W'ffi ji.%: M'& ; i ^jviiiiSK?Z icht die Frcudc, nicht die Plage Schiebe du zum andern Tage, Sondern ihn' die beiden ab Frisch im Nu, wie Gott sie gab, Rückert, (Nachdruck verboten.) Die Göttin des Glücks. Roman von Reinhold O r t m a n n. (Fortsetzung.) Harro, der in seiner gewaltigen Größe noch immer steif wie ein Rekrut neben dem Sofa stand, machte ihr eine etwas linkische Verbeugung. Und er dachte auch dann noch nicht daran, seine erloschene Zigarre wieder anzuzünden, als sich die Thür bereits seit einer guten Weile hinter den beiden geschlossen hatte. Wie auf eine von fern her klingende süße Musik lauschte er auf den Klang von Hannas Stimme, dem nach ihres Vaters Meinung eine so wundersame Macht inne wohnen sollte. Und als er ihn nicht mehr hören konnte, weil die Geschwister in das an der andern Seite des Ganges gelegene Schlafzimmer eingetreten sein mochten, strich er sich gleich einem aus dem Traume Erwachenden über die Stirn und durch das wellige blonde Haar. Bernhard Sylvander, der nach etwa fünf Minuten zurückkehrte, fand ihn nachdenklich vor dem gefüllten Bierglase sitzen, die kalte Zigarre in der einen, und das Zündhölzchen, das er anzustreichen vergessen hatte, in der anderen Hand. „Nun, Alter, was sagst Du zu dieser Ueberraschung?" fragte er, und der Stolz auf die schöne Schwester leuchtete aus seinem Gesicht. „War es brüderliche Uebertreibung, was ich. Dir von ihr erzählte?" „Es war eine sehr stümperhafte Schilderung, mein Bester! Sie ist das schönste und liebenswürdigste Wesen, das die Natur jemals in einer verschwenderischen Laune hervorgebracht." „Das ist vielleicht ein bißchen viel gesagt. Aber, so thöricht es klingen mag, und obwohl sie meine Schwester ist — ich bin eigentlich derselben Meinung." „Abegesehen natürlich von Inge, nicht wahr?" „Ah, Inge — das ist etwas ganz anderes! Kannst Tn eine Nachtigall mit einem Paradiesvogel vergleichen?« Oder eine duftige Rose mit einer phantastischen, farbenprächtigen Orchidee? Inge ift für mich der verkörperte Inbegriff sanfter, mädchenhafter Anmut, und stiller weiblicher Tugend. Sie wäre der heldenmütigsten Aufopferung fähig für die, welche fie liebt. Aber sie würde sich opfern, ohne ein Wort darüber zu verlieren, und sicherlich, ohnö daß diejenigen es ahnten, für die sie es thäte. Hanna dagegen --" „Nun? — Es klingt nicht, als ob der Vergleich zu Gunsten Deiner Schwester ausfallen sollte." „O, Du darfst mich nicht mißverstehen. Hanna ist darum gewiß nicht schlechter, weil sie anders geartet ist. Und in keinem Fall ist sie verantwortlich zu machen für die Besonderheit ihres Wesens, die ganz und gar eine Sache des Temperaments, und der ursprünglichen Charakteranlage ist. Soweit meine Erinnerungen in ihre Kindheit zurückreichen, war sie dieselbe, die sie heute ist — eine starke, selbständige, vielleicht etwas eigenwillige Natur. Ich kenne niemanden, den sie nicht schon als ganz kleines Mädel bezaubert hätte; aber ich entsinne mich keiner Situation, in der sie die geduldig Leidende oder demütig Nachgebende gewesen wäre." „Nun, das ist wahrhaftig kein Tadel. Der schwachen und nachgiebigen Staturen sind leider mehr als genug — jener Hauskatzennaturen, die fein still halten, wenn sie von einem Stärkeren geschlagen werden, und die erst dann heimtückisch zu kratzen anfangen, wenn sie's ohne Gefahr thun können." * „Nein, so eine Hauskatze ist Hanna freilich nicht", sagte Bernhard lachend. „Sie kratzt gewiß, wenn sie geschlagen wird, und wahrscheinlich schon früher. Etwas mehr Schmiegsainkeit wäre ihr sogar meiner Ansicht? nach zuweilen recht zu wünschen. Aber ihre Erziehung war allerdings wenig danach angethan, diese Tugend zu entwickeln. Wir hatten die Mutter früh verloren, und sie war der verhätschelte Liebling des Vaters, wie sie aller Welt Liebling war. Auf dem großen Gute, das mein Vater als Domänenpächter bewirtschaftete, konnte sie ganz das Leben eines in beinahe zügelloser Freiheit anfwachsenden Naturkindes führen. Ihre sogenannten Gouvernanten waren nichts als das willenlose Spielzeug ihrer manchmal sogar ein bißchen grausamen Launen. Und von jenem Zwang, unter dem andere Mädchen zu sittsam schüchternen Jungfrauen herangedrillt werden, hat sie nie etwas gespürt." „Und die Vorkenntnisse, deren sie für das Studium der Medizin bedurfte, wie konnte sie sie bei einer solchen Erziehung erwerben?" „Das ist eigentlich auch mir ein Geheimnis geblieben; denn ich habe sie niemals lange und angestrengt arbeiten sehen. Aber sie besaß allerdings schon als Kind eine geradezu, geniale Schnelligkeit und Sicherheit der Auffassung. Ohne einen ordentlichen methodischen Unterricht genossen zu haben, wußte sie alles, wie wenn es ihr angeflogen wäre. Mit unserem alten Dorfpastor, der sie vergötterte, trieb sie zu ihrem Vergnügen Lateinisch und Griechisch, Und die Naturwissenschaften, für die sie von jeher eine leidenschaftliche Vorliebe hatte, studierte sie aus 242 allen möglichen guten und schlechten Büchern in meines Vaters nicht eben mustergiltiger Bibliothek. Wenn ich als Gymnasiast und später als Student in den Ferien nach .Hause kam, hatte ich täglich ein paar Mal Gelegenheit, mich 'durch die überlegenen Kenntnisse meines um sechs Jahre jüngeren Schwesterchens beschämen zu lassen — ganz abgesehen davon, daß ich mich im Reiten, Turnen und Schwimmen auch nicht entfernt mit ihr zu messen vermochte." In gespannter Aufmerksamkeit hingen Harro Boysens blaue Augen an den Lippen des Freundes. „Ein wunderbares Geschöpf!" murmelte er. „So hast Tu sie mir eigentlich nie vorher geschildert." „Wenn ich's gethan hätte, würde sie in Deiner Vorstellung sicherlich zu einer höchst unweiblichen und unliebenswürdigen Person geworden sein. Man muß sie eben gesehen und kennen gelernt haben, um daran zu glauben, daß sie von dem Liebreiz ihres Geschlechts über alledenr nichts eingebüßt hat." „Nein, wahrhaftig, sie hat nichts davon eingebüßt", bestätigte Harro in einem so überzeugten Tone, daß wieder ein Lächeln um die Lippen des Rechtsanwalts spielte. „Und dann faßte sie also den Entschluß, zu studieren?" „Vielleicht wäre sie niemals darauf gekommen, wenn nicht durch den plötzlichen Tod des Vaters jene Veränderung in unseren Verhältnissen eingetreten wäre, die Tu ja genugsam kennst. Wir waren in dein Glauben an unsere Wohlhabenheit aufgewachsen, und sahen uns nun auf ein recht bescheidenes Erbteil angewiesen. Ich selbst konnte als blutjunger Referendar natürlich noch nichts für meine kaum achtzehnjährige Schwester thun, und Hanna mußte nach der allgemeinen Ansicht froh sein, als entfernte Verwandte in Königsberg sich erboten, der Verwaisten eine Zuflucht in ihrem Hause zu gewähren. Sie aber wies das großmütige Anerbieten unbedenklich zurück, und entsetzte die Freunde, die sich für ihr Schicksal interessierten, durch die bündige Erklärung, daß sie überhaupt keiner Zuflucht bedürfe, weil sie in Zürich Medizin und Naturwissenschaften studieren werde. Drei Monate später bestand sie an einem Schweizer Gymnasium mit Auszeichnung die Maturitätsprüfung, und ich bin sicher, daß sie jetzt mit demselben Erfolg promoviert haben würde, wenn nicht diese unbegreifliche Laune sie daran gehindert hätte." „Ein wunderbares Geschöpf!" sagte Harro Boysen wieder, mehr zu sich selbst als zu dem andern sprechend. Und dann nach .einem kleinen nachdenklichen Schweigen, fragte er weiter: „Und der Unterschied, den Tu vorhin zwischen ihr und meiner Base Inge von Restorp 'machtest? Soll Deine Schwester nur darum weniger liebevoll und weniger aufopferungsfähig sein, weil sie so klug und tapfer ist?" „Das ist eine schwer zu beantwortende Frage, mein lieber Harro! Es stände mir schlecht an, zu sagen, daß Hanna einer tiesen, selbstlosen Liebe wohl überhaupt nicht fähig sei. Und doch---" „Ach Unsinn!" suhr der Bildhauer beinahe ärgerlich aus. „Bleibe mir doch mit der schauderhaften Redensart von der sogenannten selbstlosen Liebe vom Leibe. So was kann es unter normal veranlagten Menschen garnicht geben. Und nach allem, was Tu mir erzählt hast, bin ich überzeugt, das Fräulein Hanna--" Wovon er überzeugt war, konnte er leider nicht mehr aussprechen; denn gerade als er ihren Namen genannt hatte, trat Hanna Sylvander wieder ins Zimmer. Zu den Damen, die einer langen Zeit für ihre Toilette bedürfen, gehörte sie also jedenfalls nicht. Und doch hatte sie sich nicht nur vom Kopf bis zu den Füßen umgekleidet, sondern auch die durch die lange Reise etwas in Unordnung gebrachten Haarflechten zu einer anderen loseren Frisur aufgesteckt. Das glatt anliegende dunkle Hauskleid, das sie jetzt trug, war ebenso einfach als es ihr Reiseanzug gewesen war. Ein weißer Halskragen und zwei schmale Streifen- an den feinen Handgelenken bildeten eigentlich den einzigen Schmuck. Und doch sah sie darin so elegant und vornehm aus, als wäre es ein Kunstwerk aus dem ersten Pariser Schneider-Atelier gewesen. Es war ganz sicher, daß sie Harro Boysens letzte Worte gehört haben muhte; aber sie ließ nichts davon merken. „Ich störe die Herren hoffentlich nicht", sag-te sie leichthin, „wenn ich mir hier meinen Thee bereite." „Ich würde mich sofort empfehlen, wenn ich fürchten müßte, daß Sie sich meinetwegen irgend welchen Zwang auserlegen, mein gnädiges Fräulein! Ihr Bruder wird Ihnen bestätigen, daß dergleichen zwischen uns niemals üblich gewesen ist." „Gut — aber wenn ich fortan der Dritte im Bunde sein soll, dürfen wir nicht gar so förmlich miteinander verkehren. Ich erlasse Ihnen also ein für alle mal das gnädige Fräulein, umsomehr als ich vielleicht nicht immer gnädig sein werde. Bis aus Widerruf gestatte ich Ihnen, mich einfach Fräulein Hanna zu nennen — nicht etwa, um Ihnen damit eine besondere Gunst zu erweisen, sondern weil es so für uns alle bequemer ist." Da. es nach ihrer ausdrücklichen Versicherung keine besondere Gunst sein sollte, brauchte er sich auch nicht dafür zu bedanken. Und zudem erschien gerade jetzt Frau Heitmüller mit einer blitzblanken Theemaschine, von deren Existenz der Rechtsanwalt bis dahin nichts geahnt hatte, und mit allem erforderlichen Zubehör. Ter ungewohnt freundliche Ton, in dem sie sich nach etwaigen weiteren Wünschen des Fräuleins erkundigte, durste als eut Beweis dafür gelten, daß das geheimnisvolle Feengeschenk sich auch dieser brummigsten aller Haushälterinnen gegenüber bereits zu bewähren begann. Und Harro, dessen blaue Augen unverwandt jeder Bewegung Hannas folgten, sah darin nur die allernatürlichste Sache von der Welt. Wie ein interessantes wissenschaftliches Experiment beobachtete er die Entstehung des goldgelben, aromatisch duftenden Tranks unter ihren weißen Händen, und als sie fragte, ob sie ihm ein Glas davon anbieten dürfte, bejahte er ohne weiteres, unbekümmert um den harmlosen Spott des Freundes, der ihn neckend an seinen bisherigen Abscheu gegen den Thee erinnerte. „Es ist keine Schande, seine Neigungen zu ändern", sagte Hanna, „die, vielgerühmte Beständigkeit mancher Menschen ist bei Lichte betrachtet, doch nur Eigensinn, Tummheit oder Feigheit. Wer da glauben machen will, daß seine Empfindungen in Bezug auf dieselbe Person oder Sache immer die gleichen bleiben, der belügt entweder sich selbst oder die anderen." „Nun, dagegen ließe sich doch mancherlei einwenden", widersprach Bernhard. ,',Aber wir wollen nicht gleich am ersten Abend zu streiten ansangen. Wie mundet Tir denn der Thee, Alter?" „Vortrefflich ! Für einen Kandidaten der Medizin besitzt Fräulein Hanna recht beachtenswerte hausmütterliche Talente." „Ein Lob, das ich sehr entschieden ablehnen muß. Es würde mir nicht einfallen, mich mit dergleichen zu befassen, wenn jemand da wäre, der es mir recht macht. Hast Tu eine Zigarette, Bernhard?" Ter Rechtsanwalt stand auf, um das auf seinem Schreibtisch stehende Kästchen zu holen. Gleichzeitig erhob sich auch Harro, nachdem er einen Blick auf seine Taschenuhr geworfen. „Es ist spät geworden, und ich; darf Ihnen für heute nicht länger lästig fallen, Gute Nacht, Fräulein Hanna!" Freundlich und unbefangen reichte sie ihm die Hand. „Auf Wiedersehen! Ich hoffe, meine Anwesenheit wird nichts an Ihrem Verkehr mit meinem Bruder ändern, und Sie werden meinetwegen von nun an nicht seltener hierher kommen als früher." „Nein, gewiß nicht!" erwiderte er, beglückt durch den freundschaftlichen Truck der kleinen kräftigen Finger. „Auf baldiges Wiedersehen, also, Fräulein Hanna!" Dem Rechtsanwalt aber, der ihm bis auf den Gang hinaus das Geleit gab, raunte er beim letzten Händeschütteln zu: „Nun werden sie Dich beide gleichzeitig verwöhnen — die Braut und die Schwester. Wahrhaftig, Tu bist ein beneidenswerter Mensch!" (Fortsetzung folgt.) - 243 — fl>rtÖ «tA1tA OmxSrfiAtt I und Füße waren zierlich. Aus der Oberlippe hatte fte einen •Vß“ llCll" MwUwJUl» I leichten Flaum, und Vas verlieh ihrem Gesicht etwas ent* Skizze von PierreLuguet. »schlossen Bewußtes. Autorisierte Uebersetzung aus dem Französischen von A. Heim. I Tas Frühstück war sehr gut, und Herr Lardi, ber sich (Nachdruck verboten.) I über die drei fertig gebrachten Morde fteute, war in bester Der Schriftsteller Lardi arbeitete in Pantoffeln und I Laune. Auch das Mittagessen war tadellos, und als die warmem Schlafrock eifrig an dem ersten Kapitel eines neuen I Gatten zur Ruhe gingen, beglückwünschten sie sich leise Feuilleton-Romans „Bombe und Gift". Er hatte schon eine I zu der „Perle", die sie ins Haus genommen hatten. Auch unschuldige Waise ermordet und deren Großmutter zu ihren I am nächsten Tag ging alles wie am Schnürchen, nur als Borfahren heimkehren lassen, als Frau Lardi in das Ar- Lardi gegen 11 Uhr nachts noch einMal m die Küche kam, beitszimmer des Gatten trat. I er hatte bemerkt, daß er keine Streichhölzer im Zimmer „Liebster Mann, willst Du das neue Mädchen sehen? | hatte und wollte diese holen, überraschte er das neue Mad- Mir gefällt die Person nicht so recht." | chen rittlings auf einem Stuhl sitzend und eine Pfeife Lardi hob den Kopf; somit blieben dem dritten Opfer I rauchend! Er traute ]etnen Augen nicht. des Romans noch einige Minuten des Lebens geschenkt, I Ta er auf Filzschuhen ging, so hatte Marie-Sidonie sein und während in seinen Blicken noch all die Mordgedanken I Kommen nicht bemerkt. Lardi machte auch sofort schleunigst " er: I Kehrt; er weckte seine Frau aus dem ersten, süßen Schlummer und teilte ihr ganz erregt das Ereignis mit. „Aber Tu träumst", antwortete Frau Lardi. „Ich trstumen? . . . Sieh doch selbst nach" Heimlich schlich auch, Frau Lardi nach, der Küche, und kam gleich ebenso erregt, wie der Gatte, zurück. Ja, es war in der That so, sie rauchte eine Thon- pfeife! Tie ganze Küche war voll Qualm. Lange dachen die Gatten nach, bis plötzlich Lardi in zu lesen waren, sagte er: „Nein, ich will das neue Mädchn nicht sehen. Das ist Deine Sach. Laß mich doch in Ruhe arbeiten, Du störst mich immer gerade, wenn ich im besten Zuge bin!" „Aber sie wartet im Vorzimmer." „Na, dann meinetwegen, lass' sie hereinkommeu. Treten Sie näher, Kind! Also Sie sind das neue Mädchn. Sie sehen ja ganz nett ans, tote heißen Sie?" „Marie Delarue, Herr Lardi." o, ----------- „ . . „Ein netter Name, aber ich werde Sie lieber Sidonie I hxiws Lachen ausbrach rufen. So hieß das vorige Mädchen, und das ist mir be- I „Herr Gott, sind wir dumm!" quemer. Was können Sie denn?" I „Wie so?" „Alles." . . I „Zu dumm, zu dumm!" „Na, das genügt! und nun bitte ich,, mich allein zu I „Aber wieso denn, sprich doch!" lassen. Ich habe gerade ein junges Mädchn vor, das erst I „Marie-Sidonie raucht, weil sie auS der Bretagne ist, halb ermordet ist! Wir frühstücken doch um 11 Uhr, I und weil dort alle Frauen rauchen!" Frauchen?" I „Glaubst Du das?" „Jawohl." I „Ich weiß es ganz bestimmt. Ich habe davon sogar „Oh, Sidonie, ehe ich es vergesse, haben Sie denn I jn meinem vorletzten Roman: „Die Räuber von Goldo, oder Zeugnisse?" I der zerrissene Strick", erzählt. Erinnerst Du Dich nicht „Nein, Herr Lardi, ich bin noch nicht in Stellung 1 daran?" gewesen." , I „Ja, ja, jetzt fällt es mir ein! Na, schlaf gut, Männchen." „Na, das schadet nichts, wir - werden Sie schon an- I „Gute Nacht, lieber Schatz." lernen. Woher sind Sie denn übrigens?" I Einige still-sriedliche Tage folgten. Das neue Mädchen „Aus meiner Heimat, Herr Lardi." I war wirklich, eine Perle, pünktlich, sauber, flink, immer „Das kann ich mir wohl denken! Aus China werden I freundlich und höflich Frau Lardi rühmte sie bei allen Sie kaum kommen! Aber wo ist Ihre Heimat?" I Bekannten, und die neideten ihr den weißen Raben. „In- der Nähe von Brest," I Ta eines Tages stöberte Frau Lardi, neugierig wie sie „Oh, dann sind Sie ja eine kleine Seeratte! I to in Abwesenheit des Mädchens in deren Zimmer „Das weiß ich nicht, Herr Lardi. I herum und fand ein Stückchen Papier, in dem etwas ein- „Ja, ja! Gewiß eine kleine bretonnifche seeratte. I ^wickelt gewesen war, und aus dem in ungeübter Hand „Bretonnin? Ja, Herr Lardi. . . I unb. allen orthographischen Regeln spottend, die Worts „Na, und nun muß ich arbeiten. Das ;unge Mädchen I j-tanken. wartet auf mich!" I „Mein geliebter Julius! Seit 8 Tagen habe ich Dich Und er schrieb; die Feder flog nur so über das Papier. I gesehen. So geht das nicht weiter! Laß Deine Herr- „. . . Tie Unglückliche röchelte vor schmerzen und 1 heute allein, oder ich mache Dir eine Szene! Bestimmt Entsetzen. Sie wand sich aus der Erde, die von ihrem Blut I aßettha hinter der Kirche' rot war, it)re Mgrl gruben sich verzweiflungsvall „< I °^"N?Ü!!"rIch7i!t w« Unles-rltch. «B? Ät »** Ä» ÄÄ ’S SÄ S."SÄ%SNf* AU*~N. -°. ÄWÄ SÄS . , den »*,»r. ter „ ein Äk L Ur ALL WMUM * mich « «« Da- Sidonie hörte aufmerksam zu. Sie schien sich alles genau I Kind hat einen Bräutigam und t ff J’ ... zu merken, was der „Herr" gern hatte und wie es die I .ist doch ganz, einfach Und da derbeagte Bra itigam nu t ^gnädige Frau" wünschte. Nut dann und wann stellte sie I ganz so feurig wie ste zu sein scheint, sobedroh. sw ihn eine bescheidene Frage mit einer Stimme, deren tiefem I Tas kommt alle Tage vor. ^ch^°^te^eteidaß Klang man es anmerkte, daß das Mädchen sein Lebenlang I Dich geben hat, heute abend ausgehen zu können. $ hrÄÄÄÄ Ä88 I TL 3=M wieder dahin wo Du ihn Sicherheit. Flink und behende sand'sie jedes Stück; es war I fortgenommen hast. Laß, Sidonie ihre pinß fruuftre fic bei ber 9lrbrit {eben. I orbnen. Unb mi(f)i mit meinem ulten jSdjäfcr nllein, Aeußerlich war Marie Delarue eine große, hagere Er- I den ich noch nicht cmf gute Weise verschwinden lassen kann. scheinung, mit etwas rotem Teint und einem drolligen I Um 11 Uhr frühstücken wir, nicht wahr. Gesichtsausdruck. Sie trug sich wie es in ihrer Heimat I „Ja, lieber Mann. üblich: Kurze Röcke und das kleine typische Häubchen. Hände l Und Lardi Mrreh; 244 „ . . . Der arme Mensch setzte sich noch zur Wehr. Er wollte nicht sterben. Er wollte nicht in das Gxab das Geheimnis mitnehmen, das er allein kannte." „Da stürzte sich der falsche, russische Edelmann auf ihn, packte ihn an der Kehle und ließ die mächtigen Hände nicht eher von dem Hals seines Opfers, bis es als Leiche vor ihm lag." „Oh! Verräter!" rief er dann, „Du wirst mich nun nicht mehr hindern, die Gräfin zu heiraten!" „Du irrst Tichf', antwortete eine drohende Stimme . In dieser Weise schrieb Lardi wohl nach eine halbe Stunde weiter. Aber plötzlich wurde er durch lebhaftes Sprechen, männliche Stimmen, die aus der Richtung des Mädchen-Zimmers kamen, von seiner Arbeit gestört. „Was ist denn das?" fragte er sich, und stand schnell auf, um das Zimmer und seinen Schäfer, den falschen Edelmann und die Gräfin im Stich zu lassen, weil er nachsehen wollte, was 'der Lärm zu bedeuten habe. Ein eigentümlicher Anblick bot sich ihm dar. In ihrem Zimmer sah das neue Mädchen, „die Perle", der „weiße Rabe", mit entblößtem Oberkörper, — ein männlich kräftiger Brustkasten, ganz und gar mit Tätowierungen bedeckt — auf einem Stuhl und neben ihr hielten zwei Schutzleute Wache. Der Polizeihauptmann des Reviers war auch da und rief: „Wir kennen Dich, Julius Flupier! Vorwärts, marsch! Dein Anschlag ist diesmal nicht geglückt!" Frau Lardi lehnte, einer Ohnmacht nahe; an der Thür, und der Gatte fragte entsetzt: „Was geht denn hier vor?" „Was hier vorgeht, Herr Lardi! Sie haben über acht Tage einen der schlimmsten Verbrecher, auf den die Polizei schon lange fahndet, bei sich beherbergt, und können sich glücklich schätzen, noch mit dem Leben davon gekommen zu sein." Und ehe Lardi noch wußte, was er antworten sollte, hatten die Beamten den Verbrecher schon hinausgeführt . . . Lardi war für einige Zeit die Lust an seinen Schauerund Mordromanen vergangen..... So in Wirklichkeit Verbrecher neben sich zu haben, war doch etwas ungemütlich, und dann . . . Frau Lardi war auch gar zu aufgeregt und betonte immer und immer wieder, wie die Schuld einzig und allein ihn treffe! Dadurch trat eine nicht unbedenkliche Trübung des ehelichen Himmels ein, und die teilnahmsvollen Fragen der „lieben Freundinnen" trugen nicht dazu bei, dieselbe zu verscheuchen. Erst ganz allmählich verblaßte die Erinnerung an das „neue Mädchen". Frenffen, Gustav, Die drei Getreuen. Frenssen, Gustav, Die drei Getreuen, 5. Tausend. Preis geb. Mk. 4.50. Berlin, G. Grote' sche Verlagsbuchhandlung. 1900. Zu den Büchern, die man wieder und wieder mit Genuß und Gewinn liest, zählen auch „Die drei Getreuen" von Gust. Frenssen. Aushebend mit der Zeit des großen Krieges, werden uns hier die Geschicke dreier Altersgenossen, zehnjähriger Knaben, und ihre Entwickelung zu Jünglingen und Männern, sowie das Leben und Treiben ihrer An- und Zugehörigen, als auch aller, mit denen sie sonst in Berührung kommen, in bilderreicher, überaus ansprechender Weise geschildert. Der Roman spielt wie die „Sandgräfin" in Schleswig-Holstein. Wie ein Roman entsteht, hat Frenssen vor Jahr und Tag in einem fesselnden Vortrag zu Hamburg-Eilbeck verraten. Wir hoffen, daß bei dem reichen Stoff und der regelt Phantasie, über die der Dichter verfügt, die drei Getreuen nicht als seine letzte Gabe zu gelten haben. Heilkräftiger, glauben stärkender kerngesunder Lektüre, wie er sie zu bieten vermag, wird unserer Zeit nicht gar viel gereichet. Bdt. Gemeinnütziges. Unser Appetit ist zweifellos der beste Maßstab für unfer Nahrungsbedürfitis. Ohne Appetit, so heißt es gewöhnlich, kann man doch nicht essen; was man ohne Appetit ißt, bekommt dem Magen nicht. Tas mag im allgemeinen richtig sein, trifft aber durchaus nicht bei allen Fällen zu. Es ist bei gewissen Krankheitszuständen recht wohl denkbar, daß. wir auch ohne Appetit essen können, ja- sogar essen müssen. Der Appetit ist ein Verlangen, welches nur zum kleinen Teil von dem Zustande des Magens beeinflußt wird, vielfach Hängt es von Gewohnheit ab. Unser Appetit stellt sich zu gewissen Tageszeiten, vielleicht auch beim Anblick irgend welcher leckerer Delikatessen oder auch im Zustande der Langeweile ein. Durch zahlreiche Untersuchungen ist nachgewiesen, daß trotz mangelnden Appetites die Verdauung eine ganz normale sein kann, und die tägliche Erfahrung lehrt, daß Patienten, welche bei sonst gesundem Magen keinen Appetit haben, sehr wohl auf Geheiß genossene Spreise vertragen. Die Appetitlosigkeit, die Abneigung gegen Speisen, schließt also keineswegs die Möglichkeit der Nahrungsausnahme und die richtige Verdauung der genossenen Nahrung aus. Deshalb ist auch eine etwa bestehende Appetitlosigkeit durchaus nicht immer ein Beweis dafür, daß der Magen krank ist, und ganz falsch ist der Grundsatz, daß Speisen, die man mit Widerwillen genießt, dem Körper schädlich sind. Gerade in denjenigen Fällen, wo die Appetitlosigkeit nur von gewissen Vorstellungen, Gemütsbewegungen, von Gewohnheit, Ermüdung oder was bei sehr überarbeiteten Leuten der Fall ist, von einer mangelhaften Zeiteinteilung abhängig ist — gerade in solchen Fällen muß man die Unlust zum Essen überwinden, und Ausgabe des Arztes ist es, die Menge der Nahrungsaufnahme auch da zu regulieren, wo der Appetit zu gering ist, d. h. wo der Patient sichtlich abmagert, ohne etwa magenkrank zu sein. Jett und Karten. Etwas über Gartenrasen. Der schönste Schmuck eines Gartens, mag derselbe parkartig groß, oder nur ein Hausgärtchen sein, ist immer ein gleichmäßig schöner, saftig grüner, sammetiger Rasen. In gutem Boden, bei reichlicher Besprengung wird es nicht schwer sein, schönen Rasen zu erziehen, aber in trockenem, armen Sand, wo auch noch! die Bewässerungsgelegenheit ungünstig ist, wird es oft schwer, ja fast unmöglich, Rasen aufzubringen. Nichtsdestoweniger kann bei einer zweckeütsprechenden Bodenbearbeitung und geigneter Wahl der Grasmischung doch ein guter Rasen erzogen werden, ohne die kostspielige reichliche Bewässerung. Dazu ist vor allem ein gründliches Rigolen des Bodens mit gleichzeitiger Düngung mit kalt- und phosphorsäurehaltigen Düngemitteln erforderlich. In der neuesten Nummer des praktischen Ratgebers im Obst- und Gartenbau, die vom Geschäftsamt in Frankfurt a. O. zu erhalten ist, befindet sich eine eingehende Abhandlung über Rasenpflege in ungünstigen Verhältnissen, in der einer unserer bedeutendsten Landschaftsgärtner seine Erfahrungen über diesen Punkt mittäilt. Blumenpflege. F r i s ch v e r p f l a n z t e Topfgewächse, die im Zimmer stehen, bedürfen anfänglich nur sehr wenig Wasser, vorausgesetzt, daß alle Bedingungen beim Umsetzen erfüllt wurden und der Ballen nicht ausgetrocknet war. Gewöhnlich mangelt im Frühjahr die Wärme im Zimmer, weil nicht mehr geheizt wird, und die Pflanzen werden wurzel- krank. Buschrosen müssen ziemlich tief gepflanzt oder doch, mit Mrde so weit angehäufelt sein, daß die Veredelungsstelle bedeckt ist. Man wird im trockenen Frühjahr die Wahrnehmung machen, daß sie leichter austreiben, und sicherer anwachsen als hochgepflanzte. „Praktischer Wegweiser", Würzburg. Kapselrätsel. Nachdruck verboten. Liebling, Wunderkind, Reisen, Kupfererz, Schatzkammer, Detmold, Schnurrbart. Es ist ein bekanntes Sprichwort zu suchen, dessen einzelne Silben der Reihe nach eingekapselt sind in vorstehenden Wörtern, ohne Rücksicht auf deren Silbentrennung. Auflösung in nächster Nummer. Auflösung des Buchstabenrätsels in voriger Nummer: Gram, Graf, Gras, Grab, Grau. Redaktion: T. Snrkhartzt. — »raS und Nerlag der Brüchk'fchen und Kteiudruckerei (Pietsch Ur de«) t«