Freitag den 6. Juni. E 1902. — Nr. 83. Wei »HW i^WU! KNU^M iinm diesen Rat mit auf die Levensrcise: Vor Männern rede immer laut und klar, Mit Frauen sprich bedeutsam leise, Und vor den Narren — schweige ganz und gar! Franz v. Schönthan. (Nachdruck verboten.) Manneswert. Roman von Marte Stahl. (Fortsetzung.) „Wird es Ihnen schwer, Fräulein, wenn — wenn Ihr Herr Vater das Gut vertauscht — hier fortzugehen, in die Stadt — nach Leipzig?" Seine Stimme klang so verändert, etwas gedämpft und so weich und teilnehmend. Traute fuhr erstaunt mit dem Kopfe herum. Solche Töne hatte sie ihm nicht zugetraut — dem Stockfisch. Da bemerkte sie, daß sie mit ihm allein auf dem Balkon geblieben war, Hulde war in den Saal gegangen. Herr Sedelmaier spielte eben schmelzend: „Mein lieber Schwan." t Paul Lehmigke kam einen Schritt näher und lehnte all dem sandsteinernen Pfeiler der Ballustrade dicht neben Traute. Mit einem Ruck war diese aus ihrer lässigen Haltung emporgeschnellt lind saß steif und verlegen aus ihrem Stuhl. „Es thut mir so leid — Sie sind so glücklich hrer — das Stadtleben wird Ihnen schwer ankommen — aber — aber — vielleicht —" In dem Toir seiner Stimme lag etwas, was Traute blitzschnell verstand, obgleich es ihr ganz neu war. Und sie ging sofort in die Defensive über. „O, was sein muß, muß sein", erlviderte sie, ihn unterbrechend, in frostigem Ton, indem sie immer steifer und gerader wurde. „Das Stadtleben wird auch seilie Reize haben." „Ich möchte Ihnen nicht die Heimat. rauben", fuhr Paul Lehmigke herzlich und warm fort,, „ich werde nicht immer in Brantikow wohnen — wenn Sie wollen, können Sie jeden Sommer monatelang Herkommen — mit Ihren Eltern und Geschwistern." „Sie sind sehr freundlich", sagte Traute mit steifer Höflichkeit, und da sie dem so plötzlich seelenvoll werdenden „Stockfisch" gegenüber nicht die rechte Haltung finden konnte, stand sie auf und ging mit der Entschuldigung „es werde kühl" ins Haus. Der junge Mann nahm den Platz ein, den sie verlassen Und blickte sinnend und tief nachdenklich vor sich nieder. Er sah aus, als denke er an etwas Liebes und der Schimmer einer warmen, frohen Hoffnung verjüngte und verschönte förmlich seine ernsten, arbeitsharten Züge. „O Himmel, Hulde!" sagte Traute gähnend, spät am Abend, als sich beide junge Mädchen in ihrem gemeinschast- lichen Schlafzimmer zur Ruhe begaben, „diese Leipziger sind gottvoll!" Sie saß in ihrem weißen Nachtkleid auf der Betk- kante und reckte die runden, rosigen Arme über dem „Sagte ich Dir nicht, daß Du Deinen Spaß haben würdest?" entgegnete Hulde, die vor dem Toilettenspiegel das lange, üschblonde Haar bürstete. Traute lachte auf. „Mer Paulchen, nicht bange!" machte sie mit täuschender Mimik nach und beide Schwestern lachten, bis ihnen die Thränen herunterliefen, da Traute das „Mer Paulchen", in allen Tonarten variierte. „Ja, der dicke Papa Lehmigke mit seinem hell karierten Anzug und der breiten Kutscher-Uhrkette könnte sich ausstopfen und für Geld sehen lassen", behauptete Hulde. Traute tänzelte durch das Zimmer und machte seinen Gang nach, was in dem langen Nachtkleid sehr komisch wirkte. „Wenn er gefühlvoll wird, sehen seine guten grünen Augen gerade aus wie gekochte Stachelbeeren", sagte sie, indem sie selbst die Augen verdrehte. „Welche Unverschämtheit, zu verlangen, ich soll ihm Reiterkunststückchen vormachen!" „Weißt Tu, Traute, ich glaube, Du hast Paulchens Herz verwundet!" ries Hulde lachend. „Ha, ha, ha!" Traute schüttelte sich, „der verliebte Stockfisch! schönes Tableau!" „Ueberlegs Dir", neckte Hulde, „er wird mal Millionär, und bctmt bist Du Herrin von Brantikow!" „Brrrr!" machte Traute, „und außerdem Frau Schnapsfabrikant Lehmigke. Das wäre überwältigend!" „Tu kannst ihn ja erziehen", fuhr Hulde neckend fort, „er muß seine Hände besser pflegen und etwas geschmackvollere Krawatten tragen." „Hu! die Quadratfäuste — er trägt wenigstens Nummer „Sein Schneider scheint ein seltenes Genie zu sein." „Und hast Du Papa Lehmigke und Herrn Sedelmaier beim Essen beobachtet? Mir wurde ganz schlimm!" „Mir auch. Papa Lehmigke war ganz mit Fett einbalsamiert und Sedelmaier aß wie ein Krokodil in der Menagerie, das acht Tage gehungert hat." Es klopfte an die Thür. Traute schlüpfte schnell unter die Bettdecke. Frau Belte« trat ein. „Mer Kinder, was schwatzt Ihr denn xtoiy? Es ist ja Mitternacht." , __-. „Mama, Traute soll Paulchen heiraten, dann mußt Tu mit Papa Lehmigke auf der Hochzeit dre Pownacse tanzen", kicherte Hulde. ... , „Ach, Kinder, es ist güt, daß Ihr noch lachen könnt. 330 beängstigend nah — die erste Katastrophe ihres jungen Lebens — der Verlust der Heimat. Sie verstanden noch nicht recht, was das für sie bedeute, aber die Ahnung bevorstehenden Herzeleids fiel wie ein Wolkenschatten über ihre sonnige Heiterkeit. Im Laufe des Vormittags wurden Traute und der alte, langjährige Diener Graumann gefunden, wie sie schluchzend zusammen auf einer Treppenstufe saßen. Graumann hatte Traute, seinen Liebling, die er einmal auf den Armen getragen, gefragt, ob denn das wahr ser, daß der gnädige Herr sein Gut an den Schnapsfabri- kanten verkaufen wolle. Tas würde er nicht überleben. Als Trante weinerlich entgegnete: „Graumann, wenn wrr Weggehen, ziehen Sie mit uns", sagte der alte Mann: "Ach, Kind, ich kann ja nicht, ich habe ja mein Haus und meine Familie im Dorf." Und dann hatten sie sich beide ihrem ausbrechenden Schrnerz überlassen. Eine Stunde vor Mittag kam Herr- Belten aus dem Konferenzzimmer. Er sank ganz erschöpft rn eine Sofaecke int Salon seiner Frau und behauptete, er habe rasende Kopfschmerzen. Er halte es nicht länger aus, dre „Esel" könnten nun allein sehen, wie sie fertig würden. Es sei nichts wie Schererei nm unwesentliche Kleinigkeiten beim Aufsehen des Tauschkontraktes. Seine Frau mußte ihm- homöopathische Tsopfen und einige Stärkungsmittel, wie eine Tasse Bouillon und ein herzhaftes Schinkenbrötchen, reichen. Als er sich etwas erholt hatte, machte eq einen Spaziergang durch den Garteit und holte selbst einige Pfirsiche vom Spalier, um schnell von seinen Töchtern eine kleine Pfirsichbowle zur Mittagstafel 'zubereiten zu lassen. Seine Frau fragte ängstlich, ob denn das ginge, daß der Tauschkontrakt ohne ihn fertig gemacht würde. „Es muß gehen. Tu siehst ja, ich kann nicht mehr. Die Kerls find unerträglich mit ihrer Umständlichkeit!" Fran Velten schickte einen Seufzer zum lieben Gott um Erleuchtung ihres Gatten in dieser Geschäftsangelegeit- yeit . Und dann war sie ängstlich um seine körperliche Pflege bemüht. Tie ungewohnte Anstrengung des Vormittags konnte ihn ja krank machen. Und wenn der Kontrakt abgeschlossen wurde, mußte er doch noch heute mit den Herren aufs Gericht fahren, um ihn rechtsgiltig zu machen. Als die Suppe schon auf der Mittagstafel stand, rief Herr Lehmigke senior nach Herrn Belten. Der Kontrakt konnte nicht ganz ohne ihn zu Ende gebracht werden, es handelte sich noch um einige wichtige Punkte. Herr Velten protestierte. Die Suppe werde kalt, man wolle das bis nach Tisch anfschieben. „Mein bester Herr, lassen Sie man die Suppe kält werden", sagte Lehmigke sehr entschieden. „Ich gehe hier nicht vom Tische weg, bis wir mit dem letzten Pfennig ins reine gekommen ftnb. Hernach schmeckts um so besser." Tie drei verbündeten Herren schienen weder rasende Kopfschmerzen zu haben, noch irgend eine Anstrengung von der Arbeit des Vormittags zu spüren. Sie arbeiteten mit eiserner Energie und Gründlichkeit weiter. Velten überhastete alles so sehr, daß Lehmigke ihn einige Mal selbst auf seinen Vorteil aufnterksam machen mußte. Es war ein Frevel, die gute Suppe und die Pfirsichbowle länger- warten zu lassen, und weil ihm diese geschäftliche Arbeit so verhaßt und langweilig war, gab er in einigen Punkten gegen seine bessere Ueberzeugung nach, nur um endlich zu Ende zu kommen. Dem Mittagsmahl wurde heute nicht die gehörige Aufmerksamkeit geschenkt, denn dre Leipziger Herren hatten es eilig, nach der Stadt zu kommen, zum Abschluß des Geschäfts, sie wollten gleich mit dem Nachmittagszug weiter nach Leipzig. So folgte nach ausgehobener Tafel ein eiliger Ausbruch. Paul Lehmigke hatte aber trotzdem Trautens verweintes, betrübtes Gesicht bemerkt, und er bemühte sich bei Tisch, gegen die Gewohnheit seiner Schweigsamkeit, freundlich und herzlich mit ihr zu sprechen. Er fand wenig Anklang, und beim Abschied sah er sich vergeblich nach ihr um, sie hatte sich nach Tisch mit einer kühlen Verneigung empfohlen und wurde nicht wieder sichtbar. Herr Belten konnte im letzten Augenblick, als die andern Herren schon im Wagen saßen, seine wichtigste Brieftasche ich habe ganz andere Gedanken. Mer man muß alles dem liebelt Gott überlassen. Wie der es fügt, wird es am besten für uns f ein. Betet nur für Papa, daß der liebe Gott ihm hilft." Iknd mit einem Gutenachtkuß schied sie von den Töchtern. „Paulchen", sagte zur selben Zeit Papa Lehntigke zu fernem Sohn in dem gemeinschaftlichen Logierzimmer, „das Gut ist ein schöner Besitz. Da steckt was drin.Wer was ist das für eine Wirtschaft? Siehfte, die Leute verstehen nichts und arbeiten nichts und dann klagen sie über die schlechten Zetten. Sie leben wie die Fürsten, mit Wagen und Pferden, mit Bedienten, Wein und Braten — aber wo svll's Herkommen?" „Tas ist nicht unsere Sache", erwiderte der Sohn kurz, der noch am offenen Fenster eine Cigarre rauchte. Der alte Lehmigke rechnete eine Weile an den Fingern. „Man könnte die Einnahmen schon im ersten Jahre verdoppeln und in fünf Jahren verzehnfachen. Wir bauen natürlich eine Brennerei. Auf der Höhenseite ist leichter Boden — alles Kartoffelland. Der Kuhstall wird verdoppelt — wenn die Niederungen drainiert werden, gewinnen wir ein paar hundert Morgen Wiesen und Kleeschläge, was jetzt alles Sumpfland ist." Paul fetzte sich zu seinem Vater an den Tisch und beide rechneten eifrig. Sie hatten bereits am ersten Tage das ganze Gut übersehen und wußten genau Bescheid. Wo der Vater einen Irrtum beging, korrigierte ihn der Sohn mit scharfer Sachkenntnis, ihm schien nichts entgangen zu sein. Er hatte jeden Schlag Holz und jede Scholle Acker int Kops. Auch in der Wirtschaft hatte er alles beobachtet. Er wußte, daß der Inspektor das Pferdesutter nicht beaufsichtigte und daß die Knechte Korn veruntreuten. Daß unverantivortlich mit den neuen Kartoffeln gewirtschaftet wurde, und daß die Wirtschafterin den Milchkeller nicht verschloß. Als Traute ihn aus dem Hofe umherführte, hatte er mehr gesehen als diese ahnte. „Aber weißt Du, Paul, was das Beste hier in Bran- tikow ist?" fragte Papa Lehmigke plötzlich. Paul wußte es ganz genau. „Tas Beste find die Töchter. Die sind prima Qualität!" Er sah den Sohn scharf an. Dieser schwieg und that einen langen Zug aus seiner Cigarre. „Ueberleg's Dir, Paulchen, überleg's Dir, mein Sohn. Die jüngste, das ist was Rares, ein Kernmädel. Au mir sollst Du keinen Unmenschen finden — wollen nicht auf die Groschen sehen — haben ja selber genug. Mir auch leid, die hübschen Kinder — die Eltern sind ja unklug — mau könnte den alten Leuten ein bischen aufhelfen. Denn, mein Gott, der Mann und Hausbesitzer in Leipzig! Der bringt feine Familie noch tiefer ins Unglück. Ich würde ihm helfen, das Haus wieder an den Mann zu bringen und ein Geschäft dabei zu machen. Dann kann er sich in Ruhe auf den Stuhl setzen und weiter Baron spielen. Wer es ist was schönes um so eine vornehme Bildung und mit so einer Frau stichst Tu alle in Leipzig aus. Aber schlaf erst mal eine Nacht darüber, mein Sohn, schlaf erst drüber." Vater und Sohn Lehmigke begaben sich darauf zur I Ruhe. | Zweites Kapitel. Am folgenden Vormittag lag eine gelvisse Schwüle, der I Druck einer bangen Spannung über dem Herrenhaus von Brantikow. Zuerst zogen sich sämtliche Herren in das Arbeitszimmer toe^rb $UrÜct unb beanspruchten, nicht gestört zu Tie dichten blauen Rauchivolken, in die sie sich hüllten, I Utto das ernste, geschäftsmäßige Gemurmel ihrer Stimmen i hatten etwas bedrückend Feierliches für diejenigen, welche j wußten, daß die Würfel ihres Schicksals dort unter ihnen I geworfen wurden. 8bau Veltens bange Unruhe bewies, daß sie kein unbe- I dingtes Vertrauen in die GeschäststüchtigLeit ihres Gatten setzte, aber sie tröstete sich mit dem lieben Gott und stärkte sich sichtlich au einer Morgenandacht, die sie mit den • Töchtern hielt. Hulde und Traute konnten ihre fröhliche Laune nicht recht wiederfinden. Was gestern noch in weiter Ferne schien, lag heute so I 331 — mit unentbehrlichen Papieren nicht finden und behauptete, sie seiner Frau zum Aufbewahren gegeben zu haben. Frau Velten protestierte, durchwühlte aber dennoch in wahrer Verzweiflung sämtliche Schubfächer ihres Schreibtisches und ihrer Kommode. Die ganze Familie und die Dienerschaft half suchen, man stöberte unter Schränken und Sofas umher, man kehrte alle Winkel um, und Herr Velten sagte endlich, bleich und verstört: er sei ein ^verlorener Mann, gewisse Leute hätten ihm die Brieftasche mit den Dokumenten gestohlen. Im letzten Augenblick allgemeiner Auflösung und Ratlosigkeit kam der Gärtner aitgelaufen, den vermißten Gegenstand in der Hand. Er hatte das Portefeuille im Sande bei den Pfirsichspalieren gefunden, wo es Herrn Belten beim Bücken aus der Tasche gefallen war. Dieser stürzte nun in rasender Eile den übrigen Herren nach in den Wagen, nachdem er seiner Frau die tröstliche Versicherung gegeben, er sei in Schweiß gebadet und werde sich wahrscheinlich den Tod holen auf der Fahrt int offenen Wagen. Ä-au Velten riß d araus einen Winterüberzieher und eine dicke Decke aus einem Schrank, und Graumann mußte mit diesen Umhüllungen dem bereits davonrollenden Wagen nachkeucheu. Trotzdem schwebte sie ib'eit Rest des Tages in entsetz- licher Angst um das Leben des Gatten und versenkte sich vorsorglich in das Studiunt ihres „homöopathischen Leitfadens für Laien", um im Fall eines Unglücks das rechte- Mtttel zur Hand zu haben. (Fortsetzung folgt.) Jttöische Fabeln. Int letzten Heft der Seidlscheu Monatsschrift „Die Gesellschaft" übersetzt H. I. Gramatzki, frei nach den im Mu- habat-t-htndi (I. Shakespear, London, 1817) befindlichen Orrgtnalen eine Reihe altindischer Fabeln. Einige aus dieser Sammlung sind so hübsch, daß wir sie unferett Lesern als Verspiele mitteilen möchten: Der König und sein Minister. Ein König und sern Minister aßen aus einer Schüssel Datteln. Jedesmal, wenn der König eine Dattel gegessen hatte, schob er den Kern vor den Minister hin, ohne daß dieser es merkte». Als die Schüssel leer war, sagte der König zum Minister: „Du brst ein schöner Vielfraß! Sieh einmal den Haufen Kerne vor Dir an!" Der Minister antwortete: „Majestät, Ihr seid der Vielfraß, denn Ihr habt die Datteln samt den Kernen gegessen!" Der Oelmann und der Student. Ein Student kam einmal zu einems Oelmanne (Oelverkäufer) und sah, daß dessen Ochse am Halse eine Glocke trug. „Was für em eit Zweck hat das?" fragte der Student. Ter Oelmann antwortete: „Durch das Geläute finde ich heraus, wo der Ochse sich befindet." Der Stttdent sagte: „Aber wenn der Ochse, auf einem Fleck bleibend, sich schütteln würde, sodaß es immerfort lautet, was wäre dann herauszufinden!?" Der Oelmann antwortete: „Mein Ochse ist kein Student." Die sechs Brote. Ein Schulmeister kaufte täglich sechs Wecken Brot. Da fragte ihn einmal ein Bekannter: „Sage mir, lieber Freund, was brauchst Tu beim immer, sechs Brote?" Der Schulmeister antwortete: „Eines für mich selbst, ein anderes werfe ich weg, aber es kommt wieder; zwei leihe ich her, und mit den übrig bleibenden zweien bezahle ich meine Schulden." „Erkläre Dich deut-! licher" entgegnete der andere, „ich verstehe Dich nicht." „Nun", sagte der Schulmeister, „ein Brot esse ich ein Brot gebe ich meiner Schwiegermutter, zwei meinen Kindern zwei meinen Eltern." GemernnÄtzrgss. Die Bekämpfung der Fliegenplage ist nur dann Mit Erfolg möglich, wenn man die Ursachen beseitiqt d. h. den Fliegen nicht Gelegenheit zur Eierablage und mr ®nttoufelung gießt Von den Bekämpfungsmitteln kann man sich niemals eine genügende Wirkung versprechen, wenn die eigeiitlichen Ursachen, die da besonders auf dem Lande unbedeckte Abortanlagen und Miststätten sind, unberücksichtigt bleiben. Die Ansiedelung von Schwalben in Kuhställen, das Anbringen von Fliegengittern an den Fenstern, das Aufstellen von Fangapparten und dergl. sind und bleiben stets nur halbe Maßregeln. Tie Hauptsache bleibt, die Mortgruben mittelst Einstreumitteln, Eisenvitriol, Schwefelsäure, Torfstreu und dergl. zu desinfizieren und ebenso den Stallmist auf der Düngerstätte mit Snperphosphat, Kalisalzen oder Düngergyps zu bestreuen. Auf diese Weise verhindert man die Entwickelung der Fliegenbrut und gleichzeitig wird der Dünger verbessert, sodaß die Zersetzung desselben verhindert wird. —x. Einen lebenden Barometer hat fast jede Gärtner in feinem Garten,sei es, daß er sich einen Laubfrosch hält oder sich nach dem Gebühren einer Kreuzspinne, einer Kröte oder nach den Vorgängen an irgend einer Pflanze richtet. Wenig bekannt, weil man ihn wohl seltener findet, ist der Blutegel als Wetterprophet. Er wird in eilte Flasche, die man halbvoll mit Wasser füllt, gethan und die Flaschenöffnung mit einem Stückchen Gaze verbunden. Liegt der Blutegel ruhig und zusammengerollt am Boden, so ist sicher auf schönes Wetter zu rechneu, gießt es dagegen Regen, so kriecht er an der Flaschenwand empor. Wenn Sturm i'm Anzüge ist, wird der Blutegel unruhig und macht schnelle krampfartige Bewegungen. Ohne Zweifel ist, nach dem „Praktischen Wegweiser", Würzburg, der Blutegel ein ebenso zuverlässiger Wetterprophet, wie der Laubfrosch. —r. A k r o ft i ch o n. Nachdruck verboten. Von jedem der nachfolgenden Wörter ist durch Umwandlung des Anfangsbuchstabens ein neues Wort zu bilden. Sind die richtigen Wörter gefunden, so bezeichnen deren Anfangsbuchstaben im Zusammen. Hang ein für die europäischen Staaten wichtiges politisches Ereignis. Rand, Enkel, Tanten, Bier, Pose, Engel, Ohr, Galle, Riegel, Wanne, Fuge, Hagel, Name, Gran, Base, Feder, Wand, Aller, Gabel, Ostern. ' (Auflösung in nächster Nummer.) Auslösung des Scherzrätsels in vor. Nr.: Estrich — st — Erich. Wre ziehe ich mich für die Reise an? Bearbeitet und mit Abbildungen versehen von der Internationalen Schnittniannfaktur Drcsden-N. Reichhaltiges Modenalbum und Schnittmusterbnch zu 50 Pfg. daselbst erhältlich. , stt eine durch die Erfahrung genugsam bekannte Thasiache, daß eine Dame ihren Reiseanzug nie praktisch und zugleich sorgfältig genug wählen kann, sodaß also der Zweckmäßigkeit, zugleich aber der Kleidsamkeit in gleichem Grade die gebührende Beachtung gezollt wird. Es thut nicht gut lediglich die praktischen Eigenschaften ins Auge zu fassen, ohne an das gute Aussehen zu denken, denn man erwartet nun einmal von den Vertreterinnen des schonen Geschlechts die gefällige, anmutige Form. Daß man diesen beiden Anforderungen recht gut zu gleicher Zeit entsprechen kann, darüber wird unser Bericht genügende Orientierung bieten. Als oberster Grundsatz diene bei Auswahl des Materials, das Beste als gerade gut genug anzusehen, nur wirklich gute Stoffe sind schön und zugleich praktisch, d. h. widerstandsfähig gegen Staub, Regen und alle anderen Einflüsse, denen sie auf Reisen nur zu leicht ausgesetzt sind. Aus gleichen Gründen wähle man eventk. Besatz möglichst einfach und haltbar, weshalb aufgesteppte Blenden und Borden, von denen die Mode eine außergewöhnlich große Auswahl liefert, am meisten zu empfehlen sind, wenn anders man nicht einfach die zwar schon jahrelang bekannten, aber immer wieder modernen abgesteppten Kanten vorzieht. Am modernsten und freundlichsten dürften jedoch die Garnituren fein, welche sich von selbst bet den neuen Reversible-Stosfen bieten, deren Rückseite in leuchtenden Farben, oft auch in forcierter Musterung gehalten sind und die int wirksamen Kontrast zur einfarbig, dunkel gehaltenen Vorderseite stehen. Als Revers, Aermel-Auf- schlag und Rockbesatz verwendet, gießt sie dem Ganzen, bei allen praktischen Eigenschaften doch ein elegantes Aussehen. Nächst dem Material ist die Fa-on des Anzuges das- 332 Abbildung 1. Abbildung 3. Abbildung 2. - Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schcn UniversitSts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch Erben) in Gießen. Redaktion: I. V.: R. Dittmann. mehr oder minder reich ausgestattet, jedem Geschmack Rechnung tragen. ^^ilung für sich bilden die zu den Jackenlostümen gehörenden Röcke, welche unter allen Umständen so schlicht wie möglich gehalten sem müssen und schon aus diesem Grunde nicht bet allgemeinen Mode mit ihren Volants und sonstigen Garnituren folgen können. Ein glatter, nach unten weit ausfallender Schmit, eventl. mit geschweiften Nähten oder einfachem, angesetztem Serpentinevolant ist das einzig richtige. Dazu tst eine mäßige Länge geboten und jede Schlepp-enverlängerung wegzulassen, denn diese würde ihren Zweck, dte Eleganz dev Anzuges zu erhöhen, in diesem Speztalsalle vollkommen verfehlen, da sie entweder immer gerafft werden muß, oder immer schmutzig sein wird; beides ist weder elegant noch schön und außerdem unbequem. Im Gegenteil können wir berichten, daß die Blöde jetzt endgiltig den stark gekürzten, also fußfreien Rock angenommen hat, und daß die neuesten und elegantesten Modelle für Reisekleider in dieser Länge gehalten sind. Natürlich stellen diese Röcke erhöhte Anforderungen an die Eleganz des Rockschnittes, welcher von vornherein unter Berücksichtigung der kürzeren Länge hergestellt werden muß. Die üblichsten Fehler an den fußfreien Röcken sind zu wenig Weite, besonders vorn ungleichmäßige Abrundung und zu dünner Stoff. Alles das läßt den fußfreien Rock sehr leicht unelegant und ungraziös erscheinen und muß daher sorgfältig vermieden werden. Dazu kommt noch, daß man vielfach der Meinung ist, auf Reisen wären alte, ausgetretene Schuhe das einzig zweckmäßige Selbstverständlich tragen diese nie zur Erhöhung der Eleganz der. Beim fußfreien Rock jedoch können sie einen sonst eleganten Anzug .direkt verunzieren, weshalb das Schuhwerk ttt diesem Falle mit besonderen Sorgfalt auszuwahlen ist, Frauen, welche wünschen, die Kleidung für fich und die Familie bei möglichst mäßigen Aufwendungen nach individuellem Geschmack selbst herzustellen re;p Herstellen zu lassen, finden zur vollkommenen Errerchrmg dieses Zweckes in dem Reichhaltigen Modenalbum und chnit^ Musterbuch der Intern. Schnittmanufaktur Dresden, (Preis nur 50 Pf.) eine wertvolle Hilfe. Nicht nur, daß diese- große Album mit vielen 100 Modellen eine umfassende Uebersicht der modernen Frauenkleidung, sowie allerlei Ratschläge für die Praktische Schneiderei Pretet, sondern es steht mit demselben auch der große Vorzug in Verbindung, daß von allen Modellen dre sorgfältig au^ probierten Schnitte zu sehr tnäßigen Preisen erhältlich sind. Die Frauenwelt ist, wie viele Hunderte wärmster Anerkennungen in jeder Saison beweisen, von dieser praktischen Einrichtung und von der leichten Verwendbarkeit und dem vorzüglichen Sitz dieser Schnitte geradezu entzückt, und jede Dame, dte damit einen Versuch machte wird sicher gute Erfahrungen machen. , bündchen wurden. Die oberhemdartig in Fältchen gesteppten Vorderteile werden jetzt zierlicher mit gleichmäßigen Fältchen, Zwischensätzen und dergl. ausgestattet, und die steifgestärkten Leinenkragen ersetzt man durch breite um den Hals gelegte Bänder, deren lange Enden vorn zu zierlichen Schleifenarrangements geordnet werden, wie Abbildung 3 zeigt. An Stelle der schlichten Matrosenhute schließlich hat die Mode dte kleidsame dreieckige Marquissorm/ wie Abb. 1 zeigt, gesetzt, welche der geringen und einfachen Garnitur halber, die sie benötigt, wohl ebenso, praktisch sein dürfte, als jene. Man sieht hieraus, daß die Mode, ttt Bezug auf den Reiseanzug durchaus nicht einförmig ist, denn neben all■ diesen Neuerungen, bestehen die vorjährigen Formen un- geschntälert zu Recht und zwar in zahlreichen Variationen/ so daß wohl für jeden Geschmack und jedes Alter Passendes zu finden ist. So lieben z. B. junge Mädchen, besonders wenn sie eine gute Figur besitzen, immer noch sehr dte koketten Bolerojäckchen, wie ein solches mit Abb. 1 veranschaulicht wird, denn es bringt ein hübsches Kragenarrangement oder eine elegante Bluse am ehesten zur Geltung. Aeltere Damen dagegen sind dem Sackjackett auch in diesem Jahre tren geblieben (siehe Abb. 2), da es nicht nur bequem, sondern auch für eine weniger regelmäßige Figur am vorteilhaftesten ist. Außerdem gtebr es noch eine Menge von Jackenformen jeder Art, welche^ tenige was ihm seine mehr oder minder zweckmäßigen Eigenschaften verleiht, und wir können es uns nicht verhehlen daß die Mode bei Bestimmung derselben doch stark nach der Männerkleidung hinübergeblickt hat, wie dte nähere Ansstattnng der für die Reise hauptsächlich m Frage kommenden Kleider leicht erkennen läßt. Beweis dafür sind die direkt der Herrenmode entlehnten Sackpaletots mit Herrenrevers, die, den Männerhemden nachgebildeten Dlonsen mit steifen Leinenkragen und Manschetten, sowie die Schlipse, ferner die schmucklosen Matrosen- und 'Chasseurhüte, welche zwar nicht mehr das Neueste auf diesem Specialgebiete, aber doch noch sehr beliebt sind. Und dennoch zeigt sich auch bet allen die,eu der Herrenkleidung entlehnten Formen das der Frauenmvde nun einmal eigene Bestreben zu wechseln und zu variieren und das Bekannte umzumodeln und zu erneuern. Auch gegenwärtig kann man das wieder feststellen. Dte schmalen Umlegekragen und Revers haben sich zu breiten Schulter- kraqen umgewandelt, welche sich nnittels geschweifter Nahte in graziöser Form der Schulterlinie anpassen. Die Sackpaletots werden zum großen Teil von dem Blusenjackett verdrängt, für das besonders die liebe Jugend eine ganz besondere Vorliebe an den Tag legt. Auch die Hemdbluse hat Wandlungen durchgemacht, welche sie nicht weniger praktisch, aber doch weniger männlich erscheinen laßt, indem die Hemdärmel zu Blusenärmeln mit weichem Stoff-