Ihre Pferde wurdest von den Stallleuten geritten, und ihre Edelsteine und Perlen lagen verpackt in den Tresors der Staatsbank. Es gab nichts, was ihr noch eine Freude oder überhaupt stoch eine Auffrischung verursacht hätte, weder die projektierte! und dann wieder fallengelassene winterliche Reise nach Maine noch die Siegesbotschaften ihres Volkes noch auch ihre Bücher. Sie war müde geworden. Wenn sie arm ge*. wesen wäre! Dann hätte sie wenigstens arbeiten müssen, ihr Leben hätte einen Inhalt gehabt, wie das anderer armer Mädchen. Aber selbst die Sorge um ihren Reichtum wurde ihr abgenommen, dafür waren Beamte da. Tas Wort eines deutschen Dichters ging ihr durch den Sinn: „Ein unnütz Leben ist ein früher Tod!" Ja, warum lebte sie noch? Warum? Außer dew Parkthor hatte dieses hübsche Schweizer« Häuschen noch auf der anderen Seite eine kleine versteckte! Einfahrt. Hier hielt ihr Wagest an, hier stieg sie aus: Carla kam auf sie zu. „Bell, es ist jemand da, der Dich zu sprechen wünscht sagte sie. Aus den Baumgruppen, die das Haus umzogen, trat eine schwarze Gestatt hervor. „Ottilie!" klang es von Betts Lippen. Tann standen sie sich wortlos' gegenüber. „Komm!" sprach Bett, und sie schnitt ihr voran. Endlich waren sie allein. , „Bett", begann sie, „ich komme nicht um meinetwillen^ sondern um setnettvitten. Wir haben ihn ja Beide getteLtz Während wir hier stehen, stirbt er vielleicht und rch Habs ihn getötet. Sag' mir, was Mische u Euch geschehest ist. 530 Es nmß noch etwas sein, was ich nicht weißt ■— und das ist es, woran er sterben wird."- Bell schrie auf. „Tu weißt, wo er ist?" „Ich komme von ihm." Ter Kutscher brauchte nicht erst anszuspannen. Zehn Minuten später rollte der Wagen wieder nach Newyork zurück, nur daß diesmal statt einer Dame darin zwei saßen — und gab es auf der Welt auch kaum noch zwei Wesen, die sich so hassen mußten wie diese Beiden, so goß es doch einen sterbenden Mann, um den sie es in dieser Stunde zu vergessen hatten. Ter Wagen hielt vor dem Presbyterian-Hospital. Der Pförtner führte die Tamen in das Wartezimmer. Bald darauf erschien ein alter weißbärtiger Herr — der Chefarzt. Was er ihnen mitzuteileu hatte, war, daß der Zustand des Kranken jede neuerliche Aufregung, selbst die geringste, strengstens verböte. „Wenn ich ihn nur einmal sehen dürfte", sagte tonlos Bell. Der alte Herr fragte sie nach ihrem verwandtschaftlichen Verhältnis zu Mister Schöneck. „Ich bin seine Frau", erwiderte sie. Aber es ließ sich nicht machen. Der Kranke konnte gerade in einem solcher! Augenblick erwachsen — jede Gefahr mußte vermieden werden. Das Einzige, was ihr der offenbar sehr eilige und sehr in Anspruch genommene Arzt versprechen konnte, war, das Bureau anzuweisen, Mrs. Schöneck täglich von dem Befinden ihres Gatten Nachricht zu geben. Bell fuhr nicht nach Lougbranch zurück. Sie fuhr nach! ihrer Stadtwohnung, um fortan dem Hospital in der Nähe zu bleiben. Ottilie begleitete sie. Und abermals vergingen Wochen. Zum dritten Male hätte Hcrwarths kraftvoller Körper über den Tod gesiegt — der Körper und auch der von Fiebergluten verzehrte Geist. Der erste Besuch den der Genesende empfing und empfangen durfte, war ein dem Chefarzt wohlbekannter Freund — es war Mister Hitchock. Eines Tages nämlich hatte sich bei Mister Hitchock eine Dame melden lassen. Tie Dame war Bell und sie bat ihn, ihr zu helfen. Sie erzählte ihm alles, was Ottilie ihr erzählt — daß er, d er aus ihrem Leben ausgestrichen sein sollte, nun wieder gefunden war, daß er für sie hatte in den Tod gehen wollen und daß er auch beinahe gestorben wäre — nicht von seinem Unglück, nicht von seinen Wunden bezwungen, wohl aber von dem Glauben, daß sie ihre Liebe einem Anderen geschenkt. Und eben deshalb kam sie. Damit ihr alter Freund ihr beistehen, damit er, sobald es der Doktor erlaubte, zu ihm, dem nun wieder Genesenden, gehen sollte, ihn von der Last seines Wahns befreien, die ganze Wahrheit ihm enthüllen sollte. „Ich will es thun", sagte Mister Hitchock und Bell brachte nur drei Worte hervor: „Ich danke Ihnen." — Es war ein herrlicher Oktobermorgen. Unter den schon gelb sich färbenden Wipfeln in dem! Garten des Presbyterian-Hospitals wandelten zwei Männer — der eine ein alter Herr mit einem glattrasierten, länglichen Gesicht, in dessen geschäftsmäßigen Mienen jetzt aber ein Ausdruck schmunzelnder seelischer Zufriedenheit stand, der andere noch! jung und von hoher stattlicher Gestalt, in seinem blassen Antlitz, über das sich doch schon der erste rote Schimmer der wiederkehrenden Gesundheit lagerte, noch die Spur überstandener Leiden, körperlicher und anderer, aber auch, ähnlich dem frohen roten Schimmer, der verklärte Widerschein irgend eines großen unaussprechlichen Glücks. Tas Letzte, was Mister Hitchock feinem jungen Freunde von dem ihm gewordenen Auftrage beizubringen hatte — immer in sorglicher Bedachlsamkeit auf seinen Gesundheitszustand, denn auch frohe und gute Nachrichten können in solchen Fallen, wenn sie unerwartet kommen, schädlich wirken — das hatte er ihm nun gesagt. Morgen würde er das Hospital verlassen und dann würde ihn Bell erwarten. Sie wünschte eine Unterredung mit ihm. Worüber? Auch das hatte ihm Mister Hitchpck verraten, obwohl er eigentlich nicht dazu bevollmächtigt war. Sie wollte die Freiwerberin spielen für ihren Wetter, für den Mann,, von denk sie ihn hatte glauben lassen, daß sie ihn liebte. Uni die Fred Bennet warb, war Carla — aber Carla, obwohl sie Fred Bennet liebte, wollte vom Heiraten nichts wissen. Ihr Leben, sagte Carla, gehörte ihrem Bruder, denn sie war ja nun die Einzige, die ihm geblieben war. Das wär der Grund, weswegen Bell mit ihm zu sprechen wünschte. Er sollte Carla von ihrem Eigensinn kraft seiner Autorität abzubringen suchen. Und weil dem Rekonvaleszenten nur ganz allniählich alle diese Tinge beigebracht werden durften und ein Wiedersehen mit den Damen, unvorbereitet wie es war, noch immer seine Gefahren für ihn gehabt hätte, so war dieses also vorläufig noch immer verschoben worden — bis es nunmehr für morgen festgesetzt war. „Mir wird sie gehorchen", sagte Herwarth, indem sie beide sich auf einer Bank niederließen, denn er fühlte sich von dem Gehen doch müde, „sie muß glücklich werden!" ’ Er sprach von Carla. „Und Sie?" Mister Hitchock zeichnete bei dieser Frage mit seinem Spazierftock gewisse Figuren in den Sand. Er dachte in diesem Augenblick daran, wie gut die Idee von ihm gewesen war, im Einverständnis mit seinem deutschen Kollegen die Scheidung dieser Ehe ein bischen in die Länge zu dehnen, sodaß sie bis heute noch nicht vollzogen war. Herwarty schüttelte den Kopf. „Ich weiß, was Sie meinen, Mister Hitchock", sagte er, „aber das ruht im Grabe. Jede Schuld rächt sich so hat sich auch! die meine gerächt. Und doch pflück' ich! mir von dem Grabe, in dem mein Glück ruht, noch ein Pflänzchen Zufriedenheit, denn Bell verachtet mich nicht mehr und ihr Bild steht wieder unentweiht und rein vor mir wie einst. Das ganz große Glück ist wohl nur Wenigen beschieden. Vielleicht können es auch nur die Wenigsten ertragen. Deshalb — das habe ich aus meinem Schicksal gelernt — soll der Mensch schon für ein ganz kleines dankbar sein. Bells Verzeihung, ihre Achtung, das Andenken an sie, Carlas Geborgenheit in den Armen eines rechtschaffenen Mannes, der sie liebt — das wird mein Glück sein und es wird mir die Kraft gehen, weiter zu leben und zu arbeiten." Ein kühler Wind wehte vom Kanal her. Es war Abend geworden. Sie standen beide auf und Mister Hitchock begleitete seinen Freund in das Haus zurück. Tann, als er das Haus verließ, schlug er den Weg nach der fünften Avenue ein. Schluß. Fred und' Carla standen, Hand in Hand, am! Fenster und sahen die Straße hinab. Tie fünfte Avenue ist dort, wo die Häuser der Millionäre stehen — weil sich darin keine Läden befinden —i ziemlich menschenleer. Auch waren an den meisten Häusern die Rolljalousieen herabgezogen, denn man befand sich noch in der schönen Jahreszeit und in den Sommerfrischen. Uni eine Ecke bogen zwei Herren, ein alter und 'ein junger. Sie kamen zu Fuß, denn Mietswagen sind in New- Wrk nur schwer zu erhalten. ' । „Er ist's", sagte Carla, die ihn zuerst erkannte. Sie sprach! es leise, und nur Fred soflte es hörest, aber auch noch andere Ohren hatten es vernommen. Bell preßte beide Hände auf ihr schlagendes Herz, „Soll ich gehen?" fragte Ottilie. „Nein — bleib!" Sie hörten alle vier, wie sich unten mit dumpfem Geräusch die Hausthür öffnete. Daun trat der Diener ein Und" meldete, die Herren befänden sich im Nebenzimmer. Carla stürzte stach der Thür, aber vor Befl blieb sie stehen. „Nein, Tu müßt erst allein zu ihm", sagte sie. ' Won den beiden Männern, die drinnen warteten, sprach keiner ein Wort. Ein Vorhang schob sichzurück. Eine Frauengestalt wurde sichtbar. Bleich und schön und stumm stand sie da. Sie hob die Arme auf, sie breitete sie, als könne sie nicht anders und gehorche einem Zwange, auseinander. So sah sie ihst an. " „Bell!" schrie er auf, und er stürzte auf sie zU und riß sie an sich und ihre Lippen fanden sich ich Kstß der alles verzeihenden Liebe. ■' 531 — Vermischtes. Unser Garten im September. Die Flut der Arbeiten ebbt immer mehr ab. Die Beete werden mehr und mehr leer, und was noch auszusäen ist, kann nur einen kleinen Teil derselben stillen. Spinat, Wintersalat, Feldsalat, Merbelrüben, Perlzwiebeln, das sind in Summa diejenigen Gemüsesorten, die jetzt noch ausgesät werden können, oder der Aussaat harren. Auf den abgeernteten Kohlfeldern muß reine Bahn gemacht werden. Cs ist nicht angängig, die Mit Knollen versehenen Kohlstrünke, in denen sich Kohlpilz Und Kohlungeziefer aufhält, einfach stehen zu lassen, fte müssen hinein ins Feuer. Wo wir Kvautpflanzen als Winterkohl heranziehen, können die frühen Aussaaten jetzt pikiert werden. Wer nur Pflanzen zur Frühpflanzung im Frühjahr haben will, sät an Stellen, die nicht der grellen Sonne ausgesetzt sind, seinen Kohlsamen auf mehr mageren Boden. Salatpflanzen jetzt so gepflanzt, daß man mit Leichtigkeit um die Beete Holzverschläge machen kann, um Fenster darauf zu legen, sind eine sehr vorteilhafte Kultur für tue Salaternte in den ersten Wintermonaten. Die .Apfelernte fällt reicher aus, als sie erwartet wurde. Darum sind die Borrichtung für die demnächstige Herstellung des Apfelweines zu treffen. Wasserschosse sind aus den Bäumen AU entfernen. Für das Fallobst ist eine gute Bettung zu schaffen, indem man den Boden um die Bäume umgräbt Und ihn womöglich noch mit Heu, Gras oder Stroh bedeckt Beim Pflücken des Obstes ist immer Vorsicht notwendig. Bruch der Aeste, unsachgemäßes Abreißen des Fruchtholzes tchadrgt die nächste Ernte. An neue Pflanzungen muß all- mahnch gedacht werden, dafür sind die Löcher auszugraben, Er es ist dafür der Boden zu rigolen. Johannisbeeren, Stachelbeeren sind auszudünnen. Mitte und Ende des Monats beginnt das Einpflanzen unserer Topfgewächse, dre ausgepflanzt waren. Es ist dabei der Ballen zu ver- tlernern. Die eingepflanzten Sachen sind entweder in einen schattrgeu Mrstbeetkasten zu stellen, oder unter einen stark schattigen Baum, damit sie in den ersten acht Tagen Ruhe haben, sich zu besinnen. Es beginnt das Pflanzen von Hyacrnten, Tulpen, Crocns, Tazetten, Narzissen, Scilla und dergleichen. Eine ganz vorzügliche Zwischenpflanzung für Hyacmthenbeete ist Chinodoxa Lnciliae, die ihre Blüten vrel früher entwickelt und abgeblüht ist, wenn die Hyacinthen begmnen. Hyacinthen, Tulpen, Narzissen rc. zur Treiberei sind einzupflanzen oder auf Gläser zu setzen. Ende des Monats beginnt das Bepflanzen der kahlgewordenen Beete Mit Stiefmütterchen, Myosotis, Silene. Wo Astern, Tagetes als Reservepflanzen vorhanden sind, werden die kahlwerdenden Blumenbeete damit jetzt bepflanzt, Tas Verpflanzen von Stauden wird fortgesetzt. Der Saumselige kann noch Erdbeerbeete anlegen, seine Trauben gegen Wespen Und Hornissen durch Draht oder Gazesäckchen schützen und durch Aufhängen von Wespengläsern der Wespenplage Einhalt thun. Samen Von Alpenveilchen, von anderen Weilchen, von Helleborus können wir aussäen. Tie durch Aussaat von Samen gewonnenen Monatserdbeeren sind auf Beete zu bringen. Mr die Aufbewahrung des Gemüses ist allmählich Vorsorge zu treffen, damit uns in nächsten Monat dre Arbeiten nicht über den Kopf wachsen. Litterarksches. Eine neue Spezialkarte vom Großherzogtum Hessen von W. Lrebenow, Geh. Regierungsrat und Professor, ist soeben in L. Ravensteins Verlag, Frankfurt a. M. erschienen. Die Karte ist im Maßstabe 1:300000 gezeichnet, reicht von Marburg im Norden bis Wimpfen a. Neckar im Süden von Fulda im Osten bis' Kreuznach im Westen. In feinstem Steinstich bringt die Karte: Alle Wohnplätze bis zum Weiler herab mit Namen, die Schrift nach Bedeutung und Bewohnerzahl der Orte größer oder kleiner; alle Bahnen mit Stationen, Flüsse, Straßen bis zu Landwegen herab. Kleine Signaturen bezeichnen Häuser, Gasthäuser, Schloß, Forsthäuser rc. Gebirge sind mit feinen grünen Schroffen bargeftelft, um die politische Gliederung des Kartenbildes nicht zurückzudrängen. Provinz Oberhessen ist mit Orange, Starkenburg Rosa, Rheinhessen mit gelbem Bande abgegrenzt. Tie Kreisgrenzen in allen drei Pro vinzen sind rot kräftig hervorgehvben. Tie sehr exakt uni genau ausgeführte Karte ist auch äußerlich elegant ausgestattet. Sie kostet gefalzt nur 2— Mk., aufgezogen Z.- Mark. Tie Korrekturmaterialien zu derselben wurden von Seiten des Generalstabes in Berlin geliefert; die Eisenbahnen durch Vermittelung durch Vermittelung des Reichs- eisenbahnamtes ergänzt. Allen Militärs, Reifenden, Beamten rc. sei die Karte bestens empfohlen. Sie ist in allen Buchhandlungen zu haben. Wegen ihrer genauen Ausführung bei dem billigen Preise ist ihr große Verbreitung sicher. Doppelte Abrechnung. Bei Wörth die heiße, ruhmreiche Schlacht Haben auch die Badenser mitgemacht. Unter General Werder fochten sie brav Und verhalfen manchem zum ewigen Schlaf. Das Raubgesindel, die wilden gälen Türkos, die könnten davon erzählen: Von allen, so viel sie auch kratzten und bissen, Hieß es schließlich: Tot oder — ausgerissen. =-■ Mit solch einem Kerl, int dicksten Gedränge Gerät ein Leutnant ins Handgemenge. Der Kerl, mit 'nem richt'gen Wildkatzen-Blick, . Biegt plötzlich sein struppiges Haupt zurück Und — spuckt dem Leutnant — pitsch — in's Gesichts G'rad' in die Augen hat der's gekriegt! Das sieht ein Gemeiner, ein Bad'ner Kind, Springt zu, packt den Kerl bei'm Halse geschwind Und würgt ihn ein bischen — nur so im Steh'n S Bis diesem die Augen übergeh'n . . . Der Leutnant sieht's, ruft lachend ihn an: „Genügt ja! Lassen Sie jetzt den Mann!" Mein Bad'ner hört's, aber dreht sich nicht um Und drischt auf den Kerl los, fest aber stumm. Von rechts nach links — herüber, hinüber Zieht er ihm Watschen und Maulschellen über. „So!" spricht er. „Sodele! Sell isch for's Spucke, Du neinmol verzwiebelter Deiwels-Heiducke!" Dann nimmt er den Türko von neuem her, Vermöbelt ihn nochmals die Kreuz und die Querr „Uu sell — Du französischer Lause-Derk — Un sell nn sell isch sor „Heidelberg!" G. B. („Jugend.") Für die ganz Kleinen ist und bleibt die Hängerform immer noch die Grundlage aller Kleiderformen, denn nichts ist wohl kleidsamer, einfacher und dabei Bequemer als diese losen Kleidchen, welche außerdem je nach dem dazu gewählten Stoffe vom einfachsten bis zum elegantesten gehalten werden können. Volants um den unteren Rand und die Passe, oder Berthen in Bogenform, Breite lichster Sauberkeit, weshalb alles möglichst zum Waschen eingerichtet sein muß, was schon ganz von selbst allen unnötigen Aufputz verbietet. Ein weiteres Erfordernis der kindlichen Kleidung ist unbedingte Bequemlichkeit, welche alles Beengende und die freie Bewegung verhindernde meidet. Trotz dieser beiden gebieterischen Forderungen bietet doch die Mädchenkleidung eine Menge von Formen, welche, je älter die kleinen Mädchen werden, desto mehr Auswahl gestatten. Wie ziehen wir unsere kleinen Mädchen an? Bearbeitet und mit Abbildungen versehen von der Internationalen Schnittmanufaktur Dresden-N. Reichhaltiges Modeualbum und Schnittmusterbuch zu 50 Pfg. daselbst erhältlich. Was ein Häkchen werden will, krümmt sich bei Zeiten. Dieses Sprichwort bewahrheitet sich auch bei den jüngsten Vertreterinnen des schönen Geschlechts hinsichtlich der Liebhaberei für Putz und schöne Kleidung. Die kleine Kokette, die sich vorm Spiegel dreht und wendet, und der es ein besonderes Vergnügen macht, sich mit Mutters Sachen her- anszuputzen, läßt mit Leichtigkeit das zukünftige eilte Fraulein erraten, bei welcher die Erledigung der Toilettenfrage ein gutes Stück Lebensinhalt bildet. Deshalb kann eine sorgsame Mutter nicht vorsichtig genug sein, die etwaigen Neigungen eines Kindes in dieser Hinsicht in die rechten Bahnen zu lenken. Sie vermeide vor allem bei der Kleidung ihrer Kinder jeden unnötigen Putz und Tand, welcher nur zu leicht die kindliche Eitelkeit weckt und außerdem, weil zu überladen, den Kleinen meist nicht steht. Die kleidsamste Eleganz für Kinder besteht in Pein- — 532 — Kragen mit Spitze umranDet oder zierliche Spitzenpassen, das alles dient dazu, diese Hänger nach Belieben elegant zu gestalten. Werden die Mädchen größer, so behält man wohl meist den gleichen Schnitt bei, aber man hält die losen Falten im Taillenschluß zusammen, wozu dann entweder eine Schärp-e, ein Gürtel oder auch ein mehrfacher Zugsaum dient. Besonders bei Waschkleidern ist letzteres sehr angebracht, denn die Reihfalten können dann bet der Wäsche bequem ausgezogen und nach dem Plätten frisch arrangiert werden. Sehr modern und kleidsam ist es auch, die.Weite des Hängers vorn und hinten in je drei Quetschfalten zu ordnen, welche dann in der Taille entweder durch 'einen Ledergürtel oder auch 'durch ein unter den Falten hindurch geleitetes Band zusammengehalten werden, wie unsere kleine Zeichnung, Figur 1, erkennen läßt. Der Taillenschluß wird dabei ein wenig tiefer, als die wirkliche Taille gelegt, wodurch die kindliche Gestalt biegsamer und schlanker erscheint. Recht niedlich sieht es! auch aus, wenn die Weite des Hängers in zahlreiche kleine Fältchen bis herab zum verlängerten Taillenschluß abgesteppt werden, um dann unterhalb zum Röckchen auszuspringen, welches am unteren Rande, um voller zu erscheinen, mit einem eingereihten Volant besetzt wird.. .Es ist dies Neuerungen gebracht, indem die Koller- und Kragenblusen nicht mehr die ausschließlichen Schnittformen für Kinder sind. Die für Damen so hochmodernen russischen Blusen, welche oben glatt, unten leicht eingereiht, nur wenige Falten aufweisen und dabei ohne festes Futter sind, spielen auch für Kinder eine große Rolle. Durch allerlei breite Kragen, welche nach Belieben einfacher oder eleganter gehalten werden, erhalten sie ihr mehr oder minder elegantes Aussehen. Auch Jäckchenformen sind neuerdings wieder modern, wenn auch in veränderter Form, indem dieselben im Taillenschluß möglichst weit und kurz gehalten sind, so daß eine darunter getragene lose Bluse rings um, wenn auch nur wenig, sichtbar wird. Fig. 2 veranschaulicht ein derartiges Jäckchenkleid, an welchem außerdem eine sehr kleidsame Kragenform, sowie ein modernes Serpentinevolantröckchen zur Darstellung kommt. . Zum Schluß noch ein Wort über die Ueberkleider für kleine Mädchen. Die wette, lose fallende Sackform spielt hier die Hauptrolle und sowohl Mäntel, als auch Jackets werden kaum in einer anderen Form angefertigt. Die notwendige Abwechselung wird dabei durch die verschiedenen Kragenformen erzielt, welche die größte Mannigfaltigkeit aufweisen. Schulterkragen mit hochfchließendem Steh-Umfallkragen werden in der verschiedensten Weise variiert und je nach Geschmack mit Pelz, mit Borten, Spitzenauflage, Schnurstickereien oder auch nur mit einfachen Stepplinien verziert. i' J.i. ! eine Form, welche der Vorliebe der Mode für FältcheN- stepperei entspricht und daher als! ganz besonders! modern gilt. Je größer die Mädchen werden, desto mehr bevorzugt man die Trennung des Kleidchens in Rock und Taille,^ wobei die Mode aber immer noch 'die blusige Taille! möglichst lang vorschreibt. Erst vom zehnten Jahre an wird die natürliche Taillenschlußlinie beachtet, indem das! Röckchen in einen Bund gefaßt und extra ungezogen wird. Ein Gürtel deckt dann den Rockbünde Mit dieser Form gelten dann auch alle anderen! Modesormen, wie sie für Erwachsene modern sind, wenn auch in gemilderter Form. Besonders die Serpeutino- volants der Röckchen sind hier charakteristisch und sowohl der einzelne angesetzte, als auch die mehrfach überein-, andersallenden Volants sind sehr beliebt. Die Röckchen selbst sind ebenfalls serpentineförmig geschnitten und treten ohne Falten in den Rockbund. Sogar die Hintere! Mittelfalte wird in den meisten Fällen weggelassen, i» dem man das Röckchen so weit schneidet, daß die Falte von selbst fällt. Was die Taillenform anbetrifst, so sind Blusen imnrer wieder das kleidsamste,. Doch hat auch, hier die Mode einige Figur 3. 2. -Wi \\ M Sehr praktisch für Kinder sind auch die langen Und weiten Capes, welche besonders, bei Regeiiwetter gute Dienste leisten, indem sie das ganze Persönchen samt dem Schulranzen einhüllen. Für größere Kinder fertigt man sie meist aus dunklen Stoffen und wird mit Vorliebe dunkelblau gewählt, wozu dann das meist rote Futter des Kapuschons gut paßt. Für Babys dagegen sieht weist immer am hübschesten aus und je nachdem ob Knaben oder Mädchen wird das Kapuschon hellblau oder rosa abgefüttert. Unsere Figur 3 veranschaulicht solch ein kleines! Figürchen, welches sich in seinem weiten Pelerinchen wie ein kleiner Gnom recht nett und drollig ausnimmt. Das reichhaltigeModenalbum und Schnitt-, Musterbuch der Jnternalionalen Schnittmanufaktur in Dresden ist für die Herbst- und Wintersaison (Preis nur 50 Pf.) soeben erschienen. Diese mit mehreren 100 Modellen großartig ausgestattete und ungemein preiswerte Modeschau gehört zu den beliebtesten Ratgebern der Frauenwelt in allen Modefragen. In den dargestellten Formen wird einer praktischen und doch sehr geschmackvollen Moderichtung Rechnung getragen. Einen besonderen Wert erhält das Mbum durch den Umstand, daß von allen Modellen gut ausprobierte Schnitte zu billigsten Preisen erhältlich find, die sich als ein ganz vorzügliches Hilfs-, mittel für jede Art Schneiderei -bei der Damenwelt allgemein eingeführt haben. j Redaktton: Curt Plato, — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schcn UuiverWts-Buch. und EteindruckereiMetsch Erben) in Gießen.. L c 3 1 e € ! X •< s k i i 5 ( 1 < i j ä ; • 'i