1901. - Rt. 123. fäSSnll'lft DMR tzs #. nd wenn dein Freund dich kränkt, Verzeih's ihm und versteh': ES ist ihm selbst nicht wohl, Sonst thät er dir nicht weh. Rückert. (Nachdruck verboten.) Der Schmetterling. Novelle von Reinhold Ortmann. (Schluß.) Auf Grund der Briefe, die man bei Rudolf vorgefunden, hatte man den Doktor Volkmar telegraphisch von dem Unfall in Kenntnis gesetzt, der seinen Freund betroffen. Am Abend des zweiten Tages schpn traf der Rechtsanwalt daraufhin in dem Gebirgsdorfe ein. Aber er kam nutzt allein, sondern in Begleitung eines gramgebeugten alten Mannes, den er unter beständigem tröstenden Zuspruch mit beiden Armen stützen mußte, als sie aus dem Wagen ^Rudolf lag teilnahmlvs, als sie das Krankenzimmer betraten. Seine Augen waren wohl weit geöffnet, aber er erkannte den Vater so wenig als den Freund, und fern Aussehen war noch immer ganz das eines Sterbenden. Weil der alte Pfandleiher in seinem grenzenlosen Kummer kaum eines anderen Gedankens fähig war als des euren, daß auch er nicht mehr leben könne, wenn sein Sohn ihm genommen würde, mußte Volkmar statt seiner alle rm Fnteresse des Patienten gebotenen Anordnungen treffen. Es war daher selbstverständlich, daß er sich aud). über die Ursache des Unfalls und über dre Ereignisse, dre rhm voraufgegangen waren, so genau als möglich zu unterrichten suchte. , Daß Rudolf Irnberg das Opfer ernes wohlvorbererteten, schändlichen Verbrechens geworden war, erschien rhm aus Grund- der in Erfahrung gebrachten Thatsachen bald als gewiß, Schon der Imstand, daß die beiden Verunglückten sich rrmschlungen gehalten wie Männer, die um Tod und Leben miteinander ringen, hatte ja von vornherein dafür gesprochen. Außerdem aber war durch eine genaue Untersuchung unzweifelhaft festgestellt worden, daß dre Lockerung des Schutzgeländers durch, die Entfernung emrger Nagel absichtlich^herbeigeführt worden war. Wenn aber einer der beid en Ab gestürzten diese Schurkerei begangen hatte, so konnte es nur Rauten gewesen sein, und Volkmars wertere Nachforschungen brachten ihn schnell genug auf dre richtige Spur. m .. Freilich waren es vorerst nur Vermutungen, dre er über den Zusammenhang der Dinge und über den Hergang des schrecklichen Ereignisses anstellen konnte. Denn der den er für den Schuldigen hielt, war tot, und dre beiden einzigen Personen, die außer ihm vielleicht hätten Auskunft darüber geben können, würde man vergebens gefragt haben. Lilli v. Ranten lag ja in Rudolfs bisheriger Wohnung ebenfalls schwer krank darnieder, und man fürchtete für ihr Leben kaum weniger als für das ferne. Frau Therese Haller, die durch Volkmar benachrichtigt worden war, befand sich nach einer von ihr abgesandten Antwortdepesche bereits auf dem Wege nach! Tirol, um ihrer von einem gefährlichen Gehirnfieber befallenen Nichte bei- zustehen. Und da verschiedene Angelegenheiten von höchster Wichtigkeit den Rechtsanwalt zu seinem schmerzlichen Bedauern nach Hause zurückriefen, hatte er beschlossen, nur noch ihre Ankunft abzuwarten, ehe er die Heimreise antrat. Welche Rolle auch immer der unglückselige Brillantschmetterling bei den Vorgängen gespielt haben mochte, die sich hier zugetragen — daß er einen entscheidenden Anteil an ihnen gehabt, konnte nicht zweifelhaft sein. Volkmar war fest entschlossen, nicht unthätig zu warten, bis einer der Beteiligten im stände sein würde, den Schleier des düsteren Geheimnisses zu lüften. Aber ohne eine voraufgegangene Besprechung mit Frau Haller konnte er nichts unternehmen, und um ihrer so rasch und so sicher als möglich habhaft zu werden, fuhr er ihr bis zur letzten Bahnstation entgegen. Pünktlich lief der Zug der Gebirgsbahn ein, aber Volkmar glaubte seinen Augen nicht trauen zu dürfen, als er, während er nach der imposanten Erscheinung der Er- warteten ausschaute, eine andere, wohlbekannte, feine Gestalt in der offenen Thür eines Wagens dritter Klasse stehen sah. „Fräulein Willisen", rief er, „Sie? Das ist fürwahr eine gewaltige Ueberraschung. Wie in aller Welt kommen Sie denn hierher?" Sie war ausgestiegen, aber sie wollte es nrcht leiden, daß, er ihr den kleinen Handkoffer abnahm. „Was mich herführt, Herr Doktor, wissen Sre recht gut", saote sie hastig, während es verräterisch heiß rn ihrem Gesicht aufflammte. „Es war nicht recht von Ihnen, daß Sie mir nichts davon mitteilten, und daß ich es erst aus der Zeitung erfahren mußte. Aber es steht um ihn nicht so schlecht, wie die Zeitung schreibt — nicht wahr? Sie würden ja gewiß nicht von seiner Seite gegangen fein, wenn — wenn das schrecklichste zu befürchten wäre." Er sah, wie sie in der angstvollen Erwartung seiner Antwort bebte, sah, wie die Erregung des Augenblicks sie zwang, das Geheimnis ihres .Herzens preiszugeben, und tiefe Bewunderung war es, die ihn dabei erfüllte. Sie hatte also Rudolfs Antrag zurückgewiesen, obwohl sie ihn liebte und- obwohl dieser Antrag für sie alles be° 490 Du endlich ein Wort zu mir sprechen?" hattest ja recht, vollkommen recht. Ick) habe,. wenn ohne es zu wissen unb( zu wollen, thatsächlich erneu falschen Eid geleistet, und Du bist noch viel zu glimpflich mrt mrr umgegangen in Deiner kindlichen Liebe. ^„Du^ weißt eß?" fragte Rudolf verwundert. „Und Er schwieg eine Weile, als ob er über etwas nach- ö -n, und er es war ihm, als wb er in den strahlenden blauen Frühlingshimmel blickte. „Alles liegt rnir daran, Margarete,, alles! Ihnen Ihre Ehre und Ihren makellosen! guten Namen wiederzugeben, ist der letzte Wunsch, den ich noch auf Erden habe." „So dürfen Sie nicht sprechen, Herr Irnberg, wenn Sie mich nicht auss tiesste betrüben wollen. &ie sollen noch viele, viele Wünsche hegen undi sollen sre alle 11t mo Qptf für den letzten ae- „Aber so geben Sie mir doch wem« Ihre »an» das durch mich ins Unglück gebracht worden ist? und neigen Sie sich ern v>emg zu mir herab ^ch I I W noch länger für eine Diebin halten — mich ja nicht aufrichten, und rch m cht ) I ^6er sei ganz unbesorgt, mein Junge! Ich bin fangft gern etwas sagen. t-örte das' beftiae I mit mir darüber im reinen, was ich zu thun habe. Wenn Siethat, tote er thr gehetßssn, und er horte oas yesttge i mir m . h besser geht und wenn totr zusammeti Pochen ihres Herzens, als sre thr Gestcht dem setntgen g zurückgekehrt sind, gehe tä) unverzüglich! näherte. ftüftierte er nuI eine I hin, mich dem Staatsanwalt zu stellen. Und es mußte doch kurze'^Zeit "noch mchsen Sie ^^Aduchen, dann^ werden I sonderbar gge^en ™ n®^'e toe£f "das buchen Ge- -m und gerechtserttg^ bot JÄ W auf mich fallen kann, kommt es ttttr Lr'L WL Ät Ä »“ Wh - Men Sie Enem Batet der- „Was daran liegt?" er sah ihr in die Augen und I geben? deutete, was ihr aus Erden begehrenswert erscheinen konnte. Wahrhastig, dies Mädchen war eine Heldin, und Volkmar hätte einer Prinzessin aus adeligem Blute nicht achtungsvoller begegnen können, als er sie von diesem Augenblick an behandelte. t . . ., Er beruhigte sie über Rudolfs Zustand so wett, als er es mit gutem Gewissen thun konnte. Aber es war SÄ&Mg “e"ia *•"*■**** ’ I öllun»'* ÄTtFK 3Ä f&’ben' tej« 8e. Der Professor hatte att diesem Morgen erklärt, daß I kommen ist" sich die Aussichten, den Patienten am Leben zu erhalten, I ----- ------- .... mit jedem Tage besserten, daher aber selbst im günstigsten I dächte. Aber er sah sie dabei unverwandt an Falle wahrscheinlich für den ganzen Rest seines Daseins I gab auch ihre Hand ntcht frei, so dah sre gezwungen ein Krüppel bleiben würde. . I war, regungslos in ihrer Stellung zu verharren. Von dem, was bei diesen Mitteilungen ttt Marga- I „Ja, ich habe noch Sitten anderen Wunsch , sagte er retens Seele vorging, verriet sich kaum etwas in ihrem I endlich, „aber es ist einer, der sich- gewiß ntcht erfüllen Gesicht. Sie weinte auch nicht, sondern sie bat den Doktor I wird." , . .„„ nur, ihr so schnell als möglich zu einem Wagen zu ver- I „Und warum nicht? Können Sie ihn mir nicht nennen? helfen, der sie an das Ziel ihrer traurigen Reise brachte I „Ja. Ich wünschte, daß Sie bet mtr blieben, bis es Sie sind also wirklich nur seinetwegen gekommen?" I Ende ist, daß ich Sie immer .sehen konnte. Aber es fragte Volkmar. „Und es ist 'Ihre Absicht, bei ihm zu I trt unmöglich, ich weiß es." bleiben?" , . I „Es ist nicht unmöglich. So lange ich Mich hier nützlich „Ja", erwiderte sie einfach, „so lange, bis er meiner I machen kann, bleibe ich gewiß." nicht mehr bedarf oder bis - “=’ “ *~«***" r ------ „Und Ihre Mutter, Fräulei bis er mich! fortschickt." I Aber es war ihm an diesem Versprechen nicht genug. v., utter, Fräulein Willisen? Ist sie damit 1 ragen es, um mich zu erfreuen. Und es ist doch> einverstanden, und kann sie Sie entbehren?" I nickst Ihr Ernst." . „Sie braucht mich vorerst nicht; denn sie hat Aufnahme I $gie soll ich es anfangen, Ihnen das Gegenteil zu bei einem Verwandten gefunden, mit dem sie sich vor 1 greisen? Was müßte ich thun, damit Sie nur glauben? kurzem nach langer Entfremdung versöhnte. Ich! darf chret- I @ie müßten mir schwören, daß Sie nicht von nur wegen ganz ruhig sein." ; , I gehen werden, so lange ich lebe, daß Sie in meiner letzten „So kommen Sie denn", sagte er, „und der Himmel I pei mir sein werden, so wie Sre jetzt bet mrr sind. gebe/ daß mein armer Freund noch einmal rm stände ist 1 ängstliche Spannung war in seinen Zügen und Ihnen das großmutige Op er zu danken, das Sie ihm I Blick, mit dem er die Antwort von ihrem Gesicht da bringen. Nur sür wenige Augenblicke noch müssen Sie I ™ °em » mich entschuldigen." „ r I (Sie aber sagte: „Ich schwöre Ihnen, daß ich nicht Er hatte die Gestalt der Frau Haller wahrgenommen, I ^Eaehen werde, bis Sie selbst mich gehen heißen." die ganz in ihrer Nähe Pfand und halb' erstaunte, halb I 8 g dann gehen Sie nie — nie!" frohlockte er. „O, entrüstete Blicke auf ihn und auf ihre ehemalige Gesell- I "ba'nf6ar Ihnen bin! Wie glücklich Sie mich damit schasterin warf. Er trat zu ihr, um einige Worte mir l , Margarete!" ihr zu wechseln, die sich auf Lillis Befinden dezvgen, und I ' m Augenblick öffnete sich leise die Thür, und um ihr seinen Besuch.für den Nachmittag in Aussicht zu I PiimMeibers aebeuate Gestalt glitt lautlos über die stellem Dann führte er Margarete zu einem vor dem des P^andlechers Keugte^ Gestack ^wahrte, die Bahnhof haltenden Wagen, jtnb ste fuhren rasch^ davon. I ^em nocf) troc x^rzem völlig teilnahmlosen Sohne "" A,"!ud°lstmi--g WM «rfcn Mal di- treue M°«°n--n war. « °°° über sein bleiches, eingefallenes Antlitz. . I • F„nae mein lieber, böser Junge!" rte.f tifte Ä Ä.* **’Unb' “tf‘ Fräulein Margarete? I <^a Vater ich erkenne Dich, und ich freue mich von "SÄ einen I W. beun doch Ä BI L schwachen Versuch, zu lächeln. „Nein, wchstlich nicht. Aber ich kann es noch gar nicht begreifen. Wie haben Sie es den überhaupt möglich.gemacht? Und was — was werden bie Leute^dazu ^ie sich keine Sorge machen", er- widerte sie rasch, „unb wir werden später davon sprechen. I woher Kopfbewegung auf Jetzt sollen Sie sich bemühen, gesund zu werden, werter «W bettete nt^? f "**%« !° mir .d-ch »mt8JW 3&«| 491 „Ich hatte ihm nichts zu vergeben; denn er glaubte ja nach bestem Gewissen zu handeln. Ich! werde es selbstverständlich auch niemals dulden, daß er sich einer' falschen Aussage bezichtigt." „Nun, was sagte ich Dir, Rudvlf: ein engelhaftes' Geschöpf! O, Du solltest! sie nur erst kennen, wie ich sie kenne! Du solltest Dir nur erst erzählen lassen, wie sie Dich seit der Stunde ihrer Ankunft gepflegt hat, Tag und Nacht, als wäre sie gar kein irdisches Wesen, das essen und trinken und schlafen muh wie andere Menschen." „Herr Jmberg, ich bitte Sie", fiel Margarete mahnend ein. Rudolf aber winkte ihr mit den Augen, fich noch! einmal über ihn zu neigen, und so leise, daß nur sie es vernehmen konnte, hauchte er ihr ins Ohr:. „Da ich! doch sterben muh, darf ich Dir's ja sagen — ich liebe Dich!, 9)lcrEßciT£te!" Da beugte sie sich noch ein wenig tiefer herab und drückte ihren reinen Mund innig auf seine farblosen Lippen. Aber Rudvlf Jmberg starb nicht- Drei Wochen später konnte er in einem Krankenwagen nach München gebracht werden, um in der Klinik des berühmten Professors, dem er allein die Erhaltung seines Lebens zu danken hätte, seine volle Wiederherstellung abzuwarten. Denn daran, daß er vollständig wiederhergestellt werden würde, gab' es jetzt keinen Zweifel mehr. Auch der Professor hatte sich! geirrt, als er die Befürchtung ausgesprochen, daß! fein Patient ein Krüppel bleiben würde, und er freute sich seines Irrtums von ganzem Herzen. Der alte Jmberg war nach zweitägigem Aufenthalt in München heimgereist, weil die Uebergabe seines Geschäftes in andere Hände seine persönliche Anwesenheit dringend notwendig machte. Margarete Willisen aber, die der sonst etwas barsche Professor fest in sein Herz geschlossen, hatte die ungewöhnliche Erlaubnis erhalten, ihren Verlobten auch in der Klinik weiter zu pflegen. Nur unter dieser Bedingung hatte Rudolf eingewilligt, sich dorthin bringen zu lassen. „Du hast mir geschworen, mich nicht zu verlassen, bevor ich Dich gehen heiße", hatte er auf ihren Einspruch hin erklärt, „und da ich nicht gesonnen bin, das zu thun, wirst Du wohl oder übel bleiben müssen." Sie aber war ja so gern geblieben. — — Auch Lilli von Ranten genas langsam, und ihre Angaben hätten auch den letzten Zweifel an der Schuld ihres Vaters beseitigen müssen, obwohl man ihr aus schonender Rücksicht auf ihre kindlichen Gefühle die ganze Größe dieser Schuld geflissentlich verheimlichte. Sie hatte ihm schon am Abend seiner Ankünft von ihrer Begegnung mit Rudolf Jmberg droben in ihrem sogenannten Märchenschlvh erzählt, und auf seine Veranlassung war es geschehen, daß. sie am nächsten Tage dem jungen Rechtsanwalt das abendliche Stelldichein an der nämlichen Stelle gegeben. Ohne ihr die volle Wahrheit zu sagen, hatte Ranten ihr doch verständlich gemacht, daß seine {^re und seine ganze Zukunft in Jmbergs Händen lägen, und daß er verloren sei, wenn es ihr nicht gelänge, seinen unbarmherzigen Gegner zu gewinnen. Ihre Unterredung mit ihm müsse aber an einem Platze stattfinden, wo sie von niemand belauscht werden könnten; Jmberg würde auch wahrscheinliche dort hinauf viel eher kommen, als an irgend einen anderen Ort. Sie hatte sich seinem Verlangen gefügt, ohne zu ahnen, daß er sich schon vor ihr dort einfinden würde, Und sie hatte thatsächlich nichts von seiner Anwesenheit gewußt. Ranten aber hatte öffenbar ihr Gespräch so lange behorcht, bis er die unumstößliche Ueberzeugung gewonnen, daß er auch von Lillis Vermittelung nichts mehr zu hoffen habe. Da war er denn seinem Feinde bis zu der verhangms- vollen Stelle vorausgeeilt, hatte seine schändlichen Vorbereitungen getroffen, und sich auf die Lauer gelegt, um den gefährlichen Mitwisser seiner Schuld unter dem Anschein eines Unfalls für immer verstummen zu lassen. Daran, daß der starke und gewandte junge Mann ihü mit sich hinabreihen könnte in die grausige Tiefe, hatte er jedenfalls nicht gedacht, da er sich sonst wahrscheinliche durch die Art des Angrisfs auch gegen diese Möglichkeit gesichert hätte. Lilli jedoch blieb in dem Glauben, daß ihr Vater — vielleicht durch ihr langes Ausbleiben beunruhigt — zu der Adlerwand hinaufgestiegen sei, um ihr entgegenzugehen, daß er den anderen gerade an jener gefährlichen Stelle getroffen habe, und daß ihr gemeinsamer Absturz im Verlause eines zwischen ihnen entstandenen Handgemenges erfolgt sei. Auch über die Art, wie ihr Vater in den Besitz des Brillantschmetterlings gelangt war, erhielt sie niemals volle Aufklärung. Margarete Willisens Großmut hatte ihr, ohne daß sie selbst es je erfuhr, die grausame Notwendigkeit erspart, vor Gericht Zeugnis abzulegen über ihren Anteil an jener dunklen Angelegenheit. Mit unerschütterlicher Beharrlichkeit hatte das edle Mädchen sich geweigert, ihre Zustimmung zu dem von Volkmar bereits fertig ausge- arbeiteten Anträge auf Einleitung eines Wiederaufnahmeverfahrens zu geben. Sie stand ja rein und makellos da vor denen, die sie liebte, und die Rechtfertigung in den Augen der Welt schien ihr zu teuer bezahlt mit dem Unglück, das sie damit über die arme Lilli und vielleicht auch über den Vater desgelsebten Mannes hätte heraufbeschwören müssen. Nach langem Zaudern hatte Rudolf sich endlich entschließen müssen, ihrem in diesem Punkt völlig unbeugsamen Willen nachzugeben. Und als sie ihn am Morgen ihres Hochzeitstages lächelnd fragte, ob er denn nun weniger glücklich sei, weil er eine wegen Diebstahls vorbestrafte Braut zum Altar führen solle, war er plötzlich vor ihr niedergekniet und hatte den Saum ihres weißen Seidenkleides an seine Lippen geführt. Frau Therese Haller, die ihre Nichte zu sich genommen hatte, verließ mit ihr bald darauf für immer die Stadt. So blieb nur in einem kleinen Kreise glücklicher Menschen die Erinnerung lebendig an die schweren Prüfungen, die fremde Schuld einst über Frau Margarete Jmberg heraufbeschworen, und an die unerbittliche Strenge, mit der eine höhere Gerechtigkeit gesühnt hatte, was die irdische gefehlt- ______________ Die Blumen-Mission in Zürich. Jedesmal zur Hochsommerzeit erinnert mich die bunte Pracht in den Gärten und aus dem Blumenmarkte an eine schöne Sitte, an der mich! zu freuen ich vor Jahren in Zürich Gelegenheit hatte. — Dort hat sich! eine ansehnliche Schar Damen zusammengethan und die sogenannte „Blumen- Mission" gegründet, die schon viel Freude und Erquickung, namentlich an Krankenbetten, gespendet hat. In ein besonders zu diesem Zweck gemietetes Lokal bringen die Damen allwöchentlich zweimal den leicht entbehrlichen Ueberfluß aus ihren Gärten, und die Nichtgartenbesitzerin scheut eben einige Centimes nicht, und' holt ihren Beitrag im Blumenladen. Alles, vom Veilchen und Flieder an, die ganze Rvsen- zeit hindurch bis zur Georgine und dem Chrysanthemum, wird zusammengetragen, zu hübschen Sträußen geordnet und in den Krankenhäusern, sowie an arme Hauskranke verteilt, deren Adresse man durch die Pflegeschwestern leicht erfährt. „Man glaubt gar nicht", sagte mir eine solche, „welche Freude die Kranken wie die Genesenden an den Blumen haben, mit welch' dankbarem Entzücken sie den Strauß Maiglöckchen oder die paar Rosen und Nelken in Empfang nehmen, die auf einmal wie hergeflogen auf der Decke liegen oder in einem Glase auf dem Tischchen neben dem Bette stehen. Sie warten geradezu sehnsüchtig aus die freundlichen Geberinnen und diese wissen gar lieb und anmutig zu geben! Es gilt hier nicht, die drückendste Not zu stillen, es gilt Freude zu bereiten, — das versüßt das Geben und das Nehmen, und die Freude ist ein mächtiger Heilfaktor am Krankenbett." Wer einen reichen Blumenflor im Garten hat und diesen doch nicht zu Geld zu machen braucht, kann wahrlich keine bessere und schönere Verwendung dafür finden, und bekanntlich gereicht es dem Stamm nur zum Nutzen, wenn die erblühten Blumen rechtzeitig abgeschlnitteu werden, statt 492 — Mode. Gsmeinnützises als „Burg am 3. 4. 5. 6. 1. 2. 3. - 1. 1. 4. 5. - 1. Düna, Kiel, Liste, Erwin, Keil, Neid, Orden, Erde, Kummer, Scheitel Weg auf die Höhen des Parnaß« zu ebnen oder — Talentlosen abzuraten. — Geheimschrift Nachdruck verboten. Redaktion: E. Burkhardt. - Druck und Verlag der Brühl'schm UniversttätS-Buch. und Steindruckeiei (Pietsch Erben) in Gießen. 3. 4. — 2. 3. 4. — 3. — 1. 4. — 2. 3. 4. Die Lösung ergibt einen Sinnspruch. Auflösung in nächster Nummer. Auflösung des Anagramms in voriger Nummer: Rahne, Rotte, Erde, Insel, Leim, Inka, Garn, Reich, Adel, Lalar, Hafen. Freiligrath. Lehrjahre im Obstbau. Lehrjahre tm Obstbau mutz jeder durchmachen, der sich mit Obstbau beschäftigt. Man kann sie aber wesentlich zum Vorteil für bte eigene Tasche abkürzen, wenn man die Erfahrungen, welche andere machten, berücksichtigt. In Nr. 20 des „Erfurter Führers beschreibt ein Praktiker seine anfänglichen Mißerfolge und seine jetzigen Erfolge. Da zugleich Zahlen über bte Durch- chnittsernte angegeben werden, so mag mancher, der Obstbau zu treiben beabsichtigt, doppeltes Interesse an diesem Artikel haben. Unseren Lesern steht Nr. 20 des „Erfurter Führers im Gartenbau" kostenlos zur Verfügung, wenn sie sich mittels Postkarte nach Erfurt wenden. Billige Luftverbesserung. Eine große Wirk- ung erzielt man im Krankenzimmer, welches rasch von üblem Geruch befreit werden soll, wenn man in einen Eimer heißen Wassers einen Löffel Terpentin gießt. Mit solchem Wasser kann man auch schnell schlechte Gerüche aus Gegenständen aller Art und aus Wäsche entfernen, wenn man sie hineintaucht und rasch an einem warmen Orte wieder trocknen läßt. _ , ®- „Praktischer Wegweiser", Wurzburg. kommen viele mit „Pohl" zusammenge- die mit dem Teufel nicht das Geringste Ergebnis: die Erklärung der beiden Stange gießt, ist weder populär noch „W teuer M o d e", Heft 23 (vierteljährlich 6 Hefte Kaalbnra und Nfablaraben. Von E. Stanae. I Mr. 2.50), zeigt aus dem farbig ausgeführten Umschlag isanwurg uuv «cvu I 8toei I)ö^t elegante, aparte Herbsttoiletten, auf zehn vollen Populärwissenschaftliche Erklärung der beiden Namen. Hom-1 Seiten ’ und einem großen doppelseitigen Tableaubilde bürg v. d. H- Fritz Schicks Hofbuchhandlung. 1901. 45 I «^det man eine weitere vollkommene Auswahl aller Herbff- und 1 S. Oktav mit einer Karte. Preis 75 Ps. I kleidungsstücke neuester Mode für Damen nach eigenen Dem Verfasser genügten die seither üblichen Erklär-1 Entwürfen des Ateliers Zeser hervorragendsten Moden- schast allein ^grüniwteri"' nicht ^halb^sN^Ä I seh? raichAftg" und hübsch, die Handarbeitsvorlagen sind gewaltigen Arsenal mythologischen Rüstzeugs will er be- I Frauenfrage an ; 'f ÄdKnÄÄHeS »TÄ?- & dieselbe Bedeutung haben. Das ist auch sehr einfach-: I aal = Salz, sol = Sonne, folglich ist das Salz ein Ge- I schenk der Sonnenjungfrau! Anstatt also seinen Beweis I von der gleichen Bedeutung der Stämme sal und sol I aus anzutreten, muß er diese Gleichheit erst selber beweisen, und thut dies mit seiner von ihm noch zu beweisenden Behauptung. Eine Schlange, die sich in den Schwanz beißt. Um dem unkundigen Leser einen Faden an die Hand zu geben, will ich hier bemerken, daß sal und sol ’ ursprünglich verschiedene Wörter gewesen sein müssen, die lautlich und begrifflich- allerdings einander nahe stehen. Säl bedeutete im Althochdeutschen See, Wasser, Meer. Sol bedeutete Kotlache und ist das heutige „Suhl" (Arnold, Ansiedelungen und Wanderungen S. 520.)- Wie vorsichtig man mit der Herleitung von Ortsnamen sein sollte, zeigt die Erklärung des Namens „Salmünster". Nach Stange müßte sie etwa Sonnen- kloster heißen, der Name kommt aber von dem Personennamen „Salich". Ferner: Schwalheim, das der Verfasser auch von der Sonnengöttin ableitet, kommt von SWal — wallendes Wasser (Schwall!) und bedeutet nichts anderes als Quellenort (Weigand, Oberhess. Ortsnamen.). Dem Verfasser weiter in seinen fonnendienerischen Phantastereien zu folgen, lohnt nicht. Man lese einfach bei Arnold a. a. O- nach und man wird Saalburg unschwer als „Burg am Sumpf" erkennen, wenn auch der Sumpf heute ausgetrocknet ist. — Nicht besser steht es mit des Verfassers Erklärung von „Pfahlgraben", nur daß jetzt der arme „Teufel" Herhalten muß. Von der alten Schreibweise „Pholgraben" ausgehend beweist er, daß mittelhochdeutsch Phol — Teufel bedeutet, wozu ja auch die Bezeichnung „Teufelsmauer", die der Limes streckenweis führt, wunderbar stimmt. Wenn der Verfasser behauptet, Pfähle seien am Pfahlgraben nirgends nachgewiesen, so verweise ich einfach auf die Litteratur der letzten Jahre. Kohl und andere haben auf großen Strecken des römischen Grenzwalles einen Pallisadenzaun gefunden. Für die Beste am Strauch verblüheu zu lassen. Es kommen ja- immer I deutung des Namens aber hat der Gymnaftal-Oberlehrer neue nach, und diesen Nachkömmlingen spart man den I Reinhard Walz im vorletzten Osterprogramm des Fried- Saft und das Mark, das jene dem Stamm im Verwelken I berger Gymnasiums die allein richtige Erklärung gegeben, ^ziehen. I Das deutsche Wort „Pfahl" ist Lehnwort aus dem Latei- Aber bei den Blumenspenden allein ist es nicht ge- I nischen von palus. Da es für Schanzpfahl von den blieben. Frische und eingemachte Früchte werden gebracht, I Römern nicht gebraucht wurde, so erlitt das Wort bei auch Wein, und damit namentlich arme Hauskranke be-1 feinem Uebergang ins Deutsche eine BedeutuNgs-Erwei- glückt- I terung und wurde um die Mitte des 2. Jahrhunderts auf Es ist eine Herzensfreude, dieser Art Wohlthun zuzu-1 bett römischen Pallisadenzaun angewendet. Die Bezeichnung sehen, und manchmal sah ich zwischen den duftigen Gaben I ßftefr bestehen auch als der Zaun längst verschwunden und Floras und den übrigen an jedem Krankenbett erwünschten I nur noch der „deutlich sichtbare schnurgerade verlaufende guten Dingen ein braunes Maggifläschchen hervorlugen, das I Grenzwall" übrig geblieben war. Dieses „zweite Merkmal nicht minder überall willkommen ist. Der Arzt gestattet I Schnurgeraden: ,pohlgroad‘" trat dann in den Vorder- gerne ein paar Tropfen als Würze der sonst so leicht 1 ^nd, und die Bezeichnung „Pfahl" wurde infolgedessen verleideten Krankensuppe; der bei den meisten Krankheiten I au; anbere dem Grenzwall ähnliche Anlagen angänzlich abgestumpfte Gaumen empfindet plötzlich Reiz, und» gewendet. Daher ’---------- —"*"**"^ der fehlende Appetit wird rege. I regte Ortsnamen, Die Züricher Blumen-Mission mit allem, was sie an I ,u tgun gaben, taktvollem Wohlthätigkeitssinu in sich schließt, ist wahrlich I ^men, wie sie ein schöner Brauch, der überall Nachahmung verdient und 1 wissenschaftlich, wie geschaffen ist für fein empfindende Frauenherzen. I " 3. 4. - 2. 3.