Samstag den 28. September. 1901. — M. 138. 6» MW I t W^W N Em. (Sc liffe nur das Glück zu fassen, Wenn cs lächelnd sich dir beut; In der Brust und auf den Gassen Such' cs morgen, such' es hcut! Wohl dreißig Offiziere ritten in dem. großen Steeple- clrase mit, und es war ein prächtiger Anblrck, drese bunte Menge der straffen, jugendlichen Gestalten auf den edlen Pferden über den grünen Rasen dahrngaloppreren ou Iber das Gut seines Vaters...?" M ein brillantes Gut mrt altem herrschaftlichen 's, - 's fehlt nur au Betriebskapital." ,Also würden Sie raten. . .?" t , .Es einmal mit meinem jungen Freund zu versuchen. ibel. MM W in b ®S' Bravo!" erscholl es von allen Seiten, und „Hurra, Petershagen!" schrre dre Menge, dre den beliebten Reiter Micher erkannt hatte. (Nachdruck verboten.) Der Erbe von Petershagen. Roman von O. Elster. (Fortsetzung.) Rennen. Sie hatte wohl bemerkt, daß Leutnant von Petershagen eigentlich nur um ihretwillen der Aufforderung Herrn von Brandons gefolgt war, und rhr Interesse nic dem stattlichen jungen Offizier mit dem müden, elegisch en Ausdruck in dem echt soldatischen Gesicht war lebhaft erwacht. Trotz ihrer Jugend kannte sre schon dre Welt und bewegte sich in der Gesellschaft mrt eurer stolzen Stachlässigkeit und Sicherheit, die eigentlrch rn ernem gewissen Gegensatz zu ihren achtzehn Jahren stand. Aber dre weiten Reisen der letzten Jahre, der standrge Aufenthalt in den Weltbädern der Riviera, rn Nrzza, Monte Carlo« 8 111^0^. am-fe. Kiüerhallumsblal! M Mehner Aipeiger W^u Sonne strahlte hell leuchtend vom wolkenlosen Lümmel die Musik spielte die alten Sregesmarsche der ruhmgekrönten Armee, die Menge jubelte und klatschte verfall — und in Eitel Fritzs Herzen quoll e» stolz nupor er fühlte die Kraft und das Wallerr zunr Srege rn fernen Gewaltsam aber zwang er sich zur Ruhe; denn als prtnfirener Reiter wußte er, daß eru unbewachter Augenblick, ein Moment der Unruhe, der Unausmerksaurtert rhm den'Sieg aus deu Händen reißen konnte. LT'L & I fSÄV* 3”“n **im8ee Ä M iS m sm »n Ä Sie .» erster lande... Peters,egen gewrt r« in W belchmnMn, der Ehrenpreis natürlich Ihnen sagte en „^ch will mrch, I "^§ ^™9 £)at .-1)gar seinen kleinen Rennstall auf- mit dem Ruhur meines Pserdes begnügen." I arme ^unge gar |uBu । Als Eitel Fritz im Sattel saß, und der Rappe sich unter I gelost. ihm bäumte, da erwachse sein alter Rertergerst wreder, und neuer Mut, ueue hofsuung beseelte rhn Wre em SS x'S SÄ AK S M . w» » WMZMLM w " - beC W ne» dem «yM --- W, M VLÄKMNVMN Rittmeister Meyering mrt der Maforrn und Jrmw Grüßend | U l , eioy i J begonnen, ein heftrger, verneigte er sich im Sattel Meyerrng hob seinengrauen belnd begrutzU ^er »n nwgte, in beut das Cylinder kerzengerade zunr Gegengruß rn dre Hohe, daß I aus 9 bald für diesen, bald für jenen Reiter leiden- die Sonne blendend auf einen kahlen Schädel frei. Er I JBubltttmt » ; m-iff mtb in lärmenden, tobenden Beirief Eitel Fritz ein ermunterndes Wort zu, aber der funge I gastlich P g TT @ besonders gelungen war. Offizier erwiderte nichts, er fah nichts werter aü, dre fall auch, Irma das dunklen Augen Irmas und die üppig schwellenden, purpur-, Mrt stergenoer JiiiTregung^^^ ^ Qpittnnnf n3u feuchten Lippen, um die eiu leises, stolzes Lach,clu schwebte. Tie Majorin schchenkte ihr feines Spitzeutaschentuch, der Sengst scheute und stieg kerzengerade empor — eru Schreckensruf ertönte — einen Augenblick schren e», als ob sich das Pferd überschlagen wollte,,, doch dre Genmndthert und Kraft des Reiters zwang es wieder nreder - mrt einer gewaltigen, prachtvollen Lanoade fetzte der Hengst 560 erster durch das Ziel. Ein tausendstimmiges Hurra erschütterte die Luft, und ein stolzes Siegesbewußtsein schwellte die Brust des jungen Offiziers. Noch niemals bei seinen früheren Siegen hatte laden", sagte er. Ein rascher Blick ihrer dunklen Augen traf ihn. „Sie werden doch! mitkommen? Die Einladung ist ja etwas formlos — abstr Mama ist nun einmal so — sie meint Man begab sich zu dem Restaurationspavillon. Die Majorin ging mit dem Rittmeister und 'Herrn von Brandau voraus. Eitel Fritz und Irma folgten. „Ihre Frau Mama ist sehr freundlich, mich emzu- einzuladen ..." ,. r Ueberrascht blickte Eitel Fritz auf. Er hatte von dieser Einladung nichts gehört. „Ta muß ich allerdings zurücktreten", sagte Herr von Brandau höfliche „Aber ein Glas Sekt müssen Sie mit mir trinken, Petershagen." es. gut." „Ich! zweifle nicht daran — nur Werst ich nrcht, ob ich der Einladung folgen darf, die doch, wohl eigentlich nur dem Rittmeister galt." Irma lachte leicht auf. „Glauben Sie? — Nun, auf die Gefahr hin können Sre „Ich weiß nicht, Brandau, ob ich annehmen soll. . ." entgegnete Eitel Fritz zögernd. , . . „diein, Sie nehmen nicht au", sagte da plötzlich! dre Majorin. „Sie werden uns doch heute nicht verlassen? Ich' habe bestimnit darauf gerechnet, daß Sie mit uns speisen. Nicht wahr, Herr Rittmeister?" „Freilich — gnädige Frau waren so liebenswürdig, uns dann wieder in Paris ober Rom, hatten sie zu einer voll- I er dieses stolze Bewußtsein seiner Kraft empfunden. Tie endeten Weltdame gemacht, die sich der Macht ihrer Schön- I Reaktion seiner trüben Stimmung der letzten Wochen machte heit wohl bewußt lvar. sich jetzt geltend, und ließ ihm ferne Thal m entern höheren Sie war fast noch eilt Kind gewesen, als ihr Vater I Lichte erscheinen. starb — plötzlich und aus geheimnisvolle Weise. Nach I Er atmete tief auf, wie von einem schweren Albdruck dem Tode ihres Vaters war ihre Mutter mit ihr sofort j befreit Die Aufregung des Sieges, die Anspannung aller nach dem Süden gereist — weshalb, sie wußte es nicht, seiner Nerven während des Kampfes hatte ihm die Fver- aber sie ahnte, daß diese jahrelange Abwesenheit von I heit des Empfindens wiedergegeben — die Vergangenheit Berlin mit dem Tode des Vaters zusammenhing, und daß I lag hinter ihm, und energisch, straff richtete er sich im eilt dunkles Geheimnis dieses plötzliche Sterben des Vaters I Sattel empor, als er nach Beruhigung seines Pferdes zum umhüllte. Sie war in einer Schweizer Pension gewesen, als 1 Sattelplatz zurückritt. sie die Nachricht von dem plötzlichen Tode des Vaters I Nicht einmal an den gestürzten Kameraden dachte er; empfing; als sie nach Berlin gekommen, lag ihr Vater I er ra() ihn ohne Mitleid durch einige Reitknechte sort- schou int geschlossenen Sarge; an demselben ^.age ward I tragen, eine eigentümliche Kalte hatte sich seines Herzens er beerdigt, klang- und sanglos, lute es ihr schien — und I bemächtigt — die Kälte des Egoismus. am nächstfolgenden Tage schon reiste sie mit der Mutter I „Gratuliere, Petershagen! — Donnerwetter, das nenne nach dem Süden. " I ich geritten! Sie müssen wieder öfter in den Sattel Darüber waren vier Jahre vergangen. Die näheren I »eigen! — Der Rappe ist ein Prachttier — und kaum ein Umstände des Todes ihres Vaters hatte sie nie erfahren. I Haar! — Das wird der Favorit für das Hamburger Sie kümmerte sich auch nicht viel darum; sie sah während I Geröll! . . ." ihrer Kindheit den Vater nur selten, der viel außerhalb 1 g0 tönte es Eitel Fritz entgegen, und hundert Hände des Hauses lebte. Eiu näheres Band verknüpfte sie nicht. I »reckten sich aus, um ihm die Hand zu schütteln. Weshalb auch über die Vergangenheit nachgrübeln? Sie I Leutnant von Brandau umarmte ihn. lebte ganz der Gegenwart und sand in den Vergnügungen I Petershagen, wenn idti Ihnen das je vergesse . . . das der großen Welt ihre Befriedigung, ^hr Ehrgeiz war, zu I " + JL ^rtia gebracht;. . ." glänzen, eine Rolle in der Gesellschaft zu spielen, sich I 9 n J < b ^itel Nrik vor dem Prinzen des bewundert zu sehen und der Männerwelt die Äcachf ihrer I föniglic£)en H^ses, der ihm beglückwünschend die Hand schien ihr ein p-ssendes “"b' *> i,c” einen silbernen Ml Objekt ihrer Koketterie. Sein freiherrlicher Name, . seine I ltDeim,t,T%..iü itt °inem Traum — war MLWM.WW8KMV «ä>"* •* xfyx AU cttocctcti. I ^iq, VqIi pr bett giittiticiffct, bic 9)lciioiiu unb1 bctctt Der Kampf auf der Rennbahn nahte sich fernem I wflommen, und plötzlich ward es ihm NL W S -«T £ S3 des &”’«n 35* « *' ”» "*■ In atemloser Spannung und regungslosem Schweigen I , Die Majorin erschöpfte sich in Komplimenten. Der beobachtete die Menge die letzte Phase des Kampfes. Dicht I Rittmeister lächelte sehr befriedigt und meinte. „Na, Mer, vor dem Richterpsosten war noch ein schweres Hindernis, I Hagen, war dav nicht em glücklicher Gedanke von mir, eine 9J£ciuci mit einem WuiieTtl^aben betritt ter, AU übci> I Sic ttiit h e^uu§ AUN e ym en. c Minden Nur noch einigermaßen frische Pferde, die sich I Irma aber streckte ihm ihre schmale, von dem Hand- noch einen Teil ihrer Spannkraft aufbewahrt hatten, waren I schuh befreite Rechte entgegen, er fühlte ihren im stände, dieses Hindernis glatt zu nehmen. I weichen Truck, und er sah verwirrt m die duntlen Augen, die Das wußten auchs die Reiter, unb sie verhielten ihre I mit schmeichelnder Bewunderung zu ihm aufblickten. Pferde etwas, um sie nicht schon vor dem Hiuderiiis zu er- I Weit, weit hinter ihm lag die Heimat, lagen das im schöpfen. Namentlich Eitel Fritz hatte seinen Rappen zurück-I Sonnenglanz und im leichten Winde wogende, goldene gehalten, sodaß er der letzte der drei Reiter war, welche I Aehrenmeer, das ihn einst mit dem Zauber eines stüleii, sich als die erstell dem Hindernis näherten. Er sühlte, daß I innigen Glücks umsponnen hatte. der Rappe noch Kraft genug besaß; denn das feurige Tier I „Den Sieg müssen wir mit einer Flasche Monopol drängte mächtig vorwärts. Aber nichtsdestoweniger hielt I feiern!" rief der Rittmeister. „Herr von Brandau, sind er das Pferd zurück. I Sie mit von der Partie?" Jetzt galt es — in gewaltigem Sprung flog das erste I „Versteht sich; — unbi heute abend sind Sie mein Gas, mferb ein Schweizer Dunkelfuchs, über das Hindernis, aber I Petershagen." „ „ — hatte ihn der Reiter etwas zn kurz gehalten ober hatte ■ 111046 r,4rfl,+ infil ir£l1 annebmen soll . . . das Pserb selbst den Sprung zu kurz bemefsen — es sprang zu kurz, rutschte auf dem schlüpfrigen Abhang aus, stürzte und schleuderte seinen Reiter —einen jungen Gardehusaren — in weitem Bogen kopfüber auf den grünen Rasen, wo der Unglückliche reguiigslos liegen blieb. Fast gleichzeitig mit dem zweiten Reiter nahm Eitel Fritz die Mauer und den Graben. Beide Reiter landeten glücklich, und weiter ging jetzt die wilde Jagd in fesselloser Paee. Eitel Fritz hatte an dem Sprung des Rappen gefühlt, daß dieser noch seine ungeschwächte Kraft besaß, nun galt es, diese bis zum letzten Hauch auszunutzen; denn das Ziel war nur noch! hundert Meter entfernt und sein Konkurrent auf einer edlen englischen Fuchsstute war ihm noch immer eine Halslänge voraus. Zum erstenmal gebrauchte Eitel Fritz die Peitsche — der Hengst schoß vorwärts — Kopf an Kopf jagten die beiden Reiter dahin — noch fünfzig — noch dreißig Meter — mit einer gewaltigen Anstrengung schob Eitel Fritz gleichsam den Rappen vorwärts — jetzt sah er die Nasenspitze des Pferdes seines Rivalen neben sich — jetzt verschwand sie hinter ihm — der Rappe legte sich; fast im Sprunge auf den Rasen, und mit einer halben Pferdelänge schoß Eitel Fritz als 551— die Einladung ruhig annehmen. Der Rittmeister ist bei uns fast täglicher Gast." „Ah, ich! wußte das nicht- — Wo wohnt Ihre Frau Mama?" Wir wohnen vorläufig ttodx in der Villa meines Großvaters in Schöneberg." „Ihr Herr Großvater lebt noch?" „Ja. . . doch nicht wahr, Herr von Petershagen, Sie kommen mit?" „Wer könnte einer Einladung aus Ihrem Munde widerstehen?" Sie lächelte, und wieder traf ihn der rasche, auf- flammende Blick ihrer Augen, der sein Blut in Wallung belferte. In dem Restaurationspavillon ging es lebhaft zu. Eine Anzahl Offiziere und Sportleute sammelten sich um den Sieger in dem großen Steeplechafe, alle wollten mit ihm anstoßen und trinken; viele ließen sich! der Majorin und Irma vorstellen. Die Majorin lachte und unterhielt sich in lebhafter Weise mit den Herren, die ein reges Interesse für die schöne, stattliche und amüsante Frau zeigten. Stolzer und zurückhaltender verhielt sich! Irma, die die Anreden der Herren nur kurz und kühl beantwortete. Endlich leerte sich der Pavillon. Ein neues Rennen hatte begonnen und führte die Gesellschaft auf den Sattelplatz und die Tribünen zurück. „Ich denke, wir fahren heim", sagte die Majorin. „Es ist das letzte Rennen, und wir kommen sonst in das Gewühl der Zurückkehrenden." Tier Rittmeister und Irma waren einverstanden, Eitel Fritz widersprach; ebenfalls nicht, und so begab man sich zu dem Wagen der Majorin, einem eleganten Landauer mit zwei stattlichen Braunen. Tie kleine Gesellschaft nahm Platz, die Damen im Fonds, die Herren auf dem Rücksitz, Eitel Fritz Irma gegenüber, und im raschen Trabe ging es der Stadt zu. Tie Majorin unterhielt sich lebhaft mit dem Rittmeister, Irma dagegen lehnte schweigend in der Ecke des Wagens, und auch Eitel Fritz vermochte keine lebhafte Konversation zu machten. Ihm war das Herz so voll, er konnte den Blick nicht von dem stolzen Antlitz des jungen Mädchens abwenden, und wenn sie ihn plötzlich unter den langen, dunklen Wimpern hervor ansah, da fühlte er das Blut heiß in die Wangen steigen. Er war wie gebannt durch! die blendende Schönheit dieses Mädchens, das scheinbar so kühl und gleichgiltig dafaß, in dessen Augen aber der Strahl einer tiefen Leidenschaft aufzublitzen schien. (Fortsetzung folgt.) Argentinische Post- und Eisenbahnkuriosa. Von Häns Haelg e. (Nachdruck verboten.) Von den mittel- und südamerikanischen Stsaaten hat die Argentinische Republik bislaug das ausgedehnteste Eisenbahnnetz aufzuweisen, und steht auch, was rollendes Material, Betriebs- und Verkehreiurichtungen usw. betrifft, unzweifelhaft an erster Stelle. Hauptsächlich rührt dies daher, daß fast sämtliche Linien sich in Händen englischer Gesell- schaften befinden und meist auch! von Engländern und mit englischem Kapital gebaut worden sind. Ein schüchterner Versuch, eine größere Linie in Staatsregie auszuführen und zu betreiben, machte kläglich, Fiasko, bei den vorzüg- lichen Anlagen der einheimischen Bevölkerung (aus der sich das ganze Beamtentum ausschließlich zusammensetzt) für administrative und finanzielle Thätigkeit war das vorauszusehen. ~ Die Personalfrage bildet auch für die Privatgesellschaften eine noch auf lauge Zeit hinaus nicht zu beseitigende Schwierigkeit, die uns Europäern nie erwachsen konnte: nicht etwa, daß! es an Leuten fehlte, die sich, für den Eisenbahndienst melden, im Gegenteil, Bewerber gießt es mehr denn genug, aber durchweg waschechte und gesinnungstüchtige Söhne des Landes. Im Punkte der Arbeit ist die spanisch-südamerikanische Bevölkerung außerordentlich genügsam und viel zu bescheiden, um Dinge, die ein anderer vielleicht auch erledigen könnte, etwa selbst in Angriff zu nehmen. Ganz besonders sagt den Leuten der Stationsdienst im Innern des Landes zu: auf den Strecken, die nicht gerade die wenigen größeren Provinzialhauptstädte verbinden, verkehren täglich selten mehr als zwei bis vier Züge, eine Zahl, die weiter im Innern oft nicht einmal wöchentlich erreicht wird, und da läßt es sich denn in der Zwischenzeit trefflich Siesta halten und Zigaretten rauchen, was neben Genevertrinken die einzigen, des Argentiniers würdigen Beschäftigungen sind. Lesen und Schreiben muß der Kandidat natürlich können — so steht's wenigstens in den Bestimmungen. Stillschweigend hat sich indes dabei der Brauch eingebürgert, einen etwaigen Mangel in diesen schweren Künsten durch genügende Beziehungen zum Polizeichef oder sonst einem großen Herrn der Verwaltung als behoben zu betrachten. So schlimm wie in Brasilien geht's in Argentinien in dieser Beziehung allerdings nicht zu. Wer würde es für möglich! halten, daß ein Postminister nicht schreiben und lesen kann? Solches Prachtexemplar gab es aber im vorigen Jahre — und wohl auch! heute noch — im brasilianischen Staate: Matto Grosso, dessen postalische Einrichtungen überhaupt von rührender Ursprünglichkeit waren bezw. sind. Wenn in der Hauptstadt Cuyaba die Post aulangte, so. gab der Dampfer — Cuyaba hat nur Dampfschiffverbindung durch den Rio Parana, San Lorenzo und Rio Cuyaba — mit der Pfeife ein bestimmtes Signal, und eine Stunde darauf wurden die angelangten Briefe einfach auf die Granitplatten der Bürgersteige vor dem Posthause zum gefälligen Aussuchen geschüttet. Wer Briefe erwartete, mußte dann hingehen — Briefträger sind dort nicht vorhanden, wohl aber Briefmarkensammler, die zerstreut genug waren, auch! an andere Leute adressierte Briefe mitzunehmen, wenn die Marken Interesse fanden. Die nach den übrigen Städten der Provinz bestimmten Briefe sollten durch einen Postreiter weiter befördert werden. Dieser Posten war jedoch tat Vorjahre vier Monate hindurch unbesetzt, nachdem der eine Inhaber ertrunken, sein Nachfolger ermordet, und dessen Ersatzmann mit der Postkafse durchgebrannt war. Wie schlechte Menschen behaupten, war dies seit Jahren das erste Mal, daß man erfahren hatte, wo die Einnahmen des Postamtes hingerateu waren! In Argentinien steht die Post, wie überall, unter der Verwaltung des Staates, befördert jedoch nur Briefe und Zeitungen, aber keine Pakete, deren Uebermittelung Sache der Bahn oder besonderer Paketbeförderungsiustitute ist. — Daß die Paketbestellung durch das Bahnpersonal zu großen Nachteilen führen muß, liegt wohl auf der Hand, zumal eine Kontrolle fast ganz ausgeschlossen ist. Das Porto muß vvrausgezahlt werden, kommt aber kaum in die Bahnkasse — Gepäckschaffner und Expedient teilen sich lieber darein, und der Empfänger braucht dann nicht noch über den Erhalt zu quittieren, d. h., wenn er seine Sendung überhaupt bekommt: nur ^zu häufig verschwinden Pakete unterwegs spurlos. Reklamationen sind zwecklos, gefunden wird doch! nichts, und Schadenersatz wird nicht gewährt. In der Praxis hat sich daher als sicherste Versendungsweise die direkte Einhändigung an das Zugpersonal ergeben, auf welches man sich bei einem kleinen Extraobolus außer dem tarifmäßigen Satze sicher verlassen kann. Sogar Wertbriefe darf man ihnen auf diese Weise zur Beförderung einhändigen, sobald man in Gegenwart eines Zeugen den Inhalt an Geldscheinen usw. dem Pseudo- Stephan vorzählt und einsiegelt. Die Sendung kommt daun ebenso sicher und unverletzt in die Hände des Adressaten, wie dies bei einer Uebermittelung durch die Post nicht geschehen würde. Schireiber dieses hatte selbst einmal das Vergnügen, den Postbeamten in einem Bahnpostwagen bei einer merkwürdigen Beschäftigung zu beobachten. Der gute Mann sortierte die Briefe, aber nicht etwa nach den Adressen — sondern nach, dem Inhalte, der sich vermuten ließ, toemi er die Briefe an das Fenster seines Postwaggons drückte und Sonnenbeobachtungen durch das Papier hindurch anzustellen versuchte. — Das weitere „sachgemäße" Behandeln der anssortierten Briefe dürfte unschwer zu erraten sein — besonders unter Hinweis darauf, daß die argentiuische Postverwaltung keinen Postauweisungsverkchr kennt. Man tarnt Geld eben nur in Banknoten, Wechseln, Checks usw. mittelst Briefen versenden. — Die in den Kolonien ansässigen Geschäftsleute geben übrigens gern Auskunft darüber, ob zur Zeit eine Geldsendung, die durch! die Post erfolgen 552 Magisches Quadrat. (Nachdruck verboten.) 1. Haustier. 2. An Gewässern. 3. Fluß in Rußland. 4. Nebenfluß der Donau. Quadrates sind die Buchstaben AA, DD, EE, derart einzutragen, daß die wagerechten Reihen In die 16 Felder des F, H, NN, RR, UUÜ, W - <, „■■■.■ - ~ , gleichlautend mit den senkrechten sind und Wörter von der belgefugten ; ,... in nnrfiftrr Nummer4 Post dafür? , .. ._ SBenn nun den Herren Postbeamten das Ertragnis der aussortierten gewöhnlichen Briefe auffällig gering zu werden beginnt, nehmen sie als kluge Leute an, daß! das Publikum wieder eine Vorliebe resp. mehr Vertrauen zum Einschreiben" gewonnen haben dürfte, und sortieren nun die „Certificados". Der Wechsel lohnt sich- so lange,, bis der Geschmack des Publikums umschlägt, und der argen- nPfi.r(llinOe ans andere Linien, z. B. - I - etwa 18000 Mark - wurde eine Untersuchüngs-Kom- bcfler certifieado" (eingeschrieben) oder als gewöhnlicher I Mission abgesandt, die dann nach lange-AEorschen su.. pc n»fr[,;Phf ^ei oinaeschriebenen Briefen verschwindet I endlich- Ltcht tn die Sache brachte, -^er Berichterflatter nämlicü der Inhalt ebecho leicht, wie gewöhnliche Briefe I erklärte nämlich in seinem und ferner Kollegen Namen ään lich und CÄ kann man wohl reklamieren, aber nicht mit größtem Ernste, der Zucker sei ru lener acht von kuM *=* S*lt W-PiM«. •**’ - w°s tarn di-1 "“VÄÄ ÄSS W betrachten.' Und - dabei blieb's. - Merkwürdig ivar es allerdings, daß die Ameisen nie wieder kamen; ob die Ursache darin lag, daß die Konstruktion der Wagendächer geändert wurde? Bis zu jener Zeit war es möglich, die Verschraubungen des Daches von außen zu losen, und dies so zu entfernen bezw.. wieder anzubringen, ohne der Geschmack oes Puonrums um]u.jiuyi, unu u» . daß sich etwas .na^|l”c.t^1t ^urA^tit^^ürfpaHen ein- wohl nur die Annahme übrig, daß sie das erste Mal auf andere Weise hineingelangt waren — ohne einzöllige Mutterschrauben zn lösen, war das aber ausgeschlossen. — In der That höchst seltsame Ameisen! Der Bahnhofsvorsteher kaufte sich ein paar Wochen später ein hübsches Weizengut - wie weit ihm dabei die Ameisen geholfen hatten, war offenes Geheimnis. Amerika, du Land der Träume, Amerika, so lang und breit Wie bergen deine Palmenhaine So manche große Seltsamkeit! — neuen Laune seiner geldversenden Mitbürger anzupassen. — So gehts im anmutigen Wechsel fort. Diese Zustände werden wohl erst verschwinden, wenn die Bevölkerung, und damit die Korrespondenz so zuge- nommen hat, daß den Beamten Zeit und Gelegenheit zu solch- kritischer Sonderung der Postsachen fehlt! Bis dahm dürfte aber noch! viel Wasser ins Meer laufen. In der „glänzenden Metropole" Argentiniens, ut Buenos Aires, auch- in den wenigen übrigen Großstädten, wie Rosario de Santa Fe u. a. kommen allerdings solche Spitzbübereien selten vor. Bor allem deshalb, weck es der Hauptstadt unwürdig wäre, sich mit solchen Lumpereien abzugeben, hie höchstens -ein paar hundert Pesos betragen, — hier macht man nur „große Geschäfte". ,Ganz I große bearbeitet sogar der Generalpostmeister m höchst- I ,, n rr n m ii r h t a e © t a di e I b e e r f o-r t e n MWZWMWMZWWM MWZWMG? WWZMWR- von dieser Translokation und tischte diese „harmlose Sache «erhalten. «... . - feinen Lesern mit einigen pikanten Bemerkungen zum M-or- I Einen ausgezeichnete« Kitt, um Risse m Gum aenkaffee als Ueuestes Beispiel der Korruption in den I mireifen zu verschmieren, stellt man folgenderweise her Regierungskreisen auf - natürlich gehörte er zur Oppo- I 4 Teile Hausenblase, 10 Teile.Guttapercha und Ick Decke fttionspartei, hier würde man sie Nörgler oder ähnlich I Kautschuk läßt man in 70 Teilen Schwefelkohlenstoff auft nennen — Die übrige Parteipresse schlug schleunigst aus I quellen. Diese Masse wird dann m hie schon gereinigten Leibeskräften Lärm, und als dann die „Permanents" in I Risse des Reifens eingefüllt, und dieser durch Umschnuren den Blättern Tag für Tag erschienen, die zu wissen b-c- mit Bindfaden fest zusammengedruckt. /z gehrten, was Seine Exzellenz mit den Postsachen vor- I („Prakt. Wegw. , Wurzvurg.) habe, sah sich der Stephan Argentiniens schließlich ge- ' —--------- zwungen, die Briefe wieder herauszurücken. Er that dies merkivürdigerweise in der Form, daß er sie in Bauschund- Bogen dem Erzbisch!of von Buenos Aires zu wohl- thätigen Zwecken als Geschenk anbot. Die Eminenz- aber dankte mit einem zarten Hinweis auf die Gesetz-Paragraphen, nach welchem Seine Exzellenz zu verfahren hätte. — Damit war die Sache erledigt — die Versteigerung allerdings mußte aus Mangel an Zeit und Personal vorläufig unterbleiben — und dürfte wohl auch- heute noch nicht erfolgt sein — Selbstverständlich war die Affaire von keinerlei Rückwirkung aus die amtliche Stellung Seiner Exzellenz. *" «-*) ■ b,"‘ I «uKLg d°s O in -°r. ich Eine ganz unglaubliche Geschichte passierte vor einigen Jahren in St. Francisco, der Grenzstation zwischen den Provinzen Cordoba und Santa Fe. Dort waren eines Abends 3 Waggons Zucker — 30 000 Kilo im ganzen — angelangt, die über Nacht auf der Station blieben, und Tags darauf nach ihrem Bestimmungsort Esperanza weitergingen. Dort trafen die Wagen ein, aber der Zucker war verschwunden! Mit Rücksicht auf den Wert des -Objekts IV 6 C k u h r P h i 1 i P P ine H e r r s eher S e 8 s e 1 Stab r 6 i m H a 8 6 n f e 1 1 Und i n S K e 1 1 e r e i N e u n a u g e Redaktion: E. Burkhardt. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch Erben) in Gießen.