Donnerstag den 28 März VK< VÄ3 msonst bist du von ebtcv Glut entbrannt, Wenn du nicht sonnenklar dein Ziel erkannt. L. Uh land. (Nachdruck verboten.) Der Bauer vom Wald. Novelle von A n t o n v. P e r f a l l. (Fortsetzung.) Am ersten Samstag kam der Herr Polentz selbst, ein kleines, dickleibiges Männchen mit einer schwergoldenen Uhr- kette ans der weißen Weste. Er begrüßte Johannes in dem herablassenden, gemütlichen Tone des Städters, dem Land- manne gegenüber, fand aber damit keinen Anklang. . Der sollte ihm den Kopf zurechtsetzen? Der Bauer nliißte innerlich lachen. Es verging aber nicht ein Tag, so entpuppte sich Herr Polentz ihm gegenüber als ein hoch- erfahrener Mann mit sehr gesunden, wirtschaftlichen Anschauungen. Besonders für den Wald schien er das größte Interesse zu haben. Als er am Abend vor Matthes des Bauern konservative Wirtschaft lobte und seine Erfahrung als Generalagent einer Bodenkreditgesellschaft zum besten gab, nach der im Wälde allein die Kraft des Bauernstandes beruhe, da hatte er den Johannes ganz für sich eingeudmmen. „Hörst Du's, Matthes? Mir hast's nit glaub'n woll'n! Wenn's so a Herr selb'r zugiebt!" Und Herr Polentz redete vor ihm dem Matthes in das Gewissen, und der Matthes war ganz zerknirscht und verschämt und versprach ein Einsehen. Was kümmerten ihn jetzt noch die faden Weiberleut. Der Mann kam ihm ja wie vom Himmel gesendet. Am Ende dachte man in der Stadt viel vernünftiger über diese Dinge wie da heraußen, wo gerade so ein paar Redensarten aufgefangen werden, die dann das ganze Unglück anstellen. Johannes fing an, über die Städter günstiger zu denken. Die Bäuerin dagegen schwamm- in eitel Glück. Was sie von der Frau alles zu hören bekam! Sie war schon in der ganzen Welt herumgekommen, und ganz furchtbar reich mußte sie sein, und mit den nobelsten Herrschaften bekannt; und dann die Fräulein Wanda, das schöne, reiche Mädchen! Kein Stolz, 4ein bißl net. Ganz verliebt war s' in den Matthes, und der Schlankel ging darauf ein; wie ein Kavalier betragt er sich. Wer weiß, z'letzt heirat s' ihn no. Warum net? Er war auch fein solcher Bauernbua, wie die anderen alle, sondern für was Besseres geboren. Kurz, eitel Lust und Fröhlichkeit herrschte mit einem Male auf dem Hof. Am nächsten Samstagabend wurde Herr Polentz der Jüngere mit seinem Vater erwartet. Das ganze Haus prangte in Grün, farbige Papierlaterneu waren im Obstgarten und auf der Altane aufgehängt, als gelte es einem Familienfeste oder dem Empfang eines hohen Herrn. Johannes erwartete mit den Herren neue Nachrichten vom Nonnendistrikt, die ihn wohl völlig beruhigen konnten. Wanda hatte eine Erdbeerbowle angesetzt mit Champagner, das Leibgeträuk des Bruders Fritz, wie sie erklärte. Endliche kamen die sehulichst Erwarteten in einem flotten Zweigespann angefahren. Der junge Polentz sah aus wie ein Graf in seinem laugen, Hellen Sommerüber- zieher und seinen zierlichen, eigelben Stiefelchen. Das mädchenhafte, bartlose Gesicht war auffallend blaß, und ein Zug lag darin wie von schwerer Sorge. Oder war es aufreibende Arbeit, die ihn gezeichnet? Der Vater sah ganz jugendlich aus dagegen mit seinen glänzenden, runden Bäckchen und blitzenden, kleinen Augen. Herr Fritz begrüßte beit Bauern mit einem liebenswürdigen Kopfnicken, während er Matthes zur Verwunderung des Vaters wie einem guten, alten Bekannten entgegenkam. Johannes hatte sich also nicht getäuscht, die Sache war abgekartet. Der junge, schwächliche Mensch da, bei dessen Anblick ihm in der Kehle ein unangenehmes Gefühl aufstieg, genau so wie Ekel, war ein alter Freund des Matthes von seinen Besuchen in der Stadt her. Diese Beobachtung weckte von neuem fein Mißtrauen. Tie guten Nachrichten jedoch, welche Herr Polentz mitbrachte, ließen ihn das rasch wieder vergessen. Die Nonuengefahr sei so gut wie beseitigt, die ganze Geschichte von der Presse übertrieben, was aber die Hauptsache sei, die Befürchtung betreffs der Ueberfüllnng des Holzmarktes durch die massenhaft vorhandenen Vorräte sei völlig unbegründet; denn eine einzige große Firma habe über die Hälfte des geschlagenen Holzes aufgekauft. Daran knüpfte er eine Lobeshymne auf die moderne Industrie, die immer neue Quellen öffne, immer wieder dem bedrängten Landwirte zur rechten Zeit unter die Arme greife. Er war eine herrliche Augustnacht, die Bowle that ihre .Wirkung, besonders bei Johannes, dem das Getränk völlig neu war. Er hörte jetzt mit Staunen von den riesigen. Grundspekulationen in der Hauptstadt, in der ein Miethaus mehr Rente abwarf wie ein großes Bauerngut; hörte von armseligen Weideplätzen in der Nähe der Stadt, die so viel wert waren, wie sein ganzer Wald. Er hörte das alles mit der Gemütsruhe an, mit welcher man im sichern Haus, vom warmen Ofen aus, von Schnee und Meeresstürinen erzählen hört, oder von wilder Kriegszeit. Eine nachhaltigere Wirkung erzielte unterdes bei Matthes Herr Fritz mit seinen Erzählungen aus dem großstädtischen Leben, von Bällen und Theater, Redouten und Varietees. In Bezug aus die beiden letzteren stand er voll- ständig auf der Höhe der Erfahrung, und er gab das alles mit einer so imponierenden Ueberlegenheit, mit einer- vornehmen Leidenschaftslosigkeit, welche Matthes besonders anstaunte. Tabei sekundierte ihm Wanda und warf Matthes Blicke zu, die diesen in völligen Taumel versetzten. Was waren gegen sie alle die grobknochigen Dirnen mit den harten Bewegungen, welche die Arbeit verleiht; so reizlos und stumpf tote das ganze Leben da heroben aus dem Hofe! Und dieses Prachtweib liebte ihn, so unbegreiflich es ihm selber war, ihn, den Bauernburschen! Jeder Blick sprach; es' unzweideutig aus. Aber was wollte er denn mit ihr? Bäuerin vom Wald konnte sie doch; unmöglich! werden. Das wäre ja der reinste Hohn. Und da ringsherum lag das herrlichste Heiratsgut, das blanke Gold in ganzen Haufen. „Hunderttausend Mark lege ich bar hin für Euern Wald", sagte neulich; ein Händler zu ihm. Wie könnte er damit auftreten! Keinen Augenblick thät sie sich besinnen ! Die Unterhaltung wurde immer animierter...... Der Herr Fritz sang mit einer heiseren, kränklichen Stimme, von Rosl auf der Guitarre begleitet, abgedroschene Barieteelieder von sehr zweifelhaftem Inhalt, mit beziehungsreichen Blicken auf Wanda; und Matthes. Als Rosl von der Mutter hinausgeschickt wurde, um etwas zu holen, begleitete sie Wanda mit einem nicht mißzuverstehenden Blick auf Matthes. In einigen Minuten folgte er. Rosl kehrte dann wieder zurück, Fräulein Wanda aber war nicht zu sehen. „Im Obstgarten traf er sie. Ein Lampion habe zu brennen angefangen, deshalb sei sie hierhergeeilt. Matthes verwünschte jetzt seine Schwerfälligkeit, er wußte kein Wort zu sagen. Das rote Licht der bunten Laterne beleuchtete das Gesicht Wandas und trieb sein Spiel in ihren verführerischen Augen, während er an dem Draht herumnestelte. Sie half ihm. Ihre Hände berührten sich. „Wollen Sie wirklich Ihr ganzes Leben da heroben bleiben?" fragte sie plötzlich „Sie sind ja gar kein Bauer." Matthes stieg das Blut in das Gesicht, und das Herz schlug ihm höher. In diesem Augenblicke, aus diesem Munde schien das Wort ihm das höchste Lob. Es verlieh ihm Mut. „ . „Sie spott'n ja grad, Fräul'n Wanda! Wenn i kem Bauer wär', dann —" „Nun was dann, Herr Matthes?" Er sah nichts mehr, wie dieses Lächeln, diese verführerischen Augen; den Hof, den Wald, alles ringsum hatte die Nacht verfchlungen. Heiß stieg es ihm zu Häupten, und die rücksichtslose Natur seines Stammes schlug plötzlich durch Er zog sie an sich mit seinen muskelstarken Armen und drückte einen heißen Kuß auf ihre Wangen. Tann lieh er sie ebenso plötzlich los in dem Bewußtsein, eine Keckheit begangen zu haben. Doch, das Fräulein wich nicht aus dem Lichtkreis. Es blickte ihn unverwandt an mit seinen großen, schwarzen Augen voll neuer Lockung, und Matches brachte das Wort nicht heraus, das ihm in der Kehle steckte. In diesem Augenblicke vernahm man die laute Stimme des Herrn Polentz. Er hielt eine Rede. Das Fräulein ergriff Matthes am Arm und zog ihn fort. „Kommen Sie, Matthes." Nie mehr wird ihm so günstige Gelegenheit, er wird es sich nie verzeihen können, wenn er sie aus Feigheit verpaßte. „Könnten Sie mi' wirkli ein bißl gern hab'n, Fräulein Wanda?" fragte er. Da schmiegte sie sich inniger an ihn. „Alles kann ich für Sie thun, wenn Sie mir folgen wollen, nur nicht hier bleiben..... Aber jetzt kommen Sie, der Papa spricht." Arm in Arm traten sie aus de,'m Dunkel an den Tisch. Hier stand Herr Polentz, das Glas in dar Hand, die feiste Rechte auf deü Tisch gestützt, und überblickte selbstbewußt die Versammmlung. „Ja, es ist mir eilte hohe Genugthuung, einem Manne näher treten zu dürfen, welcher der würdigste Vertreter ist weit und breit unseres altangesessenen Bauernstandes, unserem verehrten Johannes, Bauer vom Wald! Gerade ich, als Vertreter des Kapitals, der Industrie, muß sie fühlen. Industrie und Bauer sollen Hand in Hand gehen bei der großen Kulturarbeit der Menschheit, sich; gegenseitig stützen und fördern, nicht bekriegen." Der junge Polentz spielte einen drolligen Akkord auf der Guitarre; die Bäuerin und Frau Polentz lachten hell auf. Johannes trief ein zorniges „Pst!", während Herr Polentz einen entrüsteten Blick hinüberwarf auf seinen Sohn. „Ich für meine Person habe es in meinem Beruf, der mich mit dem Bauern in stete Berührung brachte, mir stets zum Grundsatz gemacht, in ihm unser staatserhaltendes Element zu sehen, habe es mir nie einfallen lassen, seine Schwerfälligkeit in Handel und Wandel zu belächeln, im Gegenteil, die Notwendigkeit dieses zähen Beharrens im Interesse der Erhaltung seiner Eigenart eingesehen. Der Bauer soll nicht spekulieren. In der Stetigkeit seiner kleinen Verhältnisse, im Einklänge mit seinen kleinen Bedürfnissen liegt allein sein Heil. Nichts ist gefährlicher für den Bauern, als herauszutreten aus seiner gewohnten Beschränktheit, aus seinem Stand, und sei damit auch ein scheinbarer Gewinn verbunden. Ich spreche aus Erfahrung, auf Grund unzähliger trauriger Beispiele." Johannes, dessen starkes Profil schwarz sich abhob vom grellen Lichtscheine, nickte in stummem Einverständnis. Polentz wandte sich direkt zu ihm. „Und wenn es einmal geschieht, dann kann nur eines ihn retten; unbedingtes Vertrauen auf einen erfahrenen, erprobten Mann, der es ehrlich mit ihm meint, der ihm die rechten Wege weist in dieser ihm fremden Welt. Ich weiß, warum ich dies sage. Unser Johannes wird dieses Vertrauensmannes ckwohl nicht bedürfen" — Polentz hatte das Paar erblickt, das aus dem Dunkel heraustrat — „aber die Jugend! Die Jugend beginnt zu rütteln an dem Werk der Alten. Diese möchte ich warnen, dieser möchte ich zurufen, haltet fest an dem alten! Seht, dort steht sie ja" — er wies auf das Paar, das in seiner Verlegenheit noch enger sich aneinander schloß — „da steht sie ja, unsere Jugend, die Verkörperung der Zukunft. Der Sohn des Bauern vom Walde Arm in Arm mit der Tochter des Kapitals, der Industrie —" Wieder griff Herr Fritz den drolligen Akkord. Diesmal aber lachte niemand, auch die Bäuerin nicht, welche mit hochklopfendem Herzen das seltsame Bild betrachtete, die Erfüllung ihrer heißesten Hoffnung, während Frau Polentz halb die Erstaunte, halb die Entrüstete spielte. „Wahrlich ein erfreulicheres Bild könnte ich; mir nicht denken, und so erhebe ich das Glas und fordere Sie auf, mit mir anzustoßen auf das Wohl des ganzen Bauernstandes, insbesondere aber seines würdigsten Vertreters, unseres Bauern vom Wald. Er lebe hoch!" Fritz spielte einen lärmenden Tusch auf der Guitarre. Man stieß an, man trank sich zu, schrie durcheinander. Fran Polentz fiel in einer Anwandlung von Rührung ihrer Tochter um den Hals und vergoß helle Thränen.' Herr Polentz drückte Matthes vielbedeutend die Hand. „Sie sind ja ein Tausendsasa", flüsterte er ihm zu. „Ich gratuliere!" Johannes war tief bewegt.-Der Mann hatte ihm aus dem Herzen gesprochen, und ehrlich meinte er es auchj, das hörte man schon heraus. Er drückte ihm warm die Hand. Es war ihm, als habe er Polentz die schlechte Meinung abzubitten, die er anfänglich von ihm hatte. Und Polentz klopfte ihm auf die breiten Schultern. „Schon recht, alter Freund. Der Polentz ist immer zu sprechen für Sie. Merken Sie sich bas." In diesem Augenblicke stutzte Johannes. „Horch! Hör'n S' nix?" ®r hob das Haupt und horchte in die Nacht hinaus. Trotz des Lärmes unt sich herum vernahm er deutlich ein sonderbares Geräusch in der Luft, ein unerklärliches Knistern. Polentz lachte ihn aus; das mache nur die Bowle. La — was war das? Schnee! Flocken auf Flocken' Johannes schlug mit den Armen um sich, wischte sich die Augen. ' Da brach ein Geschrei, ein wildes Gelächter los. Ein dichtes weißes Gewirbel senkte sich herab durch die Finsternis ein lebendiger Schleier, schwere weiße Flocken. Sie schlugen schmerzend in das Gesicht, mit einem dumpfen Geräusch auf die Kleider. Sie hafteten daran. Sie verdunkelten die Lichter, die sie in wildem Wirbel umgaben. Jetzt füllte sich Johannes Hand bei einem Schlag durch die Luft mit einer weichen, krabbelnden Masse. Er wankte gegen das Licht, öffnete die Faust, da flog es wieder heraus — Schmetterlinge! lauter Schmetterlinge! Und sprachlos starrte er auf den einen, der ihm zwischen den Fingern blieb. (Fortsetzung folgt.) Pardon, gnädige Fra«! Von Th esi Bohrn. (Wien.) (Nachdruck verboten.) „So", sagte Frau v. Torbann und lehnte sich behaglich im Fauteuil zurück, „nun habe ich Bericht erstattet übenden gestrigen Ausflug per Rad nach M., erlaube mir über die Bemerkung, daß Sie ein äußerst zerstreuter Zuhörer waren, und wenn ich Sie jetzt examinieren wollG. . . ." „Um Gottes Willen nicht, gnädige Frau!" „Aha, da haben wir's! Sie geben also Ihre Geistesabwesenheit bei meiner Erzählung zu, Herr Doktor?" ' „Meiner Treu, ja." Frau v. Torbann lachte. „Was soll man mit solch einem unverfrorenen, ungalanten Patron, wie Sie sind, anfangen?" „Nachsicht mit ihm haben und ihm verzeihen, gnädige Frau." „Gut, ich will Gnade für Recht ergehen lassen, aber nur unter einer Bedingung." „Und die wäre?" „Daß Sie mir sagen, was Ihre Aufmerksamkeit in so hohem Grade ablenkte, daß Sie meinem Bericht mtr ein halbes Ohr liehen." „Mit Vergnügen! Meine Gedanken richteten sich buchk- stäblich nur auf einen Punkt — es genierte mich nämlich etwas an Ihnen, gnädige Frau." „An mir? Wie meinen Sie das?" „Genau so, wie ich es sage." „Das verstehe ich aber nicht! Ist das Etwas, welches Sie genierte, greifbarer Natur?" „Ja, und wenn Sie erlauben, möchte ich es entfernen." „Hm, also ein Toilettenfehler?" „Richtig, gnädige Frau, ein Toilettenfehler." „Mit welcher Bestimmtheit Sie das sagen; wer weiß, ob Ihre Auffassung richtig ist," „Darüber ließe sich Meilen — Sie erlauben also?" „Gewiß, id). bin eben streitsüchtig gelaunt." „Um so besser, ich liebe streitsüchtige Temperamente", rief Dr. Fronze und erhob sich rasch. Er zog ohne weiteres das feine, veilcheuduftende Spitzentüchlein aus Frau v. Torbanns Gürtel und wischte damit über das rechte Ohrläppchen der erstaunten Dame. „So", sagte er dann, und gab das Tuch mit galanter Verbeugung zurück. „Nun, was war das? etwa ein Rußk'örnchen oder ein — Glücksschweinchen?" „Nein, nur Pvudre de riz." Frau v. Torbann sah ihr Gegenüber höchlich erstaunt, vielmehr verständnislos an; es folgte eine kleine Pause. „Ach, Sie meinten wohl, mich verlegen zu machen, Herr Doktor? Erlauben Sie, kommen Sie vom Kongo oder aus einem Freilandgebiet?" „Nein, sondern, wie Sie wissen, direkt aus der Stadt der Mode, aus Paris." „Da bringen Sie wohl als sensationelle Neuigkeit die Nachricht, daß seit einer Woche bei den Pariserinnen der Puder außer Mode kam? „Thut mir leid, berichten zu müssen, daß die Pariserdamen nach wie vor so geschmacklos sind; sich zu schminken." „Nun, sagte ich's nicht, daß Sie aus irgend einer Nach drei Wochen überbrachte ein Dienstmann an Frau v. Torbann ein Päckchen; es enthielt eine reizende Dose aus Bergkristall mit reichem Silberbeschlag, vollgefüllt mit köstlich parfümiertem Poudre de riz und beiliegend eine Visitcn- Wildnis kommen müssen? Seit wann ist dmn Puoetz Schminke?" „Alles, womit man das Gesicht beschmiert oder bestaubt, ist Schminke, und alles, was Schminke ist, ist häßlich, und widersinnig, ist unnatürlich und gemeingefährlich, weil geradezu gesundheitsschädlich; es verstopft die Poren, es; macht die Haut. . . ." „O, bitte, bitte, lieber Doktor, nur keinen medizinischen oder schönheitlichen Vortrag!" „Fürchten Sie nichts, gnädige Frau — lassen wir also das Gesundheitsschädliche beiseite und nehmen wir den Schönheitssinn her; wo bleibt der in diesem Falle? Oder finden Sie vielleicht ein bemaltes Gesicht schön?" „Nein", lachte Frau v. Torbann, „ein bemaltes Gesicht finde ich allerdings nicht schön, das wäre des Guten zu viel — nur keine Uebertreibung mein Freund! Sie thun ja gerade, als würfen wir uns den Puder mit der Mauerkelle ins Gesicht! Die Anwendung des Puders will auch verstanden sein, Und wenn einmal aus Versehen einige Stäubchen am Ohrläppchen haften bleiben, so schadet das! gar nicht. Wenn man Sie reden hört, könnte man fast zu der Ueberzeugung gelangen, der Gebrauch des Puders sei em Staatsverbrechen; aber mit Ihnen werde ich über diesen Punkt nicht streiten; denn was ich auch zum Lobe des Puders vorbringen könnte. . . ." „Ganz richtig, würde ich alles gründlich widerlegen; ich begreife nur Herrn p. Torbann nicht, daß er Ihnen das teintverderbende Mittel nicht ein- für allemal verbietet." „Sie sind naiv wie alle Junggesellen in dergleichen Dmgen — mem Mann kümmert sich absolut nie um meine Toilettenangelegenheiten, der sieht dergleichen gar nicht warten Sie nur, bis Sie einmal verheiratet sein werden dann.../« ' ■ . l „O, meine Frau darf keinen Puder verwendens das! Ichworc ich bei der Göttin der Schönheit!" schwören Sie nicht! Ihre Frau wird's schon klug anstelten; Sie müssen es gar nicht wissen." „Als ob man das nicht sähe!!" - . E^",Sie's denn bei mir, bis heute, wo der Zufalk es wollte? Uebrigens giebt es ja gar keine Dame, die nicht we.nlgstens in der rauhen iind in der heißen Zeit, Puder „Was Sie sagen, gnädige Frau!" „Ganz gewiß, bester Freund, Sie können sich darauf SÄ» WM •*ei” ”*•« "Ei??^' aIS o°ne, ein ganzes Dutzend." «njs gleich Frau Major Schön, Frau Baumeister Adelest' htC ^Dfrar Kosten, und dann mein Schwesterlein K* * Sch«°st°rlm. uprtnÄMtooI[en ®ie doch Nicht sagen, daß Adele Puder ■V V i-1 U V 11V V 1- f „Täglich, Doktor, täglich." „Aber das ist nicht möglich! Sie irren sich gnädige Frau; ich weiß es bestimmt." M „"Sie wissen garnichts, Doktor! bitte, strecken Sie Ihre brL0 6t™ lernen Sieg für Sie. Aber hören Sie einen Vorschlag. Wenn Sie rm stände sind, mir den Beweis daß eine, nur eine einzige Dame unserer Bekanntschaft die von ^chnen so gründlich verachtete Gewohnheit nicht hat, so will ich einen Schwur leiiteii, den Schwur, nee mehr in meinem Leben eine Puderguaste an- zuruhren — sind Sie damit zufrieden?" „Hinreichend, gnädige Frau", rief hocherfreut Dr. Fronze. „Gut, dann gebe ich Ihnen drei Wochen Frist zum Sammeln des Beweismaterials, aber keinen Tag länger" lachte Frau v. Torbann. ' „Schön, es bleibt dabei; hier diesen Handkuß zur Besiegelung." 0 180 forte von M. Max Wonze, auf deren Kehrseite geschrieben stand: „Pardon, gnädige Fwaiu!" — Und Frau v. Torbann stellte mit triumphierendem Lächeln die Sendung auf ihren Toilettentisch. Verein der Bücherfreunde. Als vierter Band des zehnten Jahrgangs der Veröffentlichungen des „Vereins der Bücherfreunde" (Geschäftsleitung : Alfred Schall, Königl. Hofbuchhandlung), Berlin W. 30, erschien soeben: HansHolbeinderJüngerevon Professor Dr. I. W. Otto Richter. Umfang 22 Bogen. Preis geheftet 4 Mark, gebunden 5 Mark. Für Mitglieder des „Vereins der Bücherfreunde" kostet der Band nur 1 Mark 85 Pfg. geheftet und 2 Mark 25 Pfg. gebunden. Der durch seine historischen Erzählungen aus den verschiedensten Gebieten der vaterländischen Geschichte best- Lekannte Autor schildert den berühmten Maler Hans Holbein den Jüngeren von den frühen Tagen der Kindheit an bis zum vorzeitigen Tode. Holbeins berühmte Werke, seine künstlerische Eigenart, sein Privatleben, seine persönlichen Beziehungen zu bedeutenden Zeitgenossen und schließlich auch die politischen und kulturellen Zustände seiner Zeit werden in fesselnder, historisch treuer Weise dargestellt. „Hans Holbein der Jüngere" ist eine Bw- graphie, die des Lesens wert ist und dem Leser nachhaltigen Genuß gewährt. Deutsche Vergangenheit, deutsche Kunst, kurz, deutsches Wesen sind die Würze dieses Buches, das wir warm empfehlen können. Die 6 recht guten Bilder geben dem Beschauer einen deutlichen Begriff von Holbeins hervorragendem Talent. Ter „Verein der Bücherfreunde" hat mit diesem Werk ein wirklich gutes Buch veröffentlicht und wünschen wir ihm im Interesse der deutschen Litteratur ein ferneres gutes Gedeihen. Prospekte und Satzungen über den'„Verein der Bücherfreunde" sind durch jede Buchhandlung und die Geschäfts- leitung des „Vereins der Bücherfreunde", Berlin W. 30, zu beziehen. ... Gemeinnütziger. Haarfärbemittel, an denen man sterben kann. Der Frauenarzt Dr. Emil Pollak machte jüngst der „Wiener klinischen Wochenschrift" Mitteilung über einen Fall schwerer Erkrankung durch ein Haarfärbemittel „Phömx", welches nach der durch Professor Dr. Ernst Ludwig vorgenommenen chemischen Analyse u. a. Paraphenhlendramrn, einen der gefährlichsten Giftstoffe, enthält. Dr. Pollak wurde im April v. I. zu einer Patientin gerufen, die an verschiedenen Teilen, besonders am Kopfe, ekzematöse Entzündungen zeigte, und im ganzen ein schweres pathologisches Bild darbot, und erst nach einer Behandlung von mehreren Tagen außer Gefahr gebracht werden konnte. Die Dame hatte zum Schwarzfärben ihrer ergrauenden Haare das von einem Wiener Friseur als absolut unschädlich angeprresene Mittel „Phönix" benützt, das wohl das Haar musterhaft färbte, aber nach dem dritten Aufträgen (3. Aprll) dre erwähnte blutvergiftende Wirkung äußerte. Die Tierversuche (Kaninchen) mit dem Mittel endigten mit dem Tode der Tiere Es war somit llar, daß es sich bei der Frau um eine Vergiftung gehandelt habe, die sie unter Umständen das Leben hätte kosten können. Der Erzeuger des „Phönix" gab übrigens dem behandelnden Arzte selbst zu, daß das Mittel im wesentlichen eine fechsprozentige Paraphenyl- endiamin-Lösung enthalte. Schließlich sei die Thatsache verzeichnet daß auch in den Haarfärbemitteln „Juvenra" und „Nußextrakt" der bezeichnete äußerst giftige Körper enthalten ist. Kesundyeitspflege. Gurgelmittel. Etwas Honig und Apfelessig zu Kamillenthee zugesetzt, wirkt, nach der Verordnung des Sanitätsrates Kohlmann, als Gurgelmittel gebraucht, 6et angeschwollenen Mandeln und dadurch veranlaßten Schllng- heschwerden vorzüglich, Aeld und Karte». Die Blumenkohlkultur in Erfurt. Erfurter Blumenkohl ist weltberühmt. In großen Mengen geht er Jahr um Jahr in aller Herren Länder. Es ist deshalb für jeden, der Blumenkohl gerne ißt, interessant, einmal einen Blick in die Art der Kultur zu thun, und für den, der Blumenkohl selber baut, noch interessanter, die Kultur in Erfurt kennen zu lernen. In Nr. 52 des bekannten „Erfurter Führers im Gartenbau" ist die Kultur ausführlich geschildert und durch Abbildungen erläutert. Einsicht kann jeder davon nehmen, da diese Nummer unseren Abonnenten kostenfrei zur Verfügung steht, wenn sie sich mittelst Postkarte nach Erfurt wenden. Litterarische». Katechismus drr Zoologie. Zweite Auflage von Prof. Dr. William Marshall. Mit 297 Abbildungen. In Originale leinenband 7 Mark 50 Pf. Verlag von I. I. Weber in Leipzig. Die zweite Auflage dieses Katechismus ist ein ganz neues Werk. Die erste von Dr. Giebel verfaßte Auflage war nur 18»/, Bogen stark und enthielt 124 Abbildungen, die von dem rühmlichst bekannten Leip, ziqer Zoologen W. Marshall vollständig neu bearbeitete zweite dagegen hat einen Umfang von 38 Bogen und ist mit 297 Illustrationen ausgestattet. Mit Recht hat der Verfaffer mit der veralteten Schablone gebrochen, die Wirbeltiere in den Vordergrund zu rücken. Er beginnt vielmehr mit den einfachsten Organismen, den Protozoen und steigt von hier aus zu den vollkommeneren Organismen auf, wobei aber wieder Hohltiere, StaWhäuter, Darmatmer, Würmer, Glfederfüßler, Mollusken und Manteltiere mit sichtlicher Liebe bedacht worden sind. Gerade die sorgsame Behandlung der niederen Organismen erschließt daS volle Ber. ständniS des Werdeprozesses der organischen Welt. In diesen Kaplteln zeigt sich die Betrachtungsweise des Autors in glänzendstem Lichte da er bei jeder Tierklaffe auf den inneren und äußeren Bau, die Entwicklung, die Lebensweise und die geographische Verbreitung eingeht. Nicht genug zu loben ist es, daß der schöne, durchsichtige Vortrag des Verfaflers der Aufstellung von Hypothesen auswetcht. KiNder.ZettUN«. HerauSgegcben von Felix von Stenglin Groß-Lichterfelde. Inhalt von Nr. 26. WaS in der Welt vorgeht: Woher kam der Blutregen? Die Verwundung des Kaisers; Deutscher Sieg in China; Gemütlicher Eisenbahnverkehr; Die Friedensverhandlungen m Südafrika; Eine Huldigung der Kinder in Bayern; Kaiserliches Geschenk für den Häuptling der Samoa-Inseln; Riesenflöße auf dem Ozean. Aus dem Reiche der Natur: Der Spatz und die Spatz,n; Die Abenteuer eines Hasen. Der Beobachter in Wald und Feld: Ein gefangener Waldkauz. „Peters wunderbare Reisen und Abenteuer." (Forts.) Erlebnisse. Allerlei. Anzeigen. — Zu beziehen durch alle Postanstalten, Buchhandlungen und die Geschäftsstelle in Groß-Lichterfelde, Dahlemerstr. 7a. Silbenversteckrätsel. Nachdruck verboten. Mutter, Bleisoldat, Seegras, Sophie. In vorstehenden Wörtern find der Reihe nach die einzelnen Silben eines Wortes versteckt, das ein wichtiges Verkehrsmittel bezeichnet. Auflösung in nächster Nummer. Auflösung des Anagramms in vor. Nr.: Horst, Utah, Mais, Bober, Otter, Leim, Dame, Traum. — Humboldt. Für Burenfreunde! Anfang und Mitte April werden die „Familienblätter" ein Preisrätsel bringen. Die Einsender der znnächst aus der Urne gezogenen vier richtigen Lösungen erhalten als Preis je ein gebundenes Exemplar des von der Kritik als eine Erscheinung allerersten Ranges gekennzeichneten Buches Siegen oder Sterben. Die Helden des Bnrenkrieges. Bilder und Skizzen nach eigenen Erlebnisten von Fred. Rompcl, Parlamentsberichterstatter nnd Kriegskorrespondent der „Volksstimme" in Pretoria. Die Namen der Gewinner werden seinerzeit in den „Familienblättern" veröffentlicht, und sind die Preise gegen Vorzeigung der Abonnementsquittung in unserer Geschäftsstelle Schulstraße 7 in Empfang zu nehmen. »ebrftwtt: »«rt&erlt. _ »ruck «n» «erlsg bet Brühl'schm MiversttütS-Buch- uab Steindrucke«! (Pietsch ttle») i* «ch»