(Nachdruck verboten.) Die Möve. Roman in zwei Bänden von Zacharias Nielsen- Autorisierte Uebersetzung aus dem Dänischen von Mathilde Mann. (Schluß.) „Es ist nicht mehr so, wie es gewesen", erwiderte er, als Thomas das Gespräch auf die unruhigen Zeiten in der Hauptstadt brachte. „Tas Ganze war nur eine künstliche Aufwallung. Was macht sich der Kopenhagener aus dem Wohl der Menschheit, wenn er nur sein Theater und sein Tingel-Tangel hat? Es giebt in der ganzen Hauptstadt nicht zehn.Menschen, die das Zeug haben, eine vernünftige Opposition aufrecht zu halten." Der Redakteur verzog den Mund zu einem schadenfrohen Lächeln. „Es mag ganz gut sein", antwortete Thomas, „daß die Leute ein wenig ruhiger geworden sind." „Ach, ja — das ist alles recht gut! Ruhe und Frieden ;— Langeweile hienieden! Tie Langeweile verlängert das Leben. "Aber offen gestanden, ich habe so erschrecklich wenig Lust, über unsere teure Hauptstadt zu reden. Erzählen Sie mir ein wenig vom Landleben, von der Natur. Es ist wvhl- thuend, -.unter den großen, offenen, ehrlichen Himmel zu kommen und alle diese gesunden Bauerngesichter auf den Wegen und Feldern zu sehen. Ach, wäre ich doch ein Land- mann!" Thomas mußte sich verabschieden, da er in der Mühle nicht länger entbehrt werden konnte. Während Rudolf mit Helene und ihrem Water beim Essen saß, begann er von den harten Schickungen zu reden, die Helene und Boje während der letzten Jahre durchgemacht hatten. „Es hat mir hinterher oft so leid gethän, daß ich Boje keinen Trost und keine Stütze sein konnte." „Sie waren uns ja eine große Stütze. Das habe ich nicht vergessen!" „Ja — nein! Ich fiihlte sehr wohl, wie mich Böje von sich schob; es that mir ost sehr leid." „Ihre Ansichten waren zu verschieden." „Ja, ich wundere mich auch im Grunde gar nicht darüber, es thut mir nur sehr leid." „Böje war sonst in der letzten Zeit so liebevoll gestimmt." „Böje war trotz seiner Krankheit und seines Mißgeschickes ein glücklicher Mann/< Montag dm 2. Juni. Nr. 8-L 1902. iMOi SM WZas nicht tief wurzelt, wipfelt auch nicht hoch. Sprichwort. Die Zeit kam, da Rudolf sich verabschieden mußte. „Frau Böje, hätten Sie nicht Lust, mich eine Strecke Weges zu begleiten?" „Ja, das thue ich gern. Wir können ja die Kinder mitnehmen." „Ob die nicht lieber zu Hause bleiben?" „Was denken Sie nur? Me freuen sich wie die jungen Hunde, wenn es ausgeht!" Sie gingen langsam den Weg entlang. „Sie haben keine Ahnung, wie ich Sie und Böje entbehre." „Entbehren Sie mich wirkliche?" „Ja, Sie am meisten." „Und wir zankten uns doch beständig." „Ja, aber es war Inhalt in unfern Zänkereien. Ich habe niemand mehr, mit dem ich so reden kann. Offen gestanden — ich, — ich bedarf des Verkehrs. Sie ziehen wohl nicht wieder in die Hauptstadt?" „Nein, das thue ich nicht." „Tas dachte ich mir. Sie haben wohl nicht eine einzige Menschenseele in Kopenhagen, die Ihnen nahe steht? Ich meine so wirklich nahe?" „Nein — höchstens eine alte Schusterswitwe." „Madame Hansen?" „Ja; sonst wüßte ich niemand; Sie brauche ich ja natürlich nicht zu nennen." „Wie meinen Sie das?" „Ich meine — Sie gehörten ja zu unserm nächsten Verkehr." „Hm — Verkehr. Ja, ich verkehrte viel bei Ihnen." Helene blieb steheti und blickte nach dem Dorf zurück. „Glauben Sie nicht, Frau Böje, daß ich hier außen irgend eine Beschäftigung finden könnte?" „Das ist wohl sehr schwer." „Könnte man fid) nicht im Frühling irgendwo eiumieteu und den Versuch machen, von litterarischen Arbeiten zu leben? Sie haben mir erzählt, wie Böje sich hier einen Sommer aufhielt und so gesund und glücklich wurde." „Ich glaube nicht, daß Sie hier glücklich würden!" Er sah mit einem eigenartig schwermütigen Blick zu ihr auf: „Nein, das würde ich wohl nicht." „Versuchen Sie doch, sich Zutritt zu irgend einer guten Häuslichkeit in der Stadt zu verschaffen. Oder — könnten Sie nicht eine gute Frau finden, die Ihnen selber eine glückliche Häuslichkeit zu schaffen verstünde?" Er schüttelte den Kopf. „Sie sollen sehen, Rudolf, es kommen auch für Sie noch gute Zeiten!" Sie ergriff seine Hand und dankte ihm noch einmal herzlich für das Bild. Das würde sie ihm niemals vergessen, sagte sie. < , „Tann habe ich doch eine große Freuds an der ich in Zukunft zehren kann. Haben Sie Tank, daß Sie mich s». — 322 -u- deu des ihn sie freundlich ausgenommen haben I Mr sehen uns Wohl nicht Wieder?" sammengekrochen er den einsamen Weg entlang. Sie lag lange da und stöhnte, bald wendete sie Kopf nach der einen, bald nach der andern Seite. „Hast Tu arge Schmerzen?" „Ach nein!" Jeden Augenblick siel ihr Arm über den Rand Bettes, er aber nahm ihn sorgfältig auf und legte wieder zurecht. „Es war mir, als wenn Karen hustete", stöhnte wieder. : sich mehrmals um, in der Absicht, ihm zuzuschaute nicht zurück. Gebeugt, gleichsam zu 'n in seinem weiten Ueberzieher, trippelte „Sie können uns ja einmal wieder besuchen, Sie sollen Uns stets willkommen sein!" „Nein, hm! Nun leben Sie wohl, vielen Dank für Ihre Freundlichkeit!" Mit eigentümlich nervöser Unruhe nahm er von ihr !und den Kindern Abschied und eilte dann weiter. Sie wandte sich mehrmals um, in der Absicht, ihm zuzu- Ulcken, er aber Im Laufe des Winters fühlte sich Helene so angegriffen Yon Husten und Mattigkeit, daß sie sich am Morgen kaum durch den Garten zu schleppen vermochte; aber sie wollte nichts davon hören, daß sie das Bett hüten müsse; sie war me daran gewöhnt gewesen, Rücksicht auf sich zu nehmen. Welch etit Unsinn, daß sie sich legen sollte! Was sollte dann wohl-aus ihrem Bater, den Kindern, der Wirtschaft und der Meieret werden? Endlich fiel sie eines Tages in der Vorratskammer ohnmächtig um und mußte ins Haus hinübergetragen werden. . Woche auf Woche lag sie da mit ihren blanken Augen und den brennenden Flecken auf den Wangen und starrte zu dem dunkelblauen Winterhimmel empor. Thomas kam zehnmal des Tages und sah sich nach ihr um. Sie war ärgerlich auf den Arzt. „ „ »Es ist wirklich dumm, daß er mich nicht aufstehen lassen will; nnr fehlt ja gar nichts." Unablässig waren ihre Gedanken mit den Kämpfen des Lebens beschäftigt. Still, mit dem Wiederschein geistvoller Gedanken auf ihren Zügen, lag sie da und vertiefte sich in tue heiligsten Fragen des Herzens. „Ich liege hier und grübele tüchtig", sagte sie; „jetzt habe ich ja nichts weiter zu thun." Vorsichtig sprach sie mit Thomas über die Verantwort- ^ng' dle wir für unser Leben haben, über die Befreiung des Gewissens und das Leben jenseits des Grabes. Obwohl nicht eine Spur von Ueberspanntheit in ihren Worten lag — sie sprach immer so offen und frisch -h Mel es Thomas gar nicht, daß ihre Gedanken stets in den Lichtglanz der ewigen Ideen emporstiegen. Es schien ihm, als sei ihre Rede mit überirdischen Bildern gefüllt. sehnte sich nach dem Frühling. Es war, als werde W ledem schwindenden Tage leichter und stärker. Ihre Gedanken sammelten sich um den wunderbaren Drang nach Leben und Freude, der durch das ganze Dasein, durch die ganze Natur, durch das Tier- und Menschenleben wogt. War es nicht merkwürdig, daß der Glaube und die Sehnsucht nach der ursprünglichen Harmonie des Lebens noch aus der Erde vorhanden war, trotz des Gesetzes der Unzulänglichkeit, unter dem alles hienieden seufzte? Es war, als könnten wir an allem, worin die gesunden Kräfte pes Lebens gären, Lebensäußerungen spüren, die einen Einspruch gegen diese Unzulänglichkeit erheben und sich mit brennender Sehnsucht nach Licht und Befreiung drängen. Sie erinnerte sich, wie Böje vor einem Jahre beim Ge- dankeii an den Frühling den Lebensdrang in allen seinen Adern verspürt hatte. Wiederholte sich jetzt nicht dasselbe Niemals hätte sie geglaubt, daß ihr Leben eine solche Wendung nehmen könnte. Sie war so unsagbar müde, als er starb. Wenn die Kinder nicht gewesen wären, hatte sie gern wie jener Bischof in Roeskilde den Totengräber gebeten, Platz, für zwei im Grabe zu machen. Jetzt aber war es etwas anderes. Sie hatte nM so vieles, wofür sie leben mußte. . Während^ laue Winde über die sonnenhellen Felder strichen, lag sie da und dachte, wie sich jetzt die tote, wasser- gesattigte Erde erwärmte. Larven und Gewürm regten sich die Pflanzenwurzeln sogen frische Kräfte ein. Alles traf seme Vorkehrungen. Bald würden sich kleine, trockene Erdschollen im Garten heben, und ehe man sich's versah, standen die Krokusköpfe da und lachten im warmen Sonnenschein. Bilder und Ahnungen drangen auf sie ein: Waldmeister- duft, wogende grüne Roggenfelder, Lerchensang, perlenfunkelnde Tautropfen und dann, inmitten des Ganzen, ein großes, warmes Herz, aus dessen Kammern Leben und Liebe für die ganze Schöpfung strömte. „Wenn ich nur erst wieder auf bin, Thomas, dann wollen wir tüchtig zugretfen! Der große Rasen muß wahr um-, gegraben werden, und für das Beet vor den Flaggenstangen müssen wir einige hochstämmige Rosen kommen lassen. Schön wäre es, wenn die Thüren im Wohnzimmer gestrichen und für Deine Stube neue Gardinen gekauft werden könnten." Er sank auf den Stuhl an ihrem Bett nieder und gab! sich einer Stimmung hin, in der Dankbarkeit, unsagbares Glück iumd unsagbarer Schmerz mit einander rangen. Er wußte vom Arzt, daß sie nicht leben konnte. Eines Tages, als er am Strande gewesen war, fragte sie, ob er die Möve nicht gesehen habe. „Nein!" _ "Es war doM 'Merkwürdig mit der Möve! Erinnerst Du Dich noch, wie sie die Flügel anspannte — gerade gegen den Wmd an? Sie wollte nach dem Felsen hinüber." Thomas konnte fast niemals ein Wort hervorbringen> Mm "ihr' ihr saß; aber seine Augen wichen nicht fuhr sie mit eigenartig glänzendem Blick fort. . „Es handelt sich doch in Grunde nur darum, daß wir glücklich über das große Wasser gelangen und die weiße Küste erreichen." a Thomas sah es ihren Augen an, daß sie sich jetzt klar darüber war, daß sie auf ihrem letzten Flug be-, griffen sei. Als die Krokusköpfe die Erdschicht durchbrachen, hatten sich Helenes Augen geschlossen. Thomas wachte die letzte Nacht bei ihr. Um zwölf Uhr hatte er sich schlafen gelegt, war aber kaum warm geworden, als er — unruhig wie er war — aus dem Bett sprang, zu Helene hinüberging und das Mädchen ablöste, das bei ihr Wache hielt . Der alte Redakteur, der im Wohnzimmer schlief, saß im Bett und bewegte die spitzen Winkel der Kniee, die er gegen das Federbett gestemmt hatte, wiegend hin und her. Thomas bat ihn, sich zu legen, er wolle schon für sie sorgen. Die Kinder, die in Helenes Zimmer in einem Bett schliefen, hatten das Kissen abgestoßen, die Kleine lag mit dem einen Bein über dem Magen des Bruders. Beide, schnarchten sie mit offenen Mündern. Thomas legte sie zurecht und deckte sie zu. Es war in der letzten Zeit eine eigenartige stille Kraft über ihn gekommen, die seinen Gang fest machte. Mit Helene ging es scheinbar zu Ende. Tie verzerrten Gesichtszüge, der krampfhafte Griff der Finger zeugten davon, daß sie litt. „Wenn die Kinder nur zugedeckt sind", flüsterte sie. \ „Ich habe sie eben warm eingepackt." „Hai Vater die Wärmflasche wohl bekommen?" „Er liegt warm und gut; ich kann hören, daß er schläft." „Neun sie stieß nur an. Sie schläft ganz fest und ruhig." Er legte ihren Arm wieder aufs Kissen und trocknete ihr den Schweiß von der Stirn. „Tanke, Thomas! Aber Du solltest schlafen gehen. Ich werde ganz igiut allein fertig." Nach einiger Zeit öffnete sie die Augen und sah nach dem Wohnzimmer hinüber. Der Schein der Nachtlampe spiegelte sich einen Augenblick in den glänzenden Pupillen wieder, dann schlossen sich die Lider abermals. Um zwei Uhr klopfte eine Hand ans Fenster der Vorder- stube. Thomas ging hinaus und öffnete. „Ich konnte nicht schlafen, Thomas! Hm, hm, — wie steht es?" „Ja, jetzt liegt sie still, aber —" Er schüttelte den Kops. „Ich glaube, es ist besser, wenn Du nicht hinein-! gehst, Vater." „Nein, nein! Ich möchte sie nur einmal sehen, nur einmal sehen!" Er schlich auf den Zehen durchs Zimmer, stellte sich 828 kn frte Thür, Sie Mr Kammer führte, unv MM eine Weile da, den kleinen, dünnen Kops hin und her wiegend. „Hm! Ich bin gerade nicht lebensüberdrüssig, Thomas f— im Gegenteil!" slüsterte er; „aber wenn ich mit ihr tauschen konnte, so würde ich es, weiß Gott, mit Freuden thun." Tann preßte er Thomas die Hand und schlich wieder fort. Sie lag mit gefalteten Händen da. Ihre Atemzüge wurden immer schwächer, aber sie schien such der Ruhe mit einem unsäglichen Wohlbehagen hiuzugeben, so wie sie es als Kind wohl tausendmal gethan, wenn sie sich mit den Worten der Haustafel hinlegte r „Und damit gleich und fröhlich einzuschlasen." Tie Züge nahmen eine sauste Innigkeit an, es war, als fühle sie eine bisher unbekannte Sicherheit durch alle Wern fließen, als senke sich Gottes Friede auf ihre Brust, wie ein frisches, kühlendes Blatt auf eine Wunde. Thomas mußte ein Licht anzünden und einen frischen Docht in die Nachtlampe thun. Als er sich wieder nach dem Bett umwandte, war sie tot. Er hob die schlaffe Hand zum letztenmal auf, kniete vor dem Bett nieder und rief: „Liebe, liebe, teure Helene!" Lange blieb er liegen und sah sie an; er weinte nicht, er wußte es kaum, daß er dort lag. Endlich aber fühlte er, daß ihn fror. Dann erhob er sich/ ohne jedoch den Blick von ihr zu wenden. Er konnte es nicht fassen. Tie Kleine stieß wieder an. Er trat ans Bett, wickelte die kleinen warmen Körper in ein paar Decken, nahm auf jeden Arm eines der Kinder, trug sie durch den dunkeln Garten in den Mühlhof hinüber und legte sie in sein eigenes Bett, das noch warm war. ■ Dann ging er zurück, um bei der Leiche zu wachen. Der alte Mann lag hintenüber im Bett und schlief mit laugen, schnarchenden Atenizügeu. Er setzte sich auf seinen alten Platz und gab sich wieder dem Änschauen der feinen Züge hin, die, von der Schönheit des Todes geadelt, sich -mit ruhigen, befreiten Linien im Lampenlicht abhoben. Seine Gedanken glitten über ihr Leben hin, über dies Leben, das sich so wunderbar von seinem eigenen abgezweigt, das aber mit seiner Kraft und seiner großen Liebe ihm zu unaussprechlichem Segen gereicht hatte . Gott weiß — sie hatte mehr gekämpft, als irgend jemand geahnt — aber jetzt war sie ans Ziel gelangt. Er strich sauft mit der Hand über ihre Stirne: „Du reute, stille, starke Möve!" Panzerplatte». Von W. St en gl, Ingenieur. (Nachdruck verboten.) lieber die Herstellung der schweren Panzerplatten zur Armierung unserer modernen Schlachtschiffe herrschen heute, selbst in Fachkreisen vielfach noch recht unklare Borstell« ungen. Dies ist auch kaum verwunderlich, wenn man sich vergegenwärtigt, mit welcher eifersüchtigen Heimlichkeit alles, was nur irgendwie mit der Panzerplatteu- herstellung zusammenhängt, von feiten der wenigen großen Firmen, die sich mit diesem Fabrikationszweige beschäftigen, behandelt wird, um sich ihre bisherige Alleinherrschaft aus diesem Gebiete weiter zu sichern. Vom Standpunkt der Fabriken ist dieses Verhalten auch sehr wohl zu verstehett, dettu es ist ganz natürlich, wenn dieselben ihre durch die Ausführung ausgedehnter, sehr kostspieliger Versuche gewonttenen wertvollen Erfahrungen ihrer Konkurrenz nicht ohne weiteres zugute kommen Iaffen wollen. Dies erklärt auch, in Verbindung mit dem Umstande, daß die Fabrikationseiurichtuugeu einen bedeutenden Kapitalaufwand erfordertr, die jetzt thatsächlich vorhandene Monopolisierung der Panzerplattenfabrikation durch einige wenige große Firmen wie Krupp, Stumnt, Schneider, Armstrong. Diese von den Fabriken beliebte geheimnisvolle Behandlung der Panzerplattenherstellung konnte indessen nur in, Bezug auf verhältnismäßig wenige wuchtige Einzelheiten von gewissen, allerdings auch nicht allzu bedeutendem Erfolg sein, während dieselbe die Prinzipien der Herstellung nicht zu treffen vermochte. Daher sind heute auch außenstehende Kreise in der Lage, die Panzerplatten- Herstellung ziemlich in allen ihren Einzelheiten zu überschauen. Während die Größe der Panzerplatten von jeher ungefähr die gleiche geblieben ist (etwa 7,5 Meter Länge bei 1,4 Meter Breite), sind dieselben in ihrer Dicke in neuerer Zeit ganz wesentlich heruntergegangen, ohne jedoch dabei an Widerstandsfähigkeit abgenommen zu haben. Diese den neueren Platten eigene bedeutend größere Festigkeit ist die Folge einer vollständigen Umwälzung in den Grundprinzipien ihrer Konstruktion. Die ältesten Panzerplatten, welche aufkamen, wurden aus Schweißeisen hergestellt, und zwar in folgender Weiser Aus je 5 etwa 40 Kilogramm schweren Brammen besten, sehnigen Schweißeisens, die zusammengeschweißt wurden/ wurden zunächst Bleche hergestellt, die dann zu je dreien bis fünfen zu einer stärkeren Blechplatte zusammengewalzt wuroen. Von diesen Platten wurden nunmehr in einem Schweißofen je 3 bis 5 durch Eisenstücke von einander getrennt, hohl aufeinaudergelegt und auf Schweißwärme er- S, worauf dann das Ganze durch mehrmaliges Durch- en eines Walzenpaares zum Verschweißen gebracht wird. Die so hergestellten Platten vermochten indessen den rapiden Fortschritten der Geschütztechnik bald nicht mehr stand zu halten; es wurden der vermehrten Durchschlagskraft der Geschosse gegenüber so große Stärken der Panzerung erforderlich, daß die dadurch verursachte Schiffsbelastung ein unzulässig hohes Maß erreichte. Abgesehen davon ließen aber auch diese sehr dicken Platten (300 Millimeter und mehr) in Bezug auf Homogenität und besonders Elastizität sehr viel zu wünschen übrig. Diese Umstände sührten zu der namentlich in England gepflegten Konstruktiott der sogenannten Verbundpanzerplatten. Diese bestehen aus einer nach dem vorigen Ver> fahren hergestellten Grundplatte von etwa 300 Millimeter Stärke, auf welche vermittelst Stehbolzen eine 50 Millimeter starke Deckplatte aus Flußeisen, Flußstahl oder auch aus Schweißeifeu so aufgeschraubt wurde, daß zwischen beiden ein Zwischenraum von' etwa 130 Millimeter verblieb. Dieser wurde schließlich mit Flußeisen ausgegossen und dann das Ganze bis aus etwa zwei Drittel der vor-, handenen Stärke ausgewalzt. Das wesentlich Neue bei diesen Platten bestand also in der Verbinduttg einer harten Deckschicht, welche ein Zerschellen der auftretenden Geschosse bewirken soll, mit einer Gruudschicht aus weicherem nachgiebigerem Metall, welches den elastischen Träger der harten Schicht abgab. Das gleiche Ziel suchte man unter Umgehung der! schweißeiserneu Grundplatte durch Verbindung zweier verschiedener Arten Flußeisen in folgender Meise zu erreichen: Man goß zunächst eine Grundplatte aus weichem Fluß-, elfen und ließ die oberste Schicht derselben eben erstarren. Dann goß man sofort eine Deckschicht von hartem Fluß- eifen oder Stahl auf diese, sodaß eine gute Verbindung! der beiden Sagen eintrat. Alle diese Verfahren sind indessen nur als eine Vorstufe zu der heute allgemein üblichen Herstellungsweife aus einer einzigen Eifensorte auzuseheu, die erst durch die Anwendung des Nickels zur Legierung mit Eisen ermöglicht wurde. . Bekanntlich verleiht schon ein verhältuismapig sehr niedriger Nickelgehalt dem Eisen eine ganz außerordentliche Festigkeit, die sich mit einer gerade für die Panzerplatte sehr erwünschten bedeutenden Zähigkeit und Elastizität paart. Die Härte der Eisen-Nickellegierungen ist eine so enorme, daß nur sehr kohlenstoffarmes Nickeleisen über- baupt eine Bearbeitung zuläßt. Bei höherem Kohlenstoffgehalt (Nickelstahl) kann fich eine Bearbeitung bei den Mitteln der heutigen Technik höchstens auf ein gewißes! Abschleifeti oder Polieren beschränken. Der Nickelgehalt des zur Pauzerplattenherstellung be- nutzten Eisens beträgt 3 bis 6 Prozent; in der Regel enthält dasselbe auch noch andere Zusätze, die nach Art und Menge bei den verschiedenen Fabriken verschieoen sind; meist ist Chrom darin vorhanden, jedoch nicht mehr als etwa 1 Prozent. „ , ,, . . Die Fabrikation der modernen Nickelstahlpanzerplatten geht nun in folgender Weise vor sich: Zunächst wird das erforderliche Quantum möglichst 324 -t Redaktion: I. V..- R. Dittmann. — Rotationsdruck und Verlag der Br ü h l'schen UniversitiitS-Buch. und Eteindruckerri (Pietsch Erben) in Gießen. weichen, d. h. kohlenstoffarmen FlußeisenS im Martinofen einaeschmolzen, dann mit Nickel und den übrigen Bestandteilen legiert und in Form eines starken Blockes gegossen. Dieser wird dann in einem besonderen Ofen Wieder auf die nötige Wärme gebracht und darauf mittels lehr starker hydraulischer Schmiedepressen (Preßdruck fünf Millionen Kilogramm und mehr) zu einer starken Platte vor- geschmiedet. Ist dies geschehen, so wird die Platte zu kinem kräftigen Walzwerk geschafft und hier auf die erforderliche Stärke fertig ausgowalzt. Die Walzen haben Linen Durchmesser von 0,9 Meter oder mehr und sind im stände, in Verbindung mit einer der vorerwähnten Schmiedepressen vier große Platten täglich zu verarbeiten, vorausgesetzt, daß alle modernen Hilfsvorrichtungen für die leichte Hantierung (Krahne usw.) der enorm schweren Arbeitsstücke vorgesehen sind. Danach erfolgt zunächst ein vorläufiges Zuschneiden auf annähernd die gewünschten Maße, und es werden Proben des Materials untersucht, um das Vorhandensein der erforderlichen Festigkeitseigen- schaften festzustellen. Nachdem die Platte so vorgerichtet ist, stellt sie noch einen durch und durch homogenen Eisenkörper dar, welcher nun erst mit einer härteren Decke zu versehen ist, die die austreffenden Geschosse zum Zerschellen bringt. Dies geschieht durch einen Zementierprozeß, durch welchen die Oberfläche ber Platte durch Zuführung von Kohlenstoss tn Stahl verwandelt wird. Für die Ausführung dieses Prozesses sind mehrere Verfahren bekannt. Das älteste derselben, von Harvey angegeben, arbeitet mit Holz- oder Knochenkohle und zwar in der Regel wie folgt: Zwei Platten werden so einander gegenüber gestellt, daß ein Zwischenraum von einigen Zentimetern zwischen den zu härtenden Stirnflächen vorhanden ist. Dieser wird mit Kohlenstaub angefüllt, und dann das ganze etwa 14 Tage lang auf eine Temperatur von 1200 Grad erhitzt. Dabei nehmen die oberen Schichten der Platten Kohlenstoff auf und erlangen dadurch eine größere Härte als das weich bleibende Mckelslußeisen der übrigen Plattenteile. Sehr wichtig ist hierbei der Umstand, daß die harte Oberschicht nach der Tiefe der Platte zu allmählig in weicheres Material übergeht, weil dadurch ein Abspringen der Decke beim Auftrcffen von Geschossen verhindert wird. Die verschiedenen, diesem Verfahren noch anhaftenden Mängel — hohe Erhitzungstemperatur, geringe Dicke der Härteschichit (5 bis 15 Millimeter), Unhomogenität derselben — zeitigten größtenteils die Einführung der Zementierung durch Kohlenwasserstoffgase (Leuchtgas). Hierbei werden gleichfalls zwei Platten zugleich behandelt; der Zwischenraum zwischen denselben, der etwa 250 Millimeter beträgt, wird durch eine Asbesthülle verschlossen und nach Erhitzen auf Rotglut das Gas eingeführt. Die hohe Temperatur bewirkt dann eine Abscheidung von Kohlenstoff aus dem Gase, der infolge seiner äußeret feinen Verteilung eilte sehr gleichmäßige Zementierung der Oberflächenschichten bewirkt. Der ganze Prozeß nimmt wesentlich kürzere Zeit in Anspruch als das Harveyversahren und läßt die Härtung tiefer eindringen (bis zu 40 und 50 Millimeter). In neuester Zeit hat sich Bentou Knott Famison in Philadelphia eine Abänderung dieses Verfahrens patentieren lassen, die daraus beruht, daß die stark erhitzte Platte mit der Stirnfläche in eine Härteflüssigkeit getaucht wird, die bei der Berührung mit der heißen Platte Kohlenwasserstoffgase ausscheidet. Diese wirken dann in gleicher Weise wie oben angedeutet. Das Härten einer Platte bis auf 45 Millimeter Tiefe soll bei diesem Prozeß etwa 80 bis 40 Minuten in Anspruch nehmen. Die Rückseite der Platte wird dabei durch Auflegen stark erhitzter Eisenplatten genügend warm gehalten. Ob das Verfahren wirklich Resultate ergiebt, die es befähigen, mit der Kohlung durch Leuchtgas in erfolgreichen Wettbewerb zu treten, müssen wir vorerst noch dahingestellt sein lassen. Nach der Kohlung der Deckschichten- nach einem der genannten Prozesse mutz durch Ausglühen usw. stets ein Vergüten der Platten erfolgen, um der zementierten Stahlschicht, welche ein ziemlich grobkristallinisches Gefüge aufweift, eine feinere Struktur zu geben. Hiernach erhält nunmehr erst die Platte die endgiltige Form durch Biegen mittels hydraulischer Pressen und wird vollständig fertig bearbeitet, bevor durch Abschrecken (Besprengen mittels starker Brausen) die oberste Schale glashart gehörtet wird. Auch bei dieser Abschreckung mutz darauf gesehen werden» daß die Härtung nach der Diese zu allmählich verläuft. Diese Härtung verursacht namentlich bei stärker gekrümmten Platten ziemliche Schwierigkeiten; es treten sehr leicht Risse auf und die Platten verziehen sich. Daher mutz bet Fornten, bei denen diese Erscheinungen in stärkerem Maße auftteten, vom Abschrecken der Oberfläche überhaupt abgesehen werden. Als letzte Operation folgt zum Schluß noch das Ab- schleifen der Oberfläche mittels schnell rotierender Schmira gelscheiben. Hierdurch erhält die Platte eine glatte Außenfläche, welche alle auch nur etwas schräg auftreffeudeu Geschosse ohne weiteres abprallen läßt? GsMsinnMziges. Rationelle Gurkenzucht nach besonderem Verfahren. Bei der Gurkenzucht spricht der mehr oder weniger warme Sommer ein gewichtiges Wort mit. In kalten Sommern gedeihen die Gurken weniger gut als in warmen. Es muß daher die Aufgabe jedes Gurkenzüchters sein, daß er seine Gurkenbeete möglichst unabhängig von der Witterung anlegt. Diese Aufgabe kann bestehen in einer besonderen Art der Düngung, sie kann aber auch bestehen in einer besonderen Pflege im Laufe des Sommers. In Nr. 5 des „Erfurter Führer int Gartenbau" beschreibt ein Gurkenzüchter, der 15 Jahre hindurch mit gleichem Erfolge Gurken baute, seine Zucht von Beginn an auf das Eingehendste. Die Düngung, die Aussaat des Samens, die spätere Behandlung der Gurken, werden so eingehend behandelt, daß jeder, selbst derjenige, der noch niemals Gurken baute, sich vollständig danach richten kann. Da diese Art der Gurkenkultur besonders für kleinere Gärten geeignet ist, so möchten wir denjenigen, die sich ihre Gurken selber ziehen wollen, empfehlen, sich oie Nr. 5, welche unseren Abonnenten kostenfrei zugeschickt wird, vom Geschäftsamt des „Erfurter Führer im Gartenbau", Erfurt, kommen zu lassen. Der falsche Mehltau oder die Bl-attfallkrankheit des Weinstockes. Diese verheerende Krankheit ist den meisten Weingutsbesitzern nur zu gut bekannt oder sollte es wenigstens da sejn, wo sie einmal heftig ausgetreten und nicht allein die Ernte, sondern auch die Reben geschädigt hat. Diese Voraussetzung trifft leider nicht oder nur teilweise zu, wie z. B. an vielen Orten Deutschlands die Unterlassung der behördlicherseits angeordneten Bekämpfungsmaßregeln zur Genüge beweist. Mancher Winzer will sich trotz des Schadens nicht von der Gefährlichkeit der Blattfallkrankheit überzeugen, viele Besitzer von Spalierreben an Hauswänden kennen diese Krankheit überhaupt nicht, wie die alljährlich an die Redaktion des „Praktischen Wegweisers", Würzburg, eingesandten, vom Mehltau befallenen Blätter und Trauben bestätigen, die mit der Bitte um Aufklärung über die Ursache dieser Erscheinungen an uns gelangen. Es dürfte deshalb von allgemeinem Interesse sein, über die Herkunft und Verbreitung der Krankheit, über! die äußeren Erscheinungen und Ursachen derselben, Formen und Lebensbedingnn'gen des die Krankheit verursachenden Pilzes, seinen Einfluß auf die Rebe und deren Produkt und schließlich über seine Bekämpfung etwas zu hören. Mit der Kenntnis dieser Umstände und Thatsachen wird auch das Vorurteil gegen die Schutzmatzregel, speziell gegen das Bespritzen der Reben, schwinden. Der „Praktische Wegweiser", Würzburg, bringt deshalb in Nr. 19 und 20 ausführliche illustrierte Abhandlungen über die Blattfallkrankheit und stellt Interessenten diese Nummern unentgeltlich auf Wunsch zur Verfügung. Geheimschrift. Die Buchstabenreihen sind in Gruppen zu zerlegen, die sich durch Einfügung passender Vokale zu sinngemäßen Wörtern bilden lassen. Drmnschblbtmmrmnsch Wschdwsnsgn Nj dmltrwrddsstbsschwchrshn Dnstmplnrthrhttrgn. (Auflösung in nächster Nummer.) Auflösung der Schachaufgabe in vor. Nr.: W. Kb2, Lai, e4, Sc8, g5, Be5, £2, g3, h4. Schw. Ke5, De8, Th2, hG, LdL 1. Kb2-b8, beliebig. — L. Vierfach matt.