Sonnlag den 29. September. 1901. — Nr. 139. ■Sa wWi MiW wgäyfc*1 b Lieben Leiden ist, CS> Ob Leiden Lieben ist, Weiß ich zu sagen nicht, Aber ich klage nicht. Lieblich das Leiden ist, Wenn Leiden Lieben ist. O. Funke. (Nachdruck verboten.) Der Erbe von Petershagen. MMN von O. Elster. - (Fortsetzung.) * - ■ , . '' l”: VI. _________ Ter Abend senkte fitfii schon nieder, als' der Wagen vor einer großen, zweistöckigen Villa auf der Hauptstraße Schönebergs hielt, dieses Millionär-Torfes, das mit Berlin vollkommen zusammengewachsen ist. Ein gut gepflegter, parkartiger Garten umgab die Villa, hinter der sich ein großer Hos mit Stallgebäuden befand. Die reichen Stuckverzierungen an dem Hause waren etwas verschwenderisch angebracht, ebenso schienen die echt vergoldeten Buchstaben des Namens Villa Mon Repos, der an der Frontseite stand, zu groß und zu prahlerische Im übrigen machte die Villa mit den prächtigen Spitzengardinen und Stores hinter den großen Spiegelscheiben der Fenster, der blumengeschmückten Veranda, der Marmortreppe und den vergoldeten Geländern einen durchaus vornehmen Eindruck. Eitel Fritz wunderte sich im stillen, daß ihm diese Villa früher noch! nicht ausgefallen war. Ein Diener in einfacher Hauslivree erschien und half beim Aussteigen. Dann eilte er vorauf, öffnete die Haus- thür und drückte auf den Knopf der elektrischen Beleucht-! ung, sodaß die prächtige Eintrittshalle des! Hauses, in blendendem Lichte erstrahlte. Ein leises, markantes Lächeln huschte über Irmas Gesicht, als sie das Erstaunen des jungen Dragonerojsi- zierZ Wer die gediegene Pracht der Villa bemerkte. „Führen Sie die Herren in den Salon, Friedrich", befahl die Majorin dem Diener. „Uns entschuldigen die Herren einen Augenblick", fuhr sie fort. „Wir müssen den Staub der Rennbahn abschütteln."- Sie nickte Eitel Fritz lächelnd! Zu, dann verschwand sie mit Irma in einer Seitenthür. Friedrich öffnete die Flügelthür zum Salon und ließ die Herren eintreten. Dann entzündete er den elektrischen Kristallkronenleuchter und entfernte sich!. EW Fritz blickte sich überrascht, erstaunt um. Lächelnd beobachtete ihn der Rittmeister, der es sich! in einem der schwellenden Fauteuils bequem gemacht hatte. Sind Sie mir noch! nicht dankbar, daß ich Sie mit diesen Damen bekannt gemacht Habe?" fragte er nach einer Weile. „Sie sehen mich überrascht a aber ist diese äußere Pracht auch echt?" „Sie sind doch ein unverbesserlicher Zweifler, Petershagen! Ich! versichere Sie auf mein Wort, daß die Majorin jetzt schon Millionärin ist, nach dem Tode ihres Vaters, der bereits siebenzig Jahre ist, erhält sie noch einmal so viel. Seien Sie kein Thor, Petershagen, greifen Sie zu! Wenn auch der alte Vetterlein — ich! meine den Vater der Majorin — den früheren Bauern noch! nicht ganz verleugnen kann, so sind doch die Majorin und Irma tadellos in jeder Beziehung. Aw den bürgerlichen Namen brauchen Sie sich nicht zu stoßen, Irmas Vater tvar ja Offizier, und gehörte mithin der ersten Gesellschaft an. ■= Ich meine es wahrhaftig gut mit Ihnen',Ä Petershagen." Eitel Fritz ging einigemale nachdenklich auf dem weichen, persischen Teppich stuf und ab, der das Parkett des Salons fast ganz bedeckte. Dann blieb er plötzlich vor dem Rittmeister stehen. „Können Sie mir auf Ehrenwort versichern, daß alle Verhältnisse — abgesehen von dem Reichtum — hier im Hause und in der Familie der Majorin untadelhaft sind?" Der Rittmeister sprang empor. „Alle Wetter, Petershagen, wie kommen Sie zu dieser sonderbaren Frage, die für mich fast beleidigend ist?" „Nicht im geringsten . . .- ich frage ja nur nach den Verhältnissen der Familie der Majorin." „Ja, zum Henker, wie soll ich denn alle Fanlilienverhältnisse kennen", rief der Rittmeister, scheinbar ärgerlich „So viel mir bekannt, liegt alles klar — aber ein Skelett soll ja in jedem Hause vorhanden sein. Wollen Sie sich an alte Geschichten stoßen?" „Also doch alte Geschichten . : Ihr Gespräch wurde durch den Eintritt der Damen unterbrochen, die in hocheleganter Tiner-Toilette erschienen. Die Schönheit Irmas, ihr schlanker Wuchs, der schneeweiße, üppig gerundete Hals traten in der spitzenübersäcten Toilette mit dem kleinen viereckigen Ausschnitt an Hals und Rücken noch blendender hervor, und Eitel Fritz verl gaß bei ihrem Airblick all die „alten Geschichten", und Zweifel von vorhin. Nach! einer Weile wurde gemeldet, daß serviert, sei. Der Rittmeister führte die Majorin, Eitel Fritz reichte Irma den Arm, und als er ihren weichen, runden Arm mit leisem, warmem Druck aus dein seinen ruhen fühlte strömte es siedend heiß durch seine Adern, und unwillküv lich preßte er Irmas Arm fester an seine Brust Sie ließ es ruhig geschehen, und blickte ihn mit süßen Lächeln an. „ , / ' - ■ . . v , — 554 — wohnt sind . . „Aber, tnein gnädiges Fräulein —' zufrieden mit sich und — mit uns!" „Aber ich bitte, gnädiges Fräulein — welches Recht Hütte ich zu einer solchen Unzufriedenheit — wenigstens Ihnen gegenüber." „Das will ich Ihnen sagen: Sie finden nicht alles an uns so, wie Sie es bei den Damen Ihrer Gesellschaft ge- diesen Stimmungen Rechnung zu tragen. =. Sie sind Ulf* Herr von Petershagen? Wissen Sie, was es heißt, keine ^^"Jhr?Augen leuchteten in dem Halbdunkel, ihre Stimme war weich geworden und bebte leise. Ein tiefes Mitleid ergriff ihn. Er hatte sie für oberflächlich und vergnügungssüchtig gehalten, und wtzt trat ihm ein tiefes Gefühl entgegen, das ihn überraschte und ^Schweigend führte er ihre Hand an die Lippen, die mit warmem Druck eine Weile in seiner Hand ruhte. Dann zog sie ihre Hand langsam, wre zögernd, zuruck „Werden wir uns öfter Wiedersehen, Herr von Peters- h^^Welche Frage, gnädiges Fräulein? Wenn Sie mir gestatten ■ • Etrauisch geworden. Man lernt so viele Menschen kennen — einen Augenblick scheint es, daß man Gefallen aneinander empfindet, man denkt, hier konntest Du aufrichtige Freundschaft finden — am nächsten Tage rst fto Im Speisezimmer traf man mit dem alten Vetterlein, dem Vater der Majorin, zusammen. Der frühere Bauer war tadellos schwarz gekleidet, into sein Benehmen bot zu großen Aussetzungen keinerlei Veranlassung. Er begrüßte Eitel Fritz mit kräftigem Handdruck und sprach feine Freude aus, ihn kennen zu lernen. „Ihren Namen habe ich schon oft in bett Nennberichten gelesen, Herr von Petershagen", sagte er mit einer rauhen, ....... -------. „c. ~ r . „ . E .. etwas gewöhnlich klingenben Stimme. „Ich interessiere j „Aber, tttetn gnädiges Franletn —" rtef Ettel Fritz er- mich sonst nicht für den Sport — 's ist ein kostspieliges I schreckt darüber, daß sie seine Gedanken erraten und so Vergnügen — na, wer's dazu hat, mag es sich ja leisten. I schonungslos aussprach. Unsereins muß das Seinige znsammenhalten." I Sie, schleuderte bte Zigarette fort, daß bte Funken Sollte das Spott sein? — Doch nein, des Alten gelbes, ! umheMeben. ,. faltenreiches Gesicht blieb vollkommen ruhig. Nur seine | „Auch bte Zigarette hat ^"en dte Sttmmung ver- APtt TiffiQ rn hem ^Rittiitcifter i borceit , fic foxt. „TUib bu)cl)i ift ein fold)t l) (tritt über " Unwillkürlich! mußte Eitel Fritz beim Anblick des ! loses Vergnügen. Ich weiß aber, daß man in Ihren Kreisen “ Ä die Maske dieses Vergnügen verabscheut - oh, lassen Sie mich nur KS&J&Ä W ton hM» » mich, wenn tchmtch Tie Glocken von Corneville" gegeben hatte. Aus den | etitmal aussprechen darf, jul)te, daß alles m "*wt”beini "ä'.ÄÄ'X-.'mm»ns U Nicht seit i>b°° xnEHEto » “to des alten Vetterlem nachzudenken. ^n dem Anblick ^rmas I s^nunq davon. Das ist der Zwiespalt des Lebens, und der lebhaften Unterhaltung mit ihr vergaß er den I tzx^ßen in der großen Welt - da fühlt man es nicht Alten vollständig, der m sich zusammengesunken dasatz 1 a6gr {)ie' in un.-erer Heimat — da empfindet man ein und mit lauerndem Auge den Zungen Offizier und seine j qe)B-.-.-eg meiß „icht, wie ich mich ausdrücken soll — Enkelin beobachtete. , . . . Mißbehagen — Mißtrauen — eine gewisse Unsicherheit — Nach dem Essen wurde der Kaffee. rm Salon serviert, i verstimmt mich!, und hat mich auch heute so Der alte Vetterlein verabschiedete sich )edoch, er habe noch I sKweiqsmn gemacht . . . ich weiß nicht, ob Sie mich vereine Verabredung für den Abend, ent,chnldigte er sich E w" „Jetzt geht er zu seinem Stamintisch im schwarzen | Adler", sagte die Majorin lachend, als sich der Alte entfernt hatte. „Ich glaube, selbst wenn die Erde erbebte und die Häuser zusammenstürzten, er ginge um 9 Uhr zum „Ich, glanlH Sie zu verstehen", entgegnete er ernst, „Aber ich glaube auch, Sie thun sich selbst und unserer Gesellschaft unrecht." » . „ - ... , Sie lachte leicht auf. . schwarzen Adler." „ , ,, „ . , . m.,, I -Das sagen Sie als höflicher Mann, meinen es aber „Alte Leute haben ihre Gewohnheiten , meinte der Ritt- I wirklich Bitte, lassen Sie mich sprechen — ich weiß, meister lächelnd. „ I haß ich mir da draußen in der großen Welt, wo sich Irma nahm an deut prächtigen Bechsteinflugel Platz 1 um Namen, Herkunft und Stand kümmert, manches und sang einige Lieder moderner Komponisten. Sie satig 1 ^^^wöhnt habe, was hier in der Gesellschaft nicht als schicklich sehr korrekt und mit gut geschulter Stimme, aber ihrem I S L eJjen mit anderen Augen, wie Ihre Damen Vortrag fehlte die Seele, man suhlte sich Nicht ergriffen, I 9_ •{c{j'5fa£)’e einen tieferen Blick in das Leben gethan — wenn man auch ihre Gesangskunst bewundern mußte. | J'u„re£e§ ruhelosen Nomadenlebens der letzten Jahre. Und dann saß man in dem lauschigen Wintergarten I Unt> M)ne ich mich nach Ruhe — nach einem festen, auf niedrigen behaglichen Fauteuils unter breitblatterigen (,efi(fierteu Wirkungskreis . . . können Sie das verstehen, Palmenwedeln. Der Springbrunnen plätscherte leise und - » - - ■ 03 fp”1p melodisch, angenehme Kühlung und Frische verbreitend; hundert Wohlgerüche der seltensten Blumen erfüllten die Luft, und legten sich schmeichelnd, gleichsam auf die m glückliche Träume versunkene Seele. Das elektrische Licht in bunten, blumeuförmigen Gläsern warf bte wunderbarsten, farbenreichsten Reflexe auf die Blätter der Palmen, und ließ die Rosen, Kamelien und Chrysanthemen tote duftende Sterne in dem Dunkel des Laubes erglühen. Man saß und plauderte — alles war so tadellos, so vornehm, - bis aus die Zigarette, welche die Damen zwischen den Lippen hielten, und die etwas laute, hastige Sprechweise der Majorin, die mit dem Rittmeister einen Kognak nach dem andern trank. c, Ter Kognak war vorzüglich, ebenso bte Zigaretten, aber sie störten Eitel Fritz doch- sie paßten nicht ganz m den Rahmen dieses vornehmen Bildes. Der Rittmeister schien den leichten Unmut zu bemerken, welcher die Stirne des jungen Offiziers zu umwolken drohte; er erhob sich! und wußte die Majorm unter irgend einem Vorwande zu bewegen, in den Salon zuruckzukehren. Tie beiden jungen Leute blieben - allein zurück. Irma rurückaelelmt in einem kleinen Eckdivan tm Halbdunkel | Dame!" , ... . „ « ab des Schattens eines großen Palmenarrangements. Eitel! Sie lächelte. Tann brachste ^ine ^m^elwt Ae ab Atz konnte ihr Gesicht nicht erkennen. Nur bei dem Auf- und betrachtete sie nachdenklich. Tie tont S leuchten ihrer Zigarette glitt ein rötlicher Schimmer über ! augenblicklichen Eingebung folgend, reichte si .) ihr Antlitz und ließ ihre dunklen Augen einen fluchtigen | Rose. {{e oT§, Uudenken an diese Stunde", ”° ew Äil-'hfrrW- Schw-ige». Eitel gr® sonst-in I ftgie" sie. mich ihm, als dürfe er mit ihr nicht von den gewöhnlichen | „Ich werde diese Stunde und Sie, ^rma, Ni . .« Dingen eines gesellschaftlichen Gesprächs reden. I vergessen . -.ft früBem Lächeln Plötzlich sagte Irma: „Sie sind sehr schweigsam, Herr »Wer weiß - .ft entgegnete sie Mit trupem W von Petershagen - ich glaube den Grund Ihres Schweigens i und wandte sich ■ Majorin kämen zurück,^. W zu erraten . - bitte, entschuldigen Sie sich Nicht! Ich weiß • Aer Ritimeiitir uno ■- 555 — war Zeit, daß die Herren aufbrachen, die Majorin schien müde, sie gähnte verstohlen dann empfahlen sich' die In der kühlen Nachtluft atmete Eitel Fritz tief auf. EK war ihm, als sei er einer dumpfen, schweren, schwülen Treibhausluft entronnen, die lähmend auf seine Sinne, seine Seele wirkte. Und doch rollte sein Blut heiß durch seine Adern und hämmerte in den Schläfen. Wie eine schöne, dämonische Zauberin erschien ihm Irma — ein Märchen aus dem Orient, wie sie da vor ihm gestanden unter den breitblätterigen Palmen und den rotglühenden Blumen, umspielt vom Schein der buntfarbigen elektrischen Gläser. Schweigend schritten sie nebeneinander hin. Zuweilen warf der Rittmeister einen forschenden Seitenblick aus seinen jungen Freund und lächelte befriedigt. „Wohin gehen wir?" fragte er nach, einer Weile. „Ich weiß es nicht — ich möchte noch nicht nach! Haus." „Sollen Sie auch gar nicht. Es ist ja noch nicht Mitternacht. Wie wär's mit dem Sportklub? Wir treffen dort heute abend große Gesellschaft." „Meinetwegen." Der Rittmeister rief eine Droschke heran, und bald befanden sie sich im Zentrum, in der noch das nächtliche Leben der Weltstadt auf- und abwogte. Im Sportklub wurde Eitel Fritz, der Sieger im großen Handicap, mit Jubel empfangen, und bald sah er sich in einem Kreise von Kameraden und Sportleuten, die sich bereits in sehr animierter Stimmung befanden. Im Nebenzimmer wurde gespielt, einer der Herren nach dem anderen verschwand in dem Spielzimmer, und bald saß auch Eitel Fritz an dem grünen Tisch. Er wollte nur der Form wegen einige kleine Sätze machen, aber — war es der Wein, war es die erregte Stimmung, in der er sich befand, mit der Zeit ließ er sich zu immer höheren Sätzen verleiten, und der Dämon des Spiels und des Weines siegten über seine guten Vorsätze. Erst am hellen Morgen kehrte er in seine Wohnung zurück und warf sich auf das Bett, wo ihn sofort ein Bleierner Schlaf umfing. Glücklicherweise hatte er an diesem Tage keinen Morgendienst, sodaß ihn sein Diener ruhig schlafen lassen konnte. (Fortsetzung folgt.) Das Verräterische Photogramm. Novellette von Karl Rode. (Nachdruck verboten.) „Liebes Hänschen;; Frau von Wendelstein ließ den martialischen Schnurrbart ihres stattlichen, siebenundzwanzigjährigen Jungen, des Ober-Leutnant der Garde- Ulanen, Hans von Wendelstein kosend durch ihre Finger gleiten, „willst Tu Deiner Mutter noch immer keine Tochter zuführen? Es giebt doch so viele liebe und nette Mädchen, die mein Hans glücklich machen könnte." „Hahahaha . . .!" Hans lachte aus, und schaute seiner Mutter mit jenem entzückenden Uebermute in die Augen, der der Stolz aller Mütter herangewachsener Söhne ist. „Hahaha, mein Herzensmütterchen, eine ganze Menge Damen hast Du gleich'für Deinen Sohn im Sinne?! Hahaha!!" „Lache nicht, mein alter Hans. . .!" aus den Augen der Edelfrau 'leuchtete das stolzeste Mutterglück heraus. „Tu weißt, wie ich es meine, und wie gern ich noch erleben möchte, daß . . . „Der Herr Oberleutnant von Wendelstein unter den Pantoffel kommt!" fiel Hans feiner Mutter lustig in das Wort, „damit wird mein Herzmütterchen aber kein Glück haben. Habe Dich! ja, Gott fei Dank, Du treuestes Mutterherz . . .", Hans stand auf, schloß die Mutter in seine Ärnte, „da ist das Heiraten noch lange nicht nötig . . damit griff er zu Mütze und Reitgerte, um sich zum Dienst zu hegeben. „Und ich erlebe doch noch, daß ein liebes und schönes Weib meinen wilden Jungen in Rosenfesseln legt . . . !"i drohte Frau von Wendelstein hinter ihm her, während Hans sporrenklirrend davonschritt. Hätte dem Herrn Oberleutnant irgend ein anderer MrM Terartiges gesagt, dann würde er in bekannter Melodie: „Tu bist verrückt, mein Kind", gepfiffen haben' bei seiner über alles verehrten Mutter kam ihm ein derartiger Gedanke natürlich, nicht in den Sinn. Aber lächerlich fand er die Drohung doch Ihm Rosenfesseln anlegen! Wem sollte das wohl gelingen?! Er liebte, natürlich! Alle Welt liebt ja, warum er mcht? Aber von allen weiblichen Wesen war es einzig seine Mutter, welche er mit dieser Regung seiner Seele beglückte, uitb — eine Schwester hatte er nicht, — seine Großtante Ulrike, die ihm jeden Monat einen Hundertmarkschein sandte. .Seine sonstigen zärtlichen Empfindungen beschränkten sich auf seine beiden Gäule, Meß und Nero, zu denen in letzter Zeit als besonderer Günstling eine junge, deutsche Dogge, Karo genannt, gekommen war. Sollten ihn diese drei Individuen in Rosenfesseln legen wollen? „Pah!" Ter Dienst tvar kaum beendet, da vertauschte Hans sein Chargenpferd gegen den „Nero", ließ dem Karo einen Maulkorb umlegen, und trabte nach dem Tiergarten hinaus. Hier ging es in den schattigen Reitwegen bald schneidig hin, Trab und Schritt, Galopp und Sprung, wie die Laune es eingab; und Karo mit lustigem Gebell hinterdrein. Nero war ein herrliches Tier, schwarz und feurig, und mit so tadellosen Gängen; er hätte dem Leutnant nicht besser unter dem Sattel wachsen können. Dabei war er erst dritthalbjährig, und seit einem halben Jahre i» Hansens Training. Es war eine Lust, ihn zu reiten." Plötzlich--„Hoppla! — Nerochen, was fällt Dir denn ein?!" Als der Herr Leutnant eben aus der Hofjäger-Allee in die Hauptstraße einbog, richtete ein Garten- arbeiter seinen Wasserschlauch auf die Reitbahn hin, und traf den Nero mit der vollen Kraft des Wasserstrahles gegen die Beine. „Donnerwetter, Kerlchen. . ", das war dein Nero noch nicht passiert und dem Herrn Leutnant ebenso wenig, . . . „bist Tn denn nicht recht gescheit, das ist ja blos kaltes Wasser . . .!" Der Gaul sprang hoch auf, hoppste ein paar Sekunden lang wie eine Prima Ballerina auf den Hinterbeinen herum, und. . . „das ist ja zum Radschlagen, Pferdchen!" — zwang den Herrn von Wendelstein allerschleunigst abzusitzen, da er andernfalls abgeworfen worden wäre. Damit war Nero aber noch nicht beruhigt. Er sprang mit einem großartigen Satze zur Seite und auf den Fußgängersteig, und ehe der Herr Leutnant es zu Verbindern vermochte, hatte er hier eine junge Dame derartig in den Zügeln gefangen, daß an ein Entrinnen nicht zu denken war. „Gott nein . . .!" „Tausendmal Verzeihung, mein gnädiges Fräulein!" die Situation war heillos. Dort der stampfende Nero, dicht unter seinen dampfenden Nüstern, von den Zügeln fest umwickelt, die junge Dame, und neben dieser Herr Hans von Wendelstein mit der Aufgabe das Pferd zu beruhigen, die Dame zu beschützen, bei alledem aber auch den Nero festzuhalten. „Ich bin untröstlich, mein gnädiges Fräulein. . .!" Tas kleine, elegante Hütchen des jungen Mädchens fiel unter Neros unruhigen Stößen auf die Erde, „O Gott, welches Mißgeschick. . -!" Hans sah ein ungemein liebliches Gesichtchen vor seinen Augen glühen, und eine außerordentlich sympathische Stimme tönte in sein Ohr. Aber Gesichtsausdruck und Stimme waren frei von Ziererei: es lag eine, deut jungen Offizier wohlthuende vornehme Anmut darin, die sich zurecht zu finden wußte. Er bückte sich nach den: Hute, und hob ihn auf. Das war die höchste Zeit, sonst hätte Karo sich damit befreundet, dem der Auftritt augenscheinlich Spaß machte. „Zurück, Karo. . .!" „Meine armen Haare!" Mit komisch-kläglichem Stimmenfall legte die junge Dame ihre perlgraue behandschuhte Rechte auf ihr üppiges Blondhaar, das allerdings in Gefahr war, von Neros Schnauze übel zugerichtet zu werden. „Bitte unterthänigst um Vergebung, mein gnädigstes Fräulein, der Gaul ist sonst so fromm. Nur eine Sekunde Ruhe noch, dann. . ." In der That sprang das Tier jetzt lustig bald auf Hans, bald auf Nero, bald auf die Dame zu, und verschlimmerte die Lage. Natürlich hatte sich auch eine Menge Menschen äw bob gefunden, welche in respektvoller Entfernung Wft Neros' Aampfenden Hufen, die Gruppe umstehend, jene liebenswürdig-spöttischen Glossen laut werden ließ!, welche sich bei solchen Anlässen, — „Berhedderung" nannte es ein Urberliner lachend, — schwer zurückhalten lassen, und in welche man gern mit einstimmen würde, wenn man nicht selber gerade in der Falle säße. Endlich gelang es dem Herrn Leutnant, die Zügel um die Dame derart zu lockern, daß sie aus der Schlinge schlüpfen konnte. „Gott sei Tank . : .! Unart, geh doch! fort. - .!" „Zurück Karo!" Hans riß den Hund bei seinem Maulkorbe heftig zurück. „Aber so können Sie unmöglich nach Haus gehen, gnädigstes Fräulein . . .!" „Gott ja, ich sehe auch übel ausTas klang wieder weit mehr wie vornehmes Verständnis für die Komik der Lage, als wie wirkliche Klage. Hans hätte der jungen Dame die Hände küssen mögen. „Es wird hoffentlich ein Wagen in der Nähe sein .- . •, gestatten gnädigst..." Der Herr Leutnant wollte sich nach der Fahrstraße wenden, wo, wie immer, alle möglichen Gefährte her und hin rollten. Da richteten sich zum ersten Male die Blicke der schönen Unbekannten, welche bis dahin unter den schnaubenden Nüstern Neros, wie unter den täppischen Angriffen. Karos zur Erde gerichtet gewesen waren, nach seinem Antlitz empor, „Huha . Als! job ein jäher Schreck ihre Herzthätigkeit plötzlich lähme, so erblaßte ihr Gesichtchen bei Hansens Anblick. Tann rief dieselbe Stimme, die noch, kurz vorher mit ihrem melodischen Weichklange den Herrn von Wendelstein ungemein sympathisch berührt hatte, kurz.: „Nein, nein, ich danke, Sie haben ja mit Ihrem Pferde zu thun. Ich benutze die Straßenbahn. . /' Und dann eilte das junge Mädchen nach der anderen Seite der Straße, bestieg eine gerade vorbeikommende „Elektrische"- uitb ließ dem Herrn Leutnant das Nachsehen. , < Der hatte große Lust feinem Karo das Fell dnrch- zugerben/ Als er sich jetzt aber nach dem Hunde umwandte, sah er denselben mit einem Damenledertäschchen sm Maule hinter, sich stehen. -,Narm?" Was denn das, Hündchen?" > Darauf wußte das Tier allerdings keine Antivort. Uber das Täschchen selbst vielleicht. Es war ja kein Zweifel, die schöne Unbekannte hatte es verloren, wenn nicht gar der Hund es ihr entrissen hatte. r Hans nahm dem Karo die Tasche ab'. Tann bestieg W den Nero wieder und trabte nach Haus. fe Daheim war sein erstes, das Täschchen zu untersuchen. Mi -,Es ist zwar indiskret, lieber Wendelstein, aber Tu mußt doch sehen, ob! Tu auf diese Weise die Eigentümerin ermitteln kannst." Es war ein Täschchen von schwarzem Leder mit in Feuer vergoldetem Bügel, und enthielt eilte kleine Häkelarbeit, einen Brief, dessen Umschlag die Adresse: Fräulein Lotte von Nettlingen, Kursürstenstraße Nr. . . trug, und endlich!. . . den braven Hans kribbelte es plötzlich bis rn die Haarspitzen hinein, = sein eigenes Wötogramm in Ka- " lbinettformat. . v > , “ . „Daß Tu die Motten kriegst!" a . ■ Wer es war keine Täuschung. Er mochte sich! auf die Lippe beißen, oder beim Ohr zupfen, es, blieb sein Bild dieselbe Ausnahme, welche er erst wenige Wochen vorher auf Tante Ulrikes Wunsch hatte unfertigen lassen, und von der er .■? „will doch mal nachsehen, mußte ja mit dem Teufel zugehen'." Hans begab sich an seinen Schreibtisch und öffnete die Schublade desselben, . erft ein einziges Exemplar, und' zwar an Tante Ulrike fort- gegeben hatte. Von dem angefertigten Dutzend lagen noch elf in dem Karton, das zwölfte hatte Tante Ulrike bekommen. Wie gelaugte dieses Bild nun rn das ArbeM- täschchen von Fräulein Lotte von Nettlmgen? Am folgenden Morgen war Frau von Wendelstein rein „baff" über das veränderte Wesen ihres Sohnes, ' „Was hast Tu denn, mein alter Junge?" Das möchtest Tu wissen, mein liebes Mutterle, gelt?" Hans nahm den Kopf seiner Mutter zärtlich zwischen ferne schlanken, weichen Hände, und küßte ihr Stirn und Wangen, Dann eilte er mit einem lustigen Triller davon. FraU Von Wendelstein schaute ihm mit glücklichem Lächeln nach. „Wenn mich- nicht alles täuscht, dann ist mein Hänschen bis über die Ohren verliebt." Es war auch so. Das Damentäschchen mit dem Photo- gramm darin hatte seine Wirkung gethan. Mehr allerdings noch die Erinnerung an die tragikomische Begegnung im Tiergarten, an das vornehm-liebliche Wesen des reizenden Mädchens, und ihr feines Verständnis, für die Komik der gegebenen Situation. Gegen elf Uhr ließ Hans seinen Wagen bespannen, und fuhr nach der Kurfürstenstraße. Er fand die Gesuchte, nur schöner noch, bescheidener- anmutiger und liebenswerter in ihrer schlichten Häuslichkeit, als auf dem Spaziergange im Tiergarten. Sie war die Tochter einer „Majorswitwe" in beschränkten Verhältnissen. Aber trotzdem fand Hans nicht den Mut, von dem Photogramme zu reden. Es lag ein so heiliger Zauber keuschester Jungfräulichkeit über dem schönen Mädchen, daß er lediglich- das Täschchen abgab, nochmals um Verzeihung bat, und sich .nach! einigen verbindlichen Worten wieder empfahl. Aber noch am selbigen Nachmittage kniete er vor seiner Mutter nieder: „Meine beste Mutter, willst Tu Deinem Hans eine recht, recht große Bitte erfüllen?" „Mein alter Junge, mußt Tu darum noch fragen?" Und nun beichtete Hans. Blos von dem PhotogramM sagte er nichts'. „Ich werde den Damen Morgen Meinen Besuch! machen", lächelte Frau von Wendelstein, „und meinem Hans dann berichten, ob seine Wahl eine gute ist." Wenige Tage später fuhr Hans selber schon wieder nach, der Kurfürstenstraße, diesesmal aber um sein liebreizendes Bräutchen, Lotte von Nettlingen, nebst ihre« Mutter feiner eigenen Mutter zuzusühren. Jetzt endlich fand er Wut nach seinem PhotogramM zu fragen. „ „Mein einziger Hans . .- ", Lottchen barg rhr ttt tiefstem Purpur erglühendes Köpfchen an seiner Brust, „ich habe für den Photographen gearbeitet, Bilder in Oel übermalt, um die Mutter ein wenig zu unterstützen, und da habe ich auch Tein Bild dort gesehen. Es gefiel nur so ungemein, daß ich! es mir v!om Photographen ausbat und. . ." „So . ;.!" Hans jubelte laut und glücklich! auf, indem er seinem Bräutchen ein paar Thränen von den Augen küßte. „Na, wenn Dir das Bild schon so sehr gefallen hat, dann wird das Original ja doch wohl auch nach Deinem Geschmack sein." ' ... Preisriitse L*) Anagramm. Nachdruck verboten. Es sind 11 Wörter zu suchen von der unter a angegcbkL-n Bedeut, itttit. Von jedem dieser Wörter ist durch Umstellung der Buchstaben cm anderes Hauptwort zu bilden von der Bedeutung unter b. Die Anfangsbuchstaben der Wörter unter b ergeben im Zusammenhang den Namen eines bekannten deutschen Dichters. a. b. 1. Gedankenausdruck 2. Teil der Felder 3. Land in Afrika 4. Nahrungsmittel 5. Geographische Bezeichnung 6. Amtskieio 7. Himmelsrichtung 8. Gebäck. 9. Griechischer Gott 10. Gebirge 11. Hautgebilde — Planet. — Land in Asien. — Zustand — Teil der Rsistnng. — Vorname — Amtsperson. — Pflanzenteil. — Kriechtier. — Blume. — Werkzeug. — Wassertier. *) Lösungen sind mit Aufschrift: „Pbeisrälsel'Nökuug" versehen innerhalb acht Tagen an die Redaktion der „Gleßmek FamtriendlStler" einzusenden. Auflösung, des Magischen Quadrats m vor. Nr«: HUND UFER N E W A DRAU Redaktion: E. Burkhardt. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch Erben) in Gießen.