(Nachdruck verboten.) Der Bauer vom Wald. Novelle von An ton v. Per fall. (Fortsetzung.) Er erkannte die Rätselschrift auf beit Flügeln, den dicken, gestreiften Leib, und wieder schlug er in die Luft und wieder füllte sich die Faust, und sein Rock, sein ganzer Körper war bedeckt, und soviel er auch abstreifte, immer neue Scharen senkten sich herab. Sie verfingen fich im Haar, stürzten sich in die brennenden Lampen, die einen brenzlichen Geruch wie von verbranntem Fleisch ausströmten. Die ganze Gesellschaft aber jagte mit hellem Gelächter auf der Wiese umher unter dem endlosen Gestöber. Plötzlich ergriff Johannes ein Windlicht und eilte hinter das Haus. Dasselbe iinnverwirrende Gewirbel. Er eilte weiter bergab, blieb wieder stehen — immer dasselbe! Sem Rock war besät mit den furchtbaren Tieren. Jetzt faßte ihn eine unzähmbare Wut. Er schlug um sich wie toll, schrie rohe Flüche hinaus in die Nacht, und immer weiter eilte er atemlos seinem Walde zu. Der Lärm verklang hinter ihm, immer weiter, vielleicht war es doch nur eine Strichwolke, ein Schwarm, der gerade den Hof gestreift. • Jetzt betrat er den Wald. Er taumelte zuruck, er mußte sich die Augen zuhalten; eine eiitzige schwirrende Wolke senkte sich über ihn in den Lichtkreis, der ihn umgab, und über sich in das Endlose hinaus, lind dieses furchtbare Knistern von Millionen von Fliigeln und sich reibenden Scibßtn! Und immer weiter wankte er. Er leuchtete über sich, die schwarzen Wedel schienen wie von Schnee belastet; auf den Boden vor sich — alles kribbelte und krabbelte, und die Stämme schienen sich zu bewegen, hinauf, hmab ging das sinnverwirrende Geflatter. Im Lichtspiel glichen sie Säulen, auf denen ein Silberstrom aus- und abrieselte. II 'S/rvtÄx-TÄ' irke, bilde! Ob im Leben, Ob im Zaubcrland des Scheins; Zwing' des Stoffes Widerstreben, Sei mit deinem Schaffen eins. Freu' dich, wenn es Frucht getragen! Aber köstlicher noch bleibt Jener Tropfen Unbehagen, Der zu neuem Werke treibt. Friedrich Adler. Johannes schlug nicht mehr um sich, kein Laut kam mehr von seinen Lippen. Das Antlitz beschmiert von den zerdrückten Leibern der Tiere, das Haar zerrauft, stand er inmitten seines Waldes. Die Schauer des Unbegreiflichen hatten ihn gepackt. Unbewußt sah er in das Medusenautlitz der Natur und beugte demütig den Nacken vor ihrer düsteren Majestät. Plötzlich erlosch das Licht; ein lebendiger Klumpen hatte sich hineingestürzt und es zerdrückt. Zuerst war er geblendet und stieß sich die Stirne wund an einem Stamm; dann aber war es nicht mehr völlig Nacht. Ein förmliches Leuchten ging aus von den Milliarden von weißen Flügeln, die ihn umschwirrten. Das war noch qualvoller. Das Gesicht schmerzte ihn von dem ständigen Anprall der Tiere. Er mußte sich setzen, die Sinne schwanden ihm. . . Eine Stimme weckte ihn, eine weiche Berührung, und als er die Augen aufschlug, traf ihn greller Lichtschein. Rosl kniete neben ihm, streichelte sein Haar, rief flehentlich den Namen Vater, während der alte Grimm besorgt sich über ihn beugte, eine Laterne in der Hand. Im ersten Augenblicke fand er sich nicht zurecht, daun schämte er sich seiner Schwäche, die ihn zn Boden geworfen. Er lachte unb versuchte über die.dämonische Schmetterlings- jagb zn scherzen. Er habe halt ein wenig zu viel erwischt heute abenb. „No, Rosl", sagte er bann plötzlich, sich erhebenb, „was weinst beim? Lach bo, lach bv! Jetzt hast ja 's Spiel g'wonna. Was is beim a Walb gegen an Buab'n wie der Ferl, net wahr, Rosl? Net wahr, Alter? Hahaha!" Er lachte wilb auf. Rosl packte bas Entsetzen. Am (Silbe hat ihn ber Schrecken um ben Verstaub gebracht. „Vater! Liab'r Vat'r!" flehte sie. „Ich will ja gern auf all's verzicht'u, auf ben Ferl, ans all's Glück im Leb'u, wenn unser Herrgott bes Unglück abwenb't von unserm Walb. Bei unserer liaben Frau vom heilig'n Berg schwör ich's. Vater, schau net so wirr, hab Erbarmen mit bein’ arm'n Kinb!" Sie kniete zu seinen Füßen unb preßte ihr Haupt an feine Knie. Da würbe es heller in ihm, bie Liebe pochte an bas harte Herz. Er hob sie auf unb hielt sie lange um- schlungeii. Ein schmerzliches Stöhnen rang sich aus ber Brust, währeub es von neuem auf ihn sich herabsenkte wie ein enbloser Schneefall. Von bem Hofe her tönte bie rauhe Stimme bes Herrn Fritz zur Gnitarrebegleitung, ein bekanntes Tingeltangellieb. Der alte Grimm betrachtete, mit bem Kopfe nickenb, bas sich umschlungen haltende Paar. Auf ber runzeligen — 182 — sie lachend zusammen. r _ „Ja freili, nur zua, nur zua! A hohe Ehr, ,o a schön's, nob'ls Fränl'n. Was is denn a Bauer? lieber Nacht dahin. — Seid's lustig, Kinder!" Polentz brachte schleunigst ein Hoch aus auf das Brautpaar. Johannes hob nur das Glas, kein Laut kam über seme Lippen, dann siel er zurück aus seinen Stuhl. Das Fest hatte mit einem schrillen Ton geendet. Man fühlte sich unbehaglich, ein Rest von Schamgefühl regte sich Das verhinderte jedoch Herrn Polentz mcht, ferner Wanda noch einmal die Hand zu drücken. ., „Das hast Du gut gemacht. Der Matthes rst ent reicher Mann das nächste Jahr." . In einer Viertelstunde war alles dunkel und Ml rm Hose Nur der Holzstoß im Garten verglomm knisternd, von einer Wolke von Schmetterlingen umschwärmt, dre der Brandgeruchs der geopferten Genossen nicht abhrelt vom glühenden ^rderben.Wald to{{( ba§ millionenfache Flirren, Knistern, Gaukeln und Flügelschlagen nicht enden. ®m erbitterter Kampf hebt an um jede Rmdenrrtze, welche geeignet erscheint, schützend die Brut aufzunehmen. Em großer Gedanke bewegt alle diese kriechenden, schwirrenden Leiber, diese Milliarden tastender Fühler, die Sorge für das künftige Geschlecht, sür die Erhaltung, der Art. Rastlos vollzieht sich im Schweigen der Nacht dte unglücksschwangere Saat. Wange glänzte eine Thräne, und er fuhr sich nnt dem I Rücken der schwieligen Hand über die Augen. I ' ,Armer Johannes!" dachte er. „Was is do der mensch- I liehe Stolz für a armseligs Ding, a laufig'r Schmetterling 1 < kann ihn z' Schand'n mach'n." Dann tippte er Johannes 1 । auf die Schulter. „Nimm Di z'samm, Bauer! No is ja. I net aus. So schnell als komma is, die schwache Bruat, | so schnell is a wieder dahin im Fruahjahr, wenn 's I Gottes Will'« is." s . I „'s is aber net sein Will'n." Johannes schrre es in | jäher Verzweiflung, „'nunter muaß der Bauer, Hunmel I und Höll hab'n sich verschwor'n dageg'ru Was soll i denn I all an trotz'n und mi rackern? Da hörst es, Grimm" — I er wies hohnlachend nach der Richtung des Hofes, von I dem her der Gassenhauer drang — „die hab'n das Rechte, I die Jung'n. Singa, tanz'n und lach'n über das ganze I G'spiel. I mein' alleweil, i halt' mi in meine alt'n Tag I no zu dena. Gnat Nacht, Grimm! Laß s' fliag'n die 1 Luader, laß nur fliag'n." An der Hand Rosls wankte er fort, dem .Hofe zu. I Der Alte hörte noch lange seine Stimme, unterbrochen I von Hohnlachen. c I In dem sich entfernenden Lichtkegel, der über die weißen I Stämme spielte, tummelten sich in wildem Tanze die weißen I Dämonen der Vernichtung. , I Johannes hörte nicht auf, an der Seite der zitternden I Rosl sich selbst zu verhöhnen, sein ganzes Lebenswerk. Als I er aber aus dem Walde trat, und hinaufblickte zu dem I Zofe, hielt er ein in seinem stürmischen Gange. Da ging es lustig her! Es war wirklich drollig an- I zusehen, die reinste Hölle! Ein Scheiterhaufen war an- I gezündet, und um die prasselnden Flammen inmitten des I tollen Gestöbers, welches sich darauf senkte, tanzten zwei I Paare: Matthes mit Wanda, die Bäuerin selbst mit Herrn I Polentz. Herr Fritz spielte die Guitarre dazu. Der ganze Hof lohte im Widerscheine des Feuers, aus I dem sich drehende feurige Punkte einporschnellten, die ver- 1 brannten Schmetterlinge. Zuerst packte Johannes grimme Wut. Es war ihm, als müsse er hinaufstürzen und mit einem Fußtritte das freche Fest enden. Dann knüpfte er wieder an den eben verlassenen Gedankengang an, riß sich von der entsetzten Rosl los und stürmte die Höhe hinan. , . Die Paare hielten erschreckt im Tanze mne, als plötzlich der Bauer, beschmutzt, das Hemd zerrissen, das Haar zerzaust, im Kreise erschien. Als er aber wider Erwarten mit einstimmte in den Jubel: „Nur aufg'spielt, Herr Fritz, i möcht a dabei sein bei dem Tanz!". Da ging der Jubel erst recht los, und Herr Polentz, dem die Bowle schon arg | zugesetzt, konnte ihn nicht genug loben. „Was ist denn dabei, alter Freund? Spaß! Im schlimmmsten Falle schlagen wir um einige hunderttausend Markl das nächste Jahr. Lassen Sie mich nur machen!" Johannes siel jetzt die plötzlich so veränderte Anschauung des Herrn Polentz nicht mehr aus. , Er stürzte rasch einige Gläser des seurigen Getränkes hinunter, packte seine Frau um die Hüften und tanzte im lodernden Schein des Scheiterhaufens. Alles lachte, jubelte, nur die Bäuerin in seinem Arme erschauerte, wenn sie in dieses erhitzte und doch totenbleiche, völlig verwandelte Antlitz schaute. Jetzt sah Matthes die geeignete Zeit gekommen sür sein Bekenntnis. Die Bowle, die Freude an dem Eintreffen der Katastrophe, welche seinem sehnlichsten Wunsche Vorschub leistete, hatte ihm Mut gemacht. So trat er mit Wanda vor den Vater, der bereits unsicher auf den Beinen stand, und stellte sie ihm als seine Braut vor. Der Bauer versuchte erst, sich zurecht zu finden. Eine derbe Weigerung steckte ihm in der Kehle, dann aber verwirrten sich rasch wieder seine Gedanken bei dem Betrachten des weißen Gewirbels um ihn her, und er gab 3. -rms war ein seltsamer Winter aus dem Hofe des Bauern vom Wald. Die Lüge hatte sich verfthanzt hinter den Schneewällen, die ihn rings umgaben, ^edes verbarg 'eUt Mattchs ^hütete sich, den Namen Polentz nur auszu- svrechen, da der Vater die Ereignisse jener verhängnisvollen Nacht nie erwähnte, ja, mit sichtlichem lln behagen an der bloßen Möglichkeit ihrer Erwahnung vorbeischlich Matthes durchschaute auch die Grunde. Erstem schämte sich der Vater seiner tollen Ausführung von darnach die mit völliger Trunkenheit endigte; zweitens ahnte er sehr wohl, in welch' enger Verbindung die Verlobiing seines Sohnes mit dem Nonnenflug stand. So war es am besten, die ganze Sache vorderhand ruhen zu lassen; jedes vor- ^eitiäe Aufrütteln konnte alles verderben. Johannes hingegen heuchelte völlige Ruhe und Gelassenheit als ob er gar nicht daran denke, was lauerte unter der harmlosen, weißen Decke draußen, hinter den harmlosen Gesichtern im Hause. Dabei magerte er znsehend. , 1 und das Haar wurde schnell ganz weiß. Nie that er eine j Aeußerung über den Wald und über das, was ihm drohte, ja, er suchte ihn weniger auf als je und überließ dem alten Grimm fast ausschließlich die Winter arbeit. Auch die sonst so blühende Rosl war tote ausgetoeüuelt. Keine Spur mehr von ihrer früheren Heiterkeit, die das ganze Haus erhellt hatte. Ihr Singsang, den ste dann und wann, wenn sie sich beobachtet glaubte, Horen ließ, I konnte darüber nicht wegtäuschen; er klang hohl und er- I ^^Kurz, allgemeine bange Erwartung lag wie ein Bann I auf dem ganzen Hause, und jedermann war bestrevi, I dieses Stundenzahlen, Hoffen, Fürchten, Abwagen und I Pläueschmieden möglichst zu verbergen, eine möglichst un I befangene Miene zu zeigen. ,, I Zweimal fuhr Matthes auf mehrere Tage in die St am. I Johannes legte ihm nichts mehr in den Weg, nur als « I einmal die Anfrage stellte, ob er die Rosl Mitnehmer I dürfe, da brach Johannes los, und es fehlte nicht viel, I daß dieser eine Anlaß alle Bestrebungen der Zurückhaltung I zunichte gemacht hätte. ,, I Wenn dann Matthes zurückkam, sichtlich aiifgesriM, I und das Gezischel mit der Mutter anging, da schien ver I Bauer wieder nichts zu hören, nichts zu sehen. In semen I Innern aber fraß die Angst weiter löte ein bohrender I Wurm. , , ~ Der Winter war trocken, nach Aussage der Sachver I ständigen sehr günstig für das unter der sicheren Schnee I decke schlummernde Ei der Nonne. Die einzige Hosfm 8 I war noch ein nasses, rauhes Frühjahr, die Vermchti 9 I der ausschlüpfenden Raupe. ... I Der Bauer hatte unzählige Fachschriften über du I Nonne verschlungen, welche ihn immer von neuem Herr Fritz allein lachte und riß einen schlechten Witz, alle die anderen beschlich ein unheimliche Gesicht Matthes, gefolgt von der aus ihrem Gluckstaumel sah erwachten- Bäuerin, brachten den halb Bewußtlosen tn 183 die unendliche Zähigkeit dieser Tiere hinwiesen . Er hatte I und Kundschafterdiensten zur BMvenSmrg, die Schweiz und eine ganze Zigarrensch achtet voll Eier gesammelt und I England folgten 1887, Belgien 1889, nur Deutschland und überzeugte sich selbst davon, indem die winzigen Dinger I Frankreich verhielten sich lange ablehnend, doch rechtet auch sogar einem Hammerschlag Widerstand leisteten. Was I die deutsche Armeeverwaltung seit einiger Zeit besonder« halfen da die alten Holzknechtsprüche des Grimm, dem I Radfahrerabteilungen ein. selber das Herz pochte, je netter das Frühjahr kam? I Wer weiß indes, was die Zukunft alles noch brmgen wrrd! Johannes sah jetzt mit der Verachtung des Wissens auf I Man hat daher alle Ursache, dem Erfinder dieser , beliebten ihn herab. ' I Fortbewegungsmaschine dankbar zu sein, sodaß es ein Unrecht v ' (Fortsetzung folgt.) I wäre, an dem 50jährigen Gedenktage seines Todes still- ___ | schweigend vorüberzugehen. Die Heimat der wichtigen Erfind- vr, o I Ulig ist Mannheim, und ihr Urheber der badische Forstmeister iVUwttOv»* I Freiherr Karl Friedrich von Drais, geboren 1784 (oder 1785) > <•. « S. » -n O- S r - ■ - re ?• X I zu Sauerbronn, gestorben 1851 zu Mannheim. Der ingeniöse Zum Mdenken an das 50. Todesjahr ,eines Erfinders. I Horstmeister erfand 1817 ein eigentümliches Vehikel, eine Bon Heinrich Wiedemann. I „Reit"- oder „Laufmaschine". Dieselbe, ganz aus Holz her- (Nachdruck verboten.) I gestellt, bestand aus zwei hintereinander liegenden Rädern, Das Radeln ist des Menschen Lust, I die durch ein als Sattel oder Reitsitz dienendes Gestell Dag Radeln das Radelte I verbunden waren. Der Fahrer oder vielmehr Läufer nahm Kett das iiockrad dem Niederrad wieder hat weichen I auf dem Sattel Platz und setzte die Maschine durch ab- durch wechselndes Abstoßen der Füße vom Erdboden aus in Be- Äten mVwTtag ehfe wegung. Die Hände ruhten auf einer vorn angebrachten inHtÄf tenn murte es ium Svort dann zum Vergnügen, I Lenkstange. Später brachte Drais an seiner Erfindung noch und" der Kri^egswistenschaft^' ^ntMne "mieh"nock/aus I Ste Schwierig- Ä 3 Z al SpS Kerb?ein um nU ein"? I 8 Kilometer in der Stunde auf ebenem Gelände zurückzu- Biertelminute schon den ungleichen Wettlauf atemlos auf- I legen, so war' doch der babet zugeben. In von der Vernunft weniger begnadeten Ge- I em größerer, als wenn derselbe die Strecke zu Fuß zu aenden kam es zuweilen vor, daß ein Radfahrer auch mit aber-I gelegt hatte. .. ~ gläubischem Schrecken angestaunt oder vielleicht gar in bös- I Ganz neu War die Idee der selbständigen Fortbewegung williger Dummheit belästigt wurde - zum Glück trug ihn I unter Zuhilfenahme allein der menschlichen Muskeikraft auch sein schnelles Stahlroß in den meisten Fällen innerhalb I damals Nicht mehr, obwohl billig zu bezweifeln ist, daß Drais neniaer Auaenblicke aus dem Bereiche der Gefahr. Und I von den vor ihm stattgehabten Versuchen rate Ahnung ge- doch! - Vutsutage hobt 6«l. B-r-'iss h »to M fährt alles, vom Arbeiter bis zum Fürsten, die Postbeamten, 1 von einem gewissen Hans Hautsch gefertigter Kunstwagen die Soldaten, die Dienstmänner, die Markthelser, die I auf, „welcher in einer Stund" — so berichtet die Chronik Kommis, Aerzte — die Damen sogar, und nicht etwa in I — „2000 Schritt geht, man kan stil halten, wann man wch kleiner Zahl. Sogar die Dienstmädchen haben schon das I man kan fortfahren, wann man Wil, und ist doch alles von alles zwingende Stahlroß bestiegen. Wer heute noch über I uhrwerck gemacht." Der Benutzer dieses Kunstwagens hatte den „schrecklichen Sport" und das „alberne Strampeln" sich I freilich vor emem Fußgänger nur eben voraus, daß er fuhr, ereifert, sitzt vielleicht morgen schon selber auf einem solchen I denn m der Geschwindigkeit war ihm der letztere sicherlich Dina und empfängt auf irgend einer einsamen Landstraße I über, und mit welchem Aufwand von Kraft und Schweiß die" erste Unterweisung in der modischen Kunst; denn das I selbst dieses dürftige Resultat erzielt werden mußte, davon Radfahren steckt an, wie die Influenza, ein Freund irtfiziert I schweigt der Chronik Höflichkeit. Bald darauf erschien den anderen mit dem Fahrradbazillus, und viele anscheinend I gleichfalls tn Nürnberg — der Uhrmacher Stephan Farfler erbitterte Gegner schimpfen nur so lange, wie die Rohr- I mit einem ähnlichen solchen Wagen mit anfangs drei und sverlinge bis sie sich ein eigenes Rad kaufen oder — borgen I dann vier Radern auf dem Schauplatze, und 1693 der fr ankönnen! I zösische Arzt Richard in La Rochelle mit entern vierrädrigen Nun, der Fahrradbazillus gehört glücklicherweise zu den I Automatenwagen, während gleichzeitig in Italien ähnliche gutartigen, ja sogar nützlichen Bazillen, und seiner Ver- I Vehikel auftauchten. Hundert ^ahre spater erbaute sich (im breitung sind keine ernstlichen Hindernisse in den Weg zu I Jahre 1769) ein Engländer John Verves emen ohne Pferde, stellen Das Radfahren ist eine gesunde, erfrischende Be- I fortbewegbaren Reise wagen. Alle diese Versuche hatten aber wegung, die schon vom hygienisch-medizinischen Standpunkt 1 nur den Wert von Seltenheiten, memand dachte daran, sie der weitgehendsten Förderung wert und allen Stubenhockern I nachzuahmen, ja man lachte vielleicht sogar über die Sonderund vor allem auch den Frauen - in erster Linie den 1 linge die so viel Hirn und Schweiß aufwendeten, einen während des ganzen Tages im Laden oder am Nähtisch I Zweck zu erreichen, den sie mittelst ihrer Beme so viel besckäftiateil — warm zu empfehlen ist. Natürlich: Ueber-I bequemer erreichten. Von Wirklichem Nutzen konnte eme maß ist hier, wie überall, schädlich; kann man doch an zu I derartige Fahr maschine erst dann sein, undichdannerstzur vielem Wassertri iken zu Grunde gehen. Nur freudig ist es zu I Benutzung eignen, wenn dieselbe einen Fußlaufer erstens an begrüßen, daß das Vorurteil gegen radfahrende Damen Schnelligkeit übertraf und zweitens ihre Handhabung mit mehr und mehr im Schwinden begriffen ist - wenn auch I geringerem Kraftaufwand möglich War, als das Laufen er- fpiter ßpftätiat werben muß, daß der gute Zweck der körper- I forderte. icken Stärkung dw wenigsten Damen- und auch Herren - | Ersteres War ja allerdings bei der Draisine nur ut ’ur Erlernuna des schönen Sports veranlaßt. In immer I geringem Maße, und letzteres gar nicht der Fall; deshalb tebe^n Grade beginnt man auch den praktischen Nutzen I teilte bie ©rfinbunß be§ SJlann^etmer gorftmetftera aw* »u- hf&fSSn°®betntauna8maf*ine einzusehen. Die I nächst das Schicksal ihrer Vorgänger, te geriet in Vergessen- £ SÄ’ÄEffXÄ Ä mittel «ett Trotzb-Ü ist st- dl- Mrefte taM st-it-r-r W--. mit ber Stabt baä bl,anders den -mS-rhatb I stich- und damit ine »ntt-r nnstr-s m°d-r»-» F-h-rabs mnfnipnhrn Arbeitern die frühzeitig in ihren Werkstätten I geworden, sie bildete die Grundlage aller folgenden Ver- 0Ä 1 Sonüalicbe äenfte leistet. Zum Waren- I besserungen und Konstruktionen. Zunächst unternahm es eintresfen müssen, vorzügliche ^'n Handwagen eben- I 1821 der Engländer G. Johnson, bte Lauf- oder Reitmaschins ttnnhf nkte aiicki die allaern"^? Einführung bei der zu verbessern, indem er die Lenkstange mit der Achse des In und auch dii a g J b Jinnt «ch I Vorderrades in direkte Verbindung brachte und damit einen L-n,n,°cha>stsm>E °-,a»b wi- -t im Prinzip noch tz-nt- bereits emzuvurgern. we ) si ierkannt, I bräuchlich ist. Er meldete seme Erfindung zum Patent an, in ^Oesterreich "gelangte "das Fahrrad schon 1884 bei Boten- > und die von ihm gefertigten Maschinen erhielten im Volke 184 die Bezeichnung „Dandy-Horse", eine größere Verbreitung erlangten sie der ihnen anhaftenden Mängel wegen auch in England nicht. Vierzig Jahre lang dachte man nicht mehr an die Draisine, als plötzlich in Paris der Mechaniker Michaux ein von ihm Velociped — velvx (schnell) und pes (Fuß) — genanntes Gefährt vorführte. Dasselbe glich im wesentlichen einer Draisine, war ober von gefälligerer Konstruktion und — was die Hauptsache war — am Vorderrad mit zwei Tretkurbeln versehen, sodaß man nunmehr richtig fuhr und nicht mehr den Boden stampfte. Michaux soll aus seine Idee gekommen sein, als man ihm eine Draissche Laufmaschine zur Repa- ratrn* gebracht hatte. Die Konstruktion, die er im Verein mit seinem Arbeiter Lallement schuf, erforderte jahrelanges Arbeiten und Nachdenken, von 1859 oder 1862 an war der Erfinder nnablässig mit seiner Erfindung beschäftigt, wofür das sensationelle Interesse, welches seine eigenartigen Fahrräder 1867 ans der Pariser Weltausstellung erregten, eine verdiente Genugthuung bildete. Leider auch die einzige, welche dem unglücklichen Erfinder zu teil werden sollte. Obwohl er ein Patent auf seine Erfindung nahm und sich mit einigen kapitalkräftigen Personen behufs Ausnützung desselben verband, betrog man ihn um den verdienten Lohn seiner Arbeit; seine Teilhaber verstanden es, ihn aus der Gesellschaft zu verdrängen, die Gerichte ließen ihn im Stiche, und so starb der verdiente Mann gänzlich verarmt, während andere die Früchte seiner Idee einheimsten. L-chon vor Michaux soll eiu Deutscher, der Instrumentenmacher Fischer in Schweinfurt, ein Zweirad mit Tretkurbeln gebaut und benutzt haben. Wenn dies wirklich schon, lote es heißt, 1855 der Fall gewesen ist, so gebührte das Verdienst der Priorität natürlich unserem Landsmann. Wie dem auch sein mag, fo gewann sich erst das solchergestalt verbesserte Fahrrad einen größeren Liebhaberkreis. Die Technik, besonders die englische und amerikanische, bemächtigte sich der neuen Erfindung mit Leidenschaft, an die Stelle des wenig dauerhaften Holzes traten Stahl und Eisen, die Räder erhielten Gummiringe, und in kurzem hatten die Räder eine so veränderte Form erhalten, daß man in ihnen kaum die ursprüngliche Laufmaschine des Mannheimer Forstmeisters wiedererkennt. Unter dem Namen Bicycle erschien das Fahrrad auf der Bildfläche. Seine eigentliche Massenver- breitnng erlangte es jedoch erst, als dieses wieder durch das ungefährliche Niederrad ersetzt wurde, und wer weiß, was für Ueberraschungen uns die Technik der Zukunft noch in Betreff des Fahrrades bringen wird. GernsinnÄtziges. Warmes Wasser als Mittel gegen Hu st en. Ein plötzlicher Hustenanfall, der die Kräfte vollständig erschöpft, bedarf zuweilen sofortiger Zuwendung von sorgfältiger Pflege, hauptsächlich in Fällen von Schwindsucht oder Lungenkrankheiten. In diesen oder ähnlichen Fällen hat das warme Wasser als sehr nützliches Mittel sich vorzüglich bewährt. Es ist den lindernden Arzneien vorzuziehen, die nur geeignet sind, Verdauungsstörungen herbeizuführen und den Appetit zu nehmen. Das Wasser ist in kleinen Schlückchen so heiß als nur immer möglich zu nehmen, wenn sich ein starker Hustenanfall einstellt. Das warme Wasser lindert den Husten und fördert den Schleimauswurf. Warmhalten des Rückens. Die Nieren sind sehr wichtige Organe des Körpers und von der Natur bestimmt, möglichst warm gehalten zu werden. In gesundem Zustande sind sie deshalb in eine Lage Fett eingehüllt. Bei Erkältung derselben tritt in ihren kleinen Gefäßen eine Stockung des Blutumlaufes ein, so daß das Blut sein Eiweiß verliert. Das Eiweiß ist eines der wichtigsten Lebenselemente, welches die Aufrechterhaltung der Körperkräfte bedingt. Wenn aber das. Eiweiß durch die Blase ausgeschieden wird, so ist es für den Körper verloren, und'der Mensch magert zu einem Skelette ab. Dabei ist es besonders bei älteren Leuten von Wichtigkeit, den Rücken stets warm zu halten. Zwischen den Schulterblättern sitzen die Lungen. Jeder weiß, wie leicht ein kalter Wind auf den Rücken eine Erkältung herbeiführt. Das Sitzen mit dem Rücken gegen ein Fenster oder eine Thüre ruft infolge des Zuges, der durch die Ritzen und Spalten stattfindet, nicht selten einen Katarrh hervor. Deshalb sollte die Stelle zwischen den Schulterblättern bei kalter Witterung ganz besonders geschützt werden, und Personen von 50 Jahren und solche, die an Beschwerden der Atmungsorgane leiden, sollten hier ein Stück Flanell tragen, um die Körperwärme zusammen und die Einwirkung der Kälte von außen abzuhalten. Die meisten an den Lungen leidenden Personen glauben schon genug gethan zu haben, wenn sie die Brust gehörig verwahren, während doch der Schutz des Rückens ebenso wichtig, wenn nicht wichtiger ist. Iür die Küche. H e,f e n - G r i e s n u d e l n. Ein Fünftel Liter Gries wird mit einem nußgroßen Stückchen Butter geröstet; dann gießt mait zwei Fünftel Liter Milch auf und läßt es langsam aufkvchen. Nun rührt man 4 Eidotter mit 2 Eßlöffel gestoßenen Zuckers zu Schaum, giebt den inzwischen abgekühlten Gries mit 1 Löffel Hefe dazu, vermengt, es mit dem Schnee von 2 Eiern, bestäubt das Nndelbrett mit Mehl, formt fingerdicke und ebenso lange Nudeln aus der Masse und bäckt, nachdem sie aufgegangen, dieselben aus heißem Schmalz, wälzt sie in gestoßenem Zucker und giebt sie noch warm mit Konipott zu Tisch. „Praktischer Wegweiser", Würzburg. Mode. Arühjahrstoiletten. Das Heft bcr „Wiener Mode" vom 1. Apnl ist bereits erschienen und enthält eine große Auswahl von Toiletten, Hüten, Mänteln, Blusen, Jäckchen, Sportanzügen u. s. w. Jedes Stück ist eine im eigenen Atelier ausgeführtc Originalarbeit. Die zahlreichen hübschen Handarbeitsvorlagen, der Herrenmodebericht, der amüsante Unterhaltungsteil und die Beilage „Wiener Kinder-Mode" verleihen dem Heste einen stattlichen Umfang. Anerkennung und Lob findet dieses weitverbreitete Moden- und Frauenjournal seines vielseitigen Inhaltes, seiner sauberen Ausstattung, sowie der leichten Verwendbarkeit seiner Vorlagen und Muster wegen. Die Anzahl der Leser nimmt von Jahr zu Jahr zu. Jede Dame sollte bei der nächste» Buchhandlung, auf ihrem Postamte oder bei dem Verlag der „Mener Mode", Wien IV., für Mk. 2.50 aus eiu Vierteljahr abonnieren. ______________ Literarisches. ».Das Licht ist geboren." Eine Jahrhundertgeschichle iu sechs Ausschnitten von A. Süren. E. Pierson's Verlag; Dresden, 1901. Preis 2 Mark. — Nach dem Vorbilde von Gustav Freytags „Die Ahnen" läßt Süren in seiner fesselnden Jahrhundertgcschichte die Geschicke zweier Familien in mehreren Generationen an uns vorüberziehen. Deutschlands schmachvolle Erniedrigung und seine glorreiche Erhebung in den Jahren 1806' und 1815, das tolle Jahr 1848 und des neuen Reiches großes Geburtsjahr bilden dabei die Zwischsnstationen, auf denen die Angehörigen beider Familien, Vertreter zweier Stände, des feudalen Grund- adels. und des anfangs noch hörigen Bauernstandes in mehr oder minder scharfem Widerspruch sich gegenüber treten. So wird die Familiengeschichte zu einem Urblld der Volksgeschichte in ihrer sozialen Entwickelung, als deren Folge wir die altadeligen Häuser ihre ausnahmsweise Vorrechtsstellung verlieren und den Bürger- und Bauernstand allmählich seine politischen Rechte gewinnen sehen, sodaß es schließlich der Adel nicht für zu gering erachtet, sich in bürgerlichen Berufen zu bethätigen, und er sogar das Heiratsrecht den Nachkommen seiner Hörigen gewährt. Die reich bewegte, wechselvolle Handlung die stellenweise sogar in der neuen Welt spielt, hält das Interesse der Leser unaushörlich in Spannung; die Vertreter der einzelnen Generationen und Stände sind lebenswahr und charakteristisch gezeichnet, sodaß das Buch, aus dem auch sonst der Ernst einer gereiften Weltanschauung spricht, einer wohlwollenden Aufnahme allenthalben sicher sein darf. ________________ Bilderrätsel. (Nachbildung verboten,-. Auflösung folgt in nächster Nummer. Auflösung des Siibenv.rsteckräÜels in voriger Nummer: Telegraphie. Krdaknon: E. Burkhardt. — Nrnck und Verlag der Brsthl'schen UniverfitätS-Buch- und Bteindruckerei (Pietsch Erbe«) in Wetnu