5T 1902. — Nr. 65. $ erltere dich selbst nur nicht, dann bist du bei jedem Verlust noch reich genug. Gebauer. 4 (Nachdruck verboten.) Die Möve. Roman in zwei Bänden von Zacharias Nielsen. Autorisierte Uebersetzung aus dem Dänischen von Mathilde Mann. (Fortsetzung.) „Das ist recht, Anne, nur recht flott mit dem Porzellan", sagte er, seine Hand über ihre entblößte Schulter gleiten lassend. „Na, na, na!" schalt sie, sich ihm entwindend, „ich habe keine Zeit, hier zu stehen und zu spielen." „Anne, wir sind jung, wir müssen. spielen, so lange es noch Zeit ist." „Ja, aber jetzt ist keine Zeit dazu." „Wann denn?" Nachdem sie die Zeitfrage näher erörtert hatten, wurden sie einig, daß es am schönsten sei, des Abends im Mondschein zu spielen. „Ja, Anne! Daun gieb mir nur ein Glas." Er begab sich abermals zu der Gesellschaft und stürzte ein ganzes Glas in großen Zügen hinunter. „Aber das ist ja wahr", rief der Förster, mit unsicherer Hand durch seinen großen, struppigen Bart fahrend, der in seiner innersten Tiefe allerhand Ansammlungen von Brotkrumen- und Aalgräten enthielt — „beinah' hätte ich es ja vergessen — heda/. Du Müller- gesell — ach, er hört nicht" (er schlug mit einem Schlüssel an das Glas), „haltet mal einen Augenblick Eure Mäuler da drüben!" „Mas giebt's denn?" fragte Thomas. „Ja, was giebt's! Neuigkeiten aus Kopenhagen." Einen Augenblick herrschte tiefes Schweigen. „Als ich da gestern mit meiner Schwester auf der Straße stehe und schnacke, kommt ein feiner Herr, der eine Dame am Arm führt, und stößt mir seinen Regenschirm gerade in den Nacken. „Verzeihen Sie", — „Ach, ich bitte, recht gern geschehen!" „Aber was seh' ich? Ich denk', mich soll der Schlag rühren, ist das nicht Deine alte Braut und der mit den Augen, der Gutsverwalter! Ja, wir kommen ins Gespräch. Sie hatten sich ganz kürzlich verheiratet und sahen mörderisch glücklich aus — ach was, er kann es ganz gut vertragen." Die letzten Worte waren an den alten Müller gerichtet, der ihm untern Tisch auf den Fuß trat. Thomas hatte eine unheimlich aschgraue Farbe bekommen, dunkle Ringe umschatteten seine Augen, im nächsten Augenblick aber kehrte seine gewöhnliche Röte zurück, die von einer Unmenge haarfeiner, bläulicher Adern unterbrochen war. Der Redakteur, der in einer Ecke gesessen, und in einem Kalender geblättert hatte, das dumme Gerede der plebejischen Gesellschaft mit verachtungsvollem Schweigen strafend, schaute plötzlich mit unsicherer Hilflosigkeit um sich und bat, daß mau ihn nach Hause führen möge. Thomas reichte ihm den Arm und führte ihn hinaus. Der Förster biß sich in die Knöchel und machte dann eine verächtliche Handbewegung. „Ja, das hätten Sie lieber für sich behalten sollen, Förster, hm!" „Der Teufel hol' die ganze dumme Frauenzimmerwirtschaft!" Als Thomas sich wieder setzte, leuchtete ihm die ganze Wildheit seiner Kraftnatur aus den Augen. Jetzt sollte es, weiß Gott, ein lustiges Leben werden! Nun hinderte ihn ja nichts, das Tier herauszukehren! „Hm, Thomas!" Bald ertönte das Zimmer wieder von einem summenden Wortgebrause, mit Lachen, Rufen und Singen vermischt. Der Schweiß troff Thomas von den Wangen herab und tröpfelte ihm aus dem roten Bart. Der Alte schüttelte den Kopf und ging von Zeit zu Zett in Thomas' Schlafzimmer hinein, wo die alte Mutter saß, und den Sohn kopfschüttelnd mit feuchten Augen betrachtete. Mehrere Stunden lang hielt die Trinklust Thomas aufrecht, endlich aber fing er an, zusammenzusinken mit einem eigentümlich gläsernen Starren, das von unheimlichen Visionen erzählte. Der Förster schlug ihm mit der Hand auf die Schulter und war unvorsichtig" genug, ihm ins Gesicht zu sehen, und eine scherzhafte Anspielung zu machen, daß es mit der guten Laune doch wohl nicht so recht weit her sei. Thomas fühlte s ich verletzt durch diesen Vorwurf, der ihn in einem besonders finsteren Augenblick traf, und als der Förster ihm mit einer etwas umnebelten lleberlegen- heit den guten Rat gab, sich die alten Frauenzimmerangelegenheiten ganz aus dem Kopf zu schlagen und frischen Mut zu fassen, da fühlte sich Thomas in seiner Manneswürde gekränkt, und aufbrausend rief er: „Was brauchst Du Dich darum zu kümmern, ob meine Laune gut oder schlecht ist; feg Du nur vor Deiner eigenen Thür!" ,Na, n, na!" ^Jch habe mich nie in die Frauenzimmerangelegenheiten anderer gemischt, und ich dulde es, verdammt und verflucht! nicht, daß jemand seine Nase in meine Sachen steckt — jetzt weißt Du Bescheid." „Hm! Thomas! Thomas!" .. , „Ja, was hat er hierher zu kommen, und mit seinen 258 l „ Helene aber gewann von Tag zu Tag an Kraft. Wenn sie nun in Ar neues Heim einzog, begann für sie ein neues Leben, all bas alte sollte in ewige Finsternis versrnken, nur Licht und Freiheit, Liebe und Glück' sollte unter rhrem Dache wohnen. Böje hatte ein paar Zimmer im alten Königswea qe- uiietet. Sie hatte vor Spannung gezittert, als sie zum ersten Male bte beiden niedlichen Stuben sah. Givssries« und vergoldete Leisten! Nie im Leben hatte sie von Gips- frresen und vergoldeten Leisten geträumt. Und so hoch waren die Zimmer! Ach, hier wollten sie leben wie ein Paar Tauben im Sonnenschein! Wie viel hatte sie nicht zu thun gehabt, als die Hoch- zert herannahte! Bald hatte sie daheim in ihrem Zimmer gesessen, mit Betttüchern und Bettzeug beschäftigt, hatte Gardmen ausgemessen und Wäsche genäht, bald war sie mrt rhrem Freund von einem Händler zum andern ae- gangen, um Möbel und Küchengerät zu kaufen. Und dann waren sie ans Ausschmücken der Stuben gegangen. Nein, wie gut sich das kleine, niedrige Sofa an der Mittelwand ausnahm. „Hans, geh ein wenig bei-» feite, damit ich es sehen kann!" Und wie vorzüglich die groß-gemusterten Gardinen zu der geblümten Tapete paßten! „Wie gut, daß wir nicht die andere nahmen, ich war wirklich, nahe daran." Wo sollten Loke und S-igyn hängen? Dort über der Kommode? Nein, da war es zu dunkel. Sigyn mußte, mehr im Licht hängen mit ihrer Schale. „Du, Kind, Du trittst auf die Schnur!" — „Ha, ha, ha — jetzt hinauf mrt Herrn und Frau Loke!" Boje hatte ganze Arme voll Blumen und Blattpflanzen Strchelreden alte Wunden aufzureißen! Ich bin, verdammt und verflucht! kein Schuljunge mehr, der sich von jedem Hans Narren am Gängelbande führen läßt." Sein Blut kochte und siedete. All der -geheime Gram der während dieser langen Monate unter der Maske äußere« Unbekümmertheit verborgen gelegen hatte,wurde in heißen Wirbeln rn die Höhe geschleudert und verriet eine versteckte Wildheit, die sie alle mit Entsetzen erfüllte. Ta kam die alte Frau herein°uud strich ihm sanft über den Scheitel, und im selben Augenblick legte sich das Gewitter doch so weit, -daß er wieder in die lustige frühere Trinklaune überging, der sich der Förster nur zu gern und mit erneutem Durst anschloß. Erst spät am Wend trennte sich die Gesellschaft. „Gute Nacht und vielen Dank für die Gastfreundschaft", sagte der Gutsbesitzer, seine große, rote Hand ausstreckende Thomas stand lange da, die rechte Hand über dem Kopfe hin und her schwenkend und auf die rote Fläche herab- fchauend; endlich ließ er sie mit einem gewaltigen Schlag in bte des Gutsbesitzers herab fallen. a „Ter Dank ist ganz auf meiner Seite, Gutsbesitzer Hans Peter Hansen auf Holmstrupshof! Grüß Deine Dochter und sag ihr — und sag ihr, daß noch Leben auf der Mühle ist." „Tu kannst ja kommen und ihr Deinen Gruß selbst entrtchten!" w 1 1 Thomas nickte und schüttelte die Hand des reichen Mannes. 1 ,,^ch komme, vielleicht ehe Du Dich's versiehst! Wir gute Freunde, Hansen, das sind wir immer gewesen, obwohl ich nur ein grüner Junge bin gegenüber Deinen 6 Draußen hör'berS&?emtge Stunden arbeitete. Die ganze eine Ecke würbe mit und versicherteneinln8r ihr?? S1dtrf!er breitblätterigen Gewächsen gefüllt, unb auf ben Fenster- Thräneu und S^ln^» rS Unter brettern duftete ein Flor von Blumen in allen Farben.- Hände auf bie Sebnrtpr 1 I a aja,,A“Z1' ?ie I »Nein, die Rose soll auf meinem Nähtisch stehen!" andere- Wir ° s emmal Wer das „Unter keiner Bedingung! Sie würde den ganzen Tag haben beide leiden mimk« £ei?fen' tol? hindurch „Mehr Licht! mehr Licht!" rufen." sank dem Freund? in N? A^ * ' $ '^te er und „DaS schadet nicht, ich stelle sie doch Lmhin, wenn Du Verachtung WrÄauerte^m rZr , Daun faßten sie einander bei den Händen und drehten tickt bntfitMpnh n etn une^ei,e§ Brachfeld, laut vor I sich in ausgelassener Freude im Zimmer herum. ; 3-fJmoa »Ans .L- , , . ,, . | Aber eines Tages, kurz vor der Hochzeit, als sie allein Wiese hinab wo pin nmrAf hZZ 6 auf bte I im Schlafzimmer stand und die Betten ordnete, durchzuckte MondliWt S.ZrLZ a ^berwetß tm ein Gedanke ihr Herz wie ein kaltes Wasser: „Dein Ge- Millionpn dexdtb zu | liebter!" Sie setzte sich hin und preßte die Hände gegen die ^rdtPttfffß^,Ia r,"M Sternenheeres, I die Brust, sprang aber gleich wieder auf, stieß einen mit ^Winckler a”fatt.eS lt)irfte I Schemel beiseite und legte ihr Kopfkissen mit sicherer Hand wrt zehnfacher Stunmungsfülle auf chn und erfüllte sein zurecht. nüc^tern machte: aber Es ließ sich nicht leugnen - sie hatte an ihrem ibn her fipitiLZZs? ”1 Je/nZ Settern, at3 wolle I Hochzeitstage viel in der Kirche gewemt, als sie aber in er konnte eVnirf>fnii £te ®mee tilgen — ihr kleines freundliches Heim hinaus gekommen war, hatte ÄU verwerten, sie die Arme um B-öjes Hals geschlungen und ihn fest Walle ein neben ihm auf einer an sich gepreßt: „Jetzt bin ich Dein in Tod und Lebens einem blauen, ^wollenen Tuch umbraSopf U9e" Unb Und dann hatten sie den Kampf ums Dasein begonnen. Er stand eine Weile da und lab W an k» n.„rfon. toar schaffensfreudig tote nie zuvor. Freilich toa« Tust von Rosen und Lavendel strömte Wer den Wp^Jss^a ntfnb etnent ^llen Tropfen, I bem Tische stauben! Entzückt schlug er bann bie Arme um Snn niÜ ™ » feine Helene unb preßte sie ans Herz. g g still seines Weges. I Alles, was in ihnen an Mut unb gäreubem Wirkungs- i Q 7. 7, j brang toar, erfüllte sie mit Begierbe nach bem Leben. ' cspTp»» . «kVeiter Band. I Das Treiben ber Hauptstadt mit seinem Glanz und WnAotwctJi ZZ r ZZ,, Mensch geworden von bem | Schimmer warb eine Quelle bes Rausches für Helene, bi« ..8 Jte bre Brücke hinter sich abbrach. Jetzt | basaß unb alles mit ber Unmittelbarkeit eines Kinbes an-, i r Küste, hinaus auf bie tiefen I hörte. Tivolis braufenbe Musik unb märchenhafte Lichter- IZZZZZ bestehen sollte. Ihr Herz | Pracht, bie glänzenden Ausstattungsstücke der Theater, bie Kraft erfüllt, bie ihre ganze Natur durch- | Schätze der Kunstsammlungen — alles war neu und voll b £ Z siegesaewiß machte wie eine Walküre. von zauberhaftem Reiz für sie. Bas Z haZ ZZZ Frau hatten mit ihr gebrochen, | Zuweilen nahm Böje sie nach einer öffentlichen Ber- , Mitteilung von ihrer Verlobung gemacht I sammlung mit, wo sie mit gespannten Nerven all dem A o!t11 Ieber, Afisse seine Wege gehen, sagte die I Neuen lauschte, das auf sie eindrang. Wenn sie dann nach wägerin, tue mdstolz den Kopf in den Nacken werfend. I Hause kamen, könnt« sie ganz erfüllt von dem Gehörten 259 sein und bunt durcheinander fragen: „Wollen die Liberalen dem König wirklich verwehren, seine Minister zu wählen? --Wer war es, der sagte, daß die Frauen Stimmrecht haben sollten?" — Darf ein Prediger wirklich das Abendmahl verweigern, wenn man nicht konfirmiert ist?" Sie staunte bei der Entdeckung, daß sich hinter der lächelnden Oberfläche des Großstadtlebens eine Unendlichkeit von kleinen Vulkanen barg, die an allen Ecken und Kanten hervorzubrechen drohten. Die Erörterung der neuen Gedanken der Zeit, besonders derjenigen, die mit dem Bedürfnis nach kirchlicher Freiheit in Zusammenhang standen, gehörte zur Tagesordnung in ihrem Heim. Böje, der eine große geistige Geschmeidigkeit und eine glückliche Gabe besaß, seinen Gedanken in einem fließenden Wortstrom Ausdruck zu verleihen, wurde in mancher Hinsicht eun Leiter und Wecker für sie; aber sie wurde ganz ängstlich, als sie entdeckte, tote modern er geworden war. Sie verhehlte es ihm nicht, wie sehr sie gegen all diese summende Fretheitsbewegung war, er aber suchte sie zu überzeugen, wie notwendig die starken geistigen Strömungen für ein Volk seien. Eine Frage konnte ihre Fäden in d,ie andere schlingen, wodurch die Unterhaltungen ein Leben gewannen, das wie Feuer auf ihren Sinn wirkte. Er konnte so warm, so- überzeugend reden über das Bedürfnis der Zeit, sich in bürgerlicher wie in kirchlicher Beziehung von dem Druck Jahrhunderte alter Formen zu befreien, sie fand, daß so viel Gesundes in seinen Ansichten liege, und konnte schließlich nicht umhin, zu der Ueberzeugung zu gelangen, daß viele von den neuen Gedanken der Zeit Lebenskraft in sich entfalten müßten. Oft konnte sie ihre Flügel erheben mit einem Verlangen, sich in eine andere Luft emporzuschwingen, als sie sie während ihres Heranwachsens und in ihrer Jugend eingesogen hatte; aber es war merkwürdig — eine unerklärliche Unruhe lauerte in ihr und verlieh der Spannung in ihrem Gemüt häufig einen Zusatz von Schmerz. Es gab Tage, wo sie umhergeben und sich halb krank fühlen konnte, wie ein Vogel in der Mauserzeit. Im Hause aber war sie ganz die Alte. Mit einem eigenen, tief empfundenen Gefühl des Glückes konnte sie allein in ihren Zimmern umhergehen und die frisch geputzte Einrichtung betrachten, die feinen gehäkelten Decken, die Blumenfülle, — mit strahlenden Augen rief sie dann aus: „Dies ist mein Heim!" Wie merkwürdig war es doch im Grunde mit dieser Einrichtung, die vielleicht sehr verschiedenen Familien gehört hatte und möglicherweise zehnmal unterm Hammer gewesen war! Wie rnteressant würde es sein, die Geschichte aller dieser ungleichartigen Gegenstände zu hören von dem Tage ihrer Entstehung his zu der Stunde, da sie in diese Zimmer gebracht wurden! Wenn sie allein mit ihrem Strickzeug in der Dämmerung saß, glitten ihre Augen von dem einen Möbel zum andern hinüber und ließen die Phantasie den Vorhang von ihren Erlebnissen zurückrollen. Der Säulentisch dort mit den geschnitzten Löwenfüßen und den feinen Knotenleisten stand plötzlich in einem glänzenden Saal, einer Ministerwohnung, schwer beladen mit silbernen Theebrettern und feinem Sävresporzellan. Der Spiegel mtt dem reichgeschnitzten Rahmen hing auf einer Goldledertapete und warf das Bild eines jungen, errötenden Edelfräuleins und ihres heimlichen Anbeters zurück, der die Einsamkeit des Augenblicks benützte, um sie in seine Arme zu schließen. Die Stühle, die von geringerer Herkunft waren, wurden in eine einfache Handwerkerwohnung versetzt, wo sie unter dem Gewicht müder Körper ächzten und stille Seufzer nach Brot und Feuerung hörten. — Gleichviel, — jetzt gehörte das alles zu einem Heim, es war unter jenem geheimnisvollen Zauber gesammelt und geordnet, der einer Häuslichkeit ihre gemütliche Stimmung verleiht. (Fortsetzung folgt.) Sonderbares Verschwinden. Nach Tit-Bits. (Nachdruck verboten.) Ich stand in der grünen, unbeschnittenen Hecke und suchte zwischen den Bäumen hindurch einen Blick auf das alte Landhaus gegenüber zu gewinnen. Plötzlich hörte ich meinen Namen rufen; ich wandte mich um und stand meinem alten Freunde, dem Detektiv Ridley, gegenüber. „Liegt Ihnen daran, das Haus näher in Augenschein zu nehmen?" fragte er mich. „Ich will dort bet den Be-, wohnern vorsprechen." „Ich bin bereit, Sie zu begleiten; offenbar wollen Sie mich wieder mit einem interessanten Fall bekannt machen. Sie wissen, einem Journalisten find derartige Informationen immer willkommen." „Jawohl", sagte er, während wir die Straße hinuntergingen. Ein Herr Namens Wilkinson wohnt oder wohnte vielmehr in dem Hause, aber er verlieh es am Dienstagabend und ist seitdem nicht zurückgekehrt. Sein Verschwinden ist ganz merkwürdig. Es fehlt jede Spur von ihm." „Vielleicht liegt ein Selbstmord vor?" „Wilkinson ist nicht der Mann dazu; vor einiger Zeit nahm er an einer Jagd in den Wäldern des Sir George Bannister teil und wurde dabei — wie seine Frau mix erzählt — mit dem Eigentümer jenes Hauses bekannt. Dieser Herr, Namens Ganson, faßte ein starkes Interesse an Wilkinson. Dieser hat nämlich einige äußerst wertvolle Erfindungen gemacht, und Herr Ganson erbot sich, das Unternehmen zu finanzieren, ein Anerbieten, welches mit Dank angenommen wurde. Der Erfinder war nicht gerade reich: um seinem Protektor jedoch nahe zu sein, mietete er ein kleines Landhaus nicht weit von hier, doch soll er sich meist im Hause des Herrn Ganson aufgehalten haben. Am letzten Dienstag empfing Wilkinson mit der Post einen Brief, in dem er zu einem Rendezvous von einer mit A. B. unterzeichneten Person aufgefördert wurde. Er ging aus, vermutlich zu dem Rendezvous, und kehrte nicht zurück. Am Mittwoch morgen fragte Frau Wilkinson bet Hern: Ganson an, ob er etivas über den Verbleib ihres Gatten wisse, aber er erklärte, nichts zu wissen, und schien selbst sehr besorgt, und das ist sehr begreiflich, da ex bereits einen großen Teil seines Kapitals auf die Erfindungen des Ingenieurs verwandt hatte. Wir kamen an Gansons Haus und zogen die Glocke.- Sofort wurde die Thür geöffnet, wir traten ein und befanden uns einen Moment später Ganson gegenüber. Er war von mittlerer Größe, hatte ein intelligentes Gesicht und angenehme Manieren. „Die Sache beschäftigt mich unaufhörlich", sagte er, als mein Freund den Zweck seines Kommens erwähnt hatte. „Ich habe keine Ahnung, wo Wilkinson geblieben sein mag. Hat seine Frau Ihnen schon von seinem neuen Motor erzählt? Ich habe eine große Summe dafür ausgegeben, und weiß nicht das geringste über das System. Er allein kennt das Geheimnis." „Dann ist also, wenn er verschollen bleibt, die Erfindung sowohl als das Geld verloren?" fragte Ridley. „Jawohl, und Sie können sich meine Angst vorstellen. Ich freue mich, daß Frau Wilkinson — Sie hat rufen lassen. Wenn Sie irgendwelche Fragen an mich zu stellen haben, so stehe ich Ihnen zu Diensten." „Mar Wilkinson am Dienstag abend hier?" „Nein, er war seit Montag nicht hier." „Erzählte Ihnen Frau Wilkinson, warum er an jenem Abend aus ging?" „Ich denke, er hatte einen Brief bekommen." „Von einem Manne, der sich mit A. B- unterzeichnet hatte. Kennen Sie jemand, auf den die Initialen passen?" Ganson zögerte. „Ich habe nur eine vage Idee", murmelte er, und Ridley schaute ihn begierig an. „Sie verstehen, daß ich keinen Unschuldigen verdächtigen will", sagte er, — aber — die Initialen stimmen. Wilkinson hatte, wie Sie wissen, seine Hauptwerkstatt hier und kam jeden Tag hierher. Vor etwa zwei Monaten erzählte er mir, daß ein anderer Mann von der Idee, an der er arbeitet, gehört und ihm angeboten hätte, die Erfindung zu finanzieren, wenn er die Partnerschaft mit mir lösen wollte. Das Anerbieten wurde natürlich abgelehnt, aber Birrel wiederholte seinen Vorschlag, und als er schärfer abgewiesen wurde, erklärte er, er würde das Geheimnis durch erlaubte oder verbotene Mittel zu erlangen suchen. Ich hielt dies für estne leere Drohung, aber vielleicht steht der Vorgang doch in einem gewissen Zusammenhang mit der Affaire." „Wer ist dieser Birrel?" fragte der Detektiv gedankenvoll. 260 tLHUUUVJz VJl. jagte er, als Frau Wilkmson mtt dem 1 . ! « . ......••.-se___ ir»S mm tmifi Dreies Buchstaben derart elnzutragen, E E L R F N N T U U Schlüssel bei sich." Ridley untersuchte das Schloß, machte ein zufriedenes Gesicht und zog einen Bund Dietriche aus der Tasche. geuden konnte. „Nein, Herr, nichts. Ich habe keinerlei Lärm gehört, außer — —" sie zögerte, bis eine freundliche Frage sie zum Weitersprechen' aufforderte. „Ich habe nur einige Schüsse gehört, aber das kommt hier oft vor, und hat mit dem Fenster nichts zu thun." „Natürlich nicht", gab der Detektiv zu. „Aber wenn Sie Licht in diese mystische Sache bringen wollen, so wollen wir doch nach der Bodenkammer gehen." „O, das ist nicht der Mühe wert. Der Glaser soll kommen, Lucie." Das Mädchen knixte und verschwand. „Ich finde eine so geringfügige Sache--" „Sie interessiert mich", sagte der Detektiv; „könnte Magisches A A E I N war wohl sehr überrascht, denn sie fand erist nach einigen Sekunden Worte der Zustimmung. Dann führte sie uns ohne weitere Umstände die Treppe hinauf. „Sie ist ver-, " wie ich Ihnen sagte", meinte sie, als wir vor . „Mein Mann hat immer den ein die Reibet des Dreiecks find die k,««,r—— - daß die drei AiißcnsMen und di- drei wagerechten M-t -lr-chen Wört» von folgender Bedeutung bilden: 1- ®tfmuW8brud, 2. JJ pflanze; 3. Freude bcS Bauern; 4. brasilianisches Tur, b. °strmmq Gouvernement; 6. Zahlwort. Auflösung m nächster Nummer.) Auflösung des Zahlenrätsels in vor. Nr.r Kommt Zeit, kommt Rat. (Komma, Katze, Ara, Marie, Ratte, Kammer.) _____ ich die Bodenkammer sehen?" Ich sah ihn erstaunt an, und auch Frau Wilkinson__. __________ Redaktion: I. B.: R. Dittmann. — Rotationsdruck und Verlag der Brsthl'schen Universitüts-Buch- und Steindruüerei (Pietsch Erben) m Gießen. Zch weiß es nicht", war die Antwort; „aber dem Namen nach zu urteilen, ist er ein Schotte." .. Wilkinson erzählte Ihnen nichts werter von ihm? , ., , , raqte' Ridley sichtlich überrascht. „Sie wissen nicht, wie I schlossen, wie ich ^hnen er" anssieht?" Die in dem Brief erwähnte Stelle des | der Thür Hatt.machten. Zusammentreffens ist die Woodmanns-Ecke. Wo ist das?" „Etwas unterhalb des Parkthores." — — — Flintmschus'"war^ draußen gefallendes folgten noch zwei I Einen davon schob er in das Schloß, und nach einigen Wer- UML»r g“J'»ufZaff unV Waren allein. Kalk herabgefallen war, und begann auf dem Boden her- Ridlcv begann das Zimmer zu untersuchen. „Wissen | umzusuchen. Er fand, was er gesucht, ging bann zum eie" sagte er zu mir, als wir vor einem alten Oelbilde Fenster und sah sehr lange hindurch. Mr mußten über - .ich habe den Eindruck, daß Gauson dieses Grund- den guten Ridley lachen. . ... _ Y • ■ ' - • t <■ - —-= ■«- —-<■<«•>* OTstmf« i Haben Sie einen kleinen Spiegel? fragte er plötzlich. ' Frau Wilkinson antwortete bejahend und ging, einen zu holen. „Die Sonne steht hoch am Himmel", sagte er zu mir. „Auch andere Leute als die Soldaten können Lehren aus dem Krieg in Afrika ziehen." Auf diese anscheinend sinnlose Bemerkung gab ich. «nie Antwort. Ich hatte außerdem nur Sinn für die Hauptaffaire, denn die Geschichte von dem Verschwinden Wilkinsons interessierte mich in hohem Maße. E war arnichts daran gelegen zu erfahren, wer ue stück vermieten wird, so wie es ist, mit allen Möbeln. Er scheint —ach, da kommt er ja!" Und der Herr trat em mit einem Ausdrnck der Erleichterung int Gesicht. „Der Pferdeknecht ■ bereitet. mir viele Unaimehmlich- teiten In der Geschirrkammer wird eine Flinte aufbewahrt, und der Bursche will sie durchaus immer geladen , . ■ palten Heute ist sie zufällig losgegaugeu, als jemand keme Antwort, ^ch hatte aicherdem daran stieß Glücklicherweise ist niemand verletzt. — Nun, ' h?nn die Geschickte von Mr. Ridley, haben Sie sonst noch Fragen zu stellen?" Augenblicklich nicht", sagte Ridley, mdem er aufstand. nur aber garnichts daran . Zch muß diesen Birrel suchen und verfolgen. Man muß Fensterscheibe eingeworfen. er ^ch und ab. „Erzählte er ihnen nicht am Dienstag abend, daß den Kopf zurückgezogen, und ch wt , tz . er mit Birrel zusammentreffen wolle?" etwas sagen sollte; aber für ihn war me : „Nein, aber ich entnahm das aus dem Brief." I scheinend erledigt, denn er ließ die I s ) In diesem Augenblick klopfte es, und das Mädchen kam war gleich, darauf a» meiner Sette. be)tl( herein und sagte der Dame leise einige Worte. j ,^st.,Ese „Narrheit nun zu n 0 $ nicht „Ein Fenster ist entzwei, sagen Sie?" sein breites Lächeln reizte mich, dazu hatte icy iyn n^r „Jawohl, gnädige Frau, das in der Sobenlammer", I begleitet, uin mi^ fetne« ©po 8 g wiederholte das Mädchen. „Ich hörte ein Klirren von Er war einfach lächerlich nuU«««n Glas, aber ich konnte erst nicht finden, was es gewesen „Mann werBen Sie sich ^denn an die Bers g g I '* **'e8*b“ “Ä iMä il» &■- „Aber wie ist denn das zugegangen? Die Thür ist Ridley laut lachend. »Kommen Ze, Sie sehen ganz verstört doch verschlossen, und der Herr hat den Schlüssel?" Sie ans. Ich sehe, Sie haben dre Eicha getroffen. Sehr gum wendete sich in ihrer Ueberraschuiig halb zu uns. - Sind Sie bereit, noch enien Gang zii mache Ich y „Wollen Sie mir eine Frage gestatten, Frau Wilkm- Frau Wilkmsoii^erzählt, daß ich Ganson son?" warf Ridley ein. Und auf das zustimmende Neigen will. Stellen Sie die Flmte m die Halle, Walters, una des Kopfes seitens der Hausfrau wandte er sich an das s madjen Sie kein so dummes GesiM. Dienstmädchen. „Haben Sie jemanden gesehen, der es ein- | (Schluß folgt.) geworfen haben könnte? Knaben, die nut Steinen geworfen haben?" Ich wunderte mich im stillen, wie er fein Interesse für en’ne so triviale Angelegenheit ver-