mzung ien ist egt iin et sich Eine uf die n Rot, jen, ob Creme, | ährend e Erd- ährend raußen nbaren chtigcn oppich, hre int ck steht ■ ihnen c keine ent, ist müderer!" Mütter c über» t t ge- ind zu i es zu diesen c Weise Mütter, oandert für sic n, ihre oflcgen, tcn ihr darin immer ohlfahrt Uvähnte daneben ' selbst- Mütter -hrgang em sich ;e oder er erst- cläutert te Zeit» 1 Mode, Gratisjungen Fried- c Bnch- einent it. S GWSSKj -7-3Mä. s ist der Glaub' ein schöner Regenbogen, Der zwischen Erd' und Himmel aufgezogen, ‘f- Ein Trost für alle, doch für jeden Wand'rer Je nach der Stelle, da er steht, ein and'rer. Geibel. (Nachdruck verboten.) Auf der Felseninsel. Eine Erzählung aus den norwegischen Schären. Von M. O t t e s e n. (Fortsetzung.) Der Pastor schwieg und that nachdenklich einen langen Zug aus seiner silberbeschlagenen Meerschaumpfeife — einer Ehrengabe, die ihm seine Lofotensche Gemeinde beim Abschied verehrt hatte. Als aber auch! seine Frau in den Hinteren Regionen, die mir aus der Kindheit als Küche und Speisekammer wohl bekannt waren, verschwand, rückte er vertraulich näher. „Wollte nichts sagen, während die Frauensleute dabei waren, aber das Ting hat seine Kehrseite. Ich für mein Teil stelle nun Gunhilda nicht so hoch ist sie auch mein . liebes Mädchen, das ich getauft und eingesegnet habe." „Wie meinen Sie das, Herr Pastor?" fragte ich betroffen. „Ja, sehen Sie", fuhr der Pastor fort, rüdem er blaue Ringe in die klare Lust hinaufsandte. „Sie wissen, schlechtes Beispiel verdirbt gute Sitten, und als einzige Freundin meiner Kinder ist mir Gunhilda durchaus nicht angenehm." „Da wird Sie jemand belogen haben", platzte ich heraus. „Für den rechtschaffenen Charakter des Mädchens würde ich einstehen. Sie scheint mir so überlegen, so energisch —" „Das ist ja eben das Unglück", fiel mir der geistliche Herr mit mehr Eifer, als er bis jetzt gezeigt hatte, ms Wort. „Ist sie auch nachgiebeg und weich bis zur Schwache Menschen gegenüber, die sie liebt und denen sie vertraut, so zeigt sie bei anderen Gelegenheiten eine Entschlossenhit, eine Willenskraft, die jeder Berechnung spottet." „Das ist aber nur zu bewundern", rief ich erregt durch! diese ruhige Art, das Wesen meiner Wassernixe zu zerlegen. „Ist denn Wankelmut eine so herrliche Eigenschaft?" „Beim Weibe jedenfalls natürlicher als diese schnelle Art, zu denken und zu handeln, ohne erst, wiees sich jedenfalls für ein so junges Mädchen geziemt, nach Schrck- lichkeit und Herkommen zu fragen", entgegnete der Pastor, dessen Gemütsruhe offenbar nichts erschüttern konnte. „Gerade diese Bewunderung, diese scheue Verehrung, deren Gegenstand sie ist, kann ihr zum Verderben werden. Sre ist es gewohnt, daß alle, meine eigene Familie nicht ausgenommen, stets ihre Unternehmungen gut heißen. Und sie will das Beste. Wird es ihr aber auf die Dauer gelingen, diese unnatürlich hohe Stellung zu wahren, wird sie sich damit begnügen, was ihr hier der Allgütige beschert hat? Sie hat einen stolzen, leidenschaftlichen Sinn. In die Weite schweifen ihre Gedanken und Wünschte, und ich bete zu Gott, er möge sie lehren, das eigene Herz zu erkennen und seiner ungestümen Regungen Herr zu werden. Möge ihre Schönheit, ihre Macht über die Gemüter ihr keine verhängnisvolle Gabe werden. Möge sie nicht dereinst Unheil über diese Insel bringen, um dann selbst elend zu Grunde zu gehen!" Ich blickte den alten Mann bestürzt an, sein mildes Gesicht hatte einen bekümmerten Ausdruck, und plötzlich sah ich» nicht mehr den sonnigen Garten mit den geschnittenen Taxushecken und den blühenden Bäumen: ich sah die Nixeu- treppe und ein blasses Weib, das angstvoll über die wogende See hinaussch!aute, dabei aber abwehrend winkte, als sei es in sein Schicksal ergeben und wolle nicht gerettet werden. Wie aus einem Traume erwachend, fuhr ich zusammen, als sich eine Hand auf meine Schulter legte und mich der Pastor aufforderte, ihn ins Eßzimmer zu begleiten. Erst als ich wohlgeborgen neben der Pastorin saß, deren stark gerötetes Gesicht deutlich zeigte, daß sie in eigener Person die Herstellung der Gerichte überwacht hatte, kehrte mein abwesender Geist ganz zur Wirklichkeit zurück. T!a war ich wieder im alten Heim. An meines Vaters Platz in demselben hohen, steifen Stuhl faß der Pastor, mir gegenüber das Zwillingspaar, die Wangen noch heißer vom Küchenfeuer und leicht mit den Augen gegen die Sonne blinzelnd, welche klar und warm in blendenden Streifen durch die vielen Fenster ins Zimmer hineinströmte. Hannah saß ganz still und ehrbar neben dem Vater; die kleinen Hände zupften aber in Verdacht erregender Weise an dem Mundtuch, und es zuckte um den Mund, als kämpfe sie wieder heldenmütig gegen eine heftige Lachlust. Alles im Zimmer war so hell und rein, kein Stäubchen auf dem glatten, weißen Fußboden, kein Stuhl, kein Tisch, der nicht genau an seinem Platze stand. Geranien und Goldlack blühten in den Fenstern, in der Ecke hob sich ein zierliches Spinnrad gegen die weißen Wände ab. Das Ganze stimmte zu dem ruhigen, durchsichtigen Wesen der Bewohner. Und konttte ich es auch, nicht leugnen, daß es gewiß> so gute Menschen waren, wie es überhaupt auf Erden giebt, so mußte ich doch alles aufbieteu, um das Gähnen zu unterdrücken, das mich wiederholt während des langen Mahles überfiel. Meine einzige Zerstreuung war, hin und wieder eine spaßhafte Bemerkung zu machen, welche der armen Hannah Gelegenheit geben könnte, ordentlich zu lachen. Sie sah 370 hübsch aus, wenn sie mit strahlendem Lächeln jedem Einfall lauschte, als seien es die ersten Witze, die sre in ihrem Leben gehört hatte. Und ich freute mich darauf, daß sre mich nachher irr Haus und Garten herumfuhren sollte Da hatte ich mW aber verrechnet .Dem Pastor mißfiel offenbar die vertrauliche Art, in der seine Tochter mit dem Fremden verkehrte, und ich hörte, wie er nachher dem armen Kinde streng befahl, sich in sein Studierzimmer zu begeben, um dort einen ehrerbietigen Geburtstagsbrres an die Großmutter zu schreiben. Das Gesicht der Kleinen zeigte eine klägliche Miene, als sie uns 'ba§ Haus verlassen sah. Auch mir war bte Laune verdorben. Wie oft hatte ich mich darnach gesehnt, die alten Spielplätze wiederzuschen! Doch als höflicher Wirt geleitete mich der Pastor selbst durch, Scheunen und Ställe, hier Verbesserungen zeigend, dort über bie schlechten Seiten klagend. Dies hätte ich hingehen lassen können, hätte er nicht dazwischen immer über Gunhilda und ferne Jüngste geklagt. ,, . . Ja, sehen Sie", wiederholte er tritt fernem unverwüstlichen Phlegma, wie idj es in meinem Aerger nannte, „das Weib gehört nun einmal ins Haus. Dafür soll es erzogen werden, soll kochen und stricken, backen und platten. Zufrieden wird ein weibliches Wesen nur sein, wenn fern Spruch ist: ,Ein gut Gericht, das beste Gedicht'. Mit meiner Abiqael, mit meiner Deborah wird kein Mann betrogen. Gunhilda dagegen, die will lesen und studieren, und herraten will sie nur, wenn sie einen Mann findet, der rhr wirklich überlegen ist. Dieser Unsinn! Ich bitte Sre, hrer auf der Insel, wo die Schiffer und Kaufleute spärlrch genug zu haben sind. Und eine alte Jungfer — na, das ist und bleibt doch ein verfehltes Leben." , „Aber, bester Herr Pastor", rief ich eifrig, „die Ideen der Neuzeit — bald erhalten die Frauen Zutritt zur Universität." , „ ., . „Lassen Sie mich mit Ihren Ideen der Neuzeit rn Frieden", wehrte der gute Mann schnell ab. „Davon wollen wir hier bei uns nichts wissen. Wir sagen: gieb dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist. Betrüben muß es jeden braven Mann, zu hören tote sie es jetzt in den großen Städten treiben. Was soll das Ende vom Liede werden? Gott stehe uns in Gnaden bei. Ehe wirs uns versehen, haben wir Aufruhr, Not und Elend — „Leider habe ich mich im Auslande gar nicht um bte Politik gekümmert", unterbrach ich! ihn schnell, wühl wissend, daß zwischen uns keine Einigkeit über die schwierige Frage der politischen Lage zu erwarten fei. „Da sehe ich ^hre Damen im Garten. Wollen wir nicht wieder umkehren?" Kopfschüttelnd folgte mir mein Wirt. Er wurde fortan vorsichtiger in seinen Aeußerungen und schien den Verdacht zu schöpfen, ich gehöre am Ende auch, zu jenen Freidenkern und gefährlichen Radikalen, welche seiner Meinung nach im Begriff standen, das Vaterland ins Unglück zu flirt 5 en. Desto beredsamer zeigte sich jetzt die Pastorin. Einmal der häuslichen Sorgen entledigt, schien sie bereit, sich der Geselligkeit zu widmen und ihrerseits so viel Gewinn tote möglich von dem unerwarteten Besuch, zu ziehen. Ich sah bald ein, daß die stattliche Frau nicht allein im Aeußern einen Gegensatz zu ihrem würdigen Eheherrn bildete, und ich verstand, daß gerade eine Natur wie Gnutz ildas sich von ihr ungezogen fühlen mußte. Ein Band! wirklicher Freundschaft schien trotz des Unterschiedes der Jahre diese beiden zu vereinigen, und wie vorhin brachte die Pastorin bald wieder das Gespräche aus die Pflegetochter meines Wirtes. , „Nehmen Sie sich meiner Gunhilda etn wenig an, Herr Doktor", begann die Pastorin, während wir zwischen den Blumenbeeten dahinschritten. „Es ist ein seltsames Wesen mit einer Feuerseele, das zu schnell alles auffaßt und sich zu eigen macht, um davon befriedigt zu fein, was eine alte Frau wie ich, Mitzuteilen versteht." „Sie haben Gunhilda unterrichtet?" fragte ich, verwundert. „Mit meinen Kindern zusammen. Eine feste Schule giebt es ja nicht hier auf der Insel. Ter Schulmeister zieht mit feinen Zöglingen umher von einem Hause zum andern. Ta haben denn ich und mein guter Mann es übernommen, den Mädchen das nötigste zu lehren. Meinen ältesten Töchtern war auch, was wir ihnen boten, mehr denn genug. Küche und Keller, Spinnstube und Waschhaus — das ist nun einmal ihr Gebiet, und meine kleine Hannah — sie ist eben ein liebes, übermütiges Kind, das sich am liebsten in Feld und Flur herumtreibt. Ich wette, sie zerbricht sich jetzt gewaltig den Kops, um den Brief noch vor Abend fertig zu bringen. Mein Mann ist, darin ein bißchen zu sehr vyn der alten Schule und kann es gar nicht begreifen, tote der Wildsang sich, hierher unter uns verirrt hat." Sie lächelte halb schelmisch, halb wehmütig und fuhr dann vertraulich fort: „Anders ist es mit der fremden Blume, die hat in unseren Schären nicht recht Wurzel fassen wollen. Ich! glaube nun mit unserem verstorbenen Freunde, dem Arzte, daß Gunhilda einer vornehmen Familie entstammt. Sehen Sie diesen Wuchs, diese seinen Züge! Merkwürdig, daß es nie gelingen wollte, eine Spur von den Verwandten zu entdecken, welche ihre Mutter hier aufsuchen wollte!" (Fortsetzung folgt.) In der Kirschplantage. Humoreske von Friedrich Thieme. (Nachdruck verboten.) Und das ist ein Sonntag! Die Sonne lacht um bie Wette mit all den strahlenden, jauchzenden, schöngeschmückten Menschenkindern, kein einziges Wölkchen am Himmel, nur ein schmeichelndes Zephyrlüstchen, das den jungen, reizenden Blondköpfen da unten im !Wale bie Mühe des Fächerwedelns erspart. Sie tragen ja auch! keine Fächer, so hübsch sie sonst geschmückt sind. Wie weiße und rote Rosen sehen sie aus, nur daß die Rosen hübsch still am Zweige sitzen und sich begnügen, zu duften. Die drei jungen Mädchen aber sind lustige Käfer, denen der Schelm aus den blauen Augen blitzt, und denen der Uebermut die Wangen kirschrot gefärbt hat! Ja, wenn junge Mädchen spazieren gehen! Junge Burschen sind nichts dagegen — nur wenn sie in Herrengesellschaft sind, da kichern sie leise zusammen und stellen sich an, als könnten sie nicht bis drei zählen. Wart' nur, ich kenne Euch! Seht sie nur, wie sie dahinwandeln — ah, was sage ich, wandeln? Lasset uns fingen, Tanzen und springen! heißt es bei ihnen — sie sind ja auch ganz allein in dem grünen, schattigen Grunde, haben ihre beiden Mütter heimlich und böswillig verlassen, bie sitzen brühen in Burkers- borf im Gasthofsgarten unb zerbrechen sich ben Kopf, wo bie wilden Mädchen nur wieder hin sind — hahaha! „Paß auf, Else — ich springe darüber!" „Prahlerin, das kriegst Tu nicht fertig!" „Was? Du denkst, ich kann nicht über ben nichtigen Zaun springen?" Achtung!" Wupp, ist sie bruben! „Kommt herüber, hier giebt es reife Kirschen!" „Tu, bas ist verbotenes Terrain, da sind Strohwische aufgepflanzt, Elly." „Selber Strohwische — 's ist ja ein Weg hier. Ach, die herrlichen Kirschen — Glaskirschen, Herzkirschen, Ammern !" Else und Agnes können nicht mehr widerstehen. Der Zaun stellt ein leicht zu nehmendes Hindernis dar, int Nu stehen sie neben der Freundin. Eine ungeheure Kirschplantage breitet sich vor ihnen aus. Mitten hindurch geht ein Weg nach dem Torfe. Niemand kann ihnen verwehren, ihn zu beschreiten. „Seht nur die herrlichen Kirschen", ruft Elly mit funkelnden Augen. „Pah, vom Sehen haben wir auch nichts!" „'s ist aber doch ein entzückender Anblick!" „Ach ja", seufzt Agnes. „Was ich für einen Durst habe!" In der That — was gießt es wohl Herrlicheres, als den Anblick einer Kirschplantage, wenn im grünen Laub die reisen roten und schwarzen Früchte hängen? Was giebt es Köstlicheres, in der austrocknenden Hitze eines Julitages, als die saftige, üppige, süßschmeckende Kirsche, die von unserer Zunge mit Wohlbehagen zerdrückt wird 371 I und deren erfrischenden Saft wir wie Nektar schlürfen? Welcher Mensch, der unter einem vollbehangenen, seine Zweige dicht über seinem Haupte ausbreitenden Kirschbaum dahingeht, fühlt nicht unwillkürlich, das Verlangen in sich!, die Hand nach den erquickenden Früchten auszustrecken? „Ich wollt', ich hätte ein paar", ruft Else. „Ich auch." Elly versucht mit der Hand einen der Zweige zu erfassen. „Laß, Elly, laß, das dürfen wir nicht", warnte Agnes. „Ich will auch keine nehmen —- nur einmal sehen, ob ich hinauflangen kann!" „O, Du kannst nicht so hoch!" „Was? Paß auf!" Elly vereinigte ihre ganze Kraft in einem bewunderungswürdigen Luftsprung, indem sie gleichzeitig die Hand nach dem niedrigsten Zweige ausstreckte, aber ihr Ziel erreichte sie doch nicht. „Es ist zu hoch", keuchte sie. „Laß mich einmal versuchen", hohnlachte Else, „ich kann höher springen." Doch auch sie, und ebenso Agnes, versuchen vergeblich ihr Heil. Hindernisse reizen bekanntlich- und so setzen die drei jungen Mädchen lachend das Spiel fort. Elly thüt es schließlich! den andern bjcEjt zuvor, sie hat auf einmal, den erstrebten Zweig in der Hand, zieht ihn zu sich herab und jauchzt triumphierend: „Ich habe ihn, ich habe ihn!" „Jawohl, und ich! habe Euch! auch^ Ihr Spitzbuben!" grollt da eine rauhe, polternde Stimme wie ein Donner zwischen die erschrockenen Mädchen hinein, und wie ein Blitz fährt zwischen sie der Plantagenwächter, ein Mann von rauher Gestalt in des Wortes verwegenster Bedeutung, mit einem zottigen Barte, einem schmutzigen Hut auf dem Kopfe, einer Flinte in der Hand und einem bissigen Köter hinter sich, der sich, ebenso heimtückisch wie sein Herr, nachdem er sich mit diesem hinter dem Gebüsch an der Seite herbeigeschlichen, ganz plötzlich mit wildem Gebell auf die in Todesangst aufkreischenden Mädchen stürzt. „Hierher, Packan — Ruhe Bestie — ich werde schon allein mit denen da fertig! Verwünschter Racker, willst Tu die Schnauze halten! Was haben Sie hier zu suchen, Sie? Sie wollten Kirschen mopsen, he?" Zitternd stehen die jungen Mädel vor dem grimmigen Wächter, Agnes und Else fangen an zu schluchzen, Elly aber faßt sich ein Herz und erwidert entrüstet: „Nein, das wollten wir nicht — wir machten uns nur das Vergnügen, zu probieren, toer von uns den Zweig dort erlangen könne." Der Plantagenwächter lacht höhnisch!. „Kennen wir schon — allons, folgen Sie mir." „Wohin?" fragt Elly, ihren ganzen Mut zusammen- raffend. „Ins Dorf, zum Gemeindevorstand." Da ist es zu Ende mit Ellys Kraft, auch ihr treten die lichten Thränen in die Augen. „Lieber Mann", fleht sie mit ihrer sanftesten Stimme, „lassen Sie uns doch laufen! Wir haben wirklich keine böse Absicht gehabt." „Ich hab' Sie ja auf frischer That ertappt." Elly sucht in ihrer Tasche und findet zu ihrer großen Freude ein Fünfzigpfennigstück, das sie eiligst Herausholt und dem zornigen Hüter in die Hand drückt. „Da — nehmen Sie — lassen Sie, uns gehen." Aber wütend braust er auf: „Sie wollen mich bestechen? Das ist noch viel schlimmer — das Geld werde ich dem Herrn Bürgermeister abliefern. Vorwärts, kommen Sie mit." Alle Bitten, alle Thränen sind umsonst. Sie müssen mit. Elly, zu stolz, um zu weinen, geht mit einer trotzigen Miene voran, hinter ihr laut jammernd und sie mit Vorwürfen überschüttend, ihre Gefährtinnen. An der Seite der Wächter, zuletzt der greuliche Köter. Elly schaut sich vorsichtig um, sie denkt an Flucht. Doch psui — ihre Freundinnen verlassen? Nimmermehr! Außerdem erscheint der Versuch auch aussichtslos, der Kirschencerberus und sein Spitz würden sie schnell genug zurückbringen. Der Trauerzug ist schon ziemlich ans Ende der Plantage gelangt, als ihnen ein elegant gekleideter junger Herr entgegenkommt. Etwa 25 Jahre alt, mit hübschen, liebenswürdigen Zügen, dunklen Augen, hoher Stirn, stattlichem Schnurrbart. Erstaunt hält er die kleine Karawane an. „In aller Welt, Kunze, was haben Sie denn da?" „Drei Kirschendiebinnen, Herr Wolf." „Das ist nicht währ", verteidigt sich Elly, „wir haben weder Kirschen gestohlen, noch die Absicht gehabt, es zu thun." „Ich hab' Sie aber doch dabei erwischt." „Wir haben nur aus Scherz im Springen den Zweig zu erreichen gesucht." „Jawohl, wer's glaubt — das hier ist Herr Wolf, der Eigentümer der Plantage, der wird's Ihnen schon geben." „Wenn Sie der Besitzer sind, so bitten wir Sie, uns zu entlassen, wir haben nichts Böses gethan. Mein Vater, der Rechsanwalt Krüger, wird über die uns zugefügte Behandlung Beschwerde führen." Der junge Herr lächelt. „Meine Damen, es thut mir leid. Sie nicht so ohne weiteres entlassen zu können. Sie haben sich! in der That verdächtig gemacht — und nicht allein das. Sie sind so gut wie überführt. Wir sind in unserem vollen Recht." „So wollen wir Ihnen unsere Namen und Adressen sagen, das wird doch genügen." „Darauf können wir uns nicht einlassen, die uns angegebenen Adressen erweisen sich fast immer als unrichtig. Es bleibt nichts übrig, als Sie zu pfänden. Wenn Sie mir einen entsprechenden Gegenstand oder eine bare Summe als Kaution hinterlegen können, so mögen Sie gehen." Erfreut blicken sich die jungen Mädchen an — endlich ein Ausweg! „Was — was sollen wir Ihnen dalassen?" „Haben Sie keinen Sonnenschirm?" „Tie liegen in Burkersdorf im Gasthof, wo unsere Mütter auf uns warten." „Oder bares Geld?" Tie Damen flüsterten leise zusammen. „Ich habe gar nichts bei mir", raunt Agnes Elly zu. „Und Du, Else?" „Zwanzig Pfennige — hier hast Tu." „Und ich habe mein ganzes Geld dem Aufseher gegeben --" J ■■ j' 4 „Nun?" fragt erwartungsvoll der Kirscheneigentümer. Errötend gesteht Elly, daß sie sich nur im Besitz von wenigen Pfennigen befänden. „Tas genügt freilich! nicht. So müssen Sie mir wohl oder übel Ihre Hüte zum Pfand lassen." „Unsere Hüte? Wir können doch nicht in bloßem Kopse gehen? Nein, das geht unmöglich", widersprechen alle drei. Ta kommt Elly ein Gedanke. „Schicken Sie doch zu unseren Müttern nach Burkersdorf, die werden sofort das Nötige erlegen." „Tas ist weit — indessen, um Ihnen gefällig zu sein" — Herr Wolf streicht sich den Schnurrbart — „Knnze, gehen Sie in den Burkersdorfer Gasthof, fragen Sie nach Frau Rechtsanwalt Krüger, melden Sie ihr das Geschehene und richten Sie aus, ich! ließe die Damen bitten, sich einmal aus das Gut zu bemühen." Kunze will abtrotten, aber Elly hält ihn zurück. „Warten Sie doch — sollen wir denn nicht mitgehen?" „Damit Sie unterwegs entfliehen — und dann giebt es keine Frau Rechtsanwalt Krüger dort", ruft lachend der junge Gutsbesitzer. „Nein, meine Damen, das geht nicht. Sie müssen sich schon so lange als meine Gefangenen betrachten ■— bitte, begleiten Sie mich auf das Gut, es ist nur wenige hundert Schritte von hier, dort mögen Ihre Mütter Sie in Empfang nehmen." Kunze trottet mit dem Köter ab, und seufzend ergeben sich die drei Gefangenen in ihr Schicksal. In Begleitung des jungen Herrn machen sie sich auf den Weg nach dem schönen, schloßähnlichen Herrenhaus, das, von prächtigen alten Linden und Kastanien beschattet, ihnen am Eingang eines großen Gartens entgegenwinkt. „Sie verzeihen, daß ich vorangehe", entschuldigt sich - 378 - der Führer und Aufseher, „ich will Ihnen den Weg zeigen." „Wohin?" fragt Elly unruhig. „In das Gefängnis, mein Fräulein." Agnes stößt einen Schrei des Schreckens aus, Else bekundet ihr Entsetzen durchs einen neuen Thränenstrom, selbst die starke Elly fühlt ein ängstliches Pochen in ihrer Brust. „Mein Herr, Sie werden uns doch nicht wie gemeine Verbrecherinnen behandeln?" stammelt sie furchtsam. „Bedaure, ich habe kein anderes Gelaß." Damit stößt er eine Thür in der ersten Etage auf. „Bitte, hier herein! Und nehmen Sie Platz." Das Kleeblatt atmet erleichtert auf. Das vermeintliche Gefängnis entpuppt sich als ein behaglich ausgestattetes Zimmer mit bequemen Möbeln in altdeutschem Stil. „Bitte setzen Sie sich nur — ich werde Ihnen sogleich die Gesängniswärterin schicken." Fünf Minuten später betritt eine ältere Dame in vornehmer Haltung das Gemach,. „Mein Sohn hat mir von Ihrem Mißgeschick erzählt, meine Damen", führt sie sich lächelnd ein, „er hat mich, gebeten, Ihnen Gesellschaft zu leisten." Ten drei Gefangenen wird jetzt schon erheblich, leichter ums Herz. Jede Spur von Angst und Sorge schwindet jedoch aus den lieben Gesichtern, als gleich darauf ein Mädchen eine große Schüssel herrlicher Kirschen auf dem Tische vor den Fräulein niedersetzt. Gleich- hinter ihr folgt Herr Wolf selbst mit ein paar Flaschen duftenden Tokayers, ein anderes Mädchen bringt Gläser. „So meine T-amen, nun langen Sie zu", fordert Wolf sie freundlich lächelnd auf. „Es ist freilich, nur Gefangen- kost — aber Sie werden Hunger und- Durst haben, vor allem an diesem heißen Tage das letztere." „Sie sind sehr liebenswürdig", versichert Elly mit einem Knix. „Wir danken Ihnen", setzt Else hinzu. Agnes, als die Jüngste, hat beim Anblick der wunderbaren Kirschen alle Not vergessen. „Ich bin so frei", sagte sie und langt zu. Der Gutsherr und seine Mutter gehen mit gutem Beispiel voran, die drei Mädchen, verdurstet wie sie sind, greisen bald herzhaft zu. Man bewundert, lacht, scherzt, und alles Vergangene ist vergessen . . . Indessen sitzen die Mütter im Garten des Gasthofs von Burkersdorf und warten, warten, warten. „Wo die bösen Kinder nur bleiben?" meint Frau Rechtsanwalt Krüger endlich besorgt. „Vielleicht haben sie sich verirrt, erwiderte die Mutter von Else und Agnes, Frau Stadtrat Vogt. In diesem Augenblicke hören sie, wie ein Mann den Wirt fragt, welche von den Damen Frau Rechtsanwalt Krüger sei. Dieser zuckt die Achseln. T-a erhebt sich Frau Krüger mit den Worten: „Hier, ich bin t' Was wünschen Sie?" Ter l >- berus blickt verwundert die elegante Dame an. Empfehlung von Herrn Rittergutsbesitzer Wolf, und — und Ihre Mädchen hätten Kirschen geklemmt, und — und-Sie möchten gleich hinkommen und sie auslösen, sie sind gepfändet und haben kein Geld." Höchst bestürzt stehen die beiden Damen sofort auf, berichtigen ihre Zeche und lassen sich von dem Boten nach dem Gute führen. Beiden zittert das Herz in Angst um ihre Töchter — wie erstaunen sie aber, als sie, vor der Thür eines Zimmers stehend, schon von außen die lachenden Stimmen ihrer Kinder hören, und im Hereintreten diese fröhlich! um einen Tisch sitzen und sich! an den schönsten Kirschen, die man sich denken kann, letzen sehen! „Ihr bösen Mädchen, was habt Ihr uns sür einen Schreck eingejagt", ruft die Frau Rechtsanwalt erleichtert aus. Herr Wolf verbeugt sich- lächelnd- vor ihr und bittet um Entschuldigung. „Alle Schuld trifft mich«", versichert er nicht ohne Verlegenheit. „Ich sah die jungen Damen in so hilfloser Bestürzung, und gedachte mir einen kleinen Scherz mit ihnen zu machen. Bitte, geben Sie uns die Ehre, meine Damen, sich! hier von dem kleinen Abenteuer zu erholen und ebenfalls die bösen Früchte zu versuchen, deren verlockender Anblick Ihre Fräulein Töchter so in Aergernis gebracht hat." Natürlich nehmen die Mütter die freundliche Einladung an, eine neue Schüssel Kirschen wird gebracht, man lacht, ißt, stößt an und trinkt. Als die Gesellschaft endlich aufbricht, näherte sich Wolf der reizenden Elly mit den Worten: „Gnädiges Fräulein, Sie als die Anstifterin müssen sür Ihre Freundinnen büßen — ganz ohne ein Pfand kann ich Sie nicht sortlassen." „Wollen Sie meinen Sonnenschirm haben?" fragt Elly neckisch. „Nein — aber die Schleife aus Ihrem Haar." Elly errötet, lacht dann, aber sie gießt sie ihm. „Womit soll ich sie wieder auslösen?" „Sie werden es seinerzeit erfahren." Als Elly im Begriff ist, das Haus zu verlassen, tritt der Cerberus an sie heran. „Fräuleinch-en, hier." „Was denn?" „Ihr Geld." Dabei zeigt er ihr das berüchtigte Fünfzigpfennigstück. „O, behalten Sie es nur", nickt ihm Elly glückstrahlend- zu. „Tanke schönstens — jetzt darf ich es annehmen; denn nun ist's keine Bestechung mehr." . . . Eigentlich ist unsere Geschichte damit zu Ende. Unsere Leser und Leserinnen mögen uns indessen nicht zürnen, wenn wir ihnen ergänzend noch einige Mitteilungen über die Folgen des Abenteuers unterbreiten, so wenig ihnen auch wie wir wissen, daran gelegen ist. Es geschieht auch nur zur Warnung, damit sie es nicht machen, wie Elly und ihre Freundinnen. Etwa ein Vierteljahr später erscheint eines Tages Wolf mit der gepfändeten Schleife bei Elly — sie hatten sich- inzwischen mehrfach gesehen, so unglaublich das klingt — und verlangt von ihr, sie müsse das Pfand einlösen, die Akten über den Fall müßten endlich- geschlossen werden. Elly wird rot wie eine Rose. „Ich — ich weiß nicht — was ich — was verlangen Sie denn dafür?" „Was ich verlange? Nur Ihre kleine Hand. Aber nicht etwa blos, um sie zu drücken, bewahre — behalten will er sie, und zwar für immer!" Da haben wir die Bescherung! Eine Verlobung giebt's und eine Heirat! Und am Hochzeitstage ist der junge Ehemann so verwegen, zu erzählen, seine junge Frau habe sich! im wahren Sinne des Wortes in sein Herz — gestohlen! Elly widerspricht sreilich, aber Wolf sagt: „Hand auss Herz, Elly, wenn der Wächter nicht gekommen wäre, hättet Ihr im Ernste die Kirschen nicht angerührt?" Da lacht Elly verschämt und entgegnet: „Nun, vielleicht jede eine —" „Siehst Tu!" „Aber Tu bist doch der Hauptdieb!" „Ich? Wieso?" „Ich- habe Dir nur eine Kirsche —: stehlen wollen, aber Tu hast mir mein Herz gestohlen!" Preisrätse (♦*) Zahlenquadrat. Nachdruck verboten. In die Felder nebenstehenden Quadrates sind auf- einanderfolgende Zahlen derart zu setzen, daß jede wage- ------------ rechte und senkrechte Reihe, sowie jede der beiden Diagonalen die Summe von 90 ergibt. *) Lösungen sind mit Aufschrift: „Preisräisel-Lösung" versehen innerhalb acht Tagen an die Redaktion der „Gießener Famiiienblätier" einzusenden. Auflösung des Bilderrätsels in voriger Nummer: Aberglaube. Redaktion: E. Burkhardt. — Druck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch Erben) in Gießen.