ST BBf 1902. — Nr. 97. izijfi MMOWN N^W^W ifflSO N I W (Nachdruck verboten.) Manneswert. Roman von Marie Stahl. (Fortsetzung.) „Wenn Du so weit gegangen bist, mußt Du auch den letzten Schritt thun, Du mußt dem Vater die Genugthuung geben, daß Du nicht nur Spielerei mit seiner Tochter getrieben, sondern ehrenhafte Absichten hattest. Es ist zwar nicht ratsam in Deinem Alter, und als Student ein bindendes Verhältnis einzugehen, aber in diesem Falle würde es vielleicht für Deine Zukunft von Vorteil sein. Eine xeiche englische Erbin ist nicht zu verachten — das Mädchen ist ja allerliebst — da kann man den etwas plebejischen Vater schon mit in den Kauf nehmen. Jetzt verstehe ich jauch Mr. Sevens Benehmen. Gr hatte bereits Wind von der Sache bekommen, und erwartete eine Erklärung von unserer Seite. Es hat ihn, wie es scheint, verletzt, daß dieselbe nicht sofort erfolgte. Mach' Dich zurecht, ich werde Dich sofort in das Hotel begleiten, wir wollen sehen, ob wir die Sache nicht in Ordnung bringen können." Diese Worte seines Vaters richteten Armins gebrochenen Mut wieder auf, er war ganz in der Ver- fassung Ertrinkender, sich an jeden Strohhalm zu klammern, und so begaben sich Vater und Sohn in das Hotel, um Mr. Severn aufzusuchen. Derselbe empfing sie ohne jede Zeremonie, in ziemlich nachlässiger Toilette mit der Frage, oft sie ihm die Rechnung brächten. „Mr. Severn", sagte Herr Velten, der den Engländer nie verstand, mit herzlichem Entgegenkommen, was ihm so gut stand, denn in feiner, gesellschaftlicher Liebenswürdigkeit war er Meister, — „ich verstehe vollkommen, was Sie gegen uns ei'nnimmt. Die große Jugend und Unerfahrenheit meines Sohnes ist schuld an diesem Mißverständnis. Ich war heute ebenso überrascht, wie Sie es wohl gewesen sein werden, als ich von dem Herzensbündnis unserer Kinder hörte. Dasselbe ist natürlich für ihre Jahre Und für die gegenwärtige Lage meines Sohnes verfrüht. Ich komme jedoch, Ihnen die feste Versicherung zu geben, daß inein Sohn in der ehrenhaftesten Absicht gehandelt hat, und daß er, sobald er seine Studien beendet hat, kommen wird, sein gegebenes Wort einzulösen. Da Ihr Fräulein Tochter, wie es scheint, eine ausrichtige Neigung zu Armin gefaßt hat, wird ihr wahrscheinlich, die Keine Wartezeit nicht zu lang werden, die ein Briefwechsel an* genehm ab kürzt. S obald mein Sohn sein erstes Staats- examen gemacht hat, hat er eine gesellschaftliche Stellung und als Referendar sogar ein Keines Einkommen. Und ich glaube jagen zu dürfen, daß die Erziehung, die Herkunft und Persönlichkeit meines Sohnes zu den schönsten Hoffnungen für seine zukünftige Karriere berechtigen, der die höchsten Staatsstellen offen stehen. Ein kleines Kapital gehört natürlich dazu, und ohne dasselbe würde er in jungen: Jahren nicht heiraten können." Armin hatte Herrn Veltens Rede verdolmetscht, und der Vater blickte bei seinen Worten ost mit zärtlichem Stolz auf den Sohn, den Träger künftiger Würden und Ehren. „Darf ich fragen, mein Herr, was ist Ihr Sohn augenblicklich, und was hat er? Was sind Sie, und was haben Sie?" fragte Mr. Severin eiskalt, und durchaus ungerührt. Herr Velten sah betroffen aus. „Ich sagte Ihnen/ daß Armin jetzt noch Student ist, und als Student hat er natürlich noch kein Einkommen. Ich: bin seit einiger Zeit Hausbesitzer, bin preußischerr Offizier gewesen, und war in der bevorzugten Stellung eines Großgrundbesitzers.: Leider haben mich die Verhältnisse gezwungen, dieselbe! aufzugeben. Mein Sohn wird jedoch lebenslänglich den Vorzug seiner Herkunft aus der besten Gesellschaft genießen, und Sie müssen wissen, Mr. Severn, daß bei uns der Grundbesitz:, der Militär- und Beamtenstand die Elite des Landes ist." „Für das, was man gewesen ist, und vielleicht einmal sein wird, gießt man in England keinen Pfennig"/ erwiderte Mr. Severn mit unverkennbarem Hohn. „Wenn bei uns ein Student zu mir käme, um die meiner Tochter zu werben, ließe ich: ihn von meinem Diener die Treppe hinunteriverfen. Nur aus Rücksicht auf Ihr Alter, mein Herr, ersuche ich: Sie höflichst, mich- nicht weiter zu belästigen. Miß Buxton hat es zu verantworten, daß sie meine Tochter einem Einfluß ausgesetzt hat, der ihr für den Augenblick ebenfalls die gesunde Vernunft geraubt hat. Wer dem Uebel werde ich äbzuhelfen wissen. Guten Tag, meine Herren." Herr Velten mußte sich aus seinen Sohn stützen während des Heimwegs. Er kam sich so alt und müde vor. Aber in Armin kochten Zorn, Wut und .Verzweiflung. Er brachte den Rest des Tages mit Scchnieden allerlei verwegener Pläne tn Gemeinschaft mit Traute zu/ wie es möglich sein würde, Lillian vor ihrer Abreise noch einmal zu sehen und zu sprechen. Lillians persönliches Erscheinen machte zum Glück Lish und Heimlichkeiten überflüssig. Sie hatte es 6et ihrem Vater durchgesetzt, der Familie Belten einen , Abschiedsbesuch machen zu dürfen. @8 folgte nun ein heftiger, herzbrechender Abschied mit dem Schwur ewiger Treue, und dep 386 Verabredung einer heimlichen Korrespondenz. Zum Glück ließ Lillian sich noch überreden, sich weder im Hotel aus dem Fenster zu stürzen, noch sich vor die Lokomotive zu werfen, um ihren Vater für seine Hartherzigkeit zu strafen. Tie in Aussicht gestellte Korrespondenz war der enizige Trost, der Armin auftecht erhielt. Er ging tagelang nach LiNians Abreise, teilnahmslos für die ganze Welt, stumm und wie abwesend umher. Seine einzige Erholung war, bei Traute zu sitzen, und mit dieser von Lillian zu sprechen. Und er schien für jede andere Thätig- keit unfähig, als bogenlange Briefe an Lillian zu schreibeii, und seine Gesühle in Verse auszuströmen, die ent entschiedenes Talent für den Luxus dieser Liebhaberei be- runbeten. Miß Buxton blieb fürs erste im Beltenscheii Hause, hingegen wurde Mr. Hopkins nach England abberu en, wo er eine Landpfarre erhielt. Er schied in herzlicher Freundschaft von Veltens, die er bei seiner Abreise mit seiner Berlobungsanzeige mit Miß Buxton überraschte. Die kleine Gouvernante folgte ihm nach zwei Monaten, und unterhielt später eine lebhafte Korrespondenz mit Frau Velten und ihren Töchtern. Im Anfang Mai war Paul Lehmigkes Hochzeit. Er hatte es gern gesehen, tocttu man etwas weniger Lärm davon gemacht hätte, aber Alma war entschlossen, die Stadt tion sich reden zu machen. Sie besaß den Ehrgeiz, eine fachtonable Hochzeit in Szene zu setzen. ES gab einen großen Polterabend mit den obligaten kostümierten Quadrillen, mit Darstellungen aus dem Leben des Brant- siaares, und erläuternde,i Tichtmlgen aus der Feder einer Ercn Cousine, die wehmütig ausklangen, und eines dichterischen Onkels, wie er in keiner großen Familie fehlt, dessen Poesien stark humoristische Pointen hatten mit pikantem Beigeschmack. Selbst die älteste, vergessendste Tante wurde aus dem Winkel hervorgeholt, und zu dieser Hvch- iivch einmal ans Tageslicht gebracht, nm den verwandtschaftlichen Pflichten eines angemessenen Hochzeitsgeschenks nachzukommen, und Alma hatte allen ihren Gästen rechtzeitig die notwendigen Winke erteilt in Bezug auf ihre Herzenswünsche, so daß eine prächtige Ausstellung von silbernen Zuckerdosen, Tafelaufsätzen, Oelgemäldeii und anderen angenehmen Dingen zu stände kam. Schneiderinnen, Modistinnen, Kuchenbäcker und Hotelwirte wurden durch diese Hochzeit in fieberhafte Aufregung versetzt. Cs gab am Hochzeitstage eine Schaustellung pompöser Toiletten, eine Auffahrt glänzender Festlichkeiten und ein Tafel-Menü in dem ersten Hotel der Stadt, das alles bisher Tagewesenc in den Schatten stellte. ... .CS waren Männer mit hohen Orden, und Frauen mit surftlichem Brillantschmuck in der Hochzeitsgesellschaft, die Braut selbst glich einer geschmückten Fürstin, was den Wert und die Kostbarkeiten ihrer Toilette betraf, und wie bei Alma Jänisch nichts ohne Absicht geschah, so war es auch nicht zufällig, daß zwei junge Damen vom Adel ihr als erste Brautjungfern die Schleppe trugen, deren Lange und Pracht noch lange Zeit Gesprächsstoff für diverse Kaffeekränzchen bot. ' " ' Ter Bräutigam selbst arbeitete an seinem Hochzeits- tage, in seinem Zimmer eingeschlossen, über seinen Ge- ,unk dieselben vertieft, als ginge ihn der ganze Spektakel Nichts an, bis ihm nur eine halbe Stunde zur Toilette blieb. Er war jedoch pünktlich bei seiner Braut, und für das Standesamt bereit. Die einzige Aeußerung, die er im Laufe des Tages über die feenhafte Toilette seiner Braut machte, war: „Du hättest Dir ein paar Handschuhknopfe weniger gestatten können". Alma hatte vor dem War nach dem Ringwechsel ihre Handschuhe gewissenhaft bis auf den letzten Knopf wieder zugeknöpft. Am Abend des Hochzeitstages reiste das junge Paar ab, um am folgenden Tage Einzug in Brantikow zu halten. Zweiter Band. Sechzehntes Kapitel. Bier Jahre sind vergangen. Hulde Belten sitzt immer noch in ihrem Mädchenstübchen in Leipzig, uno hat eben einen langen Brief an ihren Verlobten beendet. Egon von Lodenstein ist jetzt Premierleutnant, aber das Brautpaar hat nicht die geringste Aussicht auf eine eheliche Verbindung, bevor er Hauptmann geworden ist. Hulde steht zwar nrit ihren dreiundzwanzig Iahten in der Vollbüite des Lebens, aber der sonnige Liebreiz chrer ersten Jugend ist hin, sie gleicht einer welkenden Hunte, dte nach Wasser schmachtet. Sie ist immer er Erbloser geworden, selbst ihre schönen blondeu Haare haben den Glanz verloren, und ein Ausdruck von Unbe- frtedigtsein itnb Verstimmung läßt sie älter erscheinen, als sie ist. Besonders heute zeigt ihr Gesicht Sorgenfalten dte ihr sehr schlecht stehen. Die Thür wurde etwas un- gesüim geöffnet, und Traute trat hastig ein, Hut und .^acke auf beit nächsten Stuhl schleudernd. „Meine Malereien sind verkauft", sagte sie, „wenigstens der Fächer und das Tischchen. Aber weist Du, was der ganze Profit ist? Kaum zwanzig Mark! Die Handlung mmmt unverschämte Prozente. Ich fange an, die Sozialdemokraten milder zu beurteilen. Der Arbeiter wird immer von dem Arbeitgeber ausgesogen!" Sie glättete ihr .Haar vor dem Spiegel, und warf sich unmutig in einen Sessel. Sie war die Schönheit geworden, die sie mit achtzehn Zähren zu werden versprach. Ihr Gesicht zeigte auch noch keinen alternden Zug von Unzufriedenheit, sondern der grollende gesunde Trotz, der sich wie eine heftige Auflehnung gegen ein unliebsames Schicksal in ihrem Wesen aussprach, hatte nichts von der Urwüchsigkeit der Jugend verloren. „Schreibst Du wirklich schon wieder an Egon?" fragte sie ungeduldig. „Schade, daß Ihr Eure Liebesbriefe nicht drucken lassen könnt, um Honorar dafür zu beziehen. Bis Egon Hauptmann wird, dürften es so viele Mnde sein, daß Ihr eine nette Rente davon haben fönritet" „Stauffeus Briefe würden allerdings keine große Rente für Dich a'bwerfeii", erwiderte Hulde scharf, indem sie ihre Briefbogen mit gewohnter Aceurateise faltete, und in den Umschlag schob. „Wir sind keine schreibseligen Naturen", warf Traute leicht hin, und mit ganz verändertem Ausdruck fragte sie: „Weißt Du nicht, wie es steht? Ist Papa schon zurück?"! „Nein, er ist noch nicht zurück, aber ich weiß das Resultat vorher."' „Ich auch." „Onkel Lothar giebt keinen Pfennig mehr her, und schließlich kann man es ihm nicht verdenken." „Ich wollte, es käme zu einer Krisis", seufzte Traute; „denn dieser Zustand wird unerträglich. Bei jedem Quartalsschluß wiederholt sich das Elend. Jedesmal verfällt Papa in Melancholie und Selbstmordgedanken, die arme Mama geht ivie ein Schatten umher, unter einem Arm den homöopathischen Leitfaden, unter dem andern die Bibel gegen körperliche und geistige Anfechtungen. Wir sitzen in Sack und Asche, und trauen uns kaum auf die Straße, und das Entsetzlichste ist das Betteln um Hilfe bei allen Freunden itnb Verwandten, bei Wucherern und Geldverleihern. Wahrhaftig! wenn die Hoffnung nicht wär', dann lebt' ich nicht mehr — die Hoffnung auf eine bessere glückliche Zukunft!" Trautens große, leuchtende Augen blickten mit träumerischem Sehnen in die weite Fernen. Eine zähe, energische Zuversicht sprach aus diesem Blick. Hulde seufzte laut und sehr nachdrücklich. „Denk' Dir nur", sagte sie bedrückt, „Armin will wieder vom Examen zurücktreten." Trante fuhr auf. „Das habe ich lange geahnt! Aber nein, nein, das darf er nicht. Man muß ihm Mut einreden." „Ich furchte, es hilft nichts. Er hat mir heut gestanden, daß er in den letzten Jahren so gut wie gar nichts gearbeitet hat. Nun konnte er nicht alles in so kurzer Zeit nachholen, er ist kaum zur Hälfte vorbereitet. Darum wird es doch besser sein, er schiebt das Warnen noch bis zum Herbst auf." „Entsetzlich, Papa wird außer sich sein." „Ja, es ist schlimm in unseren Verhältnissen. Ich glaubte, die Liebe zu Lillian würde ein Sporn für ihn sein, aber er sagte heute, die fortwährenden Aufregungen, die Unsicherheit, die Zweifel hätten ihm das Arbeiten unmöglich gemacht. Und dann die entsetzliche Enttäuschung als sie nun doch einen englischen Geldsack heiratete! Der arme Junge! Da wird er lange Zeit ganz unfähig, und ich fürchte, er hat Thorheiten begangen, um sich zu betäuben." Traute sah ftnster vor sich nieder. „Ach, das Unglück! wenn man ihn nur herausreißen könnte!" stöhnte sie. — 387 Telegraphenrätsel (Nachdruck verboten.) Vermischtes. Vergebliche Künstler. Ein paar drollige Anekdoten voll zwei berühmten englischen Malern erzählt eine englische Zeitschrist. Der geseierte Genremaler William Powell Frith, Mitglied der „Royal Academy", hatte in seiner Jugend ein Selbstbildnis gemalt, dessen Existenz aber völlig vergessen, bis ein Freund ihn eines Morgens im Atelier besuchte und behauptete, daß ein vorzügliches Bild von ihm in einem kleinen Laden in Greal Portland-Street ausgestellt wäre. „Es sieht zwar nicht im geringsten so aus, wie Du letzt bist", bemerkte der Freund, „aber es kann Dir vor einigen Jahren ähnlich gewesen sein. Sieh es Dir doch an. Frith ging hin und sand sein eigenes Bild, das er vor 4o Jahren gemalt hatte, und er beschloß, es zu kaufen, obgleich er keine Erinnerung mehr hatte, es je gemalt zu haben. „Ah, ein Porträt", sagte Frith zu der Frau im Laden, nachdem er angeblich mehrere andere Werte geprüft hatte. „Wessen Porträt ist es?" „Es ist das Selbstbildnis des berühmten Künstlers Frith." „Wie, er muß ein älterer Mann gewesen sein", meinte der Künstler. „Emst aber war er jung", entgegnete die Frau. „Hm, 's ist nicht werden. Diese einfache Blousenform eignet sich ganz besonders für die feinen, duftigen Stoffe, die dieses Fahr m größter Auswahl und Mannigfaltigkeit vorlregen. Der Marie Aiitoinetteil-Tracht find die duftigen, spitzen Bei der Unberechenbarkeit der diesjährigen Witte- runqsverhältnisse thut der Modeberichterstatter gut, sich an 'den Kalender zu halten, der uns am 21. Ium des Sommers Anfang angezeigt hat. Aus dieser Thatsache laßt sich das unbestreitbare Recht ableiten Über eine Haupt- fpeziälität, der Sommerkleidung, „über die modernen Waschkleider" zu berichten, selbst wenn die Temperatur m beut Augenblick, wo wir dies schreiben, durchaus nicht an Sommerkleider erinnert. Aber mit dein Wetter geht es wie mit der Mode, beide sind launenhaft, und ehe man es sich versieht, kann der schönste Sonnenschein mit der entsprechenden Sommerhitze uns beschert werden. Da wird es bmm von der Damenwelt doppelt angenehm empfunden werden, daß sie sich beizeiten mit leichten Waschkleidern vorsah, die mit jeder Sommersaisvn an Beliebtheit gewinnen. Diese Sommerkleider sind entschieden sehr hübsch; die heitere Anmut derselben kommt in immer neuen, feinen, weichen Farbentönen zum Ausdruck, und wenn sie so her- gestellt sind, daß die Reinigung derselben ohne große Schwierigkeiten vorgenommen werden kann, so wird gewiß jede Dame mit der sich in den letzten Jahren vollzogenen Wandlung zufrieden fein. Moderne Waschkleider. Bearbeitet und mit Abbildungen versehen von der Internationalen Schnittmanufaktur Drcsden-N. Reichhaltiges Modenalbum und Schntttmustcrbuch zu 50 Pfg. daselbst erhältlich. In der Grundform hat sich dieses ^ahr nur wenig geändert, man trägt noch immer vorzugsweise die Blousen- taille, die im Rücketi fest aitliegt und vorn recht lose ist, nur tritt die geschwungene, nach vorn tief ausgeschweifte Taillenlinie immer deutlicher hervor, die _ atlerfauitttiv durch ein modernes Korsett ganz erreicht werden kann. Damen, die sich nicht entschließen wollen, dasselbe zu tragen, könnet! sich sehr gut durch den neuen, geschweiften, nach der Figur geschnittenen Gürtel Helfen, der dadurch gewissermaßen zur Bedingung geworden ist. Der einfache Blousenürmel, der mit Handgelenk durch ein schmales Bändchen geschlossen wird, ist fttr Waschkleider der modernste und auch praktischste. Durch Fauchen, Besätze und Garnituren kann man viel Wwechslung w diese em fache Grundform bringen^doch kann auf Wunsch W J andere moderne Aermel für ein Waschkleid angewendet viel los niit dem Bild . . ." Dagegen macyre jedoch die Frau Einwendungen. Sie forderte.400 Mk. für das Bild. Nun schien Frith erstaunt. „Es hat uns fast ebensoviel gekostet", sagte die Frau, ohne eine Miene zu verziehen, „wir haben nur einen geringen Verdienst daran. Sehen Sie, es ist sehr wertvoll, weil der Künstler schon gestorbetr ist!" ,Gestorben", rief der Maler erstaunt aus. „Tot meinen Sie?" „Ja, am Trunk gestorben. Mein Mann war bei dem Begräbnis..." — Auch Sir Joshua Reynolds, der berühmteste englische Porträtmaler des 18. Jahrhunderts, vergaß die Existenz eines seiner Bilder. Burke erhielt etnst eine sehr frühe Arbeit von ihm, kam zu dem großen Künstler und unterbreitete ihm das Bild als die Arbeit eines jungen Schülers, der um den Rat des Meisters bitte. Reynold betrachtete es lange und fragte dann: „Ist der Maler em Freund von Ihnen?" Burke bejahte es „Nun", erwiderte der Künstler, „ich fühle mich wirklich nicht fähig, em Urteil abzugeben. Es ist ziemlich geschickt; aber ob es genügend verspricht, daß der junge Mann sich daraufhin der Kunst widmen sollte, das kann ich nicht sagen!" Srr ^oshua hatte sein eigenes Werk ganz vergessen. Die sicherste Art, zu stehlen. Die „Daily News" erzählen folgende amüsante Geschichte: ,,^m Gerichtssaal in Singapore hing an der Wand, dein Richtertisch aegenüber, eine besonders wertvolle Uhr. Eines Tages, als der oberste Gerichtshof saß, betrat ein schmächtig ausfehender Chinese mit einer Leiter den Saal. Er nahm ferne Mütze ab, verbeugte sich äußerst demütig vor den Richtern und nahm dann mit geschäftsmäßiger Gewandtheit dte Uhr von der Watid. Die Uhr unter dem einen, dte Letter unter dem anderen Arm tragend, verließ er sodann ungehindert da» Gebäude, da ihn jeder Anwesende für emen Ku t Meli, der den Auftrag habe, die Uhr zum Retmaen abzuholen. Da verschiedette Tage vergingen, ohne daß dw Uhr zurück- gekommen wäre, beschwerte sich der Richter bet dem De- partement sür öffentliche Arbeiten über dtese Verzögerung Das Departement hatte aber keine Ahnung von der Sac r und Kuli und Uhr find' und bletben verschwunden. müßte fort Von hier, er hat sich so verbummelt, und kann nicht von seinen Korpsbrüdern loskommen. Ich fange an, diese Korps zu hassen!" , In diesem Augenblick trat Frau Velten cm. Sre war leichenblaß, und sah sehr erregt aus. Papa kam soeben. Es war natürlich alles umsonst. Und denkt Euch, welches Unglück! Er fand hier em Schreiben vor mit der Nachricht, daß Lehmrgkes den Mietzins dieses Quartals gerichtlich mit Beschlag belegen lassen für die schuldigen Hypotheken-Zinfen. Wir bekommen also keinen Pfennig. Papa wurde gleich krank vor Schreck, er liegt drüben auf dem Sofa. Ist es nicht eine entsetzliche Hartherzigkeit von diesen Lehmigkes? Nachdem Papa, so sehr um Aufschub gebeten hatte, ihm wenigstens noch einige Wochen Zeit zu geben. Ich las jenen Brief, er war wahrhaft rührend, es ist kaum zu glauben, daß ein Mensch fern Herz gegen eine solche Bitte verschließen kann. Und noch dazu so reiche Leute wie Lehmigkes, denen es auf eine solche Summe gar nicht ankommen kann. Der junge Lehmigke soll glänzende Geschäfte in Brantikow mit ferner Ziegelei machen, Papa hörte neulich sagen, daß er ganz kolossale Revenüen aus dem Gute bezöge. Und das hat er doch eigentlich nur uns zu verdanken. Wer es ist merkwürdig, tote das Geld die Herzen der Menschen verhärtet. Wenn man das bedenkt, muß man seine Armttt fast segnen." „Ach nein, ich werde sie nie segnen", rief Traute mit großer Bitterkeit. „Und was soll nun werden?" „Tas weiß Gott allein!" seufzte Frau Velten, m frommer Ergebung die Hände faltend. (Fortsetzung folgt.) Die Punkte und Striche entsprechen den einzelnen Buchstabm der nachstehend in anderer Reihenfolge angegebenen Wörter. Diese Wörter sind so zu ordnen, daß die auf die Punkte treffenden Buchstaben int Zn- ammenlang gelesen eine Sentenz von Schl-iermach-r ergeben. Affen — Dieb — Distel — Geld — Hohn — Kuh — Mest — Paul — Zulu. (Auflösung in nächster Nummer.) Auflösung der Charade in vor. Nr.: Elsterwerda. 388 Abbildung 2, Abbildung 3. Abbüdung 1. auf den Stoff ausgeführte Stickereien, aufgenähte ^asse- menterien, Ton in Ton, römische und slavische Borten, di« namentlich die jetzt wieder sehr beliebten bastseidenen Kleider! heben, echte farbige russische Leinensttckereieu, Spitzenbesätze, Inkrustationen rc. rc. Die neuen Röcke zeigen vielfach sieben, ja auch noch! mehr Bahnen, deren Zuschnitt bei knappster Hüftumspan- nung eine enorme untere Wette ermöglicht und uns Gelegenheit gießt, die moderne Durchbrucharbeit anzubringen. Man verbindet die einzelnen Bahnen durch handgenähte Hohlsäume, durch Kreuznähte, oder, was bequemer ist, durch alle Arten Spitzeneinsätze oder durch untergesteppte Hohlsaum- und Durchbruchbörtchen. Dieser Schnitt des Rockes! ist der besseren Waschbarkeit entschieden empfehlenswert; zu breite Seiten und Hinterbahnen müßten zu sehr geschrägt werden und würden sich in der Wäsche verziehen. Bei diesen duftigen Stoffen weicht man auch gern etwas von der neuen Mode ab und läßt die Röcke in der hinteren! Mitte nicht vollständig faltenlos. Einige dicht zusammengezogene Reihfalten, die eine gewisse Fülle geben, erhöhen das gute Aussehen und lassen eine geringere SchrägunA der Bahnen zu. Auch ist es Bedingung für ein jedes Waschkleid, daß es ganz ohne Futter hergestellt wird, da zwei übereinanderliegende Stofflagen sehr schwer tadellos geplättet werden können. Für die soeben besprochenen duftigen Gebilde sind seidene! Unterkleider mit ihren zartsarbig durchschimmernden Licht- besetzten Mull-Fichus entnommen, die so viel neben den verschiedenartigsten Spitzenkragen getragen werden, und im Verein mit denr Besatz aus ganz schmalem Sammet- und Chinsbändchen besonders den sommerlichen Mädchenkleidern etwas so reizend Duftiges, Frisches und dabei Pikantes verleihen. Zu diesen jugendlichen Gewändern aus rosa, blaßblau oder fliederlila geblümten Mull und bedrucktem glatten oder punktierten Tüll, Battist, Linon rc. rc., ist der große Florentiner Hut mit schwarzen, herabhängenden Sammetbändern und lichten Blumenkränzen von reizend jugendlicher Wirkung. Mer auch ganz weiße und ecrufarbige Kleider, in allen Nuancen, sind hochmodern und praktisch, weil sie von Jung und Alt, von Blondinen und Brünetten gleich gut getragen werden können, da sie jeden farbigen Ausputz vertragen. Für ältere Damen sind schwarze Toiletten uitb auch die Zusammensetzung von schwarz und weiß stets besonders distinguiert. Ungemein mühselig, oft neben fabelhafter Geduld eine künstlerische Hand erfordernd, ist die Ausstattung der eleganten, modernen Sommerkleider. Man hält sie ost eher für das Werk der geschickten Hände einer Putzmacherin. Die manchmal nur inesserrückenstarken Riesensäumchen, die in Gruppen und Wellenlinien die duftigen losen Blousen und die dazu passenden Röcke zeigen, werden in den zarten Geweben meist mit der Hand ausgeführt. Zu diesen Ausstattungs-Finessen kommen abschattierte. Effekten besondern wirkungsvoll, können aber auch durch den gleichfalls seidenweichen Sattn ersetzt werden. Außer diesen Stoffen sind die reizenden, bunten Organdys mit ihren zarten Farbenzusammenstellungen wieder modern und sehen besonders elegant aus, wenn sie, wie es Wbildung 1 deutlich veranschaulicht, durch Spttzenappli- kationen verziert werden. Dasselbe Kleid ist viel einfacher und nicht minder reizvoll herznstellen, wenn der nach unten weit ausfallende Rock durch zwei bis drei schmale Serpentine- oder eingereihte Volants verziert und über die ganz glatte Blousentaille ein hübscher, moderner Spitzenkragen oder ein Fichou getragen wiro. In letzterem Falle müßte die Blouse ein wenig ausgeschnitten werden; steter Hals ist hochmodern! Doch gießt es auch allerhand dichtere, hellere und dunkle, einfarbige und gemusterte Wasch- stvffe, die auch dem einfachsten Geschmacke Rechnung tragen. Wbildung 2 und 3 repräsentieren derartige einfache Waschkleider, die außerordentlich hübsch und lleidsam sind. Wbildung 2 wirkt sehr vorteilhaft, wenn bunte Besatzstreifen auf glatten dunkelblauen oder ecrufarbenen Leinen- stoff aufgenäht werden; Abbildung 3 mit passepoilierten oder mit abwechselnd weiß und schwarzem Soutachq verzierten Blenden. Auch die neuen praktischen Waschseiden liegen in so reichen Mustern und Farben-Zusammenstellungen vor, daß sie eigentlich eine weitere Garnitur überflüssig machen. • Neu sind dieses Jähr auch die ganz einfach gehaltenen Leinenkleider, bei denen die übertretenden losen Vorderteile durch zwei Reihen Knöpfe verziert werden. Den oberen Abschluß bildet ein breiter sich übereinander legender Shawlkragen oder ein kleiner Umlegekragen mit Revers! (Herrenfayon). Der Rock dazu wird am besten nur mit schmalen weih passepolierten Blenden besetzt oder auch ganz glatt gelassen. Es würde uns zu weit führen, wenn wir dieses Thcmaj auch nur annähernd erschöpfen wollten, deshalb nur diese wenigen flüchtigen Andeutungen. Es gießt so vielerlei Neues, Einfaches und Elegantes, daß wirklich jedem Geschmack Rechnung getragen werden kann, und Frau Mode thut ganz recht daran: „Wer vieles dringt, wird jedem etwas bringen." Moderne Waschkleider sind besonders leicht im! Hause anzufertigen, deshalb machen wir alle sparsamen Hausfrauen auf das ModenalbUm Schnittmusterbuch der Intern. Schnittmanufaktur in Dresden aufmerksam. (Preis nur 50 Pfg.) Geschickten Händen wird es nicht schwer sein, nach den dort erhältlichen, vorzüglich ausprobierten Schnitten die reizenden, modernen Sommerlleider nach, individuellem Geschmack selbst herzustellen. Fertige Kostüme sehen ja im Anfang ganz hübsch aus, verlieren aber, die billigen wenigstens, sehr bald die Fayon. Außerdem ist es nicht jeder, manns Geschmack, sich nach der Schablone zu kleiden. Redaktion: Curt Plato. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen UniversitätS-Buch- und Steindruckerei (Pietsch Erben) in Gießen.