1902, — Nr. 35. \ A Mittwoch den 5. März. 1 k. in Eigen zu besitzen, das ist gut, Sei es im Hanse, sei'S im Herzen. In allen Leiden macht eS Mut Und ist ein Trost in allen Schmerzen; Zu neuem Leben ist'S der Keim! Wer'S nicht vermißt in heitern Tagen — Wenn'S finster wird, wohl ihm, kann er dann sagen: Jetzt geh' ich heim. Trojan. (Nachdruck verboten.) Ein verhängnisvoller Ring. Novelle von E. tz a i n b e r g. (Fortsetzung.) Leutnant von Loßberg hatte den kleinen Raum, in welchem sein kurzes Gespräch mit Hella einen so unerwarteten und für ihn völlig unbegreiflichen Abschluß, gefunden, nach kurzer Zeit ebenfalls und zwar auf eine etwas ungewöhnliche Art verlassen. Hella unmittelbar zu folgen, wäre wohl für ihn das richtigste und in der Gesellschaft am wenigsten auffallende gewesen, aber viel zu sehr von dem unbegreiflichen Benehmen Hellas in einen unberechenbaren Zustand versetzt, kam er erst nach längerer Zeit zu dieser Erkenntnis. Um nun den spöttelnden Blicken jener, die ihn das kleine Kabinett hatten betreten und Hella so stürmisch hinauseilen gesehen, zu entgehen, hatte er sich kurz entschlossen auf die Brüstung des zwar etwas hochgelegenen Parterrefensters geschwungen, ein Sprung in den Garten brachte ihn wohlbehalten ins Freie. Halb bewußtlos rannte er hier eilte zeitlang umher, nur bemüht, das Chaos iit seinem Innern zu ordnen, seine fiebernden Pulse zu beruhigen. Als ihm das leidlich gelungen, betrat er wieder das Haus, ordnete im Vorsaal seine etwas in Unordnung geratene Toilette, und mischte sich alsdann scheinbar unbefangen toieber unter die Tanzenden, allein einem aufmerksamen Beobachter würde wohl die fieberhafte Hast, die in allen seinen Bewegungen lag, nicht entgangen sein. . Dennoch hielt er aus bis ans Ende. „Nur nichts merken lassen, nur den Leuten keinen Anlaß zum Reimen und Klatschen geben" waren die fast krankhaft sich immer wieder vordrängenden Gedanken. Endlich fand er sich wieder zu Haus. Todmüde, wie vor übergroßer, körperlicher Anstrengung, warf er sich auf sein Lager. Nun mochte der Schlaf kommen, nur nicht wachen, kein Grübeln und Denken! Dieser Wunsch war es auch, der für die Folge all sein Thun beeinflußte. Nur nicht zur Ruhe kommen, nur nicht tunt Nachdenken über gewisse, ihm doch nie faßbare Dinge! Und um jeder ferneren Begegnung mit Hella auszuweichen, welche durch die beiderseitigen gesellschaftlichen Verhältnisse nicht zu umgehen gewesen wäre, kam er um seine Versetzung nach einer entfernten Provinz ein, die denn auch in kürzester Frist erfolgte, und lange, bevor Hella wieder in das Vaterhaus zurückkehrte, hatte sich dieser Wechsel vollzogen. Hella wußte davon noch nichts. Weder in den Briefen ihres Vaters, noch in denen Frau von Dettmars hatte der Name Loßbergs Erwähnung gefunden, und Käthe Horst, die einzige ihrer Freunbinncu, mit welcher sie einen Briefwechsel unterhielt, hatte in dieser Zeit viel zu viel mit sich selbst zu thun, als daß ihr viel Zeit und Gedanken für andere übrig geblieben wäre. Sie hatte sich nämlich vor kurzem mit einem noch jungen Rechtsbeflisfenen verlobt, und war daher vollauf mit ihrem jungen Glück, das noch den Reiz der Neuheit für sie hatte, beschäftigt. Heute war sie zu einem Plauderstündchen gekommen, um eben dabei rr Freundin die Vorzüge des Geliebten in allen möglichen Beleuchtungen zu schildern. Hella war eine geduldige Zuhörerin, sie unterbrach die junge, glückliche Braut mit keiner Silbe, aber ihre Gedanken machten doch zuweilen Seitensprünge, sodaß sie der Freundin oft ganz zerstrente Antworten gab, wenn Käthe einmal ihre Ansicht hören wollte. „Aber, Hella", sagte diese endlich lachend, „Du hörst ja gar nicht zu, wo sind! denn Deine Gedanken?" Hella zuckte zusammen, als sei sie auf einem Unrecht ertappt, ihr bleiches Gesicht rötete sich für einen kürzen Moment. Käthe beobachtete das alles, nnd machte sich dabei ihre eigenen Gedanken. „Offen gestanden", sagte sie, als Hella keine Erklärung gab, „hatte ich erwartet. Dich ebenfalls als Braut begrüßen zu können. Loßberg und Du, ihr schienet doch auf dem besten Wege zu einer Verlobung zu sein." „Täuschung! Vorläufige Kombination!" sagte Hella abweisend. „Wohl nicht so ganz, wie mir scheinen will, Liebste. Tein Wesen ist völlig verändert. Früher kannte man diese Schwermut, ivelche Dir jetzt anhaftet, nicht. Hat die Fremde das verschuldet, oder hast Du Loßberg eine Antwort gegeben, welche Du jetzt bereust, nachdem Du gesehen, wie ernst er sie genommen, so ernst, daß er den Ort floh, wo er Dir zu begegnen fürchten mu.ßte?" „Tu sprichst in Rätseln, Käthe, ich verstehe Dich nicht", erwiderte Hella, indem tiefe Blässe ihr Gesicht bedeckte. „In Rätseln, sagst Tu? Sollte es Dir so unbekannt sein, daß Loßberg schon vor Monaten sich von hier versetzen ließ?" Hella atmete schwer auf, deunoch wollte der furchtbare Truck, der sich bei der unerwarteten Neuigkeit auf ihre Brust gelegt hatte, nicht weichen. — Loßberg fort, nie wurde sie ihn Wiedersehen. — , , TL , , Hellas Betroffenheit konnte Käthe nicht entgehen. ,,Da habe ich was schönes angerichtet", dachte sre bei sich. „Aber — 138 toie konnte ich ahnen, daß Hella so schwer darunter leiden würde. Sie, die Gefeierte, Umworbene, sollte an unglücklicher Liebe leiden? Warum hatte sie ihn denn abgewiesen? Tenn, daß sie dies gethan, stand bei ihr fest. Wie hätte Loßberg sich sonst zurückziehen können? Sollte vielleicht Hellas Vater in Loßberg nicht den erwünschten Schwiegersohn erblicken, vielleicht, weil er nicht reicher war?" Tas könnte sein. Deshalb auch Hellas lange Abwesenheit, tza so, und nur auf diese Weise war der Bruch zu erklären. „Arme Hella", dachte sie, „welch beneidenswertes Los habe ich dagegen gezogen." Toch warum hatte sich Hella dem so duldsam gefügt, sie selbst würde das nicht gethan, sie würde das Recht ihrer Liebe behauptet haben. Und dann, um Hella auf andere Gedanken zu bringen, fragte sie: „Du kommst doch morgen zu Saarstedts?" „Ich weiß noch nicht", gab Hella zurück. „Aber warum den« nicht? Sei doch wieder die alte, fröhliche Hella, die jedermann bezauberte." Hella autwortete nicht sogleich, dann nach einer Weile: ,,Ach, das Leben ist doch viel zu ernst, als daß wir es nur so im Trubel nichtssagender Vergnügungen hinbringen sollten." „Hella, Hella!" rief Mthe in komischer Verzweiflung, „ich kenne Dich nicht wieder. Sag', hast Du bei Deiner Tante diese trübe Weltanschauung gelernt?" Hella schüttelte abwehrend den Kopf. „Durchaus nicht, aber es kommen Zeiten, wo man über die Aufgaben des Lebens tiefer Nachdenken lernt, und da sagt man sich, daß unsere Lebensaufgabe doch in etwas anderem zu suchen ist, als in immerwährender Lust und Freude. Wir Töchter der wohlhabenden Stände leben überhaupt viel zu sehr ohne den rechten Ernst, ohne Pflicht, nur darauf bedacht, der Augenblickslaune zu genügen." „Aber um des Himmel--, willen, Hella, was willst Du denn beginnen, willst Du vielleicht barmherzige Schwester werden. Dich zur Krankenpflegerin ausbilden?" „Spotte nicht", mahnte Hella ernst. „Der schlechteste Beruf wäre das nicht. Dennoch, denke ich, kann man sich auch anders noch nützlich machen, und segenbringend wirken; denn jene Stellungen, die zugleich eine Versorgung bedeuten, will ich meinen minder begünstigten Mitschwestern überlassen." „Aber es giebt noch andere Not zu lindern, Not und Elend im tief verborgenen Winkel, wohin weder das Auge der barmherzigen Schwester, noch das der Krankenpflegerin dringt." „Aber das versteht sich ja von selbst, Hella, daß wir Uns der Armen annehmen, meine Eltern geben regelmäßig ihre Spende." „An die Sammelstellen", erwiderte Hella. „Ja, weißt Tu denn so gewiß, daß es dann gerade die Bedürftigsten find, die Deine Wohlthat genießen? Die verschämte Armut wagt sich nicht an die Oeffentlichkeit, und diese gerade ist es, die meist am schwersten mit dem Leden ringt." „Aber wie willst Du das anfangett, Hella, gerade die Bedürftigsten zu treffen? Man wird Deine Güte mißbrauchen." „Jede in Wirklichkeit getrocknete Thräne wird diesen Mißbrauch tausendfältig aufwiegen." „Hella, Du steigst heute riesengroß vor mir empor. Bisher liebte ich in Dir die Freundin, die gleichgestimmte. Heute sehe ich die Heilige in Dir, die sich hoch über unsere Alltäglichkeit emporhebt." „Sei nicht thöricht, Käthe! Ich bin durchaus keine Heilige, und werde es nie werden. Ich suche mir nur einen Pflichtenkreis, ohne den kein Mensch, will er gesund an Leib und Seele bleiben, für die Dauer leben kann." „Wird Dein Vater mit Deinem Vorhaben einverstanden sein?" „Er billigt dasselbe und hat mir bereits zum Beginn meines Werkes eine nicht unbedeutende Summe überwiesen." „Wie eigentümlich sich doch unsere Wege unterscheiden, Hella. Du, die Vielgefeierte, Beneidete, deren Lebensweg bestimmt schien, auf sonniger Lebenshöhe zu verlaufen, erwählst aus freien Stücken eine Aufgabe, welche Dich fortwährend mit den Nachtseiten des Lebens in Berührung bringen muß, während mir ein unverdientes, sonniges Glück $lt teil wurde." Ter Himmel bewahre es Dir, Mthe." — — Hella hatte ihr Vorhaben ausgeführt und sich in den Dienst der Ringenden und Elenden dieser Welt gestellt. Es galt doch wohl manche Schwierigkeit zu überwinden, um aus die rechte Art und am rechten Orte Gutes zu wirken,, aber Mut und Ausdauer halfen ihr auch darüber hinweg. Sie ward die geheime Helferin und Wohlthäterin derer, die da im geheimen mit der Not des Lebens zu ringen haben/ und die vergebens nach der rettenden Hand aussehen, oder aus Scheu und Stolz die Hilfe anderer nicht zu erbitten! wagen. Ihr selbst ward ihr Thun zur Wohlthat. Sie hatte Leid erfahren, und glaubte, an der Menschheit verzweifeln zu müssen. Aber an der Menschheit in ihrem Elend undi Jammer richtete sie sich wieder auf; sie erkannte die reinigende Kraft des Leids, welche uns aus der Erdennot hinauf zur Gottheit führt, hinweg aus der Endlichkeit der Tinge, zu dem, was ewig bleibt. „Hella, Liebste! Finde ich Dich einmal daheim!" Mit diesem Jubel flog Mthe der Freundin in die Arme. „Schon dreimal war ich hier, ooch ohne Dich zu treffen." „Meine Zeit ist jetzt sehr in Anspruch genommen", erwiderte Hella mit leuchtendem Blick. „Du fühlst Dich befriedigt?" „Ja, denn ich habe etwas, das mein Denken und Fühlen voll in Anspruch nimmt. Jeder Morgen erinnert mich, daß neue Pflichten meiner warten, deren Versäumnis für manchen eine herbe Enttäuschung sein würde, wenn nicht noch schwereres." „Weißt Du, Hella, daß ich durch Dein Beispiel angefacht, das Leben jetzt ebenfalls ernster auffasse? Auch mich hat das Nachdenken gelehrt: Nicht nur zu Glück und Freuden sind wir geboren. Auch dem unter den glücklichsten Voraussetzungen geschlossenen Lebensbund werden die dunklen, sonnenlosen Tage nicht fehlen. Und diese würdig zu tragen, dem erwählten Lebensgefährten in jeder Lebenslage treu zur Seite zu stehen, das ist der ernste Vorsatz und das Ziel, das ich zu erringen strebe, und ich hoffe zum Schöpfer, daß er mir dabei seinen Beistand leiht." „Tas wird er, Käthe, sobald Du das rechte Wollen nicht verlierst." „O, ich will meinem Vorbilde schon Ehre machen"/ lächelte Käthe heiter und siegesgewiß. „Und was mich so überaus glücklich macht, ist, daß ich darin mit meinem Verlobten völlig übereinstimme, er sagt: ,Die Freuden des Lebens sind dazu da, uns aus dem Alltagsleben einmal herauszuheben, damit es uns nicht unterkriegt. Doch nicht zur Gewohnheit oder täglichen Bedürfnis sollen sie werden.' Ist das nicht schön?" „Ich freue mich mit Dir Eurer Uebereinsti mmun g. Toch, entschuldige, daß ich Dich nicht schon darum bat, willst! Tu nicht ablegen, und ein Plauderstündchen mit mir halten?" „Gern, wenn ich nicht störe." „Für heute ist mein Tagewerk vollendet." „Reizend!" jubelte Mthe, indem sie mit Hilfe der Freundin sich ihrer Oberkleider entledigte. Bald sitzen die Freundinnen in weniger ernstem Gespräch traulich beieinander. Tie Spiritusflamme unter dem Theekessel leuchtet auf, und das Wasser fängt an, zu summen. Es ist so still und heimlich, so überaus wohlig im Gemach. Hella hält Käthe die Kuchenschüssel entgegen. „So greif'- doch zu, ich kann Dir dieses Gebäck wirklich als vorzüglich empfehlen." Käthe thut, wie die Freundin wünscht. „Danke." Hellas Blick wird plötzlich starr, ihre Augen weiten sich in Äitsetzen und ruhen auf Käthens Hand, die eben ein Stück jenes knusperigen Gebäcks zum Munde führt. (Fortsetzung folgt.) Bauernschmuck. Von A. L. Plehn. (Nachdruck verboten.) Mit dem wiedererwachten Sinn für künstlerische Formen überhaupt hat auch das Interesse an volkstümlichem Schmuck in der letzten Zeit einen merklichen Aufschwung genommen. Es ist nicht mehr selten, daß die Damen sich aus der Sommerfrische in Oberbayern einen silbernen Miederaufputz mitbringen, den sie dann ihrer modischen Tracht anpassen. Mehr als diese jprtbate Sammelthätigkeit dienen die Bestrebungen von Vereinen dazu, mit anderen künstlerischen Zeugen vergangener Zeiten auch den Schmuck, wie er sich 139 noch in Händen begüterter Bauernfamilien befindet, vor dem Untergange zu bewahren. Denn man verhehlt sich nicht, daß ohne ein systematisches Aufkäufen und Einreihen in Museen, diese Schätze dem Untergänge geweiht wären, da die Industrie alle Wolkskreise mit billigen Erzeugnissen versorgt, die, obschon meist künstlerisch minderwertig, willig aufgenommen werden, weil sie dem Ausgleichungstrieb entgegenkommen. Denn der Dörfler will'sich nicht mehr von dem Städter unterscheiden, nun er mit ihm durch reichliche vermehrte Verkehrswege in lebhaftere Beziehung gebracht wird. Auch wurzelt er selbst nicht mehr so fest an der Scholle, um daraus eine wirkliche Anhänglichkeit an ererbte Gewohnheit und Tracht herzuleiten, und so dürfte es mit einer besonderen Volkskunst und darum auch mit dem eigentlichen Volksschmuck ein Ende haben. Die ererbten Stücke werden geringer geachtet, ja sie werden gar nach dem Materialwert verkauft und umgearbeitet. Aber gerade darum haben die Beispiele, welche glücklich gerettet und in Museen sicher untergebracht sind, einen besonderen Wert als Ueberreste einer Vergangenheit, in der noch die einzelnen Landschaften Deutschlands ihre streng gesonderten Sitten hatten. Was das Material betrifft, so gleichen sich zwar die Erzeugnisse der verschiedenen Gegenden sehr, obgleich auch die ausnahmsweise Bevorzugung bestimmter Stoffe an gewissen Orten vvrkommt. Und auch die Technik ist im wesentlichen in den deutschredenden Landstrichen die gleiche. Natürlich, es müssen die einfachen Verfahren sein, welche anfänglichem Können und ursprünglichem Handwerkszeug gelingen sollen. Unter den Materialien steht das Silber obenan, aber auch das Gold kommt vor. Zur Verzierung wird das Metall mit farbigen Steinen besetzt, Blau, Rot und Grün herrschen vor, in durchsichtiger Klarheit, doch findet sich ausnahmsweise undurchsichtige Einlage. So wird in Württemberg Malachit zu Kreuzsormen zusammengestellt als Anhänger, und in der Schweiz ist Perlmuttermosaik wiederholt anzutreffen. Besonders häufig sind aber in Bayern und ebenfalls in der Schweiz kleine, runde oder kreuzförmige Einlegeplatten aus Thon mit farbiger Bemalung. Diese stellt in der Regel den Gekreuzigten oder ein Heiligenbild dar, und die Scherben dienen dann in ihrer Metallfassung als Anhänger. Perlen finden sich im ganzen selten, sie prangen in der Regel als Mittelstück zwischen farbigen Steinen. Die Kostbarkeit mag das seltene Vorkommen erklären. Dagegen wird auch das geringwertige Material nicht verschmäht, wenn es sich nur durch zierliche Anordnung als Schmuck zu empfehlen weiß. So finden sich in der Schweiz fein gearbeitete Metallschildchen durch mehrfache Perlenketten aus Rubinglas zu einem Halsschmuck verbunden, und in Litauen werden mit Hilfe von Nadel und Faden eine Art Bänder in Glasperlenmosaik hergestellt. Auch Mascheugeschlinge reihten sich vielfach an einander zwischen farblos durchsichtigen und Milchglasperlen . Eine andere Zusammenstellung zeigt Schwarz, Gold und Grau als direkte Farbenharmonie, eine bescheidene Zier für Handgelenk oder Hals. Endlich sind noch die Bernsteinketten zu erwähnen, die als Perlen sehr großen Umfanges sehr häufig nur oberflächlich geglättet, oder auch mit ziemlich vollkommenem Facettenschliff getragen werden. Merkwürdigerweise sollen diese mit ihrem lebhaften Gelb besonders auffälligen Geschmeide als Abzeichen der Trauer im Gegensatz zum Metallschmuck angesehen werden. Von dieser Art und Farbe ist das Material. Und so wie es sich vorfindet, wird es auch verwendet. Ein Färben der Metalle kommt nicht vor, wie es doch die berufsmäßige Juwelierkunst so geschickt ausübt. Da ist nur das gelbe Gold und das weißgraue Silber, und besonders das letztere nimmt mit der Zeit eine recht unscheinbare Farbe an. Bei der Fülle von Kröpfen und Behängen, die zu den meisten regelrechten Bauerntrachten gehören, liegt aber eher ein Vorzug in dem Umstande, daß das Metall mit den Jahren weniger auffällig wird. Manche Liebhabersammler aber mögen sich mit den zurückhaltenden grauen Schattierungen nicht zufrieden geben, und kommen fleißig mit Putzlappen und Silberseife über chre aufgespeicherten Schätze. Das blinkt dann in solcher Sammlung ganz protzig unfein, und die künstlerische, aber manchmal etwas derbe Arbeit kommt bei dem hellen Glanz in nicht gerade vorteilhafter Weise zur Geltung. Ich sagte schon, daß die Technik sich bei diesen Arbeiten überall auf einfacher Stufe gehalten hat. Aber sie entbehrt an manchen Orten keineswegs großer Zierlichkeit. Die Gußtechnik wird geübt, wenn auch nicht häufig. In der Mehrzahl der Fälle wird das Metall in Gestalt von Blech oder Draht verarbeitet. Für das Blech besteht die Verzierung entweder in Treibarbeit, die sich häufig auf einfache, reihenweise angebrachte kleine Buckelungen beschränkt, oder in Gravierung, die oft in bescheidener Linienzeichnung auftritt. An einer besonders zierlichen goldenen Halskette schlesischen Ursprunges schien mir auch Aetzung angewendet zu fein. Der Draht findet für die sogenannte Filigranarbeit Verwendung,' die Lieblingstechnik jedes Bauernschmuckes. Die feinen, um einander gewundenen Silberdrähte werden mit der Zange in künstliche Schlingen und Windungen gebogen. Ihre Gebrechlichkeit bedarf natürlich eines festen Halles, den ihnen entweder eine Einfassung durch stärkeren Draht gewährt, in welchem das feine Gespinst schwebend angelötet wird, oder dieses legt sich fest auf eine schützende Metallblechunterlage. An den reich verzierten Haarpfeilen Süddeutschlands und der Schweiz erscheint das Silberfiligran in der Regel auf vergoldeter Fläche und erhält durch hellblaue und rote Steine eine besondere Munterkeit. Die krause Zierlichkeit des Filigrans wird besonders wirkungsvoll gehoben, wenn sie zu dem glatten Metall in Gegensatz gebracht wird. Schon die Metallfläche des Grundes, die zwischen den Zwischenräumen der Maschen hindurchblickt, thut in dieser Richtung ihre Wirkung. Aber noch eindrucksvoller macht sich auf höchst einfache Weise das glatte Metall neben dem gewundenen geltend, wenn die Auflage, wie es im Hannöverschen üblich ist, nicht den ganzen Grund zudeckt, sondern rings am Rande einen mehr oder minder breiten Streifen frei stehen läßt. Diese Anordnung wird gleichzeitig der Haltbarkeit des Schmuckes dienlich sein, welche umsomehr gefährdet ist, je näher die feinen Drähte mit den Geweben der Kleidung in Berührung kommen. Aber noch in anderer Weise tritt das glatte Metall zum Filigran in Gegensatz, und Avar vielfach in den norddeutschen Landen als kleine Auflageplättchen, besonders in Rautenform über dem Fadengeschlinge des Metalls. Gerade in Bezug auf die Güte der technischen Arbeit unterscheiden sich die verschiedenen Landstriche am deutlichsten von einander. Besonders sein sind die Stücke, welche aus Dithmarschen und aus Friesland stammen. Sowohl getriebene Arbeit wie Filigran zeigt dort sehr reiche Muster. In Bayern sind die am Mieder angebrachten Verzierungen ost sehr schwer und umfangreich und noch weiter nach Süden in Tirol herrscht eine etwas plumpe, unbeholfene Metallbehandlung. Der Schmuck wird aus starkem Silberblech in derben Formen ausgeschnitten und ziemlich ungeschickt getrieben. Daneben kommt Gravierung vor. In der Schweiz dagegen findet sich zuweilen wunderbar feine Arbeit. Die Ketten aus Appenzell mit ihren zierlichen, dünnen Gliedern aus Filigran oder gefällig ausgeschnittenem, vergoldetem Metall, die trotz der winzigen Fläche manchmal noch Strichgravierung zeigen, lassen fast an die wunderbaren Geschmeide von Ashbee oder einem anderen modernen Engländer denken. Was nun die Motive der Ornamentik des Bauernschmucks betrifft, so sind sie im ganzen einfacher Art. Außer den gewöhnlichen Reihungen aus Ringen, Rauten, Punkten und Halbmonden finden sich häufig einfache Blatt- und Rankengeschlinge in Treibarbeit oder Gravierung. Im ganzen ist die anfängliche Technik eurer sehr zusammengesetzten Ornamentik nicht förderlich. Unb der gesunde Geschmack dieser Volkskunst hält sich auch absichtlich fern von einem nachdrücklichen Hervorheben der Verzierung. Die Flüchen sollen mehr durch Licht und Schatten belebt als von deutlichen Formen erfüllt sein. So hat es auch die Gerätkunst der Naturvölker stets gehalten. Nur die hochentwickelte Technik kann es wagen, ihren einzelnen Motiven durch Isolierung Wichtigkeit zu geben, sodaß sie sich anspruchsvoll um die Aufmerksamkeit des Auges bewerben. Aber dennoch sind in dem Volksschmuck gewisse Elements einer realistischen Ornamentik enthalten, welche alle einen symbolischen Sinn verraten, wie er ja der Bedeutung des Schmuckes durchaus angemessen ist. Die wichtigste, Rolle spielen die Herzformen, die verschlungenen Hände, weiterhin die Tauben, welche gerade sich noch so zu beiden Seiten eines Baumes gegenüber zu sitzen pflegen, wie im altpersischen Wappenstil die geflügelten Löwen. Daß dis 140 Schnallen gern die Herzform durch einen Metallstreifen umschreiben, mag weniger Symbolik als Ausnutzung der dem Zweck sehr angemessenen hübschen Linie sein. Aber das Herz findet sich auch häufig direkt im Ornament. So auf dem Schild von Verlobungsringen aus Franken. Meist ist es sogar zu zweien angebracht und die Zugehörigkeit ivird mehr drastisch als geschmackvoll durch ein Vorhängeschloß ausgedrückt, welches die beiden zu ewigem Bei- sammensein aneinander schließt. Den gleichen Sinn haben die verschlungenen Hände, welche sich beispielsweise auf einer altjüdischen Brautkette aus der Maingegend vorfinden. Sie füllen das Innere - rechtwinkliger, goldener Schilder, welche untereinander durch doppelte, sehr massive, eng ineinander geschlungene Silberketten zusammengehalten werden . Die vielen Marien- und ändere Heiligenbilder in den katholischen Gegenden gehen schon über das Gebiet der Ornamentik hinaus. Außer den schon erwähnten Tauben kommen auch andere Tiere vor, so ein sehr hübsch aus Silberblech geschnittener Stier mit Gravierung als Bekrönung einer Gürtelschnalle aus dem Kanton Unterwalden. Ändere Ornamentmotive knüpfen an die Bestimmung des Schmuckstückes an. Ich nenne Miederhaken aus Holstein, welche die Form des Mieders selbst im Kleinen nachahmen. Die Knöpfe, welche so überreich auf der Bauerntracht verteilt zu sein pflegen, mehr zur Verschönerung als zum wirklichen Gebrauch, wären ein Thema für sich allein. Sie Iind zuweilen ganz flach und glatt, wenig anders als die lnisormknöpfe. Dann wieder kugelförmig und überreich mit Filigran oder Buckelung verziert, sodaß sie wirklich schlecht geeignet wären, als Verschluß der Kleidung zu dienen. Besonders originelle Exemplare stammen von der Insel Föhr. Als wären sie der Posamentierarbeit nachgebildet, zeigen sie ihre Oberfläche bedeckt von in einander- geschlungenen Bändern, die ihrerseits aus Filigran hergestellt sind. Die moderne Geschmeidekunst hat hier und da an die Zierformen uranfänglicher Stile angeknüpft. Sie wählte die romanische oder altnordische Ornamentik als Anregern! mehr denn als direktes Vorbrld. Sie könnte sich in gleichem Sinne auch bei dem Volksschmuck umsehen, dessen Einfalt sie dem zivilisierten Geschmack zwar nicht zumuten wird, dessen dekorativen Takt sie aber auf alle Fälle wird anerkennen müssen. Unser Garten im März. (Nachdruck verboten.) Im März gehts ernstlich los mit der Arbeit. Wir müssen uns schon sputen und regen, um alles planmäßig in Ordnung zu bringen. Ta heißt es dringend: Veredele alte Bäume um, prüfe neue Sorten, indem Du sie auf ältere Bäume veredelst. Pflanze, aber gieb acht auf den Boden! Auf feuchtem Boden ist Hügelpflanzung dringend notwendig. Gieb acht beim Setzen, damit nicht der später sackende Baum Krankheit und Unlust durch den zu tiefen Sand erhält. D)ie Vorarbeit im Kampf gegen das schreckliche Fusicladium beginnt. Spritzen in Ordnung! Kalk und Kupfervitriol beschafft! Eh' noch die Knospen sich regen, das erste Mal dem Feind eine Douche, damit er an schneller Entwickelung gehindert werde! Ter Schnitt an allen Bäumen ist fertig zu stellen, mangelhafte Namenstafeln sind flink zu ersetzen. Ein letzter suchender Blick fällt auf die Zweige der Bäume, um zu schauen, ob nicht hier oder da Eier des Ringelspinners haften, oder in trockenen, zusammengesponnenen Blättern die Goldafterraupen auf günstige Zeit warten, oder ob mit Stamm der Eierhaufen eines Schwammspinners übersehen wurde. Höchste Zeit ist es, Pflaumensteine zu legen, Apfel- und Birnenkerne auszusäen, auch Pfirsichkerne, Walnüsse vergesse man nicht. . Es werden Weinreben gepflanzt, die jungen Stöcke gleich geschnitten. Alte Weinstöcke sollten im Herbst geschnitten fein! Wo es nicht geschah, rasch ans Werk, dann aber auch die Schildläuse nicht vergessen! Tas Losungswort im Gemüsegarten lautet: Alles graben, die Saatbeete in Ordnung, gepflanzt und gesät, was an der Reihe ist. Und das sind: Zwiebeln, Erbsen, Petersilie, Radies, Salat, Karotten, Möhren, Schwarza- Wurzeln, Spinat, Sommerrettiche. Steckzwiebeln werden gesteckt, die ersten Salatpflanzen, Kohlrabi, Blumenkohl, Wirsing ausgepflanzt, Früherbsen, Frühkartoffeln ebenfalls in den Boden. Wo zur Samenzucht bestimmte Möhren, Sellerie, Petersilie vorhanden sind, heißt es auch diese auspflanzen. Frühbeete werden neu angelegt. Tie alten verlangen stete Bedienung. Sonnenwärme, Luft- lvärme, Entwickelung der Pflanzen, wollen bei der Behandlung beachtet sein. Das Frühbeet ist der erste Gedanke des Pflanzenzüchters, wenn die Sonne hinter den Wolken hervortritt, oder wenn fie hinter denselben verschwindet. Jedesmal ändern sich dadurch die Arbeiten am Mistbeet. Schatten und Luft, gießen und spritzen sind dadurch bedingt, — Mistbeete für die Sommeraussaaten werden bereit gehalten, und dieselben Aussaaten gemacht, welche unten für das Zimmer angegeben sind. Im Zimmer macht die Pflege ebenfalls einen energischen Anlauf um die Schäden des Winters auszubessern, Verluste zu ersetzen, und wieder sommerliche Lebensfreude hervorzurufeu. Sie teilt sich hauptsächlich in drei Arbeiten: In das Stecklingmachen, in das Zurückschneiden der laugtriebigen, blattlosen Gewächse, in das Reinigen und eventuelle Verpflanzen. Die Stecklingszucht setzt ein. mit Fuchsien, Pelargonien, Primeln, Myrten, Gummibaum, Libonien, Phlogine, Passiflora, Tra- descantia usw. Das Verstopfen oder Verpflanzen der. kleinen aus Samen gewonnenen Lobelien, Begonien, Gloxinien, Mimulus, Akazien und ähnlicher Pflanzen beginnt. Tas Einpflauzen der alten Knollen von Begonien, Gloxinien, Tydaea, Canna, Hedychium hat schnellstens zu geschehen. Turch vorsichtiges Zerschneiden der Begonienknollen kann man eine schöne Vermehrung erzielen. Tas Zerteilen der Cannaknollen ist schon des Platzes wegen notwendig. Richtiger Rückschnitt langtriebiger, kahler Pflanzen, sei dies nun Lorbeer, Myrte, Bouvardie, Evonymus, Fuchsie oder Pelargonie, ist wesentlich für die Gewinnung guten Triebes und schöner Pflanzen. Stecklinge, die im vorigen Monat von Chrysanthemum oder Fuchsien gemacht worden sind, bedürfen eines Rückschnittes zum Buschigwerden. Im Zimmer sind zum Schluß schnellstens alle die Aussaaten zu machen, durch welche Pslanzen zur Verschönerung unseres Zimmers oder Gartens herangezogen werden sollen. Das wären Löwenmaul, frühe. Astern, Stiefmütterchen, Marienblümchen, Hahnenkamm, Kornblumen, Rittersporn, Nelken aller Art, Gaillardien, Godetien, Sommerröschen, Strohblumen, Levkoyen, Zier- Tabak, Petunien, Phlox, Scabiosen, Verbenen, einige Ziergräser und manches andere. I. C. Schmidt, Erfurt. Die Seele des Menschen. Bon Prof. Dr. Rehmke. Geh. 1 Mk., geschmackvoll geb. 1.25 Mk. („Aus Natur mtb Geisteswelt." Sammlung wissenschaftlich-gemeinverständlicher Darstellungen aus allen Gebieten des Wissens. 36. Bändchen.) Verlag von G. B.. Teubner in Leipzig. Nichts liegt dem Menschen näher als seine Seele, und bei einem jeden stellt sich das Bedürfnis ein, vom Seelenwesen und Seelenleben, diesem vorerst bekannten Unbe-i kannten, klare Begriffe zu gewinnen, die ihm der sichere Leitfaden seien, um sich selber als seelisches Wesen in feinent eigenen besonderen Leben verstehen und erkennen zu können. Diesem Bedürfnisse sucht der Verfasser in der vorstehenden Schrift gerecht zu werden, indem er das Seelenwesen und! das Seelenleben in seinen Grundzügen und allgemeinen Gesetzen gemeinfaßlich zur Darstellung bringt. Bei der Abfassung derSchrifthatteder Verfasserno ch den besonderen Zweck im Auge, allen, denen das Erziehungsgeschäft obliegt, also den Eltern sowie den Lehrern, einen Führer zuy Seele des Kindes in die Hand zu geben. Auflösung des Ergänzungsrätsels in vor. Nr.: Es ist der Fehler des Jünglings, sich immer für glücklicher oder unglücklicher z» halten, als er ist. Lessing. Redaktion: E. Burkhardt, — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen UniversitätS-Buch- und Steindruckerei (Pietsch Erben) in Gießen.