m WWlMi toi . i Wäl 1902. — Nr. 20. Mittwoch den 5. Februar. er Wille und nicht die Gabe macht den Geber. Lessing. ins Freie. Freundlich, liebreich sprach, sie zu ihr, aber sie erhielt nur verwirrte Antworten, und hörte auf jegliche Frage nach Dimitri einzig die unglücklichen Laute: „Ich weiß nichts!" „Entsetzlich!" seufzte Clarita wieder aus tiefster Seele, und dem unglücklichen Weibe einen Rubel in die Hand drückend, wandte sie sich, schmerzlich ergriffen, von dieser armseligen Stätte ab. Dort war keines Bleibens weder für sie nocb für Feodor, der gleichfalls einige mitleidig« Worte für Nina hatte. „Warum hast Du geweint, Nina?'* fragte er forschend. Sie sah ihn scheu an, antwortete jedoch halb trotzig, halb klagend: „Ich war bei Eudotja Karpowna, sie schalt mit mir." „Besuchst Du sie fleißig?" fragte der Knabe weiter. „ „Nein — stammelte die Soldatka verlegen, „sie zürnt immer." „So hat Eudotja gewiß Grund, wenn sie schilt", entschied der kleine Richter ernsthaft. „Soll die Mutter Dir gut sein, so bleib nicht so lange fern und häng' nicht solchen Flitter nm." Früher sahst Du viel hübscher aus, Nina! Nun komme bald wieder nach Ornatoffsko, ich will Eudotja sagen, daß sie Dich freundlich behandelt." Er nrcrre der Verdutzten altverständig zu, jeder Zoll ein kleiner Bärin. Clarita hatte unterdes ihr Pferd wieder bestiegen. Sie hörte kaum, daß Herr Galuschkin sich mit Jwaz über Pferde und Reiten unterhielt; sie winkte Feodor, und, mit ihm rasch vorausreitend, suchte sie möglichst ruhig zu sagen: „Nun, bitte, erzählen Sie mir noch von. dem armen Dimitri. Wo waren wir doch geblieben? Richtig — Dimitri kam mit Ihrem Bruder aus dem Auslande zurück" — , . „Nein, er kam allein, mehrere Wochen vor Alexts. Ich erinnere mich dessen sehr gut, erwiderte der Knabe, unwillkürlich dem angeregten Gedankengang folgend, „denn Pa- pacha lebte damals noch und war ärgerlich, daß Alexis nur seinen Diener geschickt, statt selber zu kommen." „Aber Ihr Bruder kam doch selber?" „Ja, nur zu spät!" lautete die gedankenvoll gegeben^ Antwort, nach welcher Feodor rasch abspringend, beifügte: „Was Dimitri anbelangt, so ivar er sroh, wieder daheim zu sein, und glaubte, dort bleiben zu können, da sein Herr nach Rußland zurückkehren sollte. Aber der arme Alexis blieb nur wenige Tage in Ornatoffsko. Nach Papachas und Wladimirs Tod eilte er ins Ausland zurück. Alles ging damals furchtbar rasch. Ich selber war krank und so froh, Alexis an meinem Bette zu sehen. Ich hebt; ihn, er war freundlich und gut zu mir, nicht ernst und smster iute Wladimir, der mich kaum beachtete. Alexis lrebte mtch er weinte mit mir um Papacha, er versprach, mit mir aus- zureiten, sobald ich wieder hinaus dürfe, aber o y Wladimir starb, und als ich zum ersten ;Me aus dem Nachdruck verboten. Verschollen. Original-Erzählung von M. Ludolfs. (Fortsetzung.) Den ganzeit Palast der armen Soldatka bildete eine einzige Stube nrit drei winzigen Fensterchen und einer Thür, durch die tiiciit direkt von der Straße in die Stube trat. Einen Teil derselben nahm der Ofen ein, den zweiten füllte eine ärmliche Bettstatt nebst einem Schrank aus, und im dritten Teile stand entlang der freien Wand eine Bank aus Kiefernholz, während davor, ungefähr in der Mitte, der übliche Lichtspender thronte, ein aufrechtstehender Stock auf kreuzförmigem Gestelle, oben mit einem vierteiligen Eisenbecken versehen. In diesem brennen die Holzstücke, deren Flammen einen unerträglichen Rauch und ein unbestimmtes Licht verbreiten, während am Fuße solchen Leuchters ein kleines wassergefülltes Schaff steht, in das zischend die verkohlten, ausgebrannten Holzstücke niederfallen, wodurch der Raum ein düster, phantastisches Aussehen erhält. Dies war auch in Ninas Stube so, wo trotz des milden Frühjahrsabends ein Holzscheit aus dem Leuchter angebrannt war. Das flackernde Licht davon beleuchtete einige Mädchen, welche Spinnrocken vor sich, auf der Bank saßen, schläfrig spannen und fast tote tönebegabte Maschinen in immer wieder in kich selbst zurückkehrender Weise ihr Lied mehr plärrten als sangen. Jäh brachen sie nun darin ab und starrten die fremden Gäste an. Andern Besuch mochten sie erwartet haben — junge Burschen ans dem 'Dorfe, sie waren daher von ihrer Verwunderung zunächst ganz übermannt, was sich durch ihr plötzliches Verstummen kund that. Ties weckte erst der Soldatka Aufmerksamkeit. Nachdem diese vorhin den Herrschaften nachgeblickt, war sie eben in die Hütte gekommen und hatte sich auf den niedrigen Ofen hingelegt, den Rücken zur Decke gewandt, den Kopf in die Hände gestützt, den Blick gegen die Wand geheftet. Als iie sich jetzt aus dieser Lieblingsstellung jäh nach der Thüre wandte, sah man ihre Augen vom Weinen gerötet, ihre Wangen heiß, doch trotzig aufgeworfen ihre Lippen. — Bet dem Erblicken Feodors und der fremden Barischni sprang sie auf, fiel diesen zu Füßen und küßte die Zipfel ihrer Kleider. Ihre Freundinnen wollten dem Beispiele folgen, was im Verein mit dem Qualm in der Stube Clarita zu schleunigem Rückzüge trieb, doch nahm sie sich Nina mtt hinaus Zimmer durste, war Alexis fort! —, Doch, Was rede ich! Ich wollte ja von Dimitri erzählen. Er war mit Alexis ge- gangen, wurde jedoch, wie ich, später hörte, in Moskau eingezvgen und ins Militär gesteckt. So wurde Nina zur Soldatka!" „Und Ihr Bruder? — konnte er den treuen Diener nicht vor solchem Los schützen. „Ich weiß es nicht!" lautete auch hier wieder Feodors Antwort, wobei der Knabe seufzte und verstohlen mit der Hand über die Augen fuhr, indem er leise hinzusügte: „O, mein armer Alexis — lassen wir ihn!" „Warum, Feodor? Wenn Sie ihn lieben, warum sprechen, erzählen Sie nicht von ihm?" „Nein, ich darf — ich kann nicht, es ist zu traurig, lassen Sie mir mein Geheimnis!" „Aber weshalb?" rief Clarita, den Nachsatz ignorierend. „Warum verließ Ihr Bruder Sie gleich nach den Todesfällen so eilig?" „Warum? Ja warum? Er ging eben, um nie mehr wiederzukehren; denn auch ihn habe ich verloren. Ich konnte es anfangs gar nicht glauben, als Mama es mir sagte — sie weinte so sehr." . „Worüber weinte Ihre Mama? Was sagte sie Ihnen?" „Nun — die trostlose Nachricht." „Welche Nachricht?" .„Daß Alexis auf seiner Reise nach dem Auslande gestorben ist. Ja, auch er ist tot. Ich bin der letzte Ornatoff. Mama sagte es mir unter Thränen." Claritas Finger umkrallten den Zügel,ihr Herz drohte snlle zu stehen, die Nacht sank nicht nur rings um sie her, auch vor ihren Augen wurde es schwarze Nacht, und tote tausend gelle Stimmen klang es durch diese ihr entgegen: Der letzte Ornatoff!" Es war gut, daß in dresem Moment Feodor selber allzu u-hr durch die Erinnerung beschäftigt wurde, und Herr Goluschkin neben die beiden reitend, das Gespräch jäh ab- chnttt durch den Ausruf: „Sehen Sie dort durch das ; >imne Grün die Lichter von Ornatoffsko blinken? Es ist pät geworden, wir bringen die Nacht mit heim." r ÄG die erhellten Fenster des Herrenhauses blitzten jetzt nape zwischen den Bäumen hervor, wie tausend tanzende Lichtpunkte flimmerten sie vor der stillen Reiterin Augen; rhr Mund war verstunrmt. Keine Frage, keinen Ausruf hatte sie an Feodors letzte Mitteilung mehr zu knüpfen vermocht; sie war einzig froh, daß dieser in raschem Stimmungswechsel, wie solcher ja Kindern eigen ist, mit seinem Mentor über die Neuigkeiten zu schwatzen begann, welche derselbe sich eben von Jwaz über die Tebunen hatte berichten lassen. So, munter schwatzend die beiden, schweig- 1551 ander?, lenkte die kleine Gesellschaft in den schlummer- stillen Park ein, wo von der Freitreppe des Herrenhauses her Lisavetta und Madame Duslois ihnen Vorwürfe über ihre Verspätung entgegen riefen, auf die Feodors silberhelles Lachen nur fröhlich antwortete, daß der Ritt herrlich gewesen und Clarita eine vortreffliche Reiterin fet! XVII. Ans Kindesmund. Nun brich, mein Herz! Denn schweigen muß mein Mund. Shakespeare. „Wie trostlos das hier aussieht!" meinte die hübsche Lisavetta mit einem ganz betrübten Gesicht, während sie die Stirne gegen eine Fensterscheibe gedrückt von dem wohnlichen Familiensalon aus dem Regen zusah, der allerdings in vollen Strömen niedergoß und das ganze Landschaftsbild jetzt gar eintönig, grau in grau erscheinen neß. „Es ist um schwermütig zu werden", seufzt« sie weiter, an die Petersburger Unterhaltungen denkend. „Ich kann's begreifen, daß Wera diesen Aufenthalt haßt! Kein Wunder, wenn sie fürchtet zu vertrauern in diesem alten Gemäuer. Mir ist förmlich unheimlich darin, nun man nicht einmal hinaus in's Freie kann. Lassen Sie uns etwas musizieren, Mademoiselle Clarita, es wird uns zerstreuen." „Sie müssen mich heute entschuldigen, liebe Lisavetta", Erklärte die Ungesprochene leise, „es ist mir jetzt unmöglich, meta Kopf schmerzt mich." „Sie haben gestern Ihren Mit zu weit ausgedehnt, Und dafür heute Migräne!" 78 — „Ja, die Zimmerlust beengt mich, ich werde mich nebenan ans Fenster des Boudoirs zurückziehen; kehren Sie sich indes nicht an mich; spielen Sie ungeniert.^ „Sie werden das Piano nicht wohl ertragen können bei Ihrem Kopfschmerz?" „Doch! Versuchen Sie's nur mit Haydn, der wirkt nervenberuhigend. Aber wo ist Madame Düflois?" „Noch im Speisezimmer, sie will Herrn Goluschkin hierher locken, damit er Schach mit ihr spiele." Das Wort war kaum heraus, als die beiden Genannten mitsamt dem Schachbrett erschienen; Lisavetta nunmehr versichert, daß auch von dieser Seite für sie keine Unterhaltung zu erhoffen sei, setzte sich ans Piano nieder, und war alsbald in eine Komposition Haydn's vertieft. Die kleine Jnstitutka war nicht ohne Tiefe des Gemütes,. daher ihr Verständnis für jene Musik nicht fehlte — dabei spielte sie gut und gern- Darüber schwand ihre Langeweile. Clarita hatte sich still zurückgezogen, und starrte hinaus ins Freie. Ihr Blick richtete sich nach dem verödeten oder doch wenigstens scheinbar- unbewohnten Seitenflügel — dem alten Bau. Einzelne Fenster in der langen Reihe des ersten Stockwerkes waren heute geöffnet, wohl um etwas Luft in die dumpfen Räume ziehen zu lassen — tat übrigen sah das Ganze- heillos trist und düster, ja unheimlich aus; nur oben in dem Giebel schien ein lebendes Wesen zu weilen; denn au dem winzigen Fenster zwischen den braunen morschen Balken, kam zuweilen ein altes, runzeliges Gesicht zum Vorschein.. Fast bis zum Giebel empor umrauschten rings! umher die alten, hohen Bäume geheimnisvoll den stillen Bau. Denselben zu durchwandern empfand Clarita eine unaussprechliche Sehnsucht. Sie könnte ihr nicht widerstehen. „Feodor", rief sie daher, sich ermunternd, dem eben eintretenden Knaben zu. „Sie kommen gerade recht, ich Habs eben einen guten Gedanken, der uns ein treffliches Mittel zeigt gegen die Langeweile dieses Regentages." „Ah, Clarita! Das wäre ein Glück!" gestand Feodor erfreut, „es ist entsetzlich, nicht hinaus in den Park zu können!" „Auch mir beuchten die Zimmer zu eng" — stimmte' Clarita bei — „lassen Sie uns den Moment benutzen, das! ganze Haus zu durchstreifet:. Dasselbe ist altertümlich genug, um interessant zu sein, und Sie versprachen, mir alle seine Merkwürdigkeiten zu zeigen." Ter Knabe lachte: „Aber Clarita — Taliana Petrowna' hat Ihnen ja bereits ihr ganzes Reich gezeigt. Sie in alle Stuben des Hauses hineingeführt." „Nicht in alle — drüben in dem Seitenflügel sind wir noch nicht gewesen." Feodor stutzte. „O — Sie meinen den alten Bau? Der ist unbewohnt und verschlossen. Die Stuben sind verödet und traurig — sie", ergänzte er zögernd, „sie laden nicht zum Besuche ein." „Warum nicht? Je altertümlicher, desto besser- Mir scheint's ein lohnender Zeitvertreib, jene stillen Räume einmal zu durchstöbern." Ter Knabe zögerte. Er blickte etwas unsicher die- Sprecherin an- „Taliana wird es ungern sehen, daß wir dort ein« dringen, und — ich selbst", fügte er leise hinzu, „ich möchte nicht mitgehen." (Fortsetzung folgt.) Wetterprognosen. Eine meteorologische Studie von Fritz E-ckchardt, / (Nachdruck verböten/)" Noch heute begegnet man vielfach Zweifeln darüber, ob denn Sonne und Mond wirklich die Atmosphäre unserer Erde beeinflussen und also bestimmend auf diejenigen Vorgänge wirken, deren Gesamtbild man mit dem Namen Witterung bezeichnet- Wenn man aber der Untersuchung dieser Frage näher tritt, und vom sogenannten „schönen Wetter", wie bekanntlich heitere, sonnige Tage genannt werden, ausgeht, so ist nicht zu leugnen,-daß es zunächst die Sonne ist, die diese Art der Witterung hervorbringt. Es stellt also gelegentlich schon das Sonnenlicht an sich dasjenige dar, was man Witterung nennt- Doch neben der Lichtmaterie spendet der Sonnenball 79 gleichzeitig auch noch.Wärmestrahlen, und erzeugt daher das, was Temperatur genannt wird- Den Temperaturwechsel aber empfinden wir bekanntlich gleichzeitig als einen Wechsel der Witterung. Diese Art Witterungswechsel wird einesteils durch die Drehung der Erde um ihre Achse, und die daraus hervorgehende Tag- und Nachtzeit, andererseits durch den Umlauf des Erdballs um die Sonne und die daraus sich ergebenden verschiedenen Jahreszeiten hervorgerufen. Bom Tage der Sommersonnenwende ab nämlich fallen die Sonnenstrahlen täglich schräger auf unsere nördliche Halbkugel, und büßen an Erwärmungskraft ein, während sie den Aequatorial-Gegenden gegenüber täglich mehr eine senkrechte Richtung annehmen, und auf diese immer mächtiger wirken. Da infolgedessen die Luftmassen über dem Aequatorialgürtel mehr und mehr erhitzt werden, und dem Temperaturgesetze folgen, gemäß dem sich Körper bei steigender Temperatur ausdehnen, so wird die Lustatmosphäre in jenen Gegenden durch diese Ausdehnung verdünnt, steigt empor, und zieht in bedeutender Höhe teils in der Richtung nach dem Südpol, teils nach dem Nordpol ab- Die Folge hiervon ist, daß die schweren, kalten Luftschichten von den Polen her zum Aequator strömen, und zum Ausgleich in die dort unten entstandenen Lücken eindringen. Auf diese Weise entsteht eine beständige, allgemeine Luftbewegung, die oben vom Aequator zu den Polen, unten in umgekehrter Richtung vor sich geht. Diese Luftbewegung, Wind, und im Gegensätze zu lokalen Winden, Passatwind genannt, wird also durch Temperaturunterschiede an verschiedenen Stellen der Erde hervorgerufen, und die Urbeberin dieser verschiedenen Tempera- niren, und mithin der genannten Passatwinde, und der aus diesen hervorgehenden Wetterphysiognomie ist wiederum die Sonne. Wenn nun diese um die Zeit der Herbst-Tag- und Nachtgleiche senkrecht über dem Aequator steht, hat sich die Temperatur bei uns so abgekühlt, und dort so erhitzt, daß die Folgen in den verstärkten Passatw'inden, den sogenannten Aequinoktialwinden, als ersten Boten des heranrückenden Winters in die Erscheinung treten; denn je größer der Witterungsunterschied zwischen unseren Gegenden und dem Süden, desto stärker ist folglich auch der beschriebene Luftstrom. Haben sich nun hier im Norden die beiden Passatströme durchs Vermischung mit Bezug auf ihre Temperatur ausgeglichen, so tritt wieder eine Periode der Ruhe ein- Da aber mit dem Vorschreiten der Herbstzeit der Witterungsunterschied zwischen Süd und Nord immer größer wird, so wiederholt sich auch, sobald die Südnordpassate hier wieder wesentlich) kältere Luft antreffen, der obige Vorgang, bis abermals ein Ausgleich stattfindet, welche Ausgleichsruhe endlich zur Zeit der tiefsten Temperatur in die dauernde Winterkälte, und nadj einer abermaligen Reihe von Kämpfen zwischen den beiden Passaten in dauernde Sommerhitze übergeht- Da nun diese Windperioden und die darauf folgenden Ausgleiche jedes Jahr in denselben Zeitperioden wiederkehren müssen, so erhellt hieraus, daß die Vorhersagung der allgemeinen Witterung für gewisse Jahresperioden auf einer ganz bestimmten Grundlage ruht. Eine ebenso bestimmte Unterlage ergiebt sich für die Prognose der Niederschlagsmengen aus der Richtung der jeweilig herrschenden Winde stets, wenn man die Achsendrehung der Erde in Rechnung zieht- Angesichts des Umstandes, daß diese am Aequator, als der größten Umfangslinie der Erde, am schnellsten ist, und sich nach den Polen zu verlangsamt, eilen die von Süden nach Norden ziehenden Lustströme unserer, derjenigen des Aequators gegenüber verlangsamten Bewegung, voran, und treffen uns als Südwestwinde, während umgekehrt der vom Pol zu uns gelangende Passat uns als ein Nordost, erscheinen muß. Zur Aufstellung der Wetterprognose ist nun festzuhalten, daß der Südwestpassat, der auf dem atlantischen Ozean sich mit Wasserdampf gesättigt hat, regenbildend, der Nordostwind, als Landpassatwind, auftrocknend ist- Da nun der Südwestwind während des ganzen Spätherbstes aus den schon erörterten Gründen, und weil der Süd-Nordstrom zu der Zeit im Norden sich schon so abkühlt, daß er sich senkt, und den entgegengesetzten Unteren strichweise verdrängt, vorherrscht, während der Nordostpassat den tiefen Winter und den Hochsommer charakterisiert, so ist dieser Thatbestaud für die Witterungsvorhersagungen jener Zeitperioden maßgebend. Für andere Jahresperioden find andere Winde infolge ganz bestimmter Vorgänge vorherrschend, und alle die erörterten Umstände in Verbindung mit der Thatsache, daß die Windrose immer in der Richtung von Süd über West, und Nord nach Ost, und von da nach Süd zurück, äußerst selten in umgekehrter Ordnung sich bewegt, auch die ungefähre Zeit des Umsprungs sich vorhersehen läßt, dient als Grundschema für das Aufstellen der Wetterprognose mit Bezug auf Niederschlag und Auftrocknung. Aus all' dem bisher Gesagten erhellt zur Genüge, daß die Witterung eine Folge des Kampfes zwischen den beiden großen Passatluftströmen und mit Störungen ist, die sie auf ihrem Wege antreffen. Solche Störungen aber werden durch Eigenschaften und Abuormitäten gewisser Oertlichkeiten herbeigeführt. Diese zu beobachten, und über ihr Auftreten durch Statistik sich Gewißheit zu verschaffen, ist eine große Anzahl von Beobachtungsstatitonen rings um die Erdkugel angelegt, so daß man täglich befähigter wird, die Folgen lokaler Vorgänge vorauszusehen, und beim Prognostizieren zukünftiger Witterungsverhältnisse mit in Rechnung zu ziehen. Es ist nun schon wiederholt begründet worden, daß die Sonne die Urheberin der Witterungsverhältnisse ist. Dies leuchtet noch mehr ein, wenn man außer den bisher erörterten Einflüssen der von ihr ausgehenden Licht- und Wärmestrahlen auch noch die Anziehungskraft dieses Himmelskörpers auf unsere Erde mit in Rechnung zieht- Um das Wesen dieser zu erkennen, denke man vom Mittelpunkte der Sonne zu demjenigen der Erde eine gerade Linie gezogen, und diese bis zu der von der Sonne abgekehrten Seite der Erdkugel verlängert- Trifft diese Linie zu beiden Seiten auf das Weltmeer, so wird das Wasser da, wo sie eintritt, weil seine Teilchen der Sonne näher liegen als der Erdmittelpunkt, mehr von der Sonne angezogen als die Zentralmasfe, daher das Meer hier Flutberge bildet- Da wo die Linie austritt, werden die Wasserteilchen weniger von der Sonne angezogen als der Erdmittelpunkt, bleiben in ihrenr Bestreben, der Anziehungskraft der Sonne zu folgen, gegen die Zentralmasse zurück, und bilden daher ebenfalls Flutberge, während die Gegenden, welche um 90 Grad von den genannten Schnittpunkten entfernt liegen, zu den Flutbergen das Wasser liefern, und also Ebbe haben- Nun ist aber die Anziehungskraft des Mondes auf die Erde, weil er dieser viel näher steht, als die Sonne, bei weitem größer als die der letzteren, und die vom Monde erzeugte Flut ist daher etwa zweieinhalb Mal so groß als die Sonnenflut- Die Fluthöhen des Meeres wachsen daher, wenn gewisse Mondphasen, wie Neumond und Vollmond, und wenn Mond- oder Sonnenfinsternis- Konstellationen heranrücken, weil dann die Mittelpunkte der drei Himmelskörper in einer Geraden liegen, die Sonnö also nicht, wie wenn sie um 90 Grad vom Monde absteht, ein Gegengewicht gegen die Mondflut erzeugen kann- Die Tage, an denen solche Vorgänge stattfinden, sind für die Witterung der darauf folgenden Zeitperioden! kritisch, das heißt entscheidend, wie sich aus den nachfolgenden Erörterungen ergiebt, bei welchen wir die Sonnenfinsternis in den Vordergrund stellen wollen, ha diese geeignet ist, einen kritischen Tag allererster Ordnung herbeizuführen; denn dann stehen die drei Himmelskörper in einer Geraden von- der Art, daß Sonne und Mond, welch' letzterer zwischen Sonne itnb Erde steht, mit vereinter Kraft die Flutberge auftürmen- i Wenn nun 'schon die dadurch hervorgerufenen Bewegungen des Meeres lufterschütternd, wasserverdunstend, wolkenbildend, und mithin wetterbestimmend wirken, so kommt noch hinzu, daß die feurig-flüssigen Massen innerhalb der Erde sowohl als auch die Luftatmosphäre den gleichen Anziehungsgesetzen folgen müssen- Die ersteren vermehren durch. Druck den Hochgang des Meeres, di« letzteren werden an derselben Stelle anaehäust tote die Massermassen, und nach dem Vorübergang der Kulmination ergteßen sie sich!, wie diese, nach der Richtung zurück, aus der sie gekommen sind, in das Gbbethal hinein, Stürme erzeugend, welche die Gewalt der Flutwellen, die sich ebenfalls in ihr Ebbethal zurückstürzen, noch vermehren- Da nun die Zeit, zu der alle diese Vorgänge ein- ■T» 6o äs» (Nachbildung verboten/. bildurigen unterstützen das Verständnis des Textes- Die Originalität der Lehren Stringfellows und dre zwingende Logik seiner Darstellung werderr den denkenden Leser fesseln und ihm Anregungen geben, aus denen er reichlichen (Auflösung tn nächster Nummer.) Auflösung des Abteilrätsels in vor. Nr. Basel, Auber, Eisen, Abel, Achse. Base, Laube, Reise, Nabe, Lachse. Der neue Gartenbau von H. M. Stringfellow in Galvestou, Texas.. Autorisierte Uebersetzuug aus dem Englischen von Frredrrch W a n n i e ck, Besitzer der Viktoria-Baumschulen in Scholl- schitz (Mähren). Mit 20 Abbildungen. Verlag von Tro Witz sch u. Sohn in Frankfurt a. Od er. Preis in solidem Ganzleiuenband 3 Mark. Ter Versasser sagt in seinem Vorwort: „Der Zweck meiner Darstellung ist es, zu zeigen, daß viele Prinzipien des heutigen Gartenbaues falsch sind, und Vorschläge zu machen, wie man auf natürlichem Wege billiger und besser, als nach den gegenwärtigen schwierigen und kostspieligen Methoden gute und gesunde Früchte erzielen kann." Hiermit ist das Wesen des Buches gekennzeichnet — es predigt eine Reform unseres jetzigen Gartenbaues in vielen Stücken von Grund auf: Kurzer Wurzelschnitt, Veredelung mit Rei- Kenntnis vom Gemüsebau sehr dienlich. Sie konnten dadurch manche Ausgabe erspareu, manches wertvolle Gericht fast kostenlos schaffen- In den häufigsten Fallen wird der Gemüsebau gerade in den kleinen Garten sehr planlos betrieben. Man säet und pflanzt, aber man weiß nicht, daß man durch richtige Einteilung und durch rechtzeitiges Vorbereiten und Aussäen von einem Fleck Erde drei und vier Ernten nehmen kann- Nicht 24 Stunden bar f em abgeerntetes Beet brach liegen bleiben, sagte erne praktische Lausfrau, die den Wert ihres Gemüsegartens zu schätzen aelernt hatte- In Nr. 44 des „Erfurter Führer rm Obst" und Gartenbau" ist ein Artikel veröffentlicht, Molkenhimmels näher zu erörtern. Ziehen wir aber nun- mebr die Endsumme unserer Untersuchungen, und . ic-nw» —----- -• ,■■■■■ - • Registrieren noch einmal kurz, daß die Sonne die Urheberin Nutzen ziehen kann. ----------- der Temperatur und infolge ihrer Anziehungskraft flut- Gen»eiNNÜt;LgeS. erzeugend ist, daß sie durch ihren pF^^«^"bwt ? & I Anleitung wie die Gemüse gepflanzt wer- die Verdunstung des Wassers an der« ^dvberfstrche bew> , be^ sollen, um den ganzen Sommer hindurch und daß der Mond durch Vermehrung der Ebbe und Flut | „ f g ßabett. Der Gemüsebau konnte im Vater- im Wasser- und Luftmeere, also auch durch Vermehrung ® em J ausgedehnt werden. Ganz besonders des Windes die Verdunstung befördert, Wolken bildend, i ü fc£ g üert wäre es aber, wenn der kleine Mann immer und Niederschläge erzeugend, so kommen wir endlich zu des Gemüsebaues annehmen wollte. Er ist dem Resultate, daß Sonne und M°«deAndte^utgeu Betrieben derjenige, aus dem man sich die Faktoren sind, die mnztg und allem zuleder Zett ow , Nebeneinnahmen verschaffen kann- Er ist aber auch Physiognomie der Witterung auf ^deu bestimmen- derjenige,-welcher es gestattet, den gegebenen Raum ge- , Schon seit langer Zett hat man den Einfluß der i auszunutzen, und ihm die größten Ertrage abzu- Donne, namentlich aber des Mondes auf unsere Atmochhar I binnen-Auch für unsere Hausfrauen,. wäre etlvas zeiungen haben sich deshalb stets an die MondphaM! anqeklammert- Alexander von Humboldt war eurer der ersten, der die Anregitng zur Aufstellung der Grundsätze gab, wie sie hier entwickelt sind- ^n neuester Zeit habm Männer wie Leopold von Buch, Kämtz, Dove, Maury und endlich Rudolf Falb sich um die Wttterungskunde verdient aetnackt auf Grund der Erkenntnis Regeln für dte Ermittelung zukünftiger Wetterverhältuisse festgestellt, und also begonnen, die Wetterprognosen -aus dem^ dunklen Reiche des Prophetismus auf die belichteten Pfade der Wissenschaft überzuführen. Redaktion: E. Burkhardt. — Rotationsdruck und Verlag der Briibl'schen UniversitätS-Buch- und Ctemdruckerci (Putsch Erben) in Gießen.