Dienstag den 29. Dktobrr. Elf 1901. — Nr. 155. II itimnte dich, o junges Blut, willst du nicht verachtet liegen, Niemand ist durch Müßiggang in der Welt emporgestiegcn; Fleiß ernähret, Arbeit ehret, laß nur bald die Kinderschuh; Müh und Tugend hört der Jugend, Rat und Ruh dem Alter zu. Johann Grob. (Nachdruck verboten.) Der Erbe von Petershagen. Roman von O. Elster. (Schluß.) Wieder tiefe Stille. Da klopft es an die Thür und der Ackervogt trat ein. „Entschuldigen Sie, Herr Breymann. . •" „Na, Ahrens, was giebt's denn? Ich denke, es ist alles in Ordnung?" „Ist es auch, Herr Breymann — auf dem Hofe wenigstens — aber da drüben im Walde scheint was los zu sein." „Habt Ihr auch den Schuß gehört?" „Ja, Herr Breymann — und dann das Hundegeheul. Und nun bellt das Tier schon zehn Minuten lang ununterbrochen. Gerade als 06' ein Schweißhund ein totes Stück Wild verbellt." Breymann öffnete das Fenster. Deutlich hörte man das Bellen des Hundes, das dann und wann in ein langgezogenes Geheul überging. „Ja, Herr Breymann . . - soll ich da nicht einmal mit einem Knecht hinübergehen? Wer weiß, ob da nicht ein Unglück geschehen ist. Heut' nachmittag hab' ich den Herrn Baron von Petershagen vorübergehen sehen; er hatte keine Flinte über der Schulter und den Hund bet sich, und ging dem Walde zu. Wilddiebe treiben sich jetzt da herum :— — wenn der Baron nun mit so 'nem Kerl zusammen-! getroffen wäre . . Else war aufgesprungen. Eine tiefe Blässe bedeckte ihre Wangen. Ihr Herz klopfte heftig. „Ich will Euch begleiten, Ahrens", sagte sie hastig. „Nein, Else, das ist nichts für Dich", wehrte Herr Breymann ab, „ich werde mitgehen." „Du, Vater? Bei dem Wetter?" „Es hat aufgehört zu schneien. — Das bischen Nässe schadet mir nichts. — Kommt, Ahrens, der Heinrich soll mit einer Stall-Laterne mitgehen." „Ja, Herr Breymann und vielleicht nehmen Sie Ihre Flinte mit" „Was soll uns die nützen? Kommt nur!" Die Männer entfernten sich. In qualvoller Unruhe blieb Else zurück. Eine dumpfe Ahnung sagte ihr, daß Lin Unglück geschehen sei, welches auch, auf ihr Leben einen Schatten werfen sollte. Sie beugte sich zum Fenster hinaus. Noch immer scholl das klagende Gebell des Hundes vom Walde herüber. Else glaubte die Stimme des Hundes von Eitel Fritz zu erkennen, den sie ja im Sommer und Herbst oft gesehen hatte. Auch die Hunde in Jägerhof wurden unruhig und begannen zu bellen und zu heulen. Die tiefe Stimme ihres Vaters verwies sie zur Ruhe. Dann hörte Else ihn sagen: „Du kannst mitgehen, Tyras — kannst uns suchen helfen. . " und dann sah sie die drei Männer in Begleitung des Hundes über den Hof gehen. Die Laterne flackerte im Winde — bis jenseits der Chaussee konnte sie den Lichtschein verfolgen, dann verschwand er in dem Nebel. Kein Laut war zu hören, als das Bellen des Hundes, das nach und nach in ein klagendes Winseln überging. Else sank auf einen Stuhl und legte die Hand vor die Augen. So mochte eine Viertelstunde vergangen sein, als am Hofthor Stimmen laut wurden. Else sprang auf und trat an das Fenster. Zwei dunkle Gestalten hielten zu Pferde auf dem Hofe. „Ist Herr Breymann zu Hause?" fragte eine Stimme. „Nein, Herr Baron", erwiderte ein Knecht vom Jägerhof. „Aber Fräulein Breymann . - ." Der Fremde sprang aus dem Sattel, warf seinem Begleiter die Zügel zu und schritt rasch auf das Haus zu. Else ging ihm entgegen. In der erleuchteten Hausthür trafen sie sich. , „Herr von Sannow — Sie hier — und zu die> er Stunde?!" „Ja, ,ich bin es, Fräulein Else. Haben Sie meinen Schwager gesehen?" „Ihren — Schwager? — Herrn von Petershagen?" „Ja — Eitel Fritz. . " „Nein, Herr von Sannow. —■ Wie kommen Sie zu der Frage? Wie sollte Eitel Fritz . . - Herr von Petershagen . . . hierher kommen . ..?" „Ah, Fräulein Else — jetzt ist nicht mehr die Zeih Worte zu verlieren! —- Da — lesen Sie den Brief, den Eitel Fritz für mich zurückgelassen hat, als er heute nachmittag von Petershagen fortging..." Sie waren in das Zimmer getreten, und Arno, der sich in hochgradiger Aufregung befand, reichte ihr der Brief. Else las: „Lieber Arno. Deinen Brief empfangen Da alles vergeblich, so ergreife ich das letzte Mittel, um die Ehre des Mädchens zu retten, das ich über alles ir der Welt liebe und achte. Elses Name soll, nicht in den Schmutz gezerrt werden. Deshalb gehe ich lieber aus dem Leben — dann ist ja ein Prozeß unnötig. Mich ekel! dieses Leben an — verzeiht mir — und sag' Else, daß mein letzter Gedanke ihr gegolten. Verzeiht mir und vergeßt nicht ganz Euren unglücklichen Eitel Fritz : j. > Totenblaß, mit gespenstischen Augen starrte Else ^^,Was soll das bedeuten,.-? Was ist vorgefallen? Ich verstehe kein Wort. - •" „Sie wissen nichts von Eitel Fritz?" „Ich sah ihn seit Monaten nicht . . -" „Nun denn — er hat sich mit seiner Frau überworfen , dieses Schurken Wedemeyers wegen — sie ist fort von ihm — glaubt, daß er — verzeihen Sie — ein Liebesverhältnis mit Ihnen hat und wollte auf Grund desselben auf Scheidung klagen . . - um Sie nicht in diesen Prozeß zu verwickeln — um Ihre Ehre zu retten — ist er in den Tod gegangen . . ." Einen Augenblick starrte sie ihn an wie geistesabwesend. Daun brach sie plötzlich mit einem wilden Aufschrei zusammen und verbarg ihr Antlitz in den Händen. „Fräulein Else — fassen Sie sich! — es ist ja noch nicht alle Hoffnung verloren... ich habe Boten nach der Försterei gesandt, wohin er gehen wollte. Ich selbst eilte hierher — vielleicht daß er bei Ihnen war... ich hatte eine günstige Nachricht für ihn, seine Frau verzichtet auf jenen Grund — die Scheidung der Ehe soll in anderer Weise vollzogen werden . . Sie blickte verwirrt zu ihm auf. „Also doch eine Scheidung?" „Es ist die beste, die einzige Lösung." „Und ich — ich bin schuld darau. . -? — Ach, das ist mehr, als ich zu ertragen vermag! — Diese Schmach — diese Schande. . „Sie sind schuld, Fräulein Else?! — War jenes Gerücht dennoch wahr . . . ich zürne Ihnen ja deshalb nicht — nur sagen Sie in dieser Stunde die Wahrheit - - •" Da richtete sie sich plötzlich stolz und straff empor. In ihren Augen blitzte es auf; sie hatte ihre Kraft, ihre Fassung, ihren Stolz wieder gesunden. „Ich trage die Schuld nicht in dem Sinne, wie Sie zu glauben scheinen, Herr von Sannow ... ich liebte Eitel Fritz, aber meine Ehre, mein Gewissen ist rein geblieben." „Ich glaube Ihnen, Else — und nun kein Wort mehr darüber! Ich will auf dem Wege von hier zur Försterei reiten..." ! i! N H'Jli Verworrene Stimmen drangen vom Hofe her. Dnnkle Gestalten, grell beleuchtet von den hoch gehaltenen Laternen, schwankten über den Hof. „Hier herein . . • bringt ihn in das Haus", ertönte die Stimme des alten Brehmann. Ein eiliger Schritt wurde auf dem Hausflur laut — die Thür ward hastig aufgerissen, der Verwalter von Peters- hagen stürzte herein. „Sie haben ihn gefunden, Herr von Sannow", rwf er atemlos. „Am Saum des Waldes — neben dem Graben, der die Straße begrenzt — er hat scheinbar den Graben überspringen wollen, dabei hat sich das Gewehr entladen — der Schuß ist ihm durch die Brust gegangen — wenn der Hund nicht gewesen wäre, dessen Gebell die Leute aufmerksam gemacht hätte, würde man ihn kaum gefunden haben..." Arno stürmte hinaus, der Verwalter wollte ihm nach, Else hielt ihn zurück. „Ist er tot?" fragte sie mit bebender Stimme. „Nein — aber auf den Tod verwundet" — und der Verwalter eilte fort. Schwere Schritte ertönten draußen . . • und dann brachten sie den Verwundeten herein; totenblaß, mit geschlossenen Augen und fahlen Lippen lag er auf der rasch aus Baumzweigen hergestellten Tragbahre, die linke Hand fest gegen die Brust gepreßt, die rechte schlaff herabhängend, blutüberströmt — zum Tode wund. Else erbebte — mit einem lauten Schmerzensschrei wollte sie sich auf ihn werfen, der um ihrer Ehre willen in den Tod gegangen, doch da traf sie der ernste Blick ihres Vaters — sie raffte sich empor, ihre Willenskraft trug den Sieg über ihren Schmerz davon — nicht Klagen, nicht unthätiges Mitleid konnten hier helfen. Sie ging zum Nebenzimmer, dessen Thür sie öffnete. „Legt ihn dort aus das Bett"; befahl sie mit bebender Stimme. „Und Sie, Herr von Sannow, schicken wohl sofort zum Arzt . . ." „Der Verwalter ist schon fortgeritten. Aber soll denn Eitel Fritz hier bleiben?" -Ja —" „Bedenken Sie, daß Sie jenem Verdacht neue Nahrung geben, Fräulein Else", slüsterte er ihr zu. „Nicht.um mich handelt es sich hier. . ." entgegnete sie fest. „Um meinetwillen hat er die furchtbare That voll-, bracht, sollte ich jetzt um das müßige Gerede der Leute willen schwach und feige sein?" „Sie haben Recht, Fräulein Else —; und hier meine Hand — ich stehe an Ihrer Seite, was auch kommen mag i"1 Eitel Fritz ruhte auf dem weichen, bequemen Lage« — noch immer ohne Besinnung, aber die Blutung der Wunde hatte aufgehört, und die Atemzüge des Verwundeten gingen ruhiger und regelmäßiger. Else wachte an seinem! Lager, mit geschickter Hand hatte sie die Wunde gereinigt! und verbunden, und als nach einer Stunde der Arzt kam/ blickte er erstaunt auf das blasse, stille Mädchen. „Sie haben da einen ganz zweckmäßigen Verband angelegt, mein Fräulein", sagte er. „Wo haben Sie das gelernt?" „Ich habe einen Samariterkursus durchgemacht. . „Hm — sehr gut. Aber bitte, wollen Sie mir jetzt behilflich sein? Ich muß die Wunde untersuchen und einen Verband anlegen. . -" Else hielt die Schale mit Wasser, reichte die Verband-, stoffe und die Instrumente, und wenn auch ihre Hande leise bebten, so zwang sie doch ihre Schwäche nieder und erfüllte die traurige Pflicht einer Krankenwärterin. „Die Lunge ist zwar verletzt", sagte der Arzt. „Doch bei aufmerksamer Pflege und größter Ruhe glaube ich Heilung versprechen zu dürfen. Der Verwundete kann doch hier bleiben?" „Ja, Herr Doktor. . -" „Das ist gut. Denn ein Transport würde ihm schaden., Sie wollen ihn verpflegen, mein Fräulein?" „Ja. . ." "Sehr schön. — Darf ich dann bitten, folgende Punkts zu beachten. . Er gab Else verschiedene Weisungen, dann entfernte er sich, um in Petershagen zu übernachten und morgen itt aller Frühe wiederzukommen. . Else nahm wieder an dem Lager des Verletzten Platz/ der jetzt in einem unruhigen Fieberschlummer ruhte. Im Nebenzimmer saßen Herr Brehmann und Arno in leisem Gespräch. Arno erzählte dem Alten alles, auch die Verhältnisse Petershagens, und daß es ihm nicht gelungen sei, eine neue Bürgschaft für die Bankschuld zu er-, langen. ‘ „Wie es enden soll", sagte er seufzend, „weiß ich nicht/ Ich selbst bin nicht in der Lage, die Sicherheit zu geben/ ich habe genug mit mir selbst zu schassen. Wir müssen! sehen, noch eine Hypothek zu finden. . -" Der alte Brehmann sah eine Zeitlang schweigend vor sich nieder. Dann atmete er tief auf. „Die Hypothek wäre schon zu beschaffen, Herr von Sannow", sagte er. ' „Dann wären wir gerettet! Aber ich weiß nicht. . •"> „Sie wissen, Herr von Sannow, daß ich schon einmal! auf Petershagen eine Hypothek stehen hatte — sie wurdö mir bei der Verheiratung Ihres Schwagers zurückgezahlt — jetzt steht sie Ihnen wieder zur Verfügung." „Herr Brehmann — das wollten Sie thun?!" „Weshalb nicht. — Ich will Petershagen nicht in fremden Händen sehen . . - Einstweilen will ich die Bürgschaft für die Bankschuld Ihres Schwagers übernehmen."« In herzlicher Dankbarkeit drückte Arno des alten braven Inspektors Hände. Und jetzt will ich nach Hause reiten,, um meine Frau! von all den traurigen Vorfällen zu benachrichtigen", fuhr Arno fort. „Morgen in aller Frühe kommt dann Ruschs hierher, um Else bei der Pflege zu unterstützen." „Ihre Frau Gemahlin wird mir herzlich willkommen feilt." Arno ritt davon. Der alte Inspektor blieb in dem Wohnzimmer sitzen und horchte nach dem Nebengemach/ aus oent zuweilen ein leises Aechzen hervordrang. All-i mählich aber ward es ganz still in dem Krankenzimmer., Leise erhob sich der Alte und schlich zur Thür. Da sah er wie Eitel Fritz im tiefen, ruhigen Schlummer ruhte, Elss aber kniete neben seinem Lager, die gefalteten Hände auf dessen Rand gelegt, das Haupt tiefgebeugt, während dm bebenden Lippen ein leises Gebet flüsterten. Auch der alte Inspektor faltete die Hände und sprach, 619 für sich : „Der allgütige Gott möge alles nach seinem Willen zum Besten wenden .. Ueber ein Jahr ist verflossen. Die Wälder und Wiesen von Petershagen stehen wieder in frischem Grün, und das goldene Saatenmeer wogt und wallt im leichten Sommerwinde. Schloß Petershagen ist festlich geschmückt. Aber nicht wie einst glänzt und gleißt es in prunkender Ueberpracht, sondern einfache Blumen- und Tannengewinde schmücken Fenster, Thür und Thor, und auf dem Schloßhos und auf der großen Freitreppe erwarten fröhliche Gesichter das junge Paar, das von einer kurzen Hochzeitsreise heimkehrt. Wer hätte das geglaubt, daß die blonde Jnspektors- tochter dereinst als Herrin in Schloß Petershagen herrschen sollte? Und doch ist es so gekommen, trotz allem — trotz Herzensübermut und Herzensnvt, und Unglück und Leid! Freilich auch nach jener Schreckensnacht war das Leid noch nicht zu Ende, es kamen noch furchtbare Wochen der Sorge und der Not, aber in dieser Zeit schlossen sich die Herzen wieder fest und treu zusammen, daß nichts sie mehr zu trennen vermochte. Und dann kam das Glück und der Frieden und machten Herz und Seele gesund und stark, daß sie die letzten Kämpfe um ihr Glück siegreich bestehen konnten. Im Frühling des nächsten Jahres legte der greise Pfarrer von Petershagen die Hände Elses und Eitel Fritz' zum ewigen Bunde ineinander — und NUN kehrte es heim, das junge glückliche Paar, in ihr eigenes Heim, das fest gegründet dastand, nicht durch fremden Reichtum und fremdes Gold, sondern durch eigene Arbeit, durch eigenes pflichtgetreues Streben. Und mit der Arbeit wohnten auch Glück und Frieden im Schloß und Hof zu Petershagen, das Eitel Fritz jetzt ganz allein bewrrtsch astete, wenn er sich nicht einmal Rat holte bei seiner klugen, blonden Else oder seinem Schwiegervater, dem alten Inspektor auf Jägerhof. Ruscha Sannow und Else verband die innigste Freundschaft, unb selbst die alte Baronin von Petershagen söhnte sich mit der „Jnspektorstochter" aus, als ihr diese den ersten Enkel und Erben von Petershagen schenkte. Bon dem früheren Husarenfähnrich und Inspektor, Herrn Arthur Wedemeyer, hörte man nichts mehr, und auch Irma tauchte unter in dem Strom der großen Welt. Die Rolle der Schloßfrau von Petershagen war in ihrem Leben nur eine Episode gewesen, die bald vergessen war. Die Pariser Moden der Wintersaison. (Nachdruck verboten.) Paris, den 14. Oktober 1901. In den Herbst- und Wintertoiletten der großen Mode- Bazare sehen wir gegenwärtig die Moden der verschiedensten Epochen wieder aufleben, die jedoch keineswegs slavisch kopiert, sondern nur in großen Zügen angedeutet, im übrigen aber in tausend reizenden Details, in erlesenen Farbenzusammenstellungen, Garnituren und Ornamenten dem Geschmack unserer Zeit entsprechend modifiziert werden. Der Epoche Ludwigs XIII. verdanken wir die Boleros und die großen kleidsamen Kragen, während uns die langen, an der linken Seite herunterfallenden Schärpen, welche wir an den Gesellschaftstoiletten des kommenden Winters bemerken, an die Zeit Ludwigs XIV. erinnern. Ludwig XV. haben wir die Falbelröcke zu verdanken und das Zeitalter Ludwigs XVI. endlich beschert uns die malerischen Capelines, die weiteu Röcke, die Sammet- schleifen und Mnsselinfichus. Die Empireroben werden während des Winters immer noch eine große Rolle als elegante Gefellschaftstviletten spielen. Taffetroben werden oft förmlich überladen mit winzigen übereinander gesetzten Chiffon- pder Seidenrüschen, die sich am Corsage wiederholen. Von großer Eleganz werden die Toiletten für den sich in Paris -immer mehr einbürgernden five v' clock Thee sein, obgleich die Grenze, welche dieselbe von den Abendtoiletten trennt, immer gewahrt bleiben muß. Eine sehr geschmackvolle Robe dieser Art ist ans schwarzem Taffet gefertigt. Der Miederrvck ist hinten mit Sammetband geschnürt, welches rechts und links je zu einer, mit den bekannten vergoldeten Metallspitzen endigenden Schleife gebunden ist. Der kurze Bolero, welcher in seiner Form dem ziemlich hohen Mieder folgt, ist mit einem schönen Goldgalon umranoet und mit einem breiten Guipurekragen geschmückt, der den Hals ein wenig frei läßt und ebenfalls mit einer Sammetschleife mit goldenen Enden geschlossen ist. Die etwas gebauschten Aermel schließen am Ellenbogen mit einem Goldgalon Und einem Volant aus Guipurespitze ab. Die Dame des Hauses empfängt beim five v' clock-Thee gern in einem eleganten „Deshabille". Eine höchst kleidsame Toilette dieser Art aus rosa Crepe de Chine zeigt im Rücken anschließende, vorn lose Prinzeßform. Das Vorderteil der Robe ist von oben bis etwa 30 Zentimeter vom unteren Saum in nicht zu enge Säumchen genäht, die nach unten frei ausspringen und zu beiden Seiten von einem schönen breiten Guipure-Entredeux begrenzt sind. Ein großer vorn offener Kragen mit gesticktem Volant bildet den nicht zu tiefen viereckig dekolletierten Halsausschnitt, welcher vorn durch eine, quer über den plissierten Einsatz geführte, von kunstvoller Schnalle gehaltene Schleife aus schwarzem Sammetband begrenzt ist. Das lose Vorderteil wird durch einen Crepe de Chine-Gürtel zusammengehälten. Die etwas über den Ellenbogen reichenden Aermel werden aus zwei vollen Puffen gebildet. Da der five v' clock-Thee einen möglichst zwanglosen Charakter tragen soll, so kann man zu demselben auch sehr wohl in eleganter Straßentoilette, oder im Costume tailleur erscheinen, welches zu diesem Zweck aus einem der schönen, seidenglänzenden Tuche, hergestellt wird, die uns in so reicher Auswahl zur Verfügung stehen. Was die Taille dieses Kostüms betrifft, so haben wir die Wahl zwischen der festen Schneidertaille, dem Jackett Louis XV. oder dem Bolero, der in den verschiedensten Formen erscheint, offen, geschlossen, mit spitzen oder abgerundeten Rändern — ja als letzte Neuheit sogar mit kleinem, plissiertem Schoß. Elegante Eostumes tailleur wird man namentlich in Hellenr Beige, Perlgrau, Blau, Empiregrün und in Rot sehen. Rotes Tuch garniert man mit schwarzen Passementerien und Soutache. Das einfache auf Morgenspaziergängen oder namentlich auch bei Regenwetter getragene Costume tailleur fertigt man aus weichen, rauhen, flockigen Stoffen wie Homespun, Granites, Covercoat, Serge u. s. w. Durch eine Menge reizender Details und geschmackvoller Verzierungen, welche den Charakter des Schneiderkostüms freilich etwas modifizieren, sucht man die allzustrenge, männliche Form desselben zu mildern. „Salon de la Mode" berichtet über neue Stoffe, welche zu den neuen Winterkostümen mit Vorliebe Verwendung finden. Das als „Ideal" bezeichnete 1,40 Meter breite Tuch zu 12,50 Franken pro Meter hat den Vorzug, daß es trotz der Feinheit seiner völlig neuen, bisher unerreichten Siuancen durch Wasser nicht fleckig wird. Es wird sehr begehrt sein für Phantasiekostüme, welche man plissieren, mit Stickereien, oder auf Pannegrund ausgeschlagenem Tuch schmücken will. Seine große Breite gestattet, Röcke mit nur zwei Nähten aus demselben zu fertigen, die nach unten eine völlig genügende Weite besitzen. Als neue Nüancen sind ein hübsches, etwas ins Malvenfarbige spielende Hellgrau zu nennen, eine sehr elegante Farbe, ferner das Modegrau mit einem mattrosigen Schein, welches ebenso hell und elegant ist wie die erstgenannte Farbe, das „Fuchsin", ein helles, elegantes, rosiges Violett, welches die Blonden fehr hübsch kleiden wird, das „Tolstoi- Grau", das ziemlich dunkle „Abbesse" in violetten und dunkelpenseefarbigen Tönen, das „Gris vrage", so genannt, weil es die bleigraue Färbung eines Gewitterhimmels imitiert, und das „Gris vurogan" von noch tieferer Färbung. Wie hübsch jedoch sind diese beiden letztgenannten Farben! Die Farbe „Noisette" besitzt den weichen Ton der reifen Haselnuß; das „Chevreuil" zeigt das hübsche Fahlrot des Rehes, dessen Namen es entlehnt hat. Das „Hufsard" erinnert an das schöne Blaugrau der eleganten Offiziers-t Mäntel, die Farbe „Mordoree", (Goldkäferfarbe), welche die Reihenfolge beschließt, verdankt die Feinheit ihres Tons der extrafeinen Qualität, der Vorzüglichkeit des tadellosen Gewebes, der Weichheit und dem Glanz des Stoffes, welcher dabei sehr solide fein soll. Wenn man einen neuen, nicht ganz einfarbigen Stoff vorzieht, so hat man eine reiche Auswahl unter den langhaarigen Stoffen in verschiedenen Farbtönen, welche man als „Peau de bete" (Tierfell) bezeichnet. Da ist zunächst das „Tigre royal" in Rotbraun mit salben Sprenkeln, das „Renard bleu" mit helleren blauen Flecken, das „Chinchilla", ein sehr melangiertes Grau mit helleren Tupfen, 620 und endlich das „Feu", ein sehr dirnkles Rot mit helleren Punkten. Das letztere Kewebe ist besonders chick und originell; es kostet 7,75 Franken bei 1,20 Meter Breite und wird mit Pelzgarnierung prächtige „Costumes tailleur" abgeben. Für sehr elegante, aber diskrete und gediegene Kostüme eignet sich das „Scotch Tweeds" in „Caspienne", einem hübschen Dunkelblau, ferner in „Altai", einem matten, mit Schwarz vermischten Rot, in der Farbe „Perim", einem mit dunklerem Grau vermischten Eisengrau, „Saidabad", einem mit Gelbbraun vermischten Rotviolett, welches kleine verschwommene Karo zeigt. Es ist ein weichhaariger, sehr neuer und sehr eleganter Stoff zu 7,25 Franken bei 1,20 Meter Breite, Mehr als im vergangenen Jahre werden die dies-- jährigen Wintermodeu mit schönem Pelzwerk geschmückt. Die „Viktorines" und „Palatines" der dreißiger Jahre des verflossenen Jahrhunderts sind wieder erstanden; doch unsere ausputzfreudige Zeit konnte sich nicht versagen, dieselbe mit Spitze, Chiffon und metallisch glitzernden Passe- menterie-Jnkrüstationen zu schmücken. Pelzsachen aus Chinchilla, Seal, Nerz, Zobel oder sonstigen kostbaren Fellen sind mit täuschend nachgeahmten Blumen verziert. Ganz besonderer Gunst werden sich Hermelin und weiße Pelze im allgemeinen erfreuen, von ersteren besonders die sehr ileingefleckten. Die Form der neuesten Muffen ist ziemlich flach und lang; dieselben sind häufig mit seide- oder spitzengefütterten Handkrausen aus Pelz versehen. Einige der neuen Mäntel sind fast etwas überladen mit Krausen und Volants und zeigen offene Aermel. Das sogenannte „chinesische Jackett" von sehr weitem Schnitt mit ebenfalls weiten, offenen Aermeln eignet sich besonders ■§utn Theaterjackett. Für Schneiderkostüme verarbeitet man mit Vorliebe flockige und gesprenkelte Stoffe, obgleich auch glatte und karrierte Stoffe für diesen Zweck durchaus modern sind. Die neuesten Schattierungen für wollene Stoffe wie Tuch, Kaschmir, glatte oder rauhe Serge sind ein prächtig sattes Goldbraun, ferner Ziegelrot, Gelbbraun, Altrosa, sowie die ganze Skala der zarten Pastelltöne. In farbiger Seide zeichnen sich besonders die herrlichen Braches mit spitzenähnlichen Mustern, die Gros de Naples und die Chineeseiden aus. Zu Einsätzen, Kragen, Manschetten und Revers kommt vielfach Tartan, sowie gemusterte Velvets und gold- gesprenkelte Panne zur Verwendung. Velvet- und Saminetkoftüme werden sich in der bevorstehenden Wintersaison voraussichtlich besonderer Beliebtheit erfreuen. Man garniert dieselben vielfach mit harmonierenden Atlasvolants, Atlaskrausen oder gesteppten Atlgs- blenden. An Tuch- und seidenen Kostümen bemerkt man häufig Volants und sonstigen Ausputz aus Sammet oder Velvet. Sehr beliebt als Garnitur sind auch farbige Sammet- und Atlasbänder mit schwarzen Rändern. Ein außerordentlich geschmackvolles Empfangskostüm aus nickelgrauem Lasset für die kommende Saison zeigte eine etwas schleppende Prinzeßtunika mit vorderer langer und spitzer Zacke über einem in breite Plisseefalten gelegten unteren Rock, der etwa handbreit über dem Saum durch ein gleichfarbiges Entredeux aus Sammetapplikation verziert war. Das Corsage war mit einem kleinen, runden, in Quersäumchen gesteppten Passe aus lichtblauer Panne und ebensolchem Stehkragen versehen. Prächtige Luxeuil- Spitze umgab die Passe und bildete die zurückgeschlagene 'Stulpe an dem bis zum Ellenbogen reichenden Aermel; der unter derselben ansetzende lange Bausch ans weißer Liberthseide endigte in einer Manschette aus derselben Spitze. Die Taille war auf der rechten Seite durch drei volle Rosetten aus lichtblauer Panne geschlossen. Als elegante Besuchsrobe eignet sich ein Kostüm aus dem jetzt so beliebten froschgrünen (vert rainette) Tuch. Der Rock weist ein hohes Plissee auf, welches oben von einer schwarzen Perlen-Passementerie begrenzt wird. Der Taffet- bolero in der Farbe des Tuches ist ebenfalls pliessiertZmd mit Perlenstickerei umrandet und öffnet sich über einer westenförmigen Tuchtaille mit unsichtbarem Verschluß, welche eine vordere, kurze Spitze bildet. Der kurze Tuchärmel zeigt am Rande ebenfalls Perlenverzierung und läßt vom Ellenbogen ab einen plissierten Taffetbausch von der Farbe des Boleros hervortreten, der mit einer schmalen Taffetmanschette abschließt. Der hohe, plissierte Umlegekragen ist mit einem etwa anderthalb Zentimeter breiten Tuchstreifen umrandet. Die Hutmode wird einen ganz ausgesprochenen Chai rakter tragen. Große, flache Hüte werden fast ausschließlich die Mode beherrschen. Viele neue Modelle zeigen leicht seitlich aufgebogene Krempen, unter denen Blumen oder Bandvosetten angebracht sind. Federn, Sammetfrüchte und Blumen werden vielfach als Garnitur verwendet. In Doques giebt es zahllose neue Formen in Chenille, Band und Chenille, weichem Filz, Sammet, Seide, Tuch usw. Der spanische „Toreador", die neueste Togueform, dürfte besonders kleidsam sein. Filzhüte werden in ganz neuen Farben vertreten sein, wie Mattlavendelblau, Gelb, Ecru, Altrosa und Himbeerfarbig. Sehr modern ist eine flache Sammet- oder Seidendraperie auf der Krempe. Manche Filzhutsormen sind mit Sammetband durchzogen und mit purpurnen Früchten oder Trauben, sowie mit hochrotem, türkisblauem oder smaragdgrünem Sammetband garniert. Madeleine, Lehrbuch der Spinnerei, Weberei und Appretur. Von Niklas Reiser. Vierte, vollständig neu bearbeitete Auflage. Mit 348 Abbildungen. In Originalleinenband 6 Mk. Verlag von I. F. W eb er in Leipzig. Die großen Fortschritte, welche die Textilindustrie in den letzten Jahren erfahren hat, bedingte eine neue Form und der Neuzeit entsprechende Umarbeitung des Dr., Hermann Grotheschen Katechismus der Spinnerei, Weberei und Appretur, dessen 4. Auflage aus der Feder des Webeschuldirektors a. D. Niklas Reiser, Vorsitzenden der Unter» suchungskommifsion für die Textilindustrie, nunmehr wieder völlig auf der Höhe der Zeit steht und feinen Lesern von großem praktischen Nutzen fein wird.. Das über 32 Bogen starke Buch umfaßt das Gesamtgebiet der Gewinnung und Verarbeitung der Gespinstfasern von dem Reinigen der natürlichen und künstlichen Rohstoffe an bis zu der marktfähigen Zurichtung der Garne und Gewebe. Sehr instruktid sind die meist den Maschinen gewidmeten 348 Illustrationen, die auch für den Maschinenbauer von Interesse sind. Gemsiinimtzrges. Allgemein ist die Ansicht verbreitet, daß man die kostbaren Orchideen, diese Fremdlinge aus fernen Weltteilen, nicht im Zimmer ziehen könnte. Das ist eilt großer Irrtum! Es giebt eine ganze Anzahl herrlicher Arten, welche tnt Zimmer nicht nur zur Blüte gebracht, sondern sogar vermehrt werden können. Wie mau bei der Pflege zu verfahren hat, lehrt uns ein Artikel in der Nr. 42 des „Praktischen Ratgebers im Obst- und Gartenbam Der Aufsatz enthält zugleich eine ganze Anzahl vorzüglicher in den Text gedruckter Abbildungen derjenigen Arten, welche sich für die Zimmerkultur eignen- Die betreffende Nummer kann unentgeltlich vom Geschäftsamt genannter Zeitschrift in Frankfurt a. O, bezogen werden. S a m m e t z u r e i n i g e n. Der Fleck wird mit reinem Benzin bötupft, dann recht feiner Sand erhitzt, in ein Beutelchen gebunden und der Sammet damit dem Strich nach nicht'zu stark abgerieben. r („Prakt. Wegw.", Wurzburg.)^ j Silbenrätsel. Nachdruck verboten. Aus nachstehenden 22 Silbe«: bach, be, dar, dens, dot, e, ei, er, i, lei, ne, ni, o, or, ran, re, sehen, sen, stab, tu, wiu, zeit sind 8 Wörter zn bilden von folgender Bedeutung: 1. berühmter Gelehrter, 2. weiblicher Vorname, 3. kulturgeschichtliche Epoche, 4. Gestalt der griechischen Sage, 5. höfisch- Jnsignie, 6. Heldin eines dramatischen Ge. dichts von Schiller, 7. Musikinstrument, 8. bekannter deutscher Dichter des Mittelalters. — Sind die richtigen Wörter gefunden, ergeben die Anfangs- und Endbuchstaben im Zusammenhang gelesen ein bekanntes Sprichwort. (Auflösung in nächster Nummer.) Auflösung des Zifferblatträtsels in voriger Nummer: i ii in IV v VI VII VIII ix X XI XII LAU BEB N A DEL I Laub, Laube, Aube, Auber, Bern, Erna, Nadel, Adel, Dell, Delila, Eli, Lila. Redaktion: E. Burkhardt. — Rotationsdruck und Verlag der Brübl'fchen Universitäts-Buch- und Steindruckerei lMetsch Erben) in Gießen.