velchei >n de« tb bei iterum zesehei irsolgt cönuno rit uii Königs' Seiet r Bei- ete mit e recht- zhr alt digunz Wille« ge mi ktoria" len viei König« oendete auf bti legend' , werd! gte bit ; Kron- t Sussei stoß sich heiligen Königin pfel un« von acht t tottrbej it habens sen und I Rechte, ahrt zut erfahren len, bei ekanntet niernali gemach Thrones glockcn- . Gegen; dberhan! esonden t wurde Heu mit Augen- ige man e Sau« schwerdl auberen ikN D DD, chten und Vedeutunz M. (Nachdruck verboten.) Die Seekönigin. Seeroman von Clark Rüssel. (Fortsetzung.) Dreizehntes Kapitel. A u f S e e. Der Tag kam heran, wo ich mich endgiltig an Bord der „Aurora" begab. Mein Gepäck befand sich in der Kajüte; meinem Vater hatte ich Lebewohl gesagt, wobei er mich in seiner Umarmung sestgehalten hatte, als wollte er mich nie wieder loslassen. Schon befand sich die kleine Bark auf dem Ozean, dessen Wogen uns voraussichtlich so manchen Monat schaukeln würden, bis wir jene braun und grün gefärbte Mste, die sich jetzt von Norden nach Süden hinter uns ausdehnte, wieder zu Gesicht bekämen. Ich stand über die Reeling gelehnt und betrachtete die Küste und den Leuchtturm von Tynemouth, die über der Stadt Shields hängende Rauchwolke und die sich an der Bucht entlang ziehende, in grauer Ferne Verschwimmende Felsenlinie. So sroh und stolz ich mich auch fühlte, mit meinem Manne zusammen zu sein, konnte ich doch ein Gefühl der Niedergeschlagenheit nicht unterdrücken, das ganz naturgemäß auf den Abschied von meinem alten Vater folgte. Der Wind war östlich, mäßig frisch und bitterlich kalt. Die See sah aschfarben aus und war von kleinen Wellen belebt, die uns spielend umplätscherten, als die Bark, dem Zuge der schweren Schlepptrosse folgend, darüber hinwegglitt. Es war ein echter Wintertag. lieber dem Horizont lagerte die Luft in dichten Massen und deutete auf kommenden Nebel, während die bleiche Sonne wie ein Flecken gelben Lichtes auf einem Hintergründe von trübem Blau erschien, an dem einige Wolken vorüberzogen. Mit jedem Faden, den wir vorwärts kamen, wurde die Küstenlinie hinter dem Heck unbestimmter und schwächer in der grauen Luft, die sich immer mehr verdichtete. Die Mannschaft stand um das Volkslogis herum und erwartete die Befehle zum Segelsetzen. Mein Mann und der Steuermann gingen in regelmäßigem Seemannsschritt auf der Luvseite des Quarterdecks auf und ab, indem sie bald einen Blick auf das Wetter, bald nach oben richteten. Der Donnerstag den 31. Januar. n 1901. - Nr. 16. BI WW faß dich nicht irren von Kritikastern, Und wie du bist, so gib dich ganz. Trägst du nicht Rosen, so trägst du doch Astern, Sie finden wohl auch ihre Stell' im Kranz. Geibel. Steuermann, Herr Heron, war mir bereits vorgestellt. Er war eben der einzige, nach herkömmlicher Sitte vorstellungsfähige Mann an Bord. Die ihm im Range folgende Persönlichkeit war der Schiffszimmermann, der zweiter Steuermann genannt wurde und abwechselnd mit Herrn Heron als Offizier einer Wache thätig sein sollte. Als mein Mann mich in der Kajüte mit dem Steuermann bekannt machte, hatte ich die Empfindung, daß ich mich mit diesem Herrn wohl nie besonders befreunden würde. Er entsprach meinen Ansichten über das Aussehen eines Seemannes, wie es etwa der Schreiber eines Rechtsanwalts gethan haben würde. Er hatte eine unangenehme, gelbe Gesichtsfarbe, sein Bart hatte eine leicht rötliche Färbung, die Augen waren mattblau und hatten keinen offenen Blick. Nicht die geringste Einzelheit in seiner Erscheinung deutete auf die Treuherzigkeit hin, die den echten Seemann auszeichnet. Sogar seine Kleidung war unseemännisch; er trug gelbliche Beinkleider und einen Gehrock. Sobald das Land in der nebligen Luft verschwunden war, die den Horizont verengerte und bis auf ein paar Seemeilen näher brachte, begab sich Heron nach vorn und erteilte mit scharfer Stimme einige Befehle. Im Augenblick war die Mannschaft in Bewegung. Taubündel wurden an Deck geworfen, und zugleich hörte man die eigentümlichen, heiseren Töne „aussingender" Matrosen, womit sie das Aufhissen der Klüver und Stagsegel begleiteten, die jetzt flaggend an den Stagen emporstiegen. Dann stiegen einige Leute nach oben, um die Marssegel loszumachen, und gleichzeitig warf der Schlepper die Trosse los. Vier oder fünf Matrosen ergriffen sie, und der Koch und der Steward, die Freiwächter, wie sie genannt werden, weil sie den ganzen Tag arbeiten und nachts schlafen, halfen ihnen, das schwere Schlepptau von der Back aus an Bord zu holen. Ich sah mich nach dem Schleppdampfer um, der jetzt dem Tyne zusteuerte, und verfolgte ihn mit meinen Blicken, bis er zu einem Punkte im Nebel zusammengeschrumpft war. Da wurde ich aus meinen Gedanken aufgeschreckt; mein Mann legte seine Hand auf meinen Arm. „Hast Du Dein Herz dorthin zurückgeschickt nach der alten Stadt, Jessie?" fragte er lächelnd. „Wenn Du dort zurückgeblieben wärst, könnte ich ja sagen." „Bist Du traurig, daß wir die Reise angetreten haben?" „Traurig?" rief ich aus. „Nein", meinte er, „Du bist nicht traurig. Wir sind beisammen, und ich danke Gott dafür. Aber jetzt muß ich sehen, wie sich die Leute anstellen." Damit schritt er über das Deck dahin. Das Schiff war voller Leben. Die Mannschaft lief umher; mitschiffs kommandierte der Zimmermann, und auf der Back der Steuermann. Einige Burschen brüllten von oben die Meldung herab, daß die Segel los seien und vor- 62 — Bon Fred H o o d. (Nachdruck verboten.) Die Kunst der Handschristen-Fälschung ist keine Errungenschaft der Neuzeit; sie wird von talentvollen Betrügern vielleicht schon ebenso lange geübt wie die Kunst des Schreibens überhaupt. Schon immer war es ein dankbares Feld, kunstreiche Skripturen nachznahmen oder Zahlen, Buchstaben, Worte auszulöschen, zu verändern oder in den Text der Schrift einzuschieben, um ihm einen Sinn zu geben, welcher gerade zur Erreichung eines bestimmten Zweckes geeignet erschien. Es haben die Handschriften-Fäl- scher jederzeit in der internationalen Gesellschaft der Schwindler und Betrüger eine besonders hohe Rangstufe eingenommen, nicht allein ihrer bewunderungswürdigen Kunstfertigkeit wegen, sondern weil auch sehr hochstehende Persönlichkeiten diese Kunst zu üben, für angemessen hielten. So erzählt z. B. der fränkische Geschichtschreiber Gregor von Tours, ein ausgezeichneter gelehrter und frommer Mann, daß der Bischof Egidius von Reims dem König Childebert im Jähre 590 eine gefälschte Schenkungsurkunde vorgelegt habe. Es ist dies aber kein alleinstehender Fall; denn die Fälschung von Urkunden erfreute sich schon zur - Römerzejt einer allgemeinen Beliebtheit. Die Mönche, die : bekanntlich große Schreibkünstler waren, stellten ihre Kunst । in den Dienst der Klöster und hohen Behörden, die Städte i selbst fälschten Urkunden, welche sie zur Erreichung eines | mehr oder minder edlen Zweckes nötig hatten, und es giebt ; vielleicht kein Archiv alter Handschriften, das sich mcht > des glücklichen Besitzes einiger Fälschungen erfreut. Als \ man mit der Chemie vertraut zu werden begann, wurde die betrügerische Kunst weiter vervollkommnet, und es ist ! bekannt, daß die Justiz bereits im 16. Jahrhundert derartige Fälschungen energisch verfolgte nnd mit sehr harten , Strafen belegte. Mit der modernen Entwickelung von Handel und Industrie ist jedoch die Fälschung von Geschäftspapieren zur höchsten Blüte gediehen. Wenn es sich nur verlohnt, werden Schriftstücke jeder Art nachgeahmt oder korrigiert, Briefe, Diplome, Quittungen, Zeugnisse, Preisverzeichnisse Akten, Pässe, Geburts- und Sterbeurkunden, Wechsel und Schuldscheine, Postanweisungen, Telegramme, Testamente Kopier- und Kontobücher, kurzum alles Geschriebene, und natürlich ist auch die Maschinenschrift von den Mitgliedern der Zunft nicht vernachlässigt worden. In unzähligen Prozessen spielt die Ermittelung der Schriftfälschung eine außerordentlich wichtige Rolle. Und da I die Fälschungen höchst mannigfacher Art sein können, und es die modernen Betrüger zu! einer großen Fertigkeit rn ihrer Technik gebracht haben, so ist die Untersuchung und Prüfung der Schriftstücke mit außerordentlichen Schwierigkeiten verknüpft. Bor allen Dingen giebt es tausend Besonderheiten und Eigenschaften der Schriften, welche den Prüfenden irre zu führen vermögen, und welche daher an erster Stelle I beachtet sein wollen. ,. Eine besonders wichtige Aufgabe ist es, die Identität I von Unterschriften festzustellen, da es wenige Personen giebt, I welche beständig denselben Namenszug anwenden. Sehr I häufig wird man feststellen können, daß die Unterschrift I unter einem Privatbrief, in welchem sich der Schreiber I gleichsam ganz ungezwungen giebt, einen wesentlich ander« | Charakter trägt, wie die Unterschrift unter Geschäftspapieren I oder amtlichen Schriftstücken. Schon aus diesem Grunde I ist es sehr schwer, die Identität der Unterschrift festzustellcn. I Nun kann ej aber auch leicht vorkommen, daß der Ver- I fasser amtlicher oder gefälschter Schriftstücke auch durch I Uebermüdung, Krankheit oder Alkoholgenuß veranlaßt wird, I sich etwas gehen zu lassen, so daß später unter eine Reihe I gleichartiger Dokumente eines auftaucht, welches enteil I wesentlich anderen Charakter trägt und deshalb für eine Fälschung gehalten werden kann. Ter erfahrene Sachver- I ständige weiß jedoch, daß der gewandte Fälscher niemals I abnorme Schriftformen wählt, da diese besonders ins Auge fallen, sondern daß er sich gerade die geläufige, die not' | male Schrift, über welche man leichter hinwegsieht, zrm Vorbild wählt. Nun zeigt aber auch die normale ©W I mannigfache Abweichungen, welche nicht allein durch geschotet werden könnten, und alle Mann arbeiteten nach I Kräften. Eine Raa nach der andern stieg empor, die Fallen I wurden belegt, Halsen zu Bord getaljt, wobei alle Mann I einen donnernden Chor anstimmten, und Schoten angeholt. I Dann wurden die Brassen steif gesetzt, und nun legte sich das I Schiff, als auch das Großbramsegel beigesetzt war, stark auf I die Seite. Die Bark hatte jetzt alle Segel bei, die sie vor- I läufig brauchte, und die Mannschaft klarte das Deck auf und I schoß das Tauwerk auf. I Flüchtig eilte die „Aurora" über das Wasser dahin; nach I dem Singen und Schreien war eine wohlthuende Stille ein- I getreten. Der achtern am Ruder stehende Mann bewegte I nur ab und zu ein paar Speichen des Rades, um dem Gieren I des Schiffes zu begegnen, und man hörte nur das plätschernde I Geräusch des Wassers unter dem Bug und das unterdrückte, tiefe Brausen des Windes in den weißen, gewölbten Segeln. | „Das ist also die „Aurora" unter Segel, Jeß", sagte I Richard. „Wie denkst Du über sie? Ich habe Dich beob- I achtet, wie Du sie von oben bis unten besichtigtest, als wärst I Du ihr Schiffer, Erbauer und Reeder in einer Person." „Da Irrst Du Dich", erwiderte ich. „Ich habe nicht Deine Bark bewundert, sondern wollte nur sehen, ob ich see- I krank werde." ■ „Du!" rief er lachend aus. „Kind, geh 'mal hinunter und guck in den Spiegel. Seekrank! Ein Mädel, das an I der Seekrankheit leidet, hat nicht so rosige Wangen und strahlende Augen oder kann so reden und lachen wie Du, I mein Schatz. Aber wie denkst Du über den kleinen Kahn, I Jeß?" Dabei blickte er stolz über das saubere Deck und die l schön geschwungene Linie der Schanzkleidungen und dann I nach oben an den breiten, prallen Segeln empor, die sich | übereinander emportürmtön. Ich sprach natürlich meine Bewunderung aus. „Und nicht wahr, Richard, sie segelt auch schnell?" ! „O ja", meinte er, „wie ein Baltimore-Klipper. Jetzt, I wo der Wind kaum einen einzigen Strich frei ist, macht sie ihre sieben und einen halben Knoten so fein, als ob sie von I einer Schraube getrieben würde." Er wollte durchaus, daß ich die Bark bewundern sollte wie er selber, und bat mich, keine Furcht zu haben, sondern mich an ihm festzuhalten und über die Luvreeling zu lehnen, von wo ich mir den Rumpf des Schiffes betrachten könne, wie er durch die grauen, schäumenden Wasser dahinfegte. Rur ein Seemann versteht es, jemand die Schönheiten eines Schiffes zu zeigen. Er hätte mir keinen besseren Platz anweisen können, als diesen, wo ich, von ihm gehalten, über der Reeling hing und die glänzende Seite der Bark bis nach vorn überblicken konnte. m , ,. „Ich erklärte, ich wünschte nur, daß der Vater hier wäre und mit mir sehen und bewundern könnte. „In siebenundvierzig Jahren", würde er Dir sagen, „hat er dergleichen schon öfter gesehen", versetzte Richard lachend. Er lachte überhaupt viel. Selten habe ich einen so heiteren Charakter kennen gelernt. „Und nun, Jeß, was meinst Du, wenn Du hinunter gingest und Deine Kanute etwas nach Schiffsbrauch in Ordnung brächtest? Wenn Du Hilfe brauchst, rufe den Steward. Ich muß an Deck bleiben." „Um welche Zeit essen wir Mittag, Richard?" , Was? Bist Du hungrig? Da würde sich der Vater freuen, wenn er das hörte. Aber wir haben noch eine volle Stunde Zeit. Vor halb zwei giebt es nichts." Obgleich das Deck eine starke Krängung hatte und die Bark lebhaft tanzte, fand ich doch, daß ich mich mit Leichtigkeit auf den Beinen halten konnte, und wies Richards aus- aestreckte Hand zurück, die er mir beim Hinabsteigen reichen wollte. Dies war mein erster Besuch in der Kanute, seit wir den Tyne verlassen hatten. Unten an der Treppe blieb ich eine Zeitlang stehen, indem ich mich an dem messingenen Geländer hielt, und betrachtete mir den Raum, der nun an Stelle unseres alten Wohnzimmers treten sollte. Die Wände knarrten und krachten, und selbst durch den geschlossenen Lichtschacht konnte ich die Stimme des Windes vernehmen, die aus der Höhlung des großen Besan widerhallte, der, durch das Oberlicht gesehen, sich wie eine gewaltige Nebelbank gegen den Himmel abhob. (Fortsetzung folgt.) 63 — mütserregungen, sondern auch durch das Schreibmaterial selbst sowie durch die Schreibunterlage hervorgerufen werden können. Eine aus dem unbequemen Pult eines Postbureaus und mit ungewohnter schlechter Feder gefertigte Handschrift hat einen ganz anderen Charakter als diejenige, welche wir sitzend an unferm Schreibtisch erzeugen. Der gerichtliche Sachverständige muß derartige Abweichungen richtig einzuschätzen wissen, er muß durch eigene Schriftproben sestzustellen suchen, wie das zweifelhafte Schriftstück entstanden sein mag, und er darf die Mängel des Originals nicht für Fehlgriffe des Fälschers halten. Ich habe schon angedeutet, daß der Fälscher einen gewissen Bildungsgrad besitz muß, um eine annehmbare Fälschung zu stände zu bringen; denn der ungebildete Mensch wagt sich an jede Schriftfälschung heran, und hält dieselbe auch für wohlgelungen, wenn sie auch noch so plump ausfällt. Ich erinnere nur an die gefälschten Zeugnisse der Dienstmädchen, und die gefälschten Zensuren MduEntschuldigungsbriefe der Schüler in den unteren Klassenstufen. Nichts verrät sich so deutlich in der Handschrift wie der höhere oder geringere Bildungsgrad eines Menschen. Und darum wird es dem Bauern oder dem ungebildeten Menschen überhaupt mißlingen, die Handschrift des Gebildeten nachzucihmen. Andererseits muß aber auch wieder bewnt werden, daß gerade die Schrift des rohen ungebildeten Menschen ganz besonders schwer nachzubilden ist, da gerade der gewandte Schreiber und also auch der gewandte Fälscher nicht über die schwere, ungeübte Hand verfügt, welche derartige Schriften verlangen. Und so kann man behaupten, daß eine bäuerische Schrift am besten noch durch einen Bauern nachgeahmt werden kann. Die meisten Fälschungen bewegen sich natürlich auf dem Gebiete des Kassenwesens; doch giebt es eine große Reihe von Spezialisten, welche sich mit der Nachbildung alter, wertvoller Handschriften, sowie mit der Nachbildung von Briefen berühmter Leute beschäftigen, um diese dann den Bibliothekaren oder Sammlern um hohen Preis auf- zuhängew Es soll dies ein sehr einträgliches Geschäft sein, und erst vor wenigen Jahren spielte ein Prozeß, in welchem es sich um die Fälschung alter Bibeln durch Einzeichnung der Namenszüge Luthers und seiner Zeitgenossen handelte. Es erwies sich damals, daß die Fälschungen mit solcher Meisterschaft ausgeführt waren, daß sie selbst den Scharfblick geübter Kenner Jahre lang getäuscht hatten. Um eine Schriftfälschung festzustellen, darf man keinen Faktor übersehen; man muß vor allen Dingen beachten, ob das Schriftstück ein einheitliches Werk darstellt, das im Ganzen zu einem bestimmten Zeitpunkt entstanden ist, bezw. ob alle Teile desselben logisch zusammen stimmen, nämlich der Ort der Ausstellung, Tag und Jahreszahl, Ueber- und Unterschrift, Farbe und Beschaffenheit des Papiers, Merkmale der angewandten Feder, chemische Beschaffenheit der Tinte usw. Man thut gut, die Prüfung des Schriftstückes an einem schönen heiteren Tage zu beginnen, indem man das Papier am Fenster gegen das Licht hält. Vielleicht sieht man da schon etwas Verdächtiges, insbesondere wenn man -Schrift und Papier auch durch die Lupe betrachtet; vielleicht zeigt die Struktur des Papiers eine Technik, welche zu der Zeit, in welcher das Schriftstück angeblich ausgefertigt sein soll, noch gar nicht bekannt war. Sehr häufig wird das Wasserzeichen zum Verräter. So ist z. B. der deutsche Reichsadler ein in Brief- und Kanzleipapieren häufig wiederkehrendes Wasserzeichen; unglücklicherweise hatte jemand derartiges Papier zü einem gefälschten Testament verwendet, welches das Datum vom Jahre 1868 trug. Der Fälscher hatte in seinem Eifer ganz übersehen, daß der deutsche Reichsadler erst einige Jahre später seine Schwingen ausbreiten durfte. Nicht immer sind die Mißgriffe so augenfällig; sehr häufig wird gerade das Fehlen des Wasserzeichens bei Dokumentenpapieren verräterisch wirken, während andererseits schon die einfachsten Zeichen oder Wasserlinien auf die Fabrik Hinweisen können, aus welcher das Papier hervorgegangen ist; der Fabrikant wird also feststellen können, ob zu dem angegebenen Zeitpunkt die betreffende Papiersorte bereits auf den Markt gelangt war. Handelt es sich aber um betrügerische Nachträge, Aenderungen, Ergänzungen, so wird die Tinte verschiedener Zeitperioden im durchscheinenden Lichte auch eine so wesentlich andere Färbung zeigen, daß man ohne weiteres erkennt, welche Buchstaben, Zahlen usm nachträglich ein- gesügt sind. Sind an den betreffenden Stellen nun gar noch Rasuren vorgenommen, so wird da nicht allein des Licht stärker durchscheinen, sondern die Schrift wird auch weniger sicher und klar erscheinen, wie aus der glatten unradierten Fläche. Diese ganze Untersuchung im durchscheinenden Lichte bildet aber nur eine wichtige Vorarbeit, um sestzustellen nach welcher Richtung hin man die Untersuchung fortsetzen soll. Es muß vermieden werden, daß man auf eine falsche Fährte gerät, um nicht die Zeit unnütz zu vergeuden und das ganze Ermittelungsverfahren auf einen falschen Weg zu leiten. Hat inan die Ueberzeugung gewonnen, daß Worte, Zahlen oder auch ganze Sätze wegradiert oder weggewaschen sind, so thut man gut, das Schriftstück zu erwärmen, wobei die beseitigten Schriftzüge wenigstens teilweise wieder sichtbar werden. Ein gutes Mittel, vorgenommene Korrekturen noch deutlicher zu zeigen, bietet die Vergrößerung des Schriftstückes auf photographischem Wege. Hier gilt buchstäblich das Wort „die Sonne bringt es an den Tag"; denn vor dem Sonnenlichte giebt es keine Geheimnisse. Alle Unebenheiten der Schrift und des Papiers werden getreu in der photographischen Reproduktion wiedergegeben, und viele Besonderheiten, welche man selbst bei Anwendung der schärfsten Lupe nicht entdeckt hat, enthüllt uns nun plötzlich die photographische Platte. In vielen Fällen wird man auch schon durch das einfache Lichtpausverfahren zum Ziel gelangen. Man legt lichtempfindliches blausaures Eisenpapier unter das zweifelhafte Schriftstück, spannt beides zusammen in einen Kopier- rahmen, wie ihn die Photographen benutzen, und setzt die Schriftseite dem Licht aus. Bei heiterem Wetter kann schon nach einer halben Stunde das Kopierpapier aus dem Rahmen genommen werden; es wird 5 bis 15 Minuten lang im frischen Brunnenwasser, das öfter zu erneuern ist, gespült, worauf die Schrift blendend weiß aus tiefblauem Grunde erscheint. Diese photographische Kopie hat den Vorzug, daß sie unter sehr bescheidenem Kostenaufwand zu erlangen ist, und dabei alle Eigenheiten des Originals schärfer wiedergiebt, als wir sie selbst mit Hilfe der Lupe wahrnehmen. Der Schreibsachverständige muß aber im Grunde selbst ein Schreibkünstler sein. Sind keine Merkzeichen zu entdecken, durch welche sich die Fälschung von der Originalschrist unterscheidet — zumal wenn es sich um die Nachbildung ganzer Briefe oder Urkunden handelt — so hat er immer noch keine Veranlassung, die ihm vorgelegte Schrift als echt zu erklären. Jetzt beginnt erst feine Aufgabe, sich gleichsam in den Charakter der Originalschrift zu vertiefen. Und wenn auch der Fälscher mit ganz überraschender Kunstfertigkeit Strich für Strich die Originalschrift nachgebildet hat, fo kann er doch nicht das ganze Wesen, die Natur eines Menschen annehmen, welche das Resultat so außerordentlich vieler zusammenwirkender Fai toren ist. Der Schauspieler kann eine allgemein bekannte Person mit wahrer 'Vollendung kopieren, immer wird man aber noch eine ganz feine Eigenheit herausfinden können, durch welche er sich vom Original unterscheidet. Ebenso unterscheidet sich auch die getreue Kopie einer Handschrift immer noch durch irgend welche Abweichungen von dem Original; denn die Schrift hat eben auch einen ganz bestimmten Charakter wie der Mensch — selbst wenn sie nicht das getreue Spiegelbild desselben ist. Wie aber soll der Schrift-Sachverständige diese feinen Unterschiede herausfinden? Es bleibt ihm nichts anderes übrig, als selbst die Originalschrift auf Pauspapier immer wieder und wieder nachzuzeichnen, bis sie ihm geläufig zu werden beginnt, bis ihm die Bogen, Haken, Schnörkel, welche bte einzelnen Buchstaben charakterisieren, einschließlich der häufigsten Varianten der Originalschrift, fast automatisch aus der Feder kommen. Und wenn er bann das angezweifelte Schriftstück in gleicher Weife auf Pauspapier nachzuzeichnen sucht, so wird er auf keinerlei Hindernisse stoßen, wenn 64 - die Schrift echt ist, dagegen wird die Feder bei einer Fälschung jeden Moment stocken; jeder zu steile Strich, jeder zu breite oder zu flache Bogen, jede Verdickung, welche nicht im Charakter der Originalschrift liegt, muß ihm auffallen. Nur so kann man erkennen, an welchen Stellen der Fälscher seinem Original nicht vollkommen gerecht wurde. Nicht die einzelnen Merkzeichen, aber eine größere Zahl solcher Momente wird zur Ueberführung des Fälschers dienen. Was nun die „wertvollen alten Handschriften" betrifft, so hat man immer Veranlassung, dieselben mit größerer Aufmerksamkeit zu betrachten, sobald sie irgend welche besonders auffällige Anzeichen ihres hohen Alters zeigen. Sie sind mit künstlichen, meist chemischen Mitteln erzeugt, und geben dem Chemiker nun vollkommene Veranlassung, gleich an dem auffälligen Punkte die Untersuchung ins Werk zu setzen. So bereiten sich. z. B. Fälscher häufig eine besondere Tinte, welche der Schrift den Charakter hohen Alters verleihen soll. Sie erreichen dies, indem sie verrostete Nägel in die Tinte werfen, und dann mit Rohrfedern schreiben. — Wirklich alte Schrift zeigt einen fein abgetönten gelblichen Hof, solch ein Hof kann zwar auch durch eine besonders zubereitete Tinte erreicht werden, doch sind die Abstufungen in der Farbe unnatürlich. Auch dieser Umstand verdient Beachtung. Die chemische Prüfung der Tinte bildet stets ein Hauptmoment der Untersuchung. Häufig genügt es schon, die Schrist- zeichen mit verdünnter Salzsäure zu betupfen und auf die Farbenveränderung zu achten. Alte Schrift wird langsamer angegriffen, als diejenige jüngeren Datums. Bei Dokumenten ist ein breiter Zeilenabstand, welcher zur Einfügung von Worten benutzt ist, verdächtig; ebenso verdächtig ist es, wenn ergänzende Worte eines alten Dokuments vorsichtig unter oder neben die Falten des Schriftstückes gesetzt sind, lieber die Falten hinweg schreibt der Fälscher nämlich nicht gern, da die Schrift hier ausfließt, und man daraus erkennt, daß die Zusätze nicht ursprünglich enthalten waren, sondern nachträglich in das vielfach gefaltete, vielleicht schon arg mitgenommene alte Dokument eingesetzt sind. Häufig erweist sich auch die Unterschrift als echt, der Text dagegen als gefälscht. Solch eine Schrift, z. B. ein Schuldschein, kann etwa auf folgende Weise entstanden sein: Jemandem wird ein harmloses gedrucktes Formular, das die Subskription auf irgend ein Werk oder dergleichen enthält, vorgelegt. Zwischen dem gedruckten Text und der Unterschrift ist aber ein freier Raum geblieben, und dieser wird nun für den beliebigen Wortlaut des Schuldscheins benutzt, während der bedruckte Text oben abgeschnitten wird. Je größer die Kunstfertigkeit des Schriftfälschers, um so größer muß die Gelehrsamkeit des Schriftprüfers sein. Ja, das Wissen eines einzelnen Mannes reicht häufig nicht einmal aus, allen Tücken des Fälschers auf die Spur zu kommen, und an mancher uralten Handschrift haben sich schon Philologen, Chemiker, Historiker und Schreibsachverständige gleichzeitig die Zähne ausgebissen; und schon mancher Schwindler ist der strafenden Gerechtigkeit entgangen, weil die Sachverständigen nicht einig werden konnten. ____________ Geineinnützrges. Ein neuer Schädling. In der neuesten Nummer des „Praktischen Ratgebers" berichtet Freiherr v. Schilling über ein von ihm neu entdecktes Insekt, welches oft in Gemeinschaft mit der ähnlichen Blutlaus auf Apfelbäumen und den verschiedensten Kulturpflanzen, selbst auf den Kamellien im Zimmer vorkommt. Er bezeichnet diesen Schädling, den er in den verschiedenen Lebensstadien genau abbildet, als strolchende Wollschildlaus: Dactylopius vagabundus. Dieser kleine Vagabund richtet, wie berichtet wird, mit seinem Säugrüssel, den er in die Pflanzenhaut senkt, zuweilen recht beträchtlichen Schaden an. Gartenfreunde, die die Kenntnis der auf ihren Lieblingen vorkommenden Schmarotzer bereichern wollen, können die betreffende Nummer des „Praktischen Ratgebers" vom Geschäftsamt in Frankfurt a. O. kostenfrei erhalten. Litterarisches. BelharM & Kinsings Monatshefte. Das soeben erschienene 6. Heft von Velhagen und Klasings Monatsheften bringt eine höchst originelle Erinnerung an Fräulein Lola Montez lobesamen Andenkens: nämlich die Schilderung ihres ersten Auftretens in Deutschland, und zwar am Hofe Heinrichs des 72. von Röuß-Ebersdorf, ein köstliches Stück Kleinstaaterei, überaus hustig von einem Mann erzählt, der dem „großen Ereignis" persönlich nahe stand. Das prächtig ausgestattete Heft enthält ferner, außer der Fortsetzung des Romans „Das rote Auge" von Ernst Rem in, den stimmungsvollen Beginn einer größeren Erzählung „Leide n" von Beruh. Schulze-Sm idt. Sehr interessantisteinumfangreicher, sehr instruktiv illustrierter Aufsatz von Hanns vonZobeltitz über den im Bau begriffenen S i m p l o n - Tunnel, den° größten Tunnel der Erde; über Dilet- tanten-Theater in der Berliner Hofgesellschaft plaudert an der Hand zahlreicher Porträts G. von Li er es; das Lebenswerk des genialen und überspannten belgischen MalersWiertz schildert FedorvonZobel- titz; für die vielumstrittene o st afr ik anisch e Zentralbahn legt ein augenscheinlich sehr gut orientierter „älter Afrikaner" eine Lanze ein. Außer der Bücherschau von Heinrich Hart und einer eigenartig illustrierten kleinen Revue über „die gut gedeckte Tafel" bringt der Schluß des Heftes noch die Gratis-Beigabe der Romanbibliothek mit der Fortsetzung von „Erloschenes Licht" von Franz Rosen. Kinder-Leitung. Hcrausgegeben von Felix von Stengliv, Groß-Lichterselde. Inhalt von Nr. 18. Was in der Welt vorgehl: Waldersee und Li-Hung-Tschang; ein Zukunftsbild; Ein Bries aus Paotingfu; Abermals ein Nordpolfahrer; Von Räubern gefangen; Kleine Notizen. Aus dem Reiche der Natur: Glühen des Brockengipfcls. Der Beobachter in Wald und Feld: Hasenfraß. „Das geheimnis- volle Haus." (Forts.) Puppcnhäuser aus alter Zeit. Erlebnisse. Tauschecke. Anzeigen. — Zu beziehen durch alle Postanstaltcn, Buchhandlungen und die Geschäftsstelle in Groß-Lichterfelde, Dahlemerstr. 75. Liebig-Bilder. Neue „Liebig-Bilder" — abgekürzte Bezeichnung für die von der Liebigs Fleisch-Extrakt-Kompagnie herausgegebenen bunten Empfehlungskärtchen — erregen stets in den weiten Kreisen der Sammler derselben viel Interesse. Soeben ist eine „Joh. Strauß-Serie" erschienen. Auf dem ersten Blatte dirigiert der Wiener „Walzerkönig" persönlich sein Orchester im Prater. Die übrigen Bilder bieten Szenen aus „Fledermaus", „Lustiger Krieg", „Prinz Methusalem", „Eine Nacht in Venedig", „Zigeuner-Baron"; auf sämtlichen Kärtchen finden sich auch die Eingangstakte der volkstümlichsten Weisen, die Joh. Strauß geschaffen. Die Rückseiten enthalten Kochrecepte, bei denen Liebigs Fleisch- Extrakt und das den Leidenden so dienliche Fleisch-Pepton der Kompagnie-Liebig eine Rolle spielen, daneben das weltbekannte Liebig-Töpfchen mit Verzierung durch Musik-Instrumente. ____________ Bilderrätsel. (Nachbildung verboten). Auflösung in nächster Nummer. Auflösung des Magischen Quadrats in voriger Nummer: LORD ODER REHE DREI Redaktion: ®. Burkhardt. — Druck und Verlag der Brühl'schen UniverfitätS-Buch- und Steindruckerei (Pietsch Erbe«) in Gieße».