(Nachdruck verboten.) Verschollen. - Original-Erzählung von M. Ludolfs. (Fortsetzung.) So lebte und verbrachte die kleine Donna ihre Kindheit. Als sie das dreizehnte Jahr erreicht hatte, machte sie mit Don Jose die zweite Seereise. Er nahm sie mit nach Marseille, wo noch eine Verwandte ihres Vaters in einem klösterlichen Institute lebte. Daselbst sollte Claritas Erziehung vollendet werden. Durch diese Einrichtung handelte oer getreue Vormund tat Geiste seines verstorbenen Freundes; dieserhalb legte er seiner Mutter und sich das Opfer der Trennung auf. Ein solches wurde es jedoch auch für die kleine Clarita. Weder ihre Verwandte, noch die Kloster- schule gefiel ihr. Die kleine Ungebändigte sehnte sich stets nach Teneriffa, nach ihrer süßen Donita Frasquitta, nach dem herrlichen Garten, der goldenen Freiheit und dem ungebundenen Leben zurück. Wie Erlösung deuchte es ihr daher, als endlich ihr Vormund wieder in Marseille landete, Um sie mit heim zu holen. Sie schied ohne Bedauern von Marseille und ihrer Verwandten, von dem Kloster und ihren Mitschülerinnen; nur eine derselben, Stefanie Hobberg, eine lunge „Deutsche, hatte sie tief ins Herz geschlossen und ihr voll uberwallenden Gefühls heiße Freundschaft für alle Zetten gelobt. Allein der Abschied von Stefanie hatte ihr Thranen gekostet, sonst war sie selig, wieder von den Wogen des Meeres der Heimat zu geschaukelt zu werden. Als Erwachsene kehrte ste dorthin zurück. 53 au Kl II llsH Vh . rita alle Schönheiten der Welt zu zeigen. Sie wollten ein Nomadenleben führen — voll Glück und Seligkeit, ohne Sorgen und trübe Gedanken. An Mitteln dazu gebrach eä dem reichen Manne nicht; nach seinem Vaterlande und seiner, Familie fragte er wenig, wenn der geeignete Zeitpunkt gei kommen, wollte er sein geliebtes Weib heimführen und ihr die! ihr gebührende Stellung sichern. Inzwischen lebten sie sorglos in den Tag hinein. Zunächst bereisten sie Spanien und Italien. Unter dessen sonnigem Himmel vermißte Clarita die Heimat nicht, immer weiter trat diese selbst in ihren Gedanken zurück; sie lebte! nur mehr der Gegenwart; denn die schien eitel Glück. Dasselbe ereichte seinen Höhepunkt, als ihr Töchterchen das Licht der Welt erblickte. Die Kleine wurde zu Mailand geboren und dort in dem herrlichen Dome getauft. Clarita war selig mit ihrem Kinde; ihr Gatte betete sie förmlich an und kannte keine größere Freude, als ihre Wünsche zu erfüllen. Sie liebte noch immer die Abwechslung, daher fte, sobald als thunlich, aufs neue ihr Nomadenleben begannen. Sie zogen an die italienischen Seen und dort zu Pallanzn war es, wo die zarte Gesundheit der kleinen Clarita Dolores, die unruhigen Geister an die Scholle fesselte und ihnen dir ersten Sorgen aufdrängte. Bald sollte ein zweites Ereignis dieselben bedenklich mehren. Bereits von Mailand aus hatte fragte Herr von antwortete der Schloßherr, und „ist die gnädige „Stern, nein! . . . viel älter, die Kammerjungfer der I Es war 8 Uhr abends. Der Kurierzug aus Paris hielt gnädigen Frau sagte, er sähe aus wie zwanzig . . I an der kleinen Station £., von welcher aus mau das Schloß „So alt! ... mir hat's die Kaufmannsfrau gesagt der Rouns erreichte. Der Kutscher Peter, der auf seinem . . . aber die sind auch uoch nicht lange hier, nicht I Sitz ein kleines Nickerchen machte, war nicht wenig er- länger wre wir, und wissen es ioohl nicht genau." I staunt, als er sich plötzlich am Arm ergriffen fühlte, und „Oh, der Junge ist ein Thunichtgut, und seine Mutter W • ■ • daß sein Herr vor ihm stand, rst immer viel zu schwach zu ihm gewesen, sie verwöhnt I „He! Peter, was machst Du hier", ' ihn • • • da hat's denn Streit gegeben . . . und der Herr | Ronn. ben Bengel an die Luft gesetzt . . . Darüber ist die I „Ich warte auf die guädige Frau", Gnädige natürlich sehr traurig . . . zuerst hat sie ihren Kutscher respektvoll. Mann sehr heb gehabt . . . aber jetzt scheint es . . . damit I " „Auf die guädige Frau?" fragte der vorber zu fern! . . . es ist schade! . . . man muß doch I fühlte wie sein Herz schneller klopfte . . . auch bedenken, daß einer Frau, die wie sie lange Witwe I Mau denn verreist?" und ganz frei war, so etwas wie Tyrannei Vorkommen I „Gnädige Frau sind heute früh um 10 Uhr nach muß. . . und einen Tyrannen, na den haßt man! ... I Berck gefahren, und haben mir befohlen, sie von 8 Uhr "l man sich rächen . . . man schafft sich an hier auf der Station zu erwarten." Lrebhaber an . . . und einem giebt man den Vorzug! ..." I Und als der SJZann sah, daß eine Zornesfalte zwischen genug rst sie dazu", beteuerte die kleine | Herrn von Ronu's Augen stand, fügte er hinzu: ei)]tuentitt. | „Ich glaube, daß guädige Frau den Herrn nicht m s. i "7 v — ~ — — — — I heute abeitb zurückerwartete." pthm? sm„rr - ^^^ung der beiden Postbeamtinnen war ! „Bleib hier!" herrschte Herr von Ronn den Kuncher etwas Alayrev. Es hatte allerdings den Anschein gehabt, I nut einer Erregung an, die er sich vergeblich zu ver- toen^ ^err ü?n Ronn die Jugendtäuschimg nicht ver- j bergen bemühte . . . warte auf uns ... ich fahre nach gesfen könne. Er war wohlhabend, hatte den größten Berck." ’ ' ’ ’ JbeS\u&tAS Plötzlich aber tour Eine halbe Stunde später sprang Herr von Ronn aus BekannteneElgeworben. ■ ?ei.njn dem Zug, und lief an den Strand. Die Flut stieg, und Nl denen erWrf w'ÄrL t s^ue Rerseerndrücke, mit leisem Glucksen schlugen die Wellen au den Strand; wolle Material gesammelt, niederschreiben aus der Ferne, wohl aus dem Kasino, drangen einzelne Das S0rM.fht