Montag den 3. Februar. |8| 'Jgifnbäcfr^ci UsWAtzD^M^ MMMAKUWW lüWMiHI®! Fortsetzung.) Ringsumher war das frische Grün entzückend. Haselnuß- und Himbeerstauden steckten zudringlich ihre grünen Zweige aus, als bi....... MA ich beugen ist keine Schande, aber sich beugen lasse». Sebastian Frank. (Nachdruck verboten.) Verschollen. riginal-Erzählung von M. Ludolfs. hielt- Graziös hingen ein paar blaue Syringen in dies lauschig versteckte Plätzchen hinein, das Clarita ausfindig gemacht. Gedankenvoll setzte sie sich in dieser lieblichen Wildnis nieder. Aus dem dichten Gebüsch heraus unterhielten sie die Vögelein mit eifrigem Gezwitscher; mitunter kamen sie auch neugierig aus ihrem Nestchen hervor, und umkreisten den Eindringling in ihre Einsamkeit. Gleichsam, als ob sie sich über dessen Erscheinen beruhigt, flogen sie alsdann wieder zu ihrer kleinen Brut zurück, und stimmten leise flötend ihr Abendlied an. Es klang süß und friedlich- Und als es verstummt, da ging wieder das geheimnisvolle Rauschen und Flüstern durch den öden Park, die Büsche erbebten unter dem liebkosenden Hauche, als hätte ein schüchterner Kuß sie gestreift, und von den leise sich neigenden Zweigen und Blättern regnete es glänzende Tropfen — großen, stillen Thränen ähnlich. Und mitten dazwischen saß die junge, fremde, einsame Frau in dem grünen, duftigen Versteck, das ihr einen verstohlenen Blick auf das alte, verwitterte Herrenhaus gewährte. Es war alt und baufällig. Schon lange, lange Jahre mochte es auf der Stelle stehen, doch in dem letzten Jahrzehnt etwas aufgebessert worden sein. Unregelmäßig gebaut, jeglichen Ebenmaßes entbehrend, zeigte es sich als ein vielfensteriges langes Gebäude, an das sich rechts ein in den Park hineinreichender Flügel anschloß. Der mochte das ursprüngliche Herrenhaus gebildet haben, er sah wenigstens mit - seinen von der Zert braun gefärbten Balken zumeist von Wind und Wetter mitgenommen aus. Dazu recht unfreundlich und düster. Die Läden daran waren fast alle geschlossen. Die Giebelstuben, wo dis Dienerschaft hausen mochte, abgerechnet, schien der ganze Flügel unbewohnt; denn die Stille darin stach scharf gegen das Leben ab, das sich mm in dem neueren Bau mit der langen, vielfensterigen Vorderseite bemerkbar machte. Clarita kannte bereits die innere Einrichtung. Dieselbe ließ im Vergleich mit dem verlassenen Peters- burger Quartier manches zu wünschen übrig. Parkettböden fanden sich daselbst keine, eher klaffende Dielen, deren Schäden ein mitleidiger Teppich zudeckte. Im ganzen jedoch waren die großen Stuben mit den riesigen Kachelöfen, und den zwar altmodischen, doch einst offenbar recht kostbaren Möbeln keineswegs unbehaglich. Eher das Gegenteil. Die reichen, altmodischen Tapeten und Zieraten, sowie alle die kostbaren Gegenstände, die nur von langem Gebrauch erzählten, hier und da auch wohl verwischt waren mit prunkenden Errungenschaften einer späteren Zeit, gaben der kleinen Residenz für manche, besonders für alte Leute etwas Angenehmes, wogegen dieselbe solchen, die Eleganz und Luxus liebten, als ein trübseliger Aufenthalt erscheinen mußte. Letzteres war sicher bei der an den Glanz der kaiserlichen Erziehungshäuser und der Petersburger Salons gewohnten Wera Sergewna der Fall gewesen, da sie — die junge, lebenslustige Frau sich nach dem Stcppengut verschlagen sah, um einen alten, grämlichen, kranken Gemahl zu pflegen. Gewiß, für eine Natur wie die ihre, mochte selbst die Erinnerung daran widerwärtig sein. Wenn sie daher nicht die mindeste Sehnsucht, dagegen Abneigung empfand, den Schauplatz wieder zu sehen, wo sie innerlich in stummem Stolze knirschend, sich einer Aufgabe unterziehen mußte, bei der ihre lebensdurstige Jugend vertrauerte, so blieb dies erklärlich, ganz abgesehen von dem geheimnisvollen Familiendrania, das einst die Fürstin Sarafin Clarita angedeutet hatte. Dennoch fühlte diese sich immer mehr versichert, daß ein solches sich in Wirklichkeit auf eine oder die andere Wci'e, vielleicht in Gestalt einer häßlichen Jntrigne, in dieser tiefen Steppeneinsamkeit abgespiegelt habe. Mochten immerhin geschickte Hände es verstanden haben, vor den Augen der Welt einen dichten Schleier darüber zu ziehen, ohne Ahnung, tote dagegen einst eine treue Hand, die einer geduldigen Frau, unermüdet streben würde, die kluge Arbeit zu zerstören, um durch das zerrissene Gewebe die Wahrheit zu schauen. Ja, die Wahrhett, wie sehnte Clarita sich danach und fürchtete sich doch davor. Zwischen Furcht und Sehnsucht schwankten auch jetzt wiederum ihre Gedanken, aus denen FeodorA Stiinme sie weckte. Munter sprang er über den grasbewachsenen Weg, sie, zu suchen. Fröhlich begrüßte er sie in ihrem luftigen Ver> ehnten sie sich vor Behagen, während au moosigen Baumstämmen hinankletternde Winden ihre purpurnen und weißen Glocken sachte schlossen. Dazwischen machte sich allerlei kleines und großes Pflanzenvolk breit, dessen Samen offenbar nur der Zufall hierher verweht hatte: denn einen ordentlichen Gärtner gab's auf Orna- toffsko nicht mehr, seit die gnädige Herrschaft eswerlassen. Deren Anwesenheit hatte mau auch diesen Sommer nicht erwartet- Davon gab der verwilderte Park Zeugnis. Die alten hochstämmigen Bäume spannten ungestört ihre iveiteit Aeste gegeneinander aus, über den Weg eine Wölbung bildend bis zu dem mächtigen Fliederbusche hin, der dicht an der Parkmauer seine Zweige mit dem Geäste eines Kastanienbaumes ganz unentwirrbar verschlungen 74 steck. Bei dem Anblick des heiteren Kindes vergaß sie einen Moment ihrer Sorge. „Lassen Sie uns ansreiten, liebe Clarita" — schmeichelte er bittend — „ausreiten in die Steppe. Sie müssen in dieser die Sonne untergehen sehen!" Clarita lächelte. „Warum reiten Sie nicht mit Herrn Goluschkin, Feodor Iwanowitsch?" „Weil Sie mit dabei sein müssen, meine Seele.", Er gebrauchte pathetisch die spanischen Worte, die er von ihr gelernt.. Es traf sie bis ins Herz. „Gewiß — ich will konimen, aber es ist lange her, daß ich kein Pferd mehr bestieg." „O! Jwaz soll mein eigenes Reitpferd für Sie satteln, ich nehme dann meinen früheren Kameraden, den kleinen Wjatka.'" „Und Herr Golnschlin, er reitet doch mit uns?" „Gewiß, er wartet bereits; ich sagte ihm, dah Sie kommen würden." Clarita strich die übermütigen Locken aus des Knaben Gesicht, indes sie freundlich sagte: „Aber, Feodor, wir vergaßen das Wichtigste — ich habe kein Reitkleid." Feodor stutzte einen Moment; dann rief er unbeirrt: „Tatiana Petrowna muß da helfen, es sind sicher noch Reitkleider von Mama hier." Tatiana Petrowna, die allmächtige Hausdirigentin, half in der Th ad Dem Ungestüm ihres kleinen Bärin gegenüber wußte sie keine andere Rettung, als sich zu fügen. Nachdem sie daher einige Momente in den Fächern ihres Gedächtnisses Umschatt gehalten, öffnete sie in entlegener Kammer eine alte Truhe und brachte ein dunkles Stafreit- kleid zum Vorschein. Es war gut erhalten, doch fehlte ihm moderner Schnitt. Wera Sergeiona hatte es sicherlich niemals gehört, doch Tatiana hielt darüber reinen Mund. Sie schüttelte nur bedenklich den Kopf über des jungen Barins Freude, als Clarita in dem Reitkleide erschien. Sonderbarerweise paßte es ihr trefflich, und sie, früher eine leidenschaftliche Reiterin, fühlte sich ganz behaglich darin. Das anschließende, schlichte Kleid, sowie dessen dunkles, tiefes Blau kleidete ihr vorzüglich — mit echt spanischer Grazie trug sie die lange Schleppe. Dieselbe hinderte nicht einmal Muschi, Feodors prächtiges Reitpferd. Das edle Tier schien eher stolz auf seine schöne Reiterin!, die sicher den Zügel zu regieren verstand. Einmal im Sattel, erinnerte Clarita fick augenblicklich ihrer alten Kunst, und munter trabte sie mit ihren beiden Kavalieren zum Thore hinaus in die freie Steppe. In einiger Entfernung aber stand unter der Stallthür Kyrill — ein steinalter Reitknecht; mit weitaufgerissenen Augen starrte er der Reiterin nach, tote einer Erscheinung äus einer andern Welt, wobei er sich bekreuzte. „Bet unseren Heiligen von Kiew — was hast Du, Baker?" fragte Wassilli, ein kleiner Pferdebursche, verwundert- „Du bist ja tote versteinert?" „Still, Wassili", antwortete bedächtig der Greis —, „gieb acht, auf Ornatoffsko wird sich der Hausgeist wieder regen. Die Toten stehen auf! Wahrhaftig, beim heiligen Tychon, dem großen Faster — ich sah eben unsere verstorbene Barinitschi Vallinka Michailowna dort leibhaftig zum Thore hinaus reiten!" Hier bekreuzte der Alte sich noch einmal, indes er leise, ängstlich weiter murmelte: „Gewiß, gewiß, sie hat keine Ruhe im Grabe!" „Paßt nur auf — wir werden von unserm verschollenen Bärin hören! Vielleicht ist er gestorben!" Und den greisen Kopf dabei traurig hin und her wiegend, ging der alte Prophet nach dem Stalle zurück. Unterdes ritt die kleine Gesellschaft vergnügt ihres Weges. Auf dem Kameraden seiner Kindertage, dem Weinen Wjatka, ritt Feodor stets munter voraus. Seinem rasch fließenden Blute war kaum eine ruhigere Stimmung möglich, sicherlich jetzt nicht, da er seinen Lieblingswunsch, mit Clarita zu reiten, erreicht hatte; er lachte gar heiter mit dem hellen, frischen Lachen seines Alters- und sein Blick funkelte voll Mutwillen: „Ich bin so vergnügt, meine Clarita, daß ich fortwährend Wjatka möchte tanzen lassen!" Clarita war mehr weich als froh gestimmt; um des Knaben willen zeigte sie sich jedoch nur heiter und entzückt von dem schnellen Ritt durch die weiten, sich ins unendliche verlierenden grünen Steppenflächen. Das Kind trS Südens konnte nicht genug ob dieser nordischen Herrlichkeit staunen. Das Bild mit freundlichem Blick umfassend, gestand sie ein Über das andere Mal: „Wie schön!" Schön war sie in der That, diese überquellende Frische, wie allein der russische Boden sie erzeugt, dieses hohe, wogende Gras, und dazwischen die blauen, gelben, roten Blumeninseln, die sich leuchtend aus dem grünen Meer abhoben. Wieder dachte Clarita an Alexis. In dieser Umgebung war er ausgewachsen, sie hatte das Paradies seiner Kindheit gebildet, aus dem Mangel an Liebe ihn vertrieben. Um diesen Erwägungen zu wehren, mußte Clarita sich gewaltsam aufraffen. „Welch herrlicher Abend!" rief sie leise, tief Atem schöpfend, „Feodor, Herr Goluschkin, schauen Sie diesen Sonnenuntergang!" Derselbe war wunderbar; denn mit der jenen Breiten eigentümlichen Pracht sank die Sonne, ein feuriger Ball, der beit ganzen Horizont, an dem goldene Wölkchen hingen, mit brennender Glut überzog. Feodor war durch Claritas Entzücken völlig befriedigt; er hätte den Ritt gern ins unendliche ausgedehnt, doch der sinkende Wend mahnte endlich zur Heimkehr. Sie nahmen dabei den Weg durchs Dorf. Etwas vor demselben, unfern einer ärmlichen Hütte, stand ein junges Weib; es war ein wenig aufgeputzt, sah aber trotzdem oder vielleicht gerade deshalb flatterhaft und elend zugleich aus. Gerötet, erregt war das jugendliche Gesicht, das vor noch nicht langer Zeit recht hübsch gewesen sein mochte, gegenwärtig aber einen weniger angenehmen Eindruck machte. Beim Erblicken der Herrschaften flog ein scheues Grinsen übep dasselbe. Dabei besonders Feodor ins Auge fassend, knixte die Person tief, sich fast zu Boden werfend. Der Knabe sah die Bewegung. „Ah — das ist dis Nina!" sagte er halb laut, „die arme Nina! •— Sie sieht schlecht aus, seit sie eine Soldatka geworden. Das ist wohl ihre Hütte, Jwaz?" fragte er, sich zu dem Reitknecht-zurückwendend, indem er auf die naheliegende vereinzelte Behausung deutete. Jwaz bejahte demütig die Frage des jungen Bärin, hinzusetzend: „Sie ist ein schwaches, arbeitsscheues Ding geworden, die lustige Nina, sie lernt schneller das „Flattern", als der arme Dimitri es> wohl gedacht." Trotzdem nickte Feodor der Soldatka zu, ließ aber seinen flinken Wjatka rasch an Claritas Seite traben, während Jwaz wieder ehrerbietig hinterdrein ritt. „Eine Soldatka — was ist d